Das Essay — Teil VI

Bewusste Eindringungen

Legende der Blöcke

Theorie — die begriffliche Darstellung Methode — Bemerkungen zur Anwendung Baudelaire — die Anwendung auf das Sonett Entsprechungen
§401
· Ballung, Gespinst und Rips
Theorie

Der Stift N von «Nature» (auf Französisch überflüssig) im ersten Vers des Gedichts stellt für die Bohrung kein Hindernis dar, was für andere Zeichen wie “peng” nicht zutrifft. Das heißt, die Vorstellung von Stift reicht nicht aus, um sämtliche materielle Einfügungen in einem Zusammenhang von Bedeutungen zu beschreiben. So müssen wir mehrere Verhältnisse überprüfen, die das Denken und dessen Zeichen verbinden. In erster Linie nehmen wir an, dass Sinn und Zeichen zum Teil einig sind. Wir sind auch der Meinung, dass die Grundbedeutung die Gestalt des Sinnes darstellt, die eines Wortes oder eines Symbols bedarf, um für längere Zeit in einer menschlichen Gesellschaft vertreten zu werden [905]-[906]. Wir bezeichnen als Ballung einen Text mit allen möglichen geistigen oder materiellen Anhängseln, die ihn ständig begleiten. Um die Vorstellung der Schiene zu Ballung zu erweitern, -seien sie unsere Erfindung, oder im allgemeinen Kulturgut bereits vorhanden- verallgemeinern wir dieselbe bei dieser Gelegenheit. Wir bezeichnen weiterhin als Scherbe jedes beliebige Element -sei es ein Zeichen, ein Sinn, eine Vorstellung, ein Symbol, ein Wort, ein Träger, ein Bruchstein- vorausgesetzt es ist in der Ballung ständig vorhanden. Das Vorhandensein einer Scherbe hängt keineswegs von den flüchtigen Umständen ab, während das unwillkürlich verkniffene Gesicht eines Schauspielers, das am nächsten Abend nicht wiederholt wird, nicht als solche betrachtet wird. Die Scherbe mag für die Bohrung hinderlich sein, oder nicht. Wir erweitern die Symbolik A, E, H… der lateinischen Großbuchstaben auf die Scherben. Ein Tiegel ist eine Ballung, deren Hauptbedeutung zumindest in groben Zügen leicht zu fassen ist, und diese Überbedeutung wird Gespinst genannt. Eine mit unüberlegtem Geschrei gespickte Rede hätte kein Gespinst, weil dessen Sinn den Rahmen einer klaren Beschreibung sprengen würde. Ein inniger dargestellter Schmerz wird dagegen kein Gespinst erlauben. Wir bezeichnen als Füllstoff zweierlei Dinge, die in einem Tiegel gelegentlich zu finden sind: erstens eine Scherbe, die keine Bohrung zulässt, oder zweitens einen Stift. Ein Tiegel, der ein Gespinst aufweist, das nur durch Bruchsteine, Begriffe oder Stifte bestimmt werden kann, wird Krippe genannt. Das Sonett „Entsprechungen“ bietet ein Beispiel solcher Ausdrucksweise. Eine Klanggruppe mit schwungvollen musikalischen Noten, die mit Feldern vermischt sind, kann keine Krippe sein. In einer Krippe wird ein vom Schaffenden gewünschter Füllstoff, der nicht aus gewöhnlich dichterischen Mitteln -wie Gleichklang, Versmaß, Akzent oder Reim- besteht, Rips genannt. Die Ballung ohne seine gelegentlichen Ripse wird als Tumulus bezeichnet, und wir kennzeichnen die Vorstellung vom Rips mit dem Symbol (- ¦¦¦¦-).

Methode

Auf diese Weise schreiben wir (Peng-¦¦¦¦-Knall) zur Teilbeschreibung von “ein Peng war zu hören”. Zur Beschreibung des Bildes in “sie wohnte in einer kleinen ⌂” schreiben wir (⌂-¦¦¦¦-Hütte). Der Ausdruck “∆ er ⌂ spricht ¤ weniger ☼±√ zu” enthält keinen korrekten Rips.

Anwendung auf Baudelaire

Die Zeichen der Bruchsteine bilden eine solche Einfügung erst, wenn sie auf ulkige Weise multipliziert werden. Baudelaire schickte seinem Verleger manche Hinweise, damit er seine typographischen Forderungen peinlich beachtete, wobei er sich auf gewöhnliche Gepflogenheiten beschränkte [646]: «Bezüglich meiner Interpunktion merken Sie sich, dass sie nicht nur den Sinn betrifft, sondern auch dessen "Deklamation".»

§402
· Schuppen und Rändel
Theorie

Um die Ripse genauer zu beschreiben, sind weitere Kniffe notwendig. Zunächst kommen zwölf Funktionen, die alle als Schuppen bezeichnet werden. Erstens erlauben wir uns, um jedes Mal eine einfache Definition geben zu können, aus mehrdeutigen Wendungen einen einzigen Aspekt hervorzuheben. Zweitens wird von dem Rips ein mythologischer oder literarischer Zweck verlangt. Drittens wird jede wohl durchdachte Kodierung als Rips ausgeschlossen. Viertens verzichten wir auf jegliche wissenschaftliche Beiträge. Fünftens entledigen wir uns ebenfalls sowohl der intellektuellen Formen des Pleonasmus und der Mehrdeutigkeit, als auch der Gegensätze oder der Ironie in ihrer abstraktesten Form. Sechstens werden die zahlreichen Wortspiele oder Kalauer, die ohne materielle Umgestaltung zustande kommen -wie etwa “…die breite Basis des Koches”- beiseitegeschoben. Siebtens wird in der Umschreibung die mündliche Mitteilung nach Möglichkeit bevorzugt -wie etwa in (Golfd-¦¦¦¦-Golf und Gold) bezüglich “…es ist für Sportler nicht alles Golfd, was glänzt”. Achtens wenden wir uns einer Beschreibung der Ballung zu, die sich an die betreffende Sprache eng anschmiegt: (Jarasche-¦¦¦¦-"Garage" in Berlin). Neuntens sind wir auch für das formelle Verfahren des Kommentars bemüht, so konkret wie möglich zu bleiben: bezüglich “…er fuhr mit seinem Wagenmutig um die Ecke…”, benutzen wir (Wagenmutig-¦¦¦¦-er glaubt er sei mit seinem Wagen wagemutig). Zehntens wird der Erklärung die Feststellung vorgezogen: “Wagenmutig” ist also wichtiger als “Wagen mutig”. Elftens werden die Spiele mit der Wortstellung im Satz, die mit Ungewissheit verbunden sind, aus dem Bereich der Ripse verschoben. So zum Beispiel im Satz: “Paula traf Simone, als sie auf den Markt ging”. Zwölftens wird alles, was auf der betreffenden Sprachebene ähnlich klingt, als Wort bezeichnet. So wird “Vor” in “Vorstellung” als selbstständiges Wort betrachtet, weil es auch als Präposition vorhanden ist. Gehen wir zur anderen Reihe von Kunststücken über, die uns später in der Schilderung der Ripse nützen werden. Es handelt sich dabei um die beiden Notierungen (F-) und (S-), die einzeln oder zusammen angewendet werden und die wir als Rändel bezeichnen. Einerseits stellt (F-) die Vorstellung “lang anhaltende Erscheinung” oder “Tatsache” dar. Andererseits bekommt (S-) den Sinn “Auslegung” oder “Annahme”.

Methode

Die Rändel erleichtern die Verständigung der Redewendungen. Der stille Augenblick im Ausruf “Präsentiert das…Gewehr!” wird durch (F-…-¦¦¦¦-S-kurzes Moment zum Soldat zugesprochen, um ihm zu erlauben, seine Waffe zu heben, und sofort sie senkrecht vor den Körper zu halten) wiedergegeben.

Anwendung auf Baudelaire

Einfacher klingt die Erklärung (F-ge4teilt-¦¦¦¦-S-gevierteilt) für “der Verurteilte wurde ge4teilt”. Einen Rips in «…Welche die Ausdehnung der unendlichen Dinge haben…» zu vermuten, geht mit einer Untersuchung von (F-Ausdehnung der unendlichen Dinge-¦¦¦¦-S-unendliche Ausdehnung der unendlich kleinen Dinge) einher. Ein weiblicher Duft dringt bei einem aber nicht beim anderen durch die körperlichen Wege zur Seele hindurch, wie ein Würfel jeweils nur auf eine seiner sechs Seiten kippt. Laut Cazotte kümmert sich sogar der Teufel um diese Art Entsprechung [179]: «Ja, Vorsicht beiseite lernen wir die Glückspiele, die Sie fälschlicherweise als Spiele auffassen, bei denen der Erfolg vom Zufall abhängt. In der Welt gibt es keinen Zufall. Alles war und bleibt eine Reihe von notwendigen Kombinationen, die nur über die Wissenschaft der Zahlen ergründet werden kann. Die Grundlinien sind so unanschaulich und tiefgründig zugleich, dass sie nur unter der Leitung eines Meisters zugänglich gemacht werden können -aber diesen Meister muss man sich aussuchen und gewinnen können. Diese erlauchte Bekanntschaft kann ich Ihnen nur bildlich beschreiben. Die Verknüpfung der Zahlen verleiht dem All seinen Rhythmus und regelt sowohl die zufälligen als auch die vermeintlich entschlossenen Ereignisse. Das ganze Geschehen wird durch unsichtbare Pendel gelenkt, und jedes Ereignis fällt der Reihe nach. Dies reicht von den wichtigsten Geschehnissen in den entfernten Sphären bis zum kläglichsten Unglücksfall, der Sie heute um Ihr Geld gebracht hat.»

§403
· Pachtgut, Limit und Scholle
Theorie

In der Absicht, die Ripse einer Ballung zu untersuchen, unterscheiden wir darunter mehrere Pachtgüter, die die mit dem Rips verbundenen Scherben darstellen. Diese Pachtgüter bilden die Scholle, die dem Teil der Ballung entspricht, der die besondere Wendung gestaltet. Oft wird diese Scholle vor dem Symbol (-¦¦¦¦-) in der Formel erwähnt. Der Kommentar zur Scholle wird als Limit bezeichnet. Im Ausdruck “…der alte Seufzer stieß einen Säufer aus…” spüren wir gleich die Versetzung (Seufzer stieß einen Säufer- ¦¦¦¦-Säufer stieß einen Seufzer) mit der Wortstellung (Scholle, Limit) [826]. Manchmal ist es unmöglich, die Scholle als solche zu erwähnen, und so wird sie, wie von außen beschrieben -wie in “Ein gelber Fleck auf dem Papier an der Stelle auf der Seite, wo das Wort "Gold" steht”. Das Limit wird dreifach unterteilt: erstens ersetzt das Surrogat die Scholle in einer erfundenen Schiene; zweitens bleibt die Würze außerhalb der Erscheinung, um dieselbe besser zu beschreiben; drittens mischt der Pressling die beiden oberen Verfahren. Das Surrogat “…der Säufer stieß einen Seufzer aus…” wurde bereits erwähnt. Nach den Grundlinien des Schuppens stellt das Surrogat das beste Limit dar. Damit der Ausdruck “…sie wurde durch ein Geräusch überrascht: ÄHEM, ÄHEm, ÄHem, Ähem…” richtig beschrieben wird, ist es jedoch bequem, die Würze “Räusperer” in (F-ÄHEM, ÄHEm, ÄHem, Ähem-¦¦¦¦-S-Räusperer) auszuwählen. Für “…ein astmatischen Asthronom…” zeigt der Pressling “Vertauschung sth-st” seine Wirksamkeit.

Methode

Die Ordnung (Scholle, Limit) übernimmt die Anordnung der Rändel, was in (F-Kirchen-¦¦¦¦-S-Kirschen) bezüglich “…er ging Kirchen ernten…” zu sehen ist. Wenn die Wendung keinerlei Hilfe braucht, begnügen wir uns mit einer Beschreibung ohne Rändel des Limits neben der Scholle. Da erinnern wir uns an den Bürger als Edelmann, der die Vokale lernt [540]: «A, E, I, O, I, O. Dies ist wunderbar!» Es bedarf keiner langen Unterstützung: (A, E, I, O, I, O-¦¦¦¦-Lautbildung).

Anwendung auf Baudelaire

Ein profilierter Schriftsteller sucht nach dem passenden Wortklang, oder er versucht, vom vorhandenen Klang Nutzen zu ziehen. Über ein Kloster mit zahlreichen Symbolen schreibt Rabelais [824]: «Au tour du boys de Theleme estoit un grand corps de maison…» (Um den Hain von Theleme stand ein großes Gebäude). Da zögern wir, ein Surrogat (F- Thélème-¦¦¦¦-S-tel aime) (F-Theleme-/-S-ein solches Ding liebe ich) oder einen Pressling anzuwenden: (F- Thélème-¦¦¦¦-S-il aime cela) (F-Theleme-/-S-er liebt es) [854]. Der Gebrauch von tiefen Vokalen -“o”, “ou”, “oi”, “e”, “è”, “oi”, “un”, “an”, “o”, “e”, “ai”, “on”- erinnert an eine Treibjagd. Mit «corps de maison» (Gebäude) bekäme diese Deutung die Unterstützung des Klangspiels zwischen «corps» (Körper) und “cor” (Horn). Der Hinweis erinnert an «…de confuses paroles;
L'homme y passe à travers des forêts de symboles
Qui l'observent…» (…wirre Worte…/Dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen,/Die ihn… betrachten.) Baudelaire macht auch von dem Vokal “i” reichlich Gebrauch und scheut sich nicht vor der Wiederholung des Klangs “L”, wie der Übergang vom ersten zum zweiten Vers «piliers
Laissent» (Säulen/ lassen) es zeigt: «La Nature est un temple où de vivants piliers
Laissent parfois sortir…» ( Die Natur ist ein Tempel, worin lebendige Säulen/Zuweilen wirre Worte entweichen lassen…) Dies könnte den Ausleger dazu bewegen, dem Dichter eine geistige Gewandtheit und eine Vorliebe für die Weite und die Freiheit zu unterstellen. Ein Raumgefühl ist sowohl auf die Blendung als auch auf die Dunkelheit zurückzuführen, da Gestalt und Farbe in beiden Fällen in ein Ganzes übergehen: «…Weit wie die Nacht und wie das Licht…»

§404
· Flechte
Theorie

Die Flechten bezeichnen die Vorgänge, die im Rips auf die Pachtgüter vorgenommen werden. Wir verleihen ihnen die Symbole a-, f-, j-, t- und r-. Die Reifung (a-) vollzieht die Aufhebung eines konkreten Elements, ohne zu einer Verschmelzung zu kommen, und dies mit einem unverkennbaren Sprachgut: “Freih… Gleichh… Brüderlichk…” Dann haben wir den Guss (f-), der durch Unterbrechung, Einheit oder Auswahl wirkt, wobei die Anordnung des Tumulus beibehalten wird: “derreihenach”, “…er wurdekrebs krank”. Die Gaukelei (j-) ist eine Vertauschung, und als solche ändert die Reihenfolge: “…sie wurde durch die Exsipotion überrascht”. Wir müssen auch den Stapel (t-) hinzufügen, der neue Dinge bringt: “…er sackte zusammen -peng”. Zuletzt kommt die Abbindung (r-): “-Papiere bitte! -Ich habe bei mir nur Papier”.

Anwendung auf Baudelaire

In der Annahme, dass der 11. Vers mit dem Schrei “u” beginnt, schreiben wir den Guss “… u nd andere verdorben, reich und sieghaft…” -was die frühere Ordnung für “u” und “nd” behält.

Methode

Im Absatz 17 hatten wir uns zeitweilig von den Wortspielen abgewendet, aber die spätere Erweiterung der Berechnung erlaubt uns nun, manchen solchen Späßen eine Glaubhaftigkeitsbewertung zuzuschreiben. Wir sind weit davon entfernt, die wertvollen hergebrachten Bezeichnungen der Redewendungen zu verwerfen, und schlagen diesbezüglich nur eine Reihe von Zusammensetzungen vor. Es empfiehlt sich, einige dieser Figuren, die die Gelehrten untersucht haben, zu erwähnen. Kalligram: da werden durch Druckzeilen Zeichnungen gebildet -etwa die Gestalt einer Flasche für einen Text, der den Wein besingt [307]. Lauter Peregrinismus [351]: “Bravo ihr habt die Pille gut swallgeschluckt”. Diaphora [317]-[570]: «Le cœur a ses raisons, que la raison ne connaît point…» (Das Herz hat seine Gründe [raisons], die der Verstand [raison] nicht kennt.) Antanaclasis [294]: “-Glorreich kann er nicht sterben. -Und doch wird er sterben”. Echolalie [318]: “Kommt-sie, sie?” Rückblende [362]: “Im Rathaus war es warm. Es war im Rathaus warm”. Stabreim [291]: “Der Reisende freute sich riesig über die Reise". Battologie [300]: “Er will meine Stelle haben, aber er bekommt meine Stelle nicht”. Epiphor [327]: “Sie sind ein grober Kerl junger Mann. Das geht zu weit junger Mann”. Verdreifachung [374]: “Bis, Bis, Bismarck”. Wiederbeuteln [361]: “In Stetten war es kalt, kalt, kalt, kalt, kalt”. Echo [319]: “Borschtsch hat uns Boris zubereitet”. Wohlklang [331]: “Kranke Krähen krächzen”. Wörterbrei [375]-[376]: “Ich war in Berlin, Lindenberg ist schön, Schönbrunn auch, Aurich hat Wein, Wein führt Menschen zusammen, Samen sind gekeimt”. Antipleonasmus [315]: “Mitten unter den Kunden gekündigt werden”. Anaphora [293]: “Dem Sande gleich, den Sternen gleich”. Antiepiphor: Wiederholung eines Verses am Ende jeder Strophe [295]. Wenn mit der Stellung des Wortes unzweideutig gespielt wird, haben wir eine Unterstreichung [364]: “Wie sie heute Abend echt blendend -jawohl- aufgetreten ist!” Einpassung [323]: “Es schmerzt ihr in ihrer Überschwänglichkeit, das Zimmer zu hüten”. Tmesis [373]: “Denk an mich, was und wie auch wichtig dein Auftrag sein mag”. Empfinden [371]: “Ja, hart, stundenlang, das graue -trockene- Erdreich umgraben”. Beisatz [298]-[569]: «Kleopatras Nase, wäre sie kürzer gewesen, so hätte das Antlitz der Welt anders ausgesehen.» Der Zeilensprung geht umgekehrt vor [324]-[458]: «Ist er es schon? Es kommt wohl von der geheimen
Treppe.» Die Kombination wirkt in folgenden Satzfiguren: syntaktische Störung [303]“Pass hin neben und Bürgermeister den stelle auf richtig dich”. Vertauschung [353]: “Köngsberig beuchsen”. Schüttelreim [314]“Beim Mahle rief der Kaiser laut: ich bitte, dass man leiser kaut”. Wechselschritt [309]: “Ein Hundeviertel und ein Elendsleben”. Streichung und Hinzufügung zählen auch in folgenden Verfahren: Haplographie [330]“Ihre Feindlichkeit berührt mich mehr, als ich sagen kann”. Buchstabieren [325]: “Hallo, ist das Marie…Nein Maria mit a”. Grammatische Syllepsis [367]: “Alle Welt sind gegen mich”. Stellvertretung [365]: “Auf dem Liechtenstein stand folgende Grabinschrift: "Ewige Ruhe"”. Vorsätzliches Anakoluth [292]: “Wenn Leute einen Roman lesen, hat er im Gegensatz zum Theater keine Eile”. Bustrophedon [301]: “Johann Wolfgang nov ehteoG”. Ende am Anfang [372]: “Ihre verlorene Brieftasche ärgert sie”. Vorsätzlicher Solezismus [363]: “Wir war überrascht”. Synkope [369]: “Hatt’n wir es euch doch angekündigt”. Krasis [316]: “Es ist für gnäd’ge Gudrun”. Lexikalische Störung [302]: “Treitz sänar Medogkit fyrd Harkölis kuinon Schluf”. Schroffe Symbolisierung [368]: “PI die große Berechnung”. Epenthese [326]: “Mein Hund bellt jedes Mal wenne es klingelt”. Prothese [359]: “Gesamtgemeinde”. Forcierte Interpunktion [358]: “So ist es also!!??? Es lebe der Fortschritt!” Kakophonie [305]: “O Autor Kopf hoch!” Übertriebene Bindung [342]: “Ich magg ggulasch”. Piktogramm [355]: “Die Mittags☼nne”. Das Strahlen, das der Einfluss ist, den der gesamte Zusammenhang auf einem Wort ausübt, erfordert anscheinend entweder zu viel Raum oder zu viel Zeit, um eine gute Einfügung zu sein [337]. Auf ähnliche Weise passen die mehrdeutigen Wendungen, in denen es an fester materieller Verankerung mangelt, nicht: [366]: “Mit sieben Jahren eine Flasche Bier allein zu trinken, macht einen ganz duhn”.

§405
· Falte
Theorie

In einer Scholle werden die internen Schichten der Sprache “Falten” genannt. Um darüber eindeutige Erklärungen geben zu können, müssen wir die Wörter auf der einen Seite und die Töne oder Buchstaben auf der anderen Seite unterscheiden, und so Ausdrücke wie “das i” beiseitelassen. Erklärungen können nun folgen. Wir schlagen vor, dass im Denken drei Ebenen (b-), (m-), (h-) entgegengesetzt werden. Erstens entspricht die niedere Falte (b-) einer Leere, einer Pause, dem Zeichen eines Bruchsteins, einem außersprachlichen Klang, einer Zeichnung, einer Lautmalerei, einer materiellen Unterstreichung, einem verformten Buchstaben, oder einer verformten Type, einer beliebigen Variante im Akzent, Tonfall oder Klangfarbe, einem unüblichen Zeichen, einem zusammenhanglosen Symbol, oder letztendlich einem Konsonanten. Führen wir als Beispiel die Wegnahme des “g” in “Inenieur” an. Zweitens entspricht die mittlere Falte (m-) dem Vokal, der agglutinierenden Schrift oder Sprachweise, und der Silbe, die kein Wort darstellt. Drittens deckt die obere Falte (h-) inklusive alles, was zwischen Wort und Satz liegt.

Methode

“Die größten Künstler sind die Vorschreiter des allgemeinen Geschmacks” bezieht sich auf die obere Falte, da "Läufer" durch “Schreiter” ersetzt worden ist.

Anwendung auf Baudelaire

Baudelaire wurde oft als Vorläufer lockererer Sitten betrachtet, aber eine solche Bewertung bedarf einer eingehenderen Untersuchung. Jeder Vorläufer bewegt sich in einer dünnen Schicht der Bevölkerung, in der empfindliche Ideen unter den Beteiligten ausgetauscht werden, und die entscheidenden Fortschritte sind noch im Werden begriffen. Dies widerspricht keineswegs Rousseaus Vorstellung über die notwendige gesellschaftliche Grundlage eines jeden politischen Systems. Diese Vorstellung erscheint auch als Vorstufe der auf die Gesellschaft angewandten Statistik [879]: «Das Volk bildet die Menschheit, und was nicht des Volkes ist, ist so unbedeutend, dass es im Kalkül nicht zählt.» Erst nach Auftreten einer historischen Erfindung entsteht im Volk wegen ihrer Wahrheit ein echter Wirbel, und dann stimmen breite Bevölkerungsschichten der Neuheit zu. Zuvor bilden die Anhänger der im Werden begriffenen Ideen eine Gruppe, die sich der bestehenden Moral fügt. Ein aus dem bestehenden Kreis ausgestoßener Schriftsteller gründet einen neuen Kreis, der zum Gegner des früheren wird. Dann heißt es, der Neuankömmling scheine mit seiner früheren Umwelt zu brechen, und doch gibt es aus weiterer Sicht Hunderte von ähnlichen zugleich Ausgestoßenen und Gründern. Somit gesellt sich der scheinbare Anführer zu einer Schar von Gleichgesinnten, die dem Historiker als Vertreter aufrührerischer Bewegungen in ähnlichen Gesellschaften ihrer Zeit erscheinen. Der Beobachter eines Ereignisses in einem bescheidenen Rahmen kann oft nicht begreifen, dass dasselbe Ereignis in einem erweiterten Rahmen gewöhnlich scheint. Was dem Beobachter in einer dünnen Schicht von Tatsachen Unordnung zu stiften scheint, gehört zur Regel, wenn eine vollständigere Reihe von Beobachtungen hinzugefügt wird. Da vor der entscheidenden Initiative nur verworrene Ideen in einem engen Rahmen bestehen, geht die richtige Intuition durch schrittweise Änderungen zwangsweise von diesen bescheidenen Anfängen aus. Als die Gedichtsammlung "die Blumen des Bösen" erschien, hatte die Entwicklung der Sitten einen Boden erschaffen, der einen Hang zu einer in der Kunst großartigen, provozierenden Sinnlichkeit begünstigte. Unter den zahlreichen Schriftstellern, um welche 1857 literarische Leidenschaften entstanden, ist es interessant, auf Omar Khayyam, einen persischen Autor aus dem 11. Jahrhundert, hinzuweisen, von dem einige Gedichte an Baudelaire erinnern [428]: «Wer Himmel und Erde schuf,
Schenkte den unglücklichen Herzen Schmerz ein!
Moschusfarbenes Haar und rubinrote Lippen:
Wie viele wurden in seinem staubigen Inneren begraben!»

§406
· Langhölzer und Verbundstoffe
Theorie

Werden Falte und Flechte kombiniert, so haben wir das Langholz, was dem Zugang zu den Ripsen erleichtert. Ausgehend von mehreren Wendungen mit gleicher Glaubhaftigkeit für eine einzige konkrete Stelle, entsteht ein Verbundstoff, den wir mit dem Zeichen (/-¦¦¦¦-/) aussondern. Manchmal kommt der Verbundstoff von mehreren unterschiedlichen Langhölzern, wie wir es im Ausdruck “…in dieser eisigen Kälte schrumpmumte man sich zusammen…” sehen können. Hierzu genügte es, zwei Wörter zu zerteilen und teilweise zusammen zu holen, was drei Güssen entspricht. Unsere Glaubhaftigkeitsbewertung zieht an dieser Stelle darauf ab, zugleich die Ripse und Verbundstoffe zu untersuchen.

Methode

Die fünf Flechten -Reifung, Guss, Gaukelei, Stapel und Abbindung- gliedern sich mit den drei Falten -niedere, mittlere und obere-, was ((5)(3))=15 Lanhölzer ergibt. So werden die Lanhölzer erwähnt: I (a-b-); II (a-m-); III (a-h-); IV (f- b-); V (f-m-); VI (f-h-); VII (j-b-); VIII (j-m-); IX (j-h-); X (t-b-); XI (t-m-); XII (t-h-); XIII (r-b-); XIV (r-m-); XV (r- h-).

Anwendung auf Baudelaire

Mit Hilfe der Rändel schreiben wir (F-au "Lion d'Or"/-¦¦¦¦-/S-au lit on dort) (F-zum "Goldenen Löwen"/-/-/S-im Bett wird geschlafen), da «au "Lion d'Or"» (Zum Goldenen Löwen) auf Französisch wie “au lit on dort” (im Bett wird geschlafen) klingt. Manche behaupten, dass dieses Wortspiel in „Manon Lescaut“ von Abt Prévost vorhanden sei [811]: «J'arrivais de Londres à Calais, avec le marquis de…, mon élève. Nous logeâmes, si je m'en souviens bien, au "Lion d'Or"…» (Mit meinem Schüler Markgraf von… kam ich von London in Calais an. Wenn ich mich richtig erinnere, wohnten wir im "Goldenen Löwen"…) Wie die Krankheiten stört der Schlaf das Denken genug, um allerlei unwillkürliche Änderungen von Wörtern zu begünstigen. Wenn er wieder zu sich kommt, kann sich der Dichter gelegentlich dieser reichlichen Materie bedienen. Frühere Vorstellungen können dem Verstand dann zu Hilfe kommen, wie die Vorstellung eines "Tempel-Wohnsitzes". Die Genossen des Odysseus fanden im Hause einer Zauberin Zuflucht [453]: «Ziehen wir zuerst unseren Kahn an Land. Legen wir unsere Takelung und unsere Habseligkeiten in den Höhlen ab. Dann kommt alle zur Kirke und seht in ihrem Tempel unsere Gefährten wieder, die in Mengen schmausen.»

§407
· Niedere Reifung
Theorie

Das Langholz (a-b-) niederer Reifung beraubt den Text oder dessen Anhängsel eines beliebigen sprachlichen oder außersprachlichen Elements, vorausgesetzt dasselbe ist weder Vokal noch Silbe -so zum Beispiel in “…dieser Ranke hat noch Schmerzen”.

Methode

Mit der Stimme kann man Tiere nachahmen, und diese Art Leistung gehört in die niedere Falte, da wir bemüht sind, eine vorsprachliche Ebene zu erreichen.

Anwendung auf Baudelaire

Über seine Katze bemerkt der Dichter [[1016]] in Index II (Gedichte)">[[1016]]: «Miaut sie, so hört man sie kaum,

So zart und bescheiden ist ihre Klangfarbe.
So leise oder laut ihre Stimme auch sein mag,
Klingt sie immer sanft und tief.

Die Stimme, die in meinem finstersten Inneren
Perlt und durchsickert, erfüllt mich
Wie ein vielfach betonter Vers…» In Paris beschränken sich die natürlichen Kräfte, die mit Vertraulichkeit den Menschen beobachten, auf die Haustiere [[1020]] in Index II (Gedichte)">[[1020]]: «Die heißen Verliebten und die strengen Gelehrten
Lieben alle auf dem Höhepunkt ihres Lebens
Die kräftigen und zugleich sanften Katzen, die der Stolz des Hauses sind,
Und die ihnen ähnlich zu sein scheinen, da sie wie sie gern häuslich sind und am Kamin bleiben.»

§408
· Mittlere Reifung
Theorie

Die mittlere Reifung (a-m-) setzt die Streichung eines Vokals oder einer Silbe voraus, solange sie kein Wort darstellt. So zum Beispiel “…Symbolen, die ihn mit vertrau Blicken betrachten…”

Methode

Halten wir uns am Schuppen, so sind die Gestalten (a-b-) und (a-m-) in “sie haben ihre Schuhe gezogen” nicht betroffen, weil eine Partikel im Ausdruck fehlt. Dieses Kunststück ist keineswegs überraschend, da es kindische Späßchen gibt, in denen Zusätze den Sinn völlig ändern: “Gegensätze ziehen sich an…und aus”.

Anwendung auf Baudelaire

Der Dichter ist auch an Gegensätzen interessiert [[1147]] in Index II (Gedichte)">[[1147]]: «Oft kommt im roten Schimmer einer Straßenlaterne ein Lumpensammler
Und nickt neben der vom Wind im Schutzglas gepeitschten Flamme mit dem Kopf.
Inmitten der alten Vorstadt, mit ihren engen, krummen, schlammigen Gassen
Stolpert der Mann und stößt sich wie ein Poet an die Wand.

Als Teil der Menschheit, die in stürmischen Fermenten wimmelt,
Schüttet er sein Herz in ruhmreichen Unternehmungen aus,
Ohne sich um die Spitzel zu kümmern,
Die er für seine Untertanen hält.

Er leistet einen Eid und einen anderen,
Diktiert erhabene Gesetze, um die Bösen zu schlagen und die Opfer zu beherzigen.
Unter dem Himmelsgewölbe, das einem Baldachin ähnlich gespannt ist,
Berauscht er sich im Glanz seiner eigenen Tugend.

Ja, diese von häuslichen Sorgen geplagten Leute
Kehren von ihrem Zechgelage mit dem Fassgeruch heim.
Mürbe von der Arbeit und vom Alter bedroht,
Mit durch die schrecklichen Lumpen ihrer Lasten gequälten Rücken,

Sind sie selbst ein Symbol für das Erbrochene in der reichen Großstadt Paris.
Sie bilden sich ein, von alten auf den Schlachtfeldern ergrauten Kameraden gefolgt zu werden,
Deren Schnurrbart wie eine alte Fahne hängt.
Banner, Blumen und Triumphbogen ragen

In einem feierlichen Zauber vor ihnen empor!
Im ohrenbetäubenden und leuchtenden Gelage
Das durch den Sonnenschein, das Geschrei und das Getrommel entsteht,
Glauben sie, dass sie dem liebeshungrigen Volk den Ruhm bringen.

So rollt der Wein wie der goldführende Fluss Paktolos des Königs Krösus
Durch die leichtfertige Menschheit hindurch…»

§409
· Obere Reifung
Theorie

Die obere Reifung (a-h-) setzt die Streichung eines Wortes -oder mehrerer Wörter- voraus. Damit der Rips zu etwas führt, ist eine Kenntnis des Originalausdrucks notwendig. Umgekehrt erfordert die genaue Untersuchung dieselbe Vorkenntnis. Eine echte Deutung von “Sie verlangen Brot: sie sollen…bekommen” setzt voraus, dass man sich des geschichtlichen Zusammenhangs um die ehemalige Königin von Frankreich österreichischer Abstammung bewusst ist. Der für die hungernde Bevölkerung von Paris beleidigende Satz wurde ihr in den Mund gesetzt, denn sie bildete sich vermeintlich ein, dass die neu erlangte Macht das Volk dazu trieb, den Kuchen seiner Herren zu begehren [312]-[873].

Methode

Es ist auch möglich, etwas anzudeuten, indem man ein unterbrochenes Wort in schleppendem Ton spricht. Das Verfahren zielt darauf hin, den Zuhörern den Eindruck zu geben, dass sie den Satz in Gedanken selbst zu Ende führen können: “Die Monarchie stützt sich auf die Vorstellung eines Staatsmannes, der bei großer Gefahr im Handumdrehen entsch…” Saussure zeigt auch, wie man aus der Ähnlichkeit zwischen den Wörtern Nutzen ziehen kann [902]-[903]: «vor einem französischen Revolutionsgerichtshof wird eine Frau gefragt, ob sie nicht vor Zeugen ausgesagt hat, dass ein König nötig sei. Sie antwortet, “dass sie nicht den "König" (roi) wie Capet oder einen anderen meinte, sondern ein "Spinnrad" (rouet) gemeint hätte.”»

Anwendung auf Baudelaire

In den Gymnasien wurde die Französische Revolution verabscheut, und der Dichter war in dieser Tradition aufgewachsen, wie einige seiner Bemerkungen es zeigen [704]: «Affen sind die Republikaner in der Kunst, und der heutige Zustand der Malerei ist das Ergebnis einer anarchischen Freiheit, die den Einzelnen, so schwach er auch sein mag, verherrlicht -auf Kosten der Vereine, das heißt der Schule.» Eine Aussage von Tocqueville rundet das Bild ab [959]: «Es sind Leute, die sich nicht davor scheuen, zu behaupten, dass ein Volk in den es betreffenden Angelegenheiten den Rahmen der Justiz und der Vernunft nicht völlig sprengen könnte. Daher könnte man der Mehrheit, die es vertritt, die ganze Macht bedenkenlos geben. Dabei handelt es sich um eine Rede von Sklaven.» Für den Philosophen war das somit angeprangerte Urteil ein «…gottloser, hässlicher…» Hintergrund [958].

§410
· Niederer Guss
Theorie

Der niedere Guss (f-b-) wirkt auf der konkreten, elementaren Ebene wie in der Wendung “Sie wurden über rascht”. Er ändert keineswegs die materielle Folge des Tumulus. Im Akrostichon wirkt das Langholz (f- b-) durch eine sorgfältige Wahl seiner Stützen. So wird der Anfangsbuchstabe eines jeden Verses mit allen anderen verbunden und ergibt links und senkrecht einen selbstständigen Satz. Werden in diesem Parallelsatz, der dem Gedicht auf ulkige Weise folgt, wenige Vokale in Anspruch genommen, so erlaubt der Schuppen einen niederen Guss, da im wesentlichen Konsonanten in Frage kommen. Sind mehr Vokale vorhanden, so haben wir einen mittleren Guss.

Methode

Betrachten wir zunächst folgenden Dialog von Molière [482]: «"Mir scheint aber Agnes, wenn ich mich recht erinnere,
Dass ich untersagt hatte, dass Sie jemanden sehen."
"Ja, aber als ich ihn gesehen habe, wissen Sie nicht warum,
Und Sie hätten sich wohl genauso wie ich verhalten."» Da der Dialog durch Hinzufügung von “es war” hinter «warum» wieder sinnvoll wird, können wir annehmen, dass der Autor eine Reifung vollbracht hat. Die unzähligen Wörterkombinationen erlauben einen gewissen Freiraum, um von gewöhnlichen Begriffen ausgehend eine vermeintliche Kodierung zu vermuten. Somit haben wir jedoch aus den Ripsen jeden kodierten Satz ausgeschlossen. Hätten wir die Kodierung untersucht, dann hätten wir nicht mehr mit Phantasiewerken, sondern mit wissenschaftlichen Beiträgen zu tun. Der übertriebene Ausleger ist bald versucht, in der maßlosen Fälle der Sprachklänge eine geheime Botschaft zu suchen. So führte Saussure ein Selbstgespräch, indem er einerseits seiner Neigung nachkam, in der antiken Dichtung verborgene Eigennamen zu suchen, und andererseits der Wahrscheinlichkeit preisgab, dass seine Suche auf keinem ernsthaften Grund beruhe [940]«"Einwand": Der Zufall kann in drei Zeilen alles verwirklichen. "Antwort": Falsch: Beweis dafür ist, dass die Hälfte der Anagramme, die wir begründen wollen, oft sechs Zeilen -oder mehr- erfordern. "Entgegnung": Wenn Sie sich länger als drei Zeilen erlauben, häufen sich die Wahrscheinlichkeiten so, dass alles möglich wird.»

