Das Essay — Teil V

Kurze stilistische Figuren

Legende der Blöcke

Theorie — die begriffliche Darstellung Methode — Bemerkungen zur Anwendung Baudelaire — die Anwendung auf das Sonett Entsprechungen
§321
· Vorplatz
Theorie

Der Vorplatz besteht aus einem sehr losen Vergleich (I-.-II-.-III-.-IV), der einer großen Anzahl Redefiguren gemeinsam ist, zu denen die Tartans gehören. Das Schema des Vorplatzes ähnelt dem der Überschneidung (E-/F-/H-/R), mit dem Unterschied, dass es, wie in (A-.-E-.-E-.-FH) zu sehen ist, Inhalte mit Wiederholungen und jeweils vielfältige Vorstellungen aufnehmen kann. Der Sinn bleibt “I ist zu II wie III zu IV steht”. Dies soll aber manchmal mit rein materiellen oder nicht ausdrücklichen Elementen aufgefasst werden. Außerdem erfordert der Vorplatz keine Mischung von versetzten Bildern, was einen weiteren Unterschied zu den besten Tartans darstellt. Das macht (Archimedes-.-Genius-.-Sie-.-Talent) für die Beschreibung des Ausdrucks “Sie sind ein Archimedes…” möglich. Es geht darum, den losen Inhalt zu erörtern: “wie Archimedes hoch begabt war, haben sie Talent” [333].

Methode

Der Vorplatz zeigt die Kontinuität zwischen den Tartans und verschiedenen anderen Wendungen, was den erfolgreichen Standpunkt von Leibniz wieder rechtfertigt, der schrieb [499]: «Es geschieht nichts auf einmal…» Unser Geist baut auf dem bereits Gelernten auf [523]. Er schafft eine neue Wendung, indem er den Rahmen der Metapher löst. Manchmal ist an Stelle der neuen Wendung kein Ersatzwort vorhanden. Stellen wir uns folgendes Beispiel vor: “…der Flaum der Bretter”. Dieser Ausdruck soll die winzigen Auswüchse auf einem frisch gesägten Brett beschreiben [308]-[803]. Die Metapher kommt nur dann zustande, wenn sie ein bereits vorhandenes, geläufiges Wort ersetzt. Zum Beispiel deutet der “Wipfel” das “Dach des Turmes” an, was erfordert, dass wir den Sinnabstand zwischen den beiden Vorstellungen in Gedanken überbrücken [36]-[345]-[804].

Anwendung auf Baudelaire

Während die Kunst auf der Suche nach einer Verschmelzung unterschiedlicher Empfindungen zu sein scheint, ist die Wissenschaft bemüht, zwischen die verschiedenen Tatsachen eine klare Trennung einzufügen. Zur Philosophie bemerkt Cartesius [267]: «…wer zum Verständnis metaphysischer Wesen seine Einbildungskraft in Anspruch nimmt, handelt nicht anders als diejenigen, die Gerüche und Töne mit ihren Augen vernehmen wollen…»

§322
· Filz
Theorie

Es sind Redewendungen, die alle Mischungen von versetzten Vorstellungen, Zweideutigkeiten und gegensätzliche Bilder ausschließen, -und jedoch Tartans ähneln. Sie werden Filze genannt und werden durch ein Paar Begriffe ohne Wiederholung beseelt. Der erste Begriff E wirkt eindeutig entscheidend im Filz, während der andere F, der in Wirklichkeit ebenso wichtig ist, kaum auffällt. Jede Wendung dieser Art lässt sich durch einen Vorplatz (E-.-F-.-H-.-R) oder (I-.-II-.-III-.-IV) beschreiben. Davon haben wir ein Beispiel durch (Könige-.-Zepter-.-Macht-.-Zeichen), das die Beschreibung des Ausdrucks liefert: “…er hat sämtliche Zepter Europas besucht” [346]. Der Filz nimmt das Symbol (E/-F) an, das folgenden Sinn gibt: “der Schaffende wollte, dass man an der Stelle des Textes, wo E steht und nach F, eine Bedeutung ahnt, die nicht offen geboten wird”. Manche Fälle (EH/-R), (AE/-FR), die mehrere Begriffe erfordern, bringen keine wesentliche Änderung. Mit dem Ausdruck “…er erblickt ein Segel…” stellen wir uns leicht “…er erblickt ein Schiff…” vor [370]. Anhand von Sätzen aus „Entsprechungen“ oder aus unserer Phantasie werden wir im Folgenden diese Filze untersuchen.

Methode

Es kann vorkommen, dass der für am wenigsten wichtig gehaltene Begriff in den Augen eines oberflächlich Urteilenden auf dem Vorplatz nicht erwähnt wird. Ein Beispiel dafür ist im Filz (Segel/-erblickt) und auf dem Vorplatz (Schiff-.-Ganzes-.-Segel-.-Teil) sichtbar. Aber man kann ebenfalls den Nebenbegriff auf dem Vorplatz haben. Für (Archimedes/-Sie) schreiben wir zum Beispiel den Vorplatz (Archimedes-.-Genius-.-Sie-.-Talent). Wenn beide Begriffe letztendlich scheinbar gleichwertig sind, muss der Ausdeuter darauf Acht geben, dass der vermeintliche Filz in Wirklichkeit kein glaubhafter Tartan sei. Was “…ein Fass später…” betrifft, das den Vorplatz (Fass-.-leeren-.-Zeit-.-vergeht) verdient, haben wir ein Verhältnis “Fass-Zeit”, das einer Mischung von versetzten Bildern ähnelt, was uns an eine Analogie erinnert [311].

Anwendung auf Baudelaire

Hören wir dem Dichter zu [[1065]] in Index II (Gedichte)">[[1065]]: «Nahe der Stadt habe ich unser weißes,
Kleines aber ruhiges Haus nicht vergessen.
Es waren eine gipserne Karpo und eine alte Venus,
Die ihre bloßen Glieder in einem mickrigen Hain verschleierten…» Es liegt auf der Hand, dass der Filz (Karpo/-gipserne) von dem Dichter in der Perspektive von (Karpo-.-Standbild-.-dargestellt-.-Darstellung) geschrieben wurde. Es handelt sich um eine Kürzung für “…ein gipsernes Standbild von Karpo…” Baudelaire wuchs in einer Umwelt auf, die die Entwicklung seines Verstands leicht begünstigen konnte, und die schließlich zu einem Gedankengang führte, der jede Schwäche in seiner Nähe gern unterstrich.

§323
· Gelände
Theorie

Wir bezeichnen als Gelände den Begriff im Filz, der schließlich intuitiv am wichtigsten scheint. Dieser muss zwangsweise auf dem Vorplatz geschrieben stehen. Da das Gelände sich auf mehrere Felder stützen mag, können wir das Beispiel «…hasse…nicht» aus «Geh, ich hasse dich nicht.» angeben [211]-[343]. In “er hat sämtliche Zepter Europas besucht” oder (Zepter/-besucht) sammelt das Gelände “Zepter” die größte Aufmerksamkeit auf sich [346]. Die Wendung “Sie sind ein Archimedes…” oder (Archimedes/-Sie) bietet das Gelände “Archimedes”, das dem Publikum vor allem auffällt. Wenn wir “Sie sind Archimedes” schreiben, haben wir einen neuen Filz [296]-[333]. Und wenn wir einen Artikel gegen einen anderen austauschen, kommen wir zu “Sie sind der Archimedes…”, was unzweideutig auch einen Filz ergibt. So fällt es nicht schwer, die Rolle des Geländes hervorzuheben.

Methode

Entfernen, wieder einfügen, austauschen zur Kennzeichnung der untersuchten Gegenstände, folgt den Ratschlägen von Bacon [55]-[56]. Es handelt sich auch im Prozess, der sämtliche Aufgaben vereint, diese Gegenstände in eine Hierarchie zu setzen.

Anwendung auf Baudelaire

Eine solche Vorbereitung zu den Maßnahmen der Messung verdeutlicht besser den inneren Aufbau der Filze, insbesondere in ihrem Verhältnis zu den Tartans. Lesen wir sorgfältig: «Es sind Düfte frisch…Und andere verdorben, reich und sieghaft…Wie Amber, Moschus, Benzoe und Weihrauch…» Durch eine Reihe von Filzen vernehmen wir ein Mittel, eine Kürzung zu ergeben für “Es sind Düfte frisch…und andere, die den verdorbenen Leuten dienen, die ihre Freude besingen, Reichtum und Sieg zu besitzen. Diese anderen Düfte sind Amber, Moschus, Benzoe und Weihrauch…” Im Gedicht ersetzt die Bezeichnung für die Düfte den Namen der Leute, die diese Düfte gebrauchen [321]-[347].

§324
· Korridor
Theorie

Neben dem Gelände finden wir im Filz die zweite Vorstellung, die wir als Korridor bezeichnen, welcher auf dem Vorplatz nicht erwähnt werden mag. In “…er hat sämtliche Zepter Europas besucht…” fügt sich der Korridor “besucht” in (Zepter/-besucht) ein, aber er wird in (Könige-.-Zepter-.-Macht-.-Zeichen) nicht geschrieben. Im Schema (E/-F) des Filzes erwähnen wir zunächst das Gelände, dann den Korridor, um für die späteren Überlegungen zum Filz, ein Zeichen ihrer Unterscheidung im Gedächtnis zu bewahren.

Methode

Eine Definition der Begriffe aus der Wendung trägt dazu bei, dieselbe besser zu erfassen. Manche Denker kommen zum Schluss, dass die Tatsachen an sich keine Objektivität besitzen, unter dem Vorwand, dass ein schwerer Verstandsapparat in Anspruch genommen wird, um sie hervorzuheben. Bald werden sie behaupten, dass das Eisen kein Dasein hat, weil ein Arbeiter dabei ist und es schmiedet. Spinoza empfand wie folgt den gemeinen Kern der Technik und der abstrakten Kenntnis [922]: «Unser jetziger Gedankengang ähnelt dem Gebrauch von echten Werkzeugen, denn zum Schmieden ist ein Hammer nötig, und um einen Hammer zu haben, müssen wir denselben schmieden…Auf ähnliche Weise schmiedet sich der Verstand aus seiner eigenen, eingeborenen Kraft Verstandswerkzeuge…» Alain Billecoq kommentiert [163]: «Meiner Meinung nach handelt es sich um mehr als eine Parallele und zwar um zwei Aspekte einer und derselben Wirklichkeit.» Wenn der Kern des Filzes bei der Beobachtung einer Wendung klar umrissen ist, rechnet man damit, bei anderen Wendungen diese Art Gegenstand zu finden, wie ein Jäger bei einem gewissen Geräusch erwartet, Wild in der Falle zu finden. “Unser waghalsiger Dachdecker erreicht den Wipfel des Turmes…” erlaubt einen glaubhaften Tartan mit dem Vorplatz (Turmes-.-Dach-.-Baum-.-Wipfel). Im Gegenteil hindert “…er hat sämtliche Zepter Europas besucht…” die Bestimmung einer Analogie, denn der König hat ein eigenes Zepter, was die Versetzung von Bildern zunichtemacht. Wir müssen den Leser jedoch davor warnen, dass die Wirklichkeit von seltsamen Fällen wimmelt. Handelt es sich um einen leidenschaftlichen Historiker, so hat er unter Umständen auf der Suche nach Zeptern ganz Europa bereisen können, um die feinen Unterschiede zwischen den einzelnen Zeptern festzustellen. Bei dieser Suche durch sämtliche Museen und Paläste entfällt das kleine Rätsel, das der Filz erfordert. So scheint der Filz Gestalt anzunehmen und sich dann aufzulösen, weil eine wichtige Eigenschaft fehlt. Zusammenfassend muss der Filz eher auf dem Sinn als auf dem Klang der Stimme aufbauen. Zweitens stellt er einen misslungenen Tartan dar. Drittens muss er einem einfachen Rätsel ähneln. Diese eindeutige Schilderung zeigt, dass alles in der Kenntnis nicht Illusion ist.

Anwendung auf Baudelaire

Wer behauptet, dass die Wirklichkeit unwichtig ist und dass alles zum Apparat der Kenntnis gehört, wird uns beweisen müssen, dass die Frauen nur aus einem künstlichen Wesen bestehen [[987]] in Index II (Gedichte)">[[987]]: «Für mich schwächlichen Dichter
Hat dein junger krankhafter Körper
Voller Sommersprossen
Seine Sänfte.

Du trägst deine schweren Holzpantinen
Eleganter als
Eine betrügerische Verführerin
Ihre samtenen Schnürstiefel.

Anstatt deines zu kurzen zerlumpten Kleides
Bilde ich mir ein prächtiges Hofgewand ein,
Das mit seiner in Falten gelegten rauschenden Schleppe
Hinter deinen Fersen hergleitet.

An Stelle deiner gelochten Strümpfe
Sehe ich an deinem Bein
Einen goldenen Dolch.
Möge er für die Augen der Liederlichkeit weiter glänzen.

Mögen lose gebundene Knoten
Für unsere Sünden
Deine Brust weißer
Als ganz frische Milch aufdecken…»

§325
· Rost
Theorie

Der Rost besteht aus einem Ausschnitt aus dem Text, den der Filz beschreibt. Es ist erforderlich, dass die Wendung an dieser Stelle deutlich spürbare Wirkung zeigt. Falls der Sinn durch den Zusammenhang geändert wird, muss der Rost neu definiert werden, um das ausgelassene Segment zu integrieren. Gelände und Korridor werden durch den Rost vorgetragen. Dies führt uns dahin, in «Geh, ich hasse dich nicht.» die beiden Elemente «hasse…nicht» und «dich» wiederzufinden, die (hasse…nicht/-dich) liefert [211].

Methode

Der Vorplatz erleichtert den Zugang zu zahlreichen Wendungen und, was (hasse-.- negativ-.-liebe-.-positiv) betrifft, bringt uns zum Nachdenken über Filz und Tartan. Zur Metapher "…der Dachdecker fühlt sich auf der Eisbahn wohl…" oder (Dachdecker./Eisbahn) erreichen wir durch (Dachdecker-.-Dach-.-Eisläufer-.-Eisbahn) einen erklärenden Zusatz zur Ausgangsform.

Anwendung auf Baudelaire

In beiden Fällen, Filz und Analogie, ergänzt der Gedanke eine Trennung zwischen zwei Vorstellungen, aber der Tartan bietet eine weit deutlichere Parallele. In Bezug auf (andere./verdorben) kommen wir sehr nah an einen engeren Sinn von (Düfte andere-.-verdorben-.-Menschen-.-verdorben). Baudelaire ist bemüht, sich vor Verleumdung zu schützen, indem er sich hinter den überlieferten Schein seiner Bildung verschanzt und sich somit für jedes Gedicht ein Publikum sichert. Er scheint durch „Entsprechungen“ im Stande, eine sehr leichte Vertiefung der geläufigen Bilder der Verdorbenheit zu liefern. Es ist keineswegs widersprüchlich zu behaupten, dass eine historische Figur in einer langen Reihe seinen Platz besitzt und mit seinem Werk Neuigkeit bringt [892]-[896]. Der Dichter musste sich vorstellen, dass er im Grunde das Wahre und das Gute verkörperte, selbst wenn er manche Seiten des gerichtlichen Angriffs gegen ihn begriff [622]-[623]. Das Verfahren fand im August 1857 statt, und dasselbe geschah anderen Autoren zuvor und danach. De Maistre schrieb [517]: «…der Gerechte, der willkürlich leidet, erfüllt seine Pflicht nicht nur für sich selbst, sondern auch für den Schuldigen, der sich selbst seiner Schuld nicht entledigen könnte.» Der traurige Theosoph erklärte auch, als er die Protestanten bekämpfte [519]«Sie haben gesagt: "Der Mensch-Gott hat für uns bezahlt, so bedarf unser Heil keines anderen Verdiensts." Im Gegenteil hätten sie begreifen müssen: "Also können die Verdienste des Unschuldigen dem Schuldigen dienen."» Was die Irrtümer des Adligen aus dem Herzogtum Savoyen betrifft, so fand Baudelaire darin eine Eingebung, die er mit seiner Vorliebe für alles, was aus England kam, nur schwierig auf einen Nenner bringen konnte.

§326
· Rätsel
Theorie

Da der Filz einem Rätsel ähnlich ist, müssen wir einen seiner Begriffe gegen einen ersonnenen austauschen, um den Text zu verdeutlichen. Wir bezeichnen als eine Schiene die neue Fassung des Textes, und wenn die Bearbeitung gelegentlich zu einer leichten Ungeschicklichkeit führt, wird eine Kralle gebraucht, um diese Fehler zu vermeiden.

Methode

“Geh, ich liebe dich.” wird aus «Geh, ich hasse dich nicht.» gefolgert [211].

Anwendung auf Baudelaire

Das ebenfalls edle Liebesgefühl zwischen zwei jungen Menschen von vornehmer Herkunft, das Corneille besang, konnte dem Dichter der Ironie nicht als einziges Vorbild dienen. Louis Ulbach legt über diese Gesinnung Baudelaires wie folgt Zeugnis ab [609]: «Ich erinnere mich noch an das feine Lächeln, an den spöttischen Blick hinter der scheinbaren Höflichkeit, [...]. Jeder trug sein neuestes Gedicht vor. Ich muss gestehen, dass wir damals von reinen Seelen träumten. In unseren Versen…kamen Engel, keusche Liebschaften, unsägliche Empfindungen vor. Baudelaire hörte uns trotz des vergeistigten Tons unserer Werke geduldig zu und ergriff das Wort, wenn er an die Reihe kam. Mit tiefer, leicht vibrierender Stimme und strenger Miene sagte er das Gedicht "Manon die Steinige" her. Im ersten Reim war von Manons besudeltem Hemd die Rede und der Rest blieb in diesem Ton…Der Stil war im Übrigen wunderbar, aber so wenig im Einklang mit unseren literarischen Prinzipien, dass wir für diesen hervorragenden, verdorbenen Dichter eine furchtsame Bewunderung empfanden -und Baudelaire erschien nie wieder.»

§327
· Krypta
Theorie

Die Krypta ähnelt dem Rost des Filzes, aber sie gibt den Grundsinn des Filzes ohne Umschweife wieder. Sie dient dazu, das Rätsel des Filzes aufzulösen. Sie wird geschrieben, als ob sie zu einer Ersatzschiene gehöre, und wir werden eine Kralle einfügen, um mögliche Schäden im Schriftstück auszugleichen. Für (Segel/-erblickt) wird ohne Kralle “…er erblickt ein Segel…” durch “…er erblickt ein Schiff…” ersetzt, so dass das kleine Rätsel besonders leicht aufgelöst wird.

Methode

Da der Filz eine kleine Überraschung bewirkt, ahnt das Publikum, wie das Schriftstück ohne diese Wendung gelautet hätte. Sehen wir einen Tisch voller Alltagsgegenstände, so können wir diese Objekte in Gedanken abräumen. Die Krypta wirkt ebenso auf den Filz, und dieselbe Verstandskraft bringt einerseits im Alltag die Vorstellung “nichts”, andererseits in der Arithmetik die Idee von “Null” herbei. Poincaré machte keinen Hehl daraus, dass die ständig erneuerten Grundlagen seines erhabenen Faches oft aus der Intuition des Alltags entnommen werden [799]: «…die fühlbare Intuition ist in der Mathematik das geläufigste Mittel der Erfindung.»

Anwendung auf Baudelaire

Manchmal genügt es, eine scheinbar winzige Einzelheit zu streichen, um die Wirkung einer Erscheinung zu ändern. Zu den elementaren Zusammenhängen schrieb Plotin [783]: «Aber was gibt die Seele der Erde ihrem eigenen Körper? -Ein vom Boden gelöster Klumpen Erde ist nicht mehr derselbe, wie wenn er daran Anteil hatte. Wir sehen, wie die Steine wachsen, solange sie mit dem Boden verbunden sind, aber sie hören auf zu wachsen, sobald sie dem Boden entrissen werden.»

§328
· Riegel
Theorie

Die Vorstellung, die das Gelände in der Krypta ersetzt, wird Riegel genannt. Was die Wendung "Sie sind ein Archimedes…" betrifft, erklärt der Riegel "Erfinder" den Sinn "Archimedes", das in (Archimedes/- Sie) das Gelände darstellt.

Methode

Manche äußerst feinfühlige Geister denken, dass es unangebracht sei, einfältige Worte hinter den wohl erdichteten Redewendungen eines Autors zu vermuten. Da der Dichter ihrer Meinung nach eine bestimmte Fassung gebracht hat, darf kein anderer, früherer Text durch die Einbildungskraft vermutet werden. Michael Riffaterre zeigt sich besonders streng [863]: «So kommt man dazu, dem gegebenen Gedicht eine Bedeutung zu geben, die damit nichts zu tun hat und dessen Struktur verschleiert.» Es wäre jedoch leicht übertrieben zu behaupten, dass “Geh, ich liebe dich” zur Verständigung von «Geh, ich hasse dich nicht.» nichts nützt [211]. Laut Bacon setzt jede Erklärung einer Naturerscheinung voraus, dass man deren kaum sichtbaren Prozess untersucht [55]. Auf ähnliche Weise kann man “…ich gehe zum Basar…” nur mit dem Verzicht auf “…ich gehe zum Markt…” erklären. In diesem Punkt hatte Saussure Recht, als er schrieb [908]: «…in der Sprache sind nur Unterschiede.»

Anwendung auf Baudelaire

Was die Schilderung der Sitten betrifft, zeigt Gautier seinerseits, dass ebenso die Beschreibung eines Zustands, auf die Vorstellung eines anderen oder verbunden mit ihm beruht [402]: «Aber es ist jetzt Mode, tugendhaft und christlich zu sein. Es sind Allüren, die man sich gibt. Man stellt sich als der heilige Hieronymus hin, wie man früher als Don Juan auftrat. Man gibt sich blass und süßlich. Man trägt das Haar schulterlang wie die Apostel. Man schreitet mit gefalteten Händen und die Augen zu Boden geschlagen. Man gibt sich fromme Mienen. Man hält eine aufgeschlagene Bibel auf dem Kaminsims und ein Kruzifix mit geweihtem Buchsbaumzweig über dem Bett. Es wird nicht mehr geflucht, wenig geraucht und kaum noch gepriemt. Man gibt sich christlich, man redet über das Heiligtum der Kunst, über die hohe Aufgabe des Künstlers, über den Zauber des Katholizismus, über den Herrn von Lamennais, über die himmlische Malerschule, über das Konzil von Trient, über die fortschrittliche Menschheit und über tausend weitere schöne Dinge. Manche lassen etwas Republikanismus in ihre Religion ziehen, und diese sind besonders interessant. Sie vereinen auf heitere Weise Robespierre und Jesus Christus. Sie verbinden die Apostelgeschichte und die Beschlüsse des heiligen Nationalkonvents, -dieser verdient eine heilige Bezeichnung. Andere ergänzen das Bild mit Ideen von Saint-Simon.»

§329
· Hülse
Theorie

Der Riegel und das Gelände sind in der Hülse vereint, die zur Verständigung der Wendung nützlich ist. Am Anfang scheint es besser, die Hülse ohne Kralle zu gebrauchen, um den Kontrast zwischen dem Schlüsselwort des Rätsels und der Lösung klar vor Augen zu haben. Die Kralle wird nach Bedarf später hinzugefügt. So verdient die Wendung "…hört der Offizier auf den General…" die Hülse "hört auf: gehorcht". Die erste Vorstellung wird bezüglich des Filzes (hört::auf/-Offizier) durch die zweite erleichtert [335]. Sind die Grundlagen einmal gesichert, so kann der Ausdeuter die Hülse entfalten, wie in "…der Offizier wird auf den General hören: wird ihm gehorchen". Die Kralle verdeutlicht vollends die Bedeutung des Rätsels.

Methode

In die Hülse kann man den Riegel je nach Bedarf vor oder hinter das Gelände setzen. Manche empfindliche Filze zwingen uns zur Vorsicht. Es ist unklar, ob die Wendung “…der Offizier unterstützt den General…” so viel bedeutet wie “…der Offizier wird den General gehorchen”. Ist eine Unterscheidung zu winzig, so wird sie entweder übergangen, oder nur von wenigen Leuten verstanden. Anhand dieses Beispiels können wir an den Sprachwissenschaftlern zweifeln, deren Objektivität in Frage gestellt wird. Es geht hier wie mit den physischen Gegenständen, zu denen Poincaré bemerkte [800]: «So können wir ein Gewicht von Gramm leicht von einem Gewicht von Gramm unterscheiden, während ein Gewicht von Gramm von den beiden anderen nicht unterschieden werden kann.»

Anwendung auf Baudelaire

Oft wurden die messbaren Eigenschaften durch starke Einbildungskraft bestimmt, so dass wir die Bemerkungen von Germaine von Stael über die physische Welt verstehen können [936]: «Wenn die Natur nach den regelmäßigsten Mustern Kristalle bildet, bedeutet dies keineswegs, dass sie Mathematik beherrscht, oder sie ist sich zumindest nicht dessen bewusst, dass sie sie beherrscht. Es fehlt ihr an der Überlegung über sich selbst.» Des Weiteren verschmelzen sich die Absichten eines einzelnen Textes in die allgemeinen Tendenzen der Zeit, während der Schaffende, der in den Bewegungen seiner eigenen Seele vertieft ist, oft die Richtung des allgemeinen Prozesses der Kultur praktisch übersieht. Selbst in den Werken, in denen eine Beweisführung erforderlich ist, scheint diese Versetzung nicht selten zu sein. Kepler schrieb [108]- [109]-[110]-[937]: «…ich habe die Vasen aus Ägypten gestohlen, um meinem Gott damit einen Tempel zu errichten.»

§330
· Projektion
Theorie

Die Projektion besteht aus einem umgestalteten Rost, der die Hülse aufnehmen muss. Die Projektion soll auch den gelegentlichen Abstand zwischen Gelände und Korridor mindern. Dieses Verfahren erleichtert das Verständnis des Filzes, wie es im Ausdruck “…er erblickte das Segel eines Schiffes…” zum Verständnis kommt. Es handelt sich hier um die Projektion des Filzes (Segel/-erblickte), dessen Rost mit folgenden Worten eingeleitet werden kann: “Er erblickte vom Hafenkai aus, der mit überseeischen Waren überfüllt war, wo es von Kaufleuten und Matrosen wimmelte, wo man vom lauten, volklichen Geschrei fast den Drehwurm bekommt, wo junge, leicht gekleidete Damen und Offiziere in bester Kluft in deren Kielwasser vorbeizogen, ein Segel.”

Methode

Oft hat der Schaffende von der Projektion keine detaillierte Vorstellung, denn er ahnt sie manchmal flüchtig in seiner Einbildungskraft und nützt nur die tausend literarischen Bilder aus seinem Gedankengut.

Anwendung auf Baudelaire

Da die Querverbindungen zwischen den einzelnen Bildern vom Ausdeuter unbekannt sind, ersetzt dieser seine Unkenntnis der Gewohnheiten des Dichters durch ein dürftiges Schema mit seinen unvermeidlichen Mängeln. Den Leuten, die sich mit den Sitten befassen, ergeht es nicht anders, und Sainte-Beuve bemerkte in dieser Hinsicht bezüglich La Rochefoucauld [485]-[890]: «Warum sollte man überall nach eingehender Prüfung in einer trockenen Berechnung Handlungen darstellen, die sich aus lebendigem, menschlichem Aufbau ergeben, deren Wesenheit sich bis ins Unendliche entfaltet? Dies käme der vermeintlichen Zerlegung einer Frucht gleich, die ungelesen keimen und ihre Zweige bis in den Himmel treiben wird?»

§331
· Bohrung
Theorie

Die Bohrung wird als Unabhängigkeit des Ausdrucks zum materiellen Grund definiert. Somit kommt die Bohrung, wenn der Sinn gegen die Form Vorrang hat, so dass diese im Sprachgebrauch schnell vergessen wird. Eine erste Seite hat mit der Stimme oder mit der Schrift zu tun. Die Bohrung setzt voraus, dass der Filz nicht mit einem Wortspiel verbunden sei. Auf diese Weise ist “…ich leere Automaten, sagte der alte Studienrat…” kein Filz [306]. Zweitens darf der Filz nicht auf einem Ortswechsel beruhen. So stellt “… ein tollwütiger Professor mit einem zerstreuten Hund…” keinen Filz dar. Sobald die Form eine entscheidende Rolle spielt, verschwindet die Bohrung. Mit anderen Worten erfordert die Bohrung, dass die Ursachen des Filzes zum Bereich des Sinnes gehören. Folglich erreicht der Ausdruck «…die traurige Schönheit, auf die meine Begierde verzichtet.» oder (Begierde/-verzichtet) die Bohrung [[1141]] in Index II (Gedichte)">[[1141]]. In diesem Fall liegt es auf der Hand, dass Gelände und Korridor von den Klängen und Buchstaben nur die gewöhnliche Unterstützung abverlangen, die die poetischen Bilder in den Symbolen der Stimme oder der Schrift finden.

Methode

Die Zweideutigkeit, die sich aus (ging/-sie) oder “Paula traf Simone, als sie in die Stadt ging…” ergibt, führt zu keiner Bohrung, weil die Wendung auf der Reihenfolge der Wörter im Satz beruht. Es fällt sofort auf, dass eine Unordnung der Wörter die Zweideutigkeit aufhebt. Der Satz “Als sie in die Stadt ging, traf Paula Simone…” ist eindeutig.

Anwendung auf Baudelaire

Der Leser wird durch die Verdoppelung des Lautes “L” beim Übergang von Vers 2 zu Vers 3: «paroles;
L'homme» (Worte;/Der Mensch). Es ist denkbar, jedoch keineswegs sicher, dass dieser wiederholte L-Laut an dieser Stelle auf die Bewegung des Menschen oder des Dichters in der Welt hindeutet. Des Weiteren wird die Bewegung durch das “R” in «paroles» (Worte) noch unterstrichen. Es fällt uns also schwer, ohne Vorbereitung zu entscheiden, ob (L'homme/-paroles) (Mensch-Worte) die Bohrung besitzt [743]-[744]-[745]. Im Gegenteil lässt sich ein Mangel an Bohrung in (Düfte/-hm) oder “Es drangen durch ihre Kleider allerlei sanfte Düfte: hm!” In der Tat gibt “hm” den Laut wieder, den man von sich gibt, wenn man aufmerksam einatmet, um einen Geruch genauer zu bestimmen.

§332
· Lüftung
Theorie

Die Lüftung eines Filzes hängt mit seiner leichten Zugänglichkeit zusammen, deren Vorhandensein mehrere Voraussetzungen erfordert. Erstens muss gesichert werden, dass der Autor in seiner Zeit den vermeintlichen Filz verstanden haben mag. Zweitens muss sich der Ausdeuter vergewissern, dass er einen Fachausdruck nicht für einen Filz hält. Drittens muss der Leser dessen gewahr werden, dass die Bedeutung eine sonderliche Gestalt annimmt. Viertens muss der Schaffende so verfahren, dass der Anschein des Filzes nicht zerstört wird, sobald das Publikum den Zusammenhang eingehender erforscht. Letztendlich soll der Riegel nicht mit einem geheimen Inhalt oder mit einem abwegigen Gedankengang verbunden sein, der nur dem Schaffenden und einem engen Kreis von Erwählten zugänglich ist.

Methode

In dieser Hinsicht müssen wir unterstreichen, dass ein Merkposten, der das Vorhandensein der Wendung nachweist, aber vom Publikum unbemerkt bleibt, nicht ausreicht, um eine Lüftung zu bilden. Dieses Prinzip der leichten Zugänglichkeit des Bildes treibt uns dazu, viele Feinheiten und schwierige Anspielungen auszuschließen.

Anwendung auf Baudelaire

«Die Natur ist ein Tempel…» oder (Natur/-Tempel) könnte den geheimen Sinn “Die Natur ist Gott” haben. Dies bleibt jedoch kaum wahrscheinlich, da der Zeitgeist nicht darauf vorbereitet war, diesen Standpunkt weniger Leute zu verstehen. Mit einer Schiene, die mit folgenden Worten beginnt “Die Natur hallt mit einem Gebäude wider…”, könnten wir an eine Anspielung auf Gott und sein Haus denken, aber an dieser Stelle bekäme die Wendung (hallt…wider/-Natur) keine Lüftung, weil der Leser darauf unvorbereitet ist. Man hört die beiden Zinken einer Stimmgabel im Leeren kaum, aber sobald man sie mit einem Klangboden in Berührung bringt, der die Note behält und verstärkt, entsteht ein klarer Ton [388]. Der wissenschaftlich neugierige Dichter ist sich dessen bewusst, dass eine gute Kenntnis der physikalischen Gesetze für manche Gebildete zu den Entsprechungen führt. Euler erklärt [388]: «…sobald ein undurchsichtiger Körper erleuchtet wird, geraten die winzigsten Teilchen an dessen Oberfläche in gewissen Schwingungen, die Strahlen ergeben…» Das heißt [389]: «Die leuchtenden Körper müssen mit spielenden oder klingenden Musikinstrumenten verglichen werden. Ob sie aus eigener Kraft spielen, oder durch eine fremde Kraft berührt werden, ist hier gleichgültig. Es genügt in dieser Hinsicht, dass sie klingen und laut werden. Die undurchsichtigen Körper, die nicht angestrahlt werden, müssen mit Musikinstrumenten, die nicht gespielt, oder mit ungespielt lautlosen, gespannten Saiten verglichen werden. Somit wird unser Problem vom Bereich des Lichts in den Bereich des Tons versetzt. Sie verweist auf diese Weise auf folgende Frage: Gerät eine ungespielt gespannte Saite, die inmitten anderer Musikinstrumente, die gespielt werden, in Schwingungen und fängt an zu klingen, ohne überhaupt berührt zu werden? Wir wissen aus Erfahrung, dass dies in der Tat geschieht.» Das heißt [390]: «…in Bezug auf die Sicht entsprechen die Farben den hohen und tiefen Tönen in Bezug auf das Gehör.» Der Mathematiker fährt fort [391]: «…derselbe Ton, den die Saite von sich gibt, ist zugleich der Ton, der sie am meisten beeinflusst…Wenn man in einem Zimmer Weingeist anzündet, vermögen die blauen Flammen, die rote Hautfarbe im Gesicht weder zu steigern, noch zu mindern. Es ist nur ein sehr schwacher bläulicher Schimmer zu sehen. Ist jemand aber in Blau gekleidet, so wird das Kleid unter diesem Einfluss hochglänzend blau erscheinen.»

§333
· Bijektion
Theorie

Die besten Filze besitzen die Bijektion, die sich auf mehrere Eigenschaften der Bedeutung bezieht, die das Publikum vernehmen mag. An erster Stelle erscheint der Rost, als wäre er von einem früheren Text abgeleitet, der kürzlich geändert worden ist. Dann enthält das Gelände zusätzlich zu dessen Bezug auf den Riegel nur eine eindeutig klare Vorstellung und weist daher keine spürbare Zweideutigkeit auf. Drittens darf sich dieses Gelände auf möglichst wenige Felder abstützen. Viertens muss der Riegel kurz, eindeutig und ohne Wiederholung des Geländes oder des Korridors vorgetragen werden. Letztendlich führt die Beziehung zwischen Riegel und Gelände dazu, das Rätsel zu entschlüsseln und die damit verbundene geringe Stiländerung zugleich zu begreifen.

Methode

Kürze und Schnelligkeit reichen für den Filz nicht aus. Der Satz "Der Bischof verließ seinen Stuhl" oder (Stuhl/-verließ) kann in seiner Kürze keine Bijektion haben, weil die Zweideutigkeit des Ausdrucks wegen des Doppelsinns "Sitzmöbel"-"Amt" der Bijektion im Wege steht. Im Falle von «Bringen wir wenigstens unsere Haare wieder in Ordnung und erniedrigen wir uns nicht. -Stellen uns schnell den Schönheitsrat hin.» haben wir eine Bijektion. Das Verhältnis (Schönheitsrat/-Stellen: hin) ist begreiflich, und das längere, jedoch noch brauchbare Gelände findet seine Erklärung im Riegel “Spiegel” [534]. Zu «Geh, ich hasse dich nicht.» oder (hasse…nicht/-dich) scheint das Gelände trotz dieser zwei Wörter auch annehmbar [211].

Anwendung auf Baudelaire

Die Liebe bleibt bis ins Beispiel der mechanischen Verbindung das Muster aller Entsprechungen. Die Ähnlichkeit der Tochter und der Mutter liefert einen anderen Aspekt der Analogien, selbst wenn wir auch die innere Gegensätzlichkeit "Tochter-Mutter" in diesem Beispiel betrachten. Um solche kleine Schwierigkeiten zu überwinden, müssen wir auf die Mathematik zurückzugreifen [401]. In diesem Bereich dient die beiderseits eindeutige Beziehung zwischen Mannigfaltigkeiten als Anhaltspunkt für alle Gedanken. So haben die Bäume eines Hains eine Entsprechung mit den Jägern, die sich in ihrem Schatten ausruhen, von dem Augenblick an, wo es zum Beispiel für zehn Birken zehn Jäger und einen einzelnen Mann unter je einem Baum gibt [401].

§334
· Hergebrachte Redewendungen
Theorie

Von jeher wurden unsere Filze in ihren großen Zügen untersucht. Oft beschreiben wir als Filz problemlos die Abstraktion, und das ist der Fall bei “Einen von seinen Dualitäten abgetrennten Menschen” [290]. Wir nehmen viele Antonomasien wie “Er rang gegen einen Goliath…” an [296]. Es gibt auch die vorsätzliche Kakologie, und wir können davon das Beispiel “Im Laufe seines Lebens lang…” gebrauchen [304]. Dann ist der Chloasma möglich: “ich bin verrückt” [310]. Wir verwenden ebenso das Zitat: “…diese Leute möchten Kuchen bekommen” [312]-[873]. Bekannt ist die Konkretisierung wie “Er kaute an seiner Freiheit” [313]. Die Enallage erfordert zwei gleichwertige Fronten wie in “Sie sind, du bist ein Schuft” [322]. Als Euphemismus oder Litotes schreiben wir “Sie werden ihn erledigen…" und [211]-[328]-[343]«Geh, ich hasse dich nicht.» Die Hyperbel ergibt "Ihr Wissenschaftler ist ein Archimedes" [296]-[333]. Die Injunktion lässt sich oft einwandfrei benutzen: "Der Meister wird dem Oberschulrat zuhören" [335]. Manchmal scheint eine Lexikalisierung willkommen: "Das Warum ist schwer zu behandeln" [341]. Die Metalepsis "…wie sehr liebe ich sein Pferd…" lenkt von “…wie sehr liebe ich ihn…” ab [344]. Da Filze zwangsweise kurz sind, können nur kleine Periphrasen als solche betrachtet werden [352]. Ausgehend von Metonymie und Synekdoche sind die Filze leicht zu erklären: “…er hat sämtliche Zepter Europas besucht…”; “…er erblickte ein Segel" [346]-[370].

Methode

Das Zusammenfassen dieser Stilfiguren in eine einzige Gruppe begünstigt die Synthese unseres Wissens. Alle Filze beruhen auf demselben Prinzip, und die besten Kategorisierungen setzen diese Einheit der darin enthaltenen Gegenstände, so dass kein Gegenspiel die Gesamtvorstellung gefährde.

Anwendung auf Baudelaire

Die Kulturgegenstände weisen im Vergleich zu den natürlichen Gegenständen Besonderheiten auf, aber sie haben so vieles gemeinsam, dass sie in mancher Hinsicht in Gedanken auf dieselbe Weise behandelt werden können. Dies kommt mit der Schönheit des Körpers zum Vorschein, auf die Baudelaire großen Wert legte. Obwohl die Schönheit in der Vermehrung eine Rolle spielt, besitzt sie andererseits einen Aspekt, der von der vorsätzlichen Wahl abhängig ist. Ein paar Jahre später wird Darwin beim Nachdenken über die Vorgeschichte schreiben [242]: «…es wäre ein überraschender Zustand, wenn die mächtigsten Männer jeder Sippe, die es sich leisten können, überduchschnittlich viele Kinder zu erziehen und die schönsten Frauen auszuwählen, auf lange Sicht über Generationen keine leichte Änderung des Charakters der Sippe herbeiführen würden.»

§335
· Selten interessante Verwirrungen
Theorie

Viele Wendungen haben eine gewisse Ähnlichkeit mit Filzen, aber es bedarf einer näheren Voruntersuchung, ehe wir sie als solche anerkennen. Oft handelt es sich um einen Tartan, oder um eine Wendung ohne Bohrung, oder um eine Wendung mit einer inneren Gegensätzlichkeit. Führen wir als Beispiele verschiedene Wendungen an, die entweder Filze sind, oder im Falle einer oberflächlichen Untersuchung mit solchen verwechselt werden können. “Dr. Martin wurde seines Konzerts beraubt”: Abkürzung [289]. “Herr…fuhr mit dem Zug um Uhr”: Wortschwund [320]. “Ich ging auf der Zufallstraße spazieren”: vorsätzlicher Sprechfehler [297]-[340]. “Wir werden die Af-Fähre nicht verpassen”: Wortspiel auf starker materieller Basis [339]. “Auf dass ich dich nie wiedersehe -Simsalabim”: Exorzismus [329]. “Die Unterentelechieanalyse des Hindernisses in diesem albernen Gerede bestürzte die Zuhörer”: Jargon [338]. “Ein Gericht von Lirotinorini mit Anschovis”: Pseudo-Sprache [360]. “Alle großen Wissenschaftlichter der Welt sind sich einig”: vorsätzliche, fehlerhafte Derivation [348]. “Die steigende Gefährdisierung des Berufs beunruhigte uns”: Neologismus [350]. “Sie sind als Frau ein Hapaxlegomenon”: Pointe [357]. “Was Sie haben sind keine Füße, sondern Stiefel”: Selbstkorrektur [299]. “Der Pfarrer verneigte sich vor dem Kreuz Jahwes”: vorsätzlicher Wortmissbrauch [334]. “Zwischen zehn und zwanzig Hinrichtungen später ermüdete der Henker nach und nach”: Chronografie [311]. “Die Mauern durften mitreden”: Personifikation [354]. “Hier waren brave Leute: fünf Architekten, drei Notare, zwei Apotheker, vier Industrielle” -Ironie [336]. “In dieser eisigen Kälte schrumpmummte man sich zusammen”: Kunstwort [349].

Methode

In Wanderwörtern stecken durch stufenweise Anpassung so viele Möglichkeiten, dass es schwer ist, ein allgemeines Urteil darüber abzugeben, welcher rhetorischen Kategorie sie gehören [351].

Anwendung auf Baudelaire

“Er hat einen Spleen”, um eine von Baudelaire beliebte Vokabel zu gebrauchen, lässt sich lexikographisch nur schwer einordnen, weil wir nicht genau wissen, ob das Wort noch englisch einzustufen ist, oder ob es bereits eingedeutscht ist. Das hier angedeutete Gefühl entspricht der Empfindung eines von vornherein verlorenen Lebens. Oft findet diese Leidenschaft ihr Heil in der großen Liebe. Balzac beschreibt die Entstehung dieser Empfindung [72]: «Ich blickte meine Nachbarin an und wurde von ihr stärker geblendet als durch das eigentliche Fest. Sie wurde mein Fest.» Eine andere Möglichkeit ist, dass man den Verstand verliert, indem man versucht, sich ein Wissen anzueignen, das allzu verwickelte Beziehungen zwischen den Dingen aufweist, was zur Verzweiflung führen mag. Eine Person des Schriftstellers scheint diesem Zufall erlegen zu sein [90]: «Der gute Lefebvre bot mir keine andere Möglichkeit, als bei ihm auszusteigen, und er zeigte mir das Zimmer seines Neffen…"Der junge Mann wusste alles, mein lieber Herr!" sagte er, indem er den Band mit dem Gesamtwerk von Spinoza auf den Tisch legte. "Wie konnte ein so ausgeglichener Geist kaputtgehen…"» 143

§336
· Gitter und Anhöhe
Theorie

Das Gitter 1/áæßœíóúý als Glaubhaftigkeitswert gleicht dem Umgekehrten des Produkts (áæßœíóú ý) von acht Messungen der Unglaubhaftigkeit: die Knötchen á, æ, ß, œ, í, ó, ú, ý. Das Ganze besteht aus zwei Gruppen. Die ersten vier (á, æ, ß, œ) sind weiterreichend als die anderen vier (í, ó, ú, ý). Noch einmal verallgemeinern wir die Nietung, damit jeder Wert, der niedriger als 1/16 liegt, als unbedeutend eingestuft werden kann. Unter den Knötchen kommt zunächst die Anhöhe (á) vor. Diese hat den Wert 1, wenn der Filz die Eigenschaft der Bohrung besitzt, und erreicht den Wert 2 in anderen Fällen. Beim Ausdruck “…er hat sein Simsalabim gebraucht…” schreiben wir á=2, weil der Inhalt von “Simsalabim” im Wesentlichen auf dem ungewöhnlichen Klang ruht.

Methode

Der Klang der Vokabeln lässt sich in der sprachlichen Kommunikation nie ganz überhören, aber der häufige Gebrauch der Ideen, oder ihre Genauigkeit verleiht ihnen eine solche Beständigkeit, dass die Rolle des Klanges oft außer Acht gelassen wird.

Anwendung auf Baudelaire

Im Gegenteil stärken ungewöhnliche Klangkombinationen den materiellen Inhalt. Wenn wir die Wendung «…die Ausdehnung der unendlichen Dinge…» als “…die unendliche Ausdehnung der Dinge…” aufnehmen würden, dürften wir die Anhöhe á=2 annehmen, weil wir die Vertauschung der Wörter im Sinn hätten, was einen Zugriff auf Materielles voraussetzt [332]. Es wurde oft beobachtet, dass die Gestalt einen guten Teil des Inhalts ausmacht, sobald die Strenge der Ideen durch die Empfindung mitgerissen wird [[1077]] in Index II (Gedichte)">[[1077]]: «Meine Lippe ist feucht, und ich weiß,
Wie das alte Gewissen im Bett zunichte gemacht werden kann.» Gautier behauptet, dass die abgelenkte Aufmerksamkeit sich mit Kleinigkeiten befasst, die sie sonst übersehen hätte [410]: «Die Sinne, die von der Seele nicht mehr überwacht werden, treiben in eigener Regie und vernehmen auf diese Weise erstaunliche Einzelheiten. Zum Tode Verurteilte unterscheiden auf dem Wege zur Hinrichtung ein Blümlein zwischen den Pflastersteinen, oder die Einheitsnummer auf dem Knopf einer Uniform, oder einen Rechtschreibfehler auf einem Schild, oder irgendwelchen skurrilen Umstand, der in ihren Augen unheimlich wichtig wird.» Philostratus empfindet dieselbe Teilung zwischen Körper und Geist unter einem anderen Blickwinkel [579]: «Die Seele ist unsterblich, sie gehört nicht dir, sondern der Vorsehung. Wenn der Körper ausgetrocknet ist, entgleitet sie leicht wie ein schnelles Ross. Sie hasst ihre grausame, schwierige Knechtschaft und schlüpft und mischt sich in die leichte Luft. Was geht dich das? Wenn du tot bist, wirst du daran glauben, aber warum machst du dir darum Sorgen, solange du noch lebst?»

§337
· Regler
Theorie

Der Regler hat den Wert 1, wenn die Redefigur die Lüftung besitzt. In allen anderen Fällen schreiben wir æ=2. Wenn das Publikum das Besondere in der Rede nämlich nicht wahrnimmt, ist der Schluss, dass eine Stilfigur vom Autor gewünscht gewesen sei, unmöglich. Im Falle eines scheinbaren Filzes ist es ebenfalls gewagt, mehr auf eine Absicht als auf eine Gedankenlosigkeit des Autors zu schließen.

Methode

Wenn die Zeit ein leichtes Verständnis der Gestalt (Segel/-erblickt) erlaubt, genügt ein solcher Vorteil nicht, um eine Lüftung zu gewinnen. Dass im Zusammenhang das Verständnis des Filzes vom Publikum und vom Schaffenden nicht gehindert wird, ist eine zusätzliche Voraussetzung. Wenn ein Leinenhersteller sich in einer Werft für ein besonderes Gewebe interessiert, beschreiben wir gelegentlich dies mit dem Ausdruck “… er erblickt ein Segel”. Dies wird jedoch nicht andeuten “…er erblickt ein Schiff…", und wir haben in diesem Fall keinen berechtigten Anlass, von einer Redefigur zu sprechen.

Anwendung auf Baudelaire

Was wir als Filz vorstellen, kann ebenso als eine objektive Beschreibung gewertet werden, solange der Autor mit der rhetorischen Tradition bricht. Manchmal überrascht Baudelaire die Kritik, da er einer intellektuellen Nachkommenschaft angehört, die sich nur schwer erforschen lässt. Sainte-Beuve hat die Urquellen dieser zugleich edlen und unanständigen Bewegung folgenderweise dargestellt [891]: «…es bestehen zwei Zeitalter Ludwigs XIV. -das eine ist edel und erhaben…das andere gleicht einem Strom, der unter einer breiten Brücke durchfließt und von einer Regentschaft zur anderen führt…Zu dieser Strömung gehörten die Herzoginnen Mazarin und Bouillon mit ihrem Gefolge; Saint-Évremond und die Genießer seiner Schule; Ninon de Lenclos und die Anhänger, die sie ausbildete, die Unzufriedenen und die Spötter überallher.» Eine Bemerkung Baudelaires deutet darauf hin, dass er dieser Tradition treu bleibt [655]: «Ich wäre lange nicht fertig, wenn ich auf alle schönen und guten Seiten von dem einginge, was Laster und sittliche Hässlichkeit genannt wird…»

§338
· Podium
Theorie

Das Podium erreicht in mehreren Fällen 2. Einerseits gleicht ß dem Wert 2, weil wir eine augenscheinliche Wiederholung mit einem Gelände und einem Korridor mit fast derselben Bedeutung feststellen. Somit würde "nach oben hinaufsteigen" den Wert ß=2 benötigen. Andererseits schreiben wir ß=2, wenn die Wendung gegensätzliche Begriffe besitzt wie zum Beispiel "nach unten hinaufsteigen". Letztendlich nehmen wir auch ß=2 an, wenn wir mit Tartans von hoher Glaubhaftigkeit zu tun haben, die durch ihre Kraft den Filz in den Schatten stellen. Im Gegensatz verdienen die anderen Redefiguren ß=1.

Methode

Betrachten wir “…der Junge erblickte die Augen des Kleides, das ihm aufgefallen war…", oder eher das Schema (Augen/-Kleides), das dieser Rost besitzt. Die Redewendung wird mit ß=1 bezeichnet, weil wir im Gegensatz zu der Analogie auf derselben Ebene verbleiben: “der Junge erblickte die Augen derjenigen, die das Kleid anhatte, das ihm aufgefallen war”. Viele Sinngegensätze sind nämlich nur oberflächlich, aber manchmal stolpert der Ausdeuter über Sinnschocks oder Stöße, die tiefgehende innere Gegensätzlichkeiten besitzen, so dass er im Stande sein muss, die Wendungen auszusondern, wie wir es mit den Problemglossen bereits gesehen haben. Eine Erscheinung zu messen hat nur dann einen Sinn, wenn der behandelte Gegenstand auf qualitativer Ebene klar umrissen wurde. Wenn man zur Behandlung einer Erkältung eine gleiche Menge Hundespeichel und Menschenschweiß in ein Präparat vorsichtig beimischt, bleibt man jeder Vernunft fern. Ein Größenverhältnis, das der Verstand nicht überwacht, ist wertlos, und Rousseau, der Grundrechenarten beherrscht, schreibt in einem allgemeineren Zusammenhang [877]: «…zwischen Dingen unterschiedlicher Natur kann man kein echtes Verhältnis feststellen.» Mehrere Zahlen zu vergleichen, scheint uns umso bedeutungsvoller zu sein, als man darauf einen Gedankengang aufbauen kann. Plato bemerkt [757]: «…zwei Begriffe können nur dann eine schöne Zusammensetzung bilden, wenn man einen dritten kennt, der die beiden ersten einander näher bringt.» Dagegen verlangen wir vergeblich einen Universalschlüssel, der alles mit allem in Einklang bringt. Plato verfiel selbst in diesen Mangel, was ihn den Geometern seiner Zeit entgegen ungeduldig machte [751]: «…wir sehen, wie ihre Kenntnis des Seins einem Traum gleicht, weil sie es nicht vermögen, es im hellen Tageslicht zu sehen…»

Anwendung auf Baudelaire

Viele Denker verfielen der Versuchung, eine wunderbare Abkürzung von einem Objekt zum anderen zu suchen, anstatt jeden einzelnen Gegenstand geduldig zu untersuchen. Dies gilt umso mehr zur Bestimmung einer verschwommenen Vorstellung wie die der “Entsprechungen”, denn es lassen sich um sie herum illusorische Theorien aufstellen. Dieser Versuchung verfallen diejenigen, die sich von den hergebrachten Kenntnissen abwenden, oder diejenigen, die ihr Vermögen überschätzen, den Schein zu überwinden. Im Gegensatz entwirft Baudelaire nur einige Parallelen wie die des Fleisches und des Duftes, ohne ein fertiges System zu bieten [667]. Vor ihm hat Diderot diese Perspektive in Betracht gezogen [279]: «Der Engländer sagt "a fine flavour, a fine woman", ein schöner Duft, eine schöne Frau.» Das Fleisch stellt für den Maler eine besondere Schwierigkeit dar [280]: «…die Nuancen des Fleisches lassen sich wegen des sanften, gleichmäßigen Weißes, das mit der geringen Mischung aus Rot und Blau doch nicht blass oder matt scheint, nur schwer wiedergeben. Verschwindend dringen Blut und Leben durch die Haut, was den Koloristen zur Verzweiflung treibt. Wer das Gefühl für das Fleisch gewinnt, macht einen solchen Satz nach vorne, dass das Übrige seiner Kunst vergleichsweise unbedeutend wirkt. Tausend Maler sind gestorben, ohne dieses Ziel erreicht zu haben, und tausend weitere werden ebenso umkommen.»

§339
· Verdünner
Theorie

Falls der Filz die Bijektion besitzt, bleibt der Verdünner (œ) auf dem Wert 1 und hat sonst den Wert 2. Der Verdacht, dass die Wendung verkehrt ersonnen wurde, kommt auf, sobald es schwierig wird, den Riegel zu bestimmen, ohne auf die Bedeutung des Geländes oder des Korridors zurückzugreifen. Für den Rost “es ist ein Duft” oder das Schema (es/-Duft) können wir als Riegel für “es” nur “Geruch” gebrauchen. Aber “Geruch” und “Duft” sind zu nah verwandt, und wir schreiben daher œ=2.

Methode

Während das Podium ß=2 die Wiederholung des Geländes durch den Korridor brandmarkt, ist der hier gebrandmarkte Mangel eine weniger augenscheinliche Wiederholung: die eines Begriffs durch den Riegel.

Anwendung auf Baudelaire

Der Rost “Es sind andere Düfte erwachsenen Kindern gleich…” rechtfertigt das Schema (erwachsenen/-Kindern), das den Verdünner œ=1 verdient. Der Riegel “zu schnell aufgewachsenen” unterscheidet sich nämlich genug von “Kindern” und von “erwachsenen”, um zu diesem Wert zu führen. Und doch erreicht diese Wendung nicht die höchste Glaubhaftigkeit, weil das Gelände in Gegensätzlichkeit zum Korridor steht, was uns dazu führt, ß=2 zu schreiben. Die Düfte, die das weibliche Fleisch beschwören, müssen dessen Erscheinung hervorheben. Plinius der Jüngere bemerkt [780]: «…es ist für das weiche, geschmeidige Wachs ein Segen, sich geschickten Fingern zu fügen. Dadurch trägt das Wachs, zur Entstehung des gewünschten Werks bei: sei er der Mars oder die keusche Minerva, oder die Venus oder das Kind der Venus. Auf gleiche Weise begnügen sich die heiligen Quellen nicht damit, die Flammen zu löschen. Oft bewässert ihre frische Strömung die Blumen und die grünen Auen. Dem Wachs und den Quellen ähnlich muss sich der Geist des Menschen zu beugen und durch seine flinke Wendigkeit eine Kunst ohne Wiederholung zu nützen wissen.» 145

§340
· Collage und Garbe
Theorie

(áæßœ) wird als Collage bezeichnet. Deren Wert wird zur Errechnung jedes Knötchens gebraucht, das nicht eingeschlossen ist: í, ó, ú, ý. Die Garbe (í) wird auf zwei Wegen erreicht: einerseits wird die Collage (áæßœ) angewendet, andererseits wird auf die Vorstellung der Sprungschanze zurückgegriffen, die bezüglich der Tartans bereits in Anspruch genommen worden war. Wir verallgemeinern diese Idee, um den inneren Abstand der Filze zu behandeln. Wenn das Gelände und der Korridor jeweils nur einen Begriff gebraucht, wird b(E~F) als Sprungschanze für den Filz (E/-F) angenommen. Kommen mehrere Begriffe vor, werden zur Gestaltung der Sprungschanze überhaupt die am weitesten entfernten gewählt. Zum Beispiel haben wir für die Sprungschanze b(A~R) die Begriffe A und R im Filz (AE/-FR). In b(E~F) oder b(A~R) wird die innere Räumlichkeit (z) bestimmt. Dieser Wert wird dann als z=1 oder z=2+(1(n/10)) übernommen, wobei (n) für die Anzahl der Fronten zwischen den beiden Begriffen E, F oder A, R steht. Unter diesen Umständen hat die Garbe den Wert í=((áæßœ)(z)).

Methode

Es besteht kein Widerspruch, einerseits durch die Bohrung die Vertauschungen im Raum des Textes zu meiden, und andererseits den Abstand zwischen den Vorstellungen der Redewendung zu schätzen. Die beiden Gegenstände sind zweierlei. Einerseits benutzt der Wortwechsel den Raum des Satzes zum Spaß. Andererseits benötigt die Redewendung (E/-F) einen schwachen Abstand zwischen den Bedeutungen, weil er die Aufmerksamkeit bezüglich (E/-F) gefährdet.

Anwendung auf Baudelaire

Stellt man sich in einem längeren Auszug eines Werks einen Filz vor, so muss unser Geist, was der Schaffende hier und da gesetzt hat, wieder verbinden. In solchem Falle ist ein hoher Wert für (z) nicht auszuschließen. Betrachten wir folgende Schiene: “Der Reisende erfasste, unter dem Einfluss des Alkohols auf die Bilder seiner Phantasie, die sich wie in einem mit seinen neueren Begeisterungen gefüllten Traum in jedem Augenblick änderten, eine Mischung von Eindrücken bezüglich der Schiffe, des Takelwerks, der Marmormassen, der riesigen Stämme, der dicken Säcke aus groben Stoff, Segel…” Zwischen “erfasste” und “Segel” besteht eine solche Zweideutigkeit, dass (z) im Verhältnis zu b(erfasste~Segel) als z=2+1(n/10) geschrieben wird. Da Baudelaire selbst die wichtige Rolle des Reisens in seiner Eingebung unterstrichen hat, können wir die Zeile «…Amber, Moschus, Benzoe und Weihrauch…» von diesem Gesichtspunkt aus betrachten. Wie ein siegreicher Fürst, der Besiegte vertrieb, übertrifft ein scharfer, verdorbener, überseeischer Duft einen sanfteren, der nicht zum Durchbruch kommt.

§341
· Bastion und Pfad
Theorie

Die letzten drei Knötchen (ó, ú, ý) weisen nicht nur eine Abhängigkeit gegen die Collage auf, sondern auch eine weitere gegen ein zweites Element, das “Pfad” genannt wird. Der Pfad ändert sich je nachdem, ob er sich auf die Bastion (ó), oder den Lotsen (ú), oder die Mole (ý) bezieht. Daher symbolisieren wir den Pfad durch ó*, ú* oder ý*. Der Pfad ó* der Bastion nimmt den Wert 2 an, wenn ein kleines oder größeres Anzeichen des Riegels in der Nähe des Geländes zum Vorschein kommt. Da das kleine Rätsel durch dieses Anzeichen bereits etwas gelüftet ist, wird die Redewendung abgestumpft. In den anderen Fällen erreicht (ó*) den Wert 1, und das Gitter bleibt bestehen. In jeder Lage schreiben wir ó=((áæßœ)(ó*)), was zu den Lösungen ó=((áæßœ)(1)) oder ó=((áæßœ)(2)) führt.

Methode

In der Wendung “Trinken Sie eine Vision” ist “Droge” der Riegel des Geländes “Vision”. Mit “Trinken Sie ein Mittel zur Vision” entsteht die Grundlage zum Pfad ó*=2, was zu ó=((áæßœ)(2)) führt.

Anwendung auf Baudelaire

Die Entsprechungen könnten für einfache illusorische Dinge gelten. Ein dauerhaftes Gefühl zwingt oft einen Atheisten dazu, einem Ritus aus seiner Kindheit zu folgen. Hier sehen wir, wie eine Entsprechung auf dem aus der Kindheit Erwachsenen lastet. Oft führt eine starke Überzeugung insbesondere im Traum eine ähnliche Wirkung wie ein Rauschmittel herbei. Im folgenden Ausschnitt liefert uns Balzac zugleich Fiktion und Überlegung [62]: «"Durch welche Mittel können sich diese seltsamen Erscheinungen ereignen?" fragte Ursula. "Was hielt mein Pate davon?" -"Liebes Kind, Ihr Pate ging mit Voraussetzungen vor. Er hatte die Möglichkeit einer geistigen Welt, einer Welt der Ideen erkannt. Wenn die Ideen dem Menschen eigen sind, wenn sie ein eigenes Leben führen, müssen sie Gestalten annehmen, die für unsere äußeren Sinne unfassbare Formen haben. Dabei müssen diese Ideen unter bestimmten Bedingungen für unsere inneren Sinne wahrnehmbar sein…Bewegen sich jedoch die Ideen in der geistigen Welt, so hat ihnen Ihr Geist bei seinem Eintritt in diese Ideenwelt begegnen können. Diese Erscheinungen sind keineswegs seltsamer als diejenigen des Gedächtnisses, und diejenigen des Gedächtnisses sind ebenso überraschend und unerklärlich wie die Düfte der Pflanzen…»

§342
· Lotse
Theorie

Der Pfad ú* des Lotsen (ú) nimmt den Wert ú*=2 an, wenn ungewöhnlich angewandte Worte oder Symbole im Rost Zweifel auf die Wendung werfen. Dadurch wird die Wendung im Wesentlichen nicht beeinträchtigt, und die Lüftung bleibt ebenfalls unberührt. Wichtig ist, dass wir unser Urteil nach und nach in Frage stellen, selbst wenn unsere Neigung für den Filz erhalten bleibt. Wenn diese geringe Gefahr der Unwahrscheinlichkeit nicht vorhanden ist, nehmen wir an, dass ú* dem Wert 1 gleicht. Der Lotse schreibt sich auf jeden Fall ú=((áæßœ)(ú*)).

Methode

Jeder Autor hat seine eigene Vorstellungsart, was dem Kenner die Möglichkeit bietet, über diese Besonderheiten der Ausdrucksweise hinwegzukommen. In dieser Hinsicht ist es von Vorteil, sich die Lieblingsworte der Autoren zu merken.

Anwendung auf Baudelaire

Was “Der Mensch sich in die Orakel einschleicht” betrifft, stellt man das Schema (Orakel/-einschleicht) und den Riegel “heilige Stätte” fest. Die Projektion besteht aus “Der Mensch schleicht sich in die heiligen Stätten ein, wo Orakel gegeben werden”. Dabei schadet das Verb “sich einschleichen” der Erfassung der Sinne. Wir wissen, dass es Fälle gibt, in denen Hindernisse überwunden werden müssen, um an einem Kult teilzunehmen, aber dies genügt nicht, um die Zweideutigkeit zu beseitigen. Die Berge, die sozusagen die Säulen der Welt darstellen, beherbergen manche Altäre, weil sie näher zum Himmel stehen, so dass wir sie uns als von den Göttern begünstigt vorstellen [131]: «Die Stimme des Herrn erschallt über den Wassern, der Gott der Ehre donnert, der Herr, über großen Wassern.» Die Streitereien zwischen den Nachbarn legen ein indirektes Zeugnis über das biblische Volk ab [122]: «Aber die Großen des Königs von Aram sprachen zu ihm: Ihre Götter sind Berggötter, darum haben sie uns überwunden. Aber wenn wir mit ihnen in der Ebene kämpfen könnten -was gilt’s, wir wollten sie überwinden!» Die Entfernung zur antiken Kultur lähmt den nur oberflächlich gebildeten Ausdeuter, der diese Schriften aus der Vergangenheit ins Auge fasst. Es bleibt jedoch möglich, das Baudelaire durch seine Überempfindlichkeit und die hervorragende Bildung seiner Lehrer eine verfeinerte Idee der "hohen Stätten" hatte, wie sie die hergebrachte Denkweise darstellt.

§343
· Mole
Theorie

Für die Mole (ý) hat der Pfad ý* unabhängig von der Lüftung im Falle eines fachlichen Anscheins des Zusammenhangs den Wert 2. Es wäre nämlich möglich, dass wir nicht mit einem gewöhnlichen Ausdruck sondern mit Fachsprache zu tun haben. Dadurch wird der Filz unsicher, was eine Teilung seiner Glaubhaftigkeit durch 2 berechtigt. Andernfalls erreicht der Pfad ý* den Wert 1 und er hat in der Berechnung keinen Einfluss. In beiden Fällen, ý*=2 oder ý*=1, schreiben wir ý=((áæßœ)(ý*)).

Methode

Nehmen wir an, dass der Schaffende auf einen ungewöhnlichen Ausdruck stößt, den er jedoch beibehält, um an seinem ganzen Text nichts zu ändern. Der fachlich klingende Ausdruck rechtfertigt die Teilung des Gitters durch 2, da der Schaffende die Zweideutigkeit in Kauf genommen hat.

Anwendung auf Baudelaire

Für den Satz “physiologisch regen sich die Körper in der Ekstase an” wird der Riegel “Leute” bezüglich (Körper/-an.regen) gefährdet, weil das Gelände “Körper”, ohne einer besonderen Erklärung zu bedürfen, sich mit seiner eigenen inneren Vorstellung nämlich begnügen kann. Somit hätten wir nur mit einer Ungeschicklichkeit und nicht mit einer Redewendung zu tun. Das Schema (symbolisiert/-Wasser) mit dem Rost “Wasser symbolisiert mit Feuer” verdient anscheinend die Krypta “Wasser entspricht dem Feuer als Gegensatz zu demselben”. Wenn wir áæßœ=1 bereits angenommen haben, passt in diesem besonderen Zusammenhang der Wert ý=2, denn das Verb “symbolisiert” klingt als Fachwort, was über die Bedeutung Zweifel aufwirft [427]-[502].

§344
· Einverleibung
Theorie

Die Einverleibung besteht darin, dass ein Tartan einen Filz in den Schatten stellt. Verallgemeinernd können wir sagen, dass ein Begriff, das zugleich in zwei Redewendungen vorkommt, dazu führt, dass die eine weniger zur Geltung kommt als die andere, was zur Folge hat, dass die schwächere an Glaubhaftigkeit verliert. Um diesem Schicksal zu entgehen, muss jede einzelne Redewendung eine Einzelheit aufweisen, die zum Verständnis der Bedeutung notwendig ist. Es gibt Texte, in denen zwei Filze, wie es folgende Zeile zeigt, ihre Kraft gegen einen Tartan bewahren [[1141]] in Index II (Gedichte)">[[1141]]: «…die traurige Schönheit, auf die meine Begierde verzichtet.» Die Stelle weist zwei Seiten auf. Einerseits "…die traurige Frau, auf die meine Begierde verzichtet.” Andererseits "…die traurige Schönheit, auf die ich verzichte.” Wir gewinnen zwei Filze: (Schönheit/-traurige) und (Begierde/-verzichtet). Der Riegel “Frau” ersetzt “Schönheit”, und “ich” gibt den Schlüssel für “Begierde”. Der Tartan (Schönheit-/Begierde-/verzichtet-/meine) würde bedeuten: “…wie die Schönheit die Begierde beeinflusst, wirkt auf mich der Verzicht”. Es liegt auf der Hand, dass die Filze von höherem Interesse sind als der Tartan, den wir nur mühsam aufgestellt haben.

Methode

Eine peinliche Untersuchung würde es nötig machen, Einverleibung, Stärkung und Amalgam miteinander zu vergleichen, da diese drei Erscheinungen dann aufkommen, wenn kräftige Bilder enge Bindungen haben.

Anwendung auf Baudelaire

Betrachten wir die Schiene “die Stadt ist eine Kirche, in der der Dichter als Priester die Gnade preist”, die zum Tartan (Stadt-/Kirche-/Dichter-/Priester) führt, welchem letztendlich der Filz (Gnade/-Dichter) einverleibt wird. Wir müssen uns jedoch überlegen, ob das Gelände “Gnade” in “Schönheit” keinen unausweichlichen Kommentar bekommt. In diesem Fall wäre “Schönheit” der Riegel der berechtigten Redewendung (Gnade/- Dichter). Folgende Projektion würde diese Intuition hervorheben: “die Stadt ist eine Kirche, in der der Dichter als Priester die Gnade oder die Schönheit preist”. Dabei nimmt der Riegel “Schönheit” das Gelände “Gnade” wieder auf, so dass der Filz an Gewicht verliert. Schließlich gelingt die Einverleibung des Filzes (Gnade/-Dichter) durch den Tartan (Stadt-/Kirche-/Dichter-/Priester). Die Mehrdeutigkeit “Schönheit-Gnade- Vorsehung-Auserwählung-Barmherzigkeit” bleibt bestehen, ohne einen sehr glaubhaften Filz zu bestimmen. Wir werden davon absehen, uns vorzustellen, dass Baudelaire sich als Philosoph der metaphysischen oder religiösen Entsprechungen betrachtete. Er schreibt nämlich [712]: «Wie alle meine Freunde habe ich öfter versucht, mich in ein System zu hüllen, um darin in aller Bequemlichkeit zu predigen. Aber ein System ist eine Art Verdammung, die uns zu einer immer währenden Abschwörung treibt. Es ist also immer notwendig, ein neues System zu ersinnen, und diese Anstrengung ist eine grausame Bestrafung.»

§345
· Messung der Anhöhe
Theorie

Versuchen wir, die acht Knötchen in Messungen der Glaubhaftigkeit anzuwenden. Fangen wir für den Filz (wir steilen/-die steige) der den Rost “…wir steilen die steige Treppe hinauf…” besitzt, mit der Anhöhe (á) an. Diese Redefigur nimmt die Anhöhe á=2 an, denn sie beruht im Wesentlichen auf der Vertauschung der Klänge.

Methode

Das Komische betreffend verhalten sich die Filze gleichgültig: sie haben es nicht nötig und stehen dem auch nicht im Wege. Des Weiteren geht es dem Dramatischen ähnlich.

Anwendung auf Baudelaire

Lautmalende Wörter bieten zahlreiche Möglichkeiten, zur Anhöhe 2 zu gelangen. Es handelt sich um eine Art Entsprechung, die wir noch in «sanft» verfolgen können, das auch sanft klingt. Wenn wir sagen, dass die Eichen zu Dodona von Zeus’ Botschaft rauschen, klingt das Verb "rauschen" wie die Blätter im Wind. Im Geist des Dichters überstürzen sich mit dem Klang der Wörter fortwährend die Gedankenbilder. Jakobus Voraginus denkt lange über eine berühmte Persönlichkeit nach [968]: «Entweder wird der Name "Silvester" von "silvas" (Wald) und "trahens" (derjenige, der anlockt) abgeleitet, oder dieser Name wird, wie es in Glossaren steht, mit dem Grünen verknüpft. Einerseits hat der Heilige Silvester die ungebildeten, harten Waldmenschen zum Glauben angelockt. Andererseits erinnert der Name an das Ländliche, das Schattige und das Bewaldete. Diesem Heiligen begegnete das Grüne, als er in den Himmel blickte. Das Ländliche eignete er sich an, indem er an sich selbst laborierte. Da er sich der brennenden Begierde nicht aussetzte, führte er ein Schattendasein. Unter den Bäumen im Himmel gehört er eindeutig zum Wesen des Holzes.»

§346
· Messung des Reglers
Theorie

Betrachten wir den Regler (æ) von (Taumel/-verherrlichen), der “…die den Taumel verherrlichen…” als Rost besitzt. Ersinnen wir die Projektion “…die den Taumel der käuflichen Ekstasen…” Da die Kodierung dem Publikum nicht zugänglich ist, wird æ=2 gerechtfertigt. Der Riegel “käuflichen Ekstasen” wirkt zu eng und zu einschränkend zugleich, obwohl die Schiene die Düfte und die Verderbnis erwähnt. Das Bild kann sich nur als indirekten Aspekt eines anderen entwickeln -es sei denn wir den Mangel an Lüftung akzeptieren.

Methode

Vorübergehend werden wir die Vorstellung zurückwerfen, dass ein Schriftstück sich an verschiedene Publikumsarten wendet, von denen die eine fähig wäre, den Filz zu begreifen, während die andere denselben nicht beachten kann, weil unsere Analyse auf der schematischen Ebene hier bleibt.

Anwendung auf Baudelaire

Für (Geflügelfleisch/-Düfte) mit dem Rost “Es sind frische Düfte wie Geflügelfleisch…” hätte der Riegel “Kokotte” (Putput), das heißt Halbweltdame, keine Augenscheinlichkeit. Die Schiene nach dieser Kodierung zu deuten, würde dem Filz durch das Geheimnis des nötigen Kontakts zum Publikum berauben. Dies würde also abermals zu æ=2 führen, da der Filz auf dem einfachen Rätsel beruht. Halten wir uns fern der übereilten Urteile über Baudelaires Freudinnen und bewundern wir selbst die Zweifelhaftesten weiter [[1135]] in Index II (Gedichte)">[[1135]]: «Heute Abend träumt der Mond träger
Wie eine Schönheit auf vielen Kissen,
Die mit einer leichten, zerstreuten Hand
Vor dem Einschlafen die Umrisslinie ihrer Brüste streichelt.

Dem Tode nahe auf dem seidenweichen Rücken der Lawinen aus Weißwäsche
Gibt sich langsam das Gestirn dem Liebessehnen hin.
Es streift mit den Augen die weißen, geistigen Schauen,
Die wie Blüten in den Himmel emporsteigen.

Wenn es in seinem sanften Müßiggang
Auf unser Erde eine schnelle Träne vergießt,
Liest ein frommer, schlafloser Dichter diese bleiche Träne auf.

Er schüttet sie mit der Hand an sein Herz,
Um das Stück Opel mit wechselnden Schimmern
Vor den Augen der Sonne zu schützen.» 148

§347
· Messung des Podiums
Theorie

Für den Rost “…und andere verdorben…wie Benzoe und Tränen…” verstehen wir, dass der Filz (Tränen/-Benzoe) von einer Einverleibung bedroht wird, die von der Verpflanzung (verdorben-/Benzoe-/ Tränen) herrührt, welche den Vorplatz (durch Reichtum verdorben-.-Benzoe-.-durch Schwäche verdorben-.- Tränen) verdient. Die Mischung der Vorstellungen “Benzoe” und “Tränen” dürfte uns zu ß=2 führen, weil die Versetzung von Bildern, die auf verschiedenen Ebenen liegen, eher zum Tartan als zum Filz führt. Aber diese Beurteilung bringt nichts. Im Geist der Zeit, in dem sich das Publikum bewegt, ist der Ausdruck "Weihrauchtränen" ein Gemeinplatz, was die Vermutung einer Mischung von Bildern vereitelt. Daher schreiben wir ß=1. Der Weihrauch fließt in Tränen aus einem Einschnitt in der Rinde des Weihrauchbaums. Über die Analogie "Tränen-Ausscheidung" vergessen wir, dass Benzoe und Tränen nicht auf einer Ebene liegen. Wenn wir in der Nähe von “Benzoe” “Tränen” lesen, denken wir sofort an Weihrauch, da beide traditionelle Luxusdüfte sind. So nimmt “Tränen” den Riegel “Weihrauch” an, und dadurch erreicht das Podium (ß) für den Filz (Tränen/-Benzoe) den Wert 1.

Methode

Da die Filze schlechte Tartans sind, die sehr knapp scheinen und die Bilder oft wenig mischen, spielt das Podium seine Rolle und trennt im Allgemeinen beide Kategorien. Zur berechtigten Anwendung dieses Kriteriums müssen wir jedoch jeden Text sorgfältig prüfen.

Anwendung auf Baudelaire

Bezüglich “…der Stamm, dieser Verwundete vergießt Tränen…” wäre (Stamm-/Verwundete-/ Tränen) voll berechtigt, was uns bezüglich (Tränen/-Stamm) die Möglichkeit gäbe, ß=2 zu schreiben. Die Schwäche schließt den Sieg nicht aus [147]: «Es bat ihn aber einer der Pharisäer, bei ihm zu essen. Und er ging hinein in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tisch. Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Als die vernahm, dass er zu Tisch saß im Haus des Pharisäers, brachte sie ein Glas mit Salböl und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit Salböl.»

§348
· Messung des Verdünners
Theorie

Versuchen wir, den Verdünner (œ) zu werten, der nur die Bijektion benötigt, um den Wert 1 zu erreichen. Der Rost “Wie lange, kräftige Echos…” der den Filz (kräftige/-Echos) aufweist, wirkt etwas überlastet. Es handelt sich jedoch eher um eine Ungeschicklichkeit als um eine Sinnverschiebung, so dass wir auf œ=2 schließen.

Methode

Um behaupten zu können, dass eine kräftige Änderung bezüglich des Sinns eines Wortes vorliegt, brauchen wir zum Kontrast eine große Anzahl von gewöhnlichen Fällen. Es scheint uns klar, dass die Wendung “er erblickt ein Segel” einen Sprachgebrauch leicht ändert, weil der Ausdruck “er erblickt ein Schiff” gebräuchlicher ist. So zeichnen sich die Filze scharf gegen die sprachliche Wirklichkeit ab, die aus den geläufigsten Redemustern besteht.

Anwendung auf Baudelaire

Da jeder Einzelne seinen Sprachgebrauch beliebig geringfügig ändern kann, bestehen für den Ausdeuter trotz einer breiten Materialsammlung Schwierigkeiten in der Bestimmung der Filze. Das Gedicht „Entsprechungen“ liefert uns für «…In einer finsteren und tiefen Einheit…» keinen eindeutigen Sinn. Der Filz (Einheit/-in) könnte zusammen mit dem Riegel “Denken” in Betracht gezogen werden, was zur Projektion “…in einer finsteren und tiefen Einheit des Denkens…” führen würde. Wenn Baudelaire die angeborenen Vorstellungen des Menschen, oder deren göttliche Grundlage erwägt, schlagen sich die Ideenverhältnisse unserer Einbildungskraft in unserem Bild der Wirklichkeit nieder. Germaine von Stael schrieb [933]: «Es ist eine schöne Vorstellung, die zwischen den Gesetzen des menschlichen Verstands und den Gesetzen der Natur eine Ähnlichkeit zu finden versucht. Aus dieser Perspektive spiegelt sich die physische Welt in der moralischen Welt wider, wie das Leder oder das Edelmetall in den Händen des Handwerkers die Form der Punze annimmt…Diese laufenden Metaphern, die unsere Gefühle mit wirklichen Erscheinungen vergleichen, entstammen nicht einem eitlen Spiel unserer Einbildungskraft. Wir setzen die Traurigkeit und einen bewölkten Himmel gleich. Wir empfinden die Ruhe der Gedankenwelt und die silbrigen Strahlen des Mondes. Wir verspüren Zorn in den von den Winden getriebenen Fluten. Eine und dieselbe göttliche Absicht, die sich zweierlei Sprachen bedient, von denen die eine die Stimme des anderen wiedergibt.»

§349
· Messung der Garbe
Theorie

Betrachten wir die Garbe (í) des Filzes (Baudelaire/-Sie), der auf folgenden Rost verweist “Gott oder die Gesellschaft braucht Sie als Resonanzkörper oder Warnsignal: zu einem wichtigen Zeitpunkt in der stufenweise Änderung der Sitten hat auch er seine Rolle gespielt -Baudelaire!” Es ist nicht ganz sicher, dass dies “Sie sind ein Baudelaire” bedeutet, aber die Möglichkeit darf nicht ausgeschlossen werden. Mangels einer eindeutigen Verbindung, ist es nicht möglich, die innere Räumlichkeit von b(Baudelaire~Sie) als 1 zu bestimmen. Wir müssen daher auf die Zählung der Fronten, die zwischen den Begriffen “Sie” und “Baudelaire” stehen, zurückgreifen. Es sind 11 an der Zahl. Stellen wir uns eine Collage áæßœ=1 und schreiben wir z=2+(1(11/10))=2+(1(1,1))=2+1,1=3,1. Daraus ergibt sich für í=((áæßœ)(z)) ein Wert í= ((1) (3,1))=3,1.

Methode

Das Gitter kann nun nicht höher als 1/3,1 liegen, da die anderen Risikomessungen, die im Nenner des Gitters stehen, das Umgekehrte des Gesamtprodukts nie steigern, sondern ihn nur mindern können.

Anwendung auf Baudelaire

Der Glaubhaftigkeitsgrad 1/3,1 scheint angepasst zu sein, weil das Gelände und der Korridor zueinander eine ungewisse intuitive Beziehung haben. Schreiben wir eine mögliche Projektion, die den Riegel “Prophet” in Anspruch nehmen würde: “Gott oder die Gesellschaft braucht Sie als einen Baudelaire, als einen Propheten!” Die höchsten Aufträge sind nur selten mit einem Beruf der Routine vereinbar, was Frau von Stael ihrerzeit wohl aufgefallen ist [918]-[930]: «Von einer Wissenschaft nur das zu wissen, was derselben eigen ist, heisst den freien Künsten die Arbeitsteilung anzuwenden, wie sie von Smith beschrieben wird und nur auf die praktischen Künste angewendet werden kann.» Im Gegensatz kann ein mit breiter Perspektive ausgebildeter Geist die Entsprechungen erfassen [128]: «König Belsazar machte ein herrliches Mahl…Im gleichen Augenblick gingen hervor Finger wie von einer Menschenhand, die schrieben gegenüber dem Leuchter auf die getünchte Wand in dem königlichen Saal…Da fing Daniel an und sprach… Den Gott aber, der deinen Odem und alle deine Wege in seiner Hand hat, hast du nicht verehrt. Darum wurde von ihm diese Hand gesandt und diese Schrift geschrieben. So aber lautet die Schrift, die dort geschrieben steht: "Mene mene tekel u-parsin." Und sie bedeutet dies: "Mene," das ist, Gott hat dein Königtum "gezählt" und beendet. "Tekel," das ist, man hat dich auf der Waage "gewogen" und zu leicht befunden. "Peres," das ist, dein Reich ist "zerteilt" und den Medern und "Persern" gegeben.»

§350
· Messung der Bastion
Theorie

Setzen wir für die Wendung (Prisma/-Tages) eine Collage 1 voraus. Im Rost “…weit wie das Prisma des Tages und wie die Nacht…” verbinden wir “Prisma” mit “Tages”, denn der Physiker zerlegt die Sonnenstrahlen dank des festen und lichtdurchlässigen Körpers, der als Prisma bezeichnet wird [252]-[527]. