Theorie
Es erweist sich als unmöglich, nur mit den Schiedssprüchen die Quellen eines Textes zu ergründen, da man zu diesem Zweck außenstehende Wörter benutzen müsste, die zum Beispiel aus Schriftstücken stammen, welche vermutlich wieder verwendet wurden. Das Gleiche gilt für die Beobachtung dessen, was der Schaffende als Ideen sein Leben lang entwickelt hat, oder für den Umstand, in dem er nachgedacht hat, denn man müsste sich wenigstens mit Eigennamen behelfen, während die Schiedsspruchformeln nur Felder des geprüften Textes zu ihren Mitgliedern zählen.
Anwendung auf Baudelaire
Baudelaire scheint auf privater Ebene sehr oft mit diesen Vorstellungen gespielt zu haben, und es war ihm erlaubt, es mit seinem Namen zu tun, der als Substantiv wiederhergestellt, eine Art gebogenes Schwert andeutet [496]-[590]-[[1114]] in Index II (Gedichte)">[[1114]]. Von poetischen Vergleichungen begeistert, kann er, wie Antoine Adam es sieht, die Intuitionen von Schelling gekannt haben, die Frau von Stael wieder aufgenommen hat [8]-[934]: «Was gibt es Erstaunlicheres als zum Bespiel die Beziehungen zwischen den Geräuschen und den Formen, den Geräuschen und den Farben?» Der Dichter musste sich außerdem mit tausend der exaltiertesten Gedankenströmungen befassen, so geht man häufig davon aus, dass er 1857 einige vage Konzepte von Swedenborg, de Maistre, Wronski und Alphonse Louis Constant kannte [8]-[377]-[662]. Marc Eigeldinger schreibt [7]-[378]-[663]: «Es ist Jacques Crépet zu verdanken, darauf hingewiesen zu haben, dass das Gedicht "Die Entsprechungen", welche in "die Drei Harmonien" (1845) vom Abt Constant steht, als eine der Quellen des Sonetts "Entsprechungen" betrachtet werden kann.» Da es keinerlei Gewissheit darüber gibt, zitiert er einen Teil des Textes, um einem Gedanken zu dienen, welche keine entscheidende Erscheinung verbindet: «Aus sichtbaren Worten geformt,
ist diese Welt aus Gottestraum geschaffen;
Sein Wort sucht dessen Symbole,
der Geist füllt ihn mit seinem Feuer.» Und weiter: «In der Natur ist nichts schweigsam
Für wen deren Gesetzte zu folgen versteht:
Die Sterne haben eine Schrift,
Die Wiesenblumen haben eine Stimme,
Leuchtendes Wort in den dunklen Nächten,
Strenge Worte wie Zahlen.» Claude Pichois besteht auf die beiden für das Wort “Entsprechung” gedachten Deutungen [666]. Man findet einerseits die Deutung bezüglich der Verbindungen zwischen Objekten und Natur: «…Antworten einander Düfte, Farben und Töne.» Andererseits findet man die Deutung, die die Beziehungen zwischen dem Übernatürlichen und der Welt betreffen: «Die Natur ist ein Tempel…» Baudelaire spricht gleichlautend in einem Brief von der «allgemeinen Analogie» und von der «Entsprechung» [10]-[612]-[640]. Er fügt hinzu [379]-[641]: «…die Natur ist ein "Wort", eine Allegorie, eine Form, eine "getriebene Arbeit"…» Dieses Bild wurde gerne von Schriftstellern übernommen, die er oft zitiert, wie zum Beispiel Hoffmann [9]-[12]-[439]- [607]-[693]: «Nicht sowohl im Traume als im Zustande des Delirierens, der dem Einschlafen vorhergeht, vorzüglich wenn ich viel Musik gehört habe, finde ich eine Übereinkunft der Farben, Töne und Düfte. Es kömmt mir vor, als wenn alle auf die gleiche geheimnisvolle Weise durch den Lichtstrahl erzeugt würden und dann sich zu einem wundervollen Konzerte vereinigen müßten. -Der Duft der dunkelroten Nelken wirkt mit sonderbarer magischer Gewalt auf mich; unwillkürlich versinke ich in einen träumerischen Zustand und höre dann wie aus weiter Ferne die anschwellenden und wieder verfließenden tiefen Töne des Bassetthorns.» So wie er Jean Pommier bezüglich des vorangegangenen Absatzes gebraucht, begrüßt Claude Pichois Felix Leakey für seine Meditation über eine Seite von Nerval wo man Folgendes lesen kann [553]-[662]-[664]: «Alles lebt, alles handelt, alles stimmt überein…» Ein Stück von Balzac zeigt den anderen Aspekt dieser Ansicht [61]: «Nach den Berichten und