Anwendung auf Baudelaire

Es wurde versucht „Entsprechungen“ als eine Botschaft aus numerischen Angaben zu deuten, obwohl in dieser Beziehung nichts Überzeugendes zum Vorschein kommt: «Entsprechungen», «Säulen», «Worte», «Wälder», “Symbole”, “Blicke”, «Echos», «Düfte», «Farben», «Töne», “Häute”, “Kinder”, «Oboen», «Auen», «Dinge» und «Taumel». Im sechsten Vers wird das Wort «Einheit» angedeutet. Es gibt eine Anzahl einzelner Gegenstände: «Natur», «Tempel», «Mensch», «Nacht», «Licht», «Ausdehnung», «Amber», «Moschus», «Benzoe», «Weihrauch» und “Geist”. Das Wort «Duft» kommt zweimal vor. Sonst sind drei Wortpaare zu verzeichnen: erstens «finsteren» und «tiefen», zweitens «Nacht» und «Licht», drittens “Geist” und “Sinne”. Es gibt zwei Triaden: erstens «Düfte, Farben und Töne», zweitens «frisch», «sanft» und «grün». Der Dichter erwähnt vier Düfte: «Amber, Moschus, Benzoe und Weihrauch». «Wie» und «wie» kommen insgesamt sieben Mal vor. Es bleibt unklar, ob «Düfte», «Haut», “Kinder”, «Oboen» und «Auen» zusammen oder getrennt betrachtet werden sollen. Zusammenfassend haben wir keinen Grund, in diesem Durcheinander Numerologie Gehör zu schenken.

§411
· Mittlerer Guss
Theorie

Der mittlere Guss (f-m-) bezieht sich nur auf die Verschmelzungen und hält sich an der Anordnung im Tumulus, wie im Ausdruck “er hat vielverloren”.

Methode

Es ist vergeblich, in jeder Schrift eine Wendung zu suchen, und es führt nur dazu, seine eigenen in einem historischen Urteil mit der flüchtigen Erregung verbundenen Vorurteile an den Tag zu legen. Die Sterndeutung hatte La Fontaine bereits folgendermaßen beurteilt [484]: «Schwindler, Horoskopbetrüger,
Verschwindet von den Höfen Europas…»

Anwendung auf Baudelaire

Auch ein sorgfältig verfasster Text bietet einem unvernünftigen Kommentar eine Angriffsfläche, und es ist weiter nicht verwunderlich, dass Baudelaires Gedicht trotz seines klassischen Aufbaus dieser Art Schwärmerei zum Opfer gefallen ist. Als Alexandriner haben die Verse 12 ausgesprochene Silben und stützen sich traditionsgemäß auf die innere Symmetrie 6-6, da sie durch die Zäsur in Halbversen unterteilt sind. Das Sonett in Verse (4+4+3+3=14) umfasst vier Strophen mit zwei Vierzeilern und zwei Dreizeilern. Vier Verse enthalten Felder, drei 9, zwei 8, zwei 7, drei 6, und der Titel besteht aus einem einzigen Wort. Unter den Feldern ergeben 8 keine vollständige Silbe: “L', l', d', d', l', l', l', l'”. Felder besitzen eine ausgesprochenen Silbe: “La, est, un, temple, où, de, de, homme, y, passe, à, de, de, Qui, des, de, longs, qui, de, loin, se, Dans, et, la, nuit, et, la, Les, les, et, les, sons, se, Il, est, des, frais, des, chairs, Doux, les, verts, les, Et, et, des, le, musc, le, et, Qui, les, de, et, des und sens”. Es gibt außerdem Felder mit zwei Silben von metrischem Wert: “Nature, vivants, piliers, Laissent, parfois, sortir, paroles, travers, forêts, symboles, avec, regards, Comme, échos, confondent, une, profonde, Vaste, comme, comme, clarté, parfums, couleurs, répondent, parfums, comme, enfants, comme, hautbois, comme, prairies, autres, riches, Ayant, choses, Comme, ambre, benjoin, encens, chantent, transports, esprit”. Es sind Felder für drei klingenden Silben: “confuses, observent, familiers, ténébreuse, unité, corrompus, triomphants, infinies”. Zwei Felder haben Silben mit mündlichem Wert: “Correspondances, expansion”. Ohne den Titel haben wir Felder mit zusammen (8(0))=0; (56(1))=56; (42(2))=84; (8(3))=24; (1(4))=4 Silben. Die Gesamtzahl an Silben in den Versen beträgt 0+56+84+24+4=168, was für jeden der Verse wie erwartet Silben ergibt: (12(14))=168. Der französische Titel «Correspondances» -mit dem Sinn “Entsprechungen”- zählt Buchstaben, und hätte der Dichter auf geheime Entsprechungen Wert gelegt, dann hätte er nur einen Buchstaben aus dem Titel zu streichen gebraucht, was “Correspondance” ergeben hätte -mit dem Sinn “Entsprechung”-, um dem Gedicht mit Versen einen Titel mit Buchstaben zuzusprechen. Trotz aller unserer Erklärungen wissen wir wohl, dass es einen Schwärmer nicht daran hindern wird, eine vermeintlich geheime Deutung zu ersinnen. Wir können auch dem gelegentlich aberglaubischen Ausleger zutrauen, von den möglichen Kombinationen der vorhandenen Buchstaben ausgehend einen wunderbaren Schlüssel zu erfinden.

§412
· Oberer Guss
Theorie

Der obere Guss (f-h-) wirkt auf Wortebene. So entsteht etwa “Die Mutter nimmt große Sorgfalt ihres Peterholtesicheinenperserkater”. Obwohl die Trennungen zwischen den Wörtern entsprechend der Regel vorsätzlich ausgelassen wurden, bleibt der Verbundstoff “Peterholtesicheinenperserkater” verständlich.

Methode

Im Beispiel “anweiwasser” in dem die obere Falte in Frage kommt, da wir einzelne Wörter -an, Weh, Weihwasser- zusammen geschrieben haben, spielt der Schuppen seine Rolle. Im Satz “…der Lumpensammler zahlte seine Schuld in Ratten ab…” “Rat(t)en” wird mit einem oder zwei “T” gespielt. Da die verschiedenen Idiome ihre Wörter unterschiedlich bilden, kann man nicht erwarten, im Einzelnen dieselben Wendungen wiederzufinden.

Anwendung auf Baudelaire

Die anfängliche Entsprechung wurde unterbrochen [105]: «Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Als sie nun nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! -und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. Da fuhr der Herr hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der Herr sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe!» Es wurde nötig, zwischen den einzelnen Nationen Brücken zu schlagen, um sie zum Christentum zu bekehren [152]: «Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.»

§413
· Niedere Gaukelei
Theorie

Die niedere Gaukelei (j-b-) versetzt Buchstaben oder Laute, ohne an den Vokalen zu rühren, wie im folgenden Beispiel: “wir haben versucht, die Oberin derart zu rühlen, dass sie auf die erwogene Strafe verzichte”.

Methode

“Er ist auf die Staße gekommen…” wird noch als Reifung betrachtet, während “…er ist auf die Strafe gekommen…” als Gaukelei zählt, da “ß” durch “F” ersetzt wurde.

Anwendung auf Baudelaire

Subjektiv ist die Versuchung stark, dem Spiel mit den Klängen in den Ripsen eine breite Deutung zu geben, was dem Glauben eines jeden Menschen breiten Raum lässt. Es ergeht sich wie in der Auslegung von Gemälden. Einer bildet sich im Kleid der Mona Lisa einen Raubvogel ein, während ein anderer im Bereich des linken Armes nur eine Knitterfalte sieht [195]. Es handelt sich möglicherweise nur um eine Markierung eines Malers, der vor allem darauf bedacht ist, dass seine Gemälde mit denen anderer Künstler nicht verwechselt werden. Aber der Ausdeuter muss darauf aufpassen, dass seine eigenen Phantasien nicht für objektive Eigenschaften des Gemäldes gehalten werden. In der Dichtung sind manche Bebilderungen von der Subjektivität der Kritiker bedroht. Nach Pierre Marillaud deutete der Ausdruck «la dame de pique» (die Pik Dame), der in einem Gedicht vorkommt, eine Umschreibung für “la dame d'Aupick” (Frau Aupick) an, da der Stiefvater des Dichters diesen Namen führte [521]-[[1121]] in Index II (Gedichte)">[[1121]]. Wie die Malerei sich nicht mit solcherlei Spielen begnügt, kann die Dichtung manche ähnliche Späße aufnehmen, aber sie hat außerdem eine höhere Tragweite [[1005]] in Index II (Gedichte)">[[1005]]: «Als der Dichter durch Beschluss der oberen Mächte
Auf dieser langweiligen Welt erscheint,
Lässt seine entsetzte Mutter Gotteslästerungen los
Und ballt ihre Fäuste gen Himmel, der sie bemitleidet…

Jedoch berauscht sich das enterbte Kind
In der unsichtbaren Obhut eines Engels mit Sonnenschein.
In all dem, was er trinkt oder isst,
Findet er zur Ambrosia und zum purpurnen Nektar zurück.

Er spielt mit dem Wind, er spricht mit den Wolken
Und berauscht sich singend am Weg Christi nach Golgatha.
Der Geist, der ihm in seiner heiligen Wanderung folgt,
Weint vor Freude, als er ihn wie einen Waldvogel fidel sieht.»

§414
· Mittlere Gaukelei
Theorie

Die mittlere Gaukelei (j-m-) bezieht sich auf einen Vokal oder eine Silbe, vorausgesetzt, dass ein solches Element nicht genügt, um ein ganzes selbstständiges Wort unmittelbar darzustellen. Durch die Vertauschung wird die gegebene Klangordnung im Tumulus verändert. So rechtfertigt das Beispiel “er wurde vom elbarnen Geschwätz in der Kneipe angezogen” das Schema (F-elbarn-¦¦¦¦-S-albern).

Methode

Es ist auch möglich, mit fehlenden Elementen zu spekulieren: “Ja, gewuss!” Wir können uns auch auf die Schreibweise stützen: “dreH ma lam herD” kann zum Beispiel in beiden Richtungen gelesen werden: (F- dreH ma lam herD-¦¦¦¦-Dreh mal am Herd). Dieses Verfahren beruht auf einem Bereich, der an der Grenze zur Musik in der Sprache liegt, ohne die mit der Verslehre verbundenen Fragen anzuschneiden.

Anwendung auf Baudelaire

Die Grundlagen des Ripses sind so einfach, dass manche Schriftsteller sie schon lange erforscht haben, aber oft nur, um Späße daraus zu machen. In der Literatur wie in der Malerei führt die Verfeinerung in der Technik oft zu keinem nennenswerten Ergebnis. Baudelaire warnte schon seine Zeitgenossen [715]: «Wer die Weltausstellung in der Hoffnung besuchen möchte, dort für Italien die Nachkommen von Vinci, Raffael und Michelangelo, für Deutschland diejenigen von Albrecht Dürer, für Spanien diejenigen von Zurbaran und Velasquez zu finden, wäre unnötig bitter enttäuscht. Mir fehlt es an Zeit und möglicherweise an Wissen, um nach den Gesetzen zu forschen, die von einem Land zum anderen die künstlerische Lebenskraft versetzen. Ich weiß auch nicht, weshalb Gott die Nationen manchmal zeitweilig, manchmal für immer dieser Lebenskräfte entblößt, und begnüge mich damit, eine in der Geschichte immer wiederkehrende Tatsache festzustellen. Wir leben in einem Zeitalter, in dem es sich ziemt, manche Schablone zu wiederholen -einem dünkelhaften Zeitalter, das sich jenseits der Missgeschicke Roms oder Griechenlands fühlt.»

§415
· Obere Gaukelei
Theorie

Die obere Gaukelei (j-h-) vertauscht die Wörter: “Johann Wolfgang von Schiller und Friedrich Goethe” oder “der heldenhafte Waffenrock des blauen Soldaten”. Indem man den Akzent auf einen starken Kontrast setzt, schreibt man zum Beispiel: “in seinem Wäldchen ernährte er sich von Kaninchen und √”.

Methode

Viele Künstler betrachteten solche Späße als hinderlich auf dem Weg zu den wichtigsten Bedeutungen ihrer Zeit, oder sie fürchteten, für Possenreißer gehalten zu werden.

Anwendung auf Baudelaire

In seinen besseren Texten sucht Baudelaire, selbst wenn er die künstlerischen Verbrecherthemen behandelt, hinter dem Schein nach dem rettenden Funken [[1092]] in Index II (Gedichte)">[[1092]]: «Kämpferzorn, draufgängischer Faun,
Der du es verstandst, die Schönheit der Grobiane zu fassen,
Puget, vor Hochmut strotzendes Herz, kränklicher, gelber Mann,
Trübsinniger Anführer der Galeerensträftlinge…» Balzac stellte sich folgendes Gespräch vor und schrieb [66]: «Es sind die Nachkommen Kains und diejenigen Abels, wie Sie einmal bemerkten. Im großen Drama der Menschheit verkörpert Kain den Widerspruchsgeist. Sie stehen in Adams Nachfolge genauer gesagt in derjenigen, in der der Teufel weiter Feuer speit, wie er es mit Eva angefangen hatte. Unter den Dämonen dieser Abstammung finden sich zuweilen schreckliche, üppige Elemente, deren maßlose Kräfte der Inbegriff menschlicher Macht sind. Sie sind jenen fieberhaften Tieren der Wüste ähnlich, deren Dasein die unendlichen Weiten dieser Gegenden benötigt.» Napoleon bildete sich ein, dass sein Vorname eigentlich «Löwe der Wüste» bedeute [497]. Baudelaire blickt auch auf die ferne Vergangenheit zurück [[988]] in Index II (Gedichte)">[[988]]: «Geschlecht Kains fahr gen Himmel
Und wirf Gott auf die Erde zurück!» Heine verallgemeinert die Betrachtungen zur Macht, um die Trennung zwischen Gut und Böse zu überwinden [429]: «Für junge Riesen, wie Menzel sagt, giebt es keine Fechtkunst, denn sie schlagen ja doch alle Paraden durch.»

§416
· Niederer Stapel
Theorie

Der niedrige Stapel (t-b-) bringt eine Hinzufügung ohne Ersatz. Er bezieht sich auf das Zeichen eines Bruchsteins, einen Laut, einen Konsonanten, ein seltenes Zeichen, oder einen Elementarlaut. Die Ergänzung mag nur als Zierde dienen: “Hat sie in ihrem überbürderten Leben einen freien Augenblick für uns?” Auf ähnliche Weise ist an einer außergewöhnlichen Wendung mit “…der Sturm brachte unaufhörlich viel * und Geschrei…” kein Zweifel. In diesem Bereich lassen sich Lautmalereien leicht anwenden: “Sie ist weg -bum!” Dieser in den Satz eingeschobene Laut bringt oft beim Leser ein Lächeln hervor, insbesondere wenn er dahinter einen leicht verborgenen Sinn suchen soll, was ihm das zusätzliche Vergnügen gibt, ein Rätsel zu raten.

Anwendung auf Baudelaire

In „Entsprechungen“ deutet der Gedankenstrich im elften Vers möglicherweise auf eine Umkehr des allgemeinen Sinnes des Gedichts, zumal das gerollte doppelte "R" in «corrompus» (verdorben) drohend ausgesprochen werden mag. Eine ähnliche Umkehr von Gut zu Böse ist im Gemälde „Judith“ von Bronzino zu betrachten. Oben ist das frische Gesicht der Heldin, während in der unteren Hälfte das abgeschlagene Haupt des Holoferns dargestellt ist. Mit dem Beispiel des Ästheten, der sich daran ergötzt, den augenscheinlichsten Sinn umzukehren, ist Musset vorangegangen [141]-[546]: «…Wer kann aber diese betrügerische Judith vergessen,
Und in der blassen Hand einer hinterhältigen Buhlerin
Den Kopf, den Allori sterbend hängen ließ?»

Methode

Wie es in der Wissenschaft üblich ist, wird das Wesentliche sofort durch einem sorgfältigen Kommentar begleitet, was zur Genüge zeigt, wie unterschiedliche Kulturgebiete miteinander verwandt sind. Desanti hat die Trennung zwischen den verschiedenen Aufgaben des Wissens unterstrichen [264]: «Jedes Bewusstsein eines Gegenstands verweist auf die Folge der Handlungen und derer Beweggründe, die die Einheit des Gegenstands in seinem eigenen Feld wahrt…» Daher ziemt es sich, den zu den verschiedenen Gesichtspunkten passenden Sinn und insbesondere die Möglichkeit einer einheitlichen Perspektive zu überprüfen [265]: «So kommt in nächster Nähe der betreffenden Gegenstände eine Hinterrede zustande…»

§417
· Mittlerer Stapel
Theorie

Mit dem mittleren Stapel (t-m-) wird an einer bestimmten Stelle ein Vokal oder eine Silbe hinzugefügt, vorausgesetzt jenes Element reicht nicht aus, um ein ganzes Wort zu bilden. Zum Beispiel: “Der Arzt ist mit seiner Gicht derart beschäftiegt, dass er sich um meinen Schnupfen nicht kümmern kann.”

Methode

Obwohl die beiden ersten Falten sich nicht auf das Wort als Ganzes beziehen, kreisen sie unweigerlich um das Wort herum, weil die sprachliche Kodierung in Gedanken nur anhand eines Bildes deutlich wird, in dem Augenblick wo ein Klang auf einen Gegenstand hindeutet.

Anwendung auf Baudelaire

Die «Wälder von Symbolen» bestehen auch in den unzähligen Gedankenverbindungen, die mit den geringsten Lauten oder Wörtchen verbunden sind. In diesem Zusammenhang hat Merleau-Ponty das Bild «…endloses Gewebe des Sprechens» geprägt [476]. Die Hindeutungen des Sprechens begleiten uns in einer langen Kette auf den Friedhof [[1029]] in Index II (Gedichte)">[[1029]]: «Ausschweifender Lebenswandel, wann werden mich deine schändlichen Arme begraben?
O Tod, der du mit deiner Anziehungskraft mit der Ausschweifung wetteiferst,
Wann wirst du kommen und deine dunklen Zypressen auf die abscheulichen Myrten der Venus pfropfen?» Venus gefällt das Opfer [[1014]] in Index II (Gedichte)">[[1014]]: «O Schönheit, die du mit deinen feurigen Augen,
Die wie Feiern glänzen, der harte Flegel der Seelen sein willst,
Komm und verbrenne diese Fleischfetzen, die von den Tieren erspart blieben.» Das zarte Rosa des Fleisches wird wegen dieses Ergebnisses oft verhasst und mit dem grellen Grün des wiederauflebenden Frühlings leicht gleichgestellt [637]: «Mich hat immer gedünkt, dass etwas Schamloses, Bedrückendes in der blühenden, erneuerten "Natur" stecke.»

§418
· Oberer Stapel
Theorie

Der durch (t-h-) kennzeichnete obere Stapel fügt ein ganzes Wort oder Symbol hinzu, das überflüssig zu sein scheint: “Sein vermeintlicher Entschluss, schrittweise vorzugehen -1, 2…13 usw.- zielt nur darauf hin, uns seine Nachlässigkeit in der Wahl des Endziels aus dem Sinn zu bringen.”

Methode

Da der Rips wie viele andere Wendungen auf dem Verhältnis zur gewöhnlichen Sprechweise beruht, müssen wir uns fragen, ob der Gegensatz zwischen den beiden Ebenen eher auf eine materielle und oberflächliche Sache beruht, oder ob der Verfasser vor allem an einen tieferen Sinn gedacht hat. Die Wendung “Sie haben Recht Schloss…” gibt den oberflächlichen Eindruck einer gewissen Willkür, was die Hinzufügung hervorhebt. Umgekehrt gibt die Wendung “…der Zauberer hob sein Glas auf…” den Eindruck, dass es sich nicht um einen Rips handelt, da klanglich nichts geändert wird, und dass nur mit dem Doppelsinn von "aufheben" abstrakt gespielt wird: "in die Höhe heben" und "verwahren". Da eine materielle Einfügung für den Rips absolut notwendig ist, führt jeder abstrakte Gegensatz zu nichts. Um eine Reihe von Gegenständen zu untersuchen, muss man sie von den anderen unterscheiden können. So gelang es Aristoteles Gedankenketten mit jeweils drei Sprüchen zu identifizieren [22¹]. Auf ähnliche Weise hat Linne eine Klassifizierung aller Lebewesen nach ihrer geschlechtlichen Fortpflanzung geschaffen, die für Mineralstoffe unmöglich ist [910]-[911]-[916].

Anwendung auf Baudelaire

Unabhängig von dem, was den Abstand einerseits und die Reihenfolge der Einfügungen andererseits betrifft, beschreiben wir die Ripse ausschließlich durch die -vage oder deutlich- vom Autor gewünschte Technik, um die Darlegung nicht undeutlich zu machen. Heine hat mit Nachdruck unterstrichen, wie schwer es ist, das Schöne, wie es der Künstler empfunden hat, zu deuten [429]: «Der große Irrthum besteht immer darin, daß der Kritiker die Frage aufwirft: Was soll der Künstler? Viel richtiger wäre die Frage: Was will der Künstler, oder gar: Was muß der Künstler? Die Frage: Was soll der Künstler? entstand durch jene Kunstphilosophen, die, ohne eigene Poesie, sich Merkmale der verschiedenen Kunstwerke abstrahierten, nach dem Vorhandenen eine Norm für alles Zukünftige feststellten, und Gattungen schieden, und Definitionen und Regeln ersannen. Sie wussten nicht, daß alle solche Abstraktionen nur allenfalls zur Beurteilung des Nachahmervolks nützlich sind, daß aber jeder Originalkünstler und gar jedes neue Kunstgenie nach seiner eigenen mitgebrachten Ästhetik beurteilt werden muß.»

§419
· Niedere Abbindung
Theorie

Die niedere Abbindung (r-b-) besteht aus einer einfachen Wiederholung eines Lauts, eines Gekritzels oder eines Konsonanten, wie im Ausdruck “das Dasein hat tausend Asspekte”.

Methode

In der Schreibung “…das Leben besitzzt hundert Seiten…” können wir zu Recht von einem Verbundstoff reden, denn es wäre lächerlich, jede Konsonantenverdoppelung “ZZ” getrennt zu behandeln. Auf ähnliche Weise werden wir “…die krranke Krrähe krrächzt…” auf einmal bewerten.

Anwendung auf Baudelaire

Eine besondere Sprechweise mag einer Ballung einen neuen Schwung geben: man kann zum Beispiel der Wendung “Die Nattur istt ein TTempel…” einen trommelnden militärischen Beiklang geben. In “…verdorrben, rreich und trriumphierend…” kommt eine Drohung eindeutig hervor. Wenden wir uns von der Dogmatisierung ab, so müssen wir annehmen, dass die hohe Kunst mit der klanglichen Nachahmung der Wirklichkeit verträglich ist. In Beethovens ¨Pastorale¨ ist das Donnern ein gutes Beispiel dafür. Wir werden jedoch davon absehen, „Entsprechungen“ eine allzu grobe Ungestalt zu geben, um diesem Gedicht nicht zu schaden. Die musikalischen Unterhaltungskünstler, die den eigentlichen Sinn der großen Kompositionen zu ulkigen Zwecken verunstaltet haben, konnten nicht verhindern, dass es seither schwierig ist, die entsprechenden Weisen voll zu genießen, ohne an ihre Interpretation zu denken.

§420
· Mittlere Abbindung
Theorie

Die mittlere Abbindung (r-m-) nimmt einen Vokal oder eine Silbe in Anspruch, der bzw. die kein Wort bilden kann. Diese Einfügung kommt in der Schreibung “…ein blutiger Siieg…” zum Vorschein.

Methode

Betrachten wir den bekannten französischen Ausdruck “redis-le moi-le” ("sag es mir noch einmal" und zugleich phonetisch "sag es mir in weichlichem Ton"). So wird die mittlere Ebene der Einfügungen verpasst, weil “moi” (mir) und “le” (es) einzelne Wörter sind [226].

Anwendung auf Baudelaire

Hinsichtlich des gemeinsamen Interesses für die Klänge der Literatur und der Musik muss ein Vergleich zwischen den beiden Künsten ins Einzelne gehen. Indem man mehrere Noten auf einmal spielt, kommt man zu einem Zusammenklang oder Wohlklang [880]-[882]. Die Melodie setzt eine variierende Folge von Noten voraus [883]. Was das Arpeggio betrifft, so stellt es eine Synthese oder ein Mittelding dar, denn der Tonwechsel ist so rasch, dass der Klang, der auf diese Weise entsteht, einig wirkt [881]. Der Wald von Klängen scheint auch einem Wandteppich ähnlich zu sein, in dem sich die Kette- und Schussfäden kreuzen, das heißt die senkrechten und die waagerechten Fäden schlingen umeinander. Plato stellte sich auch eine wohl regierte Stadt wegen der inneren Entsprechungen zwischen den Fäden einerseits und den Menschen andererseits wie ein Gewebe vor [755]. Laut Aristoteles macht ein Einzelner, der sich übermäßig hervortut, die Gemeinschaft zu Schanden [35]. Seinerseits behauptet Baudelaire, dass die Bewegungen oder die Schulen in der Kunst durch einen ähnlichen Mangel an Zusammengehörigkeit verfallen [704]: «Die Verherrlichung des Einzelnen machte eine endlose Spaltung der Bereiche der Kunst. Die uneingeschränkte, gegensätzliche Freiheit des Einzelnen, die Spaltung der Bemühungen und die Zersplitterung des menschlichen Willens haben diese Schwäche, diesen Zweifel und diese Einfallslosigkeit herbeigeführt. Einigen überragenden, leidenden Überspannten fällt es schwer, dieses von Mittelmäßigkeit wimmelnde Durcheinander auszugleichen.»

§421
· Obere Abbindung
Theorie

Die obere Abbindung (r-h-) erlaubt die Wiederholung eines Wortes oder eines Ausdrucks. Dies kann je nach Zusammenhang zur Verschwommenheit oder zum Lächerlichen führen.

Methode

Aischylos nützt das Verfahren, um die Befürchtungen auszudrücken [382]: «Ich erschrecke mich vor Gehorsam,
Ich erschrecke mich davor, offen zu sagen,
Was ich meinen Freunden verheimlichen sollte.» Laut Racine führt dieselbe Starrheit des Verstands zu einer Reihe von Gefühlsempfindungen [828]: «Ich sah ihn, ich errötete, ich wandte mich an den Anblick blass…»

Anwendung auf Baudelaire

Die Langeweile findet in der Wiederholung auch ihren Ausdruck [[1061]] in Index II (Gedichte)">[[1061]]: «Auf der Bühne eines mittelmäßigen Theaters,
Das ein lautes Orchester begeisterte,
Habe ich in einem verteufelten Himmel manchmal eine Fee gesehen,
Die ein wunderbares Morgenrot entfachte.
Auf der Bühne eines mittelmäßigen Theaters

Habe ich manchmal ein Wesen gesehen, das nur aus Licht, Gold und Gaze bestand
Und den ungeheuren Satan niederschlug.
Aber mein Herz, das nie in Verzückung gerät,
Ist ein Theater, in dem ich auf das Wesen mit den Flügeln aus Gaze
Ewig -ewig und vergeblich warte!» Es wäre viel Geduld erforderlich [[1027]] in Index II (Gedichte)">[[1027]]: «Ich beneide das Los der schändlichsten Tiere,
Die in einen blinden Schlaf verfallen,
So langsam die Schicksalsgöttinnen meinen Lebensfaden aus dem Durcheinander der Zeit abwickeln!»

§422
· Verknüpfungen
Theorie

Die Verknüpfung ist ein Merkposten, der für alle das Hindernis des Abstands zunichtemacht. Die erste Art der Verknüpfung sieht wie folgender Hinweis aus: “es war in den Absätzen 1 und 28 davon die Rede”. Die zweite Art der Verknüpfung fällt weniger auf, und wir bezeichnen sie als Härter. Sie beschränkt sich darauf, zwei Wörter oder Symbole zu verbinden und breitet sich nicht auf den unmittelbaren Zusammenhang aus. Der Autor macht keinen ausdrücklichen Verweis zwischen zwei Punkten, gestaltet aber die Wortfolge so, dass das Publikum nicht umhin kann, in Gedanken die Verbindung zwischen den beiden Punkten herzustellen.

Methode

In seiner Romanfolge „Auf die Suche nach der verlorenen Zeit“ fängt Marcel Proust mit «Lange Zeit bin ich früh zu Bett gegangen.» an, und schließt seine Marathonerzählung mit den Worten: «in der Zeit.» Es ist mehrfach aufgefallen, dass die Verbindung zwischen dem Wort «Zeit» am Anfang und dem Wort «Zeit» am Ende wirkt. Obwohl etwa dreitausend Seiten dazwischen liegen, kann die Kritik nicht umhin anzunehmen, dass der Schaffende seine Erzählung vorsätzlich mit dem Wort «Zeit» angefangen und abgeschlossen hat [812]-[813]-[814]-[815]. Wenn auch er an chronischer Kurzatmigkeit litt, war der tiefsinnige Ästhet wohlhabend genug, um seinen Stil in seiner ausgiebigen Freizeit zu feilen. So kann man zu Recht feststellen, dass zwischen «Lange Zeit» und «in der Zeit» ein Härter vorhanden ist.

Anwendung auf Baudelaire

Nach dieser Bemerkung können wir darauf verzichten, bei einem weiten Abstand zwischen wiederholten Wörtern die Vorstellung eines Ripses jedes Mal zu verwerfen. So wird die Deutung mancher Gedichte wesentlich erleichtert [[1042]] in Index II (Gedichte)">[[1042]]: «Die lebendige Fackel

Diese mit Licht erfüllten Augen schreiten vor mir,
Die ein hoch-gelehrter Engel wohl magnetisiert hat.
Sie schreiten, diese göttlichen Gebrüder, die auch meine Brüder sind.
Sie fesseln meinen Blick auf ihre diamantenen Feuer.

Um mich vor jeder Falle und jeder schweren Sünde zu bewahren,
Leiten Sie meine Schritte auf dem Weg zum Schönen.
Sie sind meine Diener und ich bin ihr Sklave.
Mein ganzes Wesen fügt sich seinen lebendigen Fackeln.

Reizende Augen, Sie funkeln von der mystischen Klarheit
Der Wachskerzen, die am helllichten Tag brennen.
Die Sonne rötet ihre fantastische Flamme, ohne sie zu löschen.

Diese Wachskerzen preisen den Tod, während Sie das Erwachen besingen.
Sie schreiten, um das Erwachen meiner Seele zu besingen
-Gestirne, deren Glanz die Sonne nicht nehmen kann!»

§423
· Die Glaubhaftigkeit störende Hindernisse
Theorie

Es gibt illusorische Fälle, in denen man einen Rips spürt, während es sich um eine kodierte Botschaft, ein dichterisches Gebilde, einen Satzfehler, ein Missgeschick, oder die Anwendung einer ungebräuchlichen Angewohnheit handelt. Auf ähnliche Weise können die Betonungen von Leuten, die gewöhnlich einen Dialekt sprechen, falsch als Einfügungen gedeutet werden. Daher ist eine Reihe von Kriterien in dem Augenblick, wo wir die Glaubhaftigkeit eines Ripses bewerten, notwendig, um einem Versehen in Bezug auf die einzelnen aufgeführten Punkte vorzubeugen.

Methode

Ist der Anfangsbuchstabe eines längeren Textes geschmückt, kann man auf eine Einfügung schließen, während ein gesellschaftliches Gebot den Autor dazu zwingt, sich im Zusammenhang mit einem berühmten Werk einer langen Tradition zu fügen.

Anwendung auf Baudelaire

Baudelaire schwärmt für «Knall-Titel», die einen in Verlegenheit bringen und in Aufregung versetzen, wie «die Blumen des Bösen» [645]. Er entwirft auch manche Neologismen []-[687]-[688]-[689]: «Rückwärtsen», «Studierl», «Großeigentümer» «Artikler». Was die Lautmalereien betrifft, schätzt er sie, so lange sie in Schriftstücken vorkommen, die nicht zur Hochkultur gehören. Während er ein Theaterstück entwirft, fallen ihm die Worte eines Liedes ein [638]: «Nichts issst ssso lieb,
-Fonfrü-Kankrü-Leeen-Laaa- Lahira-
Nichts issst ssso lieb
Wie der Langholzsäger.» Der Autor sieht den Kern seines «pöbelhaften Dramas» in der Anspielung des Klagelieds [639]: «Sing Sirene, sing,
-Fonfrü-Kankrü-Leeen-Laaa- Lahira-
Sing Sirene, sing,
Du hast guten Grund zu singen,

Denn du hast das Meer zu trinken,
-Fonfrü- Kankrü-Leeen-Laaa-Lahira-
Denn du hast das Meer zu trinken
Und mein Feinsliebchen zu essen!»

§424
· Strecke
Theorie

Wir bezeichnen als Strecke die Glaubhaftigkeitsbewertung des Ripses. Es geht hier um den Wert des folgenden Ausdrucks: “an dieser Stelle hat sich der Schaffende einen Rips oder einen Verbundstoff gewünscht”. Die numerischen Kriterien, die den Nenner dieser Größe 1/(õ)(ñ)(ã)(ù)(ò)(ì)(â)(û)(ô)(å) bilden, sind die zehn Fermente der Strecke. Im Einzelnen bezeichnen wir sie als: (õ), Glaswand; (ñ), Truhe; (ã), Dresseur; (ù), Abflachung; (ò), Karre; (ì), Bossierung; (â), Firnis; (û), Auspuff; (ô), Gegend; (å), Schlucht. Für “õ, ñ, ã” lesen wir “o, n, a Tilde”. Für “å” lesen wir “a Kreis”. In der Berechnung müssen wir die Vorstellung “Nietung” abermals ausbreiten, so dass jedes Berechnungsergebnis unter 1/16 als unbedeutend betrachtet werden kann.

Methode

Das historische Wissen ist notwendig, um die Einfügungen und die in einer bestimmten Zeit gewöhnlichen Ausdrücke zu unterscheiden. “Monoton” enthält keine Einfügung, aber “la fête à Neuneu” -kurz für “la fête à Neuilly” (der Jahrmarkt zu Neuilly)- enthält eine [861]. Es ist auch wichtig, nach den in einem Ausdruck vom Autor angestrebten Zielen zu suchen. Auf diese Weise betrachten wir den Satz “Er setzte seinen Vortrag vor diesen Leuten fort und langweilte lange viele von ihnen”. Die Wiederholung drückt die Langeweile der Zuhörer aus, und dies sichert für den Ausleger das Vorhandensein eines Zieles im Satz.

Anwendung auf Baudelaire

Leider sind die entsprechenden Anzeichen für eine Einfügung oft so winzig, dass der Ausdeuter sie sich einbilden kann, obwohl sie nicht vorhanden sind -und seine Unkenntnis des Textes erhöht die Gefahr eines Missverständnisses. Außerdem mag eine geduldete Sinnwidrigkeit den Ausleger dazu treiben, eine weitere zu ersinnen. Glauben wir, dass Baudelaire sich “…doux comme les hauts bois…” (…sanft wie die hohen Wälder…) als geheimen Sinn von «Doux comme les hautbois» (Sanft wie Oboen) wünschte, so können wir vermuten, dass er auch “…verts comme les prés rient…” (…grün wie die Wiesen, die lachen…) für «verts comme les prairies» (grün wie die Auen) im Sinn hatte. Die zögernden “ach, ach” eines Redners gefährden in kleiner Zahl die Bohrung nicht, aber durch die ständige und vorsätzliche Wiederholung von “ach” wird der Sinn allmählich unsicher. Die Verwechslung wird unüberwindbar, wenn der Ausleger in folgender Rede von Baudelaire die häufige Wiederholung des Vokals “i” festzustellen glaubt, während es möglicherweise nur mit dem Stil des Autors zusammenhängt [690]: «Le "divin" Marat, un bras pendant hors de la baignoire et retenant mollement sa dernière plume, la poitrine percée de la blessure "sacrilège", vient de rendre le dernier soupir. Sur le pupitre vert placé devant lui sa main tient encore la lettre perfide: “Citoyen, il suffit que je sois bien malheureuse pour avoir droit à votre bienveillance.” L'eau de la baignoire est rougie de sang, le papier est sanglant; à terre gît un grand couteau de cuisine trempé de sang; sur un misérable support de planches qui composait le mobilier de travail de l'infatigable journaliste, on lit: “À Marat, David.” Tous ces détails sont historiques et réels, comme un roman de Balzac; le drame est là, vivant dans toute sa lamentable horreur, et par un tour de force étrange qui fait de cette peinture le chef-d'œuvre de David et une des grandes curiosités de l'art moderne, elle n'a rien de trivial ni d'ignoble.» (Mit einem Arm, der aus der Badewanne hängt, hält der "göttliche" Marat noch seine letzte Feder in der Hand. Mit der "frevelhaften" Wunde in der Brust hat er gerade den letzten Atemzug getan. Auf dem vor ihm stehenden grünen Schreibpult hält seine Hand noch den heimtückischen Brief: “Bürger, um Ihr Wohlwollen zu verdienen, brauche ich nur sehr unglücklich zu sein.” Das Badewasser ist blutbefleckt, so ist das Briefpapier. Am Boden liegt ein langes mit Blut verschmiertes Küchenmesser. Auf einem ärmlichen Untersatz aus Brettern, der das ganze Arbeitsmobiliar des unermüdlichen Journalisten darstellte, ist zu lesen: “Für Marat, David.” Alle diese Einzelheiten sind wirklich und historisch belegt, wie ein Roman von Balzac. Vor uns ist das in seinem kläglichen Entsetzen lebendige Drama. Wie durch eine seltsame Glanzleistung, die dieses Gemälde zum Meisterwerk von David macht, ist es eine der großen Seltenheiten der modernen Kunst, die nichts anstößiges, oder niederträchtiges an sich hat.)

§425
· Das Ferment Glaswand
Theorie

Die Glaswand õ=1 spiegelt für die Scholle den Vorteil wider, manchen Gefahren auszuweichen. Wenn eine Ballung für eine Krippe nicht ausreicht, schreiben wir õ=2. Auf ähnliche Weise haben wir õ=2, falls ein vermeintlicher Rips unter den fünfzehn Langhölzern nicht erkennbar ist und auch keinen Teil eines Verbundstoffs darstellt. Ist der Rips völlig selbstständig, schreiben wir auch õ=2. Wenn die Verständigung durch zwei grundverschiedene Redeebenen wesentlich erschwert wird, können wir auch nicht õ=1 schreiben. Es ziemt sich abermals, õ=2 zu schreiben, wenn die Vorstellung bezüglich des vermeintlichen Rips aus einem kleinen Kreis von Denkern stammt. Wenn das Publikum nicht vorbereitet ist, um die Wendung zu begreifen, müssen wir erst recht õ=2 annehmen. Wenn der Zusammenhang es schließlich vermag, den vermeintlichen Rips in den Schatten zu stellen oder ihm einen vernünftigen Schein zu geben, schreiben wir auch õ=2.

