Das Essay — Teil VII

Kohärenz

Legende der Blöcke

Theorie — die begriffliche Darstellung Methode — Bemerkungen zur Anwendung Baudelaire — die Anwendung auf das Sonett Entsprechungen
§481
· Jeton
Theorie

Da die Vergessenheit uns in manchen Fällen daran hindert, zwei mit großem Abstand vorgetragene Vorstellungen leicht miteinander zu verbinden, scheint es angebracht, die Entwicklung der Ballung Schritt für Schritt zu verfolgen und die Kontinuität der Vorstellungen des Dichters sorgfältig zu beobachten. Unter diesem Gesichtspunkt sind wir bemüht, Glossen und Ripse einheitlich zu behandeln, damit die Berechnung nicht verwickelt ausfällt. Hierzu wenden wir Ideen auf Ballungen an, die wir auf die in diesen Ballungen enthaltenen Texte bereits angewendet hatten: “Kritik”, “Publikum”, “Ursprung”, “Schaffender” und “Bebilderung”. Des Weiteren nennen wir “Jeton” jeden beliebigen Gedanken des Schaffenden, der aus dem Ursprung einer Ballung stammt. Uns kommt es darauf an, die geringste Kohärenz zwischen den einzelnen Jetons der Ballung entlang zu bewerten. Um der Gefahr auszuweichen, dass unser Leser sich vorstellt, dass ein berühmter Autor nur allzu einfache Ideen im Sinn gehabt hätte, greifen wir auf zwei Bebilderungen zurück, die sich auf die ganze Ballung beziehen.

Anwendung auf Baudelaire

Am Anfang des erstens Vierzeilers müssen wir die Verhältnisse “Natur-Tempel” einerseits und “Tempel-ist” andererseits -und so weiter- bewerten. Wir hoffen, durch dieses langsame, vorsichtige Vorgehen an die Gedanken Baudelaires in „Entsprechungen“ heranzukommen und auf diese Weise hier und da eine gelegentliche Bedeutung auszumachen, die uns bisher nicht aufgefallen war.

Methode

Um einen guten Überblick über die Glaubhaftigkeit der Verbindungen zwischen den vom Schaffenden gewünschten Bildern zu haben, müssen wir Vorstellungen, Gegenstände und Zeichen sorgfältig unterscheiden. Viele Gewohnheiten erschweren uns diese Unterscheidung. Erstens geht das Gedächtnis von einem Zeichen aus, um ein Ding wiederzufinden -wie zum Beispiel ein Kreuz, das auf einer Schublade gemalt wurde. Zweitens gebrauchen wir Wörter, um Gegenstände zu bezeichnen, wobei jedes Wort auch eine Art Gegenstand ist, da es ein Vibrieren der Luft voraussetzt. Drittens bilden die Gedanken im Vergleich zur Welt der Dinge eine Art Parallelwelt, die sich wie ein Gegenstand durch die Geschichte ändert und zum Bereich der Kultur gehört.

§482
· Belasten
Theorie

Jedes undeutliche Zeichen eines Ripses ist allzu materiell, um eine Idee wirklich vorzutragen. Es vermag nur, eine Ahnung zu geben oder etwas einzuflüstern: wir sagen hier, dass es die betreffende Vorstellung belastet. Auf diese Weise stellen wir “vortragen”, das die Vorstellung durch ein Symbol liefert, und “belastend”, das die Vorstellung verschwommen suggeriert, entgegen. Das Ding von «Natur» stellt im Gedicht nur einen Gipfel und keinen Gegenstand der Physik dar, da der Autor «Natur» und «Tempel» verbindet, aber die Bedeutung «Natur» bleibt im Sonett deutlich genug. Dagegen belastet das N von «Nature» -auf Französisch überflüssig- einen Sinn, den wir nicht als Bedeutung bezeichnen können.

Methode

Bei der anfänglichen Untersuchung des Ripses wäre es für uns gefährlich gewesen, im Rips den Sinn, das Zeichen und das Ding zu unterscheiden. Wir mussten zunächst die Rolle des Ripses als materielle Einfügung betonen. Deshalb haben wir in den Absätzen 401 und Sinn und Zeichen zusammen betrachtet und das Ding ausgelassen. Im Absatz 440 haben wir nur unterstrichen, dass der mit dem Rips verbundene Sinn nie einen abstrakten Charakter haben konnte.

Anwendung auf Baudelaire

In der Schiene “bah, ist die fortschrittliche Verbesserung der Menschheit nur Luft” belastet der Rips “bah” einen Jeton. Im Gegensatz wird der Begriff “Verbesserung” deutlich hervorgehoben. Trotz der Gerüchte eines allgemeinen Fortschritts, den der Dichter inmitten aller Leiden vernahm, neigte er dazu, daran zu zweifeln. Behaupten, dass die Welt ein Tempel ist, kann nur einer, der von strengen Folgerungen Abstand nimmt. Dies hing möglicherweise damit zusammen, dass die Voraussetzungen der Wissenschaften ihm im Vergleich zum absoluten Grund der Dinge zu schwach vorkamen. Angesichts dieses philosophischen Problems konnte sich der Autor der Subjektivität hingeben, oder sich trotz seiner Begeisterung für die Wissenschaft an der in künstlerischen Kreisen üblichen Denkweise halten. Die Industrialisierung erleichtert manche Aufgaben, aber unsere Sitten halten nicht Schritt damit. Trabt ein angespanntes Pferd, so bewegt sich der Wagen nicht von selbst; er folgt der Bewegung des Pferdes. Was den Fortschritt in der Kunst betrifft, so Baudelaire, er besteht darin, das Schöne zu pflegen und mit dem Zeitgeist in Einklang zu bleiben, was keinerlei Überlegenheit der zeitgenössischen Kunst im Vergleich zur Kunst vergangener Zeit nach sich zieht. Die Kunst erneuert sich jeweils im Laufe der Geschichte und im Wechsel der Bräuche, die der Künstler zum Ausdruck bringen will [697]-[698]-[715]. Aus der Sicht Baudelaires muss das menschliche Handeln nach Plautus betrachtet werden [684]-[766]: «Der Mensch ist ein Wolf -und kein Mensch- für den Menschen, wenn von seiner Herkunft nichts bekannt ist.» Die innere Begierde, die ihre anspruchsvolle und jedoch gebildete Suche stets fortsetzt, zieht uns in den Abgrund der Verderbnis hinab, den die unendlich winzigen Duftteilchen versinnbildlichen. Rousseau schrieb [874]: «Solange eine Begierde vorhanden ist, kann man auf das unmittelbare Glück verzichten, weil man ein baldiges Glück erwartet. Kommt das Glück nicht, so besteht die Hoffnung weiter, und der Reiz der Illusion hält so lange an wie die Leidenschaft, auf die sich dieser Reiz stützt. Somit genügt sich dieser Reiz selbst, und die damit verbundene Unruhe enthält einen Genuss, der den erwarteten Genuss ersetzt und möglicherweise noch besser ist. Wehe dem, der nichts mehr zu begehren hat! Der verliert sozusagen alles, was er besitzt. Man genießt weniger das Erreichte als das Erhoffte und ist nur dann glücklich, bevor man glücklich ist. In der Tat hat der gierige, bornierte Mensch -der dazu geschaffen ist, alles zu begehren, aber wenig zu erreichen- vom Himmel eine tröstende Kraft erhalten, die ihm alles, was er begehrt, nahe bringt, die alles, was er begehrt, seiner Einbildungskraft unterwirft, die es ihm gegenwärtig und fühlbar macht, die es ihm sozusagen liefert, und, um ihm diesen imaginären Besitz sanfter zu machen, alles, was er begehrt, je nach seiner Leidenschaft ändert. Aber dieses ganze Gebilde verflüchtigt sich angesichts des eigentlichen Gegenstands. Nichts verschönert diesen Gegenstand in den Augen des Besitzers. Es wird überflüssig, sich vorzustellen, was man vernimmt. Die Phantasie ziert nichts mehr von dem, was man besitzt, und die Illusion hört dort auf, wo der Genuss beginnt.»

§483
· Spiegelung
Theorie

Es entsteht eine Spiegelung, sobald der belastete Sinn eines Ripses für den Schaffenden einem gewissen Äquivalent eines Begriffs -oder mehrerer- ähnlich zu sein mag, der im Nu auf verschwommene Weise erstellt worden ist.

Anwendung auf Baudelaire

Durch die Trennung in “expansi-on” entsteht eine Spiegelung des Sinnes «expansion», weil das “i” auf die rasche Auslösung der Düfte hindeuten mag.

Methode

Für den Ausdruck “seine Verbannung kam plötzlich -bum” haben die Bedeutung “plötzlich” und der belastete Sinn von “bum” zusammen eine Spiegelung. Es ist äußerst wichtig, die einzelnen logischen Ebenen nicht miteinander zu verwechseln, um sich in diesem Durcheinander zurechtzufinden. Spinoza hob den Unterschied zwischen [923]«…dem Hund als Gestirn und dem bellenden Hund…» hervor. Es ist möglich, den Fall in großen Zügen zu beschreiben, ohne die Frage der Objektivität des Denkens in der Auffassung der Dinge zu stellen. Auf diese Weise betrachtete der Philosoph von Amsterdam die Zustände wie folgt: wir haben erstens den Hund als Tier: einen Gegenstand; zweitens den Hund als Gestirn: einen Gegenstand; drittens das Wort "Hund": ein Zeichen; viertens die Vorstellung des Tieres in unserem Geist: einen Jeton; und letztendlich unsere Vorstellung des Gestirns: einen Jeton.

§484
· Haken
Theorie

Wenn der Schaffende deutlich sieht, wie ein Jeton einen anderen einführt, sagen wir, dass der erste Jeton für den zweiten einen Haken darstellt. Der Haken mag in einer Verneinung, in einer Affirmation, in einer Frage, oder auch in einer Beschwörung vorkommen. In “die Erde bleibt nicht unbeweglich” ist die Vorstellung “Erde” ein Haken für “unbeweglich”. Auf ähnliche Weise mag eine Reihe von Torheiten auch gelungene Haken bekommen.

Anwendung auf Baudelaire

In „Entsprechungen“ hakt «lang» «Echos» an, weil die Darstellung in unserem Sinn durch dieser Wörter verursacht wird, wenn wir von langen Echos hören: dann denken wir an die hohen Berge und die weiten Wälder, in denen der Lärm lange zurückschallt. Stattliche Gebäude geben einen ähnlichen Eindruck. Weiter hakt «finsteren» «Einheit» an. Diese Verbindung zwischen unseren Vorstellungen verdeutlicht uns, wie schwierig es ist zu begreifen, wie mehrere Erscheinungen zu einer einzigen zusammenschmelzen. Dabei hakt am Anfang des Gedichts «Natur» «Tempel» an, was einem seltsam vorkommt. Dann sucht der Ausdeuter nach neuen Vorstellungen, um den ersten Vers verstehen zu können. Für sich selbst, seine Umwelt oder die ganze Menschheit sucht er eine Bebilderung des Verses, indem er sich auf den Schaffenden und mehrere Texte bezieht. So sagt er sich, dass das Echo eine Verbindung zwischen verschiedenen Lebensabschnitten, oder zwischen Körper und Seele darstellt. Als er über einen englischen Denker nachdenkt, schreibt Delacroix [263]: «Paley sagt zu Recht, dass der körperliche und geistliche Verfall zu ebenso vielen Freuden in einem Sessel führen kann wie die Jugend im Stolz und in der Fülle des Lebens.» Wordsworth beschreibt die Parallele zwischen Körper und Geist in der Torheit [979]: «Ihre Augen sind wild, ist ihr Kopf nackten,
Die Sonne hat ihre pechschwarzen Haare verbrannt…»

Methode

Manchmal entsteht eine größere Schwierigkeit in der Auffassung von Texten, die große historische Umwälzungen von uns getrennt haben. In solchen Fällen müssen wir mit Worten von heute Dinge beschreiben, die uns mit den passenden zeitgenössischen Worten nicht mehr zugänglich sind. Dies setzt eine Einstellung voraus, die es uns ermöglichen würde, die Denkweise des Schaffenden trotz der inzwischen veröffentlichten Werke zu verfolgen, die die Lage benebeln.

§485
· Einsickern
Theorie

Wenn der Schaffende einen Sinn umreißt, der auch in zwei anderen Sinnen vorhanden ist, von denen keiner zu einem Rips gehört, haben wir mit einem Einsickern zu tun. In den Vorstellungen «Farben» und «Töne» erahnt Baudelaire die Vorstellung von “sinnlicher Erscheinung”, was sich leicht für weitere Jetons verallgemeinern lässt. In der Wendung “ich hätte gern 500g Pinkel Pinke” ist kein Einsickern, weil wir wegen des Ripses eher nach einer Spiegelung von “Pinke” suchen müssen.

Methode

Die Mathematik nimmt keinen Bezug auf Einsickern, weil es sich in erster Linie um Gegenstände oder dauerhafte Erscheinungen, derer die Experten sich bewusst sind, und nicht überwiegend um Sinne handelt. Also bevorzugen die Mathematiker das Wort “Schnittmenge”, um zum Beispiel zu unterstreichen, dass 6 an der Schnittmenge zwischen den durch 2 und durch 3 teilbaren Zahlen liegt.

Anwendung auf Baudelaire

Phantasietexte verlangen keine so strenge Kontrolle, weil es unmöglich ist zu überprüfen, was eigentlich zu den Gipfeln gehört oder nicht. Hätte Baudelaire im fünften Vers statt «confondent» (vereinen) “répondent” (antworten) geschrieben, wäre es unmöglich gewesen, ihm einen objektiven Fehler nachzuweisen. Der Ausleger braucht nur noch, sich mit der Umwandlung der Mentalbilder zu befassen, ohne entscheiden zu können, ob der Schaffende sie zu Recht oder zu Unrecht anwendet. Stellen wir uns vor, dass Baudelaire in einer Urfassung im fünften Vers “Comme de longs échos qui de loin se répondent…” (Wie lange Echos, die einander in der Ferne antworten…) geschrieben hätte. In diesem Fall hätten die Wörter “de loin” (in der Ferne) eher “fern von einander” bedeutet. Um den Sinn “von uns entfernt” in dem veränderten Gedicht zu haben, müsste man “au loin” schreiben. Im Übrigen mag der Dichter statt «de loin» (in der Ferne) anfänglich “au loin” (von uns entfernt) geschrieben haben, da sich in der Silbenzahl von dem Alexandriner nichts ändert. In der Endfassung bedeutet «de loin» wegen des Sprachgebrauchs “fern vom Beobachter”. Die Verwechslung der Töne kommt sowohl für den Physiker als auch für den Physiologen daher, dass der Beobachter von der Quelle der akustischen Schwingungen entfernt ist [900]. Da die Wellen sich nach allen Seiten verbreiten, nimmt der Beobachter, der sich nur in einer Richtung befindet, nur einen kleinen Teil wahr. Dieser Klaganteil wird noch geringer, wenn der Beobachter von der Quelle entfernt ist, so dass er die einzelnen Stellen, aus denen die Schwingungen des anfänglichen Schalls und des damit verbundenen Widerhalls kommen, nicht unterscheiden kann. So hätte Baudelaire im fünften Vers “Comme de longs échos qui de loin se répondent…” (Wie lange Echos, die einander in der Ferne antworten…) geschrieben, dann wäre für den Leser die Vorstellung des Abstands nicht die gleiche. Da es sich mit dem Gedicht um einen Phantasietext handelt, ist es nicht weiter überraschend, dass die Bedeutung von “de loin” (in der Ferne) sich mit dem Zusammenhang leicht verändert, so dass der Leser in beiden Fällen durchschauen kann, wenn auch im Einzelnen feine Unterschiede bestehen.

§486
· Einsickern, Haken und Spiegelung
Theorie

Spiegelung, Haken, Einsickern und Verknüpfung sichern die Sinnkontinuität zwischen zwei Reihen von Jetons (EFG, JKLMN), die gelegentlich nur aus einem Paar (E, F) bestehen. Je nach den Umständen, die sich auf diese oder jene Stelle in der Ballung beziehen, wird dieses oder jenes Element der Kontinuität der Vorstellungen betont. Betrachten wir die Ballung: “Viel Lärm und insbesondere viel Geschrei verwirrten sie.” Hier liegt zwischen “Lärm” und “Geschrei” nicht nur ein Haken, sondern auch ein Einsickern von "Klängen" vor. In Zweifelsfall über die Ursache der Sinnkontinuität wählen wir die deutlichere, wenn die Rechtmäßigkeit auf beiden Seiten gewährleistet ist.

Methode

Des Weiteren mag jeder Spruch des Textes, auf den man sich bezieht, um erklären zu können, dass von Verknüpfung, Einsickern, Haken oder Spiegelung wenigstens ein Element vorhanden ist, entweder eine Verneinung, eine Affirmation oder eine Frage sein. Ebenso ist es völlig unwichtig, ob diese Vorschläge wahr, falsch oder möglich sind. Im Ausdruck “die Erde dreht sich um die Sonne” teilen sich die Elemente “Erde” und “Sonne” unabhängig davon, ob das Urteil wahr oder falsch ist, die Vorstellung “Gestirn”.

Anwendung auf Baudelaire

Wenn Baudelaire die verdorbenen Düfte erwähnt, hakt die Bedeutung “Düfte” “verdorben” an, auch wenn die eigentliche Bedeutung von “verdorben” unklar bleibt. Wir können uns mit Molière eine verdorbene Seele vorstellen, die -im Bereich der Medizin von der Zeit- ihre Kunden über geheime Vereinbarungen mit anderen Ärzten und Auskünften aus dem Umgang betrügt [539]: «Da der Himmel uns seit so vielen Jahrhunderten damit begünstigt, dass die Menschen uns vertrauen, sollen wir nicht vor lauter Dummheit ihr Misstrauen durch unseren Gelehrtenzwist wecken. So sollen wir die Albernheit der Menschen so unauffällig wie möglich nützen. Wie Sie wissen, sind wir nicht die einzigen, die uns diese verbreitete Schwäche zunutze zu machen versuchen. Darauf zielt meistens die Suche der feinen Leute, und jeder versucht, die Menschen von ihrer schwachen Seite anzugreifen, und daraus Profit zu schlagen. Zum Beispiel versuchen Schmeichler die Vorliebe der Menschen für das Lob zu nutzen, indem sie ihnen den heiklen Weihrauch geben, den sie sich wünschen, und in dieser Kunst werden beträchtliche Vermögen, wie jeder es sehen kann, gewonnen.» Ein sorgfältig verstelltes Betragen beruht auf ähnlichem Grund, wie Don Juan in der Szene erklärt, in der er plötzlich das falsche Aussehen eines frommen Menschen nimmt [538]: «Es ist eine Kunst, deren Schwindel immer beachtet wird, und selbst wenn sie aufgedeckt wird, wagt es keiner, dagegen anzugehen. Alle anderen Laster der Menschen sind der Zensur ausgesetzt, und jeder mag sie unverblümt anklagen, aber Heuchelei ist ein besonderes Laster, das jedem den Mund zuhält, um in aller Ruhe eine volle Straffreiheit zu genießen. Vor lauter Fratzen wird mit den Frömmlern eine enge Gesellschaft gebildet. Wer bei einem ihrer Anhänger Anstoß erregt, wird durch Dutzende von Feinden bekämpft. Wer ehrlich fromm ist und von allen als wahre Gläubige erkannt wird, fällt schließlich auf die Heuchler herein und wird ihnen zum Werkzeug, indem er sich blindlings auf die Seite derer stellt, die seinen Glauben nachäffen.»

§487
· Drell und Maische
Theorie

Die Maische mit dem Symbol (- - -) besteht aus zweierlei. Um die Beschreibung (E- - -F) richtig benutzen zu können, müssen wir sicher sein, dass der Schaffende zwischen den Vorstellungen E und F Einsickern, Haken, Spiegelung oder Verknüpfung erwogen hat. Des Weiteren soll er dem Publikum die Verständigung dieses Verhältnisses EF nicht vorsätzlich erschwert haben. Dasselbe gilt für verwickeltere Verhältnisse zwischen den Jetons EFGH und IJK, die die Maische (EFGH- - -IJK) verdienen. Ein Drell (E- - -F) oder (EFGH- - -IJK) wird dann gebildet, wenn in der Maische nur von belasteten oder vorgetragenen Jetons die Rede ist. Wird ein Element einer Ballung zweimal angewendet, in der Absicht zwei innere Sinne zu vereinen, so kommt das am leichtesten zugängliche Element zuerst: (expansion- - -expansi-on) (Ausdehnung. . .Ausdeh-nung). Liegen die Elemente des Drells -wie in (vivants- - -piliers) (lebendige. . .Säulen)- weiter auseinander, dann hält man sich an der Reihenfolge der Ballung, wobei es möglich ist, zwischen den verschiedenen Elementen des Drells gewisse Jetons der Ballung auszulassen. Lehnen wir uns an die alphabetische Ordnung, so ist es falsch (F- - -E) zu schreiben, da im Alphabet E vor F steht. Das Symbol (E- - -F) wird “E Punzen F” gelesen, und im Falle von (EFH- - -RS) -und so weiter- wird ähnlich verfahren.

Methode

Betrachten wir den Ausdruck: “Er ist bis zur Brücke und zurück gelaufen und hat bis zum folgenden Tag geschlafen.” Der Drell (gelaufen- - -Tag) ist kaum glaubhaft. Mangels einer Verknüpfung kann kein Haken ernst genommen werden, wenn der Abstand zwischen den Elementen groß ist. Die Phantasie mag wohl Bindungen wahrnehmen, aber diese bleiben unsicher. Eine erste Lektüre wird uns von den Bindungen überzeugen, die bei der zweiten Lektüre nicht mehr sichtbar sein werden, während die Glaubhaftigkeit mehr Stetigkeit voraussetzt. Der Ausleger darf sich nicht der Illusion hingeben, dass alles, was der Feder eines berühmten Autors entspringt, mit allen möglichen Bindungen zwischen den Wörtern durchdacht worden ist. Ein überlegener Geist hat nicht unbedingt an alles gedacht, was die Ordnung seines Schriftstücks an Kontaktmöglichkeiten bietet. Er mag in seinen Gedanken Verschwommenes hinterlassen haben. Der heilige Augustinus nimmt seinen Leser, ohne dass der Drell (Bitterkeit- - -Saus und Braus) besonders überzeugend ist, mit folgenden Worten in seiner Bekehrung zum Paulinismus mit [44]: «Ich sprach und weinte in der ganzen Bitterkeit meines zermalmten Herzens. Plötzlich hörte ich aus dem Nachbarhaus eine Jungen- oder Mädchenstimme -ich weiß es nicht- die "Nimm, lies! Nimm, lies!" sang und mehrmals wiederholte. Auf der Stelle schöpfte ich wieder Hoffnung und fragte mich genau, ob diese Worte zu einem Kehr- oder Abzählreim gehörten, aber es fiel mir nichts dergleichen ein. So beeilte ich mich zur Stelle zurückzukehren, wo Alypius saß und wo ich vorhin, als ich aufstand, das Buch des Apostels hatte liegen lassen. Ich ergriff es, schlug es auf und las ganz leise den ersten Kapitel, den ich zu sehen bekam: "Lebt nicht in Saus und Braus…"»

Anwendung auf Baudelaire

In (expansion- - -expansi-on) (Ausdehnung. . .Ausdeh-nung) kommt eine Spiegelung zum Vorschein, da der Vokal "i" an einen schwirrenden, geschleuderten Stein erinnert. Das Bild der Verdampfung vereint sich mit dem des Wurfs. Daran dachte Cyrano de Bergerac in seiner Erzählung einer Reise im Himmel [223]: «Ich hatte viele mit Tau gefüllte Fläschchen umgehängt, und die Wärme der Sonnenstrahlen zog den Tau an, und ich erreichte eine solche Höhe, dass ich letztendlich höher als die höchsten Wolken schwebte.» Unser Geist, der eine Art luftige Substanz ist, vermag, dem Körper Schwung zu geben, so dass die Leute nach Cyrano auf diese Weise von einem Gestirn zum anderen wandeln konnten [224]: «In jener Zeit war die Phantasie des Menschen viel einfallsreicher als heute, denn sie war weder von der Ausschweifung noch von der Einnahme von Rohkost und auch nicht von der Veränderung des Körpers durch Krankheiten verdorben worden. So erklärt sich, dass unser Mann -ganz angeregt durch den Wunsch, diese Zuflucht zu erreichen- über der Erde emporgehoben wurde, denn das Feuer seiner geistigen Erregung verminderte die Masse seines ganzen Körpers. Philosophen, deren Phantasie ein bestimmtes Ziel verfolgte, war es ähnlich ergangen. Mit ihrer angespannten Einbildungskraft wurden sie durch Entzückung, die Sie als Verzückung bezeichnen, in der Luft emporgehoben.» Enoch erfand ein Mittel, auf diese Weise zu reisen, indem er das Feuer der Opfer ausnutzte [225]: «Während dieses göttliche Feuer eines Tages im Begriff war, ein Opfer zu verzehren, das er dem Ewigen weihte, füllte Enoch mit dem emporsteigenden Dampf zwei große Vasen. Er verschloss sie dicht und band sie sich unter die Arme. Da es eines Wunders bedurft hätte, als dass der Rauch das Metall der Gefäße angegriffen hätte, konnte er an dieser Stelle nicht entweichen. Da dieser Opferrauch von selbst dazu neigte, gerade zu Gott emporzusteigen, schob dieser Dampf den heiligen Mann mit den Vasen in den Himmel.»

§488
· Gewinde und Gummi
Theorie

Das Gewinde besteht aus einer sorgfältigen, nüchternen Beschreibung der Ballung, die aus einer Reihe von Drellen entsteht, wenn man von jeder erfundenen Zusammenhanglosigkeit absieht und die vorhandenen getreu widergibt. Ein Drell, der zu einem Gewinde gehört, wird Gummi genannt. Der Gummi bekommt das Symbol ({}), das wir Raspel nennen und in den Formeln -wie (E{}F) oder (EFGH{}IJK)- mit allen damit verbundenen Aufforderungen anwenden.

Methode

In der Bewertung der Glaubhaftigkeit der möglichen Deutungen, zu denen manche Stellen der erwähnten Texte Anlass geben, gehen wir von Annahmen aus, bei denen zusätzliche Auslegungen unvermeidlich sind. Der Ausleger wendet seine eigene Einbildungskraft an bereits im Unbestimmten durchgeführten Versuchen an. Über die Intuition hinaus sucht man nach nützlichen Denkrahmen; und das Gewinde ist ein Beispiel dafür. Durch dieses Verfahren ist es möglich, immer in derselben Richtung vorzugehen. Die zahlreichen Beispiele, die das Bewertungsverfahren bestätigen, machen uns zuversichtlich bezüglich der künftig aufkommenden Fälle. Diese Zuversicht stützt sich darauf, dass die anfangs unerwarteten Fälle schließlich in unseren Berechnungsaufbau keine unangenehmen Überraschungen mit sich bringen. Somit neigen wir immer weniger dazu, diesen anhand der bekanntesten Fälle aufgestellten Aufbau beim ersten Hindernis zurückzuwerfen. Hier haben wir nur mit einer Technik ohne vollständige Grundlagen zu tun, die in der Bestimmung neuer Glaubhaftigkeiten jedoch fast jedes Mal Erfolg zu haben scheint, was im Vergleich zu den vorherigen Zuständen als Fortschritt empfunden wird.

Anwendung auf Baudelaire

Der achte Vers ist allgemein bekannt: «…Antworten einander Düfte, Farben und Töne.» Auf diese Weise treibt er uns, zur Deutung seines Sinnes zahlreiche Kriterien der Glaubhaftigkeit zu erarbeiten. Der Dichter scheint sich bei der Entstehung des Verses auf vielerlei Unterhaltungen mit anderen Künstlern gestützt zu haben. Er mag sich auch an zahlreiche Erinnerungen an Bilder von besuchten Ausstellungen, die sein Denken verfeinert haben, gelehnt haben, während er immer wieder auf der Suche nach den besonderen Eigenheiten aller leidenschaftlichen Maler war [700]: «…für Herrn Decamps war die Farbe das Wichtigste, und darauf kam er immer wieder zurück. Seine wunderbare, strahlende Farbpalette wies des Weiteren einen ganz besonderen Stil auf. Sie war, um sie mit die Sittlichkeit betreffenden Vokabeln zu beschreiben, beißend und blutrünstig. Die appetitlichsten Speisen, die geistreichsten Kochrezepte, die am schärfsten gewürzten Gerichte hatten weniger Geschmack und Kraft, sie hauchten weniger wilde Wonne für die Nase und den Gaumen eines Schlemmers aus als die Gemälde des Herrn Decamps für einen Kunstliebhaber.»

§489
· Quote
Theorie

Die Quote eines Gewindes ist das Verhältnis zwischen den Gummis und den Jetons. Es ist bequem, die Quote mit (n-1) Gummis für (n) Jetons zu werten. Es geht darum zu erreichen, dass bei sämtlichen Versuchen ein gerechtes Urteil gefällt wird.

Methode

Dieser Wert (n-1)/(n) wird anhand eines einfachen Kommentars festgesetzt. Für eine Ballung mit (n=2) Jetons wie “er leidet” nennen wir sie A und B. In Anbetracht der Zahl 2 haben wir Paar (AB). Es ist also für 2=(n) Jetons 1=(n-1)=(2-1) Gummi vorhanden. Dann fügen wir wie im Ausdruck “er leidet ungemein” einen Jeton hinzu und gelangen zu einem C Element in der Reihe A, B, C von Jetons. Hier wird nur 1 neues Paar (BC) hinzu gelassen, was (AB+BC) oder (1+1)=2 Gummis für Jetons (A, B, C) ergibt. Auf diese Weise haben wir (3-1)=2 Gummis und dabei immer einen Gummi weniger als Jetons: (n-1). Da der Fall in immer zahlreicheren Ballungen stets wiederholt wird, bleiben wir immer beim Verhältnis (n-1) Gummis für (n) Jetons [974].

Anwendung auf Baudelaire

Die Möglichkeit, mehr als zwei Jetons in einen einzelnen Gummi zu packen, erlaubt es uns, mit dem Schriftstück frei zu manövrieren und die Quote dabei zu beachten. Für «…finsteren und tiefen Einheit…» können wir das Trio (finsteren{}tiefen), (finsteren{}Einheit), (tiefen{}Einheit), oder das Paar (finsteren{}tiefen), (tiefen{}Einheit), oder ganz einfach (finsteren…tiefen{}Einheit) wählen. Die Finsternis wurde lange als eine Eigenschaft der Hölle betrachtet, und Baudelaire gefiel sich gern in einem höllischen Verruf. Wie unsere Historiker berichten, hat er sich beschuldigt, bei einer Prüfung geschützt worden zu sein [602]: «Nach dem Tod ihres gemeinsamen Freundes teilt Charles Asselineau Théophile Gautier mit, der einen ausführlichen Artikel über den Dichter vorbereitete -aber dieses malerische Element letztendlich angelassen hat-: "Eine Einzelheit, die dir möglicherweise unbekannt ist, ist dass Baudelaire das Abitur aus Gefälligkeit und als schwachsinniges Kind bestanden hat. Er war als solches einem Herrn Patin von einem Fräulein Céleste empfohlen worden, das in der Rue du Pot-de-Fer [Eisentopf Straße] für fromme, katholische Schüler eine Pension betrieb und, so heißt es, bei den Prüfern hoch angesehen war. Das hat mir Baudelaire selbst berichtet." Wie andere mag Asselineau ein Opfer der Legende gewesen sein, die Baudelaire um sich geschmiedet hat.»

§490
· Schlinge, Alveole und Hohlraum
Theorie

Die Teile E und F eines Gummis (E{}F) oder die Mengen EFGH und IJK von (EFGH{}IJK) werden Schlingen genannt, und die Maische des Gummis bezieht sich jeweils auf das Verhältnis dieser Teile zueinander. Die einzelnen Jetons eines Gummis werden Alveolen genannt vorausgesetzt, dass sie einen Fronten- oder einen Ripsessinn besitzen. Ein gutes Gewinde kann keine Maische enthalten, die zugleich eine Bebilderung ist; sonst würde es an Nüchternheit mangeln. Auf ähnliche Weise ist bei einem guten Gewinde eine Hohlraum genannte ausgelassene Alveole ausgeschlossen, da es dem Gewinde sonst an Kontinuität mangeln würde.

Anwendung auf Baudelaire

Es ist nicht immer von Vorteil, viele Alveolen zusammenzupacken, weil wir dann Gefahr laufen, manche Einzelheiten des Schriftstücks zu übersehen. Mit (symboles{}Qui), (Qui{}l'), (symboles{}observent), (symboles{}avec), (symboles{}regards) ((Symbolen◊Die), (Die◊ihn), (Symbolen◊ betrachten), (Symbolen◊mit), (Symbolen◊Blicken)) ist uns Zeit gegeben zu überdenken, dass der Autor zuerst folgende Worte geschrieben haben mag: “…l'homme y passe à travers des forêts de symboles qu'il observe avec des regards familiers” (…dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen, die von ihm mit vertrauten Blicken betrachtet werden.) Er hätte sich später für die Fassung entschlossen, die auf Französisch ähnlich ausgesprochen wird, wie wir sie heute lesen: «…L'homme y passe à travers des forêts de symboles
Qui l'observent avec des regards familiers.» (…Dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen,/Die ihn mit vertrauten Blicken betrachten.)

Methode

Wir haben es lange aufgeschoben, wegen der Gefahr missverstanden zu werden, die Vorstellung von Kontinuität zu bestimmen. Einerseits waren wir bemüht, eng am Text zu bleiben, andererseits haben wir in Stichworten gearbeitet, was dieser Kontinuität schadet. Da wir nun die lange Reihe der Bilder in das Sonett als Ganzes ins Auge fassen, fällt jeder Zweifel an unserem Bemühen, die vierzehn Verse Schritt für Schritt durchzunehmen.

§491
· Störrische Alveole
Theorie

Eine Alveole, die den Sinn eines Ripses auch nur teilweise nützt, wird als störrisch angedeutet. Die Formulierungen (Nature{}N) (Natur◊N) und (expansion{}expansi-on) (Ausdehnung◊Ausdeh-nung) sind ein Beispiel dafür. Führen wir den Rips “das letzte Laster verletzt” mit den Gummis (letzte{}verletzt) und (letzte Laster{}verletzt) an. Schreiben wir auch “dieser tolle Tokaier hat mich zur Torheit geschoben” mit (tol::Tok{}Tor) oder (to::To{}To).

Anwendung auf Baudelaire

Um die vielen Anspielungen von Baudelaire zu verdeutlichen, müssen wir gelegentlich von seinen Mentalbildern ausgehend Beispiele konstruieren, die ihm nicht eigen sind, um dann mit Abstand auf seine Ballung zurückzukommen. Fassen wir den Fall der Verderbnis ins Auge, die Baudelaire im Sonett nie genau beschreibt, aber auf die er an anderer Stelle eingeht [702]: «Ein Dichter, der zu den Stammautoren der "Comédie Française" gehört, erklärte, dass Balzacs Romane ihn anekelten und ankotzten -und dass die Verliebten in seinen Augen nur vom Duft der Blumen und von den Tränen des Taus am frühen Morgen leben sollten.» Der frische Duft allein wird bald langweilig, und der Dichter könnte durch das Sonett möglicherweise darauf hindeuten, dass die Kunst zu ihrer Entfaltung einen Überblick über alle Empfindungen vom Ekelhaften bis zum Erhabenen erfordert.

Methode

Zur eingehenden Deutung des gewählten Versuchswerks schmieden wir Sätze von heute, aber es geht nur darum, die Träumerei um dieses Gedicht herum zu nähren, denn allem, was nicht zu der Zeit von „Entsprechungen“ gehört, muss man jeden gelehrten Wert aberkennen. Das Ideale wäre gewesen, für unsere Beispiele nur zeitgenössische Schriften und Sekundärliteratur in Anspruch zu nehmen. Hierzu reichte unsere Geduld jedoch nicht.

§492
· Krise
Theorie

In einem Gummi ohne störrische Alveole wird Krise genannt eine Lage, in der eine Bedeutung zum ersten Mal in die Ballung vorgetragen wird und das Publikum vermuten lässt, dass der Schaffende selbst vorsätzlich beschlossen hat, das Verständnis der Stelle zu erschweren, wobei die ganze Ballung entsprechend schwerer zugänglich wird. Die zweifelhafte Maische von Schlingen ohne Rips führt uns zu dieser Krise.

Methode

Da ein Rips eine materielle Einfügung darstellt, ist er auf jeden Fall immer fragwürdig, aber die Frage erreicht nicht den Schwierigkeitsgrad der Krise, weil darin nichts ausdrücklich vorgetragen wird. Somit bleibt nur eine Zweideutigkeit vorhanden. Die Verschwommenheit der Bilder, die durch den Rips verursacht werden, geht damit einher, dass es für sie kein Einsickern gibt, weil es allem, was belastet aber nicht vorgetragen wird, an Genauigkeit mangelt.

Anwendung auf Baudelaire

Denken wir uns eine Krise aus, an die wir uns durch unsere Übungen hindurch leicht erinnern können. Bedienen wir uns hierzu einer Schiene, die mit den Worten “der Prinz war ein Gott…” beginnt. Dies zwingt uns, auf einen Nebensinn zurückzugreifen. In der Annahme, dass dieser Nebensinn darin besteht “höheres Wesen mit großer Macht”, so erreichen wir zu guter Letzt ein Einsickern. In der Tat teilen sich die beiden Jetons “Gott” und “Prinz” den Sinn “höheres Wesen mit großer Macht”, was genügt, um eine Maische zu erreichen. Da kein konkretes, religiöses Beispiel mit diesem Einsickern geliefert ist, meiden wir jede Bebilderung. Dagegen haben wir eine solche Deutung, wenn wir für (Natur{}Tempel) den Sinn “von Dionysos zu seinen eigenen Zwecken errichtetes Gebäude” geben [525]. An dieser Stelle gehen wir viel zu weit ins Detail.

§493
· Tor
Theorie

Ein Tor ist eine in der Zeit der Ballung übliche Vorstellung, anhand derer man die Gründe für das, was wir eine Krise nennen, überwinden konnte. Das Tor muss seine Kohärenz in Einstimmung mit ähnlichen Vorstellungen und allgemein mit allen Vorstellungen des Schaffenden in diesem Zusammenhang beweisen. Außerdem muss es möglichst einfach bleiben.

Methode

Hier ist ein Minimalsinn erforderlich, damit die Gefahr eines Irrtums so gering wie möglich bleibt. Es geht also um eine Idee, die Autor und Publikum bei dem Verständnis des Schriftstücks in eine oder mehrere Alveolen hinzugefügt haben müssen, um zu einem Einsickern zu gelangen.

Anwendung auf Baudelaire

Es sind jedoch Fälle, in denen daran gezweifelt wird, dass die Meinung des Künstlers greifbar sei, weil sie allzu unbeständig zu sein scheint. Claude Pichois erwähnt Baudelairesche Gedanken, die uns vor einen großen Kontrast stellen, als wären es entfernte Echos einer und derselben Sinngestalt, die wir nur mit Mühe verstehen. Einerseits zitiert der Dichter hier und da an einer Stelle einen sozialistischen Christen und schreibt [613]-[674]: «Welcher Partei man auch angehören mag und unabhängig von den Vorurteilen unserer Kindheit bezüglich unserer Bildung, ist es unmöglich, durch den Anblick dieser kränklichen Menge nicht gerührt zu werden. Diese Menge atmet den Staub der Werkstätte, schluckt Baumwolle, prägt sich mit Bleiweiß, Quecksilber und allen zur Schöpfung der Meisterwerke nötigen Giften. Diese armen Leute werden in den Elendsvierteln, in denen neben den bescheidensten und größten Tugenden die abgehärtetsten Laster und dem Erbrochenen in den Kerkern nisten, von Ungeziefer geplagt. Diese seufzende, schmachtende Menge "schenkt der Welt ihre Wunder" und "spürt wie ein leuchtend rotes, heftiges Blut durch ihre Adern fließt". Sie blickt lange und traurig zur Sonne hinauf und auf die weitläufigen, schattigen Gärten. Zur Aufmunterung und zum Trost begnügt sie sich damit, lauthals ihren rettenden Kehrreim: "Lieben wir einander weltweit!…"» zu wiederholen. Einige Jahre früher fragte der Dichter [613]-[703]: «Habt ihr alle wie ich jemals empfunden, was einem -zunächst durch Neugier angezogen- einfällt, wenn man beim Schlendern in eine meuternde Menge gerät? Spürt ihr nicht, wenn ein Hüter der öffentlichen Ruhe -als Angehöriger der eigentlichen Truppe, der der Schutzleute oder der Stadtpolizei- einen Republikaner mit Kolbenschieben verprügelt, dieselbe Freude wie ich? Wie ich, sagt ihr euch tief in eurem Herzen: "Hau, hau, hau noch kräftiger du Schutzmann meines Herzens! In diesem höchsten Verhauen verehre ich dich und stelle dich mit Jupiter, dem großen Weltverbesserer, gleich. Der Mann, den du verhaust, ist ein Feind der Rosen und der Düfte, ein Fanatiker der Werkzeuge. Er ist ein Feind Watteaus, ein Feind Raffaels, ein erbitterter Feind des Luxus, der schönen Künste und Literatur, ein Bilderstürmer, ein geschworener Anhänger des Todes der Venus und des Apollos! Er will sich nicht länger als bescheidener ungenannter Arbeiter mit den öffentlichen Rosen und Düften beschäftigen. Als Unwissender will er frei sein und er ist nicht imstande, eine neue Blumen- und Duftwerkstatt zu gründen. Verhaue inbrünstig den Buckel des Anarchisten!"» Balzac klärt uns über die Journalistenkreise auf [64]: «Haben Sie nicht eine breite Zukunft vor sich, wenn Sie dem Hass des Standes blindlings gehorchen, wenn Sie auf Finots Befehl anpacken und wenn Sie auf einen Hinweis von Finot loben?» Toubin der 1848 mit der Unterstützung seines Bruders ein umstürzlerisches Blatt gegründet hatte, betrachtet den Dichter unter einem anderen Gesichtspunkt [616]: «Baudelaire in dessen Kopf nichts unvereinbar war, verschenkte dem Erzbischof in aller Frömmigkeit eine Kopie und brachte Raspail demokratisch eine andere…»

§494
· Trägheit
Theorie

Gemessen an der ganzen Ballung bringt ein Tor Trägheit mit sich: in unserem Sinn bleibt immer etwas von der anfänglichen Wucht übrig. Wenn keine neue Bedrohung für das Verständnis zutage kommt, bleibt -trotz dieser Trägheit- das Tor bis auf die über sie überwundene Krise unbenützt, und der übliche Sinn der Alveolen dauert unverändert an, da er für alle Gummis ausreicht, um die Maische zu gewährleisten.

Anwendung auf Baudelaire

Die Vorstellung von verschwommenen Bildern, die den Hauptsinn begleiten, ist einfach zu begreifen. Hat die Frische in den Augen des Schaffenden mit der Kindheit etwas zu tun, scheint er einer Verwandtschaft zwischen Frische und Grün nicht abhold zu sein.

Methode

Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, dass die Phantasiewerke zunächst hinsichtlich der subjektivischen oder gemeinschaftlichen Gedanken beschrieben werden müssen, selbst wenn inmitten aller Gipfel Merkposten übrig bleiben mögen. Behauptet Cyrano, dass Bewohner unseres natürlichen Trabanten auf der Erde auf einen berühmten Mathematiker gestoßen sind, dann müssen wir zwangsweise der fiktiven Art der Erzählung Rechnung tragen, ehe wir auf die Einzelheiten in der Beschreibung eingehen [222]: «Kaum war ich in meinem Gemach zurück, so beschloss ich, um mich von meiner Wanderung zu erholen, in mein Zimmer zu gehen. Da fiel mir auf meinem Tisch ein aufgemachtes Buch auf, das ich dort nicht selbst hingelegt hatte. Es waren die Werke Cardanos. Ich hatte nicht die Überheblichkeit, dieselben zu verstehen, aber ich fühlte mich durch eine Anekdote angezogen, die dieser Philosoph erzählt, und meine Augen mussten Folgendes lesen: er berichtet, wie er eines Abends im Kerzenlicht studierte und zwei große Greise sah, die durch die geschlossenen Türen seines Zimmers hereingekommen waren. Nach eingehender Befragung antworteten sie, sie seien Bewohner des Mondes gewesen und verschwanden im Nu.»

§495
· Haltung
Theorie

Bei einer bestimmten Gelegenheit, in der man eine Krise befürchtet, nachdem eine frühere Krise bereits überwunden worden ist, ist es unausweichlich, im bereits erfundenen Tor einen möglichen Ausweg zu suchen, um der gefürchteten Krise zu entgehen. Die Haltung ist genau das: der erfolgreich wieder angewandte Inhalt eines bereits benützten Tores. Da die Verständigung der Stelle nun dadurch erreicht ist, sieht man davon ab, dass der Schaffende selbst das Verständnis seines eigenen Textes hätte erschweren wollen. Die beiden Bedeutungen “Tor” und “Haltung” enthalten die gemeinsame Idee einer Hilfe zur Lösung der Krise, aber im Falle der Haltung wird keine neue Krise erwähnt, da der zweite Anprall mit dem ersten gleichgesetzt werden mag. Stellen wir uns bezüglich “Säulen” im Gummi (Lebendige{}Säulen) das Tor “Wesen, in denen man ein Denken zu erahnen glaubt” vor. Wir greifen auf dieses Hilfsmittel zurück, um eine Schiene zu erörtern, die mit den Wörtern “Lebendige Säulen lassen Worte entweichen…” anfängt. Es wird nun klar, dass das bereits vorhandene Tor bezüglich (Säulen{}Worte) wieder verwendet werden könnte, was einer Haltung gleich käme.

Methode

In Betracht eines Textes, in den der Dichter zahlreiche Rätsel hineingearbeitet hat, können wir uns leicht vorstellen, dass der Deuter sie nicht alle auf einmal erkennen wird, selbst wenn er an dieser Stelle eine Vielzahl von Rätseln ahnt. Er wird daher versuchen, seine Vorstellungen, indem er eine Reihe von Bildern zu einer sogar größten Reihe von Rätseln anwendet, zu klären. Es wäre zwar möglich, mit geregelten Abstraktionen in diesem Durcheinander besser durchzublicken als durch bloßes Herumtasten. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass diese höheren Hilfsmittel aus der Erfahrung stammen, wenn es uns gelingt, die verstreuten Daten zu einem Bündel zu vereinen. Wir können uns jedoch vorstellen, dass dieser Grad in der Untersuchung der Gegenstände, wo jede Vorstellung ihren Beitrag getreu leistet, während alle anderen in guter Ordnung darauf warten, daran zu kommen, nicht im Handumdrehen geschehen kann. Es gehören dazu im Voraus lange Stunden der Erwägungen, Versuche, Enttäuschungen in den Folgerungen, Berichtigungen und erneuten Annahmen.

Anwendung auf Baudelaire

Der Dichter wuchs in einer kunstbeflissenen Umgebung auf und fing sehr früh mit ästhetischen Übungen mit Wörtern an. Es ist daher nicht überraschend, dass er im Gedicht zum Beispiel «confuses» (wirre) und «confondent» (vereinen) schreibt und dann das Motiv in «ténébreuse» (finsteren), «profonde» (tiefen), «Vaste» (weit) und «corrompus» (verdorben) wieder aufgreift. Dabei verfährt er wie ein Maler, der hie und da einen roten Tupfen lässt, damit derselbe dem Zuschauer in Erinnerung bleibt. Er ähnelt auch dem Komponisten, der ein Thema entwirft, das der aufmerksame Zuhörer dann durch das ganze Musikstück verfolgt. Es muss jedoch betont werden, dass alle Elemente jeweils verschwommen sind, so dass uns eine Vorstellung des Duftes einfällt, der sich zugleich in einer Umgebung, einem Garten, um eine Frau, einen Mann, in einer Werkstatt, einer Stadt oder einer Landschaft umher verbreitet. Jeder Deuter empfindet diese Erfahrung auf seine Art: je nach seinen eigenen Erlebnissen oder seiner Veranlagung.

§496
· Klemme, Pfeil und Hupf
Theorie

Wir wollen hier nur die Gummis vom Typ (E{}F) ordnen und unterscheiden dabei nur drei Arten: die Klemme, das Pfeil und den Hupf. Die beiden ersten besitzen nur eine Gestalt, während der Hupf allein drei Aspekte hat. Insgesamt kommen wir für den Gummi (E{}F) also auf fünf verschiedene Arten. Es entsteht nur dann eine Klemme, wenn eine störrische Alveole sich mit einer verschiedenartigen Alveole bindet. Somit vereinigt sich das N von «Nature» in (Nature{}N) mit «Nature» (Natur) selbst. Auf andere Weise lässt (Comme¹…comme¹…comme²…comme³…comme’¹…comme’²…Comme²{}échos) (F-Wie¹…wie¹…wie²… wie³…wie’¹…wie’²…Wie²◊Echos) uns vorstellen, dass der Schaffende im Gedicht einen Echoeffekt erzielen wollte [669].

Anwendung auf Baudelaire

Die Denkweise eines Dichters hängt mit seinem Gedächtnis bezüglich der Klangspiele eng zusammen, so dass diese Ähnlichkeiten in den Klängen bei ihm mit Sinn geladen sind. Die Wiederholung der «comme» (wie) durch das ganze Gedicht scheint zwei Absichten des Schaffenden zu widerspiegeln: die erste Absicht betrifft das Gewicht der Ähnlichkeit im Denken, und die zweite drückt aus, dass diese Analogie endlos widerhallt.

Methode

Ein Handwerker kann eine lange Reihe von Gegenständen nur durch Ordnung herstellen, und wir müssen die Gummis auf ähnliche Weise ordnen, um die Verständigung der mit jeder einzelnen Art verbundenen Probleme erleichtern zu können. Durch die Glaubhaftigkeitsbewertung orientieren wir uns immer wieder an den bekannten, erprobten technischen Verfahren, so dass unsere Messungen an Kohärenz gewinnen. Oft werden wir in unseren Untersuchungen nicht durch große, sondern durch winzige Hindernisse aufgehalten, die im Zusammenhang mit bereits erörterten Stellen aufkommen und über kleinere Änderungen unserer Kriterien der Glaubhaftigkeit behandelt werden können. So verbindet sich eine neue Schwierigkeit mit zehn früheren, und wir gelangen langsam über eine Gesamtlösung zu fast systematischen Kriterien. Somit stellt eine einfache Koordinierung in den Entwürfen zur Überwindung der Hindernisse einen Fortschritt in der Untersuchung dar. Dieser Schritt ist unvermeidlich, um die einzelnen Kriterien versuchsweise zu verfeinern. In der Tat verbindet das Gedächtnis eine Vielzahl von Bemerkungen und passt sie dem bereits bekannten Behandlungsverfahren an.

§497
· Der Pfeil als Muster
Theorie

Der Pfeil gilt wegen seiner elementaren Anwendbarkeit allgemein als Vorbild für die Gummis, auf die wir uns im Unklaren beziehen. Innerhalb der Ballung sind nämlich die beiden Sinne, die der Pfeil vereinigt, durch einfachen Kontakt zwischen den Alveolen verbunden.

Methode

Im Ausdruck “sie pflückt die Blume” wird (pflückt{}Blume) leicht gerechtfertigt, weil “die” im Telegrammstil keinen Frontensinn ergibt, da “sie pflückt Blume” nicht schwierig zu verstehen scheint. Zwischen den beiden Alveolen des Pfeiles ist im Ausdruck keine entscheidende dritte Vorstellung vorhanden.

Anwendung auf Baudelaire

Wegen ihrer Schönheit, oder ihres Duftes dienen die Blumen manchmal der Verderbnis, wie der Gebrauch, den Nero nach Sueton im Goldenen Haus davon machte, es belegt [601]-[943]: «…das Gemach war so weitläufig, dass tausend Fuß lange Säulengänge mit drei Reihen von Säulen auf jeder Seite, ein Bassin, das einem Meer ähnelte, mit vielen Häusern darum, die an Städte erinnerten, und überdies eine weite Landschaft mit Getreidefeldern, Weingärten, Wiesen und Wäldern, die eine Vielzahl von Haus- und wilden Tieren jeder Art enthielt, darin zu sehen waren. Im übrigen Gebäude war alles vergoldet, mit Edelsteinen und Perlmuscheln. In den Esszimmern waren die Decken mit gelochten Elfenbeinplättchen, die es ermöglichten, von oben Blumen oder Düfte auf die Gäste zu streuen. Das Hauptesszimmer war rund und drehte sich Tag und Nacht wie die Welt…»

§498
· Schleife
Theorie

Unter den verschiedenen Typen des Gummis ist die Schleife die erste Art von Hupf, anhand derer man in der Kontinuität des Schriftstücks zunächst einen oder ein paar Jetons auslässt und dann mit anderen Verbindungen darauf zurückkommt. Mittels dieser List werden in einem ersten Schritt die Alveolen vermieden, die die Beschreibung der Kontinuität der Ballung erschweren würden. Im Ausdruck “sie hat sich für den einen, der am jüngsten aussah, entschieden”, kümmern wir uns zuerst um den Gummi (für den einen{}entschieden) und dann wenden wir uns an (am jüngsten{}aussah).

Methode

Da die Wortordnung in jeder Sprache anders ist, ist eine Bildfolge, die dem einen Sprecher verwickelt vorkommt, dem anderen eine schnurgerade Strecke. Das heißt, dass die Erklärung eines Umwegs oft in jeder einzelnen Sprache wiederholt werden muss.

Anwendung auf Baudelaire

Für den Vers «Es sind Düfte frisch wie die Haut von Kindern…» lässt die Schleife (frisch{}Haut) zunächst «wie» aus und geht dann zu (wie{}Haut) oder (frisch{}wie) über. Im Ausdruck «Es sind» statt “Es ist vorhanden” ist der Ton des Metaphysikers zu spüren. Der Dichter scheint der Sache auf den Grund zu gehen, was durch den Schluss des Gedichts bestätigt wird, indem man zuerst die leicht aufzufassende Unschuld betrachtet und dann zur schwierigeren Beschreibung der Verderbnis übergeht. Seinerseits scheint Ronsard der Meinung gewesen zu sein, dass der Dienst für seinen König ihm die Erfüllung seiner Pflichten erleichterte [869]: «Seien Sie mein Leuchtturm und hüten Sie sich,
Dass Sie meinen Kahn auf hoher See nicht gefährden.» Was die Frische betrifft, mag sich Baudelaire am selben Dichter der Renaissance orientiert haben [868]: «Herzchen gehen wir und sehen, ob die Rose,
Die heute Morgen ihr purpurnes Kleid
In der Sonne aufgemacht,
In der Abendröte die Falten ihres purpurnes Kleids
Und ihre Ihren Wangen ähnliche
Zarte Farbe nicht verloren hat.» Der neunte Vers von „Entsprechungen“, der “Es sind Düfte neue wie die Haut von Kindern…” ähnlich scheint, erinnert auch an ein Gemälde von Raffael: ¨Die Madonna und der Stuhl¨. Er bietet uns mit zwei nebeneinander gestellten Gesichtern ein Bild der Verschmelzung der Haut eines Kindes und seiner Mutter [963]. Man stellt sich den gemischten Wohlgeruch von zwei ländlichen Elementen vor, Heu und Milch, die dieselben begleiten.

§499
· Dragge
Theorie

Die zweite Art von Hupf besteht aus der Dragge, die eine logische Verknüpfung voraussetzt, welche die Möglichkeit bietet, eine Vielzahl von Alveolen zu überspringen. Betrachten wir den Satz: “In diesen Kreisen führten die Künstler ein sehr langes Bohemeleben, wo die Verderbnis, deren sich die Beteiligten nicht voll bewusst waren, eine solche Tiefe erreichte, während die Strenge des Winters die geringste Freundlichkeit zugunsten der abgründigen Feindlichkeit zunichtemachte, denn die Suche nach den erlauchten Wohltätern verpestete die Beziehungen zwischen ihnen, so dass es letztendlich die schöne Gemütlichkeit der ersten Momente paradox in den Schatten stellte!” Die Dragge (Bohemeleben{}es) ist berechtigt, weil “es” sich auf “Bohemeleben” bezieht.

Methode

Sobald der Hauptgrund der inneren Verbindung des Satzes mangels zwingender grammatischer Bindungen ausfällt, bekommen die Alveolen etwas Spielraum, was der Maische schadet, da der Leser die anfänglichen Vorstellungen nicht mehr im Sinn hat.

Anwendung auf Baudelaire

Die Verderbtheit breitet sich auf sehr unterschiedliche Gesellschaftsschichten aus, und Saint- Évremond überrascht uns mit seiner persönlichen Aussage zu den Verhältnissen im Adel [886]: «Meine Herren, ich habe alle Lebensstile durchgemacht und finde nach reiflicher Überlegung über das Leben nur zwei Dinge, die einen weisen Mann auf Dauer beschäftigen können: die Sorge sich etwas anzueignen und die es zu behalten. Ehrgefühl ist nur ein Starrsinn junger Leute. Man macht sich zunächst einen Ruf mit dieser Vorstellung in der Zeit, in der man schön dumm ist, und man vollzieht ihn, sobald man weise wird, durch das, was "Verderbtheit" genannt wird.»

§500
· Schleuder
Theorie

Die Schleuder stellt die letzte Art des Hupfes dar, und in diesem Fall erlaubt ein Härter, dass viele Alveolen übersprungen werden können.

Methode

Die logische Verknüpfung ist ein ausdrücklicher Verweis wie: “das, wovon am Anfang dieses Artikels die Rede war”. Im Gegensatz dazu ist der Härter eine nicht so auffällige Bindung: wenn zum Beispiel zwei Wörter sich reimen, sind sie miteinander verbunden, und die entsprechenden Mentalbilder passen sich dieser Verbindung an.

Anwendung auf Baudelaire

Reimt sich «prairies» (Auen) auf «infinies» (unendlichen), dann kommt auf diesem Wege eine Schleuder zustande, selbst wenn der Ton des Gedichts sich ab Vers ändert. Die ersten milden Düfte verbreiten sich nicht sehr weit, aber die “anderen” haben die furchtbare Reichweite der “chausses infinies” (unendlichen Beinkleider) [auf Französisch wird "choses infinies" (unendlichen Dinge) fast wie “chausses infinies” (unendlichen Beinkleider) ausgesprochen] [572]. Baudelaire hat den Einfluss mancher Stoffe auf die Gemüter erforscht [657]-[658]-[960]: «Samuel und die Fanfarlo waren einer Meinung über die Kochkunst und das den Elite Kreaturen nötige Ernährungssystem. Die gemeinen Fleischwaren, die geschmacklosen Fischzubereitungen waren für die Abendmahlzeiten dieser Sirene ausgeschlossen…Was die Soßen, Ragouts und Gewürze betrifft, eine ernsthafte Frage, die eine ernsthafte wissenschaftliche Abhandlung -wie in einer regelmäßige Kolumne einer Zeitung- verlangen würde, kann ich Ihnen versichern, dass der Dandy und die Tänzerin sich darin völlig einig waren, insbesondere in der Notwendigkeit aus der ganzen Pharmakopöe der Natur zu schöpfen, um die Kochkunst zu verfeinern. Paprika, englische Gewürze, Safran, überseeische Substanzen, exotische Staubkörner: alles schien ihnen recht zu sein einschließlich Moschus und Weihrauch. Lebte Kleopatra noch, so halte ich für sicher, dass sie Rinder- und Wildfilets mit Würzen aus Arabien abschmecken würde. Es ist zwar zu bedauern, dass die besten heutigen Köche keinem Sondergesetz der Wollust unterworfen sind, das von ihnen einen chemischen Überblick über die Zutaten abverlangen würde. Sie müssten gezwungen werden, anlässlich eines Festessens als Aufforderung zur Liebe zu lernen, wie sie organische Zutaten, die durch den ganzen Körper strömen, auswählen können. Manche sind nämlich fast entzündlich, oder so beschaffen, dass sie uns im Nu durchdringen, wie Preußischsäure, oder sich verflüchtigen, wie Äther.»

§501
· Modul (1/γελξ) und Streifen (γ, ε, λ, ξ)
Theorie

Der Modul als Glaubhaftigkeit des Gummis ist nichts anderes als die des Spruchs: “an der Stelle der Ballung, an der der Gummi vorkommt, hat der Schaffende darauf bestanden, dass zwischen den Alveolen eine Kohärenz erhalten bleibe”. Dieser Wert ist 1/γελξ mit (γελξ) als Nenner, und die Streifen γ, ε, λ, ξ bilden dieses Produkt (γελξ). Einer nach dem anderen werden diese numerischen Kriterien der Unglaubhaftigkeit (γ) Gamma; (ε) Epsilon; (λ) Lambda und (ξ) Ksi genannt.

Anwendung auf Baudelaire

Wenn wir (antworten{} Ausdehnung) lesen, verstehen wir, dass es sich nicht um einen Gummi mit hoher Glaubhaftigkeit handelt, weil einerseits keine Verknüpfung vorhanden ist und beide Elemente andererseits weit auseinander liegen. Unsere Phantasie kann jedoch eine sinnvolle Verbindung ersinnen, da jede Antwort eine Art Ausdehnung des Geistes darstellt. Enthält eine Substanz umgekehrt winzige Teilchen, die das Nervensystem durchdringen können, so ändert der Geist seine Antworten auf die gestellten Fragen. Baudelaire schrieb [718]-[794]: «Edgar Poe bemerkt irgendwo -genauer weiß ich es nicht-, dass die Wirkung des Opiums auf unsere Sinne darin besteht, die ganze Natur in einen hoch interessanten Hof einzuhüllen, wo jeder Gegenstand einen tieferen, willkürlicheren, despotischeren Wert annimmt.»

Methode

Der Leser wird begreifen, dass die über Streifen durchgeführte Berechnung uns ermöglicht, sicher zu stellen, dass die verwendeten Drelle in der Tat Gummis sind. Verallgemeinernd sind wir bemüht, anhand von Marken unsere stets durch Hindernisse in der Deutung beanspruchte Intuition zu unterstützen. Von Hinweis zu Hinweis erlangen wir nach und nach die Fähigkeit, Deutungen zu nützen, die uns völlig uninteressant vorkamen. Es bleibt zu erforschen, warum Wissenschaftler so hohen Wert auf die Vorstellung legen, dass eine Lehre die Erfahrung -oder eine Idee darüber- von oben behandeln kann, ohne durch eine Vielzahl von Versuchen davon abgeleitet worden zu sein. Die besten Geister haben oft von den Arbeiten früherer Generationen Nutzen gezogen, die sie nur zu verallgemeinern brauchten, um tausend Fragen im Handumdrehen zu erledigen. Einerseits haben diese Forscher die unzähligen, schwierigen Anpassungen und die schwer zu überwindenden Umstände nicht erlebt. So haben sie die Ursachen ihrer eigenen Erfolge nicht erkannt. Andererseits haben sie keine Zeit gehabt, sich mit neuen Schwierigkeiten in den Erfahrungen auseinanderzusetzen, so dass ihre illusorischen Vorstellungen über die Vorherrschaft der Theorie sie ihre ganzen Erfolge entlang begleiteten. Es sind auch Forscher, die von der Unzahl von fälligen Bemerkungen -auf die nur Prüfer Wert legen- im Zusammenhang mit ihren Forschungen keine Ahnung hatten. Werden diese Forscher von den eindrucksvollen, durch Ratio erreichten Ergebnissen in Kenntnis gesetzt, um die Erfahrung von oben in Ordnung zu bringen, bilden sie sich ein, dass dies nur der Überlegenheit eines schönen Geistes zu verdanken sei. Der überlegene Geist würde auf einmal ohne jeden Irrtum entdecken, was die verschwommene Erfahrung dem kläglichen, damit voll beschäftigten Handwerker, Erscheinungen zu ermessen, vorenthält.

§502
· Rad
Theorie

Der Urstreifen, der die Maische misst, wird Rad genannt. Wenn die Maische nicht ausreicht, so dass die Schlingen auf eine ernsthafte Schwierigkeit ohne Tor oder Haltung hinausgehen, schreiben wir γ=2. Im Gegensatz nehmen wir in zwei Fällen γ=1 an. Einerseits hat der Schaffende eine Spiegelung, einen Haken, ein Einsickern, oder eine Verknüpfung festgestellt, ohne seinem Publikum den Hauptgedanken verheimlichen zu wollen. Andererseits hat der Autor ein schwieriges Rätsel aufgestellt, aber das Publikum entdeckt ein Tor, oder eine Haltung.

Methode

Haltung und Tor unterscheiden sich von einer Linderungsglosse, weil diese viel bescheidener wirkt und nur eine Verbindung zwischen Begriffen darstellt. Trotz seiner äußersten Vorsicht setzt das Tor Bilder außerhalb der Ballung voraus, da eine Ergänzung nur durch Ersinnen gesucht werden kann.

Anwendung auf Baudelaire

Die Darstellung von beobachtenden «Symbolen» erschwert die Maische, weil die Deutung nicht offenbar ist. Es muss also eine Lösung gefunden werden, die dem Text soweit wie möglich getreu bleibt. Es obliegt uns also, etwas zu erfinden und in der Maische Erfolg zu haben, ohne den Text jedoch auf unsere Art neu zu gestalten. Um dieses Rätsel zu raten, müssen wir uns von der Denkweise der gebildeten Zeitgenossen Baudelaires, unter denen er sein Publikum hatte, führen lassen. Sie reden auf manchen Gebieten von Analogie, wie es Joseph Fourier in einem Lob der mathematischen Analyse zeigt [398]: «Diese reiht die unterschiedlichsten Erscheinungen aneinander und enthüllt somit die geheimen Analogien zwischen ihnen.» Der Wissenschaftler fährt fort [399]: «…Sie folgt demselben Weg in der Untersuchung aller Erscheinungen und sie deutet sie anhand derselben Sprache, als ginge es darum, die Einheit und Einfachheit im Aufbau des Alls zu beweisen, was diese unveränderliche Ordnung, die alle natürlichen Ursachen beherrscht, noch deutlicher offenbart.»

§503
· Strömung
Theorie

Die Strömung (ε) hat in fünf Lagen, die sich alle auf die Alveolen beziehen, den Wert 2. Erstens schreiben wir ε=2, wenn die gewählte Vorstellung nicht die Bezeichnung Alveole verdient, obwohl sie zur Ballung gehört. Auf diese Weise nehmen wir für (de{}longs échos) (für◊lange Echos) oder (Comme de{} longs échos) (Wie für◊lange Echos) eine Strömung 2 an, denn es genügte, (Comme{}longs échos) (Wie◊ lange Echos) zu schreiben, weil «de» (für) nicht zu den Frontensinnen gehört, da es in Telegrammstil nicht erwähnt wird. Zweitens ist ε=2 für einen Gummi gerechtfertigt, von dem mindestens eine Alveole den Sinn eines Ripses mit einer Strecke hat, die niedriger als ½ liegt. Der dritte Fall für ε=2 bezieht sich auf die Alveolen, die im Gummi nicht in derselben Reihenfolge aufgeführt sind wie in der Ballung. Der vierte Fall mit ε=2 bezieht sich auf in der Ballung entfernte Alveolen, die gegen die innere Logik des Gewindes -so ohne Begründung durch eine Verknüpfung- im selben Gummi benützt werden. Die letzte Möglichkeit ε=2 zu schreiben, wird durch das Auslassen einer Alveole im Gewinde, die rechtzeitigt in einem Gummi hätte untersucht werden sollen.

Methode

Indem wir die Alveolen streng abgrenzen, während wir andererseits bei der Untersuchung seltener Fälle der Abfassung -wie Ripse- viel Zeit verlieren, verstoßen wir anscheinend gegen den gesunden Menschenverstand. Die Begründung dieser Strenge liegt in der Notwendigkeit, das schwere Zerlegungsverfahren der Erscheinungen zu entlasten. An anderen Stellen im Text werden einfache Einzelheiten nach einem Exkurs über seltene Verbindungen klarer.

Anwendung auf Baudelaire

Der Modul von (Comme¹… comme¹…comme²…comme³…comme’¹…comme’²…Comme²{}échos) (F-Wie¹…wie¹…wie²…wie³…wie’¹… wie’²…Wie²◊Echos) fällt uns erst nach der Untersuchung des Ripses (F-Comme¹…comme¹…comme²… comme³…comme’¹…comme’²…Comme²/-¦¦¦¦-/S-Nachdruck) (F-Wie¹…wie¹…wie²…wie³…wie’¹…wie’²…Wie² /-/-/Nachdruck) ein.

§504
· Wimpel
Theorie

Der Wimpel (λ) misst im Allgemeinen den Abstand zwischen den einzelnen Elementen im Gummi. Im Falle einer Sinnkontinuität schreiben wir λ=1. Ist der Kontakt nebelhafter, so wird (λ) auf andere Weise bestimmt. Der Autor mag hie und da Vorstellungen zusammengesetzt haben, damit seine Leser oder Zuhörer den Kontakt erraten: dies ist Möglichkeit. Dann mag der Kontakt vom Ursprung an verschwommen sein. Daraus ergibt sich 1 andere Möglichkeit. Somit haben wir bereits Möglichkeiten vor uns. Es muss 1 dritter Fall hinzugefügt werden: der vermutete Kontakt kann gänzlich illusorisch sein. Da der Abstand zwischen den Alveolen die Gefahr verstärkt, die einen vergessen zu haben, ehe man an die anderen herangeht, denken wir, dass diese Gefahr, davon abzuweichen, was der Schaffende sich tatsächlich erdacht hat, steigert, wenn zehn Fronten zwischen zwei Alveolen verstrichen sind. Umgekehrt läuft der Schaffende Gefahr, seine früheren Gedanken teilweise vergessen zu haben, wenn zehn Fronten zwischen den Alveolen ziehen. So stellt λ=2+(1(n/10)) den Wert des gesamten Abstands dar.

Methode

Einen ähnlichen Gedankengang über den Abstand zwischen den Vorstellungen als Grund zum Verdacht bezüglich der Verbindung, die der Autor zwischen ihnen gewünscht hat, haben wir im Absatz 36 bereits ebenso mühsam dargelegt. Sollte die Mathematik der wirklichen Experten uns eines Tages dazu verhelfen, unser unsicheres Herumtasten zu überwinden, dann müssten wir zweifellos unsere ganze Berechnung überdenken.

Anwendung auf Baudelaire

Betrachten wir den Gummi (familiers{}échos) (vertrauten◊Echos). Das Vertraute ähnelt dem Echo, da die beiden Ideen die Vorstellung von Rückkehr teilen. In der Versfolge kommen doch zwischen den Alveolen «familiers» (vertrauten) und «échos» (Echos) die folgenden Fronten «Comme» (Wie) und «longs» (lange) vor: “…L'homme y passe à travers des forêts de symboles Qui l'observent avec des regards familiers./////Comme (de) longs/////échos qui de loin se confondent…” (…Dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen, Die ihn mit vertrauten Blicken betrachten. Wie lange Echos, die sich in der Ferne vereinen…) Daher rechtfertigt sich der Wert λ=2+(1(2/10))=2+(2/10)=2,2. Baudelaire wünschte sich eine gewisse Vertrautheit mit Delacroix, dessen Eingebung ihm ähnlich vorkam. Er tritt für Delacroix ein, indem er seinen Namen in einem politischen Streit, der des Malers Aufträgen schaden könnte, schützt [716]: «Nie wurde ein Künstler schärfer angegriffen, ins Lächerliche gezogen, böswillig geplagt. Was scheren uns aber das Zögern der Regierungen -ich meine in der Vergangenheit-, das Geschrei bürgerlicher Kreise, das gehässige Gerede eingebildeter Schänkenexperten und die schulmeisterliche Art der Dominospieler?»

§505
· Tross
Theorie

Der Tross (ξ) hat den Wert 1, wenn der in Frage kommende Gummi keiner Krise unterworfen ist und keine Haltung braucht. Sonst ist es in sieben Fällen nötig, ξ=2 zu schreiben. Erstens ist in der Deutung ein Hindernis vorhanden, für welches kein Tor gefunden wurde. Zweitens wurde ein Tor gefunden, das entweder mit dem Zusammenhang gegensätzlich oder unvereinbar ist. Drittens ist das gefundene Tor mit einem früher im selben Gewinde gefundenen Tor unvereinbar. Viertens ist im selben Gewinde die Annahme einer Krise oder einer Haltung bei der Behandlung verwandter Ideen abgelehnt worden. Fünftens wäre das Tor, das als rettende Lösung in Frage käme, eine Bebilderung. Sechstens lehnen wir zugleich Krise und Haltung ab, aber es sind zwei Alveolen mit unterschiedlicher Schlinge vorhanden, die die Begriffe desselben Stoßes mit Kanal 1 oder ½ sind. Siebtens haben wir erklärt, dass eine Krise oder eine Haltung vorhanden ist, aber es fehlt das Paar Alveolen mit unterschiedlicher Schlinge, die zugleich die beiden Begriffe eines und desselben Stoßes mit Kanal 1 oder ½ wären.

Methode

Da ein Stoß mit Kanal 1 zur Beschreibung eines Sinnanpralls vorhanden ist, ist es für die Intuition nicht weiter überraschend festzustellen, dass dieser Stoß auf eine Krise oder eine Haltung hinausgeht -selbst wenn die Glaubhaftigkeitskriterien sich im Einzelnen leicht unterscheiden. Was die weniger deutlichen Stöße betrifft, ist die Logik, der wir unterworfen sind, weniger zwingend. Verdient ein Sinnanprall nämlich nur einen Kanal ½, so hat er nur eine halbe Chance, zur Zeit des Schriftstücks einen Mentalschock zu verursachen.

Anwendung auf Baudelaire

Wir können uns nur schwer vorstellen, dass (corrompus{}encens) (verdorben◊Weihrauch) nicht auf eine Krise hinausgehen kann. Die Linderung vb(encens~sens), vb(sens~corrompus) (Weihrauch-Sinne, Sinne-verdorben) ist keine echte Lösung, sondern lediglich eine sorgfältige Beleuchtung, die aus dem Zusammenhang hervorgeht. Die Überraschung der Vorstellung, dass die Düfte der Kirche als verdorben beschrieben werden, bleibt mit oder ohne Beleuchtung unverändert. Zwar bezieht sich Baudelaire weiter im Gedicht auf die Auen, was uns mit der alten Gegenüberstellung der ersten Hirtenwelt und der späteren Stadtwelt konfrontiert. Dies ist gewiss einleuchtend, aber es bringt keine Lösung. Es kommen uns für beide Fälle manche biblische Stellen in den Sinn. Einerseits [137]: «Ich bin eine Blume in Scharon und eine Lilie im Tal.» Andererseits [127]: «…es ist lauter Blutschuld im Lande und lauter Unrecht in der Stadt.» Erinnern wir uns des Weiteren an die Abstufungen der grünen Farbe, die Poussin in seiner ¨Landschaft mit zwei Nymphen¨ benutzt hat [954]. Die Schwäche in der Stadt mit verdorbenen Sitten ihren Körper zu verkaufen, erinnert an den ganzen Apparat der Verführung [746]-[[1140]] in Index II (Gedichte)">[[1140]]: «Inmitten der Fläschchen, der schimmernden Seidengewebe
Und der raffinierten Möbel,
Der Marmorbilder, der Gemälde, der duftenden Gewänder,
Deren Schleppe sich zügellos windet

In einem lauwarmen Zimmer wie ein Treibhaus
Mit einer zugleich gefährlichen, verhängnisvollen Luft,
Wo welkende Sträuße in ihren gläsernen Särgen
Ihr Leben aushauchen,

Fließt wie ein Strom aus einer Leiche ohne Kopf
Rotes, lebendiges Blut,
Das das Kopfkissen und das Betttuch
Wie eine durstige Weide tränkt.

Auf dem Nachttisch liegt der Kopf
Wie eine Ranunkel mit seinem dunklen Schopf
Und seinem Geschmeide,
Als käme das Ganze wie eine Vision,

Die unsere Blicke fesselt, aus dem Schatten hervor.
Leer an Gedanken ruht er mit seinen verdrehten und wirren,
Weißen Augen, die wie eine Dämmerung wirken.
Auf dem Bett entfaltet

Der bloße Rumpf skrupellos in voller Hingabe
Den geheimen Glanz
Und die tödliche Schönheit,
Die ihm die Natur beschert hatte.

Auf einem Bein gezogen ist ein rosa Strumpf
Mit seinen goldenen Ecken wie ein Zeugnis geblieben.
Einem wachsamen Auge ähnlich
Wirft das Strumpfband seinen diamantenen Blick.

Der seltsame Anblick dieser Einsamkeit
Und eines großen schmachtenden Bildnisses,
Dessen Augen ebenso aufreizend wirken wie ihr Betragen,
All dies deutet auf eine rätselhafte Liebe,

Eine sündhafte Freude und befremdende Feiern
Voller höllischer Umarmungen hin.
Die schwärmenden bösen Engel
In den Falten der Vorhänge freuen sich darüber.

Und doch wirkt sie an der anmutigen Schlankheit ihrer Schulter
Mit eckigem Umriss, der etwas gespitzten Hüfte
Und der schneidigen Taille,
Die an eine wütende Schlange erinnert, noch recht jung!

Hatten sich ihre überreizte Seele
Und ihre gelangweilte Sinnlichkeit
Der begierigen Meute der streunenden,
Verlorenen Wünsche anvertraut?

Erfüllte der rachsüchtige Mann,
Den du lebend trotz deiner ganzen Liebe
Nicht zu befriedigen vermochtest, auf deinem regungslosen, gefälligen Fleisch
Seine unermessliche Gier?

Antworte, du unzüchtige Leiche!
Hat er dich erschreckenden Kopf mit seinem fieberhaften Arm
An deinen üppigen Zöpfen angehoben,
Um auf deine kalten Zähne einen letzten Kuss zu drücken?

Ruhe in Frieden, ruhe in Frieden,
Du befremdendes Wesen, in deinem geheimnisvollen Grab,
Fern der spöttischen Welt, fern der unreinen Menge,
Fern der neugierigen Richter!

Dein Mann zieht durch die Welt, und deine ewige Gestalt
Wacht an seiner Seite, wenn er schläft.
Ebenso wie du wird er dir treu bleiben
Und zweifellos beharrlich bis in den Tod.»

§506
· Profil
Theorie

Das Profil eines Gewindes entspricht dem numerischen Produkt, das sich aus den Moduln der Gummis ergibt. Das gleicht der Glaubhaftigkeit des Spruchs: “der Schaffende hat die Kohärenz zwischen den Alveolen der Ballung angestrebt”. Hinsichtlich dieser Berechnung erweitern wir die Vorstellung der Nietung, so dass jedes Profil unter 1/16 ausgeschlossen wird.

Methode

Jede Bebilderung, die sich auf keinen Merkposten stützt, hat im Prinzip eine bedeutungslose Glaubhaftigkeit, da alle Gefahren, die mit ihren Einzelheiten verbunden sind, die Kritik daran hindern, sich darüber einig zu werden. Da wir im Absatz 490 die Bebilderungen der Alveolen um der Nüchternheit willen ausgeschlossen haben, sind die Bebilderungen ohne Merkposten ebenfalls ausgeschlossen.

Anwendung auf Baudelaire

Im nächsten Absatz wird der Leser feststellen können, dass wir zusätzlich zum Minimalsinn der besprochenen Stelle der Ballung zwei Deutungen hinzufügen, die jeweils ins Einzelne gehen. Wir werden sie durch alle Absätze hindurch bis zum Schluss beibehalten, um vom ganzen Gedicht ein Bild zu zeichnen. Diese Deutungen sind äußerst unsicher und erlauben keine Glaubhaftigkeitsbewertung. Ihr einziger Verdienst liegt darin, die Mehrdeutigkeit des Gedichts an den Tag zu legen. Es ist einerseits möglich, jede einzelne Zeile mehrfach zu deuten, während das Ganze andererseits mindestens zwei Reihen von Bildern entsprechen kann. Dies wird hervorheben, dass unsere Benutzung der Zahlen für die Glaubhaftigkeitsbewertung nicht impliziert, dass wir jede Phantasie in der Deutung willkürlich ablehnen. Des Weiteren werden wir mit jeweils zwei verschiedenen Bebilderungen -von denen keine sich auf einen Merkposten stützt- beweisen, dass wir damit nicht einverstanden sind, dass es für alle Aspekte des Textes eine einzige gültige Deutung geben mag. Leider werden in diesem Verfahren manche Wiederholungen notwendig sein, um einerseits den Minimalsinn zu wahren und letzten Endes durch Absätze hindurch jeweils an jede Bebilderung zu erinnern. Schließlich werden wir dabei nie einen Beweis unserer Treue zu den Absichten des Dichters liefern können, da der Phantasie nach Ausschalten des Minimalsinns freier Lauf gegeben wird.

§507
· (Correspondances{}répondent) (Entsprechungen◊antworten)
Theorie

Zur Ortung des Anfangs des Gewindes zögern wir zwischen (Correspondances{}Nature) (Entsprechungen◊Natur) und (Correspondances{}répondent) (Entsprechungen◊antworten). «Nature» folgt unter den Fronten dicht auf «Correspondances» (Entsprechungen), aber dieser Gummi würde uns zwingen, einen Wimpel in der Art λ=2+(1(n/10)) anzunehmen, weil zwischen dem Titel und dem ersten Vers ein Bruch vorhanden ist. Diese kleine Trennung erfordert λ=2+(1(0/10))=2, so dass der Modul 1/γελξ wegen λ=2 höchstens ½ beträgt. Es wäre bedauerlich, mit diesem Wert 1/λ=½ im ersten Modul das gesamte Profil des zu berechnenden Gewindes zu schädigen. Zum Glück können wir das Gewinde mit dem anfänglichen Gummi (Correspondances{}répondent) (Entsprechungen◊antworten) wählen. In diesem Falle ist das Rad γ=1 gerechtfertigt, weil das Einsickern “Antwort” zugleich in «Correspondances» (Entsprechungen) und «répondent» (antworten) vorkommt. Die gemeinsame Wurzel “respond-répond” (Antwort) ist an den inneren Bezeichnungen der Wörter “Correspondances” und “répondent” leicht erkennbar und sie schließt jeden Hohlraum aus, so dass die Strömung ε=1 gesichert ist. Derselbe Härter “respond-répond” (Antwort) macht den Abstand im Paar "Correspondances-répondent" zunichte, was uns den Wimpel λ=1 gewährleistet. Dank dieses gemeinsamen Schicksals ist jede Krise ausgeschlossen, was auf einen Tross ξ=1 hinausgeht. Somit schreiben wir den Modul 1/γελξ=1/(1)(1)(1)(1)=1 für den Gummi (Correspondances{}répondent) (Entsprechungen◊antworten).

Methode

Für dieselbe Ballung kommen augenscheinlich öfter mehrere Gewinde in Frage, was uns unter voller Achtung der Bedeutung des Schriftstücks die Suche nach einem Maximalprofil erleichtert. Darin liegt einer der Hauptpunkte in der Deutung eines Schriftstücks, das nicht zur Wissenschaft gehört: es ist immer möglich, über diese oder jene Seite eines Zusammenhangs von Zeichen zu schweigen, ohne ihm zu widersprechen, was mehrere Perspektiven offen lässt. Indem wir das Profil mehrerer Gewinde vergleichen, können wir die Vorteile der verschiedenen Deutungen zweckdienlich betrachten, weil wir manchen Eigenschaften der Gewinde durch die numerischen Größen sehen können.

Anwendung auf Baudelaire

Gehen wir davon aus, dass die großen Künste untereinander enge Entsprechungen haben und dass die großen Meister einander in ihren Glanzstücken ebenfalls entsprechen. -Oder: in der heiligen Stätte, die den schönen, allgemeinen, abstrakten, weiblichen Körper darstellt, entspricht jeder einzelne Gegenstand einem anderen und geht auf ein mit Entsprechungen durchwirktes Ganzes hinaus.

§508
· (Nature{}N) (Natur◊N)
Theorie

Da für «Nature» auf Französisch der Großbuchstabe überflüssig ist, liegt es auf der Hand, dass das Rad γ=1 für die Klemme (Nature{}N) gerechtfertigt ist, denn das Verhältnis zwischen den beiden Ideen N und «Nature» verdient das Urteil, dass es sich um eine Spiegelung durch den gemeinsamen Sinn “Wichtigkeit” handelt. Was die Strömung betrifft, schreiben wir ε=1, weil der Rips (N-¦¦¦¦-Wichtigkeit) eine Strecke 1 ergibt. Wegen des engen Kontakts beider Alveolen nimmt der Wimpel problemlos den Wert λ=1 an. Das Fehlen jeder Krise erlaubt dem Tross die Ebene ξ=1 zu erreichen. Somit schreiben wir den Modul 1/γελξ=1/(1)(1)(1)(1)=1/1=1.

Methode

Im Absatz 448 haben wir die Strecke des Ripses festgesetzt, auf die wir für die Strömung des untersuchten Gummis zurückgegriffen haben.

Anwendung auf Baudelaire

Jede künstlerische Leistung geht auf eine praktische Wahl der Schönheit inmitten der Natur zurück. Dieses Verfahren, das seine Wurzeln in einer Figur hat, deren Umwelt und Zeit ihr ihre Kraft geben, lässt uns im Rückblick an eine Traumnatur denken, welche den Menschen der Zeit die Genugtuung gibt, die ihre Phantasie verlangt. -Oder: Natur ist nichts anderes als der allgemeine, vollkommene weibliche Körper als heilige Stätte der idealen Liebe, die die unzähligen ästhetischen Träumereien im Laufe der Zeit erarbeitet haben.

§509
· (Nature{}temple) (Natur◊Tempel)
Theorie

Suchen wir nach dem Modul der Schleife (Natur{}Tempel), dessen Verständigung problematisch ist, was auf eine Krise hinausgeht. Das Tor hat “Gebäude, das göttlich scheint” zum Inhalt, was zu der Vorstellung «Natur» gut passt. Daraus ergibt sich sowohl für den Schaffenden als auch für das Publikum des Textes der Ausdruck: “Die Natur, als Gebäude, das göttlich scheint, ist ein Tempel.” Wir erreichen das Rad γ=1, weil das Einsickern “Gebäude” nun von den beiden Alveolen «Natur» und «Tempel» geteilt wird. Die Strömung ε=1 scheint gerechtfertigt, denn es ist kein Hohlraum vorhanden. Dank der attributiven Wendung «Die Natur ist ein Tempel…» nehmen wir den Wimpel λ=1 an. Wir können wegen des Stoßes rb(Nature–Tempel) mit seinem Kanal 1 den Tross ξ=1 schreiben. Dieser Kanal 1 wird über folgende Reihe von Werten gewonnen. Erstens wird der Rang t=1 dadurch gerechtfertigt, dass die Ballung die Vorstellungen «Natur» und «Tempel» vereinigt. Zweitens geht die starke grammatische Bindung der Ideen auf die innere Entfernung s=1 hinaus. Letztendlich werden die beiden Schwingungen m=1=w als richtig betrachtet, weil der Text dem Gegensatz zwischen «Natur» und «Tempel» keinen Ausweg lässt. Somit beträgt der Kanal 1/tsmw=1/(1)(1)(1)(1)=1/1=1. Des Weiteren sehen wir davon ab, auf ein besonderes Gebäude hinzuweisen, dessen Idee ein Beispiel des “Tempels” darstellen würde, obwohl es sich etwa um die heilige Stätte von Zeus in Dodona, oder der Tempel von Dendera in Ägypten handeln mag [273]-[487]. Für den Gummi (Natur{}Tempel) wird der Modul 1/γελξ=1 von den Streifen ξ=λ=ε=γ=1 abgeleitet.

Methode

Wenn wir versuchen, eine Krise zu vermeiden, müssen wir fast jede Bebilderung ausschließen. Wir kommen zu einer Bebilderung, wenn wir über den Minimalsinn hinaus zu einem detaillierten, historischen Beispiel gelangen. Sobald zur Rechtfertigung eines solchen Beispiels kein Merkposten bezüglich des Ursprungs der Ballung vorhanden ist, wird diese Übertreibung der Deutung sichtbar.

Anwendung auf Baudelaire

Der über Jahrtausende errichtete Tempel würde auf ein ewiges Fest der Schönheit zielen. Im idealen Gebäude sind alle existierenden Büchereien, Museen, Musikhochschulen, gelehrten Gesellschaften, Paläste, Kirchen, Sammlungen, Raritätenauslagen mit Kuriositäten aus der Antike oder aus der Ferne, Ausstellungen, Theater, Opern, Kunsthochschulen, Luxusgeschäfte, Rathäuser, Festungen und Städte. Diese «Natur» ergibt sich aus zwei vereinigten Quellen: Objekt und Subjekt. Einerseits gibt es für Baudelaire eine göttliche Grundlage des Wirklichen, so dass jede Schönheit sich auf das Göttliche bezieht. Andererseits entspringt die Kunst aus dem außerordentlichen Künstler, der über den Schatz seiner Eingebung das Bild gestaltet, das er sich von der Wirklichkeit macht. -Oder, das N von «Nature» versinnbildlicht den allgemeinen, weiblichen Körper, der mit seinem abstrakten Glanz und seiner Glorie eine heilige Stätte darstellt: Engelgesichter als Giebel des Tempels und wunderbare Stelle, an der Amor gefeiert wird.

§510
· (Nature{}est) und (temple{}où…piliers) [(Natur◊ist) und (Tempel◊worin…Säulen)]
Theorie

Betrachten wir nun (Natur{}ist) und (Tempel{}worin…Säulen). Im ersten Gummi (Natur{}ist) scheint der Haken leicht zu begreifen, da der Autor grammatisch nur eine Erklärung eines Attributs zur natürlichen Welt entwirft, was das Rad γ=1 rechtfertigt. Da kein Hohlraum vorhanden ist, nehmen wir die Strömung ε=1 an. Der Wimpel λ=1 wird dank des engen Kontakts zwischen den Alveolen gewährleistet. Da keine Krise sichtbar ist, erreicht der Tross den Wert ξ=1, und der Modul 1/γελξ=1 geht daraus hervor. Der zweite Gummi (Tempel{}worin…Säulen) stützt sich nur auf die gewöhnliche Vorstellung eines Raums, in dem ein Architekt mehrere Säulen hat errichten lassen, was das Rad γ’=1 rechtfertigt. Die Beschreibung der Sinnkontinuität scheint anfangs vernachlässigt zu werden, da wir die Vorstellung «lebendige» auslassen. Wären wir durch den Text dazu gezwungen, so wäre die Strömung 1 gefährdet. Dem ist jedoch nicht so, denn (lebendige{} Säulen) wird bald untersucht. Es gibt keinen Hohlraum, und es ziemt sich also ε’=1 zu schreiben. Dank des engen Kontakts zwischen den Alveolen verdient der Wimpel die Höhe λ’=1. Wir nehmen den Tross ξ’=1 an, weil in der Vorstellung von Säulen in einem Tempel keine Krise sichtbar ist. Insgesamt gelangen wir zum Modul 1/(γ’ε’λ’ξ’)=1.

Methode

Es ist scheinbar uninteressant, eine Reihe von Begriffen im selben Spruch zu untersuchen, da es leicht ist vorauszusehen, dass jeder einzelne Begriff den nächsten anhaken wird. Es ist jedoch richtig, sich dieser leichten Versuchung nicht hinzugeben, denn unsere Vorgehensweise besteht darin, die möglichen Unterbrechungen des Denkens zu überwachen. Sonst kämen wir bald dazu, alles mit rein intuitivem Urteil zu untersuchen, während wir bemüht sind, ein Überwachungsverfahren der Sinnkontinuität zu erarbeiten, und wir würden denjenigen ähneln, die in ihrer Rede das Wesentliche in Klammern setzen.

Anwendung auf Baudelaire

Das allgemeine Gesamtmuseum als Stätte des Schönen nimmt jeden wichtigen Stil als Säule auf. Eine Säulenhalle wird auch als Hypostylos bezeichnet, und dieser Name erinnert uns daran, dass ein “Stil” etymologisch eine Säule ist [859]. Da ein Schreibstift an sich wie eine kleine Säule aussieht, die man in der Hand hält, hat man im Laufe der Zeit beide miteinander verwechselt, was zum unklaren Sinn von “Stil” als Bezeichnung für die Schreibweise des Schriftstellers geführt hat [852]. Ein großer Stil, den die Besucher des abstrakten Tempels wahrnehmen, ist eine Art Pfeiler, um den sich die Bewunderer eines Kunstgriffs versammeln, weil dieser ihnen in der Schrift, der Malerei oder der Musik als Stütze dient. Diese Säule wird als Grenze zwischen Verfahrensweisen und Zeiten betrachtet, was dem neuen Talent die Orientierung erleichtert. -Oder: die perfekten Beine der idealen, schönen Frau, als Stätte der vollkommenen, körperlichen Liebe ähneln großartigen, glatten Säulen.

§511
· (vivants{}piliers) (lebendige◊Säulen)
Theorie

Die Maische des Pfeiles (lebendige{}Säulen) ist nicht leicht zugänglich, da es nicht einfach scheint, die Säulen als lebendig darzustellen, weil sie allgemein aus Stein, Metall oder Hartholz sind. Dabei bietet uns Odysseus jedoch ein Gegenbeispiel [454]: «Der Aufbau dieses Betts, das war mein Geheimnis. Ich hatte es ohne jede Hilfe gebaut. Inmitten des Raums spross ein Olivenschoss mit üppigem Laub. Der Baum wuchs kräftig und sein dicker Stamm glich einem Pfeiler. Um diesen Stamm herum errichtete ich…die Wände unseres Zimmers…Nachdem ich es mit einer festen Ganzholztür versehen hatte, entfernte ich das Laubwerk, vierte den Stamm zur Wurzel sorgfältig ab, schliff ihn und überprüfte dessen senkrechte Stellung mit einer Linie, um den Rest bequem zu verdübeln. So benutzte ich diesen Baum als Stütze und baute den Bettrahmen darum herum.» Für das Publikum wirkt der erste Vers von „Entsprechungen“ verschwommen, was die Leser dazu verleitet, den Schaffenden zu verdächtigen, seinen Text selbst unwiderruflich verdunkelt zu haben. Die Krise von (Natur{}Tempel) hatte dem Leser nahe gelegt, das Tor “Gebäude, das göttlich scheint” zu benutzen. Aber wir dürfen es hier nicht wieder anwenden, weil es das Leben in der Säule nicht erklären könnte. Deshalb müssen wir eine neue Krise erklären und finden ein Tor bezüglich der “wie durch göttlichen Willen beseelten Säulen”. So wird das Publikum Folgendes begriffen haben: “Die Natur ist ein Tempel, worin lebendige, wie durch göttlichen Willen beseelte Säulen…” Da “beseelte” als Einsickern dient, wird es durch die Alveolen «lebendige» und «Säulen» geteilt, und das beruhigte Publikum sieht davon ab, den Schaffenden dessen zu beschuldigen, sein Denken verborgen zu haben, was uns erlaubt, trotz der Krise das Rad γ=1 zu schreiben. Die Strömung erreicht die Höhe ε=1, denn die Alveolen der Formel (lebendige{}Säulen) bleiben in der Reihenfolge der Ballung. Des Weiteren nehmen wir den Wimpel λ=1 an, weil der Kontakt zwischen den Alveolen sehr eng ist. Im Falle eines Tores muss sich der Tross ξ=1 nach der Höhe des Kanals 1 oder ½ eines verwandten Stoßes festlegen. Der betreffende Stoß muss als Begriffe Alveolen des Gummis in Anspruch nehmen, die nicht zur selben Schlinge gehören. Überprüfen wir nun die Glaubhaftigkeit von rb(lebendige–Säulen). Da die Behauptung im Text «Die Natur ist ein Tempel, worin lebendige Säulen
Zuweilen wirre Worte entweichen lassen…» keinerlei Zweifel duldet, hat der Rang dieses Sinnanpralls den Wert t=1. Die innere Entfernung verdient wegen der starken grammatischen Beziehung die Höhe s=1. Die Schwingung des in der Formel links vorgetragenen Begriffs erreicht nur die Ebene m=2, weil der Leser nur eine literarische Übertreibung wähnen mag, so dass das Paradoxon nicht ganz so ernst genommen werden kann. Die Erklärung ist, dass die Säulen in sich geritzte Figuren lebender Gestalten zeigen würden. Die Schwingung des rechts erwähnten Begriffs, «Säulen», beschränkt sich auf w=1, denn es ist auf der Seite dieser Vorstellung kein Ausweg vorhanden. Da die Bilanz des Kanals 1/tsmw=1/(1)(1)(2) (1)=½ beträgt, können wir im Modul 1/γελξ den Tross ξ=1 schreiben, was auf 1/γελξ=1/(1)(1)(1)(1)=1/1=1 hinausgeht.

Methode

In einer Krisensituation ist es für den Tross ξ=1 nicht notwendig, dass jede Alveole zu einem Stoß 1 gehört, was im Einzelnen die Möglichkeit bietet, Stoß und Krise zu unterscheiden, obwohl intuitiv kein großer Unterschied vorhanden ist.

Anwendung auf Baudelaire

In der Subjektivität des Tempelbesuchers spricht ihn jeder Stil oder Pfeiler der allgemeinen Schönheit an, als wäre er Erfinder eines zu bewundernden Kunstgriffs. Diese Tätigkeit, die den Künstler in seinem Streben innigst bewegt, verdient es, als Leben bezeichnet zu werden. Des Weiteren greift dieses Leben auf den neuen Künstler, der den Tempel besucht und an die Reihe kommt, schöpferisch zu werden. -Oder: in der idealen Stätte des abstrakten, weiblichen Körpers bilden die makellosen Beine die Säulen, aus denen das Leben entspringt.

§512
· (piliers{}Laissent…sortir) (Säulen◊entweichen…lassen)
Theorie

Die scheinbare Frage der Maische für den Gummi (piliers{}Laissent::sortir) (Säulen◊entweichen lassen) wird durch Inanspruchnahme des übertragenen Sinns einfach gelöst. Oft ist von einem versetzten Ziegel die Rede, der etwas Licht durchlässt. Auf diese Weise wird durch den Haken zwischen «piliers» (Säulen) und «Laissent…sortir» (entweichen lassen) ein Rad γ=1 gerechtfertigt. Die Sinnkontinuität ist trotz Auslassens von «parfois» (zuweilen) gewährleistet, denn der Autor beschäftigt sich unmittelbar mit diesem «parfois» (zuweilen). Auf diese Weise wird unser Kommentar durch keinen Hohlraum gefährdet, was die Strömung ε=1 erlaubt. Der Wimpel nimmt dank des festen Kontakts zwischen den Schlingen den Wert λ=1 an. Der Tross erreicht ξ=1, weil keine Krise zum Vorschein kommt, und das Ganze geht auf den Modul 1/γελξ=1 aus.

Methode

Die Gefahr für den Ausdeuter liegt darin, dass er die stilistische Oberfläche des Schriftstücks und die Gedankentiefe miteinander verwechseln mag, wenn eine einfache Annahme einer Wendung ihm die Möglichkeit bietet, der Krise auszuweichen. Es kann sogar vorkommen, dass der Schaffende mit den Wörtern spielt, während der Ausleger alles für bare Münze nimmt, was beim besten Willen zu einer Fehldeutung führt. Wir werden daher die Bezeichnungen “Krise” und “Stoß” den Stellen vorbehalten, die das Publikum sofort als problematisch erkennt, und wir werden nicht diese Namen geben, um kleinere Probleme zu beschreiben.

Anwendung auf Baudelaire

Der Tempelbesucher wähnt, dass in jedem großen Stil oder in jeder Säule der Schönheit ein früherer Künstler ihn anspricht und dass er seine Eingebung daraus schöpft, als fließe ein Strom von dem einen Geist zum anderen hinüber. Anhand dieses Gedankens, den der Neuling nicht als mit klaren Schranken aufgezwungen empfindet, merkt er nur, dass ein Genie der Vergangenheit, das einen berühmten Kunstgriff fertiggebracht hat, seinem Nachfolger dank einer glücklichen Begegnung vertraulich verschiedene Bilder hinterlässt, die somit ihre Kräfte entfalten können. -Oder: im idealen weiblichen Körper, als Stätte der körperlichen Liebe, drücken die Säulen, die die Beine darstellen, die Begierde aus.

§513
· (parfois{}sortir) (zuweilen◊entweichen)
Theorie

Was das Rad betrifft, das zum Pfeil (parfois{}sortir) (zuweilen◊entweichen) gehört, merken wir bald, dass ein Haken vorhanden ist, was γ=1 ergibt, da bezüglich des Verfahrens, das beinhaltet, dass manche Ernten zeitgebunden sind, jedes Missverständnis ausgeschlossen ist. Die Strömung erreicht den Wert ε=1, weil kein Hohlraum vorhanden ist. Die eindeutige grammatische Bindung führt zum Wimpel λ=1. Wir schreiben den Tross ξ=1, weil jede Krise aus bleibt, was letztendlich die Bildung des Moduls 1/γελξ=1 erlaubt. Gingen wir im Gegenteil von einem Gummi (zuweilen{}immer) aus, mit der Annahme der Unmöglichkeit ihm in dessen Zusammenhang ein Tor zu finden, so kämen wir wegen der Doppelgleichung γ=ξ=2 zu einem Ergebnis, das nicht höher als 1/γελξ=1/(2)(1)(1)(2)=¼ liegen könnte.

Methode

Es fällt leicht zu begreifen, dass Schwierigkeiten in den Wissenschaften mit fragwürdigen Gegenständen verbunden sind. Wird zum Beispiel behauptet, dass die Sonne sich in der Tat um die Erde dreht, so werden Gegenstände zu Hindernissen. Dagegen ist eine Krise eine Frage des Sinns der Alveolen, die aufeinander prallen. Auf ähnliche Weise betrifft eine Wendung einen Sinn, mit dem augenscheinlich gespielt wird. Insgesamt müssen wir über drei verschiedene Ebenen nachdenken: erstens die der prüfbaren Erscheinungen; zweitens die der verstimmten Bilder; und drittens die der Gestalt im Gegensatz zum Inhalt.

Anwendung auf Baudelaire

Der Besucher des allgemeinen Tempels der Schönheit bleibt subjektiv unter dem Einfluss des Zufalls, wenn ihm der Kontakt mit einem großartigen Stil eine geistig kostbare Eingebung bewegt. Ein unerwartetes Ereignis treibt die Gedanken zu einer Idee einer Strophe. Ein Sonnenstrahl beleuchtet eine besondere Stelle eines Gemäldes, die auf eine überraschende Technik des Malers hindeutet. Die Geräusche auf der Straße eröffnen dem Komponisten einen Weg in der Beschaffung neuer Zusammenklänge der Stimmen und Instrumente für sein Musikstück. Aus Umständen, die wir nicht völlig verstehen, gehen verblüffende Wirkungen hervor. Einfälle, die der Sammler, der Ausleger, der Liebhaber oder der Künstler auffängt, bringen ihm das Ergebnis eines eindrucksvollen Kunstgriffs nahe. -Oder: in der Stätte des idealen, abstrakten, weiblichen Körpers verlangt das Begehen viel Geduld, und die Begierde kommt nur «zuweilen» zum Ausdruck.

§514
· (confuses{}paroles) (wirre◊Worte)
Theorie

Der Pfeil (confuses{}paroles) (wirre◊Worte) verdient insofern ein Rad γ=1, als das Bild der “Verwirrung” ohne Verständigungsschwierigkeit an dieser Stelle das Bild der “Worte” anhakt. Da kein Hohlraum vorhanden ist, erreicht die Strömung den Wert ε=1. Dank der sehr engen grammatischen Bindung nimmt der Wimpel die Ebene λ=1 an. Der Mangel an Krise erlaubt den Tross ξ=1, was insgesamt auf den Modul 1/γελξ=1 hinausgeht. Wenn wir im Gegenteil von (paroles{}confondent) (Worte◊vereinen) ausgingen, müssten wir den Wimpel λ’=2+(1(17/10))=2+1,7=3,7 berücksichtigen, weil zwischen «paroles» (Worte) und «confondent» (vereinen) Fronten im Wege stehen, die für das Gedächtnis hinderlich sind: “…de vivants piliers Laissent parfois sortir de confuses paroles;/////(L')homme y passe (à) travers (des) forêts (de) symboles Qui l'observent avec (des) regards familiers. Comme (de) longs échos (qui) (de) loin se/////confondent…Les parfums, les couleurs et les sons se répondent.” (…lebendige Säulen Zuweilen wirre Worte entweichen lassen; Dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen, Die ihn mit vertrauten Blicken betrachten. Wie lange Echos, die sich in der Ferne vereinen…Antworten einander Düfte, Farben und Töne.) Zwar teilen die Wörter «confuses» (wirre) und «confondent» (vereinen) dieselbe Wurzel "conf", aber sie kann nicht den Kontakt zwischen «paroles» (Worte) und «confondent» (vereinen) sichern, denn sie ist nicht sichtbar genug, um einen wirklichen Härter darzustellen.

Methode

Im Laufe der Anwendung der Kriterien unserer Glaubhaftigkeitsbewertung lesen wir Bemerkungen dieser Art auf. Dies ist der Vorteil der Erarbeitung einer Technik, die jedoch nur eine Sammlung von Kenntnissen über einen und denselben Gegenstand ohne echte Beweisführung darstellt. Unter dem Einfluss der Umstände und Beispiele führt das Verfahren zu groben Orientierungspunkten. Nach etlichen, umgangenen Hindernissen gelangen wir zu einem in etwa vereinten technischen System. Diese Lage führt zu allerlei teilweise Gedankengängen, die uns über die Phantasieschriftstücke einen Überblick gewähren. Dabei fehlt die Strenge der Theorie, die allein eine klare Führungsweise liefert, welche das bequeme Vermitteln und Anwenden der Lehre erlaubt.

Anwendung auf Baudelaire

Die «Worte» stellen wertvolle Eingebungen dar, die der Besucher der allgemeinen Stätte subjektiv als Folge des Kontakts mit einem großen Stil empfindet. Diesen Intuitionen fehlt es an Einfachheit, denn die Kunst kommt nicht in der Ebene der Strenge, sondern in der, die eine Deutung voraussetzt, vor. Erstens führen die Säulen zur Schönheit, aber da dieselben sich nur an die besten Besucher wenden, können die anderen Lehrlinge die Eingebung, die ihnen scheinbar angeboten wird, nicht verstehen, was angesichts der fehlenden Ordnung der Pfeiler nicht verwunderlich ist. Zweitens bestehen für einen und denselben Kunstgriff nicht nur ein Sinn, sondern mehrere, unter denen der neue Besucher sich zurechtfinden muss. Drittens bleibt jedes einzelne Bild, worauf eine Säule hindeutet, selbst verschwommen. -Oder: im Idealtempel der vollkommenen leiblichen Liebe, abstrakte Wunder der weiblichen Körper, behält die im Begehen zum Ausdruck kommende Begierde einen geheimen Aspekt.

§515
· (sortir{}paroles) (entweichen◊Worte)
Theorie

Die Schleife (sortir{}paroles) (entweichen◊Worte) bietet in der Einfachheit ihres inneren Bildes für das Rad γ=1 eine Gewähr. Der bereits behandelte, ergänzende Gummi (confuses{}paroles) (wirre◊Worte) erlaubt es, die Strömung ε=1 zu schreiben, da kein Hohlraum vorhanden ist. Die enge grammatische Bindung führt uns zum Wimpel λ=1. Da keine Krise entsteht, nehmen wir den Tross ξ=1 an, was letztendlich auf den Modul 1/γελξ=1 hinausgeht. Betrachten wir den folgenden Satz “…où de vivants piliers laissent parfois des paroles sortir…” (…[ein Tempel] worin lebendige Säulen zuweilen wirre Worte entweichen lassen…) Hier ist nun das Wort «confuses» (wirre) weggelassen, und wir schreiben «paroles» (Worte) vor «sortir» (entweichen). Mit der geänderten Ordnung der Alveolen im Gummi im Vergleich zur Ordnung im Gedicht wird der Kontakt zwischen den Vorstellungen enger.

Methode

Beinahe jede Änderung des Urtextes, die zur Ergründung des Sinnes beitragen mag, führt zum Verlust mancher Vorstellungen, die nicht zum jeweiligen Untersuchungsfeld gehörten.

Anwendung auf Baudelaire

Dem schöpferischen Besucher des Tempels der allgemeinen Schönheit fallen Worte ein, als ergössen sie sich von den Säulen, und diese Eingebung, die der neue Künstler aus dem großen Stil schöpft, leitet sein Bemühen. Er entwickelt sein Denken, indem er die bewunderten Verse aus dem Kopf hersagt, indem er die Gemälde seiner Vorgänger nachahmt, indem er sich die Themen merkt, die er im Konzert gehört hat. -Oder: in der perfekten Stätte des vollkommenen, abstrakten, weiblichen Körpers kommt die Begierde im Begehen der leiblichen Liebe zum Ausdruck.

§516
· (piliers{}paroles) (Säulen◊Worte)
Theorie

Stehen wir vor dem Gummi (piliers{}paroles) (Säulen◊Worte), so ist die Versuchung stark, den Schaffenden zu beschuldigen, der Verständigung der Vorstellungen geschadet zu haben, als er sie dem Leser anbot. Die im Tor von (vivants{}piliers) (lebendige◊Säulen) enthaltene Bedeutung “wie durch göttlichen Willen beseelten Säulen” genügt hier nicht. Die Worte sind nicht irgendwelche Erscheinungen des Lebens: sie verlangen Verstand. Da die erwähnte Haltung in dieser Angelegenheit zu unsicher ist, erklären wir, dass wir mit einer neuen Krise bezüglich (piliers{}paroles) (Säulen◊Worte) zu tun haben. Das Tor “die wie durch göttlichen Willen einen Eindruck des Denkens geben” bringt der Krise sofort eine Lösung. Fügen wir die einzelnen Teile zusammen, so ergibt sich folgende Wendung: “…lebendige Säulen, die wie durch göttlichen Willen einen Eindruck des Denkens geben, lassen zuweilen wirre Worte entweichen…” Dieses Tor, das sich der Ballung als angepasst und im Einklang mit den anderen, bereits angewandten Toren ist, erlaubt das Einsickern “…die den Eindruck des Denkens geben”, so dass «Worte» und «Säulen» als Alveolen des Gummis dasselbe teilen. Da der Dichter nicht mehr verdächtigt wird, seine Gedanken verheimlicht zu haben, müssen wir das Rad γ=1 schreiben. Die Trennung der Alveolen bringt dank der logischen Verknüpfung keinen Hohlraum, was die Strömung ε=1 rechtfertigt. Dieselbe grammatische Bindung erlaubt den Wimpel λ=1. Jetzt müssen wir wegen der Verwandtschaft zwischen Stoß und Krise, anhand des Kanals des Stoßes rb(piliers–paroles) (Säulen-Worte), den Tross bestimmen. Der Rang, der diesem Stoß zusteht, hat den Wert t=1, denn der Text verbindet in einer eindeutigen Behauptung die Vorstellungen der «Säulen» und der «Worte». Die innere Entfernung erreicht dank der syntaktischen Bindung zwischen den Begriffen, die das Hindernis ihres Abstands überwindet, die Ebene s=1. Die Schwingung des links vorgetragenen Begriffs nimmt die Höhe m=1 an, weil es in einem Zusammenhang, in dem es um Bilder des Tempels und der «Säulen» geht, keinen Ausweg um den Sinn des Stoßes gibt. Die Schwingung des rechts vorgetragenen Begriffs ist w=1, denn «Worte» hebt die Schwierigkeit des Denkens hervor. Der Kanal beträgt daher 1/tsmw=1/(1)(1)(1)(1)=1, was uns zum Tross ξ=1 führt, und das geht wiederum auf den Modul 1/γελξ=1/(1)(1)(1)(1)(1)=1/1=1 hinaus.

Methode

Die Reihenfolge in der Ballung spielt eine wesentliche Rolle in der Unterscheidung zwischen Tor und Haltung. Wenn der Inhalt an Bildern, die sich der Dichter gewünscht hat, in etwa gleich ist, bestimmt die innere Ordnung in der Ballung, was im Schriftstück Tor oder Haltung genannt wird. Was die Trägheit betrifft, wird die ganze Ballung dadurch etwas hintergründig beschwert.

Anwendung auf Baudelaire

Ein Stil scheint den schöpferischen Neuling anzusprechen, weil die Aufreizung seiner Phantasie ihn dazu verleitet, sich für den Kunstgriff, den das vielfach verehrte Genie erfunden hat, einzubilden, das ihm eine Eingebung anbietet. Der neue Künstler, Sammler oder Ausdeuter wird um die gefeierte Säule kreisen und allmählich erfahren, wie sich ein eigenes Verfahren in ihm entwickelt. Es handelt sich um das Ergebnis der Zusammenwirkung einer inneren Kraft und einer langen Vertrautheit mit anderen Gestaltungen der Anmut. Wird die Berufung oder der Beruf auch noch durch eine Gabe ergänzt, so führt das tausendfach unterbrochene und wieder aufgenommene fiktive Gespräch zwischen dem Neuling und dem großen geistigen Schöpfer zur Überwindung der einfachen Nachahmung, was ein Novum ergibt. -Oder: im Tempel der leiblichen Vereinigung, des idealen abstrakten, weiblichen Körpers zeugen die vollkommenen Beine, die den Säulen entsprechen, von der Begierde.

§517
· (homme{}y) (Mensch◊dort)
Theorie

Bezüglich des Pfeiles (homme{}y) (Mensch◊dort) führt der Haken zwischen den Alveolen zum Rad γ=1, denn es kann den klaren Vorstellungen keineswegs zum Hindernis werden, zu behaupten, dass der Mensch irgendwo schreitet. Der enge Kontakt zwischen den Alveolen gewährleistet die Strömung ε=1. Dieselbe starke Verbindung erlaubt für den Wimpel die Höhe λ=1. Da keine Krise möglich ist, schreiben wir problemlos den Tross ξ=1, und der Modul beträgt dank dieser Menge von Werten 1/γελξ=1. Im Gegensatz “La Nature est un temple/////où (de) vivants piliers laissent parfois sortir (de) confuses paroles; (L')/////homme passe à travers des forêts…” (Die Natur ist ein Tempel, worin lebendige Säulen zuweilen wirre Worte entweichen lassen; der Mensch schreitet durch Wälder…) hätte nur dem Verhältnis (homme{}temple) (Mensch◊Tempel) den Wimpel λ=2+(1(8/10))=2,8 erlaubt, da zwischen die Alveolen Fronten eingeschoben kämen: «où», «vivants», «piliers», «laissent», «parfois», «sortir», «confuses», «paroles» (worin, lebendige, Säulen, lassen, zuweilen, entweichen, wirre, Worte).

Methode

Der Leitgedanke hinter der Vorstellung “Gewinde” erfordert die sorgfältige Bestimmung eines ganzen Phantasietextes mit dem Ziel, dessen Kohärenz zu bewerten. Da die Kohärenz immer wieder ausdrückliche Kontakte oder Verweise voraussetzt, scheint es ausgeschlossen, zugleich einen starken Zusammenhang und einen großen Abstand zwischen den Elementen des Gummis zu haben. Daher erinnern die Streifen (ε) und (λ) den leichtsinnigen Ausdeuter daran, dass die Vergessenheit früherer Wörter, wenn man zu den folgenden kommt, die fehlende Sinnkontinuität begünstigt.

Anwendung auf Baudelaire

Der Mensch, den Baudelaire im Sinn hat, mag entweder ein Künstler, ein Ausdeuter oder ein Sammler sein: so oder so ein aktiver Gläubiger im Tempel der Anmut. Am Rande des Jahrhunderte alten Gebäudes bewundert er an einer Säule eine schöne Einzelheit und legt seine Opfergabe: ein Gedicht, ein Gemälde, eine Sinfonie, eine Rezension über ein Buch, ein Konzert oder einen Besuch eines berühmten Ortes. Die Verehrung des Schönen nimmt tausenderlei Aspekte anderer, vorheriger Religionen weltweit an, aber die leidenschaftlichen Beobachter gehören zu denjenigen, die es verstehen, die ästhetischen Werte aller Nationen gebührend zu schätzen. -Oder: der Mensch betätigt sich in der allgemeinen Stätte der leiblichen Liebe: dem abstrakten, idealen, weiblichen Körper.

§518
· (homme{}passe…travers) (Mensch◊schreitet…durch)
Theorie

Was (homme{}passe…travers) (Mensch◊schreitet…durch) betrifft, erreicht das Rad den Wert γ=1, da «Mensch» auf leicht verständliche Weise “passe…travers” (schreitet…durch) anhakt. Die Strömung nimmt die Höhe ε=1 an, weil «à» (in "à travers" [durch]), die weggelassene Vorstellung, keinen Frontensinn darstellt, so dass im Gewinde keine Alveole vernachlässigt wird. Der Wimpel verdient, dass wir λ=1 schreiben, weil das grammatische Verhältnis trotz des Auslassens des «à» in der Beschreibung eng bleibt. Insofern keine Krise droht, erlaubt der Zusammenhang den Tross ξ=1, so dass die Glaubhaftigkeit des Gummis 1/γελξ=1 beträgt. Messen wir dagegen die Glaubhaftigkeit von (homme{}esprit) (Mensch◊Geist), dann müssten wir trotz des großen Interesses dieser Beziehung eine Strömung ε’=2 annehmen, weil keine Verknüpfung die entfernten Alveolen verbindet. Für den Modul hätte dies zur Folge, dass er den Wert 1 nicht erreichen könnte, da das numerische Verhältnis 1/γ’ε’λ’ξ’=1/(γ’)(2)λ’ξ’ nicht über ½ hinausgehen kann. Zu diesem ersten Fehler käme ein großer, durch den Abstand zwischen den Alveolen bedingter Wimpel hinzu.

Methode

Wenn die Alveolen einerseits sehr weit auseinander liegen und andererseits ohne Verknüpfung bleiben, schadet die große Trennung der Vorstellungen dem Gedächtnis und wirkt somit hinderlich für die Verbindung der Mentalbilder. Unsere Berechnung muss für jeden Aspekt der Wirkung des Abstands zwischen den Wörtern auf das Gedächtnis, ein Kriterium erfinden, das diese konkrete Basis der Glaubhaftigkeitsbewertung widerspiegelt.

Anwendung auf Baudelaire

Der Liebhaber, der Ausdeuter, der Sammler, der Mäzen oder der Künstler, der auf der Suche nach dem günstigsten Ort ist, schreitet kultisch bewegt durch den Tempel der Anmut. Er nimmt auch die seit Jahrtausenden angesammelten Opfer wahr. Wir stellen uns diesen Lehrling im Prozess der Auswahl vor, wo er sich in der Nähe einer Säule -eines Stils- hinstellen soll. Er sucht sich inmitten der anderen Opfergaben die Stelle aus, an die er sein eigenes Glanzstück, das so mühsam entstanden ist, niederlegen wird. Diese prächtigen Zeugnisse seines Glaubens werden zum Schatz des Erbes aller früheren Überlegungen über die höchsten Werte hinzukommen. Dieser Schatz mag ein Gelehrtenkreis, eine Bücherei, eine Akademie, ein Palast, eine Kirche, eine Kunsthochschule, eine Stadt, eine Oper, eine Ausstellung oder ein Museum sein, das der Welt entspricht. -Oder: der Besucher der Stätte der allgemeinen leiblichen Liebe kommt durch den abstrakten, weiblichen Körper der idealen Schönheit durch.

§519
· (travers{}forêts) (durch◊Wälder)
Theorie

Was den Pfeil (travers{}forêts) (durch◊Wälder) betrifft, ist das Rad γ=1 leicht zu vertreten, weil das Bild «durch» an die Vorstellung «Wälder» problemlos hakt. Zur Bestimmung der Strömung schreiben wir «…(L')homme y passe (à) travers (des) forêts (de) symboles…» (…Dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen…) Da wir den Text im Telegrammstil im Wesentlichen begreifen, liegt es auf der Hand, dass die kurzen Wörter der Reihe «à», «des», «de» (als sekundäre grammatische Elemente von "durch Wälder von Symbolen") keine Frontensinne sind. Daraus geht hervor, dass in (travers{}forêts) (durch◊Wälder) keine Alveole vernachlässigt wurde, was ε=1 rechtfertigt. Das enge grammatische Verhältnis zwischen den Alveolen ist im Stande, jeden davon zu überzeugen, dass der Wimpel λ=1 stimmt. Der Tross (ξ) erreicht die Ebene 1, denn keine Krise gefährdet die Verständigung der Ballung. Aus diesen Werten γ=ε=λ=ξ=1 ergibt sich der Modul 1/γελξ=1. Für (à{}forêts) und (à.travers{}forêts) (durch◊Wälder) hätten wir dagegen ε=2, eine Größe, die auf die Glaubhaftigkeit 1/γελξ=1/γ(2)λξ hinausginge, was das ganze Gewinde auf dem Höchstwert des Profils ½ beschränken würde.

Methode

Die Bestimmung des Abstands, die durch den Einsatz vom Telegrammstil verläuft, behält nur die zur guten Verständigung des Schriftstücks notwendigen Wörter. Im Telegrammstil werden die kaum entscheidenden Sinnenelemente ausgemerzt, weil nur die wichtigsten Bilder zu den Fronten gehören. Da die Techniker wegen zahlreicher Hindernisse in der Vermittlung bemüht waren, das Wesentliche in den Botschaften zu bewahren, haben sie im Telegrammstil alles Mögliche ausgesondert, dessen Mangel nicht zu Irrtümern geführt hätte. So war es möglich, sich für die materiellen Merkmale der Sinnelemente, über die geurteilt wurde, auf die moderne Fernmeldetechnik zu verlassen.

Anwendung auf Baudelaire

Der Künstler oder Kenner schreitet mitten im Tempel oder um den Tempel herum auf der Suche nach der passenden Stelle. Das Begehen geht an verschiedenen Stellen vor sich, so dass der Besucher von der einen zu einer anderen wandelt, und wir begreifen, dass er wohl durchschreiten könnte. An jeder Stelle bringt er eine leicht abgewandelte Frage, aber der Wald von Opfergaben genügt allen Aufforderungen. Auf ähnliche Weise hat der Gläubige in der Kathedrale unter den herrlichen Stellen für die eine oder die andere eine Vorliebe, denn er sucht entweder schöne Gemälde an den Wänden, einen guten Klang der Kirchenlieder, Nuancen in den Kirchenfenstern, oder eine harmonische Anordnung der Pfeiler. Im Tempel der Anmut, den Baudelaire «Natur» nennt, findet das Heilige Offizium des Schönen statt, wo die schöpferischsten Dichter, Zeichner oder Komponisten ihre Opfergaben zur Säule bringen, die sie inspiriert hat, um den Stil, dem sie ihre Entfaltung zu verdanken haben, zu ehren. In der Tat hat dieser Stil ihre Fähigkeiten verändert und ihnen den feinen Verstand gegeben, der mit der tiefen Verständigung einer Aufgabe über sich selbst einhergeht. Diese wendet sich auf der Stelle oder später nach außen und wird zum feststellbaren Talent. -Oder: der Bewunderer des abstrakten, idealen, weiblichen Körpers, als Stätte der allgemeinen leiblichen Vereinigung, schreitet durch den Wald der geliebten Organe und sucht dort die absolute Freude seiner tiefen Träumereien.

§520
· (forêts{}symboles) (Wälder◊Symbolen)
Theorie

Der Gummi (forêts{}symboles) (Wälder◊Symbolen) gibt den Eindruck eines übertragenen Sinnes, der zur Beschreibung einer dichten Gruppe von Symbolen dient. Es handelt sich also um vielsagende Gegenstände, die hier zusätzlich nahe beieinander versammelt sind. Das Rad γ=1 ist gerechtfertigt, weil keine unleugbare Unsinnigkeit und keine Verheimlichung des Inhalts vorhanden sind. Die Strömung erreicht die Ebene ε=1, denn die Vorstellung «de» (von), die hier ausgelassen ist, hat keinen Frontensinn, das heißt: es wurde keine Alveole vernachlässigt. Der Wimpel nimmt dank des engen Kontakts zwischen den erwähnten Bildern den Wert λ=1 an. Zur Bestimmung des Trosses müssen wir nun den Kanal von rb(forêts– symboles) (Wälder-Symbolen) untersuchen, denn der Ausdruck «forêts de symboles» (Wälder von Symbolen) könnte das Vorhandensein eines Stoßes und einer Krise vermuten lassen. Die feste grammatische Beziehung rechtfertigt den Rang t=1. Dieselbe enge Bindung begünstigt die innere Entfernung s=1. Die Stilfigur über «…eine große Anzahl langer dicht gedrängter Gegenstände…» schwächt die Gesamtvorstellung und gibt dem Sinnanprall einen Ausweg, was uns dazu bewegt, m=2 zu schreiben [841]. Die zweite Schwingung verdient die Höhe w=1, weil der Ausweg aus dem Sinnanprall sich nicht auf dieser Seite öffnet. Insgesamt beträgt der Kanal 1/tsmw=1/(1)(1)(2)(1)=½, was zum Tross 1 und wiederum zum Modul 1/γελξ=1/(1)(1)(1)(1)=1/1=1 leitet.

Methode

Die gängigen literarischen Wendungen erleichtern das Urteil, dass eine Maische vorhanden ist, weil der überraschende Charakter durch die Gewohnheit, dieselben ständig anzuwenden, geschwächt wird. Dies geht jedoch mit einem verschwommenen Denken einher, was in den Phantasietexten überhaupt keinen Schaden -sondern oft das Gegenteil- anrichtet.

Anwendung auf Baudelaire

Die «Wälder von Symbolen» der Natur, der Tempel der Schönheit, sind die Opfergaben der einzelnen Ästheten, die nach so vielen Tempelbesuchen durch Jahrhunderte hindurch diese Gaben der Schönheit zu Ehren hinterlassen haben. Für den Neuling stellt diese Menge von Glanzstücken ein Forum dar, das überwacht, was der frisch eingeweihte Gläubige nach seinem ersten Versuch bringen wird [841]. Jede Opfergabe, jedes Gedicht, jedes Gemälde oder jede Sinfonie verbindet das Denken des Künstlers mit dem Denken künftiger Genies, da er ihre Eingebung begünstigen wird. Das Symbol hat zum Grundinhalt die Tatsache, dass das Materielle auf das Geistliche hindeutet [853]. -Oder: der Besucher der Stätte der idealen Liebe schreitet inmitten von Dutzenden allgemeiner, leiblicher, weiblicher Symbole, von denen manche viel gepriesen wurden: Kopfhaare als Garten mit seinen wunderbaren Alleen, weite feuchte Augen, runde Wangen, feurige Lippen, glänzende Zähne, vielversprechende Schultern, schmale Taille im Kontrast zu den Hüften, sanfte Kurven, und Zufluchtsort der Freude.

§521
· (symboles{}Qui l'observent)
Theorie

Das Verhältnis (Symbolen{}die ihn…betrachten) lässt eine Krise befürchten, da der Leser logischerweise eher erwarten würde, dass der Mensch die reiche Symbolik betrachtet, als das Gegenteil. Zum Glück erlaubt die Haltung “…die wie durch göttlichen Willen einen Eindruck des Denkens geben…” dem Publikum, den Sinn von «Symbolen» unter Hinzufügung dieses neuen Inhalts zu ändern. Auf diese Weise teilen sich die Schlingen «Symbolen» und «die ihn…betrachten» das Einsickern “…die den Eindruck des Denkens geben”. Dadurch wird der Verdacht, dass der Schaffende seiner eigenen Ballung unwiderruflich geschadet hätte, aufgehoben, was uns zum Rad γ=1 führt. Da die Alveolen im Gummi die Anordnung im Gedicht befolgen, schreiben wir die Strömung ε=1. Wir müssen den Wimpel γ=1 annehmen, weil «Symbolen» und «betrachten» überhaupt eine gesicherte Bindung aufweisen. Es bieten sich in der Ballung zwei Deutungsmöglichkeiten. Erstens “…Symbole, die den Menschen betrachten…”, was die augenscheinlichste Deutung darstellt. Zweitens, wenn wir uns am zweifelhaften Sinn “…Wälder, die den Menschen betrachten” halten, müssen wir auf jeden Fall annehmen, dass Symbole diese Haine bevölkern, so dass sich der Kreis schließt. Ein Gummi mit Haltung muss sich auf einen sinnverwandten Stoß mit dem Kanal 1 oder ½ stützen, damit es zu einem Tross mit Wert 1 kommt. Bezüglich des Stoßes rb(Symbolen– betrachten) erreicht der Rang dank der bereits besprochenen Sinnverbindung den Wert t=1. Die innere Entfernung nimmt durch dieselbe Bindung, die den anscheinend bereits sehr geringen Abstand zwischen den Bildern überwindet, die Ebene s=1 an. Die Schwingung des Begriffs, die vom linken Mitglied in der Formel vorgetragen wird, verdient die Höhe m=1, denn der anstößige Sinn drängt sich auf. Die andere vom rechten Mitglied kommende Schwingung bekommt aus ähnlichen Gründen den Wert w=1. So beträgt der Kanal 1/tsmw=1/(1)(1)(1)(1)=1, was für den Tross den Wert ξ=1 sichert. Diese Größen gehen für den Haltungsgummi letztendlich auf die Glaubhaftigkeit 1/γελξ=1 hinaus.

Methode

Die Tore müssen viel allgemeiner sein als die Bebilderungen, die wir nun angeben werden. Zunächst suchen wir nach einem Minimalsinn, dann liefern wir für jeden Absatz zwei äußerst zweifelhafte Deutungen, deren einziger, gemeinsamer Charakter darin besteht, nicht nur für ein paar Zeilen, sondern für die gesamte Ballung gedacht zu sein.

Anwendung auf Baudelaire

Die von den vorherigen Künstlern niedergelegten Opfergaben sind ebenso viele für den Dienst der Schönheit durch die Geschichte hindurch kostbare Symbole. Die vorherigen Künstler dienen der gesamten Ästhetik, weil sie dem begabten Neuling Eingebung offenbaren, um ihn dank des Tempelschatzes vor der Gefahr der Unfruchtbarkeit zu bewahren [845]. Indem er von den erlauchten Vorbildern seine Eingebung erhält, bildet sich der nun fruchtbare Lehrling ein, dass die genialen Geister der Vergangenheit ihm behilflich sind und ihn dabei im Auge haben, da sie um die Zukunft des Schönen besorgt sind. So kommt der Neuling zum Ausgangspunkt für eine Weise, ein Gemälde, ein Gedicht. -Oder: der Besucher stellt sich in der Stätte der allgemeinen, leiblichen Liebe jeden Aspekt des idealen, abstrakten, weiblichen Körpers vor, der ihn selbst überwacht, um sich zu vergewissern, dass er der versprochenen Zärtlichkeit oder den erwarteten körperlichen Leistungen gewachsen ist.

§522
· (symboles{}avec regards familiers)
Theorie

Untersuchen wir das Rad von (symboles{}avec::regards familiers) (Symbolen◊mit vertrauten Blicken), so vermutet der Leser eine ausgeprägte Absicht, die Bedeutung zu vermummen. Nach Hinzufügung der Haltung “…die wie durch göttlichen Willen einen Eindruck des Denkens geben” im Sinne von «symboles» (Symbolen) vereint das Einsickern “…die den Eindruck des Denkens geben” die Schlingen «symboles» (Symbolen) und «avec…regards familiers» (mit vertrauten Blicken). Der Leser verzichtet auf seine Versuchung, den Schaffenden anzuschuldigen, der Verständlichkeit seines eigenen Textes unwiderruflich geschadet zu haben, denn er hat nun das Gefühl, die Ballung zu verstehen. Nach Wiederherstellung des Vertrauens in der Kohärenz der in Frage kommenden Stelle müssen wir das Rad γ=1 schreiben. Die Strömung ε=1 wird durch zwei Punkte gerechtfertigt. Erstens verhindert (symboles{}Qui l'observent) (Symbolen◊die ihn::betrachten) die Entstehung eines Hohlraums im Gewinde. Dieses Mittel wirkt über «Qui» (die), «l'» (ihn) und «observent» (betrachten), drei Alveolen, die sonst den Eindruck gäben, im Gewinde vergessen worden zu sein. Zweitens gehört «des» [ungefähr "vielen" auf Französisch], das auch im Gummi fehlt, nicht zu den Frontensinnen. Was den Wimpel betrifft, so ist es leicht zu verstehen, dass die starke Sinnkontinuität zwischen den Schlingen die Ebene λ=1 verdient. Der Tross des Haltungsgummis (symboles{}avec::regards familiers) (Symbolen◊mit vertrauten Blicken) muss sich nach dem Kanal des dem Gummi ähnlichen Stoßes rb(symboles–regards) rb(Symbolen-Blicken) festlegen. Wenn wir die Blicke den Symbolen zuschreiben, erreicht die Größe (t) den Wert (1). Gehen wir nun davon aus, dass auch die Wälder blicken, so kehren wir zum ersten Eindruck zurück, weil die Wälder aus Symbolen bestehen. Da der Ausdruck «Qui l'observent avec» (Die ihn mit…betrachten) der erwähnten Zuteilung “Blicken der Symbolen” nicht im Wege steht, nimmt die innere Entfernung die Höhe s=1 an. Die Schwingung des links in der Formel vorgetragenen Begriffs nimmt den Wert m=1 an, denn «Symbolen» bietet für den Sinnanprall keinen Ausweg. Die Schwingung des rechts erwähnten Begriffs verlangt die Höhe w=1, weil das Bild von den Blicken im eigentlichen Sinne benutzt zu werden scheint, was den Sinnanprall augenscheinlich nicht meidet. Daher beträgt der Kanal 1/tsmw=1/(1)(1)(1)(1)=1. Für den Haltungsgummi haben wir also den Tross ξ=1 mit insgesamt dem Modul 1/γελξ=1.

Methode

Gelingt es uns, eine Haltung zu finden, die die Erklärungen vereinfacht, aber der Ballung leicht untreu ist, so müssen wir uns der Gefahr bewusst sein, unsere Zerlegung zunichte zu machen. Das Sparsamkeitsprinzip ist nur dann von Wert, wenn wir dem Sinn in seiner Anwendung nicht schaden.

Anwendung auf Baudelaire

Der Gläubige im Tempel begreift angesichts der von einem anderen Schönheitsliebhaber hinterlassenen Opfergaben, dass der Geist dieses Künstlers, Ausdeuters oder Mäzens ihn über die Opfergabe anblickt, schützt und berät [847]. Das Glanzstück wird in seiner Glorie zum Symbol für Jahrhunderte, aber es wird subjektiv als vertraut empfunden, weil der Tempelbesucher lange mit Dutzenden von Geistern, die dem Künstler und Schöpfer ähnlich sahen, in enge Berührung gekommen ist: in den Gedichten, Gemälden und Musikstücken derselben künstlerischen Bewegung. Diese Vertrautheit hängt damit zusammen, dass die einzelnen Geister zu verschiedenen geistigen Familien gehören, von denen jede, was die Fähigkeiten des Verstands betrifft, ihre Eigenarten hat. -Oder: der Liebhaber bildet sich jedes Attribut der allgemeinen Anmut als ein ihm gegebenes Zeichen ein. Indem er seine Geliebte bewundernd betrachtet, träumt er von der idealen Schönheit. Er sieht ihren Mund als einen Rosengarten und ihre Brust als das Innere der Stätte [[1001]] in Index II (Gedichte)">[[1001]]: «Deine pralle Brust, die den schimmernden Stoff füllt,
Deine sieghafte Brust ist ein schöner Schrank,
Dessen gewölbte, helle Füllungen,
Schilden ähnlich Blitze fangen.

Herausfordernde mit rosaroten Pickeln bewaffnete Schilde!
Mit süßen, seltenen, kostbaren Waren gefüllter Schrank:
Mit Weinen, Düften und guten Geistern,
Die Hirne und Herzen in Wahnsinn geraten lassen könnten.»

§523
· (regards familiers{}Comme longs échos)
Theorie

Der Übergang von einem Vierzeiler zum anderen geschieht ohne jeden Hinweis auf das vorherige Thema, was einen Bruch in der Sinnkontinuität des Gedichts befürchten lässt. Das Rad (γ) von (vertrauten Blicken{}Wie lange Echos) erreicht den Wert 1, da dank «Wie», das die Bedeutung schwächt, keine Krise dazwischenkommt. Es besteht eine gewisse Sinnverwandtschaft zwischen «vertrauten» und «Wie», da in beiden Fällen die Vorstellung von Ähnlichkeit vorhanden ist. Die Familie oder der Kreis von Freunden gibt uns das Mentalbild von Leuten, die vergleichbar sind. Der Ausdruck (vertrauten Blicken{}Wie lange Echos) verdient aus zwei Gründen die Strömung ε=1. Einerseits nimmt kein Hohlraum Gestalt an, und andererseits kommen die Alveolen in der Reihenfolge des Textes vor. Der Schlusspunkt der ersten Strophe setzt jeder Hoffnung auf eine problemlose Kontinuität ein Ende, was uns zu einem Wimpel vom Typ λ=2+(1(n/10)) führt. Da es zwischen den Alveolen keine Front gibt, ist zum Glück diese Größe auf λ=2+(1(0/10))=2 begrenzt. Das Fehlen jeder Krise rechtfertigt den Tross ξ=1, was den Modul 1/γελξ=1/(1)(1)(2)(1)=½ bringt.

Methode

Daraus ergibt sich, dass das Profil den Wert 1 nie erreichen und höchstens beim Wert ½ bleiben wird, denn es hält sich im Umgekehrten von γελξ, und einer dieser Werte in Hohe 2 ist uns nun bekannt.

Anwendung auf Baudelaire

Der Anhänger des Schönen empfindet ein seltsames Gefühl, wenn er seine so mühsam errungene Opfergabe in der Nähe der Säulen niederlegt, die er umgeht. Es ist ihm, als ob Blicke von früheren Opfergaben anderer Künstler auf ihn fielen, welche den allgemeinen Tempel -«Natur»- bevölkern. In diesem Konservatorium, diesem Gelehrtenkreis oder diesem Weltmuseum sind ihm die eingebildeten Augen, die ihn betrachten, wohl vertraut, weil sie dieselbe Hauptsorge teilen: anlässlich eines größeren ästhetischen Erfolgs das weite Echo des Volksruhms auf sich zu ziehen [838]-[845]. Der Beifall der Menge und die Blicke von den Opfergaben ähneln einander, weil die Menge von den ästhetischen Erfolgen erhitzt wird. -Oder: die Seele des liebenden Ästheten spürt, wie ein hellwaches Auge in der Stätte der leiblichen Vereinigung, des idealen, abstrakten, weiblichen Körpers, über ihn wacht in einem Zusammenhang, in dem Schreie und Seufzer widerhallen, die beim Begehen wie zahlreiche Echos, die sich vereinen, ausgestoßen werden.

§524
· (Comme¹…comme¹…comme²…comme³…comme’¹…comme’²…Comme²{}échos)
Theorie

Untersuchen wir (Wie¹…wie¹…wie²…wie³…wie’¹…wie’²…Wie²{}Echos). Die Vorstellung «Echos» bringt den Nachdruck der «Wie» und «wie» zum Ausdruck, was uns zu Recht veranlasst, das Wort “Spiegelung” zu gebrauchen. Daher schreiben wir ein Rad γ=1. Die Strömung ε=1 wird aus folgenden Gründen gerechtfertigt. Erstens ist das «Wie» in fünften Vers mit «Echos» unmittelbar verbunden: «Wie lange Echos, die sich in der Ferne vereinen…» Zweitens enthält der Rips verschiedene dank des Härters der Klangähnlichkeit solidarische Elemente, die zu einer Lautreihe gehören. Drittens bekommt der Gummi einen Sinn, der mit dem des folgenden Ripses von Strecke 1 identisch ist: (F- Wie¹…wie¹…wie²…wie³… wie’¹…wie’²…Wie²/-¦¦¦¦-/S-Nachdruck). Auf Grund derselben Argumente erreicht der Wimpel den Wert λ=1. Der Tross ξ=1 ergibt sich aus dem Nichtvorhandensein einer Krise. Insgesamt verdient der Modul die Ebene 1/(γελξ)=1.

Methode

Im Absatz 458 haben wir die Strecke des hier als Bezug dienenden Ripses bereits berechnet. Es ist auch zu bemerken, dass der ganze Sinn des Ripses nicht aus dem Frontensinn entsteht, sondern dass im Sinn von Rips auch Frontensinn zu finden ist. Das genügt, um die in der Bemerkung 37M -über leichter zu beobachtende Gegenstände- vorausgesetzte Einheit zwischen Inhalt und Gestalt zu erhalten. Wir lassen also das Vorhandensein mindestens einer Front in irgendwelcher Zeichenfolge, die einen Rips bildet, zu.

Anwendung auf Baudelaire

Der Besucher des Tempels «Natur», in dem das Schöne geehrt wird, muss wenn ein «wie» vorkommt, je nach dessen Bedeutung in jeder Hinsicht eine Entsprechung wahrnehmen. Der Rhythmus der «Wie» und «wie» durch das Gedicht hindurch trommelt den Fortschritt des Besuchers. Mit dieser Weise wirft das Volk den Ruhm den Opfergaben des Geistes zu Ehren zurück [838]: “ Wie¹… wie¹…wie²…wie³…wie’¹…wie’²…Wie²…” -Oder: die von der weiblichen Stätte der allgemeinen Schönheit gesungene Musik entstammt dem abstrakten Körper, in dem die ideale Liebe begangen wird. Diese Musik ist die der anlässlich der Feier der Liebe ausgestoßenen Schreie und Seufzer. Diese Wiederholung der «wie» durch das Gedicht hindurch versinnbildlicht die Reihe der Verzückungen, wobei jede einzelne einmalig ist.

§525
· (échos{}loin)
Theorie

Der Gummi (échos{}loin) (Echos◊Ferne) stellt einen Pfeil dar, denn die Vorstellungen «qui» (die) und «de» (in der) gehören nicht zu den Frontensinnen. Das Rad γ=1 wird über einen leicht zu begreifenden Haken gewonnen. Die Strömung ε=1 wird dadurch begünstigt, dass keine einzige Alveole ausgelassen wurde. Der Wimpel λ=1 kann kaum in Frage gestellt werden, denn die Vorstellung «loin» (Ferne) ist grammatisch mit «échos» (Echos) verbunden. Der Tross ξ=1 scheint gesichert zu sein, weil keine Krise droht. Insgesamt rechtfertigt sich der Modul 1/γελξ=1 problemlos. In der Annahme von (Echos{}ohne Schallreflexion) hätten wir im Gegenteil eine Krise, welche mangels eines Tores γ=ξ=2 für diesen Gummi ergäbe, was für die Glaubhaftigkeit des Ausdrucks einen Höchswert von 1/(2)(2)=¼ bedeuten würde.

Methode

Da das Gewinde eines Gedichts mit den Kunststücken der Versbildung nichts zu tun hat, ist es allzu oberflächlich, aber das vernünftige Urteil treibt uns dazu, zunächst die bescheidenen Seiten der Dichtung zu behandeln und die Untersuchung der kaum zugänglichen Probleme aufzuschieben.

Anwendung auf Baudelaire

Die vielfältigen Echos stellen den Aufschrei der Menge den Künstlern oder Eingeweihten zu Ehren dar [834]-[835]. Selbst wenn das Volk, das wegen seiner üblichen Tätigkeiten daran gehindert wird, die großartigen Glanzstücke sofort anzuerkennen, wird nur kurze Zeit verstreichen, ehe die anfangs in einem engen Kreis entstandene Glorie sich verbreitet und in den folgenden Jahren mit einem größeren, unbestimmten, künstlerischen Strom einigt. -Oder: in der Begehung der weiblichen, idealen, allgemeinen Stätte vereint der abstrakte Seufzer der Freude alle von den körperlich besonders anmutigen Frauen ausgestoßenen Freudenschreie, -selbst wenn die Umstände, unter denen die Freude zum Ausdruck kam, sehr unterschiedlich und daher voneinander entfernt waren.

§526
· (échos{}se confondent)
Theorie

Die übliche Vernehmung der Erscheinung Echo sichert einen Haken, der das Rad γ=1 des Gummis (échos{}se confondent) (Echos◊sich::vereinen) gewährleistet, denn der Leser bekommt leicht die Verständigung des Versinhalts. Die Strömung ist ε=1, da dank der zuvor untersuchten Bindung (échos{} loin) (Echos◊Ferne) und der Tatsache, dass die Vorstellungen «qui» (die) und «de» (in der) nicht zu den Frontensinnen gehören, kein Hohlraum vorhanden ist. Die starke grammatische Beziehung liefert einen Wimpel λ=1. Für den letzten Streifen bleibt der Tross ξ=1 die einzige Möglichkeit, weil keine Krise unter diesen Umständen bestimmt werden kann, was zum Modul 1/γελξ=1 führt. Hätten wir im Gegensatz (Echos{}lautlos) geschrieben, so hätten wir ein Paradoxon eingeführt, das eine Krise herbeigeleitet hätte, welche mangels eines Tores die Glaubhaftigkeit beeinträchtigt hätte. In dieser Lage hätte das Zusammenwirken der beiden Dinge den Höchstwert der Glaubhaftigkeit auf 1/γελξ=1/(2)ελ(2)=¼ begrenzt.

Methode

Obwohl die Berechnung für Stöße und Krisen unterschiedlich ist, sind die auftretenden intuitiven Ideen in beiden Fällen vergleichbar. Auf ähnliche Weise wird unsere Aufmerksamkeit von der Notwendigkeit angezogen, uns in Bezug auf die Rolle von Krisen und Stößen in den Bilanzen von manchen Beispielen der Glaubhaftigkeit Fragen zu stellen.

Anwendung auf Baudelaire

Durch so viele Jahre steht das Lob der Menge zu den Opfergaben, die die berühmten Ästheten im Tempel des Schönen niedergelegt haben, in den kleinsten Einzelheiten wohl in keinem Verhältnis zu den echten historischen Verdiensten, aber es spiegelt in großen Zügen trotz der Neigung zum Durcheinander das Wesentliche wider [835]-[838]. -Oder: die Freudenschreie, die aus dem abstrakten, allgemeinen, idealen weiblichen Körper stammen, wiederholen sich, und trotz der Unterschiede zwischen den sehr anmutigen Liebenden verschmelzen zu einem einzigen Lärm.

§527
· (Comme longs échos loin se confondent{}parfums…couleurs…sons)
Theorie

Das Rad γ=1 von (Comme…longs échos…loin se confondent{}parfums…couleurs…sons) (Wie lange Echos…sich…Ferne vereinen◊Düfte, Farben…Töne) wird von keiner Gefahr bedroht, weil der Dichter einerseits den Anfang an den Schluss der zweiten Strophe vorsätzlich anhakt, und andererseits «Comme» (Wie) benutzt, was den seltsamen Sinn des Inhalts schwächt. Somit verspürt das Publikum seitens des Schaffenden weder eine Absicht, ihn irrezuführen, noch eine Spezifität im Inhalt. Die Strömung ε=1 kommt von der Verknüpfung, die im Text einen Sprung von einer Vorstellung zu einer anderen erlaubt. Was den Wimpel λ=1 betrifft, so bleibt er durch das grammatische Gewicht von «Comme» (Wie) geschützt, das den Abstand zwischen den Schlingen ganz aufhebt. Der Tross erreicht den Wert ξ=1, weil hier keine Krise droht. So beträgt der Modul ohne weitere Hindernisse 1/γελξ=1. Mit (longs échos…loin se confondent{}chantent… transports…esprit…sens) (lange Echos…sich…Ferne vereinen◊Taumel…Geistes…Sinne singen) hätten wir dagegen einen Sprung über Fronten durch das Gedicht hindurch, was den Abstand zwischen den am entferntesten Alveolen -«longs» (lange) und «sens» (Sinne)- darstellt. Daraus wird sich ein Wimpel λ=2+ (1(47/10))=2+4,7=6,7 ergeben, und wir können diese Entfernung im Folgenden selbst aufzählen: “Comme de longs/////échos (qui) (de) loin se confondent, Dans (une) ténébreuse (et) profonde unité, Vaste comme (la) nuit et (comme) (la) clarté, (Les) parfums, (les) couleurs (et) (les) sons se répondent. (Il) est (des) parfums frais comme (des) chairs (d')enfants, Doux comme (les) hautbois, verts comme (les) prairies, -(Et) (d')autres, corrompus, riches (et) triomphants, Ayant (l')expansion (des) choses infinies, Comme (l')ambre, (le) musc, (le) benjoin (et) (l') encens, Qui chantent (les) transports (de) (l')esprit (et) (des)/////sens.” (Wie lange Echos, die sich in der Ferne vereinen In einer finsteren und tiefen Einheit Weit wie die Nacht und wie das Licht, Antworten einander Düfte, Farben und Töne. Es sind Düfte frisch wie die Haut von Kindern, Sanft wie Oboen, grün wie die Auen -Und andere verdorben, reich und sieghaft, Welche die Ausdehnung der unendlichen Dinge haben, Wie Amber, Moschus, Benzoe und Weihrauch, Die den Taumel des Geistes und der Sinne singen.)

Methode

Dieselbe Entfernung zwischen den Vorstellungen wäre durch einen ausdrücklichen Hinweis auf den Sinn aufgehoben. Unsere beständige Auffassung bleibt, dass die Vergessenheit das Verhältnis zwischen zwei entfernten Bildern -ebenfalls für den Schaffenden und das Publikum- zu wirken hindert, wenn keine logische Verbindung zwischen diesen Bildern vorhanden ist.

Anwendung auf Baudelaire

-Die Malerei stützt sich auf den Gesichtssinn und die Farben, wie die Musik auf das Gehör und die Töne. Was den Duft betrifft, versinnbildlicht er -wahrscheinlich wegen des Baudelaireschen Geschmacks- die Dichtkunst: jeder bedeutende Dichter ist der Mann des Wortes schlechthin, und der Geist wird bekanntlich als Wort, Eingebung, duftenden Hauch und Atemzug identifiziert [840]. -Oder: die Freudenschreie, deren Echos sich letztendlich vereinen, verherrlichen die allgemeine leibliche Vereinigung in der weiblichen Stätte des vollkommenen Körpers. Diese Einheit, die die Vielfalt umfasst, ist der Verschmelzung anderer Charaktere der idealen Schönheit ähnlich: Blumendüfte, Kosmetika, Haare, Haut- und Stofffarben, oder Geklirr von Geschmeide.

§528
· (profonde{}unité)
Theorie

Das Rad γ=1 wird bald gerechtfertigt, weil der Haken zwischen den Alveolen des Pfeiles (tiefen{} Einheit) deutlich in der Ballung wirkt. Die Vorstellung von Tiefe geht auf die von Einheit hinaus und hakt sie somit an. Die Tiefe wird in der Tat der Oberflächlichkeit gegenübergestellt, während die Einheit oft ein System, das heißt das Gegenteil der Oberflächlichkeit erfordert. Die Strömung hat ihrerseits dank der grammatischen Bindung den Wert ε=1. Derselbe Vorteil bringt den Wimpel λ=1. Da keine Krise droht, kommen wir zum Tross ξ=1, was wiederum zum Modul 1/γελξ=1 leitet. Gingen wir im Gegenteil von Paradoxon (tiefe{}Oberfläche) aus, so wäre es schwierig, eine Minimallösung zu finden, die sich der übrigen Ballung anpassen würde.

Methode

Ist der historische Hintergrund eines Textes bekannt, so werden dem Ausdeuter die allgegenwärtigen Voraussetzungen klar, so dass die Denkweise des Autors ihm nicht gründlich vertraut sein muss. Eine eingehende Kenntnis des Autors schützt einen jedoch gegen die Fehldeutungen, die die skrupellosen Ausdeuter in Umlauf gebracht haben, um zu brillieren und dabei die Ansprüche des Schaffenden oder seiner Anhänger verkennen.

Anwendung auf Baudelaire

Außerhalb des heiligen Ortes zwingt die Einheit des Volksaufschreis -aus so vielen Ländern und unterschiedlichen Zeiten- die Künstler und Kenner, was die neue Opfergaben betrifft, die sie in den Tempel oder um den Tempel herum bringen, zur ähnlichen Kohäsion [838]. Die Ehren, die von der breiten Masse kommen, bilden den notwendigen Gedankenstrom, der nach Ausmerzen aller Ungereimtheiten durch die Jahre hindurch dem tieferen Sinn seine Kraft verleiht. Entspricht der Tempel «Natur» einer einzigen weiten Bücherei, einem Konzertsaal und einer Gemäldeausstellung, so genießen trotz mancherlei Schwächen die gebrachten Opfergaben den Zusammenhang des Volksaufschreis. -Oder: die dem allgemeinen, weiblichen, idealen, abstrakten Körper entstammten Freudenschreie werden in dieser Stätte der leiblichen Liebe zu einem einzigen Seufzer, der von der starken Tiefe der Gefühle zeugt.

§529
· (ténébreuse{}unité)
Theorie

Da ein Haken aus der vermutlichen Sicht Baudelaires leicht vorstellbar ist, ist das Rad γ=1 für (finsteren{}Einheit) gerechtfertigt. Der Schaffende stellt sich die Einheit des Echos als dunkel vor, weil er denkt, dass die Einheit verschiedener Erscheinungen -Duft, Farbe und Ton- durch eine unbekannte Feder getrieben wird. Die Glaubhaftigkeitsbewertung der betreffenden Schleife folgt der Behandlung des Pfeiles (tiefen{}Einheit), was jeden Hohlraum im Gewinde ausschließt und somit die Strömung ε=1 erlaubt. Die eindeutige grammatische Bindung sichert den Wimpel λ=1. Die Vorstellungen «finsteren» und «Einheit» genießen eine allzu kleine Bestimmtheit, um eine Krise innerhalb ihrer Beziehung auszulösen, was zum Tross ξ=1 leitet, so dass wir insgesamt den Modul 1/γελξ=1 schreiben können.

Methode

Es ist nicht weiter erstaunlich, dass ein Mangel an Bestimmung die Gestaltung einer Krise verhindert. Einerseits führt die mathematische Unklarheit zum Protest. Andererseits wirkt in Texten mit zahlreichen Gipfeln -das heißt mit unbestimmten Gegenständen- die Zerlegung gewöhnlich im Verschwommenen. Der Leitgedanke des Autors wird hier mehr oder weniger verstanden, aber die Einzelheiten werden nicht berücksichtigt. Unter diesen Umständen kann von Unverständlichkeit des Textes kaum die Rede sein.

Anwendung auf Baudelaire

Es ist auch schwer zu begreifen, wie die Schätzungen des Volkes im Zusammenhang mit den künstlerischen Opfergaben letzten Endes zu einer allgemein anerkannten Vorstellung verschmelzen. Diese verschwommene Gestaltung der Glorie in der Kunstgeschichte wirft einen Schleier über manche Stellen des geistigen Zusammenhangs, der den allgemeinen Tempel des Schönen umgibt [838]. -Oder: in der Erinnerung bleibt die Verschmelzung mancher Liebesseufzer zu einem einzigen Freudenschrei, der von der weiblichen, abstrakten Stätte der idealen Liebe ausgeht, unklar. Die Freudenausrufe und deren Verschmelzung gehen auf so verschiedenartige Ursachen zurück, dass eine Wissenschaft der Freude notwendig wäre, um diese Tätigkeiten zu ergründen.

§530
· (ténébreuse{}profonde)
Theorie

Der Pfeil (finsteren{}tiefen) bekommt das Rad γ=1, denn die beiden Vorstellungen teilen dasselbe Einsickern: “was nicht leicht durchschaubar ist”. Die Strömung ε=1 zieht ihren Vorteil aus dem Kontakt zwischen den Alveolen. Dasselbe gilt für den Wimpel λ=1. Wir müssen den Tross ξ=1 schreiben, weil die stärkste Einbildungskraft in diesem Gummi keine Krise unterscheiden kann. Zusammenfassend beträgt der Modul 1/γελξ=1. Mit (finsteren{}Ausdehnung) würde die Anzahl ausgelassener Alveolen uns daran hindern, das ganze Gewinde ernst zu nehmen, so dass sich für diesen Gummi eine sehr schlechte Strömung und ein sehr schlechter Wimpel daraus ergäben.

Methode

Die auf die beiden zusammengeschobenen Vorstellungen im Text gelenkte Aufmerksamkeit scheint uninteressant zu sein, denn die Gewissheit des Kontakts ist so fest, dass die kaum unternommene Untersuchung sofort abgeschlossen wird. Aber die Sorgfalt der Textanalysen kümmert sich wenig um diese Spitzfindigkeit, denn die Ausdeuter sind daran gewöhnt, die unmittelbare Intuition in tausenderlei Bereichen scheitern zu sehen.

Anwendung auf Baudelaire

Die Verschmelzung der Ruhmgeräusche in der Menge ruft Erstaunen hervor, weil manche Gedankenverbindungen unklar bleiben [838]. Zunächst überlegt man sich, dass jeder Kunst eine besondere Art der Begeisterung entsprechen sollte, während im Volk alle Vorstellungen ruhmreicher Gedichte, Gemälde oder Sinfonien durcheinander geraten. Dabei hat diese Mischung eine gewisse Richtigkeit an sich, denn dadurch wird der Rahmen gebildet, in dem die Opfergaben -in Richtung Bilder, Verse und Musikstücke- weiter bereichert werden. Beim Nachdenken wird man sich dessen bewusst, dass die Eingebung speziell auf diese Kreuzung der Künste zurückzuführen ist, weil die Empfindlichkeit durch diesen Prozess besonders vertieft wird. -Oder: die in der Begehung der leiblichen Liebe ausgestoßenen Schreie kommen im allgemeinen und idealen Tempel zum Ausdruck und vereinen sich auf unverständliche Weise in einen einzigen Seufzer, was von der Tiefe dieses abstrakten, weiblichen Körpers zeugt.

§531
· (Dans{}unité) und (unité{}Vaste)
Theorie

Untersuchen wir zugleich (Dans{}unité) und (unité{}Vaste) [(in{}Einheit) und (Einheit{}weit)]. Im Fall (Dans{}unité) nehmen wir das Rad γ=1 an, weil der Haken leicht zu begreifen ist. Zunächst ist es, als ob wir wegen ausgelassener Alveolen eine Strömung 2 schreiben müssten. In der Tat erlauben uns jedoch der vorher behandelte Gummi (finsteren{}tiefen) und die grammatische Verknüpfung ε=1 anzunehmen. Um zum Wimpel λ=1 zu gelangen, benutzen wir dieselbe grammatische Beziehung. Was die Gefahr einer Krise betrifft, kommt nichts dergleichen vor. Das führt zum Verständnis des Trosses ξ=1, was auf den Modul 1/γελξ=1 hinausgeht. Der zweite Gummi (Einheit{}weit) liefert uns dank eines verständlichen Hakens ein Rad γ=1, denn die Einheit, die so viele verschiedene Dinge vereint, muss weit genug sein, um sie zu umschlingen [858]. Die Strömung hat den Wert ε=1, weil kein Hohlraum vorhanden ist. Der Wimpel erreicht die Ebene λ=1, weil kein Hindernis die Mentalbilder im Gummi trennt. Das Nichtvorhandensein einer Krise verleiht letztendlich dem Tross die Größe ξ=1, was zum Modul 1/γελξ=1/(1)(1)(1)(1)=1/1=1 führt. Hätten wir dagegen (Dans{}expansion) (in◊Ausdehnung), dann hätten wir wegen der Waghalsigkeit des Auslegers, der sich in diesem Gummi einen Schlüssel des Textes vorstellen möchte, den Wimpel λ=2+(1(30/10))=2+3=5. Im Folgenden wird die Aufzählung der in Frage kommenden Fronten durch die Klammern erleichtert: “Comme de longs échos qui de loin se confondent, Dans/////(une) ténébreuse (et) profonde unité, Vaste comme (la) nuit et (comme) (la) clarté, (Les) parfums, (les) couleurs (et) (les) sons se répondent. (Il) est (des) parfums frais comme (des) chairs (d')enfants, Doux comme (les) hautbois, verts comme (les) prairies, -(Et) (d')autres, corrompus, riches (et) triomphants, Ayant (l')/////expansion des choses infinies…” (Wie lange Echos, die sich in der Ferne vereinen In einer finsteren und tiefen Einheit Weit wie die Nacht und wie das Licht, Antworten einander Düfte, Farben und Töne. Es sind Düfte frisch wie die Haut von Kindern, Sanft wie Oboen, grün wie die Auen -Und andere verdorben, reich und sieghaft, Welche die Ausdehnung der unendlichen Dinge haben…)

Methode

Viele Leute beklagen sich über die Anwendung des numerischen Maßes auf die geistigen Dinge. Wenn sie jedoch ein Buch selbst untersuchen müssen, vergleichen sie die Seitenanzahl, die der Autor jedem behandelten Thema widmet. Solange die Anwendung begründet ist, ist an diesem Verfahren nichts auszusetzen.

Anwendung auf Baudelaire

Um die für den Tempel gebrachten Opfergaben herum kommen vage, kräftige Volksgeräusche -die in viele, zum Teil entgegengesetzte Gedankenströme zerfallen- die eine bewegte und jedoch zusammenhängende Landschaft gestalten [838]-[858]. Die Ansichten des Volkes, die diese oder jene Opfergabe verherrlichen, treiben den Künstler als ergebenen Diener des Schönen dazu, sich nicht nur von einem Meister seiner Kunst, sondern auch von Genies einer anderen Kunst beeinflussen zu lassen. So führen alle bedeutenden Menschen ein Gespräch, das einander scheinbar fremde -literarische, malerische, symphonische- Talente voraussetzt. Erinnern wir uns an das Gemälde des Titians ¨Paul III. und seine Neffen¨, auf dem Ottavio dargestellt wird, wie er sich in der Körperhaltung, die Myron seinem ¨Diskuswerfer¨ zu verleihen wusste [961], an den Papst lehnt. -Oder: die Einheit aller Freudenschreie, die der ideale, allgemeine, abstrakte, weibliche Körper zum Ausdruck bringt, stellt ein vielschichtiges Ganzes dar: lauter, schwer zu erfassender Lärm, der in der Stätte der leiblichen Liebe widerhallt.

§532
· (Vaste{}comme)
Theorie

Was (weit{}wie) betrifft, erreicht das Rad den Wert γ=1, weil die erste Vorstellung die zweite anhakt. Sobald das Bild «weit» aufkommt, stellen wir uns einen übertragenen Sinn vor und somit die Vorstellung «wie», was eben einer Art von Haken entspricht. Es passt nur eine Strömung ε=1, denn es kommt kein Hohlraum vor. Der Wimpel λ=1 ist dank der grammatischen Bindung gerechtfertigt. Wir nehmen den Tross ξ=1 an, weil keine Krise droht, so dass wir letztendlich den Modul 1/γελξ=1 schreiben müssen.

Methode

Im Gegensatz entsteht leicht ein zusammenhangloser Text aus einer Kette von Alveolen ohne bestimmte Bindung, und es ist wenigstens eine kleine Einfügung erforderlich, damit der Leser begreift, dass ein Ausweg vorhanden ist. Mit dem weit offenen Charakter des Sinnes vom Ausdruck “die große Messe von Gomes” kommt das Spiel mit den Klängen zum Vorschein, und dieser Rips lenkt den Leser vom Urteil ab, dass eine Krise vorhanden wäre, denn er versteht, dass der Autor ein ästhetisches Ziel im Auge hatte.

Anwendung auf Baudelaire

Der Volksaufschrei bleibt interessant, selbst wenn er mangelhafte, verworrene, ungenaue Ideen und kleinere, erbarmungswürdige Legenden enthält [835]-[838]-[858]. Die dem Kult des Schönen gewidmeten Opfergaben werden jedoch nur unter dem Druck der Macht des Volkes als ausgezeichnet anerkannt. Der durch den weiten Aufschrei ermutigte Neuling darf sich nicht daran halten. Auch wenn er begabt ist, wird er über die Glanzstücke der Vergangenheit noch lange nachdenken müssen. -Oder: der allgemeine Seufzer als Endergebnis aller ekstatischen Verzückungen hallt im idealen, abstrakten, weiblichen Körper wider, wobei die Verschwommenheit des Gefühls erhalten bleibt, selbst wenn der Tempel der leiblichen Vereinigung dieser Verwechslung der Ausdrücke von allen Liebenden der großen Anmut ihre Einheit gibt.

§533
· (Vaste{}comme nuit et clarté) und (nuit{}clarté)
Theorie

Untersuchen wir zugleich (weit{}wie…Nacht und…Licht) und (Nacht{}Licht). Im ersten Gummi (weit{} wie…Nacht und…Licht) erreicht das Rad den Wert γ=1, weil der Haken aus folgender Vorstellung stammt: die Nacht und das blendende Licht haben beide die Eigenschaft, die Wahrnehmung der Hindernisse zu verwischen, was dem Blick den Eindruck eines grenzenlosen Raums gibt, welcher wirkt als subjektiv von allen Grenzen befreit, die ihn sonst in einem gewöhnlichen Licht beschwerten. Die Strömung ε=1 wird durch den bereits behandelten Gummi (weit{}wie) gerechtfertigt, weil der Hohlraum so gemieden wird. Die feste grammatische Bindung erlaubt den Wimpel λ=1. Der Tross (ξ) erreicht den Wert 1, denn das «wie», das neben «Nacht» steht, ermöglicht es, eine Krise zu meiden. Also gelangen wir mit den übrigen Streifen zum Modul 1/γελξ=1. Das Rad des Gummis (Nacht{}Licht) wirkt wegen des Zusammenpralls der Inhalte scheinbar problematisch, aber es entsteht dank der beiden «wie», die das Paradoxon schwächen, keine Krise. Auf diese Weise wird für «Nacht» und «Licht» das Einsickern “Momente des Tages” ermöglicht, was den Wert γ=1 rechtfertigt. Die Strömung ε=1 ist auf die Wiederholung «…wie…wie…» zurückzuführen. Der Wimpel λ=1 wird auf ähnliche Weise gewonnen. Der Tross ξ=1 steht in enger Verbindung mit dem Kanal 1/tsmw, den der Sinnanprall rb(Nacht–Licht) erreicht, und da keine Krise erklärt wurde, wäre eine Glaubhaftigkeit mit einem Wert anders als 1/tsmw=1 oder 1/tsmw=½ notwendig. Der Rang t=2 stützt sich auf die Zweideutigkeit des Ausdrucks, die die Frage, ob «Nacht» und «Licht» gepaart oder entgegengesetzt werden sollen, offen lässt. Eine innere Entfernung s=1 wird durch die Festigkeit der grammatischen Bindung gewährleistet. Da wir zwischen Vereinigung und Entgegensetzen von «Nacht» und «Licht» zögern, schreiben wir die Werte m=w=2. Daher verdeutlicht der Kanal 1/tsmw=1/(2)(1)(2)(2)=⅛ von rb(Nacht–Licht) die Möglichkeit, jede Krise bezüglich (Nacht{}Licht) abzulehnen. Auf diese Weise ist der Tross ξ=1 gerechtfertigt, was uns wiederum zum Modul 1/γελξ=1 führt.

Methode

Da die Beziehungen im Gummi unbestimmt bleiben, ist die Festigkeit des Hinweises auf einem Stoß, um die Glaubhaftigkeit eines Verhältnisses mit Krise oder Haltung zu schätzen, notwendig. Die Beziehung (Sonne{}Erde) kann entweder für “die Sonne dreht sich um die Erde”, oder “dreht sich die Sonne um die Erde?” angewendet werden. In der Berechnung des Moduls ist für den Rang (t) des Kanals nichts Vergleichbares vorhanden, während (λ) im Modul mit (s) im Kanal vergleichbar ist. Dank dieser Besonderheit kommen wir leichter zu einem Modul 1 als zu einem Kanal 1.

Anwendung auf Baudelaire

Die öffentliche Meinung über die ästhetischen Werte der dem allgemeinen Schatz der Kunst gebrachten Opfergaben zeigt sich teilweise blind, denn sie verfällt einerseits in die Beschuldigungen, die sich auf die hasserfüllte Nacht des niederen Gefühls stützen und andererseits auf das übertriebene Lob, das auf das gute Licht eines schönen Geistes fußt, der den Mut hat, seine Meinung zu sagen, aber wegen mangelhafter Bildung in eine Begeisterung der Blendung verfällt [835]. Diese gebündelten Gerüchte stellen jedoch die Glorie dar, worin jeder einzelne Punkt von einer positiven und einer negativen Klatschgeschichte begleitet wird. -Oder: die im idealen, abstrakten, weiblichen Körper ausgestoßenen Freudenschreie sind wie Tag und Nacht, was sie nicht daran hindert, in einen einzigen, langen Seufzer zu verschmelzen, denn die allgemeine Stätte vereint zahlreiche Erfahrungen. Diese verschwommene Einheit paart eine finstere und eine helle Seite. Die Nacht versinnbildlicht das nebelhafte Übel im Betrug, in der Verführung, der Lüge oder der Unzucht. Der Tag symbolisiert die erlebte, eigentliche Liebe trotz aller Gefahren. Da die Anhaltspunkte unsicher sind, sind die Grenzen zwischen Tag und Nacht undeutlich genug, als dass die Gegensätze einander nicht stören.

§534
· (parfums¹{}couleurs) und (couleurs{}sons)
Theorie

Wir kommen zu den Gummis (Düfte¹{}Farben) und (Farben{}Töne). Die Schlingen des ersten Ausdrucks (Düfte¹{}Farben) besitzen das Einsickern “Gegenstände der Empfindlichkeit”, was das Rad γ=1 liefert. Fast unmittelbar folgt die Strömung ε=1, da kein Hohlraum dazwischen kommen kann. Die grammatische Festigkeit der Alveolen begründet den Wimpel λ=1. Der Tross ξ=1 ist gerechtfertigt, weil die Zusammenstellung der Bilder zu keinem Kriseneffekt führt. Aus solchen Angaben ergibt sich der Modul 1/γελξ=1. Dieselben Überlegungen gelten ebenfalls für das Verhältnis (Farben{}Töne).

Methode

Da es nicht einfach ist, einen Problempunkt in der Ballung zu orten, müssen wir den Ort der Krise schematisch behandeln. Jedes Mal sollen wir uns hüten, allzu früh auf ein Hindernis der Verständigung hinzuweisen, solange die Hauptidee nicht hervorgehoben worden ist. Leider hinterlässt diese schematische Darstellung die Perspektive, dass eine Untersuchung der ignorierten Feinheiten eines Tages fällig sein wird, denn der Sinn jedes einzelnen Bildes verbreitet sich über den ganzen Text.

Anwendung auf Baudelaire

In der Stätte des Schönen Wunders kommen Gedichte und Gemälde in enge Berührung. Die aus der einen der Künste entstammte Eingebung führt zu der anderen, und es erscheinen seit der Antike vornehme literarische Werke -erinnern wir uns an die Schrift des Philostratus-, die Gemälde beschreiben. Auf ähnliche Weise zeigte Abraham Bosse, wie man Musik in der Malerei darstellen kann. Die Bezeichnung "Sonett" scheint für die Annahme, dass die Musik irgendwie zur Dichtkunst gehört, deutlich genug zu sein. Bezüglich des Stiles hat -verallgemeinernd- eine Tradition den persönlichen Charakter "Farbe" und den überraschenden Glanz "Klang" genannt [836]-[851]. -Oder: in der heiligen Welt, in die die ideale abstrakte Liebe führt, verschmelzen die Gegenstände der Empfindlichkeit. Die Farben der Kleider und die im weiblichen Körper festgehaltenen Düfte begleiten die besondere Innenausstattung des Tempels der leiblichen Vereinigung [[1056]] in Index II (Gedichte)">[[1056]]: «Dort ist alles nur Ordnung und Schönheit,
Luxus, Ruhe und Wonne.

Von glänzende, durch Jahre hindurch
Polierte Möbel
Würde unser Gemach geziert…» Auch würde der besondere Zusammenhang durch die Lieblingsfarben der Geliebten, das Geklirr der metallenen Ketten und der schillernden Edelsteine, das sich im Stimmengewirr vermengt, gestaltet.

§535
· (parfums¹…couleurs…sons{}se répondent)
Theorie

Das Rad von (Düfte, Farben…Töne{}Antworten einander) stellt den Ausdeuter einer Krise entgegen, weil er Baudelaire verdächtigt, seine Gedanken verheimlicht zu haben. Dank der Haltung “…die wie durch göttlichen Willen einen Eindruck des Denkens geben” können wir das Rad γ=1 schreiben, denn diese Haltung verdeutlicht den Zusammenhang der Vorstellungen. Nun verbindet das Einsickern “…die den Eindruck des Denkens geben” die beiden Schlingen des Gummis: «Düfte, Farben…Töne» und «Antworten einander». Auf diese Weise verschwindet der Verdacht, dass der Schaffende der Verständigung seines eigenen Textes unwiderruflich geschadet hätte. Die Strömung ε=1 erweist sich als nützlich, denn es kommt in der Ballung kein Hohlraum zum Vorschein. Der Wimpel setzt sich wegen der Sinnkontinuität im Vers in die Ebene λ=1 fest, weil der Leitfaden bewirkt, dass der Abstand zwischen den Alveolen aufgehoben wird. Der Tross erreicht für einen Gummi mit Haltung den Wert 1, wenn ein sinnverwandter Stoß einen Kanal 1 oder ½ besitzt. Hier verdient für rb(Düfte–antworten) der Rang den Wert t=1, denn der Ton des achten Verses ist kategorisch. Wir nehmen die innere Entfernung s=1 an, weil der Abstand zwischen dem Anfang und dem Ende der Zeile durch die starke grammatische Bindung verwischt wird: «…Antworten einander Düfte, Farben und Töne.» Bezüglich der Schwingung des links vorgetragenen Begriffs in der Formel des Stoßes erlaubt uns der eigentliche, anstößige Sinn, an dem augenscheinlich der Autor hängt, m=1 zu schreiben. Ob die Düfte einander, oder den Farben und Tönen antworten, haftet dem Vers immer etwas Verdächtiges an. Der rechte Begriff verdient eine ähnliche Behandlung nicht, da «antworten» auf Französisch auch den Nebensinn “im Gleichgewicht halten” hat, was die Schwingung w=2 rechtfertigt. Insgesamt beträgt der Kanal 1/tsmw=1/(1)(1)(1)(2)=½, und dieses Ergebnis erlaubt für den Gummi (Düfte¹, Farben…Töne{}Antworten einander) den Tross ξ=1, so dass wir letztendlich zum Modul 1/γελξ=1 gelangen. Gingen wir von rb(Töne–Antworten) aus, so könnten wir den Kanal ½ nicht erreichen, denn «Töne» erinnert in diesem Zusammenhang an “Stimmen”, und diese Vorstellung weist auf “Antwort” hin, was den Sinnanprall vermeidet. Was den Stoß rb(Farben–Antworten) betrifft, hätten wir zwischen den beiden letzten Beispielen eine Mittellage. Betrachten wir die drei Vorstellungen «Düfte», «Farben» und «Töne» zusammen, dann werden die beiden letzten durch die erste zur Gefahr hin gerissen, weil die erste im Trio am meisten als Eindringling wirkt.

Methode

Da das Vorhandensein oder das Nichtvorhandensein eines Stoßes manchmal von einer winzigen Feinheit in den Mentalbildern abhängt, ist es nicht verwunderlich, dass die Unsicherheit sich auch auf die Krisen bezieht.

Anwendung auf Baudelaire

Hier bedeutet auch das Verb “antworten”: im Tempel des Schönen “seinen religiösen Verpflichtungen gewachsen zu sein” [848]. In ihren Opfergaben verstehen es die größten Künstler -der Literatur, der Bildhauerei, der Malerei und der Musik- die Entsprechungen zwischen den Künsten zu beachten, denn ohne diesen Nährboden ist ihre ganze Entwicklung gefährdet. Die Eingebung der einen setzt die Verwirklichung der anderen in einer Kreuzung der Mentalbilder voraus, die immer wieder fortgesetzt wird. -Oder: der Besucher geht durch die allgemeine, abstrakte, weibliche Stätte, in der drei Aspekte der Liebe -Düfte, Farben und Töne- ein Gespräch führen. Im Laufe des leiblichen Begehens ergänzen sich manche Charaktere in dieser heiligen Unterhaltung: anmutige, zarte Antlitze, wellige Körper, Duft, Geschmeide und schrille Stimmen.

§536
· (parfums¹{}parfums²)
Theorie

Der Gummi (Düfte¹{}Düfte²) verbindet den zweiten Vierzeiler mit den Dreizeilern, was den Bruch der Interpunktion überwindet. Dies erlaubt uns, die Sinnkontinuität der Ballung anzuerkennen. Wir gelangen zu einem Rad γ=1, denn es wäre unvorstellbar, dass die beiden Alveolen kein Einsickern aufweisen. Die Strömung ε=1 scheint durch den Härter gesichert zu sein, der in der Wiederholung des Wortes «Düfte» liegt, das die beiden Alveolen vorträgt. Andererseits dient dieselbe Verknüpfung dem Wimpel, weil sie den Abstand zwischen den Bildern in der Ballung aufhebt, was uns erlaubt, λ=1 zu schreiben. Der Tross ξ=1 wird letztendlich durch die Unmöglichkeit jedweder Krise begünstigt, so dass der Modul sich in die Ebene 1/γελξ=1 festsetzt.

Methode

Ein Autor kann aus tiefgründigen Motiven die Kohärenz seiner Rede billigen oder ablehnen. Wir beschreiben im Allgemeinen das Aufeinanderfolgen, ohne diesbezüglich Stellung zu nehmen. Uns ist nur daran gelegen zu wissen, ob der Schaffende die Kohärenz in seinem Text gewünscht hat. Wichen wir in unserer Beschreibung von einer strengen Sachlichkeit ab, so wären wir unserer Aufgabe untreu. Spielt die Subjektivität ihre Rolle, wenn es darum geht, gegen die Schwindler geistig zu kämpfen, die nur ihren Vorteil im Auge haben, so bringt es keinen Gewinn, der Subjektivität die ganze Sorge um die augenblickliche oder die stetige Wahrheit zu überlassen.

Anwendung auf Baudelaire

Im idealen Tempel des Schönen nimmt die Dichtung einen Teil jedes Raumes ein. Da der Tempel dem Besucher die Folge der Etappen bietet, die der Entwicklung seiner Seele erforderlich sind, wählt er als Schriftsteller, Maler oder Musiker die Stelle, an der er seine Opfergabe niederlegt, denn er widerspiegelt dadurch die Eigenschaft seines Novums. -Oder: in der Stätte der allgemeinen Liebe finden wir eine lange Reihe von Räumen, und jeder einzelne Raum dieses idealen, abstrakten Körpers entspricht einer Ebene in der Ausbildung des vollkommenen Mädchens. Nach einer allgemeinen Beschreibung des heiligen Gebäudes nützt der Dichter das Ende des Sonetts, um die weiblichen Düfte besonders zu betonen.

§537
· (est{}parfums²)
Theorie

Das Rad von (sind{}Düfte²) erreicht die Höhe γ=1, weil die Vorstellung des Seins auf fast jede beliebige Idee hinausgeht. Nur das Bild des Nichts könnte eine Ausnahme darstellen, aber die Düfte, so winzig ihre Teilchen auch sein mögen, können durch dieses Bild nicht beschrieben werden. Die Strömung nimmt wegen der engen Berührung zwischen den Alveolen, die keinen Hohlraum lässt, den Wert ε=1 an. Dasselbe Argument gilt auch für den Wimpel λ=1, der durch diesen logischen Kontakt begünstigt wird. Das Nichtvorhandensein einer Krise führt zwangsweise zum Tross ξ=1, was uns letztendlich vom Wert 1/γελξ=1 des Moduls überzeugt.

Methode

Einerseits hat die Vorstellung des Nichts etwas an sich, selbst wenn das Beschriebene kein eigenes Sein hat [753]. Andererseits haben die illusorischen Gegenstände, sowie diejenigen, dessen Unwirklichkeit unüberprüfbar ist, einen zweiten Typ von Wirklichkeit: der Schein, den wir offenbar wahrnehmen [753]. Tatsächlich gibt es eine wirkliche Spiegelung im Falle einer Fata Morgana.

Anwendung auf Baudelaire

Unter den wesentlichen Gestalten des Heiligen Offiziums im Tempel der Schönheit finden wir die Opfergaben der Dichtung, die jedoch in mehrere Gattungen zerfallen, auf die Baudelaire im Folgenden eingehen wird. -Oder: in der Stätte der leiblichen Liebe, weisen die Düfte des allgemeinen, idealen, abstrakten Mädchens mehrere verschiedene Arten auf, die der Dichter, anstatt seinen verstreuten Ideen zu folgen, im Rahmen eines logischen Verfahrens untersuchen will.

§538
· (parfums²{}frais)
Theorie

Was den Gummi (Düfte²{}frisch) betrifft, erreicht das Rad den Wert γ=1, weil die erste Alveole die zweite auf leicht verständliche Weise anhakt. Die Strömung ε=1 scheint notwendig zu sein, denn keine Alveole wird ausgelassen. Eine einwandfreie Syntax deutet auf den Wimpel λ=1 hin. Da keine Krise droht, ist der Tross ξ=1 problemlos. Daraus ergibt sich der Modul 1/γελξ=1. Mit (Tempel{}frisch) hätte der Abstand zwischen den Bildern trotz der interessanten Zusammenfügung der Vorstellungen, wenn es um die Deutung des Verhältnisses "Düfte-frisch" geht, der Beschreibung geschadet.

Methode

Die Intuition bleibt als Grundlage jedes Urteils, was keinen Versuch ausschließen darf, dieselbe methodisch zu verbessern. Wenn wir die höchsten Punkte des platonischen Verfahrens beseitigen, liefert es uns einen sicheren Leitfaden [764]: «Der erste Baustein besteht darin, dem Gegenstand der Untersuchung einen Namen zu geben; der zweite, denselben zu bestimmen; der dritte, ihm ein Bild zu geben…» Mit diesem letzten Artikel weist Plato auf die Wichtigkeit hin, sich anhand eines empfindlichen Mittels mit bestimmten, materiellen Aspekten des in Frage kommenden Punktes vertraut zu machen: zum Beispiel stellt ein Kreis auf dem Boden mit zwei Radien ein Bild von dem, was durch “die beiden gleich langen Seiten eines gleichschenkligen Dreiecks” ausgedrückt wird, -um ein bekanntes Beispiel von Kant mit einer leichten Verschiebung (das Gleiche passiert in Bezug auf Plato) anzuwenden [470]-[471].

Anwendung auf Baudelaire

Manche Autoren bringen zum Tempel des Schönen Gedichte, die von einer tiefen Unverdorbenheit zeugen, und sie legen taktvoll diese Opfergaben neben eine Säule -einen Stil-, die Freude und Frische ausdrückt, was für die Bildung des Geschmacks die besten Voraussetzungen bietet. -Oder: im idealen, abstrakten, weiblichen Tempel entspricht das Vorzimmer dem Mädchen, das bereits lernt, wie es seinen Körper, schützen und pflegen soll. Es handelt sich dabei um blühende Häute, die aus der Perspektive einer später zu vollziehenden Liebe auffallen. Diese Sicht gehört zu einer besonders weiblichen Gedankenwelt voller Zärtlichkeit, die parallel zu der Männerwelt besteht. Jedes Mädchen macht sich mit den feinen Düften wie dem der Schwertlilie vertraut und wird sich der Wichtigkeit all dieser Dinge bald bewusst.

§539
· (comme{}chairs enfants)
Theorie

Wir werden hier (comme{}chairs…enfants) (wie◊Haut…Kindern) und (parfums²{}comme…chairs… enfants) (Düfte²◊wie…Haut…Kindern) untersuchen. Für die erste Bindung (comme{}chairs…enfants) (wie◊ Haut…Kindern) erreicht das Rad den Wert γ=1, weil die erste Alveole auf die beiden folgenden hinausgeht. Auf «comme» (wie) lassen sich Beispiele leicht anführen, und die Vorstellung von Kinderhaut gehört dazu. Die Strömung ε=1 scheint auch gesichert zu sein, denn «des» (die) und «d'» (von) gehören nicht zu den Fronten, die als einzige Elemente im Telegrammstil zugelassen sind -dieser Stil dient als Maßbereich, um den Abstand zwischen den Alveolen zu schätzen. Für den Wert λ=1, den kleinsten möglichen Wimpel, kommt die Gewähr von der grammatischen Einheit des Verses, die den Abstand zwischen den Bildern aufhebt. Was den Tross (ξ) betrifft, ist nur der Wert 1 möglich, weil keine Krise zu befürchten ist. Insgesamt gelangen wir zum Modul 1/γελξ=1. Mit dem zweiten Gummi (parfums²{}comme…chairs…enfants) (Düfte²◊ wie…Haut…Kindern) haben wir γ=1 als Rad, denn die über «comme» (wie) herbeigeführte Annäherung macht den Inhalt für ein Gedicht aus der Zeit der Romantik leicht verträglich. Die logische Bindung, die es ermöglicht, von «parfums» (Düfte) zu «comme» (wie) überzugehen, rechtfertigt die Strömung ε=1, weil «frais» (frisch) in diesem Zusammenhang nicht hinderlich wirkt. Der Wimpel λ=1 passt zum engen grammatischen Verhältnis. Das Nichtvorhandensein einer Krise erlaubt den Tross ξ=1, so dass der Modul 1/γελξ=1 beträgt.

Methode

Der Ausdeuter, der erstens einen Minimalsinn, zweitens eine wagemutige Bebilderung, drittens eine zweite, artverwandte Interpretation liefern soll, wird durch diese drei verschiedenen Perspektiven zerrissen, aber als solcher stellt er ein gutes Beispiel für jeden beliebigen Ausleger dar, der mit den Schwierigkeiten der Erklärung konfrontiert wird.

Anwendung auf Baudelaire

Die literarische Leistung, die manche Dichter im ersten Raum des Tempels, der dem Schönen gewidmet ist, als Opfergabe bringen, drückt die Frische der Kindheit aus. Das Prinzip der Entsprechungen wird dem Maler dieselben Leistungen abverlangen, um die Haut des Christkinds bis ins Feinste wiederzugeben. Die auf Spiele und Lachkrampf gerichteten weltlichen Eingebungen bringen uns den von manchen Künstlern bevorzugten Abzählreimen und Liedern näher. -Oder: die ideale Stätte als allgemeiner, weiblicher Körper hebt im ersten Raum die himmlische Neuigkeit und die Glätte der Haut. Für diesen Saal wurden duftende Blumen, wie die Rose und das Maiglöckchen gewählt, die die Wirkung der glänzenden Häute betonen. Bei jeder Kinderfeier in der Reihe solcher, bei denen die ersten verhohlenen Neigungen an den Tag kommen, sind die glatten Gesichter gerührt, und der Wirbel der Neckereien zwischen jungen Leuten, die nur selten zusammentreffen, nimmt Gestalt an.

§540
· (frais{}chairs enfants)
Theorie

Der Gummi (frisch{}Haut::Kindern) bringt uns von vornherein in Verlegenheit, denn es geht darum, denselben mit einem Minimalsinn zu deuten, ohne entscheiden zu müssen, ob die Frische sich auf das Gefühl oder die Farbe bezieht. Einerseits zeigt das Kind ein von der Frische des Morgens gerötetes Gesicht, wenn man es frei lässt, sich auszutoben. Andererseits vermittelt die glatte Haut einen Eindruck der Neuigkeit, den der Maler nur schwer wiedergeben kann. In beiden Fällen hakt die Bedeutung der ersten Schlinge die der zweiten Schlinge an, was das Rad γ=1 sichert. Der bereits untersuchte Gummi (wie◊Haut::Kindern) erlaubt es uns, nicht von Hohlraum zu sprechen, so dass wir die Strömung ε=1 schreiben müssen. Das «wie», das die Schlingen bindet, führt uns zum Wimpel λ=1. Was den Tross ξ=1 betrifft, so ist er gesichert, denn es kommt keine Krise vor, da die Parallele nicht darüber hinausgeht, was wir “Komparation” genannt haben. Daraus ergibt sich die Tatsache, dass der Modul 1/γελξ=1 beträgt. Schrieben wir dagegen (frisch{}Oboen) trotz des Interesses des Gedankens, so wichen wir zu sehr von der Ballung ab, was wegen der großen Kraft der Streifen (ε) und (λ) die Glaubhaftigkeit des Gewindes zerschlagen würde.

Methode

Stellen wir uns zwei Alveolen, die in der Ballung auseinander liegen und keinerlei Verknüpfung aufweisen. Wenn ein Historiker einen Merkposten findet, der die Gleichgültigkeit dieser beiden Alveolen für den Autor beweist, ändert diese neue Kenntnis des Auslegers für seine Berechnung nichts. Die Erklärung liegt in der Tatsache, dass der Schaffende in diesem Fall auf keiner unter der vielen zur Verfügung stehenden Mittel zurückgegriffen hat, um die beiden getrennten Stellen zu verbinden, die die beiden Vorstellungen enthalten. Dieser einzige Punkt hat allen anderen Argumenten entgegen Vorrang.

Anwendung auf Baudelaire

In «Natur», dem Tempel des Schönen, ist der erste Raum dem Anschein der Spontaneität, der Frische und der Anmut gewidmet, den die Maler ihrerseits durch ihre Auseinandersetzungen zur Wiedergabe der kindlichen Haut auszudrücken wussten. Lustspieldichter, Lyriker und Erzähler haben sich auch an diese Frage der Frische herangewagt -insbesondere La Fontaine, Molière, Perrault, die an diese Stelle wesentliche Opfergäben niedergelegt haben. Andere wie Malherbe zum Tode einer Fünfjährigen sind der Vollkommenheit blitzartig nahe gekommen [520]: «Und als Rose lebte sie wie die Rosen leben:
Einen Morgen lang.» -Oder: der erste Raum der abstrakten, allgemeinen, weiblichen Stätte der leiblichen Liebe stellt seine Wunder lange im Voraus hin. Hierzu wird im Saal den glänzenden, idealen Hautfarben eine besondere Aufmerksamkeit geliehen. Dasselbe gilt den wunderschönen Haaren des jungen Alters, wenn die Waschung und die Ruhe die roten Flecken der kindlichen Reigen von den Gesichtern weggewischt haben, und das Duftwasser die Antlitze gesänftigt hat.

§541
· (parfums²{}Doux)
Theorie

Das Rad (γ) des Pfeiles (Düfte²{}sanft) erreicht durch einen Haken, der die gängigsten Vorstellungen wiedergibt, den Wert 1. Die Strömung ε=1 scheint begründet zu sein, denn die grammatische Verknüpfung verbindet logisch die beiden Elemente des Pfeiles und meidet damit den Hohlraum. Der Wimpel λ=1 ist dank derselben sprachlichen Beziehung notwendig. Der Tross ξ=1 zeigt sich als unausweichlich, weil keinerlei Krise droht, so dass der Modul 1/γελξ=1 beträgt. Es ziemt sich nicht zu erklären, dass der Titel «Entsprechungen» die Krise im achten Vers, die «antworten» enthält -und die lange Reihe der verwandten Sinnbindungen- einbegreift. Müssten wir uns an diese Denkweise halten, dann müsste ein 1000 Seiten umfassender Roman als paradox betrachtet werden, wenn ein Paradoxon im Titel vorkäme. Um dieser Art von Illusionen vorzubeugen, haben wir die verschiedenen Stellen des Gedichts durch unzählige Unterscheidungen zerlegt.

Methode

Die Schwierigkeit, die Terminologie einer Behandlung aus Sekundärliteratur anzunehmen, hängt oft damit zusammen, dass man der Abstraktion und der damit verbundenen Kodierung, die der Ausleger benutzt, misstraut. Da es äußerst wichtig ist, gegen dieses Vorurteil anzugehen, übertreiben wir gelegentlich die Rolle der allgemeinen Behandlung in der Kenntnis, weil dies uns die Möglichkeit gibt, die öffentlichen Urteile zu anständigen Behauptungen hin zu schieben. Wir wissen wohl, wie wichtig es ist, inmitten der Tatsachen herumzutasten, um irgendeine Allgemeinheit festzusetzen. Gehen wir jedoch zu weit in der Beschreibung der vielseitigen Tatsachen, so laufen wir Gefahr, diejenigen zu entmutigen, die im Stande sind, tausenderlei Tatsachen blitzartig zu behandeln.

Anwendung auf Baudelaire

Die im Tempel des vollkommenen Schönen in der Nähe des zweiten Raumes niedergelegten Gedichte beschreiben das frühe Jugendalter: die Zeit, in der man von Tanzmusik schwärmt, die einen in Taumel versetzt und von jedweder Hemmung befreit. Ganz besessen von der Urbegierde beschwören die Autoren von Hirtenliedern bald die Zärtlichkeit, die in Zweisamkeit gipfelt. -Oder: das vollkommene Fräulein als Stätte der allgemeinen, leiblichen Liebe zeigt uns bald den abstrakten Saal des hübschen Mädchens. Seine körperliche Anmut, die dem Ästheten geweiht ist, wird von Rosen, Hyazinthen und kostbaren Düften begleitet, die deren Sanftheit unterstreichen.

§542
· (parfums²{}comme hautbois)
Theorie

Was (Düfte²{}wie Oboen) betrifft, wird der Haken grammatisch begründet, was das Rad γ=1 rechtfertigt. Dank der Verknüpfung ist die Strömung ε=1 gewährleistet. Auf ähnliche Weise haben wir einen Wimpel λ=1, da der Abstand zwischen den Elementen des Ausdrucks aufgehoben wird. Der Tross (ξ) erreicht den Wert 1, weil die Komparation jede Krise verhindert, was uns dazu zwingt, den Modul 1/γελξ=1 anzunehmen.

Methode

Zwar erlaubt uns unsere Zerlegung nicht zu verstehen, warum der Schaffende in derselben Ballung an einer besonderen Stelle und nicht woanders, eine Krise gewünscht hat. Wir neigen dazu zu denken, dass der Autor das Problem überhaupt hätte meiden sollen, wenn er keines aufwerfen wollte. Aber wir müssen uns dessen bewusst sein, dass es sich hier nicht mehr um reine Logik, sondern um künstlerisches Gleichgewicht handelt.

Anwendung auf Baudelaire

Neben dem Dichter, der seine Opfergaben in der Nähe einer bestimmten Säule niederlegt, um das Schöne im Zeichen des zweiten Raums des Tempels zu ehren, finden wir den Musiker. Mit seiner Oboe erinnert er an Hirten und Schäferinnen, die ihre Herden hüten und sich dabei den Liebkosungen gelegentlich hingeben. -Oder: das frische, junge, liebestrunkene Mädchen ist die göttliche Figur im zweiten Raum der idealen, abstrakten körperlichen Stätte. In der Raumfolge bringt das allgemeine, frühe und neue Jugendalter die wohlriechenden Salben und die exotischen Balsame, deren frühlinghafter Duft dazu verleitet, die Göttin als Opernhirtin vorzustellen, die auf der dicken Hirtenflöte spielt.

§543
· (parfums²{}verts comme prairies)
Theorie

Bezüglich (parfums²{}verts comme::prairies) (Düfte²◊grün wie::Auen) treffen wir auf eine neue Schwierigkeit in der Deutung von «verts comme les prairies» (grün wie die Auen). Erstens können wir “…Düfte in grüner Farbe wie die Auen…” verstehen. Zweitens bietet das Gedicht die Möglichkeit einer anderen Deutung: “…Düfte, die sauer und somit einem grünen, sauer Apfel ähnlich sind…” Am Anfang der neuen Saison entspricht das Grün der Auen diesem sauren Geschmack. Keines der in Frage kommenden Bilder kann das andere vollkommen aufheben. Die erste Deutung -Düfte und Auen sind grün- hebt den Haken hervor. Die zweite Deutung -das Grün entspricht der Säure- stützt sich auch auf das «comme» (wie) als Bindung, und somit als Haken, zwischen «Düfte» und «Auen». So hat das Rad auf jeden Fall den Wert γ=1. Die Strömung liegt in der Ebene ε=1, denn das grammatische Verhältnis ist ganz fest: «Es sind Düfte… grün wie die Auen…» Dieselbe logische Verknüpfung dient dem Wimpel, was zur Gleichung λ=1 führt. Und da die drohende Krise sich dem Plektron «comme» (wie) entgegen nicht hält, ist der Tross ξ=1 keineswegs fraglich. Daher ziemt es sich, den Modul 1/γελξ=1 zu schreiben. Wenn wir von der Deutung “die Düfte sind ebenso grün wie die Auen” ausgehen, kommen wir schneller voran, aber auf diese Weise verliert der achte Vers an Gewicht, weil die Bindung “Düfte-Farben-Töne” in der Vorstellung der «Entsprechungen» nicht mehr verankert ist.

Methode

Mehrere Alveolen in derselben Schlinge bilden -wie in diesem Beispiel- einen leicht auszumachenden Haken, aber das Einsickern ist undeutlicher, denn die Nebenwörter begünstigen die Bilderkette, die sie darstellen. Dieselben Alveolen verstreuen das Gesamtverständnis auf alle Vorstellungen, was die Aufmerksamkeit schwächt, die jedem einzelnen Glied zukommt.

Anwendung auf Baudelaire

In einem dritten Raum des Tempels «Natur» -der der allgemeinen Schönheit gewidmet ist- bieten die Dichter Gedichte, deren Eingebung mit jungen erwachsenen Mädchen zusammenhängt. Diese Verse, die an die Gemälde von Catlin, dem Maler der amerikanischen Prärie, erinnern, geben das Grün der Grassteppe am Anfang der warmen Jahreszeit wieder. -Oder: der Höhepunkt des Jugendalters im Kurs der wunderbaren Säle in der körperlichen Stätte der idealen, leiblichen Liebe wird durch ein hochgewachsenes hübsches Mädchen dargestellt, das sich dem stolzen Erwachsenenalter nähert und einer grünen Aue im Frühjahr ähnelt.

§544
· (verts{}prairies)
Theorie

Das Rad von (grün{}Auen) hat wegen des bereits ausführlich besprochenen Hakens den Wert γ= 1. Da wir den Gummi (Düfte²{}grün wie::Auen) bereits untersucht haben, wissen wir, dass kein Hohlraum dazwischen kommen kann, was die Strömung ε=1 rechtfertigt. Die Strenge der logischen Berührung gewährleistet einen Wimpel λ=1. Das Nichtvorhandensein einer Krise liefert uns den Tross ξ=1, was auf den Modul 1/γελξ=1 hinausgeht. Wären wir im Gegenteil von (Oboen{}grün) ausgegangen, so hätten wir eine Krise umgehen, oder einen Tross und ein Rad mit einer Größe 2, annehmen müssen. Auf diese Weise wäre das Profil auf den Höchstwert ¼ begrenzt.

Methode

Im Falle einer Krise ohne Tor, nehmen wir an, dass (γ) und (ξ) in derselben Richtung gehen, weil es der Ballung in diesem Fall schwer an Kohärenz mangelt.

Anwendung auf Baudelaire

Im Tempel des Schönen ist es dem großen Dichter, der das Ergebnis seiner Mühe als Opfergabe niederlegt, gelungen, einen schwierigen Punkt zu umreißen: dank der Eingebung der grünen Triebe liefert er seinen vergnügten Lesern das Wachstum im Vers. -Oder: innerhalb der idealen Stätte der allgemeinen, leiblichen Liebe, die der abstrakte Körper des vollkommenen Mädchens darstellt, gelangen wir in den letzten Raum der frischen Haut. Es ist der Saal der höchsten Entfaltung der jungen Frau, mit einem säuerlichen Duft auf den Lippen: dem Duft des gerade zu Boden herabgefallenen Apfels.

§545
· (parfums²{}autres)
Theorie

Für den Gummi (Düfte²{}andere) bekommt das Rad dank der Augenscheinlichkeit des Hakens den Wert γ=1: es sind genug Arten von angenehmen Düften -zum Beispiel der des Jasmins und der des Harzes der Nadelwälder. Da die logische Verknüpfung uns erlaubt, mehrere Alveolen zu überwinden, nimmt die Strömung die Höhe ε=1 an. Aus demselben Grund hebt das grammatische Verhältnis den Abstand zwischen den Alveolen auf, der dem Gedächtnis schadet. Somit gelangen wir zum Wimpel λ=1, der von «Es sind Düfte frisch…Und andere…» abgeleitet wird. Der Tross ξ=1 fügt sich der krisenfreien Lage und führt uns letzten Endes problemlos zum Modul 1/γελξ=1.

Methode

Wir müssen an dieser Stelle zugeben, dass wir zwischen zwei entgegengesetzten Forderungen stehen. Einerseits sind wir bemüht, den Gummi zu umreißen, so dass wir die einzelnen Beziehungen nicht verwechseln. Andererseits hängt der untersuchte Sinn wesentlich von Zusammenhang ab. Somit werden wir uns dessen bewusst, dass uns im Aufbau der Ballung manche Einzelheiten unerklärlich bleiben, was auf manche intuitive Entscheidungen in der Zerlegung hinausgeht, die zur Glaubhaftigkeitsbewertung leitet.

Anwendung auf Baudelaire

Der Tempel der Anmut verlangt mehrere Arten von Opfergaben, weil das Heilige Offizium von einem Raum zum anderen verschiedene Gestalten annehmen kann. Der Besucher -sei er Schriftsteller, Maler oder Musiker- schreitet voran, bis er den Raum erreicht, der zu seinem eigenen Novum passt. Es sind Stellen, die die kindliche Frische ausdrücken, andere für die Adoleszenz und noch andere für die spätere Jugend. Aber weiter im Gebäude kommt ein wichtiger Unterschied hervor, denn es gibt einen Saal, der Opfergaben annimmt, die eine höhere Ernsthaftigkeit ausdrücken, weil sie von beängstigenden Erwachsenen inspiriert werden. -Oder: in der Stätte der allgemeinen, leiblichen Liebe, die der abstrakte, ideale, weibliche Körper darstellt, gibt es einen Saal der der jungen und zugleich erwachsenen Anmut gewidmet ist. Eher als die grünen, sanften und zarten Düfte verlangen die vollkommenen Häute andere, die mehr zum Nachdenken anregen. Der seltsame Grund der Menschlichkeit kommt hier hervor, der anfangs oft verkannt wird, denn er bleibt dem oberflächlichen Auge unsichtbar, weil er durch den Schein des ganz jungen Alters noch verdeckt wird. So gleitet man plötzlich von der Nachlässigkeit zur Sünde, die mit Wollust begangen wird. Das lange vorbereitete Opfer wird schließlich in einer bösen Gesinnung und einem heidnischen Rahmen gefeiert [[1002]] in Index II (Gedichte)">[[1002]]: «Deine edlen Beine unter den Besätzen, die sie mit jedem Schritt bewegen,
Quälen und reizen die düsteren Triebe,
Wie zwei Hexen, die einen schwarzen Zaubertrank
In einem tiefen Gefäß herumrühren.»

§546
· (parfums²{}corrompus), (parfums²{}riches), (parfums²{}triomphants)
Theorie

Untersuchen wir (Düfte²{}verdorben), (Düfte²{}reich) und (Düfte²{}sieghaft). Das Rad von (Düfte²{} verdorben) ist nicht ganz leicht zu umreißen, denn die Vorstellung von chemischer Verderbtheit passt schlecht ins Bild. Zum Glück haben wir auch den Sinn “Düfte, die von verdorbenen Leuten gebraucht werden” als Ausweg, so dass es vorläufig zu keiner Krise kommt. Der Leser kann den Gummi verstehen, was dem Rad den Wert γ=1 gibt. Die Strömung erreicht den Wert ε=1, weil die logische Verknüpfung es erlaubt, mehrere Alveolen zu überspringen, damit der Allgemeinsinn des Textes verständlich bleibt: «Es sind Düfte frisch…Und andere verdorben, reich und sieghaft…» Derselbe Gedankengang kann angewendet werden, um dem Wimpel den Wert λ=1 zuzuerkennen. Da weder eine Krise noch eine Haltung vorhanden sind, kann der Tross die Höhe ξ=1 nicht übersteigen, und es ziemt sich daher, den Modul 1/γελξ=1 zu schreiben. Wir haben zwar einerseits den Stoß rb(verdorben–Weihrauch) mit dem Kanal 1, während der Weihrauch andererseits ein Duft ist. So vermuten wir, dass im Aufbau des Gewindes eine Schwierigkeit aufkommen wird. Wir haben uns jedoch dafür entschieden, falls eine Abgrenzung der schwierigen Stelle möglich sein sollte, zur Erklärung einer Krise ihre Vollwirkung abzuwarten. Die Gummis (Düfte²{}reich) und (Düfte²{}sieghaft) haben ebenfalls den Modul 1/γελξ=1, denn es wäre seltsam, diese Gummis mit einer Krise zu beschweren, obwohl der gerade besprochene Gummi, (Düfte²{}verdorben), nicht als krisenbeladen betrachtet wurde.

Methode

Solche Spitzfindigkeiten bleiben einer strengen Folgerung fern, so dass es angebrachter wäre, unsere Glaubhaftigkeitsbewertung als Mathematik zu beschreiben, die in Richtung Umhertasten umgeleitet würde. Dies hat mit den Verfahren, die in der Geschichte vor den Folgerungen kamen, wenig zu tun. Der ägyptische Schreiber fand durch Herumtasten heraus, wie man vom Durchmesser ausgehend den Umfang eines Kreises errechnen konnte. In dieser Zeit war die wissenschaftliche Geometrie noch unbekannt. Im vorliegenden Fall der Glaubhaftigkeitsbewertung ist die Wahrscheinlichkeitsrechnung dagegen schon lange bekannt. Da wir dieselbe für die Schätzung literarischer Deutungen jedoch nicht anzuwenden wissen, entschließen wir uns dazu, aus einer Abart dieser Rechnung Nutzen zu ziehen [248].

Anwendung auf Baudelaire

Im Tempel ist der letzte Raum auch ein Ort, an dem Autoren, Maler und Musiker ihre Opfergaben niederlegen. Diese unterscheiden sich deutlich von den früheren, denn das künstlerische Gefühl rührt von furchtbaren Ursachen her: Verderbnis, Reichtum und Siegesgenuss. Hier wird die gefürchtete Tiefe der menschlichen Seele erforscht: was man öfter übersehen möchte. Nur die Künstler, denen es gelungen ist, durch die vorherigen -der Frische, der Zärtlichkeit und dem Grünen gewidmeten- Räume durchzukommen und dabei aufrichtige Begeisterung zu empfinden, gewinnen an Verstand und Gefühl, wenn sie vor der Verdorbenheit stehen. Die hohe Kunst besteht nämlich darin, das Ideal in der Schwermut, den Abscheu in der schönen Unschuld, oder das Übel in den geliebten Blumen darzustellen. Das Talent erlaubt es, in einer mitleidwürdigen Figur, die zu Unrecht leidet, den Menschen auszumachen, der die Menge in Furcht und Schrecken versetzt [37]. -Oder: in der weiblichen Stätte der allgemeinen, abstrakten, leiblichen Liebe müssen wir einen anderen Saal betreten: den der gefestigten, abhärteten Sünde. Im blendenden Körper wird ein Teil der Nacht sichtbar. Die jungen, aber voll erwachsenen Häute verlangen hier für die allerletzte Begehung innerhalb des Gebäudes, in dem sich die höchste Empfindung entfaltet, berauschende Düfte.

§547
· (autres{}Ayant expansion choses infinies)
Theorie

Das Rad von (andere{}Welche…Ausdehnung…unendlichen Dinge haben) erreicht den Wert γ=1 dadurch, dass der Haken gut sichtbar ist, weil «andere» den Weg zu irgendwelchen beliebigen Vorstellungen öffnet. Mit den bereits besprochenen Gummis (Düfte²{}verdorben), (Düfte²{}reich) und (Düfte²{}sieghaft) wird jede einzelne Alveole geliefert, die in (andere{}Welche…Ausdehnung…unendlichen Dinge haben) ausgelassen wurde: “…(Und) andere verdorben, reich (und) sieghaft, Welche (die) Ausdehnung (der) unendlichen Dinge haben…” Daraus ergibt sich die Strömung ε=1. Dank der grammatischen Bindung können wir bedenkenlos den Wimpel λ=1 schreiben. Da es möglich ist, die rechts stehende Schlinge als literarische Übertreibung zu deuten, mit dem Sinn “die winzige Teilchen besitzen”, ist ein Ausweg vorhanden, der die Erklärung einer Krise überflüssig macht, so dass wir für den Tross die Ebene ξ=1 annehmen. Insgesamt führen uns die Streifen (γ)(ε)(λ)(ξ)=(1)(1)(1)(1)=1 zum Modul 1/γελξ=1/(1) (1)(1)(1)=1/1=1. Es wäre möglich, bezüglich (Düfte²…andere{}Welche…Ausdehnung…unendlichen Dinge haben) zum selben Schluss zu kommen, weil «andere» dank einer logischen Verknüpfung auf “andere Düfte²” hinweist.

Methode

Eine winzige Glaubhaftigkeit des Ergebnisses darf uns nicht von einer Nebenuntersuchung ablenken, die uns in Richtung der zahlreichen Zeugenaussagen leitet, die sich auf den Hintergrund beziehen: Gedankenwelt der Autoren zum Beispiel historische Hinweise und Wortspiele. In Gedanken verteilten sie intuitiv ihre Eingebung, so dass jeder Teil ihrer Gefühle ungehindert zum Ausdruck kommen konnte. In der literarischen Kunst geht es wie in der Musik und der Malerei zu: der Künstler spürt zunächst nur dumpf die Einflüsse, denen er unterworfen ist, aber mit dem schmalen Teil von dem, den er wahrnimmt, spielt er auf den Gefühlen, die ihn bewegen.

Anwendung auf Baudelaire

Innerhalb des dem Schönen gewidmeten Tempels «Natur» ist der letzte Raum den Opfergaben vorenthalten, die die endlose Suche der Begierde besingt. Der Dämon zeigt ein reges Interesse für diese Suche, die wegen der damit verbundenen Gefahr der möglichen Änderungen der Gesellschaft gewöhnlich durch die Gepflogenheiten verdeckt wird. Die Künstler, die die Versorger dieser Art der Träumerei sind, die den unruhigen Leuten so notwendig ist, haben lange gewartet, bis sie in diesem Raum nicht mehr einsam und abgeschieden bleiben [676]: «Beethoven hat damit angefangen, in den Welten der Schwermut und der unheilbaren Hoffnungslosigkeit herumzurühren, die sich wie schwere Wolken im inneren Himmel des Menschen häuften. Im Roman hat Maturin, in der Dichtkunst Byron, in der Dichtung und dem analytischen Roman Poe…den gotteslästerlichen Teil der Leidenschaft wunderbar zum Ausdruck gebracht. Sie haben den in jedem menschlichen Herzen verborgenen Luzifer mit schönem, blendendem Licht bestrahlt. Ich meine, die moderne Kunst hat etwas wesentlich Dämonisches an sich. -Oder: der Besucher begibt sich bis zum Ende der Stätte der allgemeinen, leiblichen Liebe, die die ideale, abstrakte, weibliche Haut darstellt. Dort kommt er zeitweilig mit endlosen Begierden in Berührung, die dem Wahnsinn nahe sind. Inmitten der berauschenden Düfte, die das geliebte Wesen umgeben, bringt er halb im Rausch und nun auf dem Weg zur höchsten Gefahr die Feier zu ihrem Höhepunkt: [[1131]] in Index II (Gedichte)">[[1131]]: «Der Dämon in meinem oberen Zimmer,
Hat mich heute Früh aufgesucht,
Er Versuchte, mich bei einer Verfehlung zu ertappen,
Und sagte: "Ich möchte gern wissen,

Was unter den schönen Dingen,
Die zu deren Zauber gehören,
Unter den schwarzen oder rosaroten Gegenständen,
Die ihren reizenden Körper ausmachen,

Am sanftesten ist. "-O meine Seele,
Antwortetest du dem abscheulichen Wesen:
"Da in ihr alles Balsam ist,
Kann nichts vorgezogen werden.

Wenn mich alles entzückt, kann ich nicht sagen,
Ob mich etwas verführt.(")»

§548
· (choses infinies{}Comme ambre), (choses infinies{}Comme musc), (choses infinies{}Comme benjoin),
Theorie

Untersuchen wir die Gummis (unenlichen Dinge{}Wie Amber), (unendlichen Dinge{}Wie…Moschus), (unendlichen Dinge{}Wie…Benzoe) und (unendlichen Dinge{}Wie…Weihrauch). Der erste erwähnte Gummi besitzt ein Rad γ=1, weil der Haken leicht zu verstehen ist, da «unendlichen» als einfache literarische Übertreibung für “aus winzigen Teilchen bestehend” gedeutet werden könnte. Dank der Tatsache, dass die Reihe der Alveolen ununterbrochen ist, schreiben wir eine Strömung ε=1: “…Welche (die) Ausdehnung (der) unendlichen Dinge haben, Wie Amber…” Dieselbe Grundlage rechtfertigt einen Wimpel mit der Höhe λ=1. Letztendlich erreicht der Tross den Wert ξ=1, weil die Krisendrohungen dadurch aufgehoben werden, da «unendlichen» nur als Element einer Stilfigur glaubhaft wirken könnte. Die oben beschriebenen Streifen γ=ε=λ=ξ=1 führen zum Modul 1/γελξ=1. Es wird einem leicht fallen, dieses Ergebnis auf die drei anderen Gummis zu erweitern: (unendlichen Dinge{}Wie…Moschus), (unendlichen Dinge{}Wie…Benzoe) und (unendlichen Dinge{}Wie…Weihrauch).

Methode

Da ein Schaffender mit den Nerven seiner Zeitgenossen spielen kann, müssen wir in unseren Urteilen sehr bescheiden bleiben, weil wir immer Gefahr laufen, eines der tausend Verfahren zu verfehlen, die ein Autor zur Darstellung seines Glanzstücks anwendet.

Anwendung auf Baudelaire

Im letzten Raum des Tempels des Schönen bringen manche Dichter literarische Opfergaben mit zweifelhaftem Geist. Im Gegensatz bildeten liebliche Anspielungen die Substanz der Gedichte, die in den bereits besuchten Räumen als Opfergaben niedergelegt wurden. Nun berührt die Überlegung den schweren, fraglichen, undurchsichtigen, unumgänglichen Grund der menschlichen Seele. -Oder: in der Stätte der leiblichen Liebe besteht eine Vielfalt berauschender Düfte, zahlreiche Ausscheidungen des weiblichen Körpers. Andere feine Düfte, die von den Pflanzen oder von der Tierwelt herrühren, passen so gut zur idealen Haut, dass sie seit der Antike gesucht wurden, um das Gepränge der hohen Feier zu steigern: «…Amber, Moschus, Benzoe und Weihrauch…» 252

§549
· (triomphants{}tri-omphants) und (expansion{}expansi-on)
Theorie

Betrachten wir die Gummis (triomphants{}tri-omphants) und (expansion{}expansi-on) [(sieghaft◊sieg- haft) und (Ausdehnung◊Ausdeh-nung)]. In der Zerlegung “tri-omphants” (sieg-haft) von «triomphants» (sieghaft) wird das “i” hervorgehoben, was auf Französisch ein Gefühl der Schärfe oder der Intensität vermittelt. Es kann für das ins Fleisch eindringende Schwert, das Pfeifen der Waffe durch die Luft, den Schmerzensschrei des Opfers gelten. Oder das durch die willkürliche Trennung hervorgehobene “i” kann auch den Aufschrei des Siegers wiedergeben. Je nach dem Zusammenhang kann die Phantasie nicht umhin, ein diesem “i” entsprechendes Bild heraufzubeschwören. So wird der Schaffende auf jeden Fall einer Spiegelung zugeführt, die wiederum ein Rad γ=1 rechtfertigt. Wir nehmen die Strömung ε=1 problemlos an, denn der Rips (F-triomphants…expansion/-¦¦¦¦-/S-tri-omphants…expansi-on) (F-sieghaft… Ausdehnung/-/-/S-sieg-haft…Ausdeh-nung) mit der Strecke 1 zwingt die Unmittelbarkeit der Vorstellung auf. Da wir uns mit einer und derselben Vorstellung «triomphants» (sieghaft) beschäftigen, wird die Frage des Abstands überflüssig, so dass der Wimpel λ=1 durch die einwandfreie Sinnkontinuität gewährleistet wird. Wir bleiben jeder Krise fern, denn der Sinn eines Ripses ist notwendig zu ungenau, als dass dies zu einer klaren Infragestellung führen könnte. Somit erreicht der Tross den Wert ξ=1, was den Modul auf die Ebene 1/γελξ=1 treibt. Die Glaubhaftigkeit des Gummis (expansion{}expansi-on) (Ausdehnung◊Ausdeh-nung) wird durch denselben Modul 1/γ’ε’λ’ξ’=1 gemessen. Der bereits besprochene i-Klang, der in beiden Wörtern «triomphants» (sieghaft) und «expansion» (Ausdehnung) vorhanden ist, erlaubt nur die Höhe γ’=1. Da es sich im zweiten Gummi (expansion{}expansi-on) (Ausdehnung◊Ausdeh-nung) um einen Duft mit einer bestimmten Ausdehnung handelt, stellen wir uns mit dem “i” das Bild eines kleinen Dampfstrahls vor, der der nötigen Spiegelung der Stelle zu Grunde liegt. Wie im bereits behandelten Fall (triomphants{}tri- omphants) (sieghaft◊sieg-haft) folgt die Strömung ε’=1 der Strecke 1 des Ripses (F-triomphants…expansion /-¦¦¦¦-/S-tri-omphants…expansi-on) (F-sieghaft…Ausdehnung/-/-/S-sieg-haft…Ausdeh-nung). Der Wimpel λ’=1 ist ebenfalls dadurch gerechtfertigt, dass wir bei der Vorstellung «expansion» (Ausdehnung) bleiben, was jede Frage des Abstands aus unserem Blickfeld verwischt. Dank des Nichtvorhandenseins einer Krise verdient auch der Tross ξ’ den Wert 1.

Methode

Im Absatz 477 haben wir die Strecke des Ripses errechnet, auf die hier zur Bestimmung der Strömungen der beiden Gummis verwiesen wird.

Anwendung auf Baudelaire

Die anstößigen Gedichte, die im Tempel des Schönen als Opfergaben gelegt werden, ehren das Heilige Offizium, das im letzten Raum abgehalten wird. Sie verbreiten sich allerorts, was deren Sieg sichert. -Oder: im strahlenden, abstrakten idealen, weiblichen Körper als Stätte der allgemeinen, leiblichen Liebe liefert der letzte Raum die Begehung und nimmt das Opfer inmitten der schweren Dünste von Schweiß und von Haaren auf. Die Seele des Besuchers wird durch die grenzenlose Ausdehnungskraft dieser Hauche getroffen, die durch die kostbaren, feinen Düfte begleitet werden.

§550
· (corrompus{}encens)
Theorie

Es entsteht für (verdorben{}Weihrauch) eine Krise, denn der Weihrauch ist der traditionelle Duft der Tempel. Gehen wir von der Bedeutung “Es sind Düfte frisch…und andere verdorben…wie…die Priester, die Weihrauch verbrennen…” aus, so behaupten wir, dass die Geistlichkeit verdorben ist, was zu Baudelaires Denkweise, wie sie aus anderen Schriftstücken zu ersehen ist, nicht gut passt. Somit bedroht das Problem, das (Düfte²{}verdorben), (Düfte²{}reich) und (Düfte²{}sieghaft) ausgelassen hatte, die Bindung (verdorben{} Weihrauch) und dies aus einem besonderen Grund. Die Vorstellung “…wie durch göttlichen Willen beseelten…”, die wir zur Überwindung der Krise von (lebendige{}Säulen) gebraucht hatten, genügt nicht für die Behandlung der neuen Frage bezüglich der Teilnahme von Weihrauch in Sünde. Die zur Behandlung der Krise von (Säule{}Worte) gebrauchte Vorstellung “…die wie durch göttlichen Willen einen Eindruck des Denkens geben” genügt auch nicht. So müssen wir für (verdorben{}Weihrauch) eine neue Krise erklären. Das Tor “der in Gut und Bös zugleich wirksam zu sein scheint” überwindet die vorhandene Schwierigkeit, denn es erlaubt uns, in der Behandlung von Gut und Bös an die Frage des Lasters heranzukommen. So kommen wir zum Ergebnis: “Es sind Düfte frisch…und andere verdorben…wie…Weihrauch, der in Gut und Bös zugleich wirksam zu sein scheint”. Dieser Zusatz zu «Weihrauch» führt uns, das Einsickern “der am Bösen Anteil hat”, zu gewinnen, das die Alveolen «verdorben» und «Weihrauch» nun teilen werden. Daher wird der Autor nicht mehr verdächtigt, der Verständigung seines eigenen Textes unwiderruflich geschadet zu haben, was trotz der Krise zum Rad γ=1 führt. Dank der sicheren logischen Verknüpfung hat die Strömung den Wert ε=1, weil sie es ermöglicht, den Weihrauch als Beispiel für die verdorbenen Düfte hinzustellen, was jeden Hohlraum zwischen den Vorstellungen ausschließt. Wir nehmen für den Wimpel die Höhe λ=1 an, denn dieselbe grammatische Verknüpfung hebt den Abstand zwischen den beiden Bildern auf. Vergessen wir nicht, dass der Tross in einer Krisensituation davon abhängt, was mit dem Kanal des sinnverwandten Stoßes geschieht: erreicht er die Ebene 1 oder ½? Für rb(verdorben–Weihrauch) nimmt der Rang die Größe t=1 an, weil der Text den Weihrauch offenbar als verdorben hinstellt. Wir schreiben die innere Entfernung s=1, denn die Begriffe sind syntaktisch verbunden. Die Schwingung des in der Formel links vorgetragenen Begriffs verdient den Wert m=1. Das Adjektiv «verdorben» kann im vorliegenden Zusammenhang nicht in erster Linie den Sinn “chemisch verdorben” haben. Somit drängt sich der moralische Sinn auf, was angesichts der religiösen Verwendung des Weihrauchs anstößig ist. Die Schwingung des rechts in der Formel vorgetragenen Begriffs bleibt dank des Zusammenhangs, der mittels «Düfte» den Sinn “Lob” wenig überzeugend macht, w=1. Insgesamt hat der Stoß den Kanal 1, was uns in einer Krisensituation dazu bringt, den Tross ξ=1 anzunehmen. Dieses Ergebnis treibt uns wiederum zum Modul 1/γελξ=1.

Methode

Gelangen wir in der Zukunft zu einer feineren Definition der Vorstellung “Tor” überhaupt, so wäre es denkbar, dass wir dann für die gesamte Ballung nur noch ein einziges Tor brauchen. Es ist jedoch zu befürchten, dass wir uns auf Wortspiele stützen und somit die Finsternis des Schaffenden durch die des Ausdeuters ersetzen.

Anwendung auf Baudelaire

Im Tempel des Schönen gibt es einen vom Eingang entfernten Saal, zu dem nur die Kenner der menschlichen Seele gelangen. Diese Autoren legen ihre Opfergaben danieder, die manche Beobachter als verdorben bezeichnen. Dabei haben sie nicht begriffen, dass die vermeintliche Verderbnis in der Tat voraussetzt, dass die Künstler ihre Vorstellung der Zärtlichkeit vertieft haben. Die von den wagemutigen Forschern der menschlichen Seele verfassten Gedichte machen die unerfahrenen Geister schwindlig. Ihnen mangelt es nämlich an der notwendigen Vorbereitung in den davor liegenden Sälen des Tempels, in denen das Zeremoniell für die Nerven leichter zu ertragen ist. Wäre es möglich, diesen Leuten, zum Genuss der Verderbnis Zugang zu geben, dann wären sie nicht imstande, die Frische zu schätzen. -Oder: im abstrakten, idealen, weiblichen Körper als Stätte der allgemeinen, leiblichen Liebe ist ein vom Eingang entfernter Saal der Ort der höchsten Begehung, die in einer mit Weihrauch und Bettdüften beladenen, verderblichen Tiefe vor sich geht.

§551
· (corrompus{}ambre), (corrompus{}musc) und (corrompus{}benjoin)
Theorie

Untersuchen wir die Gummis (verdorben{}Amber), (verdorben{}Moschus) und (verdorben{}Benzoe). Das Rad von (verdorben{}Amber) erreicht den Wert γ=1, weil der Haken verständlich bleibt, da das Verhältnis zwischen dem hohen Preis für den Duft, dem Besitz großer Reichtümer und der Möglichkeit, die Worte der anderen durch Verderbtheit zu kaufen, augenscheinlich ist. Die zur Untersuchung von (corrompus{}encens) (verdorben◊Weihrauch) notwendige religiöse Frage spielt hier keine Rolle. Da diese kirchliche Frage in den Hintergrund gestellt wird, betrachten wir nun (verdorben{}Amber), wie wir oben die Verständlichkeit von (Düfte{}verdorben) untersucht haben. Die Strömung verdient dank der logischen Verknüpfung von «Es sind Düfte frisch…Und andere verdorben…Wie Amber…» die Größe ε=1. Auf ähnliche Weise ist der Wimpel λ=1 von (verdorben{}Amber) gerechtfertigt. Im selben Zusammenhang erlaubt das Nichtvorhandensein einer Krise den Tross ξ=1, so dass die Streifen insgesamt (1)(1)(1)(1) erzielen, und der Modul beträgt daher 1/γελξ=1. Die Glaubhaftigkeitsbewertung der beiden anderen Gummis (verdorben{} Moschus) und (verdorben{}Benzoe) folgt mit denselben Streifen demselben Verfahren.

Methode

Mit dem Hinweis 36B hatten wir diese Frage der Sinnkontinuität behandelt, die wir hier besonders anlässlich der vorliegenden Gummis wieder aufnehmen.

Anwendung auf Baudelaire

Im letzten Raum des Tempels, der dem Schönen gewidmet ist, beteiligt sich der Dichter mit seinen feinen -für die Unerfahrenen jedoch verderblichen- Versen an der Begehung. Der Künstler, der immer wieder von anderen Künsten beeinflusst wird, legt hier seine Opfergabe an den Gott des Schönen danieder. Er bringt Verse, die sich in ihrer Tiefe mit der Musik (Moschus), der Malerei und der Zeichenkunst vergleichen lassen. [Auf Französisch klingt «musc» (Moschus) ähnlich wie “musique” (Musik) und «ambre» (Amber) ähnlich wie “ombre” (Schatten), und der Schatten wird in der Technik des Zeichnens bekanntlich viel genützt.] Was gewisse Romane betrifft, die den Rauch (Weihrauch) des Feuers in der Gesellschaft verbreiten, ist es auch der Fall [839]. -Oder: das Gebäude des abstrakten, idealen, weiblichen Körpers, als vollkommene Stätte der allgemeinen, leiblichen Liebe, fordert im letzten Raum der schönen, erwachsenen Jugend zur höchsten Begehung die Begleitung der Düfte, die griesgrämige Denker als verdorben bezeichnen. Diese Düfte rühren von der Frau her: von den Haaren, dem Schweiß, den organischen Quellen im Allgemeinen, die von den Reichtümern anderer lebensvoller Wesen, wie «…Amber, Moschus, Benzoe und Weihrauch…» begleitet werden.

§552
· (riches{}encens)
Theorie

Das Rad von (reich{}Weihrauch) ist im Vergleich zum Rad von (verdorben{}Weihrauch) relativ problemlos, denn der Überfluss schien Baudelaire bei einem Geistlichen nicht gegensätzlich. Das für (verdorben{}Weihrauch) frei gelegte Tor hält sich in der Trägheit, das heißt im Hintergrund unserer Gedanken und ist als Haltung nicht von Nutzen. Daraus ergibt sich “Überfluss” als Einsickern in den beiden Alveolen «reich» und «Weihrauch», was uns ein Rad γ=1 liefert. Die Strömung nimmt die Höhe ε=1 an, da die logische Verknüpfung uns manche dazwischen kommende Alveolen zu überspringen erlaubt: «reich… wie…Weihrauch». Dasselbe grammatische Argument gilt für den Wimpel λ=1. Was den Tross betrifft, ergibt das Nichtvorhandensein einer Krise einen Wert ξ=1. Dies vervollständigt die Reihe der Streifen, das heißt die numerischen Kriterien der Unglaubhaftigkeit, die zusammen γελξ=(1)(1)(1)(1)=1 betragen, was wiederum auf den Modul 1/γελξ=1/1=1 hinausgeht.

Methode

Zur Vermeidung heikler Spitzfindigkeiten bezüglich der zerlegten Stelle haben wir den Sinn auf das Wesentliche vereinfacht. Dieses Schema setzt keineswegs voraus, dass die anderen Ideen an dieser Stelle uninteressant seien, aber wir sind hier bemüht, den Minimalsinn herauszufinden und dabei alle Vorstellungen zu meiden, die auf eine Bebilderung hinausgehen könnten.

Anwendung auf Baudelaire

Im letzten Saal des Tempels der Anmut beschwört man eine bedeutungsvolle Literatur, die für anständige Gewohnheiten gefährliche Liebesbezeigungen besingt. Der Reiz des Rauchs des Feuers -Weihrauch-, den die Konservativen in einer Gesellschaft befürchten, zieht nur die gemachten Künstler, die in den davorliegenden Räumen des Tempels die Frische geschätzt haben. In einem anderen Moment vertiefen sie sich in die dem Liebesfeuer gewidmeten Räume. -Oder: im abstrakten, idealen, weiblichen Körper als Stätte der allgemeinen, leiblichen Liebe ist ein letzter Saal vorhanden, der der vollkommenen, erwachsenen Jugend, in dem die Begehung gefeiert wird. Der reichliche, erregende Schweiß und der sich verbreitende Weihrauch sind für eine heilige aber gefährliche Einweihung nötig [[1037]] in Index II (Gedichte)">[[1037]]: «(")Ich spüre, wie mich ein schwarzer Trupp
Von schweren Besorgnissen und verstreuten Geistern befällt,
Die mich auf unsichere Straßen verführen wollen,
Welche von allen Seiten durch einen blutigen Horizont versperrt sind.

Haben wir denn eine seltsame Untat gegangen?
Erkläre, wenn du es kannst, meine Verstörung und mein Grauen:
Ich zittere vor Angst, wenn du mich “mein Engel” nennst,
Und doch fühle ich, wie mein Mund zu dir angezogen wird.

Sieh mich nicht so an, mein Herz,
Du meine auserwählte Schwester, die ich auf ewig liebe
Selbst wenn du in meinem Leben ein Hindernis
Und der Anfang meines Verderbens bist!"

Delphine schüttelt ihre tragische Mähne
Und trampelt auf dem eisernen Dreifuß.
Mit einem verhängnisvollen Auge antwortete sie mit despotischer Zunge:
-"Wer wagt in Liebesfragen von Hölle zu sprechen?

Verdammt sei auf ewig der dumme,
Überflüssige Träumer, der sich als erster fruchtlos
In einer ausweglosen Frage verfing,
Und von Anständigkeit in Sachen der Liebe ausging!

Wer kühlen Schatten und heißes Licht, Nacht und Tag
In mystischen Einklang bringen will
Wird seinen lahmen Körper
In der roten Sonne der Liebe nie erwärmen!(")»

§553
· (riches{}ambre), (riches{}musc), (riches{}benjoin)
Theorie

Gehen wir nun zu den Gummis (reich{}Amber), (reich{}Moschus) und (reich{}Benzoe) über. Das Rad von (reich{}Amber) verdient problemlos die Ebene γ=1, denn die Vorstellungen «reich» und «Amber» teilen das Einsickern “Überfluss”. Die grammatische Verknüpfung der Ballung erlaubt der Strömung (ε) die Höhe 1 zu bekommen: «reich…wie Amber». Der gleichwertige Wimpel λ=1 stützt sich auf dasselbe Argument, weil die Alveolen trotz ihres scheinbaren Abstands in enger Berührung stehen. Da keinerlei Krise zum Vorschein kommt, nehmen wir für den Tross die Größe ξ=1 an. Auf diese Weise führt die Reihe der Streifen zum Modul 1/γελξ=1. Aus ähnlichen Gründen erreichen die Module von (reich{}Moschus) und (reich{} Benzoe) denselben Wert.

Methode

Dabei können wir zu allen Beispielen, die der Schaffende im Sinn hatte, keinen ausreichenden Zugang finden. Im Laufe der schrittweisen Untersuchung der wechselnden Themen ist der Ausdeuter bemüht, den Inhalt der Gespräche und Lektüren zu erraten, die der Ballung zu Grunde liegen. Dieses Hindernis ist ein Beweis dafür, dass eine vollkommene unmittelbare Erklärung eines Textes ausgeschlossen ist. Im Alltag kommen uns jederzeit Bilder auf, und wir müssen uns vorstellen, dass dies für einen großen Autor eher zutrifft: so können wir die Einzelheiten dieses Verfahrens nicht ausmachen.

Anwendung auf Baudelaire

Wenn er durch den Tempel des Schönen schreitet, sucht der Gläubige eine für seine Opfergabe passende Stelle. In seinem Gang durch das der Anmut gewidmete Gebäude kommt er schließlich der Stelle näher, an der sich die wichtigsten Handlungen abwickeln. Die Eingebung für seine gefährlichen, sinnschweren Verse kam von einer anderen Kunst: Musik, Malerei oder Zeichenkunst. -Oder: tief in der Stätte der leiblichen Liebe ist ein letzter Raum der Begehung verborgen. In diesem idealen, abstrakten, weiblichen Körper wird die reiche Festlichkeit von Düften begleitet: Amber, Moschus und Benzoe. Die vollkommen erwachsene Jugend hat die ganze Zierde ihrer gesamten, üppigen Eigenschaften: fließende Mähne, angelernte Mienen, hohe, harmonische Stimme, deren wohlklingende Töne den Lippen entströmt, himmlisches Antlitz, schlanke Gestalt, schimmernde Haut oder wechselvolle Farbe eines Kleides.

§554
· (triomphants{}ambre), (triomphants{}musc), (triomphants{}benjoin) und (triomphants{}encens)
Theorie

Nun wollen wir nach den Werten suchen, die die Glaubhaftigkeit von (sieghaft{}Amber), (sieghaft{} Moschus), (sieghaft{}Benzoe) und (sieghaft{}Weihrauch) erreichen kann. In diesem letzten Gummi (sieghaft {}Weihrauch) liegt das Rad (γ) auf der Ebene 1, weil die beiden Alveolen das Einsickern “Sieg” besitzen, da die Würdenträger im alten Rom auf dem Siegesaltar Weihrauch verbrannten. Die Strömung verdient die Größe ε=1, denn die grammatische Verbindung ist so klar wie möglich: «sieghaft…wie…Weihrauch». Derselbe Vorteil verleiht dem Wimpel die Höhe λ=1. Wir nehmen den Tross ξ=1 an, weil keinerlei Krise droht. Insgesamt führen diese gebündelten Messungen zum Modul 1/γελξ=1. Dank der Trägheit des Tores, das durch den schwierigen Gummi (verdorben{}Weihrauch) gewonnen wurde, bleibt beim Ausleger vom (sieghaft{}Weihrauch) die Idee, die mit der Bindung "Weihrauch-Religion" einhergeht, stets im Hintergrund der Gedanken. Die anderen Gummis (sieghaft{}Amber), (sieghaft{}Moschus) und (sieghaft{}Benzoe) bekommen eine ähnliche Behandlung, die sich noch leichter begründen lässt.

Methode

Die Haltung wird nur dann in Anspruch genommen, wenn ernsthafte Probleme auftreten, während die Trägheit, so wie jede mögliche Anspielung nur dumpf fühlbar bleibt. Es wäre verkehrt, jedes Mal eine Krise zu erklären, wenn ein Zweifel über den Sinn der Wörter aufkommt. In der Tat behandelt der Autor eines Phantasietextes eine Frage durch Beschwörung der Dinge und unterscheidet sich dadurch von einem Wissenschaftler. Wenn wir Gefühl und Beweis verwechselten, würden wir uns Genauigkeit an falscher Stelle einbilden.

Anwendung auf Baudelaire

Der große Dichter am Ende des Tempels liefert seine gewagten Verse, die die Zeit überwinden, und seinen Sieg, der mit demjenigen der besten Maler und Musiker vergleichbar ist, nimmt an der Begehung des Schönen teil und trägt daher zur Eingebung der gesamten Kunstwelt bei. Beethoven und David erregen durch ihren Wagemut Anstoß, aber ihr Ruhm überdauert ihr Leben. Pindar schrieb lange zuvor [721]: «Man wird sehen, wie unser Name unseren Nachkommen als unbestrittener Sieger über unsere Feinde strahlend überliefert werden wird. Andere treiben eifersüchtig ihre finsteren Vorhaben, bis sie von selbst zu Boden fallen. Was mich betrifft, bin ich davon überzeugt, dass das Schicksal, unser König, mit der Zeit die Versprechungen des Talents, das er mir beschert hat, verwirklichen wird.» -Oder: im letzten Raum, in dem die Begehung der allgemeinen, leiblichen Liebe am Ende der Stätte stattfindet, die der ideale, abstrakte, weibliche Körper darstellt, wird das Heilige Offizium von Weihrauch begleitet mit allen Merkmalen des Sieges der erwachsenen Jugend: stolze Brust, weite Augen, eine märchenhafte Taille mit plötzlichem Feuer der Hüftenbewegung, ein Hals und Arme mit gemischten Düften von Amber, Moschus und Benzoe.

§555
· (Comme{}ambre musc benjoin encens), (ambre{}musc), (musc{}benjoin), (benjoin{}encens)
Theorie

Untersuchen wir die Glaubhaftigkeit von (Comme{}ambre…musc…benjoin…encens), (ambre{} musc), (musc{}benjoin) und (benjoin{}encens) [(wie◊Amber, Moschus, Benzoe…Weihrauch), (Amber◊ Moschus), (Moschus◊Benzoe) und (Benzoe◊Weihrauch)]. Das Rad von (Comme{}ambre…musc…benjoin …encens) (wie◊ Amber, Moschus, Benzoe…Weihrauch) verdient dank des Hakens den Wert γ=1. Der Sinn «wie» geht nämlich auf irgendwelche Reihe oder Liste von etwaigen Vorstellungen hinaus. Die Strömung ε=1 ist notwendig, denn «l'¹», «le¹», «le²», «et» und «l'²» (vier bestimmte französische Artikel und eine Konjunktion) haben keine Frontensinne, so dass das Nichtvorhandensein der fünf Vorstellungen im Gummi keinen Hohlraum verursacht. Der Wimpel λ=1 ist dank der grammatischen Bindung gerechtfertigt. Der Gummi bekommt den Tross ξ=1, weil keine Krise entsteht, was denselben zum Modul 1/γελξ=1 treibt. Bewerten wir nun die Glaubhaftigkeit von (ambre{}musc) (Amber◊Moschus). Dank des Einsickerns “kostbaren Duft” erreicht dessen Rad problemlos den Wert γ’=1. Da die Alveolen in einer Reihe erwähnt werden, ist eine Strömung ε’=1 unvermeidlich. Was den Wimpel betrifft, liefert die Enge des syntaktischen Verhältnisses die Höhe λ’=1. Da anlässlich der Maische keine Krise auftritt, müssen wir den Tross ξ’=1 annehmen. Daher beträgt der Modul 1/γ’ε’λ’ξ’=1. Die anderen Gummis (musc{}benjoin) (Moschus◊Benzoe) und (benjoin{}encens) (Benzoe◊Weihrauch) erreichen aus ähnlichen Gründen dieselbe Glaubhaftigkeit.

Methode

Es wäre ungeschickt gewesen, alle unwichtigen Wörter mit dem Ziel, die Formel des Gummis gut leserlich zu machen, in dieselbe einzufügen. In dieser Perspektive hätten wir, um die wichtigen und unwichtigen Wörter nicht durcheinander zu bringen, die unwichtigen Wörter innerhalb der Formel wie in (A{} (B)C(D)E(F)G(H)(I)J) in Klammern setzen können. Somit wären wir jedoch im Widerspruch gewesen, weil die Abstände zwischen den Vorstellungen im Telegrammstil durch Wegnahme dieser unwichtigen Wörter gemessen werden.

Anwendung auf Baudelaire

Das Ende des Tempels birgt Opfergaben von allen bedeutenden Autoren, die der Schönheit zu Ehren bereit sind, ihre Karriere aufs Spiel zu setzen. Ihrer Eingebung liegen die zahlreichen Glanzstücke von anderen wagemutigen Künstlern zugrunde: Zeichnern, Musikern und Malern. -Oder: für die Stätte der allgemeinen, leiblichen Liebe, überraschendes Gebäude des idealen und abstrakten weiblichen Körpers, kommt der letzte Raum der Begehung mit der betörenden Zierde des schönen erwachsenen Mädchens mit wunderbaren Gaben: langem, welligem Haar, sorgfältig von Kindheit an geübten Mienen, strahlendem Busen, breiten Hüften, schlanker Taille, Geschmack von luxuriösen Düften, Amber, Moschus, Benzoe und Weihrauch.

§556
· (Qui{}chantent transports)
Theorie

Der Gummi (Qui{}chantent…transports) (Die◊Taumel…singen) setzt voraus, dass die verdorbenen Düfte singen, was einer Zusammenziehung von (parfums²…autres corrompus, riches…triomphants{} chantent…transports) (Düfte²…andere verdorben, reich…sieghaft◊Taumel…singen) gleichkommt. Da ein übertragener Sinn möglich ist, scheint jede Krise ausgeschlossen zu sein, und wir verstehen die Bedeutung: “Mittels dieser Düfte wird der Taumel des Geistes und der Sinne besungen” [833]. Auf ähnliche Weise ehren die Glasfenster einer Kathedrale den Herrn. Das Rad von (Qui{}chantent…transports) (die◊Taumel…singen) nimmt also die Größe γ=1 an. Die Strömung erreicht die Ebene ε=1, denn die enge Berührung zwischen den Alveolen lässt keinen Hohlraum zu. Dieselbe grammatische Bindung führt uns zum Wimpel λ=1. Das Nichtvorhandensein einer Krise erlaubt den Tross ξ=1. Anhand der angegebenen Werte lässt sich der Modul 1/γελξ=1 durchaus ernst nehmen. Für die Schiene «…die mit ihren wirklichen Stimmen singen, die wir auch hören…» hätten wir auf eine Krise schließen müssen. In diesem Fall liefen wir Gefahr, kein Tor zu finden, was uns zwingen würde, γ=ξ=2 zu schreiben.

Methode

Da das Gewicht Gewöhnlicher Ausdrücke es erlaubt, jeden Sinnanprall zu meiden, muss der Schaffende aus dem Bereich der Volksprache gelangen, um für den Leser die Gewandtheit des Ausdrucks und den Sinnanprall zugleich zu erreichen.

Anwendung auf Baudelaire

Im Umfang des letzten Raumes des Tempels des Schönen begehen die dem Gott gebrachten schwindelerregenden, tiefsinnigen Gedichte den Wirbel, der aus Orgie, Liebe, Taumel oder geistiger und sinnlicher Selbstverwirklichung stammt. Die Eingebung kommt ebenfalls in der Zeichenkunst, der Musik und der Malerei zum Ausdruck, denn Sinfonien und Gemälde geben durch höchste Sammlung, Müdigkeit, Ruhmbegierde und Rausch Zugang zur Maßlosigkeit. -Oder: die schöne, allgemeine, junge Frau, die den letzten Raum der idealen, abstrakten Stätte der leiblichen Liebe darstellt, bringt die Düfte ihres Haares und ihrer Haut zur Entfaltung und fängt andere auf, die sich mit dem Schweiß vermischen und im Kleid festsetzen, was in der heiligen Feier einer Verherrlichung des geistigen und sinnlichen Schwindels gleichkommt.

§557
· (chantent{}transports)
Theorie

Das Rad von (chantent{}transports) (Taumel◊singen) erreicht den Wert γ=1, weil der übertragene Sinn jede Krisengefahr ausschließt. Die Strömung nimmt die Höhe ε=1 an, da «les» (den) nicht zu den Frontensinnen gehört, so dass seine Auslassung im Gummi nicht als Ursache eines Hohlraums betrachtet werden darf. Die grammatische Bindung erlaubt den Wimpel λ=1. Die Vermeidung der Krise durch die Stilfigur verleiht dem Gummi den Tross ξ=1. Falls eine bessere Idee des Zusammenhangs einen Kanal 1 oder ½ für den Stoß rb(chantent–transports) (Taumel-singen) zutage fördern würde, müssten wir unsere Zerlegung überdenken, und eine Krise erklären. Soweit haben wir den Rang t=1, weil die Bindung zwischen den Begriffen «Taumel» und «singen» bejaht wird. Die innere Entfernung verdient die Ebene s=1, denn diese logische Gestalt schließt ein enges Verhältnis ein. Dank der Stilfigur, die den Sinnanprall meidet, können wir für die linke Schwingung m=2 schreiben. Der übertragene Sinn von «transports» (Taumel) führt uns zur rechten Schwingung w=2, weil das Mentalbild von Leuten, die Empfindungen “singen”, gewöhnlich genug zu sein scheint. Somit beträgt der Kanal ¼=1/tsmw=1/(1)(1)(2)(2), und wir können leicht begreifen, dass keine Krise vorhanden ist, da es nur ein Viertel aller Chancen gibt, dass der Schaffende die Grundlage des Stoßes rb(chantent–transports) (Taumel-singen) im Sinn gehabt haben mag.

Methode

In fast allen Teilen unserer Abhandlung haben wir wegen der vorhandenen Beispiele unser Berechnungsverfahren immer wieder anpassen müssen. So kommt der Verdacht auf, dass eine Fortführung der Untersuchung unsere Berechnungsweise vereiteln würde, und dies hebt hervor, dass unsere Methode noch unsicher ist.

Anwendung auf Baudelaire

Die den Versen, die Taumel, Schwindel, Trance und Krampf verherrlichen, geweihte Opferstelle liegt am Ende des Tempels. Dieser steht für ein ideales Konservatorium, eine allgemeine Bücherei, einen Museum- Palast wie der Louvre oder das Schloss Versailles in Weltmaßstab [247]. Der sittlich oder ästhetisch wagemutige Dichter, der seine Opfergaben zu der dafür geeignetsten Stelle bringen will, muss im allgemeinen Museum vom Saal der schönen Neuigkeit bis zum Raum schreiten, an der geehrt wird, was griesgrämige Denker wegen der gelaufenen Gefahren als verdorben betrachten. Dabei hat die Kunst sowohl als Ganzes als auch in jeder einzelnen, vorübergehenden Form Anmut. Wie in der Wirklichkeit, die in Glanzstücken widergespiegelt wird, bleibt das Schöne über die künstlerische, verständnisvolle Subjektivität in der Tiefe gleich. Aristoteles erklärte [25]: «Alle, die in der Tat auf die Einheit des Alls schwören und behaupten, dass alles in der Welt von einem und demselben Element abgeleitet wird, müssen die Geburt mit dem Wandel gleichsetzen und sie müssen denken, dass was geboren wird, eigentlich nur im Wandel begriffen ist.» -Oder: als Stätte der leiblichen Liebe bietet der ideale, weibliche Körper als letzten Raum des Heiligen Offiziums den abstrakten Grad des jungen, voll erwachsenen Mädchens. Diese Erfolgsfigur schwebt im Zusammenhang der Erwachsenen, wo Schweiß und Haar von seltenen, kostbaren Düften begleitet werden, die von Tieren und Pflanzen zugleich gewonnen werden, um den körperlichen oder geistigen Schwung zu zelebrieren, der die Grundfunktion zu neuen Grenzen treibt.

§558
· (transports{}esprit sens) und (esprit{}sens)
Theorie

Betrachten wir die Gummis (transports{}esprit…sens) (Taumel◊Geistes…Sinne) und (esprit{}sens) (Geistes◊Sinne). Die erste Schlinge von (transports{}esprit…sens) (Taumel◊Geistes…Sinne) hakt nach einem alten Bild die nächste an, so dass das Rad den Wert γ=1 erreicht [857]. Die Strömung (ε) nimmt die Höhe 1 an, da «de l'» (des), «et» (und), «des» (der) [eine Präposition, ein Artikel, eine Konjunktion, und eine Kontraktion) nicht zu den Fronten gehören, was jeden Hohlraum zwischen den Alveolen ausschließt. Die enge grammatische Bindung rechtfertigt den Wimpel λ=1. Der übertragene Sinn von «transports» (Taumel) überzeugt uns davon, dass keine Krise droht, und der Tross ξ=1, den wir auf diese Weise gewinnen, geht auf den Modul 1/γελξ=1 hinaus. Die Sinnbindungen “transports-esprit” (Taumel-Geistes) und “transports- sens” (Taumel-Sinne) stützen sich wegen der leichten Beziehung zwischen «transports» (Taumel) und den umgebenden Vorstellungen auf eine gleich vorteilhafte Menge von entsprechenden Bildern. Was (esprit{}sens) (Geistes◊Sinne) betrifft, so hat das Rad dessen Moduls dank des Einsickerns “Wichtige Aspekte des menschlichen Wesens” die Größe γ’=1. Die Strömung ε’=1 kommt zurecht, da die Vorstellungen zwischen den Alveolen wenig Gewicht haben. Die enge grammatische Bindung bringt den Wimpel auf die Ebene λ’=1. Die Komplementarität zwischen Geist und Sinnen schließt aus, dass ihre Zwiespalt in eine Krise ausartet. Daher schreiben wir ξ’=1, was zum Modul 1/γ’ε’λ’ξ’=1 führt.

Methode

Die Möglichkeit, mehrere Alveolen in eine und dieselbe Schlinge zu setzen, beschleunigt die Untersuchung der Ballung, denn sie lindert in besonders schwierigen Fällen unsere Skrupel, wenn der Sinn eines Begriffs sich zugleich auf zwei umliegende Vorstellungen niederschlägt, was uns bezüglich der Wichtigkeit jedes einzelnen unentschlossen lässt.

Anwendung auf Baudelaire

Der Dichter, der sich dessen bewusst wird, dass der letzte Raum des Heiligen Offiziums, das das Schöne im Tempel ehrt, seiner eigenen Opfergabe passt, will durch seine Verse den Taumel beschwören, der einen in Verschwommenheit versetzt, so dass einer die Grenze zwischen “Geist und Sinnen”, die in der Liebe so eng an einander liegen, nicht mehr unterscheiden kann [849]-[850]. -Oder: die mit ihren vollen Reizen allen eigenen und luxuriösen Düften versehene schöne Frau gibt sich am Ende der abstrakten Stätte der leiblichen Liebe der höchsten Begehung hin. Es geht hier um den eigenen, idealen Körper, über dessen Genuss Geist und Sinnen sich flüchtig nicht mehr unterscheiden lassen.

§559
· Prüfung der Quote
Theorie

Ziehen wir die Bilanz über die Quote, um herauszufinden, ob das Gewinde, das wir gewählt haben, den Grundlinien folgt. In diesem Falle müssten wir für (n-1) Gummis (n) Alveolen haben. Zunächst kommen die Frontensinnen: Correspondances (Entsprechungen), 1; Nature (Natur), 2; est (ist), 3; temple (Tempel), 4; où (worin), 5; vivants (lebendige), 6; piliers (Säulen), 7; Laissent (lassen), 8; parfois (Zuweilen), 9; sortir (entweichen), 10; confuses (wirre), 11; paroles (Worte), 12; homme (Mensch), 13; y (Dort), 14; passe (schreitet), 15; (travers (durch), 16; forêts (Wälder), 17; symboles (Symbolen), 18; Qui¹ (Die¹), 19; l' (ihn), 20;observent (betrachten), 21; avec (mit), 22; regards (Blicken), 23; familiers (vertrauten), 24; Comme¹ (Wie¹), 25; longs (lange), 26; échos (Echos), 27; loin (Ferne), 28; se (), 29; confondent (vereinen), 30; Dans (In), 31; ténébreuse (finsteren), 32; profonde (tiefen), 33; unité (Einheit), 34; Vaste (Weit), 35; comme¹ (wie¹), 36; nuit (Nacht), 37; et (und), 38; clarté (Licht), 39; parfums (Düfte), 40; couleurs (Farben), 41; sons (Töne), 42; se (einander), 43; répondent (Antworten), 44; est (sind), 45; parfums² (Düfte), 46; frais (frisch), 47; comme³ (wie³), 48; chairs (Haut), 49; enfants (Kindern), 50; Doux (Sanft), 51; comme’¹ (wie’¹), 52; hautbois (Oboen), 53; verts (grün), 54; comme’² (wie’²), 55; prairies (Auen), 56; autres (andere), 57; corrompus (verdorben), 58; riches (reich), 59; triomphants (sieghaft), 60; Ayant (haben), 61; expansion (Ausdehnung), 62; choses (Dinge), 63; infinies (unendlichen), 64; Comme² (Wie²), 65; ambre (Amber), 66; musc (Moschus), 67; benjoin (Benzoe), 68; encens (Weihrauch), 69; Qui² (Die²), 70; chantent (singen), 71; transports (Taumel), 72; esprit (Geistes), 73; sens (Sinne), 74. Wir ergänzen diese Schiedsspruchbegriffe durch das N von «Nature» (Natur) und kommen somit zu 74+1=75 Alveolen. Was die Gummis im Gewinde betrifft, schreiben wir: (Correspondances{}répondent) (Entsprechungen◊antworten),1; (Nature{}N) (Natur◊ N), 2; (Nature{}temple) (Natur◊Tempel), 3; (Nature{}est) (Natur◊ist), 4; (temple{}où, piliers) (Tempel◊worin… Säulen), 5; (vivants{}piliers) (lebendige◊Säulen), 6; (piliers{}Laissent…sortir) (Säulen◊entweichen lassen), 7; (parfois{}sortir) (zuweilen◊entweichen), 8; (confuses{}paroles) (wirre◊Worte), 9; (sortir{}paroles) (entweichen ◊Worte), 10; (piliers{}paroles) (Säulen◊Worte), 11; (homme{}y) (Mensch◊Dort), 12; (homme{}passe… travers) (Mensch◊schreitet…durch), 13; (travers{}forêts) (durch◊Wälder), 14; (forêts{}symboles) (Wälder◊ Symbolen), 15; (symboles{}Qui l'observent) (Symbolen◊Die ihn…betrachten), 16; (symboles{} avec… regards familiers) (Symbolen◊mit vertrauten Blicken), 17; (regards familiers{}Comme…longs échos) (vertrauten Blicken◊Wie lange Echos), 18; (Comme¹…comme¹…comme²…comme³…comme’¹…comme’²… Comme²{}échos) (Wie¹…wie¹…wie²…wie³…wie’¹…wie’²…Wie²◊Echos), 19; (échos{}loin) (Echos◊Ferne), 20; (échos{}se confondent) (Echos◊sich…vereinen), 21; (Comme¹…longs échos…loin se confondent{} parfums…couleurs…sons) (Wie¹ lange Echos…sich…Ferne vereinen◊Düfte, Farben…Töne), 22; (profonde {}unité) (tiefen◊Einheit), 23; (ténébreuse{}unité) (finsteren◊Einheit), 24; (ténébreuse{}profonde) (finsteren◊ tiefen), 25; (Dans{}unité) (In◊Einheit), 26; (unité{}Vaste) (Einheit◊Weit), 27; (Vaste{}comme¹) (Weit◊wie¹), 28; (Vaste{}comme¹…nuit et…clarté) (Weit◊wie¹…Nacht und…Licht), 29; (nuit{}clarté) (Nacht◊Licht), 30; (parfums¹{}couleurs) (Düfte¹◊Farben), 31; (couleurs{}sons) (Farben◊Töne), 32; (parfums¹…couleurs… sons{}se répondent) (Düfte, Farben…Töne◊Antworten einander), 33; (parfums¹{}parfums²) (Düfte¹◊Düfte²), 34; (est{}parfums²) (sind◊Düfte²), 35; (parfums²{}frais) (Düfte²◊frisch), 36; (comme³{}chairs…enfants) (wie³◊Haut…Kindern), 37; (parfums²{}comme³…chairs…enfants) (Düfte²◊wie²…Haut…Kindern), 38; (frais{} chairs…enfants) (frisch◊Haut…Kindern), 39; (parfums²{}Doux) (Düfte²◊sanft), 40; (parfums²{}comme’¹… hautbois) (Düfte²◊wie’¹ Oboen), 41; (parfums²{}verts comme’²…prairies) (Düfte²◊grün wie’²…Auen), 42; (verts{}prairies) (grün◊Auen), 43; (parfums²{}autres) (Düfte²◊andere), 44; (parfums²{}corrompus) (Düfte²◊verdorben), 45; (parfums²{}riches) (Düfte²◊reich), 46; (parfums²{}triomphants) (Düfte²◊sieghaft), 47; (autres{}Ayant…expansion…choses infinies) (andere◊Welche…Ausdehnung…unendlichen Dinge haben), 48; (choses infinies{}Comme²…ambre) (unenlichen Dinge◊Wie² Amber), 49; (choses infinies{}Comme²… musc) (unendlichen Dinge◊Wie²…Moschus), 50; (choses infinies{}Comme²…benjoin) (unendlichen Dinge◊ Wie²…Benzoe), 51; (choses infinies{}Comme²…encens) (unendlichen Dinge◊Wie²…Weihrauch), 52; (triomphants{}tri-omphants) (sieghaft◊sieg-haft), 53; (expansion{}expansi-on) (Ausdehnung◊Ausdeh-nung), 54; (corrompus{}encens) (verdorben◊Weihrauch), 55; (corrompus{}ambre) (verdorben◊Amber), 56; (corrompus{}musc) (verdorben◊Moschus), 57; (corrompus{}benjoin) (verdorben◊Benzoe), 58; (riches{} encens) (reich◊Weihrauch), 59; (riches{}ambre) (reich◊Amber), 60; (riches{}musc) (reich◊Moschus), 61; (riches{}benjoin) (reich◊Benzoe), 62; (triomphants{}ambre) (sieghaft◊Amber), 63; (triomphants{}musc) (sieghaft◊Moschus), 64; (triomphants{}benjoin) (sieghaft◊Benzoe), 65; (triomphants{}encens) (sieghaft◊ Weihrauch), 66; (Comme²{}ambre…musc…benjoin…encens) (Wie²◊Amber, Moschus, Benzoe… Weihrauch), 67; (ambre{} musc) (Amber◊Moschus), 68; (musc{}benjoin) (Moschus◊Benzoe), 69; (benjoin{} encens) (Benzoe◊Weihrauch), 70; (Qui²{}chantent…transports) (Die²◊singen…Taumel), 71; (chantent{} transports) (singen◊Taumel), 72; (transports{}esprit…sens) (Taumel◊Geistes…Sinne), 73; (esprit{}sens) (Geistes◊Sinne), 74. Somit folgt das Gewinde der Quote: Alveolen für Gummis, das heißt (n) Alveolen für (n-1) Gummis.

Methode

Wir möchten gern auf manche leicht zu begreifende Verhältnisse verzichten. Dadurch liefen wir jedoch Gefahr, uns an Nachlässigkeit zu gewöhnen und somit der ganzen Berechnung zu schaden, um Zeit zu sparen.

Anwendung auf Baudelaire

In der Reihe der Absätze haben wir die einzelnen «Comme» oder «comme» ("Wie" oder "wie") des Textes nicht immer gleich behandelt, denn eines von ihnen ist zwar ein Teil vom Rips, aber kein Front. Wir erinnern uns nämlich daran, dass der aus 7 «Comme» oder «comme» ("Wie" oder "wie") gewonnene Rips durch das ganze Gedicht als ausgeprägte Wiederholung wirkt, während das einzige Wort unter ihnen, das nicht zu den Fronten gehört, einen Sinn hat, der durch den unmittelbaren Zusammenhang bestimmt wird. Da diesem «comme²» (wie²) ein «comme¹» (wie¹) vorangeht, ist das «comme²» (wie²) zur Verständigung des siebten Verses nicht notwendig und wird deshalb aus dem Telegrammstil ausgeschlossen: “…Dans (une) ténébreuse (et) profonde unité, Vaste comme¹ (la) nuit et (comme²) (la) clarté…” (…In einer finsteren und tiefen Einheit Weit wie die Nacht und wie das Licht…) Diese Einzelheit bietet einen sehr einfachen, intuitiven Fall, um zu erklären, wie die Gesamtwirkungen einem entgehen können, der sich nur mit dem Einzelfall befasst.

§560
· Tore und Haltungen
Theorie

Führen wir unsere schematische Beschreibung des Gewindes fort und untersuchen wir Profil, Haltungen und Tore. Was das mögliche Verlangen Baudelaires betrifft, die Kohärenz des Gedichts „Entsprechungen“ zu erreichen, weist das Gewinde ein Profil ½ auf, weil alle Gummis bis auf einen, (vertrauten Blicken{}Wie lange Echos), der nur zum Wert 1/γελξ=1/(1)(1)(2)(1)=½ gelangt, einen Modul 1 haben. Somit bekommen wir ein numerisches Produkt von Elementen 1 und dazwischen Element ½: (1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1/2)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1) (1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)=½. (Gehen wir nun auf die Reihe der Minimalsinne zurück, die wir zu den Grundbedeutungen des Textes hinzugefügt haben. Das Tor “Gebäude, das göttlich scheint”, das «Natur» fortsetzt, um (Natur{}Tempel) verständlich zu machen, wirkt im Hintergrund des Denkens durch das übrige Gedicht hindurch. Es handelt sich um die Trägheit dieses Tores, die auf keinerlei Haltung hinausgeht. Was (lebendige{}Säulen) betrifft, löst dessen Tor “…wie durch göttlichen Willen beseelten…” die neue durch diesen Gummi hervorgerufene Krise, aber wir müssen wie oben für die übrigen Verse mit der Trägheit vorliebnehmen. Zum Gummi (Säulen{}Worte) findet der Leser das Tor “…die wie durch göttlichen Willen einen Eindruck des Denkens geben”, das ertragfähiger als die vorangegangenen ist, denn es geht auf eine Haltung in (Symbolen{}die ihn betrachten), (Symbolen{}mit vertrauten Blicken), (Düfte¹, Farben::Töne{}Antworten einander) hinaus. Die letzte Krise im Gedicht, die vom Gummi (verdorben{}Weihrauch), führt zum Tor “der in Gut und Bös zugleich wirksam zu sein scheint”. Diese Folge von der Alveole «Weihrauch» wird im Gedicht als Haltung nicht weiter genützt. Die Bilanz, die drei Haltungen und vier Tore aufweist, zeigt uns somit überwundene Schwierigkeiten für Gummis, was beinahe ein Zehntel -oder 1/10- ausmacht. Um diese Reihe von beschworenen Fragen zu beschreiben, können wir auch sagen, dass im Durchschnitt mit jedem zweiten Vers eine Schwierigkeit auftritt. Die Vermeidungen der Schwierigkeiten scheinen in ähnlichem Anteil zu sein, da einer der 7 «Comme» oder «comme» ("Wie" oder "wie") im Durchschnitt mit jedem zweiten Vers auftritt.

Methode

Zwar denkt der Schaffende eines Phantasietextes oft nicht an diese Art Berechnung, aber intuitiv ist dieser Gedankengang nicht auszuschließen.

Anwendung auf Baudelaire

Versuchen wir die einzelnen Bebilderungen, die wir zwischen den Absätzen 506 und 559 erörtert haben, zusammenzufassen: “die Künste entsprechen einander wie auch die Reize des weiblichen Körpers. "Natur" ist der Tempel, der nach dem weiblichen Körper nachgebildet ist. Dieser umfasst die ganze Pracht der Wirklichkeit und seiner subjektivischen Darstellung bei den großen Künstlern. Paläste, Kirchen, Kunsthochschulen, Büchereien und Museen sammeln in einer einzigen Stätte der Schönheit die verschiedenen Glanzstücke für die ganze Weltgeschichte. Die großen Handgriffe -oder Stile- halten das Gebäude aufrecht wie ebenso viele vollkommene, weibliche Beine, aus denen neues Leben entspringt. Aus diesen lebendigen Säulen entkommt ein brennendes Verlangen nach Vollkommenheit, das den neuen Eingeweihten als Muster dient, obwohl sie diese Dinge eher ahnen als kennen. Vor ihnen stehen tausend Symbole der höchsten Leistungen: welliges Haar, strahlende Haut, weite Augen, Wogen der Gestalt, Musik der hohen Stimme. Die Eingeweihten in der Kunst werden von dieser Mutter oder unerreichbaren Geliebten herausgefordert und haben das Gefühl, zugleich geschützt und überwacht zu werden. Ein Lärm der Glorie -voller Irrtümer, aber im Wesentlichen richtig- verbreitet sich wie ein riesiges Echo um den Tempel herum und übertönt die niederen Geräusche. Es bleibt unmöglich, die Künste in ihrer Gesamtheit und das ganze weibliche Wunder im Einzelnen zu beschreiben, was die große, einheitliche, irreführende Kraft nicht schmälert. Das Wort der Analogie -"comme" (wie)- schlechthin, das stets wiederholt wird, gibt der Begehung in der heiligen Stätte ihren Rhythmus. In diesem Gebäude kommt der Dichter, als Kenner der menschlichen Seele oder der feinen Düfte, der den Hintergrund der Empfindlichkeit ahnt, zunächst in einen Raum, in dem das rührende, junge Mädchen durch zarte Maiblumen gefeiert wird. Wenn die Opfergaben, die der Künstler vollbracht hat, harmonisch zur Gestalt des jungen Mädchens passen, legt der Schriftsteller die fröhlichen Verse eines Reigentanzes nieder. Falls seine Verse ein etwas älteres Mädchen besingen, schreitet er feierlich im Tempel fort, bis er den Raum der Adoleszenz erreicht. Wenn er sich seiner Aufgabe gewachsen fühlt, liefert er das Ergebnis seiner Kunst: ein sanftes Hirtenlied, das von einer Oboe begleitet und unter Hyazinthen gesungen wird. Ein anderer Raum voller säuerlicher Gerüche von Heu und Äpfeln erwartet mögliche Opfergaben, die den heiligen Körper in seiner vollen Blüte ehren. Der letzte Raum bricht mit dem übrigen Gebäude durch einen Hauch Verderbnis, so dass der in der Frische angekündigte Höhepunkt des Opfers schwere Düfte erfordert. Es geht hier um Benzoe, Amber, Moschus und Weihrauch, die durch ihre allgemeine Art Verse begleiten, in denen die Wörter in sinniger Folge, jedoch mit einem tieferen Inhalt gelegt werden, der das Böse aushaucht.” Achter Teil: BILDERPAARE, IN DENEN DAS EINE DAS ANDERE ZUGÄNGLICH MACHT Ins Deutsche übersetzt von Jean-Claude Guerry