Darstellungen aller Nachtschwärmer besteht dieser Zustand aus einem wonnigen Leben, wo das innere Wesen, befreit von allen Fesseln, die es durch die sichtbare Natur an der Nutzung seiner Fähigkeiten beeinträchtigt hat, in der Welt wandert, die wir irrtümlicherweise unsichtbar nennen. Das Sehen und Hören entfalten sich in einer makelloseren Art als in dem sogenannten "wachen Zustand" und vielleicht ohne Hilfe der Organe, die die Hülle dieser Lichtschwerter sind, die man das Sehen und Hören nennt!» Léon Cellier führt eine Bemerkung Sainte-Beuves von 1846 an und hebt in einer indirekten Weise die tiefe Kenntnis Baudelaires hervor, die dieser von Balzacs Romanen hatte [180]: «Ich habe meinen leichtlebigen Freund gesehen, der mir die unwahrscheinlichsten Dinge in Sachen Literatur und Dichtung erzählt hat, doch feingeistig was mir Tage über künftige Generationen eröffnet. Er liebt Balzac und gibt mir davon eine recht drollige Ansicht, die für mich so wertvoll ist, da sie den Standpunkt des Schriftstellers genau widerspiegelt und ihn mir verständlich macht.» Riskiert man, etwas missverstanden zu werden, wird gerne Gautiers Aussage über den Einfluss des Haschischs auf den Geist betont [409]: «…Die Töne…sprangen blau und rot…» Er schrieb weiter, diesmal ohne Bezug zu den Rauschmitteln [404]: «Ich entdecke Affinitäten und wunderbare Sympathien, ich höre die Sprache der Rosen…» Welche Baudelaire so ausgedrückt hat etwa [[1034]] in Index II (Gedichte)">[[1034]]: «…Die Sprache der Blumen und der stummen Sachen!» Von Edgar Poe inspiriert sagte er [685]: «Die Phantasie ist eine fast göttliche Gabe, die…die intimen und geheimen Beziehungen der Sachen, die Entsprechungen und die Analogien empfindet.» Und etwas weiter in demselben Aufsatz [486]-[665]-[686]: «Es ist dieses wunderbare, dieses unendliche Gespür für das Schöne, das uns die Erde und Ihre Darbietungen wie einen Schimmer, wie eine Entsprechung des Himmels erscheinen lässt.» Poe seinerseits schrieb [8]-[665]-[792]: «Die gegenständliche Welt…ist voller exakter Analogien mit dem Unkörperlichen…» Er träumte von [795]: «…dieser "Analogie", deren für die Phantasie unwidersprüchliche Beredsamkeit zu der kranken und einsamen Vernunft nicht spricht…» Er hoffte ebenfalls, damit die Gründung der Welt beschreiben zu können [793]: «Dieser Stoff ist Gott.» Mehrere Schriftsteller der Renaissance haben vermutlich für die Verbreitung dieser Ansichten gesorgt. Wir können jedoch nicht annehmen, dass Baudelaire von den meisten von ihnen tief beeinflusst wurde [396]. Dagegen haben die Klassiker solche Ideen stark verbreitet [668]. Plato sprach von einem Mythos der Herstellung des Konkreten durch einen wunderbaren Handwerker [756]: «…Als der Gott beschloss, die Welt zu schaffen, möglichst dem schönsten der vernehmbaren Wesen und einem in allem perfekten Wesen ähnlich, schaffte er ein einzigartiges sichtbares Lebewesen, das in sich alle Lebewesen hat, die von Natur aus so geschaffen sind wie es.» Sonderbare Welt [761]: «…Sichtbares Lebewesen, das alle sichtbaren Lebewesen umhüllt…» Plotin meditiert folgendermaßen, wenn er vom pädagogischen Mythos zum System übergeht [781]«…Die Dinge müssen nicht nur voneinander abhängen, sondern sie müssen sich alle in irgendeiner Beziehung ähneln. Und dies ist vielleicht die Bedeutung dieses bekannten Wortes: "Die Analogie hält alles."» In diesem Fall [782]: «Ist diese Welt ein Gott…» Und [784]: «Hier ist eine einmalige Natur, die die Gesamtheit der Wesen ist; sie ist also ein großer Gott; oder besser, sie ist kein bestimmter Gott, sondern der universelle Gott, da sie es vorzieht, alle Dinge zu sein.» Er wendet sich zu dem, den er zu kommentieren glaubt [785]«Deshalb sagt Plato diese rätselhaften Worte: "die Essenz teilt sich unendlich."» Der Zauber dieser Überlegungen kann nicht widersprochen werden, man genießt sie, eingetaucht in ihrer feierlichen Sanftheit, ohne sie zu verstehen [667].