Methode

Dies mag für manche bescheidene Anwendungen von Lautmalerei zutreffen. Zwischen den extremen Formen dieser Wendung finden wir eine längere Abstufung, und Saussure schreibt für den allgemeinen Fall [904]«…Lautmalereien sind nur eine grobe und bereits halb konventionelle Wiedergabe von bestimmten Lauten (man vergleiche Französisch "ouaoua" und Deutsch "wauwau").»

Anwendung auf Baudelaire

Wenn ein Autor mehrere Kodierungen in Anspruch nimmt, wird es riskant zu unterscheiden, was im Durcheinander als eine Einfügung gewertet werden kann. Das lateinische Gedicht, das inmitten aller anderen französischen Gedichte der Sammlung "die Blumen des Bösen" zu finden ist, bildet daher eine Ausnahme, aber innerhalb dieses Gedichts wird das Spätlatein zur Norm [[1046]] in Index II (Gedichte)">[[1046]]. In diesen Versen ist die Gesuchtheit spürbar [[1047]] in Index II (Gedichte)">[[1047]]: «O Wunder der Weiblichkeit,
Wodurch alle Sünden vergeben sind!

Ich werde mich an deinen Küssen tränken
Wie aus einer wohltuenden Lethe…
O sanftes, mit lieblichen Düften
Erfülltes Bad,
Hilf meinen Kräften mit deinen Kräften!» Gilson vergleicht diese Verse mit den Zeilen eines Kirchenlieds [414]: «Jesus sanftes Gedächtnis,
Der du die echten Freuden des Herzens vergibst,
Wobei deine zarte Gegenwart
Jede Sanftheit übertrifft.

Es wird nichts auf angenehmere Weise besungen,
Nichts auf reizendere Weise gehört,
Nichts auf sanftere Weise erdacht
Als Jesus, der Sohn Gottes.

Jesus, Hoffnung der Büßer,
Wie wohlwollend bist du zu jenen, die dich anbeten,
Wie gütig bist du zu jenen, die dich suchen,
Aber was wird aus denen, die dich finden?» Baudelaire hat augenscheinlich einen Sinn für schaffende Lust [675]: «Es ist eine seltene Tatsache, diese Freude, die die Werke einiger berühmten Schriftsteller beseelt und beherrscht, wie es Champfleury über Honoré de Balzac zu Recht bemerkt hat.»

§426
· Truhe
Theorie

Haben wir bereits für die Glaswand õ=1 geschrieben, so verdient die interne Sinnverbundenheit, die die Pachtgüter innehaben oder suggerieren, die Größe ñ=1. Auf ähnliche Weise ist der Wert ñ=1 gültig, falls der Rips durch einen Härter gestärkt wird. Es ziemt sich nicht nur im Zusammenhang mit den Kehrreimen, sondern auch mit allem, was daran erinnert, einen solchen Merkposten zu suchen. Wenn keine Sinneinheit oder keine Verknüpfung vorliegt, besteht die Gefahr, dass der innere Abstand in der Scholle dem Rips schade, so dass wir zur Schätzung der Glaubhaftigkeit die Zahl (n) der Fronten zwischen dem Anfang und dem Ende der Wendung überprüfen müssen. Die Truhe entspricht dann dieser Menge ñ=2+(1(n/10)). Haben wir außerdem bereits õ=2 geschrieben, so nehmen wir auch ñ=2 an, wenn eine Sinnverbindung, ein innerer Hinweis, oder ein Härter vorhanden ist. In allen anderen Fällen gebrauchen wir das Berechnungsverfahren ñ=2+(1(n/10)), um das in Frage kommende Ferment zu erreichen. Zur Behandlung des Verbundstoffs liegt kein Hindernis vor, da der Wert (ñ) geschätzt wird, als ob alle Pachtgüter aus einem einzigen Rips stammten.

Methode

Die Tatsache, dass die Glaswand die Truhe beeinflusst, scheint im Vergleich zur Einfachheit anderer Glaubhaftigkeitsbewertungen ein ungeschicktes Verfahren zu sein. Zur Schätzung zahlreicher Erscheinungen müssen wir aber oft solche mühsame Kunststücke gebrauchen. Denjenigen, die gegen die Ungeschicklichkeiten der Vernunft wetterten, entgegnete Poincaré [801]: «Sollen wir aus der Tatsache, dass es keinem Maler gelungen ist, ein Bildnis zu malen, das ganz ähnlich ist, schließen, dass es besser wäre, auf das Malen zu verzichten?»

Anwendung auf Baudelaire

Schluchzen und Gelächter, die oft ein Grundmuster wiederholen, sind besonders leichte Anlässe zu Ripsen. Diese Art menschlicher Tätigkeit grenzt ans Triebhafte, weil spontane und kulturelle Elemente zusammenkommen. Bezüglich dieser Art von Verflechtung denkt Frau von Stael wie folgt [931]: «Da die Analyse die Gegenstände nur durch Zergliederung untersuchen kann, gleicht sie einem Seziermesser auf einem toten Körper. Es ist jedoch ein schlechtes Werkzeug, um das Lebendige als solches zu untersuchen…» Manche Entsprechungen zwischen Seelen, die vergnügt sind, zusammen zu sein, bieten ein Schauspiel, das jeder Aussage trotzt. Das zeigt Baudelaire in seiner Beschreibung eines erdichteten Paares [656]: «…Samuel mühte sich, ihr ihr Taschentuch und ihr Buch zurückzubringen, die er von einer Bank aufgelesen hatte und die sie nicht aus den Augen verloren hatte, da sie in der Nähe war und den Spatzen zusah, die sich um Krümel zankten, oder das langsame Wachsen der Pflanzen voller Bewunderung betrachtete. Wie es zwischen zwei Wesen vorkommt, die dem gleichen Ziel zustreben, hatten sich ihre Seelen aufeinander eingestellt. Als er unvermittelt mit dem Gespräch anfing, hatte er -dank dieser Umstände- das seltsame Vergnügen, einer Person zu begegnen, die bereit war, ihm Gehör zu schenken und zu antworten.»

§427
· Dresseur
Theorie

Der Dresseur hat den Wert ã=2, wenn das Limit von dem Zusammenhang der Ballung aus gesehen, dem Inhalt der Scholle ernsthaft untreu zu sein droht. Betrachten wir (F-Correspondances/-¦¦¦¦-/S-Corps, responds, danse). Mit dem ungefähren Sinn (F-Entsprechungen/-/-/S-Körper, antworte, tanze) sind die beiden Teile des französischen Ausdrucks phonetisch gleich. Hier scheint das Limit so unterschiedlich von dem zu sein, was der Rest des Gedichts liefert, dass wir problemlos ã=2 schreiben können. Im Gegensatz schreiben wir für eine bestimmte Stelle mit einem vertretbaren Kommentar ã=1, insbesondere wenn die vertretene Meinung durch einen Merkposten unterstützt wird.

Methode

Dabei ist beim Schaffenden eine blühende Einbildungskraft nicht auszuschließen, aber es sind in solchem Falle Anzeichen dafür vorhanden, so dass der Zusammenhang den tieferen Sinn der Wendung begleitet. Dies kommt im Stabreim, der die Wahnvorstellung des Orestes ausdrückt, als er die rachsüchtigen Göttinnen zu sehen glaubt [827]: « Pour qui sont ces serpents qui sifflent sur vos têtes?» (Wem gelten diese Schlangen, die auf Ihren Köpfen zischen?)

Anwendung auf Baudelaire

Das Urteil, dass diese Anhäufung von "s" Lauten unangebracht sei, käme dem gleich zu verkennen, dass die hohe Kunst oft mit einer gewissen Verlegenheit einhergeht, was Baudelaire sorgfältig in Worte gefasst hat [713]: «Ich möchte noch weiter gehen, ob es den Scheingelehrten passt oder nicht, die ihr Wissen nur den Büchern entnommen haben, und so zierlich und schwierig auszudrücken mein Urteil sein mag, gebe ich nicht die Hoffnung auf, dass es mir gelingen wird. "Das Schöne wirkt immer seltsam." Damit meine ich nicht, dass es vorsätzlich, förmlich seltsam sei, denn in diesem Falle wäre es ein aus dem Leben entgleistes Ungeheuer. Ich meine, dass das Schöne immer etwas Seltsames, Naives, Ungewolltes, Unbewusstes an sich hat, und dass seine Schönheit mit diesem Seltsamen zusammenhängt. Da liegt dessen Einschreibung, dessen Kennzeichen. Stellen Sie das Problem auf den Kopf und versuchen Sie sich ein "abgedroschenes Schönes" vorzustellen!»

§428
· Glacis
Theorie

Die Abflachung ù=2 drängt sich auf, wenn nach den Gesichtspunkten der Zeit in der äußeren Darstellung des Limits eine bestimmte Ungeschicklichkeit, die nicht in der Einfügung selbst liegt, vorkommt.

Anwendung auf Baudelaire

Eine Ungeschicklichkeit in der Scholle hebt die Wendung hervor, aber eine andere im Limit wirkt als unernst. Somit setzt das französische Wortspiel “…verts comme les prés rient…” (…grün wie die Wiesen, die lachen…) für «…verts comme les prairies…» (…grün wie die Auen…) den Wechsel von “prai” (phonetisch "prä" mit offenem Ä-Laut) zu “prés” ("pre" mit geschlossenem E-Laut) voraus, was einer Ungeschicklichkeit gleichkommt. Dies führt zu ù=2, weil die notwendige phonetische Änderung die Ehrlichkeit des Auslegers in Frage stellt.

Methode

In seinem Gedicht „der Schlafende Booz“ tut Victor Hugo, als ob er eine Stadt im Mittleren Osten erfunden hätte [140]-[462]: «Tout reposait dans Ur et dans Jérimadeth…et Ruth se demandait…» (Alles lag in Ur und in Jerimadeth…und Ruth fragte sich…) Da der See Genezareth für seine häufigen Stürme bekannt war, konnte Victor Hugo nur schwer “Alles lag in Ur und in Genezareth…” schreiben. Das Ende des Verses wird phonetisch oft als “je rime à dait” (Ich kann “dait” reimen). Victor Hugo erreicht nämlich einen Reim zwischen “Jérimadeth” und “demandait” weiter unten [463]. Mit einem größeren Abstand vom Gedicht macht man sich auch über die Möglichkeit eines Wortspiels lustig, das Victor Hugo gewünscht hätte: “je rime à dette” (Ich reime und mache dabei Schulden). Der Inhalt wäre “Ich borge mir von der Einbildungskraft das Recht, zu Reimzwecken eine Stadt zu erfinden”. Genezareth wird auf Französisch gewöhnlich mit lautem “T” am Ende ausgesprochen, während «demandait» phonetisch auf “Ä” endet (demandä). Somit bereichert der Autor mit der Aussprache “Jerimadä-demandä” den Reim. Da «Jérimadeth» fast unmöglich zu erkennen ist, kommt der Leser zu dem Schluss, dass man “Jerimadä” aussprechen muss, um sich auf “demandä” zu reimen. Es wäre für Victor Hugo schwieriger gewesen, von seinen Lesern für den bekannten Namen “Génésareth” (Genezareth) die Aussprache “Génésarait” (Genezarä) zu verlangen. Schließlich beginnt die letzte Silbe in beiden Fällen -«Jérimadeth» und «demandait»- mit “D”, während die letzte Silbe von “Génésareth” “reth” mit “R” anfängt. Technisch gewinnt Hugo “dä-dä”, was besser als “räth-dä” ist. Zur Ergänzung unserer Angaben wenden wir uns Jacques Truchet zu, der den Hinweis gibt, dass «Jérimadeth» in den Augen mancher Gelehrter «…eine besondere Schreibweise für "Jerahmeel"» wäre. In diesem Falle gäbe es keinen Rips mehr, und alles wäre Hugos Können zu verdanken [463]. Außerdem weist der vermeintliche Rips eine Schwäche auf, weil “je rime à dait” (Ich kann “dait” reimen) Französisch mit “je” wie in "Blamage" ausgesprochen wird, während «Jérimadeth» den ge-Laut wie in “Ingenieur” erfordert. Diese Schwäche im vermeintlichen Rips würde zu einen ungeschickten Limit führen, was uns in diesem Punkt zu dem Schluss ù=2 bringen würde.

§429
· Karre
Theorie

Die Karre (ò) erlaubt die Menge ò=2 in verschiedenen Fällen. Zunächst wenn ein Merkposten den Schluss zulässt, dass der Schaffende zur vermeintlichen materiellen Einfügung fremd oder feindlich eingestellt ist. Dann wenn stichhaltige historische Hinweise vermuten lassen, dass der Ausdeuter angesichts der Einfügung, die er festzustellen glaubt, eine Zeitwidrigkeit begeht. Drittens falls ein herkömmliches oder neues Element zur Versbildung für einen Rips gehalten wird. Viertens schreiben wir auch ò=2, wenn die Kritik erwägt, dass ihr die Mittel fehlen, um den Sinn der Scholle zu bestimmen. Fünftens gilt auch ò=2, wenn die vermeintliche Einfügung möglicherweise das Ergebnis einer Unaufmerksamkeit oder einer Nachlässigkeit ist. In allen anderen Fällen hat das Ferment den Wert 1, insbesondere wenn die Vorstellung eines Ripses durch einen Merkposten unterstützt wird.

Methode

Untersuchen wir (F-Bobo-¦¦¦¦-S-peines) (F-Bobo-/-S-Leiden) in dem Zusammenhang von “…ayant subi tous mille peines nous arrivâmes heureusement chez les Bobo…” (…nachdem wir alle tausend Schmerzen erlitten hatten, kamen wir zum Glück zu den Bobos…” Da ein Volk tatsächlich «Bobo» genannt wird, läuft ein Ausdeuter, der darin eine Einfügung zu sehen glaubt, Gefahr, eine Sinnwidrigkeit zu begehen (Auf Französisch bedeutet "bobo" auch "Wehweh") [805]. Demzufolge muss der sorgfältige Ausleger ò=2 schreiben.

Anwendung auf Baudelaire

Im Gegensatz macht manchmal ein Schriftsteller seine Absicht kund, einen Rips einzufügen, wie etwa Baudelaire mit seinen Wiederholungen im Artikel über das Gemälde zur Ermordung eines bekannten Pamphletisten, das wir bereits erwähnt haben [691]: «Das Erstaunlichste an diesem ungewöhnlichen Gedicht ist, dass es mit hoher Schnelligkeit gemacht wurde, und bedenkt man wie schön die Zeichnung ist, so wird man leicht verblüfft. Dies bleibt den Tüchtigen vorbehalten und drückt den Sieg des Spiritualismus aus. Grausam wie die Natur hat dieses Gemälde alles von einer duftenden, göttlichen Botschaft. Welches war denn diese Hässlichkeit, die der heilige Tod durch seinen Flügelschlag so rasch verwischt hat? Marat kann nun dem Apollo trotzen, denn der Tod hat ihn gerade umschlungen, und er ruht in der Stille seiner Verwandlung. Dieses Gemälde hat etwas Zartes und zugleich Schmerzliches an sich. In der kalten Luft dieses Zimmers, an diesen kalten Wänden, um diese kalte, traurige Wanne flattert eine Seele herum. Werden Sie es uns erlauben, Politiker aller Parteien und sogar Sie heftige Liberale im Jahre 1845, durch das Meisterwerk Davids gerührt zu werden? Dieses Gemälde war eine Gabe an das betrübte Vaterland, und unsere Tränen sind ungefährlich.» 183

§430
· Bossierung
Theorie

Die Bossierung (ì) soll, was die Scholle betrifft, anhand unterschiedlicher Fälle untersucht werden. Im Falle eines Gedankenspiels anstelle eines Klangspiels, oder eines Gegensatzes, einer Anspielung, eines kräftigen Kontrastes oder eines Pleonasmus, verdient die Bossierung (ì) den Wert 2. Den Wert 2 hat auch (ì) im Falle einer Doppeldeutigkeit, die mit der Satzbildung zusammenhängt. In allen anderen Fällen gilt ì=1.

Methode

“Die Kuh melkt die Magd” erlaubt ì=2, während “…beim Zahnarzt in den Wartezimmern,/Da hört man nicht nur Zarte wimmern…” führt zu ì=1.

Anwendung auf Baudelaire

Der Rips lädt oft zum Lachen ein, was zugleich einem menschlichen Grundverhalten und einem gesellschaftlichen Brauch gleichkommt, in dem man entweder einen Schrei, ein Lied oder einen Ruf unterscheiden mag. Indem er beide Geschlechter inszeniert, hebt er den Kontrast zwischen den hohen und den tiefen Stimmen hervor. Es entsteht eine Art Auswahl zur Bildung einer schlauen Gesellschaft, da diejenigen, die den Grund zur Freude nicht verstehen, dadurch ausgeschlossen worden sind. Baudelaire schreibt [706]: «Um zu beweisen, dass die Komik eines der eindeutigen Zeichen des Satans im Menschen und einen der vielen Kerne im Apfel -voll Symbole- darstellt, genügt die einhellige Zustimmung der Physiologen des Lachens bezüglich des Grundes dieser ungeheuerlichen Erscheinung. Im Übrigen hat ihre Entdeckung nichts Umwerfendes und geht auf wenig hinaus. Das Lachen rührt, so sagen sie, von einem Gefühl der Überlegenheit her.» Ein schwieriger Fall verdient unsere Aufmerksamkeit [707]: «Das Lachen der Kinder gleicht einem Ausblühen. Es drückt die Freude zu bekommen, die Freude zu atmen, die Freude mitzuteilen, die Freude anzuschauen, zu leben, groß zu werden aus. Es ist eine Freude des Wachsens. So ist es allgemein eher ein Lächeln, das dem Wedeln eines Hundes oder dem Schnurren einer Katze ähnlich ist. Und achtet auf den Unterschied zwischen dem Ausdruck tierischer Zufriedenheit und dem kindlichen Lachen: letzteres ist leicht von Ehrgeiz geprägt, wie es sich für Knirpse ziemt, die Satane im Werden sind.»

§431
· Firnis
Theorie

Der Firnis â=2 ist angebracht, wenn es notwendig ist, zur Erfassung der Scholle aus der Perspektive des Limits die sprachliche Kodierung mühsam zu ändern. Es ist auch der Fall, wenn die Erfassung der Scholle einen Schlüssel erfordert, der zugleich der Kritik bekannt und schwer zu erraten ist. Die Anwendung einer wissenschaftlichen erdachten Geheimschrift, eines schwer zugänglichen Idioms, all dies gefährdet die Glaubhaftigkeit des Ripses. Wenn keine Gefahr dieses Art im Gegensatz zum Vorschein kommt, nehmen wir die Größe â=1 an. Ein Wortspiel oder ein rhetorisches Kunststück reicht nicht aus, um zu â=2 zu führen, und es bedarf eines pöbelhaften oder gehobenen Systems, das nicht ganz einfach zu erraten ist.

Methode

Im Rahmen einer schwierigen Entschlüsselung, die â=2 berechtigt, ist es unwichtig, ob ein persönliches Geheimnis zur Verständigung eines bestimmten Satzes oder eine umfassende Kodierung notwendig ist.

Anwendung auf Baudelaire

Balzac liefert uns ein kurzes Beispiel in Gaunersprache [70]: «"Ne fais pas de regoût sur ton dab!" (Mach kein Wiederschmecken über deinen Baas!)…» [Oder auf anständigere Weise "Lass über deinen Herrn keine Bedenken aufkommen."] Ohne Übersetzung fällt die höhere Schwierigkeit mit “Das Boot geht unter, gluck-gluck!” sofort auf. Wenn wir sonst jeden Buchstaben im Wort "Kalkül" durch seinen alphabetischen Stellenwert ersetzen, kommen wir zu “11112112112”, und dies ist in einem Schriftstück auf der Stelle nicht einfach zu deuten. Die Unklarheit der Geheimsprache eines Schriftstellerkreises erreicht nur selten einen solchen Schwierigkeitsgrad. Es mag zwar eine leichte Enkodierung der Werke vorhanden sein, aber sie hält sich meistens in Grenzen, selbst wenn der durch diese Enkodierung entstehende Unterschied oft den Zorn der Gegner auf sich zieht. Ein solches Argument kam in Frankreich um 1830 in der feindlichen Einstellung der Anhänger des Klassizismus gegen den ständigen Wechsel von Tragik und Komik im Theater zum Vorschein. Ein Künstlerkreis verspricht nicht nur eine Geheimsprache, sondern auch Beziehungen, und Baudelaire war das klar [704]: «In den Schulen, die im Wesentlichen die Suche nach Eingebung gestalten, beherrschen die stärkeren Elemente die schwächeren, und das ist recht, denn ein plötzlicher, ausgiebiger Beitrag zur Kunst ist immer einem tausendarmigen Denken zu verdanken.»

§432
· Auspuff
Theorie

Die Anwendung des Auspuffs û=2 ist in folgenden Fällen möglich. Erstens schreiben wir û=2 im Falle eines technischen oder wissenschaftlichen Aspekts der Scholle. Ein Autor kann nämlich nicht zugleich eine wissenschaftliche Schreibweise und eine materielle Einfügung anstreben. Zweitens schreiben wir û=2 für jede beliebige Anwendung eines Zeichens eines Bruchsteins, einer Zeichnung, eines Schemas, eines Symbols, um verschiedene Punkte des Gedankengangs zu trennen. Wir nehmen jedoch auf keinen Fall û=2 an, wenn das Wissen zu künstlerischen Zwecken herangezogen wird. Die anderen Figuren verlangen umso mehr, dass wir û=1 annehmen.

Methode

Seinerseits ist der Plan einer Ballung viel zu abstrakt, als dass er mit einer Einfügung verwechselt werden könnte. Im Falle eines Trennungsstrichs, der zwei Absätze trennt, ist ein Zweifel zwischen einer oder keiner Einfügung möglich. Dann erfordert eine richtige Erfassung des Auspuffs genauere Angaben darüber, was einerseits den Sitten zufällt und andererseits einer Eigeninitiative zu einer Einfügung zuzuschreiben wäre. Es ist bekannt, dass die literarischen Gepflogenheiten sich im Allgemeinen mit dem übrigen Kulturleben ändern, selbst wenn diese allmähliche, geschmeidige Änderung keine geschichtliche Logik ausschließt.

Anwendung auf Baudelaire

Ernsthaft oder zum Scherz hat Baudelaire im Wirklichen ein Gleichgewicht von Gut und Böse erdacht und er scheint in den Versen seiner Hymne an die Sonne dieses Gleichgewicht ohne sittliche Trennung zwischen den beiden Teilen nachzuahmen [[1115]] in Index II (Gedichte)">[[1115]]: «Diese Nährmutter und Feindin der Bleichsucht,
Weckt auf den Feldern Verse und Rosen zugleich.
Sie lässt die Sorgen gen Himmel verdampfen,
Und füllt Hirne und Bienenhäuser mit Honig.
Sie befreit die Behinderten von ihren Krücken
Und stimmt sie fröhlich und sanft wie junge Mädchen.
Sie befiehlt den Kornfeldern im unsterblichen Herzen der Natur,
Das immer wieder zum Blühen neigt, zu gedeihen und zu reifen!

Wenn sie einem Dichter gleich in die Städte tritt,
Adelt sie die niederträchtigsten Dinge
Und dringt königlich, leise und ohne Diener
In alle Hospitäler und Paläste ein.»

§433
· Gegend
Theorie

Die Gegend (ô) nimmt den Wert 2 an, wenn die Wendung auf klare und zwingende Gewohnheiten zurückzuführen ist, in denen der Schaffende voll verwickelt ist. Da er nicht persönlich über die vermeintliche Einfügung entschieden hat, ist es leicht zu verstehen, dass wir ô=2 schreiben. Für den Schriftsteller, der bemüht ist, ohne durch die Tradition dazu gezwungen zu sein, einen materiellen Kontrast einzufügen, schreiben wir ô=1.

Methode

Eine alte, fast vergessene Type wird dem eiligen Ausleger wegen mangelhaften Wissens über den historischen Gebrauch wie ein Rips vorkommen. Da die Gepflogenheiten manchmal an der Kreuzung des Individuellen und des Kollektiven sind, ist es begreiflich, dass der Ausdeuter über das Glied der kulturellen Kette zögert, aus dem die vermeintliche Einfügung entstanden ist.

Anwendung auf Baudelaire

Falls ein Romanschriftsteller versucht, einen regionalen Tonfall wiederzugeben, ohne einer literarischen Bewegung zu gehören, in der dies üblich war, haben wir mit einer Einfügung zu tun, was ô=1 rechtfertigt. Balzac gefiel diese Art von Entsprechung [71]«…Beide Künstler freundeten sich mit Gazonal, der für sie von seinem Gerichtsverfahren erzählte. "Mei Verfahre, sagte er mit regionalem Tonfall, isch etwas Einfaches: die wellet mei Werkstatt. I krieg hier ei dumme Anwalt und geb ihm zwanzig Thaler, damit er aufpasse und find ihn immer im Schlaf…"»

§434
· Schlucht
Theorie

Für die Schlucht (å) ist der Wert 2 zulässig, falls die Kritik vermutet, dass die Scholle durch einen Unfall, eine Fälschung oder einen Irrtum ungestaltet wurde. Ein unwillkürlicher Fleck, ein dummes Gekritzel eines früheren Lesers mag an einer bestimmten Stelle in einem Buch an einen Rips erinnern, ohne dass der Schaffende auf irgendwelche Weise beteiligt gewesen wäre. Dagegen schreiben wir in jeder Situation, in der solche Gegebenheiten ausgeschlossen sind, å=1.

Anwendung auf Baudelaire

1961 fehlt in Antoine Adams ansonsten hervorragender Ausgabe von dem Sonett „Entsprechungen“ infolge eines unglücklichen Druckfehlers der Schlusspunkt [6]. Es wird kein Leser auf den Gedanken kommen, dass Baudelaire am Fehlen des Zeichens eines Bruchsteins beteiligt gewesen wäre.

Methode

Um (å) zu bestimmen, müssen wir zwangsweise eine vorsätzliche List des Autors und ein Missgeschick im Zusammenhang mit seiner Schrift unterscheiden. Es sind in materieller Hinsicht Listen, die der List bezüglich des Sinnes ähneln, die Lukan in einer seiner Schriften gebraucht hat. Die berühmte „Wirkliche Geschichte“ endet mit folgenden Worten [510]: «Nun habe ich euch von meinen Abenteuern bis auf die andere Erde erzählt, zunächst auf dem Meer, dann während der Überfahrt zwischen den Inseln und in der Luft, dann innerhalb des Wales, und als wir wieder heraus waren, bei den Helden, im Land der Träume und schließlich bei den Ochsenköpfen und Eselinnenbeinen. Was uns auf Erden widerfahren ist, wird euch in den folgenden Büchern erzählt.» In diesem Zusammenhang bemerkt Pierre Grimal [511]«Es wurde darauf hingewiesen, dass diese Schlussbehauptung die größte Lüge im gesamten Roman darstellt: die angekündigten Bücher hat es nie gegeben.»

§435
· Probe der Glaswand
Theorie

Schreiben wir die Schiene “Correspondances -Sympathies du grand temple où l''homme passe…Il est des…êtres de sens qui chantent les sympathies…” (Entsprechungen -Seelenverwandtschaften des großen Tempels, durch den der Mensch geht…Es sind…sinnliche Wesen, die Seelenverwandtschaften besingen…) Die Worte, die vor “homme” (Mensch) stehen, sind im Sinne des gesunden Menschenverstands begreiflich, was ein Gespinst möglich macht, das nur aus Stiften, Begriffen und Bruchsteinen besteht. Auf diese Weise stellt die Ballung eine Krippe dar, und die Glaswand von der Einfügung (F-Sympathies…sympathies-¦¦¦¦-S-Wiederholung) (F-Seelenverwandtschaften¹… Seelenwerwandtschaften²-/-S-Wiederholung) nimmt daher eine Menge õ=1 an.

Methode

Die Wiederholung bildet einen der unwiderlegbarsten Typen eines Ripses, denn sie ist so ausgeprägt, dass sie in jedem Fall augenscheinlich ist. Geht man von solchen Beispielen aus, so gewinnt die Untersuchung eine Festigkeit, die jedem Zweifel trotzt. Spinoza fasst den Vorteil, der darin besteht, die Augenscheinlichkeit auf seiner Seite zu haben, wie folgt zusammen [163]-[922]: «…es wird an dieser Stelle keine unendliche Suche in Frage kommen. Ich meine, falls man von einer Augenscheinlichkeit ausgeht, ist keine Methode notwendig, um die richtige Methode zu bestimmen. Auf diese Weise ist ebenfalls keine weitere Methode notwendig, um die vermeintliche vorbereitende Methode zu bestimmen, so dass wir nicht ins Unendliche verführt werden…»

Anwendung auf Baudelaire

Trotz dieser lebendigen Gegenwart sieht sich der Ausleger manchmal vor den Künstler gestellt, der das vorhandene Wortspiel entweder aufgegriffen, oder als verachtenswerte Möglichkeit betrachtet [[1118]] in Index II (Gedichte)">[[1118]]: «Je suis comme le roi d'un pays pluvieux,
Riche, mais impuissant, jeune et pourtant très- vieux…» (Ich komme mir vor wie der König eines regenreichen Gebiets:/ Reich, aber machtlos, jung und jedoch sehr alt…) Irgendwann muss der Ausdeuter entscheiden, ob Baudelaire mit dem Wort «pluvieux» nur an den Sinn “regenreichen”, oder auch den Sinn “älter” (“plus vieux”) gedacht hat. Wortspiele ohne klangliche Änderung steigern die Schwierigkeit, und wir schließen sie daher aus dem Bereich der Einfügungen heraus. Auf diese Weise wirkt der Hinweis “Es ist den Fahrgästen verboten, sich auf der hinteren Platform der Straßenbahn zu vermehren.” lustig. Die Einfügung ist bestreitbar, insofern als der Witz ohne materielle Änderung nur auf der Doppelbedeutung des Verbs “vermehren” ruht -fast wie oben mit «pluvieux» und “plus vieux” schon gesehen.

§436
· Probe der Truhe
Theorie

Betrachten wir wieder die Schiene “Correspondances -Sympathies du grand temple où l''homme passe…Il est des…êtres de sens qui chantent les sympathies” (Entsprechungen -Seelenverwandtschaften des großen Tempels, durch den der Mensch geht…Es sind…sinnliche Wesen, die Seelenverwandtschaften besingen). Mit der Voraussetzung einer Glaswand 1 suchen wir nach der Truhe der Einfügung (F- Sympathies…sympathies-¦¦¦¦-S-Wiederholung) (F-Seelenverwandtschaften¹::Seelenwerwandtschaften²-/-S- Wiederholung). Das neue Ferment mag je nach seinen Eigenschaften sowohl den Wert 1 als auch den Wert 2 annehmen. Durch den Titel «Correspondances» (Entsprechungen) wird die Wiederholung des Wortes “Sympathies” (Seelenverwandtschaften) am Anfang und am Ende des Scheingedichts verstärkt. So wird ein Härter den inneren Abstand zwischen den zwei Vorkommen des Wortes “Sympathies” (Seelenverwandtschaften) zunichtemachen. Daher können wir ñ=1 schreiben, ohne die Fronten zwischen dem Anfang und dem Ende des Scheingedichts zu zählen.

Methode

Bezüglich jeder Art der Einfügung dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass alle Sprachen nicht dieselben Ausdrucksmöglichkeiten bieten. Folglich sind manche Wiederholungen in Sprachen mit beschränktem Wortschatz -betreffs bestimmter körperlicher oder geistiger Gegenstände- für die Deutlichkeit der Sätze unumgänglich, so dass die Ausleger, die diese Wiederholungen als Ripse auffassen würden, manche Sinnwidrigkeiten begingen.

Anwendung auf Baudelaire

Baudelaires hohe Bildung machte es für ihn möglich, unter Heranziehung seiner Kenntnisse über die Vergangenheit die Möglichkeiten seiner zeitgenössischen Muttersprache zu nützen, um die besonderen Wiederholungen, die er nicht wünschte, zu meiden. Als Motto hätte er diesen Vers Chéniers übernehmen können [194]: «…Schmieden wir für neue Vorstellungen antike Verse.» Dies hinderte ihn nicht daran, über den riesigen Aufwand, der zum Erlernen des antiken Erbes von den Schülern verlangt wurde, zu spotten [709]: «Daumier ist unvermittelt über die Antike -über die falsche Antike- hergefallen. Keiner hatte einen besseren Sinn für die Größen der Antike, und er hat sie trotzdem bespuckt…» Das Ziel des satirischen Zeichners scheint Baudelaire ähnlich wie das von Joseph Berchoux, der den berühmten Ausdruck prägte [708]-[962]: «Wer wird mich von den Griechen und von den Römern befreien!»

§437
· Probe des Dresseurs
Theorie

Wohl bewusst, dass im französischen Original das N von «Natur» grammatisch überflüssig groß geschrieben ist, betrachten wir den Dresseur (ã) von (N-¦¦¦¦-Wichtigkeit). Wir schreiben ã=1, denn die Gefahr zu einem Sinn zu gelangen, der von dem, was die Scholle bietet, zu weit entfernt wäre, ist gleich Null. Dagegen bekäme (N-¦¦¦¦-von göttlicher Beschaffenheit) ã=2, weil ein großer Buchstabe nicht nur eine göttliche Beschaffenheit sondern auch andere mögliche Inhalte aufweist. Es ist also notwendig, auf eine minimale Erklärung zur untersuchten Einfügung zurückzugreifen, um keinen daran zu hindern, sich von den Einzelheiten in der Wendung seine eigene Vorstellung zu machen.

Methode

Ein fehlender Großbuchstabe genügt, um eine Einfügung zu gestalten. In der Wendung “…er wollte berlin besuchen…” besteht der Rips darin, nicht das Erwartete, nämlich den großen Buchstaben am Anfang des Namens der Stadt zu liefern.

Anwendung auf Baudelaire

Es bieten sich so viele Deutungsmöglichkeiten, dass es schwer ist zu entscheiden, warum Baudelaire «Nature» großgeschrieben hat. Eine Möglichkeit wäre, dieses N mit «Vaste» (weit) in siebten Vers zu verbinden, was der Vorliebe des Dichters für das Unendliche entspräche [701]: «In der allgemein üblichen Bedeutung heißt Franzose so viel wie possenhaft, und possenhaft bezeichnet einen, den Michelangelo schwindelig macht und Delacroix mit Bestürzung erfüllt, wie der Donner auf manche Tiere wirkt. Alles Große, sei es Erhabenheit oder Verworfenheit, flößt ihm Angst ein und vertreibt ihn. Das Erhabene kommt ihm wie eine Meuterei vor, und er wagt sich nur zitternd an Molière heran -dessen Ruf ihn mit Stolz erfüllt-, weil man ihn davon überzeugt hat, das es ein lustiger Autor war.»

§438
· Probe der Abflachung
Theorie

Die Abflachung (ù) von (F-Correspondances/-¦¦¦¦-/S-Corps, responds, danse) (F- Entsprechungen/-/-/S-Körper, antworte, Tanze) hat den Wert 2, denn die verwickelte Gliederung wirkt wegen ihrer Schwere verdächtig. Der Ausleger wird hier beschuldigt, Baudelaire einen lustigen Gedanken unterstellt zu haben.

Methode

Der Rips wird nicht immer durch Lustigkeit gekennzeichnet und dient im Allgemeinen durch Findigkeit einem einstweilig physikalischen Ziel. Das symbolische Werkzeug -bestimmte Funktionen der Sprache- das manchmal geistiger Leistungen fähig ist, wird im Rips bei weitem nicht ausgenützt, als legte man zwei Taschenrechner neben einander auf einen Tisch und sagte “1+1=2”. Man spricht zwar und geht dabei auf einen Schrei zurück: “au”! Während die Sprache die höchste Abstraktion ermöglicht, wird sie hier zum einfachsten Konkreten genützt.

Anwendung auf Baudelaire

Das Tierische im Menschen beschäftigte Baudelaire, der über ein Werk, das man ihm geschenkt hatte, Folgendes schreibt [640]: «Es ist lange her, dass ich fast alle Bücher mit Abscheu verwerfe. -Es ist auch lange her, dass ich so etwas "rein Lehrreiches und Lustiges" gelesen habe.- Das Kapitel über den Falken und die Raubvögel, die zum Jagen dressiert werden, ist ein Werk, -an sich.-…Es sind sonst viele andere philosophisch rührende Dinge, wie die Vorliebe für das Leben im Freien und die der Ritterschaft und den Damen erwiesene Ehre usw.......Das Positive dabei ist, dass Sie dichterisch veranlagt sind. Es ist sehr lange her, dass ich behaupte, dass der Dichter von "überlegener" Intelligenz ist…Aber wenn ich diese Dinge drucken lassen will, werde ich zum Wahnsinnigen -und vor allem zum ichbezogenen Wahnsinnigen- gestempelt, und es wird hinzugefügt, dass ich die Pedanten nur deswegen hasse, weil meine eigene Erziehung misslungen ist. Ganz sicher ist jedoch, dass ich geistig philosophisch geneigt bin, so dass ich über den Schein hinaus das Wahre klar erkennen kann -und dies auch in der Tierkunde, obwohl ich weder Jäger noch Naturforscher bin…Da ich mich nun auf ausführlichere Erörterungen eingelassen habe, lassen Sie mich jetzt ausreden. Was bedeutet "immerwährender Fortschritt"? Was ist eine "Gesellschaft", die nicht aristokratisch ist? -Mir scheint, es ist keine Gesellschaft. Was ist der "von Natur aus" gute Mensch? Wo hat man ihn getroffen? Der von Natur aus gute Mensch wäre ein "Ungeheuer", -ich meine ein "Gott"…Alle Irrlehren, die ich vorhin andeutete, sind letzten Endes nur die Folge der großen, modernen Irrlehre, der "künstlichen" Lehre, -ich meine die Aufhebung des Glaubens an die "Erbsünde"-, die die natürliche Lehre ersetzt hat.»

§439
· Probe der Karre
Theorie

Man stelle sich einen wie folgt abgefassten Schienenanfang: “La Nature est l'église où de vivants piliers/Protègent de la bise un fort tamarinier/Demeurant sous leur ombre aimable et bienfaitrice,/Dans le beau soleil sombre où lentement tarissent/Les sources…” (Die Natur ist eine Kirche, in der lebendige Säulen/Eine große Tamarinde vor dem bösen Wind schützen./Der Baum bleibt im lieblichen, wohltätigen Schatten der Säulen,/Unter der schönen, dunklen Sonne, in der die Quellen langsam/Versiegen…” Wir vermuten hier eine obere Abbindung (F-(égl)ise…(b)ise-¦¦¦¦-S-Wiederholung) (F-Kirche…Wind-/-S- Wiederholung). Aber das Scheingedicht lässt ahnen, dass es sich um einen Doppelreim handeln könnte, da das Scheingedicht in der Folge zusätzlich zum Reim am Ende des Verses einen zweiten Reim -wie ein inneres Echo- in jedem Halbvers aufweist. Somit reimen sie "église-bise” und "ombre-sombre” ("Kirche- Wind" und "Schatten-dunklen"). Es drängt sich also das Risiko eines Missverständnisses auf, da der Ausleger einen einfachen Kunstgriff in der Versbildung als einen Rips auffassen könnte. Daher müssen wir wegen dieser Unsicherheit die Karre ò=2 schreiben.

Methode

Da die Dichtkunst ihr eigenes Gebiet bildet, ziemt es sich, derer Werkzeuge nicht mit denjenigen, die Einfügungen ergeben, zu verwechseln. Pierre Guiraud schreibt dazu [526]: «So hat am Anfang fast jede Literatur ihre Wurzeln in den Versen, und der Vers scheint hier die Rolle zu spielen, die später der Schrift zufallen wird: der Vers sichert die Erhaltung der Gestalt. Er hält die Redeform sehr fest, so dass sie dem Gedächtnis ruhig anvertraut werden mag.» Somit wird der Inhalt ein ganzes, individuelles Leben lang sowie durch Generationen hindurch, bewahrt.

Anwendung auf Baudelaire

Im Gegensatz hat die Einfügung etwas Rauhes an sich und geht daher einstweilig in umgekehrter Richtung, das heißt vom Verstand des Dichters zum seltsamen Konkreten hin. Baudelaire, der es so gut verstanden hat, neben der Verfeinerung die Gewalt zu erkennen, ahnte, wie manche allzu derbe Wendungen eine Kunst zerbrechen, die über die einfache Unterhaltung hinaus zielt. Er macht einem Künstler Vorwürfe [641]: «Und ein Mensch wie Sie, lässt im Vorbeigehen wie ein einfacher Journalist des "Jahrhunderts" Flüche auf "de Maistre" -das Genie unserer Zeit, einen Hellseher- los! Und schließlich Gerede und Gaunersprache, die einem schönen Buch immer schaden.»

§440
· Probe der Bossierung
Theorie

Die Bossierung (ì) im (F-wohlriechende Düfte-¦¦¦¦-S-Wiederholung) nimmt für den Satz “…antworten einander wohlriechende Düfte, Farben und Töne.” den Wert 2 an. Da diese Formulierung nur abstrakt pleonastisch wirkt, kann sie nicht zu den Ripsen zählen [356]. Dagegen würde “düftende Düfte” wegen der konkreten Wiederholung als Rips gedeutet werden.

Methode

Da eine ausgeprägte materielle Wirkung für einen Rips notwendig ist, sobald eine scheinbare Einfügung einen intellektuellen Vorgang erfordert, um als solche gedeutet zu werden, ist die Wirkung nicht konkret genug, um den Ripsen zu gehören.

Anwendung auf Baudelaire

Der Dichter gefällt sich darin, das Konkrete im menschlichen Dasein, insbesondere was Rhythmus, Duft, physikalisches Verhalten oder Druck betrifft, zu erforschen. 1853 stellt Champfleury Baudelaire als Dichter und Katzenfreund hin, so dass es anzüglich ist, nach Elementen von Kenntnissen über das Tierreich bei Baudelaire zu suchen [631]. In einem Text über Delacroix schreibt er zu einem Gemälde [696]: «"Romeo und Julia" halten sich -auf dem Balkon- im klaren kalten Morgenlicht andächtig umschlungen. In dieser gewaltsamen Umarmung des Abschieds wirft Julia mit den Händen auf den Schultern ihres Buhlers den Kopf nach hinten in einer Bewegung von Stolz und freudiger Leidenschaft, oder als versuchte sie, Luft zu holen. Diese ungewöhnliche Haltung -denn fast alle Maler schildern die Liebenden beim Kuss- wirkt jedoch spontan und natürlich: diese besondere, kräftige Nackenbewegung wird öfter bei Hunden und Katzen beobachtet, die sich freuen gestreichelt zu werden.»

§441
· Firnisprobe
Theorie

Der Firnis von (F-corrompus-¦¦¦¦-S-corps rompus) (F-verdorben-/-S-gebrochene Körper) lässt im Zusammenhang «Es sind Düfte frisch…Und andere verdorben…» die Höhe â=1 zu. Zwar muss die Deutung für “verdorbene Düfte” als “gebrochenen Körper” (auf Französisch sind die beiden Ausdrücke phonetisch gleich) genauer untersucht werden. Um an diese Düfte zu denken, stellen wir uns Metallstäbe vor, die Rost ansetzen. Und diese Frage muss unter dem Vergleich mit «sieghaft» und «reich», die dieselbe Beschreibung der Düfte vervollständigen, erörtert werden. Diese komplizierte Deutung hat mit einer verschlüsselten Botschaft nichts zu tun. Zur Bestimmung des Firnisses ist es notwendig zu wissen, ob der Dichter eine Sonderkodierung anwendet, oder ob er alle Leser und Zuhörer vor dieselben Ideen stellt, die jedem je nach seinen Empfindungs- oder Verstandsfähigkeiten mehr oder weniger zugänglich sind. Bezüglich (F-corrompus-¦¦¦¦-S-corps rompus) (F-verdorben-/-S-gebrochene Körper) liegt eine Mischung von durchsichtiger Deutung und seltsamen Anspielungen vor. So erklärt sich, dass hier kein geheimer Schlüssel gebraucht werden kann, was uns erlaubt, â=1 zu schreiben.

Methode

Im Falle einer wohl durchdachten Verschleierung genügt ein besonders schwieriger Satz als Nachweis für das Vorhandensein eines besonderen Sprachsystems. Somit wissen wir, wann wir gezwungen sind, vor einer Wendung â=2 zu schreiben.

Anwendung auf Baudelaire

Die Versuchung, das Wort «corrompus» zu trennen und jedem Teil eine Hälfte mir "R" zuzuschreiben, berechtigt sich von selbst durch das doppelte “R”, ohne dass es notwendig wäre, irgendeine Kodierung zu vermuten. Außerdem können wir uns kaum vorstellen, dass Baudelaire den ernsthaften Ton seines Sonetts für ein plötzliches Wortspiel -corrompus, corps rompus (verdorben, gebrochene Körper)- aufgeben könnte. Wäre es der Fall, so nur in Begleitung von spaßigen Bemerkungen. Ein Gedicht stellt ein klangliches, das heißt physisches Ganzes und besteht daher aus verschiedenen Teilen und aus dem Verhältnis dieser Teile zueinander. Aber der Dichter hat zusätzlich damit gerechnet, dass der Leser oder Zuhörer auf das Vorhandensein eines Gesamtsinnes aufpassen würde, der die Einheit des Gedichts sichern würde. Über die unmittelbare Rückwirkung zum Gedicht hinaus erdenkt der Zuhörer oder Leser bald ein allgemeines Ziel, das voraussetzt, dass der Schaffende sich verschwommen aber faktisch vorgestellt hätte, was er erreichen will, bevor er sein Vorhaben eines Gedichts verwirkliche. Geben wir jedoch zu, dass die bewussten Zwecke oft ein Zusammenspiel leidenschaftlicher oder gemeinschaftlicher Kräfte decken, ohne dass der seiner eigenen Ziele bewusste Autor alle Einzelheiten ahnen könnte. Ein Politiker bestimmt für sein Land eine Richtung, die für Historiker mit der Richtung in allen vergleichbaren Ländern identisch ist: eine verkannte allgemeine Neigung lag in Wirklichkeit der energischen Entscheidung zugrunde.

§442
· Auspuffprobe
Theorie

Betrachten wir den Auspuff von (F-Mensch/Tempel: verdorben/frisch-¦¦¦¦-S-zwei gleichwertige Verhältnisse) für eine Schiene, die mit den Worten “Die Natur hat es so gefügt, dass das Verhältnis des Menschen zu deren Tempel dem der verdorbenen Düfte zu den frischen Düften gleicht…” beginnt. Die Darstellung mag verwickelt sein, was sie weder wissenschaftlich noch technisch macht. So schreiben wir û=1.

Methode

Dagegen nimmt die Glaswand den Wert õ=2 an, weil die Wendung zu keinem der fünfzehn Langhölzer gehört, die alle Ripse umfassen.

Anwendung auf Baudelaire

Mit dem Anschein einer durch kulturelle Mühe inszenierten Träumerei käme die Analogie deutlicher zum Vorschein, wenn der Dichter Gongoras Stil nachgeahmt hätte [283]-[420]: “Die (weibliche) Natur ist ein Tempel (mit dem Antlitz im vollen Licht kultisch zu sehen), in dem lebendige Säulen (die Zähne) zuweilen wirre Worte (Lächeln) entweichen lassen. Der (verdorbene, verliebte) Mann schreitet (fremd legt er seine Lippen) durch Wälder von Symbolen (die Haare), die ihn mit vertrauten Blicken beobachten (er wähnt, sie wieder zu erkennen). Wie lange Echos…” Plato phantasierte um den Mythos der Rückerinnerung, nach dem unser Verstand sich an das wichtige Wissen erinnert, das er sich angeeignet hat, ehe er in einen Körper fiel [725]: «Da die ganze Natur in allen ihren Teilen gleichartig ist, und da die Seele sich alle Prinzipien angeeignet hat, hindert nichts daran, dass eine einzige Erinnerung (was die Menschen Wissen nennen) sie allen anderen Prinzipien zuführt.» Balzac beschreibt die Liebe als Ergebnis einer Kette von Entsprechungen im Zusammenhang mit den Erlebnissen aus vergangenen Jahren [72]: «Haben Sie mein früheres Leben richtig verstanden, werden Sie die Gefühle verstehen, die in diesem Augenblick in mein Herz hervordrangen…den Glanz, der über einem samtigen Hals wie dem eines jungen Mädchens geglätteten Haare, die weißen Trennungen, die der Kamm darin hinterlassen hatte, und in die sich meine Phantasie wie in kühle Pfade stürzte: alles versetzte mich in ein Durcheinander.»

§443
· Gegendprobe
Theorie

Die Gegend von (F-long-temps-¦¦¦¦-S-Nachdruck) (F-lange Zeit-/-S-Nachdruck) bezüglich «J'ai long- temps habité sous de vastes portiques…» (Ich habe mich lange Zeit in weiten Säulenhallen aufgehalten…) muss beim Wert 2 bleiben, da der Dichter mit dieser heute ungewöhnlichen Schreibweise ("long-temps" [lange Zeit] statt "longtemps" [lange]) nur der in dieser Zeit üblichen folgte [[1143]] in Index II (Gedichte)">[[1143]]. 1861 passt er sich den neuen Gewohnheiten an und schreibt in der zweiten Ausgabe «longtemps» (lange) in einem Wort [[1143]] in Index II (Gedichte)">[[1143]].

Methode

Daher brauchen wir ein Kriterium zur Unterscheidung zwischen einer echten Einfügung und einer heute vergessenen Routine. Wenn der Schaffende sich für eine traditionelle Schreibweise entscheidet, aber dies später beim Leser wegen einer Änderung der Gewohnheiten einen Überraschungseffekt hervorruft, darf die neue Wirkung nicht mit der im Ursprung gewünschten verwechselt werden.

Anwendung auf Baudelaire

Anfangs schrieb Baudelaire «long-temps» (lange Zeit) aus Achtung vor dem Gebrauch, so dass es unsinnig wäre, ihm eine Verwerfung der Gewohnheiten zu unterstellen.

§444
· Schluchtprobe
Theorie

Wenn historische Forschungen das Tagebuch eines Setzers, der sich daran erinnere, in Versen 5 und 8 durch Zerstreuung die Wörter «confondent» (vereinen) und «répondent» (antworten) verwechselt zu haben, an den Tag legen, scheint die Schlucht von (F-confondent…répondent-¦¦¦¦-S-répondent…confondent) (F-vereinen…antworten-/-S-antworten…vereinen) den Wert 2 anzunehmen. Zwar scheint es angebracht zu sein, die Strecke zu kürzen, da das gewagte, vermeintliche Ideenspiel in Wirklichkeit einem einfachen Flüchtigkeitsfehler zuzuschreiben ist. Jedoch ist bei näherem Hinsehen dieser Wert 2 nicht zu vertreten, da der Dichter dem Werk mit dem Flüchtigkeitsfehler schließlich zugestimmt hat, und wir können feststellen -um unsere Fiktion fortzusetzen-, dass er für die zweite Ausgabe 1861 dieselbe Wortordnung beibehalten hat. Somit ist das Ferment å=1 berechtigt.

Methode

Die Vorstellung eines allein schaffenden Genies weist ihre Schwäche auf, da jeder zu einer bunten kulturellen Umwelt gehört, aus der er beliebig schöpft. Obwohl das Genie nur von selbst nicht schöpferisch ist, sollten wir die gewöhnliche Vorstellung eines solchen Schaffenden nicht systematisch verwerfen. Jede Schöpfung setzt einen Hauptbeiträger voraus, der aus unzähligen Beiträgen Nutzen zieht und für Hass oder Gloria steht.

Anwendung auf Baudelaire

Zitieren wir in diesem Zusammenhang einen Brief Baudelaires an seinen Verleger [647]: «Lieber Herr Malassis, ich bitte Sie tausend Mal um Vergebung, dass ich Sie abermals auf die Notwendigkeit aufmerksam mache, die Fahnen sorgfältig zu lesen.» Er weist als Beispiel auf einen Fehler hin, der ein fremdes Buch verunstaltet, und betont, dass er ein solches Missgeschick in seiner Gedichtsammlung nicht zulassen würde. Er denkt, dass er seine Unnachgiebigkeit erklären muss [648]: «Ich weiß und wiederhole es, wie sehr man sich durch solche Neckerei hässlich mache, aber ich habe Ihren Betrieb sehr ernst genommen, und Sie haben selbst einmal zugegeben, dass Sie wie ich der Meinung sind, dass in jeder Leistung nur Vollkommenheit zulässig ist.»

§445
· Gesamtberechnung I bezüglich (F-Correspondances/-¦¦¦¦-/S-corps responds danse)
Theorie

Berechnen wir Gesamtstrecken angefangen mit der, die sich aus dem niederen Guss (F- Correspondances/-¦¦¦¦-/S-Corps, responds, danse) (F-Entsprechungen/-/-/S-Körper, antworte, tanze) ergibt. Die in Frage kommende Bedeutung scheint dem Publikum nur schwer zugänglich, was uns erlaubt, die Glaswand õ=2 zu schreiben. Dieser ersten Menge folgt eine Truhe ñ=2. Der Dresseur verdient wegen des hohen Risikos einer Untreue zu den Zielen des Schaffenden den Wert ã=2. Somit ist die Trennung von “Corps, responds” (Körper, antworte) wegen des doppelten “R” der Scholle «Correspondances» vertretbar, aber die zweite Trennung “responds, danse” (antworte, tanze) bleibt unbegründet, und wir lassen daher die Abflachung ù=2 zu. Wir müssen die Karre ò=2 annehmen, weil die Formulierung des Themas des “antwortenden” Körpers dem Zeitgeist nicht entspricht, was auf eine übertriebene Auslegung hindeutet [[1110]] in Index II (Gedichte)">[[1110]]. Das Wortspiel “Correspondances-Corps, responds, danse” (Entsprechungen-Körper, antworte, tanze) scheint materiell genug zu sein, um die Bossierung ì=1 zu rechtfertigen. Da dieser Scherz auf Anhieb begreiflich ist, stellen wir den Firnis â=1 fest. Der Kenntnis wird hiermit kein Dienst geleistet, und der Auspuff û=1 ist daher notwendig. Wir sehen nicht, dass der Autor irgendeinem Gebrauch gefolgt hätte, was auf die Gegend ô=1 hinausführt. Da wir von einem möglichen Unfall im Zusammenhang mit dieser Wendung überhaupt nichts wissen, ist die Schlucht å=1 unumgänglich. Insgesamt wird die Glaubhaftigkeit 1/(õ)(ñ)(ã)(ù)(ò)(ì)(â)(û)(ô)(å)=1/(2)(2)(2)(2)(2)(1)(1)(1)(1)(1)=1/(2)(2)(2)(2)(2)=1/32 berechnet.

Methode

Der Ausdeuter kann in den Bebilderungen nicht umhin, so zu tun, als wäre seit dem Ursprung des Textes nichts geschehen: ihm droht stets eine Zeitwidrigkeit, weil Ereignisse nach der Veröffentlichung den Blick auf den Text verändern. Wenn der Ausleger sich von der Macht der Bilder des täglichen Lebens beherrschen lässt, kann er es insbesondere nicht vermeiden, Werte von heute auf die Worte von gestern zu übertragen. Wer dem Gedankengang zustimmt, die gegenwärtige Leidenschaft des Historikers zu nützen, damit er das Vergangene kraftvoll ergründet, wofür er sich begeistert, der ist die damit verbundene Illusionsgefahr nicht gewahr. Es wäre also wünschenswert, die mit dem Interesse verbundene Forschungsdynamik zu wahren, ohne die Objektivität zu gefährden.

Anwendung auf Baudelaire

Der Tanz zeugt von einer Verschmelzung der individuellen und kollektiven Ebenen. Durch die peinliche Wiederholung nimmt unser individueller Körper ein historisches Erbe auf, aber das Bewusstsein der Anstrengung hört bald auf, jede Bewegung zu begleiten. Unsere Tätigkeit vereint mehrere Bestimmungen. Erstens haben wir physiologisch Tausende von Funktionen, Reflexen und Trieben. Zweitens bauen sich historisch klar oder dumpf bedingte Gewohnheiten darauf auf, wie etwa Punkt Viertel nach zwölf Hunger zu haben, oder in der Hochkultur schwierigen Tanzschritten folgen zu können. Drittens erreichen wir die Ebene des Bewusstseins, des Gedächtnisses und des Willens. Die Hauptrolle im gesamten Prozess der Tätigkeit ist nicht einfach zu sehen, und dies erklärt die Schwierigkeit der Autoren, ohne einander zu widersprechen, unsere Fähigkeiten in eine Rangordnung zu bringen. Aristoteles gibt die Grundlagen an [28]: «Diese Mächte sind, so sagen wir, die nutritive, die begehrende, die fühlende, die bewegende und die denkende Fähigkeit.» Balzac geht von der durch einen Blumenstrauß hervorgerufenen Rührung aus und beschreibt, wie alle diese energiegeladenen Strömungen zusammenfließen können [73]: «Keine Erklärung, kein Beweis irgendeiner unsinnigen Leidenschaft beeinflusste sie heftiger als diese Sinfonien von Blumen, in denen meine verstörte Begierde die gleichen Bemühungen entfalten ließ, die Beethoven durch seine Noten zum Ausdruck brachte: tiefgründige Rückkehr zu sich selbst und gewaltiger Schwung gen Himmel. Bei diesem Anblick war Frau von Mortsauf nur noch Henriette. Wenn sie den Kopf von ihrem Stickrahmen hob, um die Sträuße entgegenzunehmen, sagte sie: "Mein Gott, wie schön ist das!" Sie kam immer wieder darauf zurück, sie nährte sich davon und deutete alle Gedanken richtig, die ich mit diesen Sträußen verbunden hatte. Sie werden ausgehend von irgendeiner Einzelheit aus einem dieser Sträuße diese zarte Entsprechung zwischen uns begreifen, wie Sie von einem Auszug aus einem der Gedichte Saadis das ganze Werk dieses Dichters verstehen können.» Baudelaire mag eine solche Lektüre gemacht haben, wie eine Reihe von Zeugenaussagen es bestätigen. 1867 wird anlässlich seines Todes seine Ankunft in Saint-Denis auf der Insel Bourbon [der heutigen Réunion] in einem Zeitungsartikel beschrieben. Am 19. September 1841 unterbricht der künftige Dichter seine Zwangsreise nach Indien [606]. Der junge Mann muss sich an der Strickleiter halten, um auf den Kai zu gelangen [607]: «…Baudelaire wollte unbedingt mit Büchern unter einem Arm auf die Leiter klettern (was ebenso eigenartig wie unpraktisch war). So erstieg er die Leiter langsam und würdevoll vor der Flut. Bald erreicht ihn die Woge, überflutet ihn unter 12 bis Fuß Wasser und reißt ihn von der Leiter. Er wird nur mühsam aus dem Wasser geholt, aber er hatte -unerhört- immer noch seine Bücher unter dem Arm.» Jules Levallois berichtet, dass Baudelaire in seiner Freizeit an Land aus Balzac lies [607].

§446
· Gesamtberechnung II, bezüglich (F-Correspondances…répondent-¦¦¦¦-S-Wiederholung)
Theorie

Wir wollen uns nun mit der Strecke der oberen Abbindung (F-Correspondances…répondent-¦¦¦¦-S- Wiederholung) (F-Entsprechungen…Antworten-/-S-Wiederholung) beschäftigen. Da die Wendung die Ballung unverändert lässt, hält sich das Gedicht als Krippe. Niemals schaden in diesen Versen zwei Worte einander. Die Denkweise ist nicht auf einen kleinen Kreis gemünzt. Daher ist die Glaswand õ=1 hier angebracht. Die Truhe nimmt den Wert ñ=1 an, weil die Ordnung der Wörter einen Härter ergibt: «Correspondances» (Entsprechungen) ist der Titel und «répondent» (Antworten) kommt im achten Vers vor. Der Verdacht wird durch den Rips ausgeschlossen, weil die französische Wurzel “respond” zugleich in «Correspondances» (Entsprechungen) und «répondent» (Antworten) vorhanden ist. Somit führt dieser gemeinsame Kern zum Dresseur ã=1. Der Kommentar zur Wendung weist keine Ungeschicklichkeit auf, so dass die Abflachung ù=1 gesichert scheint. In der Versbildung spielt der Titel keine entscheidende Rolle. Ein Leichtsinn des Autors und Mängel beim Ausdeuter sind auszuschließen. Die Wendung enthält keine Zeitwidrigkeit und entspricht der Erwartung des Publikums bezüglich eines damaligen Werks. Somit erreicht die Karre auf den Fall den Wert ò=1. Die Scholle ist dank der Wurzel “respond”, die die materielle Verwandtschaft zwischen «Correspondances» (Entsprechungen) und «répondent» (antworten) gegen Abstraktion schützt, in der Lage, die Bossierung ì=1 zu sichern. Die Wendung weist keine Änderung in der Kodierung auf, so dass der Firnis â=1 notwendig wird. Da die Wendung kein höheres Wissen voraussetzt, erreichen wir den Auspuff û=1. Da die Beziehung zwischen «Correspondances» (Entsprechungen) und «répondent» (antworten) der Gepflogenheiten fernbleibt, nehmen wir die Gegend ô=1 an. Schließlich ist die Schlucht å=1 gerechtfertigt, weil der Text kein Missgeschick erfahren hat. So gelangen wir zur erwünschten Glaubhaftigkeitsbewertung 1/(õ)(ñ)(ã)(ù)(ò)(ì)(â)(û)(ô)(å)=1/(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)=1/1=1. Kurzum stellt die Wendung ein inhaltsreiches Thema dar und bietet zumindest einen Zugang zur so eigenartigen Denkweise Baudelaires.

Methode

Um die Zweifel im Zusammenhang mit den verschiedenen Ripsen nicht zu unterschätzen, weisen mehrere unserer Kriterien manche verwandte Ideen auf. Dies kommt durch die Wiederkehr von (õ) in (ñ) besonders zum Vorschein. Jedes Ferment unterscheidet sich jedoch von seinen Nachbarn, weil er Besonderheiten aufweist, die ihm eigen sind.

Anwendung auf Baudelaire

Die höchste Antwort auf die Rufe von den erblickten Wesen ist der Opfertod. Wir können uns die der Verderbnis geopferte Frische vorstellen, die das Gleichgewicht der Welt aufrecht hält. Ein Verehrer von de Maistre war sicher in der Lage, so etwas zu begreifen. Da die Französische Revolution manche Beispiele solcher Pflichterfüllung geliefert hatte, gelangte Baudelaire bald zur Achtung für die Künstler, die für diesen moralischen Wert Interesse zeigten [697]-[698]: «Beim Betrachten der Reihe von Gemälden von Delacroix, kommen wir uns vor, als ob es sich um die wiederkehrende Feier desselben schmerzhaften Mysteriums handle…Wegen dieser ganz modernen und neuen Eigenschaft verkörpert dieser Maler den neuesten Ausdruck des Fortschritts in der Kunst.»

§447
· Berechnung III einer vollständigen Strecke
Theorie

Betrachten wir (P…A…R…F…U…M…C…O…N…V…E…R…S…E/-¦¦¦¦-/Akrostichon) (D…U…F…T …U…N…T…E…R…H…Ä…L…T…S…I…C…H/-/-/Akrostichon). In unserer Berechnung werden wir die folgenden Verse in Sicht haben: “Profonde est la nature,/Attirant est son verbe/Ressurgi de piliers/Fameux par leurs regards.//Un écho inspiré,/Mâché dans le lointain/Correspond aux cinq sens,/Or et boue en dialogue.//Naissant dans la fraîcheur,/Versés en le hautbois,/Emportés par l'ivresse,//Résolus ils se risquent/Sur la route du chant/Et de la corruption.” (Tief ist die Natur,/Ihre Worte sind verlockend./Sie tauchen aus den Säulen auf,/Die sich durch ihre Blicke ausgezeichnet haben.//Ein in der Ferne gebrochenes,/Erleuchtetes Echo/Entspricht den fünf Sinnen./Es ist ein Zwiegespräch aus Gold und Schlamm,//Das aus der Frische entsteht/Und dann in der Musik für die Oboe versiert wird./Wenn beide Elemente vom Rausch hingerissen werden,//Wagen sie sich entschieden/Auf den Weg des Gesangs/Und der Verderbnis.» Obwohl dieser Scherz ein zweites aus den Versanfängen entstandenes Wort ergibt, bleibt das Gespinst aus den Begriffen, Stiften und Bruchsteinen bestehen. In der Tat bildet “P…A…R… F…U…M…C…O…N…V…E…R…S…E” (D…U…F…T…U…N…T…E…R…H…Ä…L…T…S…I…C…H) auch einen Stift. Das Publikum wird sowohl durch das Akrostichon als auch durch die anderen Wörter betroffen, und diese Wendung ist auffällig genug, um eine Glaswand õ=1 zu erlauben. Da das Akrostichon besonders selbstverständlich scheint, enthält er seinen Härter, was zur Truhe ñ=1 führt. Das Limit wird durch keinen Widersinn bezüglich der Scholle begleitet, was auf den Dresseur ã=1 hinausgeht. Da der Kommentar des Akrostichons keine Ungeschicklichkeit aufweist, können wir die Abflachung ù=1 schreiben. Das Akrostichon ist eher einem literarischen Parasitismus als einem gewöhnlichen Mittel zu Versbildung ähnlich. Kein Merkposten lässt eine etwaige feindliche Einstellung des Autors zu diesem Rips ahnen. Es handelt sich auch nicht um das Ergebnis eines Leichtsinns. Wenn wir diese letzten drei Punkte zusammennehmen, merken wir, dass die Karre ò=1 vertrauenswürdig ist. Diese Figur hat nichts Abstraktes; der Aufbau des Sinnes ist zwar seltsam, aber keineswegs zweideutig, und wir kommen zur Bossierung ì=1. Da der Zugang zum Akrostichon weder mit irgendeinem geheimen Schlüssel, noch mit einer längeren Lehre im Voraus verbunden ist, schreiben wir den Firnis â=1. Und da es sich um ein verbales Kunststück mit ästhetischem Ziel handelt, nehmen wir den Auspuff û=1 an. Die Anwendung eines Akrostichons bleibt hier eine Ausnahme, so dass die Gegend ô=1 sich aufzwingt. Da diese Redefigur weder mit einem Unfall, noch mit einer Fälschung verbunden ist, verdient sie die Schlucht å=1. Die Berechnung und die allgemeine Intuition bringen uns zur Strecke 1/(õ)(ñ)(ã)(ù)(ò)(ì)(â)(û)(ô)(å)=1/(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)=1/1=1.

Methode

Um den Auspuff zu bestimmen, haben wir zwischen Versbildung und Technik einen Unterschied gemacht, und dies ist keineswegs willkürlich. Jede Dichtung bleibt mit dem Spiel, dem Mythos und der Träumerei verwandt [283]. Des Weiteren ist die Technik in der Produktion der Heizung oder der Beförderung von Gütern leicht erkennbar, was im Bereich der künstlerischen Leistung nicht der Fall zu sein scheint.

Anwendung auf Baudelaire

Ein Brief des Dichters zeigt, wie die Feinfühligkeit den Alltag des Künstlers mühelos gestaltet [642]-[643]: «Lieber Freund, da Sie an Träumen Gefallen finden, will ich Ihnen von einem erzählen, an dem Sie -davon bin ich überzeugt- Ihre Freude haben werden. Es ist Uhr morgens, und der Traum ist also ganz frisch…Ich hielt es für meine "Pflicht", der Aufseherin eines größeren Freudenhauses ein neulich erschienenes Buch von mir zu schenken…die Mauern dieser weiträumigen Gänge sind mit allerlei Bildern geschmückt…In einer entlegenen Ecke…komme ich auf eine höchst seltsame Reihe…Eine Darstellung farbenprächtiger Vögel, mit glänzendem Gefieder und "lebendigem" Auge. Manchmal "werden nur Hälften von Vögel dargestellt". -Manchmal sind es nur Bilder von seltsamen, ungeheuerlichen, fast "gestaltlosen" Wesen wie "Meteorsteine". In einer Ecke eines jeden Bildes steht eine Note: "Das Mädchen Sowieso, im Alter von...., hat diesen Fetus im Jahre…geboren"; -und ähnliche Hinweise.»

§448
· Gesamtberechnung IV bezüglich (N-¦¦¦¦-Wichtigkeit)
Theorie

Die Glaubhaftigkeit des niederen Stapels (N-¦¦¦¦-Wichtigkeit) nimmt eine Glaswand mit dem Wert õ=1 an. Das Gespinst beruht ausschließlich auf Begriffen, Stiften und Bruchsteinen. Wenn das großgeschriebene N außerhalb des Gespinsts bleibt, weil es auf Französisch überflüssig ist, und so nur ein Zerteilen ausmacht, das die Wichtigkeit der Natur unterstreicht, wirkt es bezüglich des Zusammenhangs des Gespinsts nicht hinderlich, und seine typographische Größe begünstigt sogar die Redefigur. Der offenbar punktuelle Charakter des N sichert für die Wendung eine Truhe ñ=1. Der Kommentar “Wichtigkeit” zum Limit haftet eng am Großbuchstaben N, so dass wir zwangsweise den Dresseur ã=1 schreiben. Es kommen in diesem Minimalkommentar keine Ungeschicklichkeiten vor, und die Abflachung verdient den Wert ù=1. Die Redefigur kann nicht auf Leichtsinn beruhen und gehört nicht zu den herkömmlichen Mitteln der Versbildung. Diese beiden Punkte rechtfertigen die Karre ò=1. Da das N im Wesentlichen seinen materiellen, nicht abstrakten Charakter behält, gelangen wir zur Bossierung ì=1. Da das außergewöhnliche N von keinerlei ähnlichen Buchstaben begleitet wird, kann keine neue Kodierung entstehen, was den Firnis â=1 rechtfertigt. Es kommt mit diesem N kein höheres Wissen in Frage, und wir schreiben den Auspuff û=1. Da «Nature» auf Französisch gewöhnlich nicht großgeschrieben wird, nehmen wir die Gegend ô=1 an. Die Schlucht verdient den Wert å=1, weil die Kritik bezüglich des N keinen Unfall und keine Fälschung aufgewiesen hat. Zusammenfassend werden sich das numerische Ergebnis und die Intuition einig: 1/(õ)(ñ) (ã)(ù)(ò)(ì)(â)(û)(ô)(å)=1/(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)=1.

Methode

In einer Krippe hindert der Träger, der von einem Stift begleitet wird, nicht immer die Bohrung, aber es entsteht doch eine Unterscheidung mit dem Rest des Werks. Daher sammeln wir alle ähnlichen materiellen Tatsachen in der Kategorie Ripse. Wir unterscheiden hier nicht den Rips und den Gedanken, den es bringt, weil wir sonst in endlose Erklärungen gelangen.

Anwendung auf Baudelaire

Selbst wenn der hier untersuchte Sinn nicht nur den Stift, sondern auch den materiellen Großbuchstaben betrifft, ist die Wiedergabe “Wichtigkeit” gründlich besser als die Wiedergabe “Adel”. Die Erzählung, in der der Dichter auf den seltsamen Traum hinweist, zeigt, dass die für uns wichtigen Produkte der Natur nicht immer majestätisch sind. Wir müssen jedoch zugeben, dass die fernöstlische Gestalt des Elefantenknaben einbezogen werden könnte. Der Ausdeuter stellt sich den Dichter in einer informellen Gruppe von Künstlern vor, die sich über die bevorstehende Weltausstellung unterhalten. Der Elefantenknabe ist den Gelehrten auf jeden Fall eine vertraute Figur [816]: «Er ist ein Kriegsherr und vor allem auch der Schutzpatron allerlei Unternehmungen -unter anderen der esoterischen Tätigkeiten- und er wird auch sehr oft am Anfang literarischer Werke erwähnt.» Zur Deutung dieses Traums müssen wir auch Baudelaire ein besonderes Interesse für neulich wissenschaftlich erforschte Missbildungen unterstellen [870]: «Die Wissenschaft der Ungeheuer, auch tierische Teratologie genannt, ist eine junge Wissenschaft…, die von Etienne Geoffroy Saint-Hilaire gegründet wurde…» Der für Asselineau erzählte Traum deutet in der Tat auf manche unterschiedliche Ideen zugleich hin [644]: «Unter allen diesen Wesen hat eines tatsächlich gelebt. Es handelt sich um ein im Hause geborenes Ungeheuer, das stets auf demselben Podest steht. Obwohl es lebt, gehört es zu den Museumsfiguren. Es ist nicht unschön. Sein Gesicht sieht sogar hübsch aus, braun gebrannt, mit fernöstlicher Hautfarbe. An ihm sind auch viele grüne und Rosa Töne. Es kauert jedoch in einer seltsamen, verdrehten Haltung. Es schwebt außerdem etwas Schwärzliches, was wie eine Riesenschlange mehrmals um ihn und seine Glieder kreist. Ich frage das Ungeheuer, worum es sich handelt, und es antwortet mir, dass es sich um einen ungeheuerlichen Appendix handelt, der seinem Kopf entspringt. Es ist etwas Elastisches wie Gummi und so lang, so lang, dass es viel zu schwer und unmöglich zu tragen wäre, wenn das Ungeheuer es auf seinem Kopf zu Zöpfen flöchte -daher muss es das Ungeheuer um seine Glieder rollen, was, so beteuert es, besonders gut aussieht. Ich habe mit dem Ungeheuer eine längere Unterhaltung. Es teilt mir seine Sorgen und Kummer mit. Seit Jahren muss es zur Freude des Publikums auf diesem Podest in diesem Saal verweilen.»

§449
· Gesamtberechnung V für (F-est un temple-¦¦¦¦-S-estt un ttemple)
Theorie

Gehen wir zu (F-est un temple/-¦¦¦¦-/S-estt un ttemple) (F-ist ein Tempel/-/-/S-istt ein TTempel) über. Hier wird der erste Vers rhythmisch mit Nachdruck wieder aufgenommen -mit der mit dem Takt verbundenen Feierlichkeit. Da dieselben Wörter wieder aufgenommen werden -nur mit kräftigerem Trommelschlag- wird das Gespinst keineswegs gestört. Es verwirklicht sich nach wie vor mit Bruchsteinen, Stiften und Begriffen. Aus demselben Grund wird der Hauptsinn nicht gestört. Das Publikum erkennt mühelos eine besondere Redewendung, denn das rhetorische Klangspiel wurde mehrfach beschrieben. Daher nehmen wir die Glaswand õ=1 an. Die Truhe (ñ) -das zweite Ferment- verdient auch den Wert 1, weil die Pachtgüter zu einem kohärenten Sinnzusammenhang gehören. Der Dresseur ã=2 zwingt sich auf, weil der Kommentar sich auf nichts Greifbares stützt, da das Verb sowohl auf Französisch (est) als auf Deutsch (ist) auf "T" endet. Die Abflachung ù=1 scheint in Ordnung zu sein, weil im Limit keine Ungeschicklichkeit zu verzeichnen ist. Das nachdrückliche Trommeln der “T” spielt für Baudelaire in der Versbildung keine Rolle. Es entgeht dem Ausdeuter dabei zur Urteilsbildung keine Einzelheit. Andererseits kann die Redewendung auf keinen Leichtsinn des Schaffenden zurückgeführt werden. Aus all diesen Gründen können wir die Karre ò=1 schreiben. Die Bossierung ì=1 wird auch leicht festgesetzt, weil das Getrommel so ausgeprägt ist, dass es weder als abstrakt, noch als doppeldeutig ausgelegt werden kann. Dieser konkrete Charakter schließt ebenfalls jede geheime Kodierung aus, so dass der Firnis den Wert â=1 annimmt. Aus demselben Grund verdient der Auspuff den Wert û=1, weil die Reihe von “T” nicht zur Mitteilung eines wissenschaftlichen Elements beitragen kann. Die Gegend ô=1 ist gerechtfertigt, denn die nachdrückliche Wiederholung der “T” nicht zu den herkömmlichen Gewohnheiten der Diktion des Sonetts gehört. Die Kritik kann kein Missgeschick erkennen, das dem Sonett widerfahren wäre, was die Schlucht auf den Wert å=1 bringt. Somit erreicht die Strecke die Höhe 1/(õ)(ñ)(ã)(ù)(ò)(ì)(â)(û)(ô)(å)=1/(1)(1)(2)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)=½.

Methode

Wir bestimmen die Sicherheit der Redewendung, indem wir die damit verbundenen Zweifel aufzählen und das Umgekehrte festhalten. Schenken wir dem hier angewendeten wissenschaftlichen Muster Gehör [806]: «Die Messung der Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses ist das Verhältnis der Anzahl von Fällen, die diesem Ereignis günstig sind, zur Anzahl aller Fälle, die diesem Ereignis günstig oder hinderlich sind -vorausgesetzt dass sie alle gleich möglich sind, oder die gleichen Erfolgschancen haben.» Da die Berechnung der literarischen Glaubhaftigkeit dem Verhältnis (Anzahl der günstigen Fälle/Gesamtzahl der Fälle) nicht folgen kann, ersetzen wir es durch (1/Schwächen). Da wir weder die Fälle mit gleichen intuitiven Möglichkeiten aufzählen können, noch die Anzahl günstiger Lagen ausmachen können, bewerten wir nur die Fragwürdigkeit der Hindernisse.

Anwendung auf Baudelaire

Den feierlichen Trommelschlag in (F-est.un.temple/-¦¦¦¦-/S-estt.un. ttemple) (F-ist.ein.Tempel/-/-/S-istt.ein.TTempel) können wir auch hören, wenn Balzac die beeindruckende Gesamtheit der Welt besingt [76]: «Haben Sie sich je in die Unendlichkeit von Raum und Zeit gestürzt, indem Sie die geologischen Schriften Cuviers gelesen haben? Haben Sie je auf den Flügeln seines Genies über dem grenzenlosen Abgrund der Vergangenheit geschwebt -als hätte Sie ein Zauberer in seiner Hand gehalten? Dann hätten Sie von Ebene zu Ebene, von Schicht zu Schicht, in den Steinbrüchen des Hügels Montmartre oder in den Schiefern im Ural, diese Tiere entdeckt. Ihre versteinerten Überreste gehören zu vorsintflutlichen Zivilisationen. Die Seele des Lesers sträubt sich, weil sie Angst hat, sich Milliarden von Jahren, Millionen von Völkern vorzustellen, die das schwache menschliche Gedächtnis und die unverwüstliche göttliche Tradition vergessen haben -ihre Aschen, die sich an der Oberfläche unserer Erdkugel stapeln, bilden die zwei Fuß Erde, die uns Blumen und Brot geben.»

§450
· Gesamtberechnung VI mit (F-piliers-¦¦¦¦-S-pieds)
Theorie

In der ersten Zeile der Ballung versuchen wir, “pieds” (Füße) -mit Trennung “pi-é”, um die Silbenanzahl im französischen Vers zu behalten- statt «piliers» (Säulen) auszusprechen. Somit wäre der Autor davon ausgegangen, dass die natürliche Welt in ihrer erhabenen Architektur mit einem Gedicht verglichen werden könnte: “Die Natur ist ein Gedicht, in dem lebendige Füße…” Die Schwierigkeit, sich zu verständigen, hätte den Dichter gezwungen, «pieds» (Füße) durch «piliers» (Säulen) zu ersetzen. In seiner Leidenschaft hätte er jedoch weiter gehofft, dass das Publikum durch die Klangnähe mit «piliers» (Säulen) den Sinn «pieds» (Füße) erahnt hätte. Was die Glaswand von (F-piliers-¦¦¦¦-S-pieds) (F-Säulen-/-S-Füße) betrifft, müssen wir den Wert õ=2 annehmen, weil die Bedeutung der Redewendung nicht auf der Hand liegt. Daraus können wir folgern, dass die Truhe den Wert ñ=2 verdient. In diesem Zusammenhang erweist sich der Dresseur ã=2 als nützlich, da der Ausleger den Sinn des Werks in einer gewagten Vermutung ausschöpft. In dieser Angelegenheit mit dem Spiel "pieds-piliers" (Füße-Säulen) grenzt die Ungeschicklichkeit ans Komische, was uns dazu führt, die Abflachung ù=2 zu schreiben. Dagegen bleibt die Karre beim Wert ò=1, weil das Wortspiel in historischer Hinsicht zulässig zu sein scheint. Da das Gedicht äußerlich unverändert bleibt, setzt der Schritt von «piliers» (Säulen) zu «pieds» (Füße) eine ungeheure Abstraktion voraus, was die Bossierung ì=2 rechtfertigt. Das scheinbare Wortspiel hat nicht den Wert eines Kodes, denn die eigentlichen Worte mit «Säulen» drängen sich viel zu kräftig auf, was zum Firnis â=1 führt. Keiner ahnt, welche wissenschaftlichen Kenntnisse hinter dem Rips verschleiert sein mögen, was auf den Auspuff û=1 hinausgeht. Da die Gewohnheiten in diesem Ersinnen keine Rolle spielen, bringt die Gegend ô=1 keinen Zweifel mit sich. Die Notwendigkeit, in diesem Zusammenhang jedes Missgeschick auszuschließen, zwingt uns, die Schlucht å=1 anzunehmen. Die Strecke 1/(õ)(ñ)(ã)(ù)(ò)(ì)(â)(û)(ô)(å)=1/(2) (2)(2)(2)(1)(2)(1)(1)(1)(1)=1/(2)(2)(2)(2)(2)=1/32 ist das Ergebnis der allgemeinen Lage.

Methode

Es hätte keinen Sinn, sich heute ohne Rücksicht auf den historischen Zusammenhang über die Definition des Fußes in der Versbildung zu zerstreiten. Hatzfeld und Darmesteter schreiben hierüber [426]: «Maß der Betonung (Maßeinheit im Vers). "Der griechische oder lateinische Hexameter besteht aus sechs Versfüßen. Ein französischer Vers mit 10 oder Füßen."» Alain Rey erklärt [846]: «…in der Antike konnte jede Gruppe von Silben durch Beinschlag auf der betonten Silbe gekennzeichnet werden.»

Anwendung auf Baudelaire

Zur Zeit des Galilei stützt sich der Tempel der Wissenschaft auf die drei Pfeiler der Mathematik, der Sternkunde und der Optik, um den Gelehrten in der Ergründung der Erscheinungen Hilfe zu leisten. Wir müssen aber für das 19. Jahrhundert, die Zeit Baudelaires, die Biologie hinzufügen, die zwischen gestern und heute Entsprechungen entdeckt. Balzac bringt seine Bewunderung mit folgenden Worten zum Ausdruck [77]: «Ist Cuvier nicht der größte Dichter unseres Jahrhunderts? Lord Byron hat zwar die Angst des Herzens manchmal mit Worten wiedergegeben, aber unser unsterblicher Naturforscher hat mit geblichenen Knochenresten Welten rekonstruiert. Wie Kadmos hat er mit Zähnen ganze Städte wieder entstehen lassen. Er hat mit den Geheimnissen der Zoologie, anhand von Fossilien aus der Steinkohle, 1000 Wälder wieder aufleben lassen. Er hat im Fuß eines Mammuts Völker von Riesen wieder erkannt. Diese Gestalten richten sich auf, wachsen und belegen ganze Gebiete, die ihren kolossalen Ausmaßen entsprechen. Er wirkt mit Zahlen als Dichter und erreicht das Erhabene, indem er hinter eine Sieben eine Null setzt. Er bringt das Nichts wieder zum Leben, ohne künstlich magische Worte zu sprechen. Er untersucht ein Stückchen Gips, erblickt darin eine Spur und schreit Ihnen zu: "Schaut!" Plötzlich lebt der Marmor wieder auf, der Tod erhebt sich, die Welt gerät ins Rollen!»

§451
· Gesamtberechnung VII über (F-piliers familiers-¦¦¦¦-S-Nebeneinanderstellung der Bedeutung)
Theorie

Versuchen wir die Glaubhaftigkeit von (F-piliers…familiers-¦¦¦¦-S-Nebeneinanderstellung der Bedeutung) (F-Säulen…vertrauten-/-S-Nebeneinanderstellung der Bedeutung) zu schätzen, die dann in Frage käme, wenn der Dichter an den symbolischen, geschlechtlichen Wert der Pfeiler gedacht hätte. Da sonst im Text nichts geändert wird, bleibt eine Krippe vorhanden. Und da jeder Anschein einer Stilfigur fehlt, bestimmt die Glaswand õ=2, die Beziehung der Klänge zueinander. Wir haben hier einen Härter, der die Truhe ñ=2 einführt, denn die beiden Wörter reimen sich in den Versen 1 und 4. Wenn wir die beiden Klänge eines Reimes verbinden, neigen wir zunächst zu einem Dresseur ã=1. Hier geht es aber um die Nebeneinanderstellung der Bedeutungen, was zu einem allzu gewagten Limit führt, so dass der Dresseur ã=2 letztendlich gerechtfertigt ist. Dagegen erreichen wir die Abflachung ù=1, weil der Kommentar keine Ungeschicklichkeit enthält. Wir greifen auf ein herkömmliches Mittel der Versbildung zurück, nämlich den Reim, so müssen wir die Karre ò=2 schreiben. Es ist erforderlich, die Bossierung ì=1 anzunehmen, weil das Klangverhältnis im Gedicht sehr konkret ist. Es kommt kein Schlüssel oder keine Kodierung vor, so zwingt sich der Firnis â=1 problemlos auf. Der Auspuff (û) nimmt den Wert 1 an, weil diese Wendung der Wissenschaft nichts bringt. Da ein französischer Dichter sich gewöhnlich auf den Reim stützt, scheint die Gegend ô=2 durchaus angebracht zu sein. Es ziemt sich, die Schlucht å=1 zu schreiben, denn wir wissen nichts von einem etwaigen Unfall, der dem Gedicht widerfahren wäre. Zusammenfassend verdient die Wendung die Strecke 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(2)(2)(1)(2)(1)(1)(1)(2)(1)=1/(2)(2)(2)(2)(2)=1/32.

Methode

Die Dichtung besteht aus einem Klangspiel, das jedoch keineswegs eine materielle Einfügung in die Bedeutung darstellt, sondern den Sinn begleitet und hervorhebt.

Anwendung auf Baudelaire

Das Thema des geschlechtlichen Pfeilers führt uns zu Plato, der hinter der Fortpflanzung die Unsterblichkeit wähnt. Das Geschlechtliche sichert den Menschen das ewige Leben, das ans Göttliche grenzt [729]: «…die sterbliche Natur ist bemüht, sich mit eigenen Mitteln zu erhalten, und somit unsterblich zu werden…» Goltzius hat ein Motiv gestochen, worauf sich Baudelaire bezieht [1]-[[989]] in Index II (Gedichte)">[[989]]: «Die Liebe sitzt auf dem Schädel
Der Menschheit,
Und auf diesem Thron
Bläst der frech lachende Laie

Fröhlich Kugeln,
Die in der Luft aufsteigen
Und den anderen Welten
Im endlosen Himmel zuschweben.

Die leuchtende, zierliche Kugel
Schwingt sich majestätisch in die Lüfte,
Platzt und spuckt ihre dünne Seele
Wie einen goldenen Traum aus.

Mit jeder Seifenblase höre ich,
Wie der Schädel betet und ächzt:
-"Wann wird dieses grausame,
Lächerliche Spiel enden?

Was dein unmenschlicher Mund,
Mörderisches Ungeheuer, in der Luft verstreut,
Sind meine Hirnsubstanz,
Mein Blut und mein Fleisch!"» Der Stecher stellt den Kugeln blasenden Knaben mit dem Umhang auf dem Rücken unter spärlichen Wolken dar. Er hält einen sehr langen Strohhalm, mit dem er die Blasen aus einer Schale saugt, die etwas größer als seine Hand ist. Der Knabe setzt sich beinahe rittlings auf den Schädel, der ein Drittel seiner Größe hat. Auf der linken Seite des Bildes ist ein Strauß zu sehen, während symmetrisch rechts aus einer anderen Vase dichter Rauch wie Weihrauch emporsteigt. Unter der Überschrift «Wer entkommt?» ist eine Moral zu lesen, die ein guter Latinist trotz mancher schwer zu entziffernder Typen wie folgt deutet [1]: «Im Nu geht dieses kurze Leben, das zum Bereich des Todes gehört, auch in Blüte dahin. Denn wir sind sozusagen eine kleine Seifenblase. Warum vertrauen wir denn, wir Dummen, unseren vergänglichen Jahren? Warum lernen wir nicht spontan, frühzeitig zu sterben, da das Leben, das in uns noch übrig bleibt, zu den Sternen gehen wird, nachdem es sich von den Fesseln eines schmeichlerischen Fleisches gelöst hat. Es wird leichteren Schrittes unseres Geistes zum himmlischen Volk gehen, das ihm, indem es als Mitbürger erkannt hat, bereits einen Platz zugewiesen hat?» Goltzius bleibt bei dieser Allegorie in einem anderen Stich und nimmt der bitteren Eitelkeit den Glanz. Diesmal hat der Knabe ein schmerzhaftes, verkniffenes Gesicht und wird deutlicher sitzend und sogar in einem Moment Ruhe mit dem linken Ellbogen auf dem Schädel ruhend dargestellt [498].

§452
· Gesamtberechnung VIII mit (F-liers/Lai-¦¦¦¦-S-Leichtigkeit)
Theorie

Die niedere Abbindung (F-liers/Lai-¦¦¦¦-S-Leichtigkeit) ["liers" aus "piliers" (Säulen) und "Lai" aus "Laissent" (lassen)] liegt in der Krippe von „Entsprechungen“: «La Nature est un temple où de vivants piliers
Laissent parfois sortir de confuses paroles…» (Die Natur ist ein Tempel, worin lebendige Säulen/ Zuweilen wirre Worte entweichen lassen…) Dabei entschwindet die Wiederholung “liers-Lai” fast, weil jeder Versanfang mit einer Anstrengung gekennzeichnet ist, was die Trennung unterstreicht. Daher ist das Publikum nicht darauf vorbereitet, die materielle Einfügung zu bemerken, so dass die Glaswand den Wert õ=2 erreicht, was wiederum die Truhe ñ=2 herbeiführt. Ein Dresseur ã=2 drängt sich auf, denn es liegt nicht auf der Hand, dass der Dichter einen L-Stabreim beabsichtigt hätte, um ein Gefühl der Leichtigkeit anzudeuten. Der Ausleger bleibt zwischen zwei entgegengesetzten Deutungen unentschlossen: entweder herrscht das Gefühl der Leichtigkeit, oder das der plumpen Wiederholung vor. Jedoch kommt im Limit keine Ungeschicklichkeit vor, was auf die Abflachung ù=1 hinausgeht. Da die Wiederholung auf den Leichtsinn des Dichters hätte zurückgeführt werden können, nehmen wir die Karre ò=2 an. Der Fall ist so konkret, dass keinerlei Abstraktion zu befürchten ist, was uns dazu leitet, die Bossierung ì=1 zu schreiben. Da wir die Wiederholung “liers-Lai” auffassen können, ohne auf einen Schlüssel oder eine Kodierung zurückzugreifen, nimmt der Firnis (â) den Wert 1 an. Und da unsere Redewendung mit keinem wissenschaftlichen Ziel verbunden ist, verdient der Auspuff (û) den Wert 1. Die Gewohnheiten des Dichters haben mit der Wiederholung der L-Laute nichts zu tun, was die Gegend ô=1 rechtfertigt. Wir schreiben die Schlucht å=1, weil die Bildung der Redewendung mit keinerlei Unfall verbunden zu sein scheint. Das Gesamtereignis beträgt also 1/(õ)(ñ)(ã)(ù)(ò)(ì)(â)(û)(ô)(å)=1/(2)(2)(2)(1)(2)(1)(1)(1)(1)(1)=1/(2)(2)(2)(2)=1/16.

Methode

Unsere Berechnung lehnt sich nur entfernt an die Erscheinungen des Gedichts, aber darin ist kein Anlass zur Aufregung, weil der mathematische Kreis anfangs aller Wahrscheinlichkeit nach dem großen Leuchter des Himmels nachgezeichnet wurde. Um einen falschen Spruch zu meiden, hat der Techniker auch heute seine Versuche, der Physiker seine Experimente, und der Mathematiker seine Skizzen auf einem Blatt Papier. Wir könnten uns leicht vorstellen, dass die Theorie sich der Unterstützung der Sinne entledigt, aber es handelt sich in diesem Fall um Hochmut. Joubert warnt uns davor [468]: «Haben wir in den geometrischen Beweisen den Grundsatz im Kopf, so haben wir die Figur vor Augen. Zwischen der Figur und unseren Augen ist das Licht des ganzen Himmels, um die Irrtümer zu beleuchten, die uns in der Anwendung des Grundsatzes auf die Tatsachen unterlaufen könnten.» Des Weiteren werden sogar die Grundsätze nach Stuart Mill von der Verallgemeinerung der täglichen Erfahrung abgeleitet. Auf diese Weise sehen wir stets, dass wir zwischen zwei Punkten den kürzesten Weg zurücklegen, wenn wir uns an der Geraden halten [7000]-[7001].

Anwendung auf Baudelaire

Unterstreichen wir in den ersten Versen des Gedichts eine zweite Alliteration: “ol-lo” oder «paroles;
L'homme» (Worte;/der Mensch) -und in diesem Fall deuten die Klänge auf Fülle hin. Um 1840 wurden sich George Sand und Prosper Mérimée der Wichtigkeit der in einem Schloss im Département Creuse aufbewahrten Wandbildteppiche bewusst, die die Entsprechungen zum Thema hatten. Lesen wir bei Edmond Haraucourt [424]: «Diese berühmten Wandbespannungen gaben Anlass zu manchen aus der Luft gegriffenen Sagen. Wegen der im Wappenschild dargestellten Mondsicheln, glaubte man, ein Geschenk von Zim-Zizimi zu erkennen, der 1482 bei Pierre d'Aubusson, dem Herrn von Boussac, zu Gast war. Inzwischen ist das Wappenschild gedeutet worden. Die Nebeneinanderstellung der beiden heraldischen Tiere, des Löwen und des Einhorns, symbolisiert einfach die Vereinigung zweier Familien, von denen die eine zum Schwertadel und die andere zum Amtsadel gehören -der Löwe steht für Gewalt, also für den Schwertadel, und das Einhorn für die Unbestechlichkeit des Amtsadels. Diese Bespannungen, die vermutlich anlässlich der Hochzeit eines Fräuleins Le Viste geschaffen wurden, sind wahrscheinlich eine allegorische Darstellung der fünf Sinne, die dem Zeitgeist entsprach. Beim Sehen wird die Dame dargestellt, wie sie dem Einhorn den Spiegel hinhält. Beim Gehör spielt die Dame Orgel. Beim Geschmack reicht die Dame dem Papagei Haselnüsse hin, während der Affe Kirschen frisst. Beim Geruch flicht die Dame Girlanden von Blumen, und der Affe beriecht eine Rose. Beim Gefühl berührt die Dame das Einhorn und den Schaft. Die in ihren Ausmaßen größere sechste Wandbespannung mag wenn nicht einen sechsten Sinn, so zumindest die Huldigung der Dame betreffen, die alle Sinne entzückt: "Mein alleiniges Verlangen."»

§453
· Gesamtberechnung IX für (F-Laissent parfois sortir de confuses paroles/-¦¦¦¦-/S-Laissssent parffois
Theorie

Der Verbundstoff (F-Laissent parfois sortir de confuses paroles/-¦¦¦¦-/S-Laisssent parffois ssortir de conffuses paroles) (F-zuweilen konfuse Worte entweichen lassen/-/-/zuweilen konffuse Worte entweichen lassssen) deutet das beschriebene Gemurmel an. Wir unterscheiden darin viele niedere Abbindungen auf “S” oder “F”, die das Verständnis des Gedichts nicht genug stören, als dass ein Gespinst nur mit Stiften, Begriffen oder Bruchsteinen nicht aufgestellt werden könnte. Des Weiteren vermag der Zusammenhang, den Stabreim nicht zu verschleiern. Diese Argumente führen uns zu einer Glaswand õ=1, bei der die Truhe ñ=1 auch gerechtfertigt ist, denn der zweite Vers besitzt eine feste Sinneinheit. Dagegen müssen wir, was den Dresseur betrifft, wegen einer möglichen Untreue zu den Absichten des Schaffenden ã=2 zugeben, weil die R-Laute mit dem Gemurmel sozusagen schlecht ins Bild passen. Die Abflachung ù=1 lässt keinen Zweifel aufkommen, da das Klangspiel zugleich lustig und einfach wirkt. Die Versbildung erfordert keineswegs dieses Klangspiel, und Baudelaire ist hier keine Flüchtigkeit zuzumuten. Angesichts dieser Punkte nehmen wir die Karre ò=1 an. Die konkrete Seite der Redewendung lässt nur die Bossierung ì=1 zu. Der Zugang zum Inhalt erfordert keine Änderung in der Kodierung, was den Firnis â=1 rechtfertigt. Da das vermutliche Gemurmel der Wissenschaft nichts bringt, benötigt der Auspuff den Wert û=1. Und da die Bräuche mit diesem Rips nichts zu tun haben, verdient die Gegend die Höhe ô=1. Wir schreiben die Schlucht å=1, weil die in Frage kommende Diktion auf keinerlei Unfall zurückzuführen ist. Daraus ergibt sich die Strecke 1/õñãùòìâûôå=1/(1)(1)(2)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)=½.

Methode

Dass ein Dichter -als Fachmann der Sprache- sich mit den Konsonanten beschäftigt, entspricht durchaus der Logik. Der Ausdeuter muss sich am Künstler orientieren, um die Fermente richtig zu bestimmen. Ein Buhnenautor kommentiert spontan das Gebärden der Schauspieler auf der Bühne, wie ein Musiker an die Partitur denkt, wenn er im Libretto blättert.

Anwendung auf Baudelaire

Die Bleistifte der Mathematiker sind lebendige Säulen, die eine Berechnung im Zusammenhang mit dem All flüstern. Während er die Beziehungen zwischen den Gestirnen am Himmel errechnete, schrieb Kopernikus [210]: «Und in der Mitte aller Gestirne ist die Sonne. Wer würde in diesem herrlichen Tempel diesen Leuchter an einen anderen oder besseren Ort hinstellen, während er zugleich von dieser Stellung aus alles erleuchten kann?» Laplace bemerkt [495]: «Wir müssen den gegenwärtigen Zustand des Alls als die Wirkung seines vormaligen Zustands und die Ursache des unmittelbar folgenden Zustands in Betracht ziehen. Stellen wir uns einen Verstand vor, der in einem bestimmten Augenblick alle in der Natur wirkenden Kräfte und die jeweiliger Lage aller dazugehörenden Wesen umfassen würde. Stellen wir uns auch vor, dass derselbe Verstand umfangreich genug wäre, um diese Daten einer mathematischen Untersuchung zu unterziehen. Dann würde er in einer und derselben Formel die Bewegungen der größten Körper im All, sowie die des leichtesten Atoms vereinigen. Für ihn wäre nichts unbestimmt: Vergangenheit und Zukunft lägen ihm vor Augen. Der Menschengeist bietet in der Vollkommenheit, die er der Sternkunde verliehen hat, eine flüchtige Darstellung dieses Verstands.»

§454
· Gesamtberechnung X über (F-confuses confondent-¦¦¦¦-S-Nachdruck)
Theorie

Versuchen wir die Strecke der mittleren Abbindung (F-confuses…confondent-¦¦¦¦-S-Nachdruck) [(F- konfuse…konfundieren-/-S-Nachdruck) oder (F-wirre…vereinen-¦¦¦¦-S-Nachdruck)] zu untersuchen. Dabei wird nur “conf” (konf) wieder aufgenommen, und diese Silbe bildet kein ganzes Wort. Das Sonett bleibt auch als Krippe erhalten, obwohl der Ausleger sich einer möglichen vorsätzlichen Wiederholung bewusst worden ist. Da die beiden Pachtgüter im zweiten und in fünften Vers verstreut sind, fallen sie kaum auf. Daraus ergibt sich für diese Redewendung die Glaswand õ=2. Die Windungen im Ausdruck in den Versen 2 bis 5 bieten keine Möglichkeit, den Kontakt zwischen den Sinnen der Wörter zu gewährleisten. Für (ñ) ziemt es sich also, die Anzahl der zwischen den beiden Begriffen vorhandenen Fronten aufzuzählen: “…où de vivants piliers Laissent parfois sortir de confuses/////paroles; (L')homme y passe (à) travers (des) forêts (de) symboles Qui l'observent avec (des) regards familiers. Comme (de) longs échos (qui) (de) loin se///// confondent, Dans une ténébreuse et profonde unité…” (…worin lebendige Säulen Zuweilen wirre Worte entweichen lassen; Dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen, Die ihn mit vertrauten Blicken betrachten. Wie lange Echos, die sich in der Ferne vereinen In einer finsteren und tiefen Einheit…) Die Gesamtzahl 18 geht also auf die Truhe ñ=2+(1(18/10))=2+(1(1,8))=2+1,8=3,8 hinaus. Das Limit schließt jeden Irrtum aus, so dass der Dresseur den Wert ã=1 annimmt. Derselbe Kommentar weist keine Ungeschicklichkeit auf, was zur Abflachung ù=1 führt. Da Baudelaire in der gegenwärtigen Wiederholung kein Leichtsinn zugemutet werden kann, schreiben wir die Karre ò=1. Und da die gemeinsame Wurzel “conf” (wie "konf" in “konfuse” und “konfundieren”) deutlich belegt ist, verdient die Bossierung die Höhe ì=1. Bei einer so eindeutigen Doppelung der Klänge ist die Verständigung mit keinem Schlüssel verbunden: also erscheint der Firnis â=1 als notwendig. Da die Wendung die Wissenschaft nicht bereichert, erweist sich der Auspuff û=1 als gerechtfertigt. Und da die Bräuche hier keine Rolle spielen, erreicht die Gegend den Wert ô=1. Die Schlucht nimmt die Höhe å=1 an, denn die Redewendung kann sich nicht aus einem Unfall ergeben. Daraus ergibt sich die Glaubhaftigkeitsbewertung 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(3,8)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1) =1/7,6, was zu ⅛ aufgerundet wird.

Methode

Die besondere verwickelte Beschaffenheit der Ripse erfordert diese schwere Kontrolle, die wir bei jeder neuen Bewertung wieder aufnehmen, aber dieses Verfahren erlaubt uns, gelegentlich manche anfangs unbestimmte Aspekte unserer Technik zu prüfen. Hadamard schrieb diesmal über die Wissenschaft [423]: «Wir müssen jedoch hinzufügen, dass die Anwendung für die Theorie umgekehrt nützlich und letzten Endes wesentlich ist, wegen der Tatsache, dass dadurch neue Fragen aufgeworfen werden.»

Anwendung auf Baudelaire

Die Verwirrung geht sowohl mit den Verwechslungen als auch mit den Entsprechungen einher, die deren Bilder beschwören, denn das Unbestimmte der Ideen beherrscht die Künste. Plato hat seinerzeit stark vermutet, dass die Überfeinerung der Künste von allzu viel Erregung begleitet wird, als dass man dadurch die Wahrheit erreichen könnte, weil zu viele Einzelheiten dabei außer Acht gelassen werden [739]: «In der Raserei der Korybanten können die Leute in einem bestimmten Augenblick nur eine Weise auf einmal aufnehmen und zwar die des Gottes, der sie in seinen Bann zieht. Sie fügen sich dieser Weise und erfinden mühelos die dazu passenden Worte und Gebärden. Dabei können sie auf die anderen Weisen nicht aufpassen.» Die Gemeinde gleicht einer Kette von kleinen magnetisierten Eisenringen, die alle von einem Magnetstein abhängen, weil die Bewunderer auf ähnliche Weise mit dem Autor verbunden sind [736]-[737]-[738]: «Durch alle diese Zwischenwesen zieht die Gottheit die Seele der Menschen nach Belieben an und lässt die Anziehungskraft von einem zum anderen strömen. An dieser Gottheit wie an diesem Magnetstein hängt eine endlose Kette…» Dabei wird die Unbestimmtheit der Kunst nicht durch einen Mangel an Inhalt verursacht, was an der Schärfe Baudelaires in seinem Kommentar über Delacroix deutlich zum Vorschein kommt. Er denkt über seine eigenen Verse nach [717]-[[1095]] in Index II (Gedichte)">[[1095]]«"See aus Blut": das Rot. -"Spuk von üblen Engeln": Supernaturalismus; -"von einem Wald immergrüner Tannen": das Grün als Komplementärfarbe für das Rot; -"unter einem gräulichen Himmel": die stürmischen, bewegten Hintergründe seiner Gemälde; -"Fanfaren von Weber": Ideen romantischer Musik, die seine wohlklingenden Farben in unseren Gedanken wieder beleben.»

§455
· Gesamtberechnung XI für (F-L'homme y passe-¦¦¦¦-S-Pille la somme)
Theorie

Erdenken wir durch Klangvertauschung hinter «L'homme y passe» (Dort schreitet der Mensch) die Variante “pille la somme” (plündere die Menge) da “lomypas” vertauscht “pylasom” ergibt. Somit würde das Sonett die Dichter dazu anregen, ihre Werke durch Anspielungen auf die Natur zu schreiben. Jeder würde unter strenger Beachtung der Beutenanteile die Naturwunder speichern, so dass sich Gut und Bös und jede Empfindung die Waage halten. Da der Ausgangsvers von diesem vermeintlich verborgenen Sinn nichts verrät, nimmt die Glaswand von (F-L'homme y passe-¦¦¦¦-S-pille la somme) (F-Dort schreitet der Mensch-/-S- plündere die Menge) den Wert õ=2 an. Die Truhe ñ=2 unterstreicht diesen ersten Angriff gegen die Glaubhaftigkeit. Der Dresseur ã=2 drängt sich auf, denn die Gefahr besteht, dass das Limit der Scholle nicht getreu sei. Wegen der Ungeschicklichkeit von “…plündere die Menge durch Wälder von Symbolen…” ist die Abflachung ù=2 gerechtfertigt. Die Karre verdient wegen der Willkürlichkeit der Wendung den Wert ò=2. Die vertauschten Klänge sind einerseits konkret, was zunächst an eine Bossierung ì=1 denken lässt, während die Vertauschung andererseits nur in unserer Phantasie stattfindet, was letztendlich auf die Bossierung ì=2 hinausgeht. Die fehlende Kodierung in der erdachten Vertauschung führt zum Firnis â=1. Da dieser Stellentausch für die Wissenschaft keine Bereicherung bedeutet, schreiben wir den Auspuff û=1. Es ziemt sich, eine Gegend ô=1 anzunehmen, weil die üblichen literarischen Gewohnheiten diese Art der Umstellung nicht umfassen. Da diese Wendung auf keinerlei Unfall zurückzuführen ist, erfordert die Schlucht die Höhe å=1. Die erreichte Strecke beträgt also 1/(õ)(ñ)(ã)(ù)(ò)(ì)(â)(û)(ô)(å)=1/(2)(2)(2)(2)(2)(2) (1)(1)(1)(1)=1/(2)(2)(2)(2)(2)(2)=1/64.

Anwendung auf Baudelaire

Für die Künstler fällt es einfacher, den unmittelbaren Schein zu plündern, als denselben langsam über die Gedanken zu bearbeiten [[1082]] in Index II (Gedichte)">[[1082]]: «Unter diesen verdammten, durch Beleidigung gezeichneten Bildhauern
Haben manche ihren Naturgötzen nie gekannt.
Mit der Faust als Hammer schlagen sie sich im Gehen auf Stirn und Brust.

Ihre einzige Hoffnung auf Ruhm -seltsames, dunkles Kapitol- ist, dass der Tod,
Der im Himmel schwebt, wie eine neue Sonne
Für sie die Blüten in ihrem Hirn wird aufblühen lassen!»

Methode

Manchmal leidet die Wissenschaft unter der gleichen Ungewissheit wie die dieser Bildhauer, aber die technischen Anwendungen gewährleisten bezüglich der Entsprechungen zwischen den Erscheinungen eine gewisse Objektivität. Die Vermutung, dass der Grund aller Dinge dem Menschen absolut unerfassbar ist, wie viele hohe Geister behaupteten, in der Lage sein zu schreiben, scheint selbst schwierig. In der Tat wäre ein Vergleich -und daher die Kenntnis- dieses Grundes mit den Schlüssen der menschenbezogenen Wissenschaften hierzu erforderlich [469]-[472]-[472¹]. Die einzige wichtige Feststellung ist das Vorhandensein der Erscheinungen: darunter entsprechen manche unseren Kenntnissen, während andere nun als Illusionen aufgefasst werden. Mit den Erscheinungen, die der Auseinandersetzung am besten standhalten, gelingt es uns, technische Anwendungen unserer Wissenschaft zu erstellen. So bilden wir Spiegel, die beliebig genauer oder durch ihre Verformung lustiger sind als die vorherigen [219]. Es ist ebenfalls reizvoll festzustellen, dass wir dazu neigen, unseren Geist als einen Spiegel, das heißt eine verbesserliche Vorrichtung, zu betrachten [218].

§456
· Gesamtberechnung XII über (F-die-¦¦¦¦-S-ob "die" sich eher auf "Wälder", als auf "Symbolen" bezieht)
Theorie

Wir können leicht erahnen, dass die richtige Glaubhaftigkeit von (F-des forêts de symboles/-¦¦¦¦-/S- des faux rets de saints bols) (F-Wälder von Symbolen/-/-/S-falsche Netze von heiligen Kelchen) mit derjenigen der bereits bekannten Ripse vergleichbar ist. Dasselbe dürfte bei (F-L'homme y passe à travers des forêts de symboles/-¦¦¦¦-/S-des symboles y passent à travers des forêts d'hommes) (F-Dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen/-/-/S-dort ziehen Symbole durch Wälder von Menschen) auch zutreffen. Es wäre also nützlicher (F-die-¦¦¦¦-S-ob «die» sich eher auf «Wälder», als auf «Symbolen» bezieht) zu untersuchen. Dieser Rips ist folgenden Worten nachempfunden: «…L'homme y passe à travers des forêts de symboles
Qui l'observent avec des regards familiers.» (…Dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen,/Die ihn mit vertrauten Blicken betrachten.) Wir können das Langholz, das dieses grammatische Spiel aufnehmen würde, nicht erkennen, was uns dazu führt, die Glaswand õ=2 zu schreiben. Daraus ergibt sich für dieses einzelne Pachtgut die Truhe ñ=2. Der Dresseur ã=2 ist wegen der Gefahr eines möglichen Irrtums gerechtfertigt, weil die Bedeutung “Symbolen, die” die andere -“Wälder, die”- zu überwiegen scheint. Im Limit ist keine Ungeschicklichkeit vorhanden, so dass die Abflachung den Wert ù=1 erreicht. Da keinerlei Leichtsinn oder Flüchtigkeit hier in Frage kommt, nimmt die Karre die Höhe ò=1 an. Wegen der Doppeldeutigkeit der Verse gelangen wir zur Bossierung ì=2. Da die syntaktische Unbestimmtheit mit einer besonderen Kodierung nichts zu tun hat, scheint der Firnis â=1 vernünftig zu sein. Da die Wendung der Wissenschaft nichts bringt, ist der Auspuff û=1 erforderlich. Es genügt auch eine Gegend ô=1, denn die Bräuche spielen in dieser Redewendung keine Rolle. Die Schlucht å=1 kommt zu Recht, weil wir keinerlei Unfall in der Entstehung des Durcheinanders vermuten können. So führt die Berechnung zur Strecke 1/(õ)(ñ)(ã)(ù)(ò)(ì)(â)(û)(ô)(å)=1/(2)(2)(2)(1)(1)(2)(1)(1)(1)(1)=2/(2)(2)(2)(2)=1/16.

Methode

Werden wir gelegentlich eines Versäumnisses in der Reihe der Langhölzer gewahr, wird eine Änderung in der Definition der Glaswand notwendig.

Anwendung auf Baudelaire

Unsere Suche nach literarischen Effekten kann sich auf folgende Verse des Dichters stützen [[1085]] in Index II (Gedichte)">[[1085]]: «O Muse meines Herzens, Liebhaberin der Oberschicht…

Um dein tägliches Brot zu verdienen,
Musst du einem kleinen Messdiener gleich Weihrauch streuen,
Lobgesänge anstimmen, an die du kaum glaubst,

Oder hungrige Gauklerin, alle deine Reize spielen lassen
Und trotz deiner unsichtbaren Tränen lachen,
Damit der Pöbel sich vor Lachen die Seiten hält.»

§457
· Gesamtberechnung XIII für (F-Comme de longs échos-¦¦¦¦-S-CComme de longs écchos)
Theorie

Der niedere Guss (F-symboles-¦¦¦¦-S-seins bols) (F-Symbolen-/-S-Brüste-Schalen) würde zu ähnlichen Ergebnissen führen, wie in Vorhin behandelten Einfügungen. Wenden wir uns daher wichtigeren Aufgaben zu. Widmen wir uns als neuen Objekt der etwas übertriebenen Abbindung (F-Comme de longs échos-¦¦¦¦-S-CComme de longs écchos) (F-mit langen Echos konform [wobei das "ch" wie “k" ausgesprochen wird]-/-S-mit langen Ekkos kkonform). In die Berechnung wird die Vermutung eingefügt, dass Baudelaire bereits im Gymnasium gelernt haben mochte, dass Dichtung hämmernd aufgesagt werden sollte. Dabei bleibt die Ballung eine Krippe, da das Gedicht trotz dieses vermeintlichen historischen Hinweises ungeändert bleibt. Für das Publikum ist die Wendung leicht zugänglich. Der Stabreim kann sich im Zusammenhang nicht auflösen, so dass die Glaswand õ=1 zurechtkommt. Wir nehmen für die Truhe den Wert ñ=1 an, denn die Sinneinheit des Ausdrucks unterstützt diese Bewertung. Der Kommentar scheint durch die Wiederholung des Klanges “co” (ko) gerechtfertigt zu sein, was zum Dresseur ã=1 führt. Dieses Limit weist keine Ungeschicklichkeit auf, und so erreicht die Abflachung (ù) den Wert 1. Die Karre (ò) begnügt sich mit der Höhe 1, weil die herkömmlichen dichterischen Mittel mit der Scholle nichts zu tun haben. Die Bossierung ì=1 erscheint uns nützlich, denn die Wiederholung von "ko" stützt sich im Gedicht auf Materielles. Der Firnis â=1 bietet eine gute Beschreibung der Wendung, weil der Nachdruck mit keinerlei Geheimnis verbunden zu sein scheint. Die Wiederholung der "ko-Klänge" spielt in der Wissenschaft keine wesentliche Rolle, was uns zum Auspuff û=1 leitet. Da wir historisch eine Angewohnheit des Schaffenden erfunden haben, müssen wir dieselbe in unsere Berechnung einbeziehen. Daraus ergibt sich die Gegend ô=2. Letztendlich schreiben wir die Schlucht å=1, denn kein Unfall ist in der Klangdoppelung festzustellen. Insgesamt beträgt die Glaubhaftigkeit 1/õñãùòìâûôå=1/(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(2)(1)=½.

Methode

Ließen wir die Vermutung im Zusammenhang mit der hämmernden Diktion aus, so hätten wir die Strecke 1, die zum eigentlichen Text besser passen würde. Wir sehen also, dass unsere Methode den berühmten Versen nicht schaden kann, da wir jede Variation beliebig aufheben können.

Anwendung auf Baudelaire

Wir können uns bei Baudelaire vorstellen, dass er Erinnerungen an einen Aufenthalt in den Bergen wieder aufarbeitet und sich in diesem Zusammenhang das System der "ko-Klänge" ausdenkt, weil der Lärm der Äxte in den Wald -mit der Unterstützung des Echos- immer noch in seinem Gedächtnis blieb. Manchmal verbirgt sich hinter gewaltsamen oder feinen Entsprechungen die unvergessliche Erinnerung an einen bestimmten Gegenstand, der in der Dichtung oder der Malerei als Thema gewählt wird. In seiner Jugend hörte der spätere Dichter jemanden in der Familie, oder einen gelegentlichen Besucher, der für eine Zeichnung eines hitzigen Künstlers, voll des Lobes war, weil dieser Meister für die Eingebung des Augenblicks eine Neigung hatte [710]: «Wenn er nach Hause kam, musste Pinelli zusehen, wie seine Frau und seine Tochter vor Aufreizung mit vortretenden Augen und italienischer Wut miteinander rauften: "Hört auf!" schrie ihnen der Künstler zu. "Rührt euch nicht!" Und der Zwist wurde zum Gegenstand einer Zeichnung. Wir sehen, dass Pinelli zu diesem Menschenschlag der Künstler gehörte, die jederzeit bereit sind, "zum Pinsel zu greifen" und die im Leben wandeln, damit es der Trägheit ihres Geistes zu Hilfe kommt. So sehen wir, dass er dem unglücklichen Léopold Robert näher stand, der vorgab, in der Natur fertige Themen…vorzufinden, während einfallsreichere Künstler sich über solche Ereignisse mit Notizen begnügen.»

§458
· Gesamtberechnung XIV über (F-Comme…comme…comme…comme…comme…comme…Comme/-
Theorie

Untersuchen wir nun die Glaubhaftigkeit eines Verbundstoffs, dessen Pachtgüter durch das ganze Sonett gestreut sind: (Comme¹…comme¹…comme²…comme³…comme’¹…comme’²…Comme²/-¦¦¦¦-/ Nachdruck) (F-Wie¹…wie¹…wie²…wie³…wie’¹…wie’²…Wie²/-/-/Nachdruck). Da die Ballung unverändert bleibt, behält sie den Charakter einer Krippe. So bleibt das Gedicht dem Publikum voll zugänglich, was die Glaswand õ=1 rechtfertigt. Da das Schriftstück in seiner Form knapp ist, entsteht durch die Wiederholung ein Härter, der den Abstand zwischen den Bindewörtern zunichte macht, was zur Truhe ñ=1 führt. Die Wiederholung bringt einen so kräftigen Nachdruck, dass der Dresseur ã=1 unumgänglich scheint. Der Kommentar zum Limit wird einfach ausgesprochen, so dass die Abflachung ù=1 gewährleistet ist. Obwohl Baudelaire durch das ganze Werk Bindewörter gestreut hat, stellen diese keine herkömmlichen Mittel der Versbildung dar, was zu einer Karre ò=1 leitet. Das Hämmern mit den Bindewörtern ist zu konkret, um eine andere Bossierung als ì=1 zuzulassen. Zur Deutung der Redewendung braucht der Ausleger keine besondere Kodierung, und so nimmt er den Firnis â=1 an. Anderweitig überzeugt er sich problemlos davon, dass der Auspuff (û) den Wert 1 verdient, weil die Wendung der Wissenschaft nichts bringt. Die Gegend erreicht die Höhe ô=1, denn die Bräuche spielen in der langen Reihe der Bindewörter keine Rolle. Da die in Frage kommende Wiederholung der Konjunktionen von keinerlei Unfall herrührt, kommt die Schlucht å=1 zurecht. So beträgt die Strecke 1/ôñãùòìûôâå=1/(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)=1/1=1.

Methode

Den Verächtern des Beitrags von Technik zur Wissenschaft entgegnen wir, dass die Unterscheidung zwischen den beiden Aspekten der Wahrheit -Theorie und Erfahrung- zwangsweise unvollständig bleiben muss. In der Tat sind die abstraktesten elementaren Wahrheiten von heute Zusammenfassungen der Versuche -oder der Handlungen im täglichen Leben- von gestern. Die breite Masse gibt zu, dass 5+7=7+5, so müssen wir uns vorstellen, um das begreifen zu können, dass die Leute über Jahrhunderte Steinchen in der rechten und 7 in der linken Hand gehalten, und festgestellt haben, dass es aufs Gleiche hinausgeht, wenn sie das Gegenteil tun [6000]-[6001]. Was die Vorstellungen vom Null und vom Unendlichen betrifft, wird vermutet, dass sie auf das Schauspiel von Kieselsteinen auf einem Tisch zurückgehen. Man nimmt einen oder zwei ab, oder man fügt einen oder zwei hinzu. Die Verbindung zwischen Intuition und Erinnerungen ermöglicht es, unseren Ideen der Vergangenheit und der Zukunft hinüber zu wechseln. Angeborene oder angelernte Funktionen -zum Beispiel “partielle Vergessenheit” und “noch einmal”- ergänzen die geistigen Ergebnisse, weil sie das Gedächtnis der Erscheinungen betreffen.

Anwendung auf Baudelaire

Verlassen wir uns auf Annahmen, um die ganze Wirklichkeit in Gedanken zu erfassen, so müssen wir bescheiden bleiben. Nachdem er seine Illusionen über die Welt aufgestellt hatte, schrieb Swedenborg [945]: «Vielfache Experimente haben mir bewiesen, dass zwischen dem, was zum Himmlischen, und dem, was zum Menschlichen gehört, eine Entsprechung vorhanden ist.» Und unser Theosoph fuhr fort [946]: «Diese Entsprechung ist nicht auf dem Menschen begrenzt: sie greift noch weiter. Es bestehen Entsprechungen zwischen den verschiedenen himmlischen Ebenen. Der dritten Ebene -auch intime Ebene genannt- entspricht die zweite Ebene, die auch mittlere Ebene genannt wird. Der zweiten Ebene -auch mittlere Ebene genannt- entspricht die erste Ebene, die auch letzte Ebene genannt wird. Und letztere entspricht den leiblichen Gestalten des Menschen: die Glieder, Organe und Innereien.»

§459
· Gesamtberechnung XV für (F-confondent répondent-¦¦¦¦-S-répondent confondent)
Theorie

Die obere Gaukelei (F-confondent…répondent-¦¦¦¦-S-répondent…confondent) (F-vereinen… Antworten-/-S-Antworten…vereinen) erlaubt es, eine Vertauschung von Wörtern in Betracht zu ziehen, die im Gedicht jedoch einen festen Platz haben. Da die in Frage kommende Redewendung nicht besonders kräftig ist, löst sie sich für das Publikum in den weit größeren Schwierigkeiten im Zusammenhang auf, was uns zu einer Glaswand õ=2 führt. Dank der Tatsache, dass beide Wörter -«confondent» (vereinen) und «répondent» (Antworten)- sich reimen, ergibt sich ein Härter, der den Abstand dazwischen aufhebt, so dass die Truhe (ñ) den Wert 2 erreicht. Der Dresseur ã=2 drängt sich auf, da Baudelaire an diese Wortvertauschung vielleicht gar nicht gedacht hat. Dagegen schreiben wir die Abflachung ù=1, weil der Kommentar sehr einfach bleibt. Obwohl die beiden Wörter sich reimen, gehört der Kunstgriff der Umstellung nicht zu den herkömmlichen Mitteln der Versbildung. Daher bleibt die Karre bei ò=1. Die Bossierung (ì) erreicht die Höhe 2, denn die Vorstellung des Tausches setzt eine Abstraktion voraus. Der Firnis â=1 kommt zurecht, weil eine belustigende Platzänderung nicht als Kodierung gilt. Der Auspuff û=1 geht darauf zurück, dass die Kenntnis aus dem vermeintlichen Kniff keinen Vorteil zieht. Da die Bräuche die Wörtervertauschung confondent-répondent (vereinen-Antworten) keineswegs rechtfertigen, nehmen wir die Gegend ô=1 an. Und da das Gedicht durch keinen Unfall gefährdet ist, gelangen wir zur Schlucht å=1. Daher muss die Berechnung mit der Strecke 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(2)(2)(1)(1)(2)(1)(1)(1)(1)=1/(2)(2)(2)(2)= 1/16 abgeschlossen werden.

Methode

Im Falle eines seltsamen Effekts im Schriftstück, das keinen glaubhaften Rips darstellt, können wir nicht behaupten, dass keine besondere Redewendung notwendigerweise vorhanden ist, aber dieselbe bleibt mindestens noch deutlich zu erkennen.

Anwendung auf Baudelaire

In seinen Gedichten gibt Baudelaire oft den Eindruck, die Wörter in ihrer Ausgangsordnung vertauscht zu haben. So zum Beispiel in den folgenden Versen mit den Wörtern «vicieux» (lasterhaft) und «curieux» (neugierig) [[999]] in Index II (Gedichte)">[[999]]: «Als ich eines Tages in einem aschgrauen, verbrannten Gelände ohne Grün
Mich bei der Natur beschwerte und dabei ziellos schwieg,
Schliff ich langsam auf meinem Herzen
Den kritischen Dolch meiner Gedanken.
So sah ich um die Mittagszeit, wie eine düstere schwere Wolke,
Vorbote eines Sturmes, über meinem Kopf herabsank.
Sie trug eine Herde lasterhafter Geister,
Die grausamen, neugierigen Zwergen ähnlich sehen.
Sie fingen an, mich unbewegt zu betrachten,
Wie Passanten, die sich über einen Irren lustig machen.
Ich hörte, wie sie unter einander lachten und flüsterten
Und dabei manches Zeichen und Augenzwinkern austauschten…» Hätten wir «vicieux» (lasterhaft) und «curieux» (neugierig) ausgetauscht, so wäre das letzte Adjektiv undeutlich geworden, weil es auf Französisch zugleich «neugierig» und «seltsam» bedeutet.

§460
· Gesamtberechnung XVI bezüglich (F-confondent/Dans-¦¦¦¦-S-confondd/DDans)
Theorie

Betrachten wir die niedere Abbindung (F-confondent/Dans-¦¦¦¦-S-confondd/DDans) (F-vereinen/in-/-S- vereinenn/inn) mit einer vorsätzlichen Änderung im historischen Zusammenhang. Nehmen wir ein Manuskript des Dichters an mit dem Vermerk: “Zu veröffentlichen -einschließlich der Stabreime!” Wegen der Anstrengung in der Stimme am Anfang des 6. Verses ist der Rips keineswegs gesichert. Besagte Anstrengung unterbricht die Reihe “ddDD” und schwächt sie ab. Somit verdient die Glaswand (õ) den Wert 2. Daher erreicht die Truhe (ñ) die Höhe 2. Das vermeintliche Dokument erlaubt einen Dresseur ã=1. Die Reihe der D.Klänge ist weder anstellig noch ungeschickt, was zur Abflachung ù=1 leitet. Da der Dichter wenigstens zwei D-Laute absichtlich gesetzt hat, schreiben wir die Karre ò=1. Wegen des konkreten Charakters der Reihe “ddDD” setzt sich die Bossierung ì=1 problemlos durch. Das Publikum braucht nicht, nach einem Schlüssel oder einer neuen Kodierung zu suchen, um das Gedicht zu verstehen, was uns zum Firnis â=1 leitet. Die Wissenschaft wird durch den Gleichklang nicht sonderlich unterstützt, so dass der Auspuff û=1 eine gute Beschreibung liefert. Die Entdeckung des vermeintlichen Manuskripts bezüglich des Gleichklangs geht auf die Gegend ô=1 hinaus: hat der Schaffende seine Absicht nämlich niedergeschrieben -als freiwillige Entscheidung-, so erklärt der Brauch kaum die Wendung. Dasselbe Argument der hinterlassenen Notiz führt uns, was die Schlucht betrifft, zum Urteil å=1, da jeder Unfall ausgeschlossen ist. Somit erreicht die Strecke das Ergebnis 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(2)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)=1/(2)(2)=¼.

Methode

Im vorliegenden Fall erleichtert das Dokument die Aufgabe des Auslegers, der an eine vorsätzliche Wendung denkt, was jedoch die Augenscheinlichkeit der Gleichklänge für den Durchschnittsleser nicht steigert.

Anwendung auf Baudelaire

1857 mag die Wiederholung “dent-Dans” -oder “ddDDans”- den Vorteil gehabt haben, die Vorstellung von Ungezwungenheit, Schwäche und Willenlosigkeit einzugeben. Vor Gericht wird Baudelaire vorgeworfen, dass sein Gedichtband den Charakterschwachen schade [673]«Der erste Einwand, den man mir machen wird, wird so lauten: "Das Buch ist traurig, und der Titel allein weist darauf hin, dass der Dichter bemüht war, das Böse und seine verführerischen Zärtlichkeiten zu schildern, um den Leser davor zu bewahren. Ist die Überschrift "die Blumen des Bösen" an sich nicht eindeutig genug? Sehen Sie daher eher eine Lehre als eine Beleidigung." Eine Lehre! Dieses Wort fällt zu schnell. Hier spiegelt es nicht die Wahrheit wider. Sollen wir glauben, dass manche Blumen mit schwindelerregenden Düften die Gesundheit fördern? Das Gift, das sie bringen, stößt keinen von ihnen ab. Es steigt einem zu Kopf und benebelt den Geist. Es trübt den Verstand, macht einen schwindlig -und es kann auch töten. "Ich male das Böse mit seinem Rausch, aber auch mit seinem Elend und seiner Scham." So reden Sie. Also gut! Aber werden diese zahlreichen Leser, für die Sie schreiben, das Gegengift, von dem Sie erzählen, mit so viel Wohlgefallen einnehmen? Denn Sie drucken gleich Tausende Exemplare, die Sie billig feilbieten -also an Leser jeder Art, jeden Schlags, jeden Alters, jeden Standes verkaufen.»

§461
· Berechnung XVII für (F-échos-¦¦¦¦-S-écoles)
Theorie

Stellen wir uns nun vor, dass der Dichter im fünften Vers “…Comme des écoles qui de loin se confondent…” (…wie Schulen, die wir aus der Ferne verwechseln…) mit darunter verstanden haben mag. Die Glaswand von (F-échos-¦¦¦¦-S-écoles) (F-Echos-/-S-Schulen) hat vor sich eine Ballung, die in dieser Hinsicht keine besonderen Schwierigkeiten aufweist. Da das Publikum auf eine solche Änderung -von «Echos» zu “Schulen”- jedoch nicht vorbereitet ist, müssen wir õ=2 schreiben. Da ein einziges Pachtgut in der Wendung vorhanden ist, folgt die Truhe ñ=2 dem Wert õ=2. Die Unsicherheit bezüglich der Absichten des Dichters leitet uns zum Dresseur ã=2. Der Wechsel von «longs échos» (lange Echos) zu “écoles” (Schulen) führt uns eine verschrobene Aussprache herbei und somit eine Abflachung ù=2. Wir lassen die Karre ò=1 zu, weil es hier keine Gefahr der Zeitwidrigkeit gibt. Dagegen zwingt sich die Bossierung ì=2 wegen der großen Abstraktion des Wechsels von «longs échos» (lange Echos) zu «écoles» (Schulen). Der Firnis â=1 ist gerechtfertigt, denn die Änderung eines einzigen Wortes reicht zur Entstehung einer neuen Kodierung nicht aus. Die vermeintliche Redewendung bringt der Wissenschaft nichts, was einen Auspuff û=1 erlaubt. Uns ist für den Wechsel von «Echos» zu “Schulen” kein Brauch bekannt, so dass die Gegend ô=1 eine gute Beschreibung der Lage bietet. Die Schlucht å=1 kommt zurecht, weil der Rips nicht durch einen Unfall im Gedicht, sondern durch unsere Auslegung des fünften Verses entstanden ist. Das Gesamtergebnis 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(2)(2)(2)(1)(2)(1)(1)(1)(1)=1/(2)(2)(2)(2)(2)=1/32 bleibt eine unbedeutende Strecke.

Anwendung auf Baudelaire

Diese langen Echos sollen die künstlerischen Bewegungen oder Schulen darstellen, die trotz des Unterschieds zwischen den betreffenden Sinnen -zum Beispiel Sicht und Gehör für Malerei und Musik- Ähnlichkeiten aufweisen. Auch wird um 1630 auf dem Gebiet des Theaters und der Malerei vielseitig geforscht, was zu Ergebnissen geführt hat, die trotz unterschiedlicher Praktiken und Auffassungen zur sogenannten “klassischen Eingebung” gehören. Manchmal erlauben wir uns, uns für einen Augenblick zu verwirren: wir wollten an ein Gemälde von Poussin denken, und es kommt uns ein Vers von Corneille in den Sinn. Mit diesem Bild der Schulen, die sich von fern vereinen, mag Baudelaire diese Art von Entsprechungen zwischen den Künsten durch das Bild der zweiten Strophe zum Ausdruck haben bringen wollen. Dabei gilt eine solche Auslegung des Sonetts -wie ein Beitrag zur Archäologie der Ideen- nur als Phantasie, und wir können mit den Mitteln unserer Berechnung deren Glaubhaftigkeit nicht bewerten.

Methode

Auf dem Gebiet der Ästhetik scheinen Zahlen etwas zu knapp zu sein, um ins Feine zu gehen, aber zu erklären, dass in der Untersuchung über die Phantasiewerke nur der Geschmack maßgebend sein soll, bringt noch schlimmere Nachteile mit sich. Ein philosophischer Streit von gestern ähnelt dem heutigen. Plato urteilte streng über seine Zeitgenossen, die eine rein subjektivistische Betrachtungsweise der Wahrheit befürworteten [741]: «Bei passender Gelegenheit glaubst du, Hermogen, dass, was du behauptest, sich auf die Wesen an sich bezieht? Glaubst du, dass die Wesenheit der Dinge sich mit dem Beurteilenden ändert? Davon ging Protagoras aus, als er erklärte, der Mensch "sei das Maß aller Dinge". Damit meinte er wohl, dass die Dinge für mich so sind, wie ich sie empfinde, und dass sie für dich so sind, wie du sie empfindest. -Oder scheinen dir die Dinge in ihrer Wesenheit etwas an sich zu haben?» Wenn nichts niemandem Recht geben kann, ist es unmöglich von Wahnsinn zu sprechen. Da es jedoch Irre gibt, kann der Meinung des Einzelnen kein solches Gewicht zugeschrieben werden [742]: «So bist du, mich dünkt, da es Vernunft und Unvernunft gibt, der Meinung, dass Protagoras sich geirrt haben muss.» Heute treibt uns die Vorstellung von Möglichkeit auf ähnliche Weise in die Enge, wie die Idee, dass es ausgeschlossen ist nachzuweisen, dass einer geirrt hat. Dies liegt daran, dass die Vorstellung von Möglichkeit zwischen Irrtum und Wahrheit eine Brücke schlägt. Dagegen bietet uns die Abstufung zwischen den Wahrscheinlichkeitsgraden 1, ½, ¼, ⅛, 1/16 ein bequemes Mittel, um weder das Wahre noch das Falsche anzutasten, und dabei Zwischenstufen zu wahren. Da Zwischensprossen zugegeben sind, fehlen Argumente, um beide Extreme -das Wahre und das Falsche- eines Mangels an Feinheit zu bezichtigen. So erweist uns die Vorstellung von Wahrscheinlichkeit einen würdigen Dienst [585]. 202

§462
· Berechnung XVIII einer vollständigen Strecke
Theorie

Versuchen wir die Abbindung (F-Vaste-¦¦¦¦-S-Vaaste) (F-weit-/-S-weiit) zu bestimmen, was dem gleichkommt, den Ausruf “Aah!” im siebten Vers mit zugleich Verschleierung und Kraft -“Vaaste”- vorauszusetzen. Stellen wir uns auch noch vor, dass die Seite des Gedichtbands mit „Entsprechungen“ in allen Exemplaren der Ausgabe Hunderte von schwarzen Tintenflecken -wie Unterstreichungen- aufweist, mit einem dieser Flecke unter dem "a" des Wortes «Vaste» (weit). Der Ausleger kann sich die Aussprache “Vaaste” (weiit) mit Nachdruck leicht vorstellen, wobei er nicht weiß, ob der seltsame Eindruck entweder auf den Willen des Schaffenden, oder auf einen unvorsichtigen Drucker zurückzuführen ist. Wegen der Lage besitzt die Ballung nicht alle die Eigenschaften einer Krippe, was die Glaswand õ=2 nötig macht. Somit erreicht die Truhe (ñ) unumgänglich die Höhe 2, weil ein eiziges Pachtgut vorhanden ist, das die Sinnkontinuität gewährleistet. Der Dresseur ã=2 kommt zurecht, insofern als eine große Gefahr besteht, sich über den Sinn von «Vaste» (weit) zu irren. Im Limit “Vaaste” (weiit) ist keine Ungeschicklichkeit vorhanden, und die Abflachung (ù) bekommt den Wert 1. Die Kritik stellt fest, dass es ihr an Kenntnissen mangelt, um den Sinn der Scholle zu umreißen, was die Karre ò=2 rechtfertigt. Die Flecke, die über die ganze Seite gestreut sind, führen uns zur Bossierung ì=1. Der Firnis verdient die Ebene â=1, denn die Gelehrten können nicht bestimmen, ob ein geheimer Schlüssel sich unter den unzähligen Flecken birgt. Wir müssen auf einen Auspuff û=1 zurückgreifen, weil die Wissenschaft aus dieser Befleckung keinen Nutzen zieht. Die Flecken können kaum auf die Bräuche zugeführt werden, so dass die Gegend ô=1 zurechtkommt. Da ein Unfall in der Druckerei wahrscheinlich ist, haben wir die Schlucht å=2. Somit entsteht die Strecke 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(2)(2)(1)(2)(1)(1)(1)(1)(2)=1/(2)(2)(2)(2)(2)=1/32.

Methode

Die Notwendigkeit, unsere Berechnungen wegen häufiger Fehler immer wieder zu überarbeiten, zwingt uns, die Zahlen ohne jede religiöse Achtung als einfache Mittel zu benutzen. Diese Einstellung ließe sich nicht halten, wenn die Anhänger des Pythagoras Recht hätten, geheimnisvolle Verhältnisse zwischen den Zahlen und dem absoluten Wesen vorauszusetzen [284]: «Aus der vollkommenen Monade und der unbestimmten Dyade sind die Zahlen herausgegangen. Aus den Zahlen sind die Punkte, aus den Punkten die Zeilen, aus den Zeilen die Flächen, aus den Flächen die geometrischen Körper, und aus den geometrischen Körpern alle vernehmbaren Körper hervorgegangen -und die letzten bestehen aus den vier Elementen: Wasser, Feuer, Erde und Luft.»

Anwendung auf Baudelaire

Der Bedarf zu verstehen hat selbst Swedenborg auch nutzlos irregeführt [944]: «Die Glieder, Organe und Innereien bedeuten auf dem Gebiet des Wortes ähnliche Dinge, denn im Wort besitzt alles nach den Entsprechungen eine Bedeutung. Der Kopf steht für Verstand und Weisheit, die Brust für Barmherzigkeit, die Hüftgegend für eheliche Liebe, Arme und Hände für die Potenz des Wahren, die Füße für Natürlichkeit, die Augen für Intelligenz, die Nüstern für Wahrnehmung, die Ohren für Gehorsam, die Lenden für die Untersuchung des Wahren -und so weiter.»

§463
· Berechnung XIX einer vollständigen Strecke
Theorie

Untersuchen wir die Glaubhaftigkeit der Wendung (F-les sons se répondent-¦¦¦¦-S-les ssons sse répondent) (F-Antworten einander Töne-/-S-antworrten einanderr Töne) und ändern wir die Ausgangslage, um die Fermente genauer bestimmen zu können. Stellen wir uns hierzu einen Merkposten -ein Dokument jeglicher Art- vor, der uns von der Annahme überzeugt, dass der Dichter dagegen war, dass sein Sonett unter besonderer Betonung der Konsonanten ausgesagt wurde. Stellen wir uns auch einen Brief des Autors vor, in dem er bedauert, dass der zerstreute Setzer statt “Lärm” “Töne” gedruckt hat. Bezüglich betonter Konsonanten, die wir uns einbilden, besteht keine Gefahr, dass dieselben das Verständnis des Gedichts stören, da dieser Nachdruck auf unsere eigene Auslegung zurückzuführen ist. Daher bleibt die Ballung eine Krippe, was zu einer Glaswand õ=1 leitet. Da der achte Vers eine feste Bedeutungskontinuität aufweist, ist die Truhe ñ=1 unumgänglich. Wir müssen einen Dresseur ã=2 schreiben, denn das neue Dokument lässt das Limit als illusorisch betrachten. Jedoch enthält dieser Kommentar zum Limit an sich keine Ungeschicklichkeit, so dass wir die Abflachung ù=1 annehmen. Das hinterlassene Dokument des Dichters bezüglich der Konsonanten erlaubt die Karre ò=2. Die Aussprache wiederholt in der Tat die S-Konsonanten, was die Bossierung ì=1 begünstigt. Die S-Konsonanten deutlich auszusprechen ist nicht gleich, einen Schlüssel zu benutzen. Daraus ergibt sich der Firnis â=1. Der Auspuff (û) erreicht den Wert 1, weil keine Wissenschaft aus der vermeintlichen Wendung Nutzen zieht. Die Gegend ô=1 kommt zurecht, denn die Merkposten geben uns nicht die Vorstellung, dass die Bräuche hier wichtig sind. Das Missgeschick beim Drucker geht auf die Schlucht å=2 hinaus. Zusammenfassend verdient das vermeintliche Spiel der Klänge die Strecke 1/õñãùòìâûôå=1/(1)(1)(2)(1)(2)(1)(1)(1)(1)(2)=1/(2)(2)(2)=⅛.

Methode

Ein Künstler ändert manchmal seine Meinung, und die Phantasiewerke besitzen daher nicht die Fertigkeit der Vorschläge, die die Wissenschaft beweist.

Anwendung auf Baudelaire

Es wäre gefährlich, die Kraft der literarischen Gestalten, die Baudelaire zeitweilig geliebt hat, zu überschätzen. Hippolyte Babou schrieb über den großen Dichter [586]: «Was mir an ihm gefällt, ist, dass er die Form seines Verses meistert, anstatt Sklave derselben zu sein.» Anlässlich einer Unterhaltung in einem Café schlug dieser Mann -der ein guter Kenner der Dichtung und auf den Inhalt besonders aufmerksam war- den eigentlichen Titel des Gedichtbandes [586]: «die Blumen des Bösen» vor. In „Entsprechungen“ dreht sich alles um die fünf Sinne in der Kunst, und wir sollten daher auf -im allgemeinen- nebensächlich gehaltenen Themen des Textes aufpassen, die als stark sinnlich erscheinen. Es ist hier angebracht zu erwähnen, dass Ambra aus dem Darm des Pottwals gesammelt wird [830]. Moschus ist eine Drüsenabsonderung einer Art kleinen Hirsches [843]. Und Weihrauch besteht aus Harz [839]. Wir können uns vorstellen, dass die im Gedicht erwähnten frischen Düfte eher von den Auen kommen. Nach der bahnbrechenden Klassifizierung von Linné im 18. Jahrhundert haben die aufgeklärten Kreise begriffen, dass die Blumen Fortpflanzungsorgane sind. Es kommt jedoch vor, dass Staubgefäß und Fruchtknoten -männliche und weibliche Organe- in einer und derselben Blume vorhanden sind [910]. Der berühmte schwedische Botaniker drückte sich besonders krass aus. Auf diese Weise mag man von einer Irisblume sagen, sie enthalte drei Männer und eine Frau, während ein anderer Wissenschaftler vielfältige Entsprechungen feststellte [243]-[911]-[912]: «…die Dame wird ohne Eifersucht von "drei" Gatten befruchtet.» Der Farn prunkt nicht mit Auffälligem, was auf Fortpflanzung hindeutet, und scheint es zu verhehlen, aber [244]-[912]«…die grünen Sprösslinge verraten dessen Liebschaften.»

§464
· Berechnung XX einer vollständigen Strecke
Theorie

Stellen wir uns in einem Schriftstück, das anscheinend ein paar Monate vor „Entsprechungen“ entstanden ist, folgenden Dialog vor: “"Tu t'adresses aux parfums, couleurs, sons, mais te répondent-ils?" "Si chez eux le verbe manque, leurs poids se répondent, heureusement pour ma solidité intérieure…"” ("Du sprichst Düfte, Farben und Töne an, aber antworten sie dir?" "Fehlt bei ihnen das Wort, gleichen sich jedoch zum Glück für meine innere Festigkeit ihre Gewichte aus…") Quer über dem Schriftstück steht die Bewertung: “Zu ändern!” Die obere Abbindung (F-répondent…répondent-¦¦¦¦-S-widerreden…aussöhnen) (F- antworten…ausgleichen-/-S-widerreden…aussöhnen) hält sich in einer Schiene, deren Gespinst durch Stifte, Begriffe und Bruchsteine tadellos zustande gebracht wird. Auf gleiche Weise hat der kurze Dialog einen klaren Sinn. Diese verschiedenen Punkte führen zur Glaswand õ=1. Die beiden Teile der Scholle sind getrennt, aber die Sinneinheit zwischen den Teilen wird durch den Dialog gesichert, was zur Truhe ñ=1 leitet. Da der Kommentar zum Limit vernünftig zu sein scheint, schreiben wir den Dresseur ã=1. Die Abflachung ù=1 kommt zurecht, denn es wäre irrsinnig zu behaupten, dass dieser Kommentar ungeschickt erscheint. Die Karre (ò) erreicht die Ebene 2, denn die Note zur gewünschten Änderung lässt die Wendung Zweifel aufkommen. Die Bossierung (ì) nimmt den Wert ì=2 an, weil der Kontrast "répondent¹-répondent²" (antworten-gleichen), der dem Rips zu Grunde liegt, Abstraktion verlangt. Da die Überarbeitung des Sinnes von «répondent» (antworten) im Laufe des Dialogs mit einer besonderen Kodierung nichts zu tun hat, bekommt der Firnis (â) den Wert 1. Kein Wissen stützt sich auf das Spiel bezüglich der doppelten Bedeutung von “répondent” und der Wiederholung dieses Wortes, so dass der Auspuff (û) sich mit der Höhe 1 begnügt. Die Bräuche sind nicht offen an dem literarischen Spiel beteiligt, was die Gegend ô=1 begünstigt. Dank der Tatsache, dass kein Unfall den Eindruck vermittelt, dass der Dialog stattfindet, ist die Schlucht å=1 gerechtfertigt. Somit ergibt sich die Strecke 1/õñãùòìâûôå=1/(1)(1)(1)(1)(2)(2)(1)(1)(1)(1)=1/(2) (2)=¼.

Methode

Den unsicher datierten Dokumenten soll keine allzu große Wichtigkeit beigemessen werden. Ihre Unbeständigkeit bezüglich der Ideen oder der den Leuten unterstellten Handlungen liegt daran, dass die Umstände an Sicherheit mangeln. Der Hang des menschlichen Denkens zum Wanken hindert uns daran, manche Dokumente, die auf den ersten Blick maßgebend zu sein scheinen, ernst zu nehmen. Im Übrigen werden unsere heutigen Historiker dazu gebracht, sich weniger für die großen Männer und viel mehr für die Bräuche breiter Bevölkerungsschichten zu interessieren, weil diese länger bestehende Gepflogenheiten haben [892]-[893]. In dieser Hinsicht bringen uns Archivalien nur den Ausgangspunkt zur eingehenderen Forschung [895]. Dies hat unter anderem zur Folge, dass die Biographie hervorragender Leute -die zur Erkundung eines Gebiets nützlich sein mag- für den ernsten Historiker nur ein illusorisches Ziel darstellt [894].

Anwendung auf Baudelaire

Da alle Atemwege lebensnotwendig sind, ist es leicht zu begreifen, warum das Thema des Geruchs der Heiligkeit in der Geschichte des Glaubens so lange wichtig geblieben ist [159]: «Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Gestalten und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen…» Dante unterstreicht, dass die Unterwelt, die er durchquert, auch von unruhigen Hauchen durchzogen wird [227]-[695]: «Während er sprach, schritten wir weiter, aber immer noch durch den Wald, den dichten Wald, dessen Bäume Geister waren, meine ich.»

§465
· Berechnung XXI für (Il est/-¦¦¦¦-/Id est)
Theorie

Der Verbundstoff aus niederen Güssen (Il est/-¦¦¦¦-/Y lait) (Es sind/-/-/Da Milch) geht von «Il est» aus, lässt dann das "L" beiseite und verbindet letztendlich das "L" mit «est» (im allgemeinen "ist", aber hier «sind»), was auf “Y lait” (Da Milch) hinausgeht. Wir können leicht erraten, dass die Glaubhaftigkeit im Vergleich zu bereits untersuchten Wendungen eine ähnliche Höhe erreicht. Eine zweite Möglichkeit läge in der Untersuchung des Sinnes von “Île est des parfums frais…” (Insel ist von frischen Düften…), was uns dazu bringen würde, auf die Reinheit als eine kleine Insel oder eine Lichtung im Wald inmitten einer weniger kindlich gewordenen Welt aufzupassen. Da die Glaubhaftigkeit eines solchen Ripses eine ähnliche Glaubhaftigkeit wie in den bereits erwähnten Fällen besäße, wenden wir uns eher (Il est/-¦¦¦¦-/Id est) (Es sind/-/-/Id est) zu [864]. Der neunte Vers würde somit den achten sinngemäß ergänzen: “…les parfums, les couleurs et les sons se répondent. Id est des parfums frais…et d'autres corrompus…” (…antworten einander Düfte, Farben und Töne. Id est [Das heißt] Düfte frisch…und andere verdorben…) Das Publikum wird diese Wendung mit «Il est» (Es sind) kaum erkennen, so dass die Glaswand õ=2 keinen Zweifel aufwirft. Die Truhe (ñ) braucht nur, diesen Wert 2 wiederzugeben. Der Dresseur ã=2 ist durch die Gefahr, dem Gedicht untreu zu sein, gerechtfertigt. Wegen des Übergangs von "L" zu "D" -von «Il est» zu “Id est”- kommt die Abflachung ù=2 zurecht, weil dadurch eine Ungeschicklichkeit in die Aussprache eingefügt wird. Die mit dem Gebrauch dieser Abkürzung “Id est” (Das heißt) in einem französischen Gedicht im Jahr 1857 verbundene Gefahr der Zeitwidrigkeit geht auf eine Karre ò=2 hinaus. Das Verhältnis zwischen «Il est» und “Id est” («Es sind» und “Das heißt”) erfordert wegen einer großen Abstraktion die Bossierung ì=2. Obwohl der Ausdruck “Id est” aus dem Lateinischen entlehnt ist, hätte ihn ein gebildeter Durchschnittsleser von Baudelaire problemlos verstanden, was zum Firnis â=1 führt. «Il est» (Es sind) erfüllt keine wissenschaftliche Rolle, so dass der Auspuff (û) den Wert 1 bekommt. Da die Bräuche an der Wendung nicht beteiligt sind, nehmen wir die Gegend ô=1 an. Die Schlucht (å) verdient unvermeidlich die Höhe 1, denn kein Unfall hat die Wendung begünstigt. Aus diesen verschiedenen Größen ergibt sich die Glaubhaftigkeitsbewertung 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(2)(2)(2)(2)(2)(1)(1)(1)(1)=1/(2)(2)(2)(2)(2)(2)=1/64.

Methode

Zwar sind wir immer auf der Suche nach Mitteln, die die Festigkeit eines Schriftstücks sichern können. Die Grundlagen des literarischen Spiels sind hier jedoch zu schwach, um uns von dessen Wirklichkeit zu überzeugen, selbst wenn wir nicht umhin können, für Mittel Interesse zu zeigen, die die Einheit des Gedichts sichern würden.

Anwendung auf Baudelaire

Versuchen wir den Vorgang, den wir dem Dichter unterstellen, zu erklären, wenn wir behaupten, dass dieser unter «Il est» (Es sind) meinte, dass der Leser “Id est” (das heißt) errate. Zunächst denkt sich der Dichter durch “Id est” einen Verweis von den Dreizeilern auf die davor stehenden Vierzeiler. Dann sagte er sich, dass der lateinische Ausdruck “Id est” allzu sehr schülerhaft ist, so dass er schließlich den Ausdruck «Il est» (Es sind) wählt, der seinen eigenen Sinn hat und “Id est” ähnelt. In achten Vers erfahren wir, dass die empfindlichen Elemente ausgewogene Kräfte besitzen. Am Ende des Sonetts gibt Baudelaire zu verstehen, dass Gut und Bös ein ähnliches Gleichgewicht bilden. Unsere innere Dynamik würde somit zwischen dem jugendhaften Gefühl und der Erbsünde schwanken. Keine dieser beiden Neigungen könnte die andere aus dem Weg räumen. Dies aus dem festen Grund, dass die Erbsünde aus dem jugendhaften Gefühl sprießen würde: sobald er gewachsen ist, ist jeder von uns bereits reif, um ins Extreme zu geraten. Ob dieses religiöse Thema aus dem alten Griechenland stammt, oder vor Alexander in Jerusalem bereits üblich war, was den Übergang der klassizistischen Gedankenwelt ins Morgenland erleichtert hätte, diese Frage war zu Baudelaires Zeiten schwer zugänglich. Damals waren die Denker oft der Meinung, dass unsere sittlichen Auffassungen in umgekehrter Richtung aus dem Orient nach Athen gekommen waren [567].

§466
· Berechnung XXII mit (F-frisch sanft-¦¦¦¦-S-sanft frisch)
Theorie

Um die obere Gaukelei (F-frisch…Sanft-¦¦¦¦-S-sanft…Frisch) zu untersuchen, stellen wir uns vor, dass Baudelaire anfangs “Es sind Düfte sanft wie die Haut von Kindern, Frisch wie Oboen, grün wie die Auen…” geschrieben hätte. Mit der endgültigen Fassung hätte er versucht, dem Vorwurf einer gewissen Vorliebe für Kinder auszuweichen. Er hätte also die Adjektive vertauscht und dabei unterstellt, dass der kluge Leser über die Verbindung zwischen den Vorstellungen von «sanft» und “Tastempfindung” den Ursinn rekonstruiert hätte. Die Glaswand õ=2 wird durch den Zusammenhang gerechtfertigt, der die vermeintliche Wendung verwischt, da der Leser hier keinen sehr wichtigen Unterschied zwischen den beiden Adjektiven «frisch» und «sanft» merkt. Dank der Sinnkontinuität passt sich die Truhe ñ=2 dem Wert õ=2 an. Der Dresseur ã=2 drängt sich auf, weil die Gefahr, dem Schaffenden Absichten zu unterstellen, die ihm fremd waren, zu groß zu sein scheint. Die oberflächliche Geschicklichkeit der Deutung erlaubt die Abflachung ù=1. Die Karre (ò) begnügt sich mit der Ebene 1, denn die eingebildete Vertauschung von «frisch» und «sanft» hat mit der Versbildung nichts zu tun. Leider bedroht die Bossierung ì=2 die allgemeine Glaubhaftigkeit, weil das gepflegte Spiel auf den beiden Adjektiven zu viel Abstraktion voraussetzt. Da die erdichtete Umstellung von Wörtern zu einem ernsten Schlüssel nicht ausreicht, kommt der Firnis â=1 zurecht. Die Wissenschaft zieht aus diesem Spiel keinen Nutzen, was uns zum Auspuff û=1 leitet. Da der Tausch auf keinerlei Brauch zurückgeführt werden kann, nehmen wir die Gegend ô=1 an. Wir wenden uns der Schlucht å=1 zu, weil kein Unfall beim Auftreten des mutmaßlichen Wendung plausibel ist. Somit verdient das Gesamtergebnis die Höhe 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(2)(2)(1)(1)(2)(1)(1)(1)(1)=1/(2)(2)(2)(2)=1/16.

Methode

Wenn die Kritik ahnt, dass der Autor ein Wortspiel im Sinn gehabt und schließlich doch abgelehnt hat, muss die Glaubhaftigkeit der Wendung niedrig bleiben. Betrachten wir den folgenden Fall: zur Bestattung von sieben Unfallopfern kritzelt jemand einen Beileidsbrief und erwähnt als Ort des Begräbnisses das Dorf der Siebenschläfer; dann zerstört er das Gekritzel und schreibt statt dessen einen ordentlicheren Brief. Die Absicht des Absenders wird voll missachtet, wenn wir dem eigentlichen Schreiben eine große Glaubhaftigkeit zur Gotteslästerung beimessen.

Anwendung auf Baudelaire

Es ist immer möglich, zur Deutung eines großen Textes eine Bebilderung zu erfinden, vorausgesetzt es besteht kein Anspruch auf Glaubhaftigkeit. Für „Entsprechungen“ können wir uns auf diese Weise folgende Zusammenfassung denken: “Der Mensch ist ein Raum, in dem aus Beinen als lebendigen Säulen manchmal verworrene Botschaften hervortauchen. Durch uralte Wälder von Symbolen, die sich auf unsere gewöhnlichen Neigungen beziehen, kommt die Erbsünde durch. Lange Echos aus der heiligen Stätte unserer Seele vermischen verschwommen die Gegensätze in der finsteren, tiefen Einheit unserer Triebe, die ebenso weit wie die Nacht des Frevels und die Helligkeit der Vernunft ist. Düfte, Farben und Töne, die sich die Waage halten, fassen diese ganze Natur in all ihren Aspekten zusammen, jene, die grün wie Urwiesen, frisch wie die Töne einer Oboe, mit ihrem unendlichen, lebhaften Hauch, und sanft wie Kinderhaut sind. Es gibt anderweitig die verdorbenen Seiten -wie das triumphierende Essen dieser Fleische- die reich wie die Substanzen des Lebens sind: Amber, Moschus, Benzoe und Weihrauch, die in den wüsten Gelagen des Geistes und der Sinne prasseln.”

§467
· Berechnung XXIII einer vollständigen Strecke
Theorie

Versuchen wir nun, die Glaubhaftigkeit von (F-Düfte frisch/-¦¦¦¦-/S-Düffte ffrisch) zu untersuchen. Um unsere Vorgehensweise zu prüfen, wandeln wir die Ausgangslage ab, damit wir nicht in dieselben Berechnungen wie zuvor zurückfallen. Hierzu fügen wir folgende ersonnene Umstände hinzu. Erstens stellen wir uns vor, dass Baudelaire das Gedicht „Entsprechungen“ abgeschrieben und mit folgendem Vermerk versehen hat: “Es handelt sich hier in der Tat -und in jeder Zeile- um Wissenschaftliches. Ich habe mich soeben mit dem guten Asselineau auseinandergesetzt, der die hier so nützlichen Stabreime aus dem Gedicht ausradieren wollte.” Zweitens setzen wir voraus, dass es in damaligen französischen, dichterischen Kreisen üblich war, Gleichklänge besonders zu betonen. Wegen der F-Laute in «Es sind Düfte frisch wie…» kommt die Glaswand õ=1 zurecht. Da der neunte Vers am Anfang eine gute Sinnkontinuität aufweist, folgt die Truhe ñ=1 dem Wert õ=1. Wir nehmen den Dresseur ã=1 an, weil der Dichter sich traditionsgemäß der stark betonten Aussprache fügt. Es liegt keine Ungeschicklichkeit vor, da die künstlerische Denkweise den Gleichklang fördert, und die Abflachung ù=1 ist daher gerechtfertigt. Das ersonnene Dokument würde uns zur Karre ò=1 führen. Die materielle Wiederholung der F-Laute in «…Es sind Düfte frisch wie…» macht die Bossierung ì=1 nötig. Wir schreiben den Firnis â=1, denn das Verständnis der Wendung setzt kein Erlernen eines Geheimnisses voraus. Wegen des Vermerks des Dichters zum Wissenschaftlichen möchten wir uns gern für û=2 entscheiden. Aber unter “Wissenschaftliches” versteht der Autor -in unserer Fiktion- Philosophie oder Schreibkunst, so dass der Gleichklang mit Wissenschaftlichem eigentlich nichts zu tun hat. Somit bleibt der Auspuff û=1 die beste Lösung. Wegen der damals vermeintlichen besonders betonten Aussprache ist die Gegend ô=2 den Umständen gut angepasst. In einem Text, der unter keinerlei materiellem Missgeschick gelitten hat, scheint die Schlucht å=1 angebracht. Somit verdient der betreffende Rips die Strecke 1/õñãùòìâûôå=1/(1)(1)(1)(1) (1)(1)(1)(1)(2)(1)=1/(2)=½.

Anwendung auf Baudelaire

Da die Wissenschaft schon lange feststeht, weiß jeder prominente Autor, dass er über die herkömmliche Definition der Wissenschaft hinausgeht und somit seiner Überschreitung bewusst ist. Daher zögern wir nicht, in diesem Fall die vorübergehende Phantasie des Schaffenden zu verwerfen. Es ist des Weiteren bekannt, dass Baudelaire, was die Begabungen des Dichters im allgemeinen betrifft, gern übertrieb, um den Spießer vor den Kopf zu stoßen, so dass unsere erfundene Schiene dem Ruf Baudelaires nicht schaden kann.

Methode

Nach Bachelard gehen manche Hindernisse in den Untersuchungen auf Schrullen zurück, die die Forschung anfangs begünstigt haben [53]. Es ist also möglich, vorauszusetzen, dass die Vorstellung, es könne jemand unwillkürlich beschließen, dem Publikum in einer Schrift, die ihm eine lange Anstrengung abverlangt, einen Gedanken zu liefern, manche aufstrebenden Denker daran gehindert haben mag, sich zur Untersuchung von Redewendungen zu fragen, ob der Autor sie tatsächlich beabsichtigt hat.

§468
· Berechnung XXIV für (F-chairs d'enfants-¦¦¦¦-S-chers enfants)
Theorie

Da «chairs d'enfants» (Haut von Kindern) französisch wie “chers enfants” (liebe Kinder) klingt, setzen wir abermals eine Wendung voraus, über die Baudelaire möchte, dass der Leser zu seinem Urgedanken zurückfinde. Hier wäre der unsichere Urgedanke: “Es sind frische Düfte wie die lieben Kinder…” Die zu bewertende Glaubhaftigkeit betrifft also (F-chairs d'enfants-¦¦¦¦-S-chers enfants) (F-Haut von Kindern-/-S- lieben Kinder). Der Rest der Ballung verwischt diesen erdichteten Sinn, falls er wirklich existiert haben mag, was die Glaswand õ=2 liefert. Daraus ergibt sich die Truhe ñ=2. Da wir uns, was die Scholle betrifft, völlig irren können, bekommt der Dresseur den Wert ã=2. Es ist nicht zu leugnen, dass die Vertauschung von D- Laut zur S-Laut -von «chairs d’enfants» zu “chers enfants”- in der Diktion des Gedichts unter anderem eine Ungeschicklichkeit herbeiführt, so dass wir die Abflachung ù=2 zulassen müssen. Die Karre erreicht ò=1, denn die List des Autors bleibt in historischer Hinsicht möglich. Die Bossierung ì=2 ist gerechtfertigt, weil es auf der Hand liegt, dass wir mit dem Wortspiel "chairs d'enfants-chers enfants" (Haut von Kindern-lieben Kinder) eine große Abstraktion in Anspruch genommen haben. Wir nehmen den Firnis â=1 an, denn die Kritik hat in der Vertauschung vom D-Laut zum S-Laut keinen Schlüssel erkannt. Da die Wissenschaft daraus keinen Nutzen zieht, ist der Auspuff û=1 nötig. Und da kein Brauch der Zeit die Dinge in der vermutlichen Richtung beeinflusst hat, ist die Gegend ô=1 die einzig mögliche. Die Schlucht å=1 liefert eine gute Beschreibung unserer Ignoranz bezüglich etwaiger materieller Unstimmigkeiten, die auf den betreffenden Rips eine Wirkung gehabt haben mochten. Somit erreicht die Strecke von (F-chairs d'enfants- ¦¦¦¦-S-chers enfants) (F-Haut von Kindern-/-S-lieben Kinder) die Ebene 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(2)(2)(2)(1)(2)(1) (1)(1)(1)=1/(2)(2)(2)(2)(2)=1/32.

Methode

Was die Absicht des Schaffenden betrifft, ist der Ausdeuter -wegen der dumpfen Sinnverwandtschaften zwischen den Wörtern und wegen der Erinnerungen, die mit diesen Wörtern zusammenhängen- oft unschlüssig. Bei jeder genauen Rekonstruktion solcher Verbindungen besteht auch für Ausleger, die eine gute -wenn auch neblige- Intuition der Gedankenwelt des Autors haben, leider auch die Gefahr der Irreführung.

Anwendung auf Baudelaire

Da wir mit «Kinder» die Vorstellung “klein” assoziieren, können wir uns leicht vorstellen, dass der Dichter den Inhalt der Dreizeiler anfangs auf den Gegensatz zwischen den schwindenden Düften einerseits, die uns an die Freude der lachenden Kinder erinnern, und den kräftigen, scharfen Düften andererseits stützen wollte. Bemerken wir in diesem Zusammenhang, dass «enfant» (Kind) sich im Gedicht „die Tanzende Schlange“ auf «éléphant» (Elefant) reimt [[1112]] in Index II (Gedichte)">[[1112]]. In „Entsprechungen“ wollte Baudelaire wahrscheinlich kein Grinsen hervorrufen, und die Wörter wurden so ausgesucht, dass «enfants» (Kinder) sich auf «triomphants» (sieghaft) reimt. Wegen der Rolle von Karl dem Großen im „Rolandslied“ -das Epos, das Turold hersagte- verbinden zwei Verse das Elefantenthema und den späteren Vornamen Baudelaires [185]-[186]: «Waffenbruder Roland, blast euren Olifant,
So hört ihn Karl, der über die Pässe zieht.»

§469
· Berechnung XXV einer vollständigen Strecke
Theorie

Stellen wir uns ein Manuskript von Baudelaire mit nur den Angaben “Doux Ξ¤☼ 000 verts Ξ¤≈” (sanft Ξ¤☼ 000 grün ¤◊≈) vor. Wir suchen die Strecke von (F-Ξ¤☼…Ξ¤≈/-¦¦¦¦-/S-comme les hautbois…comme les prairies) (F-Ξ¤☼…Ξ¤≈/-/-/S-wie Oboen…wie die Auen). Wegen der zahlreichen, rätselhaften Zeichen ist das Dokument keine Krippe, was uns dazu leitet, eine Glaswand 2 zu schreiben. Wegen «verts» (grün), das zwischen die Pachtgüter eingeschoben ist, lassen wir auch die Truhe ñ=2+(1(3/10))=2+(1(0,3)= 2+0,3=2,3 zu. Der Dresseur ã=2 drängt sich auch auf, denn das Limit deutet auf „Entsprechungen“ hin, während die Verbindung zwischen dem Dokument und dem Sonett uns unbekannt bleibt. In der Tat mag die rätselhafte Ballung im Ursprung der Entstehung von den Versen, davor oder danach entstanden sein. Der geschickte Kommentar führt uns notwendigerweise zur Abflachung ù=1. Die Karre ò=2 kommt zurecht, weil es zur zufriedenstellenden Deutung des rätselhaften Manuskripts an Belehrungen mangelt. Die Bossierung ì=1 ist über jeden Zweifel erhaben, denn die Reihe von geheimnisvollen Zeichen bringt eine Sichtempfindung, die sich in die Kategorie des Konkreten leicht unterbringen lässt. Der Firnis â=2 ist wegen des Eindrucks einer besonderen Kodierung echt treffend. Da die Scholle eher fantastisch als wissenschaftlich zu sein scheint, erfordert der Auspuff den Wert û=1. Wir können schlecht sehen, welcher Brauch zu einem so ulkigen Manuskript hinausgehen könnte, so dass die Gegend ô=1 nötig ist. Und da die Kritik in dieser Angelegenheit weder Fälschung, noch Irrtum, noch Unfall feststellen kann, erreicht die Schlucht (å) die Ebene 1. So müssen wir auf eine Wendung der Glaubhaftigkeit 1/(õ)(ñ)(ã)(ù)(ò)(ì)(â)(û)(ô)(å)=1/(2)(2,3)(2) (1)(2)(1)(2)(1)(1)(1)=1/(2)(2,3)(2)(2)(2)=1/36,8 schließen.

Methode

Das Gewicht der konkreten Elemente ist augenscheinlich, aber wir sollten alle rätselhaften Zeichen auf einmal erfassen -und nicht als Verbundstoff-, weil wir von dem Rahmen nicht genug verstehen. Wenn wir auf ähnliche Weise in einem tugendlichen, ausgeglichenen Zusammenhang auf einen plötzlichen Ausruf stoßen, erkennen wir denselben als solchen, während wir mit einem lückenhaften Werk nicht mehr genau wissen, was wir von diesem Ausruf halten sollen.

Anwendung auf Baudelaire

In dem Gedichtband "die Blumen des Bösen" verfällt Baudelaire in die Ungeheuerlichkeit, so fügt er sie in der Form der gängigsten französischen Dichtung ein, weil sie derart vertraut ist, dass sie für den Grundsinn keine Gefahr der Schwächung darstellt [[1146]] in Index II (Gedichte)">[[1146]]: «Meine Frau ist tot, ich bin frei!
Ich kann also nach Herzenslust trinken.
Wenn ich ohne einen roten Heller nach Hause kam,
Machten mich ihre Tränen niedergeschlagen.

Glücklich bin ich wie ein König.
Die Luft ist rein, der Himmel wunderbar.
-Als ich mich in sie verliebte,
Hatten wir einen ähnlichen Sommer…

Ich habe sie in einen Brunnenschacht gestoßen
Und habe sogar alle Steine
Des Randes auf sie geworfen.
-Ich werde sie nach Möglichkeit vergessen!»

§470
· Berechnung XXVI über (F-hautbois-¦¦¦¦-S-hauts bois)
Theorie

Die Annahme des Ripses “…doux comme les hauts bois…” (…sanft wie die hohen Wälder…) führt dazu, die Glaubhaftigkeit von (F-hautbois-¦¦¦¦-S-hauts bois) (F-Oboen-/-S-hohen Wälder) zu bewerten. Da die Ballung wegen der Schreibweise den Rips verwischt, bekommt die Glaswand den Wert õ=2. Die Truhe passt sich dieser Größe an und nimmt die Ebene ñ=2 an. Auf dieselbe Weise hebt der Dresseur die Schwäche der Wendung durch die Gleichung ã=2 hervor. Dagegen schreiben wir die Abflachung ù=1, weil der Kommentar keine Ungeschicklichkeit aufweist. Ohne Schwierigkeit erreicht die Karre (ò) die Höhe 1, weil in diesem Limit keine Zeitwidrigkeit festzustellen ist. Die Beschreibung der Figur über die Bossierung ì=2 stimmt, denn wir teilen das Wort «hautbois» (Oboen) in zwei, um “hauts bois” (hohen Wälder) zu gestalten, was eine gewisse Abstraktion voraussetzt. Da ein Wortspiel nicht als Schlüssel betrachtet werden kann, ist der Firnis â=1 gerechtfertigt. Die Scholle trägt nicht zur Wissenschaft bei, was auf den Auspuff û=1 hinausgeht. Die Gegend ô=1 kommt zurecht, weil die Wendung nicht durch den Brauch begünstigt wird. Die Schlucht å=1 beschreibt tadellos die Unabhängigkeit des Wortspiels in Bezug auf etwaige Unfälle. Daher verdient die Strecke die Bewertung 1/(õ)(ñ)(ã)(ù)(ò)(ì)(â)(û)(ô)(å)=1/(2)(2)(2)(1)(1)(2)(1)(1)(1)(1)=1/(2)(2)(2) (2)=1/16.

Anwendung auf Baudelaire

Die hohen Wälder gewähren manchen Wesen, für die sich Auguste Comte interessierte, Schutz [206]: «Bisher wurde die sittliche Natur der Tiere allzu wenig und oberflächlich erforscht, aber wir müssen nichtsdestotrotz zugeben, dass sie ihren Verstand im Wesentlichen zur Befriedigung ihrer verschiedenen organischen Bedürfnisse anwenden. Sie greifen wenn nötig auch auf eine gewisse Sprachebene zurück, die dem Wesen ihrer gesellschaftlichen Beziehungen und dem Ausmaß ihrer Gruppe entspricht. Diese Erkundung geschieht ohne irgendwelche Ungewissheit in der Hauptsache bezüglich derjenigen, die in einem Verhältnis des mehr oder weniger vollen Vertrauens zu uns leben. Die Untersuchung stützt sich auf dieselben allgemeinen Mittel, die wir anwenden würden, um Menschen zu schildern, deren Sprache und Sitten uns anfänglich unbekannt wären. Des Weiteren hebt diese Untersuchung hervor, dass diese Tiere ebenso wie wir Bedürfnisse haben können, die vom unmittelbaren Überleben völlig unabhängig sind. Es handelt sich um die unmittelbare Ausübung der tierischen Fähigkeiten, die sich auf den einfachen Grund stützt, dass sie vorhanden sind. Ihr Zweck besteht einzig und allein in dem Vergnügen, das aus der Funktion abgeleitet wird. Dies bringt diese Tiere wie die Kinder oder die Wilden dazu, oft neue Spiele zu erfinden, und es macht sie auch -zu einem weit niedrigeren Grad als wir- gegen "Langeweile" empfindlich. Es war besonders unangebracht, zu behaupten, dass dieses Gefühl nur der menschlichen Natur zugänglich war, denn es ist bei manchen Tieren gelegentlich so ausgeprägt, dass es sie im Zuge einer unerträglich gewordenen Gefangenschaft zum Selbstmord bewegt.»

Methode

Das Ideal der Vernunft, das durch arithmetische Messung unterstützt wird, lenkt die Kräfte, die uns zum Sammeln und Jagen trieben, zu neuen Beschäftigungen um. Ausgehend von solchen inneren Federn, die das Überleben sicherten, entsteht die Kenntnis einer Erscheinung sehr langsam, denn es sind mehrere neue Denkebenen, wie etwa das Verständnis von 0+1=1 nötig. Der positivistische Philosoph unterstreicht jedoch die Tatsache, dass wir uns über die anfängliche Tragweite unserer intellektuellen Urbegabungen nicht irreführen lassen sollen [205]: «Denn das tägliche Erlebnis zeigt im Gegenteil auf die am wenigsten zweideutige Weise, dass Gefühle, Neigungen und Leidenschaften die Hauptmotive des menschlichen Lebens darstellen. Es ist nicht der Verstand, der diese Fähigkeiten in Bewegung setzt, sondern der Anfangsantrieb dieser Fähigkeiten, der den intellektuellen Kräften und deren fortwährender Entwicklung den nötigen, ursprünglichen Anstoß gibt. Dank der Grundfähigkeiten erhalten die intellektuellen Kräfte ihren letztendlichen Zweck. Ohne diesen Anstoß blieben sie wegen der notwendigen Unbestimmtheit ihrer allgemeinen Richtung bei den meisten Menschen im Wesentlichen lahm.»

§471
· Berechnung XXVII einer vollständigen Strecke
Theorie

Gehen wir jetzt davon aus, dass von dem Band "die Blumen des Bösen" eines Tages eine einzige Seite -zum Glück mit „Entsprechungen“- erhalten bleibt. Stellen wir uns außerdem noch vor, dass auf dieser Seite auf unerklärliche Weise auf dem Wort “grün” des erstens Dreizeilers ein grüner Fleck vorhanden sei. Der Vergleich dieser Seite, die erhalten geblieben ist, mit anderen Werken aus der Zeit Baudelaires führt uns dazu zu bezweifeln, dass der Dichter den grünen Fleck vorsätzlich an diese Stelle gesetzt hätte. Wir versuchen, die Strecke von (F-grüner Fleck auf "grün"-¦¦¦¦-S-Nachdruck) zu errechnen. Das Gespinst entbehrt jede Anspielung auf das traurige Schicksal des Gedichtbandes, so dass die Glaswand õ=1 zurechtkommt. Die Truhe ñ=1 beschreibt den kleinen grünen Fleck richtig, weil dieser keine innere Trennung aufweist. Der Dresseur ã=2 scheint gerechtfertigt zu sein, denn die Deutung zum Limit erweckt Zweifel. Da dieser Kommentar sich jedoch geschickt oberflächlich auf den Schein stützt, nehmen wir die Abflachung ù=1 an. Dagegen erreicht die Karre (ò) wegen nicht stichhaltiger Kritik notwendigerweise die Ebene 2. Der grüne Fleck bietet einen materiellen Aspekt, das heißt alles Nötige, damit wir die Bossierung ì=1 schreiben können. Wir gelangen zum Firnis â=1, weil der Fleck einer Makulatur oder im Gegenteil einer Verzierung, aber keineswegs einer Kodierung ähnlich sieht. Der Auspuff û=1 ist echt angebracht, denn die Scholle trägt nicht zur Wissenschaft bei. Die Gegend ô=1 bringt eine einwandfreie Beschreibung der Lage, weil im Fleck kein Brauch fühlbar ist. Wegen der Wahrscheinlichkeit des Unfalls erreicht die Schlucht (å) die Höhe 2. Daher verdient die Glaubhaftigkeit die Größe 1/(õ)(ñ)(ã)(ù)(ò)(ì)(â)(û)(ô)(å)=1/(1)(1)(2)(1)(2)(1)(1) (1)(1)(2)=1/(2)(2)(2)=⅛.

Methode

Jeder Unfall wirkt verdächtig, und wir nehmen mehrere Kriterien, um den Zwischenfall zu umreißen, da sie geschlossen alle Wahnsinnigen Deutungen ausschließen, die um unbedeutende Ereignisse erfunden werden können. Wenn es unmöglich ist, die nützlichen Kriterien zu verwenden, bläst die Meinung oder der Aberglaube tausend Phantasien, die mit zweifelhaften Interessen zusammenhängen [909].

Anwendung auf Baudelaire

Unter den Farben wird im Sonett nur das Grün erwähnt. Auf Französisch heißt "grüne Sprache" so viel wie "Rotwelsch", und es ist in dieser Hinsicht bekannt, dass Baudelaire die Gaunersprache in der gehobenen Literatur zuwider war. An dieser Stelle müssen wir an den Frühling und an die damit verbundenen Tätigkeiten der Fortpflanzung denken. Im Gedicht „der Blutbrunnen“ erwähnt der Autor die Komplementärfarbe zum Grünen, indem er sich vorstellt, wie der Inhalt seiner Adern eine ganze Siedlung überschwemmt [[1044]] in Index II (Gedichte)">[[1044]]: «Durch die Stadt wie über einen Kampfplatz
Sickert mein Blut dahin und macht die Pflastersteine zu Inseln.
Es löscht den Durst aller Kreaturen
Und färbt die Natur überall rot.» Mit dem Thema des schwach bewussten Opfers hat sich auch Rousseau befasst [875]: «…ich sah wie sich eine Deutsche Dogge auf mich stürzte, die vor einer Karosse losstürmte, und keine Zeit hatte, um ihren Lauf aufzuhalten…Ich war in dem Augenblick eingefangen und konnte mich an nichts erinnern. Ich war mir meiner Person überhaupt nicht bewusst und hatte nicht die geringste Ahnung von dem, was mit mir geschehen war. Ich wusste nicht, wer ich war, oder wo ich war. Ich verspürte weder Schmerzen, noch Furcht, noch Unruhe. Ich sah zu, wie mein Blut einem Bach ähnlich dahin floss und konnte nicht fassen, dass dieses Blut mir so oder so gehörte.» Die Begierde ist wie ein anderer Opferpriester [[1045]] in Index II (Gedichte)">[[1045]]: «In der Liebe habe ich einen vergesslichen Schlaf gesucht,
Aber Liebe ist für mich nur wie ein Bett mit Nägeln,
Das diese grausamen Mädchen tränkt!»

§472
· Berechnung XXVIII einer vollständigen Strecke
Theorie

Die Wendung (F-prairies-¦¦¦¦-S-prés rient) (F-Auen-/-S-Wiesen lachen) ähnelt durch ihre Merkmale anderen, für die die Berechnung bereits erfolgt ist. Wir werden also die Umstände des Schriftstücks ändern, um unsere Bewertungskriterien leichter prüfen zu können. Eines fernen Tages in der Zukunft ist von einem Gedicht, das „Entsprechungen“ ähnlich klingt, nur ein einziges Exemplar vorhanden, das Verse enthält, die an einen Artikel einer Enzyklopädie erinnern, aber es fehlt in diesen Versen eine Silbe. Anstatt «…Sanft wie Oboen, grün wie die Auen…» enthält die zehnte Zeile die Worte “…empfänglich wie die Spiegel und die Fruchtkno…» Hier wird eine Wendung (F-Fruchtkno-¦¦¦¦-S-Fruchtknoten) vorausgesetzt. Wird das Schriftstück als Ganzes betrachtet, so sagen wir uns, dass das Publikum nur aus wenigen Kennern bestand, die im Stande waren, zwischen Kunst und Wissenschaft eine Brücke zu schlagen. Das Schriftstück mit Bruchteilen aus dem Sonett, das die Zeit überstanden hat, gibt uns Zugang zu einem engen Künstlerkreis, was uns dazu bringt, die Glaswand õ=2 zu schreiben. Die Truhe ñ=2 passt sich sofort diesem Wert õ=2 an. Die Gefahr eines Irrtums im Limit führt uns zum Dresseur ã=2. Die Abflachung ù=1 kommt zurecht, weil dieser Kommentar zum Limit nichts Ungeschickliches an sich hat. Wegen der mangelhaften Kenntnis des Schriftstücks, wenden wir uns vorsichtig der Karre ò=2 zu. Es ziemt sich, die Bossierung ì=1 anzunehmen, denn das unvollständige Wort bringt eine kräftige materielle Wirkung mit sich. Der Firnis â=1 ist gerechtfertigt, weil keine besondere Kodierung ihren Einfluss auf dem unvollständigen Wort geltend macht. Wegen des enzyklopädischen Charakters der vollständigen Verse drängt sich der Auspuff û=2 auf. Da sonst kein Brauch vorhanden ist, worauf zur Erläuterung des Anfangs des unvollständigen Wortes zurückgegriffen werden könnte, bekommt die Gegend (ô) die Größe 1. Der materielle Zustand der Verse weist auf einen Unfall hin, was uns zur Schlucht å=2 führt. Zusammenfassend verdient die Wendung die Strecke: 1/(õ)(ñ)(ã)(ù)(ò)(ì)(â)(û)(ô)(å)=1/(2)(2)(2)(1)(2)(1)(1)(2)(1)(2)=1/(2)(2)(2)(2)(2)(2)=1/64.

Methode

Die Bossierung bringt eine kleine Schwierigkeit mit sich, weil die Unterbrechung des unvollständigen Wortes wohl auf das verschimmelte Papier und nicht auf den Willen des Schaffenden oder des Ausdeuters zurückgeführt werden könnte. Zum Glück sind in den anderen Fermenten genug Kriterien vorhanden, um die Schwierigkeit zu überwinden. Aristoteles schrieb [34]: «Geben wir die Erklärungen, die unser Thema erfordert, so haben wir unsere Aufgabe ausreichend erfüllt. Alle Untersuchungen setzen nämlich nicht dieselbe Strenge voraus, ebenso wie alle technischen Leistungen nicht die gleichen strengen Verfahren voraussetzen.»

Anwendung auf Baudelaire

Die Auen bekommen das sittlich Gute und dann das Wissen [113]: «Merkt auf, ihr Himmel, ich will reden, und die Erde höre die Rede meines Mundes. Meine Lehre rinne wie der Regen, und meine Rede riesele wie Tau, wie der Regen auf das Gras und wie die Tropfen auf das Kraut. Denn ich will den Namen des Herrn preisen. Gebt unserm Gott allein die Ehre!» Das gesellschaftliche Leben wird nicht vergessen [106]: «Und der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errete aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande, in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt…»

§473
· Berechnung XXIX für (F-Gedankenstrich am Anfang des elften Verses-¦¦¦¦-S-Trennung)
Theorie

Untersuchen wir die Glaubhaftigkeit von (F-Gedankenstrich am Anfang des elften Verses-¦¦¦¦-S- Trennung). Der Gedankenstrich steht an der Stelle, wo der Dichter den Schwerpunkt von der Frische auf die Verderbnis verlegt: «Es sind Düfte frisch…Und andere verdorben…» Die Glaswand õ=2 scheint für den Fall des Gedankenstrichs angebracht, da das Zeichen dieses Bruchsteins zu den gewöhnlichen Mitteln des Schreibens gehört und daher im Sonett als materielle Einfügung fast verschwindet. Die Truhe ñ=2 setzt diese anfängliche Herabwürdigung der Glaubhaftigkeit fort. Da das Limit schlicht bleibt, begnügt sich der Dresseur (ã) mit dem Wert 1. Aus demselben Grund bleibt der Kommentar frei von jedweder Ungeschicklichkeit, was uns zur Abflachung ù=1 führt. Die Karre ò=1 ist gerechtfertigt, weil der Gedankenstrich nicht zu den gewöhnlichen dichterischen Mitteln zählt. Das betreffende Zeichen ist konkret genug, damit die Bossierung ì=1 zurechtkommt. Dank der Tatsache, dass Baudelaire keine besondere Kodierung benutzt, verdient der Firnis (â) die Höhe 1. Die Rolle des Gedankenstrichs zur Teilung des Denkens erlaubt den Auspuff û=2. Die Gegend ô=2 hängt damit zusammen, dass der Dichter vom Gedankenstrich öfter Gebrauch macht. Da die Wendung von etwaigen Unfällen unabhängig zu sein scheint, erreicht die Schlucht (å) die Ebene 1. Alle diese Werte bilden die Strecke 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(2)(1)(1)(1)(1) (1)(2)(2)(1)=1/(2)(2)(2)(2)=1/16.

Methode

Autor und Schaffender unterscheiden sich leicht, denn jener mag eine Reihe von Werken geschrieben haben, während dieser nur mit dem gerade untersuchten Text zu tun hat. Trotz dieser Unterscheidung liegt es auf der Hand, dass die lange verinnerlichten Gewohnheiten eines Autors auf den in Frage kommenden Schaffenden ihren Einfluss haben werden. Wir gehen erst dann fehl, wenn wir darauf beharren, dass der Autor im Augenblick des Schaffens allen seinen vorherigen Gewohnheiten treu bleibt.

Anwendung auf Baudelaire

Am Ende der Ballung sammelt der Autor die gefährlichen Ideen, zu denen er sein Publikum führt. Gleichzeitig sieht er einerseits die Gefahr, seinen Lesern durch bittere Betrachtungen auf den Geist zu gehen, aber andererseits erfordert seine Eigenständigkeit, dass er den dunklen Seiten der Menschheit, die von seinen hervorragenden Zeitgenossen so oft vernachlässigt werden, einen gebührenden Platz einräumt [[993]] in Index II (Gedichte)">[[993]]: «Haben Vergewaltigung, Gift, Dolch oder Brand
Ihre gefälligen Motive noch nicht
In unsere traurigen Schicksale gestickt,
So nicht aus Tugend, sondern aus mangeldem Mut.» Dabei mag die homerische Dichtung als dunkles Vorbild gedient haben [441]: «Ach, armer Freund, ach Menelas, warum so viel Rücksicht diesen Männern gegenüber? Hast du irgendeinem Grund gehabt, über die Leute von Ilion in deinem Haus glücklich zu sein? Nein! Keiner von ihnen, nicht einmal das ungeborene Kind oder der fliehende Krieger, darf unseren Waffen entweichen, die sie in den Abgrund des Todes treiben werden! Es sollen alle Leute von Ilion spur- und trauerlos verschwinden!»

§474
· Berechnung XXX einer vollständigen Strecke
Theorie

Die Wendung (F-corrompus-¦¦¦¦-S-corps rompus) (F-verdorben-/-S-gebrochene Körper) dürfte über den Daumen gepeilt eine Strecke ergeben, die bereits erarbeiteten Wendungen ähnlich wäre. Deshalb ist es zur Gestaltung neuer Berechnungsbesonderheiten eher angebracht, von neuen Umständen auszugehen. Wir nehmen an, dass das Wort «corrompus» (verdorben) mit dem Vermerk “chemisch gebrochene Körper” in einem Manuskript Baudelaires versehen ist. Von dem neuen Zusammenhang ausgehend dürften gewisse Kriterien in einem neuen Licht untersucht werden können. Aus der Glaswand õ=2 ist ersichtlich, dass das Publikum kein literarisches Spiel erkennt, denn die Schreibweise wird nicht geändert. Diese Glaswand 2 führt unmittelbar zur Truhe ñ=2. Dank des Manuskripts schreiben wir den Dresseur ã=1, da die Gefahr eines Irrtums bezüglich der Absicht des Schaffenden stark gelindert ist. Der Kommentar weist keine Ungeschicklichkeit auf, weil “corrompus” (verdorben) mit dem doppelten “R” phonetisch wie “corps rompus” (gebrochene Körper) in zwei Wörtern klingen mag, was die Abflachung ù=1 rechtfertigt. Die Karre ò=1 wird durch das neue Dokument eindeutig begünstigt. Von vornherein scheint die Verdoppelung des “R” konkret genug zu sein, um die Bossierung ì=1 zu erlauben. In der Tat braucht der französische Leser das doppelte “R” nicht unbedingt zu betonen. Er darf “corrompus” (verdorben) klar als ein Wort aussprechen, und die Bossierung ì=2 kommt zurecht, weil wir über eine Abstraktion aus einem Wort zwei Wörter gestaltet haben. Der Firnis (â) erreicht den Wert 1, denn die Kritik erkennt in «corrompus» (verdorben) keine besondere Kodierung. Mit dem Vermerk über die Chemie, den die Gelehrten entdeckt haben, stellt sich die Frage der Wissenschaft, was uns zur Erörterung von û=2 leitet. Bei näherem Hinsehen kommt hier nichts eigentlich Wissenschaftliches zutage, und unser fiktiver Dichter bleibt ein Dichter, denn das übrige Sonett ist vollkommen literarisch. Also beschreibt der Auspuff û=1 die Lage richtig. Die Gegend ô=1 scheint unvermeidlich zu sein, weil die Wendung durch keinen Brauch begünstigt zu sein scheint. Im Sonett hat das Wort “corrompus” (verdorben) als solches nichts mit einem Unfall zu tun, und wir lassen daher die Schlucht å=1 zu. Durch diese Fermente beläuft sich die Glaubhaftigkeitsbewertung auf 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(2)(1)(1)(1)(2)(1)(1)(1)(1)=⅛.

Methode

Kommentiert der Autor sein eigenes Buch selbst, so sind aus historischer Sicht seine Bemerkungen unzuverlässig. Es wäre erforderlich zu zeigen, um den Kommentar als Merkposten betrachten zu können, dass der Ursprung des Textes und der Ursprung des Kommentars eins sind. Da der Autor seine Meinung im Nu ändern kann, mag eine Auseinandersetzung über einen bestimmten Rips endlos fortgesetzt werden. Manchmal mag der anfängliche Schaffende infolge eines neuen Impulses durch einen neuen Schaffenden ersetzt werden. Dieser neue Schaffende ist im Einzelnen der Verfasser des Vermerks -der gelegentlich eine bittere Note von einem Sinneswandel verursacht- über das vorherige Werk.

Anwendung auf Baudelaire

Da der menschliche Körper durch Folterung oder Liebe leicht gebrochen wird, darf es nicht verwundern, dass das Land der Aphrodite in Verderbtheit verfällt [547]- [[1138]] in Index II (Gedichte)">[[1138]]: «Welches ist die traurige, schwarze Insel? -Kythera so heißt es:
Ein berühmtes Eiland in den Liedern
Und das abgedroschene Eldorado aller älteren Junggesellen.
Schaut hin, es ist letzten Endes ein armer Landstrich.

-Du Insel der Liebesgeheimnisse und der Zärtlichkeiten des Herzens,
Über deinen Meeren spukt wie ein Duft
Der wunderbare Geist der antiken Venus,
Der den Seelen Liebe und Sehnen einflößt.

Du schöne Insel der grünen Myrten, voll Blüten,
Für immer von allen Nationen in Ehren gehalten.
Auf dir rollen die Seufzer der anbetenden Herzen
Wie Weihrauch auf Rosensträuchern

Oder wie das immerwährende Turteln einer Taube!
-Kythera war nur noch ein ödes Gefilde,
Eine Steinwüste, die nur durch scharfes Geschrei gestört wurde.
Jedoch konnte ich einen seltsamen Gegenstand ausmachen:

Es war kein Tempel mit buschreichen Schatten,
In dem die junge in Blumen verliebte Priesterin,
Mit ihrem insgeheim heißen Körper wandelte,
Und ihr Kleid der leichten Brise halb öffnete.

Als wir uns aber der Küste näherten
Und die Vögel mit unseren weißen Segeln verscheuchten
Sahen wir, dass es ein Galgen mit drei Armen war,
Der sich wie eine Zypresse gegen den Himmel schwarz abhob.» 211

§475
· Berechnung XXXI über (F-Corr…corr-¦¦¦¦-S-Nachdruck)
Theorie

Erstens ist auf Französisch die Vorstellung des Gleichgewichts eine der Ideen, die von dem Inhalt des Wortes «répondent» (Antworten) ausgehend, in den Sinn kommt. Zweitens haben der Titel des Gedichts -«Correspondances» (Entsprechungen)- und «répondent» (Antworten) dieselbe Wurzel “respond- répond”. Drittens haben die Wörter «Correspondances» (Entsprechungen) und «corrompus» (verdorben) fast dieselbe Anfangssilbe. Viertens stellen diese beiden Wörter “Gewichte” dar, die dem Gedicht seinen tieferen Sinn geben. Also ist es angebracht, die Abbindung (F-Corr…corr-¦¦¦¦-S-Nachdruck) zu untersuchen. Zwischen den beiden Silben “Corr” und “corr” -im Titel und im elften Vers- ist der Abstand zu groß, damit der Durchschnittsleser der Wiederholung gewahr wird. Somit wird die Wendung im Zusammenhang verwischt, was die Glaswand õ=2 als wünschenswert erscheinen lässt. Die Truhe ñ=2+(1(56/10))=2+(56/10)=2+5,6= 7,6 ist notwendig, denn es sind zwischen den beiden Klängen “corr” Fronten vorhanden: “Nature, est, temple, où, vivants, piliers, Laissent, parfois, sortir, confuses, paroles, homme, y, passe, travers, forêts, symboles, Qui, l', observent, avec, regards, familiers, Comme, longs, échos, loin, se, confondent, Dans, ténébreuse, profonde, unité, Vaste, comme, nuit, et, clarté, parfums, couleurs, sons, se, répondent, est, parfums, frais, comme, chairs, enfants, Doux, comme, hautbois, verts, comme, prairies, autres” (Natur, ist, Tempel, worin, lebendige, Säulen, lassen, zuweilen, entweichen, wirre, Worte, Mensch, Dort, schreitet, durch, Wälder, Symbolen, Die, ihn, betrachten, mit, Blicken, vertrauten, Wie, lange, Echos, Ferne, sich, vereinen, In, finsteren, tiefen, Einheit, Weit, wie, Nacht, und, Licht, Düfte, Farben, Töne, einander, Antworten, sind, Düfte, frisch, wie, Haut, Kindern, Sanft, wie, Oboen, grün, wie, Auen, andere). Der Dresseur (ã) erreicht den Wert 2, weil der Dichter vielleicht der Wiederholung “Corr-corr” keinen besonderen Sinn beigemessen hat. Dagegen ist der Kommentar “Nachdruck” keineswegs ungeschickt, so dass die Abflachung ù=1 zurechtkommt. Da der Autor die Wiederholung übersehen haben mag, lassen wir die Karre ò=2 zu. Das Vorhandensein der beiden Laute “corr” erlaubt die Bossierung ì=1. Der Firnis (â) verdient die Höhe 1, denn die Wiederholung des Klanges “corr” gehört nicht zur Kodierung. Der Auspuff û=1 kommt zurecht, weil die vermutliche materielle Einfügung der Wissenschaft nichts bringt. Wir nehmen die Gegend ô=1 an, denn die Scholle wurde nicht unter dem Einfluss eines Brauchs geschrieben. Die Schlucht å=1 steht außer Zweifel, weil kein Unfall an der Wiederholung von “corr” beteiligt ist. Schließlich beträgt die Strecke 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(7,6)(2)(1)(2)(1)(1)(1)(1)(1)=1/(2)(7,6)(2)(2)=1/60,8.

Methode

Unsere Berechnung fußt nicht auf einem festen Grund, denn es ist nicht einfach, klar darzustellen, was der Schaffende vom Publikum erwarten konnte. Dies trifft für die Verbindungen zwischen Gedanken, die im Schriftstück voneinander entfernt sind. Zazzo bemerkt [981]: «Wenn wir träumen, aber auch "wenn wir denken" oder überlegen, machen wir Gedankensprünge…»

Anwendung auf Baudelaire

Während der Dichter das Gleichgewicht zwischen Düften, Farben und Tönen, oder gar zwischen Gut und Bös erfasst, muss der Verstand des Lesers Sprünge machen, um die einzelnen schwierigen Mentalbilder zu vereinen, und dabei die innere Einheit des Gedichts mühsam wieder zusammenstellen. Der Ausdruck «observent avec des regards» (…mit…Blicken betrachten) gleicht fast einer Wiederholung. Auf ähnliche Weise würde uns ein “Symbol” eher an Seltsames als an “Vertrautes” denken machen. Nach dem ordentlichen Ausdruck “entspringt” die Wahrheit nicht aus einer “Säule”, sondern aus einem Brunnenschacht. Vereinen wir diese leichten Intuitionen, so ergeben sich andere Entsprechungen als diejenigen, die von Baudelaire erwähnt werden: “Die Natur ist ein Raum, in dem aus lebendigen Brunnen dunkle Wahrheiten quellen. Der Mensch wandelt mit seinen Sünden von geheimnisvollen Symbolen beladen durch diese Wälder.” So wird Don Giovanni von seinem Diener verschrien [543]: «Meine junge Dame, hier ist eine Liste
Der Schönen, die mein Meister geliebt hat
-Eine Liste, die ich selbst zusammengestellt habe.
Schauen Sie hin und lesen Sie mit mir.

In Italien sechs hundert und vierzig,
In Deutschland zwei hundert und dreißig…Aber in Spanien sind es bereits ein tausend und drei…Und unter ihnen Frauen aus allen Ständen…» Zeus wird als Vorbild gedient haben [445]: «Hera, es wird später an der Zeit sein, dorthin zu ziehen. Komm, legen wir uns hin, und genießen wir die Liebesfreuden. Nie hat bisher eine solche Begierde nach einer Göttin oder einer Frau mein Herz in meiner Brust derart überschwemmt und gezähmt -nein, nicht einmal wenn ich mich in…, oder in…, oder in…, oder in…, oder in…, oder in…, verliebt habe, nein nie so viel, wie ich dich in diesem Augenblick liebe und wie mich die sanfte Begierde in ihrem Bann hält.»

§476
· Berechnung XXXII einer vollständigen Strecke
Theorie

Stellen wir uns vor, dass Baudelaires Gedicht als Vermittler einer geheimen Botschaft verwendet wird. Der Agent, der das Gedicht in Empfang nimmt, soll während seiner geheimen Mission in den Versen nach einem Wort suchen, das die Symmetrie “Vokal¹-Konsonant¹-Konsonant¹-Vokal¹” bietet, dann dieses Wort als Befehl deuten. Der Agent stößt auf «corrompus» mit “orro” und begreift, dass seine Aufgabe darin besteht, die Person, die er bisher beschatten sollte, verderben muss. Nun sollen wir die Glaubhaftigkeit von (F-orro-¦¦¦¦-S-verderbt) bewerten. Es besteht die Gefahr der Verwechslung zwischen der gelegentlichen Vorstellung Baudelaires bezüglich der materiellen Symmetrie “orro” einerseits, und der für einen sehr engen Kreis bestimmten Denkweise -die einer betrügerischen, politischen Handlung- andererseits, was uns zur Glaswand õ=2 führt. Die Truhe ñ=2 scheint die unmittelbare Folge zu sein, weil ein einziges Pachtgut vorhanden ist. Die Untreue zur Scholle ist vollständig, da eine Bedeutung von “orro” ersonnen wird, und diese Lage erfordert den Dresseur ã=2. Zwar kommt dabei keine Ungeschicklichkeit zum Vorschein, so dass die Abflachung ù=1 durchaus angebracht ist. Wir nehmen die Karre ò=1 an, denn Baudelaire hat die Symmetrie “orro” tatsächlich benutzt. Dieses materielle Vorhandensein von “orro” darf anscheinend die Bossierung ì=1 erlauben, aber das seltsame und abstrakte Deutungsverfahren zwingt uns letztendlich ì=2 zu schreiben. Der Schlüssel des Limits rechtfertigt den Firnis â=2. Da die Scholle “orro” an sich nichts Technisches hat, begnügt sich der Auspuff (û) mit der Höhe 1. In der Benutzung der Symmetrie von “orro” mag ein Brauch der Agenten aber nicht Baudelaires vorhanden sein, was auf die Gegend ô=1 hinausgeht. Die Schlucht å=1 kommt zurecht, weil die Kritik von keinem Unfall weiß, der mit dem geheimen Sinn von “orro” etwas zu tun hätte. Nach dieser Untersuchung beträgt die Strecke 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(2)(2)(1)(1)(2) (2)(1)(1)(1)=1/(2)(2)(2)(2)(2)=1/32.

Methode

In der Glaubhaftigkeitsbewertung liegt die Schwierigkeit in der rechten Auswahl der Kriterien der Unglaubhaftigkeit und derer besondere Zeichen, denn die Bequemlichkeit der konkreten Kodierungsmittel ist in allen Sprachen ein wichtiger Aspekt in ihrem Erfolg. Zur Überwindung dieser Schwierigkeit müssen wir mit den Gewohnheiten rechnen, die sich die Ausleger zur Vervollständigung der technischen Definitionen nach und nach zu eigen machen werden.

Anwendung auf Baudelaire

Düfte zu brennen kommt in der Tradition manchmal einer Botschaft voll Dankbarkeit und Ehrung gleich [452]: «Oben auf dem Scheiterhaufen legen sie den Toten mit gebrochenem Herzen. Manch schweres Schaf, manch Hornvieh mit krummem Gang wird von ihnen vor dem Scheiterhaufen abgezogen und zurechtgeschnitten. Allen entnimmt der großherzige Achilles Fett und deckt den Toten damit von Kopf bis Fuß. Rund herum stapelt er dann die abgezogenen Körper und bringt auch hier Krüge voll Honig und Öl, die er an das Totenbett anlehnt. Unter tiefen Seufzern wirft er schnell vier stolze Stuten auf den Scheiterhaufen. Der Herr Patroklos hatte neun Haushunde: Achilles hat zwei davon die Kehle durchgeschnitten und verfährt ähnlich mit zwölf Adeligen, Söhnen von großherzigen Trojanern, die er mit seiner Bronzewaffe hinschlachtet -ihm ist nur nach Taten des Todes zumute! Schließlich entfacht er den Scheiterhaufen, damit das unerbittliche Feuer das Ganze vernichtet. Achilles seufzt und ruft seinen Freund: Patroklos ich grüße dich auch tief im Hades. Alles, was ich dir einst versprochen hatte, werde ich nun vollenden.» In der Bibel können wir folgende Worte lesen [157]: «So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.» Gott ist zeitlos [161]: «Und ein anderer Engel kam und trat an den Altar und hatte ein goldenes Räuchergefäß; und ihm wurde viel Räucherwerk gegeben, dass er es darbringe mit den Gebeten aller Heiligen auf dem goldenen Altar vor dem Thron. Und der Rauch des Räucherwerks stieg mit den Gebeten der Heiligen von der Hand des Engels hinauf vor Gott.»

§477
· Berechnung XXXIII über (F-triomphants…expansion/-¦¦¦¦-/S-tri-omphants…expansi-on)
Theorie

Betrachten wir das Spalten von zwei Wörtern in den Versen 11 und 12: “tri-omphants” (sieg-haft) und “expansi-on” (Ausdeh-nung). Die zwei Spaltungen in einer Reihe erwecken unsere Aufmerksamkeit und bringen uns dazu, die Glaubhaftigkeit von (F-triomphants…expansion/-¦¦¦¦-/S-tri-omphants…expansi-on) (F- sieghaft…Ausdehnung/-/-/S-sieg-haft…Ausdeh-nung) zu bewerten. Für ein Gedicht gehört das Spalten zur dichterischen Freiheit. Somit erlaubt die Ballung scheinbar den Wert õ=2, denn das Publikum wird durch die Spaltung zwischen den beiden Lauten “i” und “on” in einem Sonett nicht überrascht. Das Verfahren bezieht sich jedoch auf zwei aufeinanderfolgende Zeilen und geht daher über das einfache Versbildungsverfahren hinaus, mit dem Zweck eine zusätzliche Silbe zu gewinnen. Es ist in der Tat eine deutliche Absicht der Trennung vorhanden, was uns schließlich entgegen unserer anfänglichen Annahme dazu bringt, die Glaswand õ=1 anzunehmen. Daraus ergibt sich eine Truhe ñ=1, weil «triomphants» (sieghaft) und «expansion» (Ausdehnung) zeigen, wie wir sehen, eine starke Sinnkontinuität: «Il est des parfums frais…Et d'autres, corrompus, riches et triomphants,

Ayant l'expansion des choses infinies…» (Es sind Düfte frisch wie…Und andere verdorben, reich und sieghaft,//Welche die Ausdehnung der unendlichen Dinge haben…) Der Dresseur (ã) erreicht wegen des Kommentars die Höhe 1: ohne Spaltung wären für jeden dieser Alexandriner Verse statt zwölf nur elf Silben vorhanden. Da keine Ungeschicklichkeit dieses Limit stört, verdient die Abflachung (ù) den Wert 1. Die Karre ò=2 kommt scheinbar zurecht, da der Schaffende sich der Notwendigkeit anpasst, im Alexandriner über zwölf Silben zu verfügen. Er brauchte jedoch nicht, das Verfahren zu wiederholen. Deshalb müssen wir auf eine Karre ò=1 schließen. Die Spaltung ist klänglich augenscheinlich genug, um die Bossierung ì=1 zu rechtfertigen. Die Kodierung der Versbildung, die für die Zeile zwölf Silben erfordert, ist deutlich, aber ein geheimer Schlüssel hat hier nichts zu tun, was den Firnis â=1 erlaubt. Die beiden Diphthonge auf "i-on" spielen in der Wissenschaft keine Rolle, was auf einen vermeintlichen Rips mit Auspuff û=1 hinausgeht. Oberflächlich scheint der in der Wendung wichtige dichterische Brauch uns notwendigerweise dazu zu zwingen, ô=2 zu schreiben, aber der Brauch kann der Dichter nicht dazu bringen, in zwei aufeinanderfolgenden Versen zwei Spaltungen in einer Reihe in Anspruch zu nehmen, so dass die Gegend ô=1 begünstigt wird. Wir lassen die Schlucht å=1 zu, weil kein Unfall in diesem Zusammenhang bekannt ist. Die Strecke fasst alle diese Daten wie folgt zusammen: 1/õñãùòìâûôå=1/(1)(1) (1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)=1/1=1.

Methode

Es ist zu befürchten, dass unsere Berechnung, die die einzelnen Redefiguren beschreibt -Tartan, materielle Einfügung, Stoß oder Filz-, nie in einer einheitlichen Lehre dargestellt werden kann. Wichtig ist aber, die Erscheinungen richtig zu packen, und nicht auf einem schönen Bau zu beharren, der mit mehr Erfahrung sowieso zu neuen Bauten geändert werden wird. Es geht darum, die Tatsachen durch Bewertungen zu fassen, und der Fischer sucht seinerseits keine schönen Netze, sondern Fische. Newton selbst gab dem Inhalt und nicht der wissenschaftlichen, mathematischen Hypothese den Vorrang [557].

Anwendung auf Baudelaire

Wenn die anhaltende Ausdehnung des Duftes die Gedanken beeinflusst, dürfen wir nicht vergessen, dass manche ekelhafte Düfte gut zum Waffentriumph passen [447]: «Jedoch geht Achilles von Zelt zu Zelt und ruft seine Myrmidoner zu den Waffen auf. Sie sehen wie blutrünstige Wölfe mit wunderbarer, tapferer Seele aus, die in den Höhen einen Hirsch mit großem Geweih zerfleischen und auffressen. Ihre Backen sind alle rot von Blut. Dann geht die Meute: sie schlecken, mit ihren dünnen Zungen das schwarze Wasser, das aus einem dunklen Brunnen entspringt, und spucken das Blut des Mordes aus -mit dickem Wanst jedoch mit immer furchtlosen Herzen.» Der Sieg bringt das verdorbene Gefühl mit sich, an den Grundlagen der Welt beteiligt zu sein [451]: «Achilles ist dem gewaltigen Feuer gleich, das durch die tiefen Täler einer vertrockneten Hügellandschaft wütet. Der tiefe Wald ist in Brand. Laub und Feuer wirbeln im Wind umher. Dem Brand ähnlich stürzt sich Achilles, einem Gott gleich, mit der Lanze in der Faust auf seine Opfer. Die schwarze Erde ist mit Blut getränkt. Unter den Hufen der muhenden Ochsen trennt sich das Gestenkorn schnell von der Spreu auf der festen Tenne, auf der die eingespannten Nutztiere mit breiter Stirn hin und her gehen. Auf ähnliche Weise werden unter dem großherzigen Achilles Tote und Schilde zusammen von den breiten Hufen der Pferde zertrampelt. Am Wagen ist von der Achse unter dem Boden bis zur Rampe alles mit Blut besudelt. Sowohl unter den Hufen der Rosse als auch unter den Felgen der Räder spritzt überall das Blut hervor. Der Sohn des Peleus brennt darauf, Ruhm zu erlangen, und blutiger Staub beschmutzt seine furchterregenden Hände.»

§478
· Berechnung XXXIV für (F-infinies-¦¦¦¦-S-infinie…infinitésimales)
Theorie

Die zwölfte Zeile «…Ayant l'expansion des choses infinies…» (…Welche die Ausdehnung der unendlichen Dinge haben…) kann wie folgt gedeutet werden: “…ayant l'expansion infinie des choses infinitésimales…” (…mit der unendlichen Ausdehnung verschwindend kleiner Dinge…) In diesem Fall liegt fast die Wiederholung eines Wortes mit zweierlei Bedeutungen vor [823]. Der Rips könnte (F-infinies-¦¦¦¦-S- infinie…infinitésimales) (F-unendlichen-/-S-unendlichen…verschwindend kleiner) geschrieben werden. Da die Figur durch den Zusammenhang verwischt wird, können wir die Glaswand õ=2 annehmen. Die Truhe ñ=2 wird durch den knappen Ausdruck gerechtfertigt. Der Dresseur (ã) verdient wegen der Gefahr einer Fehldeutung die Ebene 2. Im Kommentar ist keine Ungeschicklichkeit festzustellen, was uns zur Abflachung ù=1 führt. Die Karre ò=1 scheint vertretbar zu sein, weil die Wendung in historischer Hinsicht keinen Zweifel aufwirft. Die Bossierung ì=2 kommt zurecht, denn die Stellung der einzelnen Wörter spielt im Satz mit der damit verbundenen großen Abstraktion eine Rolle. Zum Verständnis der Wendung ist keine besondere Kodierung notwendig, so dass wir den Firnis â=1 zulassen. Obwohl ein wissenschaftliches Wort erwähnt wird, nehmen wir den Auspuff û=1 an, weil das Sonett durch religiöse oder satanische Vorstellungen beherrscht wird. Es bedürfte einer feinen Kenntnis der ästhetischen Bräuche der Zeit über das literarische Thema des Unendlichen, um die Gegend ô=1 abzulehnen. Da der Ausleger von keinem Unfall weiß, der die Wendung begünstigt hätte, ist er sicher, dass die Schlucht (å) nicht über den Wert 1 hinausgehen kann. Somit beträgt die Glaubhaftigkeitsbewertung 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(2)(2)(1)(1)(2)(1)(1)(1)(1)=1/(2)(2)(2)(2)= 1/16.

Methode

Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass die ersten Fermente in der Liste der Wahrheitsfilter in unserer Berechnung öfter in Anspruch genommen werden. Da wir anfangs mit den ersten Fermenten gearbeitet und die letzten erfunden haben, nur um die übrigen Lücken zu füllen, ist es leicht zu begreifen. Es ist nicht, weil wir unter Nachahmung der Wahrscheinlichkeitsrechnung eine Technik ausgearbeitet und anhand der Erfahrung, die uns die Beispiele lieferten, das Ganze nach und nach verändert haben, dass wir zu einem zusammenhanglosen Durcheinander gelangen. Spinoza selbst, der eine mathematisch orientierte Philosophie befürwortete, nimmt sich die Handwerker der Eisenverarbeitung zum Vorbild [163]-[922]: «…Schritt für Schritt gelang es ihnen ohne allzu viel Mühe, von den einfachsten Arbeiten zu den Werkzeugen und von den Werkzeugen zu weiteren, zahlreiche und sehr schwierige Arbeiten und Werken zu vollbringen.»

Anwendung auf Baudelaire

Wir können uns leicht vorstellen, dass «Natur» im Gedicht für “Wirklichkeit” steht [844]. Den Teufel stellt man sich gern als unendliche Materie, Gott dagegen als absoluten, festen Anhaltspunkt vor [107]: «Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten? Er sprach: Ich will mit dir sein. Und das soll dir das Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe: Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge. Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt!, und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen? Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: "Ich werde sein", der hat mich zu euch gesandt.»

§479
· Berechnung XXXV über (F-die…die…die-¦¦¦¦-S-Verwandtschaft der durch die Anwendung des
Theorie

Die vorsätzlich nasalierte Wendung “…l'ammmbre, le musc, le bennnjoin et l'ennncens…” (…Ammmber, Moschus, Bennnzoe und Weihrauch…) erinnert allzu deutlich an andere, bereits untersuchte Stabreime. Das Wortspiel “en sang” (aus Blut) für «encens» (Weihrauch) geht anscheinend auch auf eine ähnliche Glaubhaftigkeitsbewertung hinaus wie andere, verwandte, bereits bewertete Wendungen. Mit der dreimaligen Wiederholung von «Qui» oder «qui» ("Die" oder "die") entsteht ein etwas verschiedener Rips, der wie folgt beschrieben werden kann: (F-Qui…qui…Qui-¦¦¦¦-S-Verwandtschaft der durch die Anwendung des Relativpronomens in Frage kommenden Dinge) (F-Die…die…Die-/-S-Verwandtschaft der durch die Anwendung des Relativpronomens in Frage kommenden Dinge). Somit hätte der Autor andeuten wollen, dass die drei natürlichen und symbolischen Komponenten des Alls, auf die sich das Pronomen bezieht, im Grunde verwandt sind. Dieses Gebiet deckt einen großen Teil des Textes: «…Qui…observent…qui…se confondent…Qui chantent…» (…Die…betrachten…die sich…vereinen…Die…singen.) Die Glaswand erreicht die Größe õ=2 durch den Zusammenhang, der die Wendung verwischt. Zur Errechnung der Truhe müssen wir die beiden Relativpronomina mit dem größten Abstand in Betracht ziehen. Wir zählen n=50 Fronten zwischen den beiden Pachtgütern «Qui» und «Qui» (…Die [betrachten]…Die…[singen].) Zählen wir diese n=50 Fronten auf: “l', observent, avec, regards, familiers, Comme, longs, échos, loin, se, confondent, Dans, ténébreuse, profonde, unité, Vaste, comme, nuit, et, clarté, parfums, couleurs, sons, se, répondent, est, parfums, frais, comme, chairs, enfants, Doux, comme, hautbois, verts, comme, prairies, autres, corrompus, riches, triomphants, Ayant, expansion, choses, infinies, Comme, ambre, musc, benjoin, encens” (ihn, mit, vertrauten, Blicken, betrachten, Wie, lange, Echos, sich, in, Ferne, vereinen, in, finsteren, tiefen, Einheit, weit, wie, Nacht, und, Licht, antworten, einander, Düfte, Farben, Töne, sind, Düfte, frisch, wie, Haut, Kindern, sanft, wie, Oboen, grün, wie, Auen, andere, verdorben, reich, sieghaft, welche, Ausdehnung, unendlichen, Dinge, haben, wie, Amber, Moschus, Benzoe, Weihrauch). Das Ganze liefert die Truhe ñ=2+(1(50/10))=2+(1(5))=2+5=7. Der Dresseur ã=2 drängt sich auf, weil das Limit sehr gewagt ist. Bleibt diese Deutung einerseits kaum glaubhaft, so ist sie andererseits besonders geschickt, was uns zu einer Abflachung ù=1 führt. Die Karre ò=2 kommt zurecht, denn der Schaffende mag diese Wiederholung des Relativpronomens «die» übersehen haben, da das Pronomen auf Französisch so gebräuchlich ist. Die Bossierung (ì) des vermeintlichen Ripses erreicht den Wert 2, weil die Annahme, dass sämtliche natürliche und symbolische Komponenten ein Ganzes bilden, viel Abstraktion erfordert. Der Firnis â=1 ist gerechtfertigt, weil die gängige Syntax eine durchaus gewöhnliche Kodierung darstellt. Die Anwendung des Pronomens «die» trägt keineswegs zur Wissenschaft bei, was zum Auspuff û=1 leitet. Da die grammatischen Gewohnheiten mit den besonderen baudelaireschen Bräuchen nichts zu tun haben, lassen wir die Gegend ô=1 zu. Wir greifen auf die Schlucht å=1 zurück, weil jeder Unfall aus der Entstehung der Wendung ausgeschlossen ist. So ergibt sich die Strecke 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(7)(2)(1)(2)(2)(1)(1)(1)(1)=1/(2) (7)(2)(2)(2)=1/112.

Methode

Wir können nicht leugnen, dass die Fermente öfter mehrere Kriterien enthalten, so dass der Gedankengang zur Berechnung den Ausleger gelegentlich zum Zögern bringt. Cartesius legte die Grundlinie seiner Methode wie folgt dar [266]: «Die erste Regel bestand darin, nie irgendeine Vorstellung als wahr anzunehmen, die sich nicht augenscheinlich auf Sicheres stützt…Die zweite Grundregel bestand darin, die untersuchten Schwierigkeiten nach Bedarf bis zum Erfolg zu teilen.» Die zweite Regel sieht für den Forscher wie ein Ideal der Zerlegung aus. Dagegen erscheint der Mathematiker im Licht der ersten Regel sehr verwegen, denn die Gefahr wäre, manche heikle Fragen im Schatten zu lassen, weil sie verschwommen zu sein scheinen, während die ersten Hindernisse zum Verständnis durch kleinere Schritte bald überwinden werden könnten. Ein solches Urteil mag an den Rat Wittgensteins erinnern [978]: «Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.» Diesem Rat zu folgen, würde die Schwindler begünstigen, da sie nach dem Verzicht der Wissenschaftler sich als einzige mit dieser Frage befassen würden.

Anwendung auf Baudelaire

“Amber, Moschus, Benzoe und Weihrauch singen den Taumel des Geistes und der Sinne.” Diese Anwendung der Bilder wirkt bescheidener als gelehrte Ausführungen über den Einfluss der Düfte auf unseren Geist. Jedoch gelangt man über die schrittweise Klärung der Bilder zum Wissen. Die von Baudelaire erwähnten Düfte haben viele weniger aristokratische Verwandte. So riecht der Wanderer den Duft verschiedener Baumarten, denn die damaligen Umbauarbeiten benötigten viele hohe Bäume und Bretter. In den entstehenden Gebäuden rufen und antworten einander die verschiedenen Facharbeiter. Jedes besondere Werkzeug begleitet die Arbeit mit seinem charakteristischen Lärm, so zum Beispiel die Bohrwinde, die Säge, die Axt und der Drillbohrer. Im Tempel der Großstadt spielen die Farben der Stämme -Eiche, Zeder, Kastanienbaum, Tannenbaum, Walnussbaum, Buche, Kirschbaum und Kiefer. Der Schrotthändler betrachtet die glänzenden oder matten Legierungen und beißt oft in sein Muster, um am Geschmack den Gehalt an Blei und Kupfer zu bestimmen. In den Häusern mischt sich der Geruch von Tabak und Asche mit dem des Wachses, der zur Pflege der Möbel und der Fußböden benutzt wird. Die Wohnorte behalten die Charaktere, die von Wachs eingeführt werden [269]: «…die Süße von Honig…den angenehmen Geruch von Blumen…» Die Glasbläser gestalten wechselnde weibliche Formen. Baudelaire wähnt die Jahre nach seinem Tod im Taumel, wo seine Gesundheit oder sein Leben auf dem Spiel stehen, und er hofft, die Entsprechungen zwischen ihm und seiner Dichtung zu verewigen. Da stellt er sich selbst als ein Fläschchen vor, das ein Gift enthielte, das nichts anderes als der Geist seiner Geliebten wäre. Um dieses Gift, oder diesen Geist zu bezeichnen, gebraucht er ein Wort, das eher zur Schilderung einer Seuche in einer Stadt passen würde [[1041]] in Index II (Gedichte)">[[1041]]: «Lieblicher Pesthauch, ich werde dein Sarg,
Der Zeuge deiner Kraft und deiner Heftigkeit sein…» Als Vorbild mag Cervantes mit der Figur des Lehrlings gedient haben, der nach einem Anfall der Unvernunft sich als ein Fläschchen vorkommt [184]: «Der Unglückliche bildete sich ein, er wäre ganz aus Glas. Kam man näher zu ihm, so trieb ihn dieser Wahn zu einem schrecklichen Geschrei. Er flehte eindringlich darum, dass man ihn nicht berühre, weil er in der Tat nicht wie die anderen Menschen war. Von Kopf bis Fuß war er gänzlich aus Glas und somit leicht zerbrechlich.»

§480
· Berechnung XXXVI mit (F-encens…sens-¦¦¦¦-S-Versetzung)
Theorie

Das Ende des Sonetts klingt wie “…qui chantent l'étrange sort de l'esprit et des sens.” (…die das seltsame Los des Geistes und der Sinne besingen.) Bestimmte Änderungen des Textes, die wir bereits untersucht haben, und deren Strecken den hier zu erwartenden ähnlich waren, haben jedoch einen Vorgeschmack von der hier in Frage kommenden Berechnung gegeben. Dasselbe gilt für die vermeintlichen Einfügungen, die an “…les transes, ports de laits pris et des sangs.” (…Trance, Tragen der gestockten Milch und des Blutes…) erinnern. Abermals wenden sich unsere Berechnungskriterien fast auf dieselbe Weise bezüglich “…comme l'ambre, le musc, le benjoin, -et l'encens qui chante les transports de l'esprit et descend.” (…wie Amber, Moschus, Benzoe -und Weihrauch, der den Taumel des Geistes besingt und hinabsteigt.) an. Um einen neuen Fall von besonderem Interesse zu finden, sollten wir uns nun eher der dichterischen Freiheit zuwenden, die sich Baudelaire erlaubt hat, indem er «encens» (Weihrauch) auf «sens» (Sinne) reimen ließ. Nach den Regeln des akademischen Französisch wird das Schluss-S von «sens» (Sinne), aber nicht das von «encens» (Weihrauch) ausgesprochen [425]. Von Corneille ist folgendes Beispiel [213]: «Mais j'ai trop fait d'injure à nos Dieux tout-puissants:
Choisis de leur donner ton sang, ou de l'encens.» (Aber ich habe wider unsere allmächtigen Götter zu sehr gelästert./Gebt ihnen wahlweise dein Blut oder Weihrauch.) Hier reimt sich eindeutig ohne ausgesprochenes Schluss-S «tout-puissants» (allmächtigen) auf «encens» (Weihrauch). In „Entsprechungen“ verlangt Baudelaire dagegen, dass der Leser “ensansse” ausspricht. Durch einen schlechten Reim mag der Dichter dabei einen tieferen Sinn unterstellt haben: nämlich dass die Entsprechungen dem Menschen nie ganz zugänglich sind. Auf jeden Fall erlaubt uns die Beschreibung (F-encens…sens-¦¦¦¦-S-Versetzung) (F-Weihrauch…Sinne-/-S- Versetzung) einen elementaren Kommentar des vermeintlichen Ripses zu geben. Die Glaswand (õ) erreicht den Wert 2, weil «encens» (Weihrauch) einerseits im Alltag oft mit scharfem Schluss-S ausgesprochen wird, und andererseits Gegenstand der dichterischen Freiheit Baudelaires ist. Auf diese Weise wird die Wendung trotz des großen Fehlers in der Aussprache durch den Zusammenhang verwischt. Das Publikum geht dank des mit dem Reim verbundenen Härters problemlos von «encens» (Weihrauch) zu «sens» (Sinne) über, als ob eine Sinnkontinuität zwischen den beiden Vorstellungen vorhanden wäre, so dass sich die Truhe ñ=2 ergibt. Die Gefahr einer Missdeutung der Scholle über das Limit führt uns zum Dresseur ã=2. Da von diesem Kommentar keine Ungeschicklichkeit zum Vorschein kommt, ist es vernünftig, die Abflachung ù=1 zu schreiben. Der Schaffende hat sich auf die dichterische Freiheit verlassen, die ein besonderes Versbildungsverfahren darstellt, was auf die Karre ò=2 hinausgeht. Die Bossierung ì=1 scheint notwendig zu sein, denn das wesentliche Reimpaar “cens-sens” spielt in diesem Zusammenhang eine materielle Rolle. Es genügt auch ein Firnis â=1, weil kein Schlüssel notwendig ist. Wir nehmen den Auspuff û=1 an, denn es liegt auf der Hand, dass -außerhalb der Verskunst- von Wissenschaft hier nicht die Rede sein kann. Die Benutzung der dichterischen Freiheit, um einen zusätzlichen Konsonanten am Ende des Gedichts auszusprechen, erlaubt die Gegend ô=2, weil dieses Verfahren zu den Gepflogenheiten eines Schriftstellers gehört. Die Schlucht å=1 ist gerechtfertigt, da kein Unfall, sondern nur die Deutung in Frage kommt. Letztendlich erreicht die Glaubhaftigkeit die Höhe 1/õñãùòìâûôå=1/(2)(2)(2)(1)(2)(1)(1)(1)(2)(1)=1/(2)(2)(2) (2)(2)=1/32.

Methode

Die Geschichte in Gedanken zu rekonstruieren stellt ein Problem dar. Wir werden jedoch darauf zurückgreifen, um die Grenze zwischen den materiellen Einfügungen und dem üblichen ästhetischen Rahmen deutlich erscheinen zu lassen.

Anwendung auf Baudelaire

Fangen wir also mit der Berechnung für (F-encens…sens-¦¦¦¦- S-Versetzung) (F-Weihrauch…Sinne-/-S-Versetzung) an, diesmal jedoch in der Annahme, dass in der Zeit Baudelaires -bezüglich des scharfen Schluss-S von «encens» (Weihrauch)- weder die volkstümliche Aussprache, noch die Benutzung der dichterischen Freiheit gewöhnlich wären. Daraus geht hervor, dass der Dichter sich für das Reimpaar “cens-sens” auf keiner dieser beiden Gewohnheiten hat stützen können. In dieser Fiktion ist die Versetzung zwischen den beiden Wörtern vollständig, und der Autor ist bemüht, aus eigener Initiative einen neuen Brauch einzuführen. Das Publikum begreift, dass es für Baudelaire angesichts der üblichen Reimfolge “encens-sens” (Weihrauch-Sinne) notwendig ist, das scharfe Schluss-S auszusprechen. Somit wird die materielle Einfügung begünstigt, und wir müssen õ=1 schreiben. Der Härter bleibt erhalten, und ñ=1 kommt zurecht. Das Ärgernis liegt nahe, was uns berechtigt, ã=1 anzunehmen, weil die materielle Einfügung deutlicher zu sein scheint. Das Kriterium (ù) bleibt beim Wert 1, da keine Wissenschaft durch die Scholle bereichert wird. Die Größe ò=1 drängt sich auf, weil der Dichter den üblichen Bräuchen eindeutig zuwidergehandelt hat. Wir müssen uns für ì=1 entscheiden, denn das konkrete Schluss-S von «encens» (Weihrauch) beherrscht die seltsame Aussprache. Wir lassen â=1 zu, weil jeder beliebige Schlüssel oder jede geheime Kodierung ausgeschlossen ist. Da das Wissen mit Ausnahme der Verskunst nicht betroffen ist, ist die Ebene û=1 gesichert. Die Höhe ô=1 stellt die beste mögliche Wahl dar, weil keine Gewohnheit auf den Künstler Druck ausübt. Das Sonett bleibt von jedem Unfall verschont und behält å=1. Somit hätte die Verringerung des Risikos die Glaubhaftigkeit 1/õñãùòìâûôå=1/(1)(1)(1)(1)(1)(1) (1)(1)(1)(1)=1/1=1 erfordert, wenn die volkstümliche Aussprache «encens» ohne scharfes Schluss-S gewesen und die dichterische Freiheit zugleich nicht angewendet worden wäre. Siebter Teil: KOHÄRENZ Ins Deutsche übersetzt von Jean-Claude Guerry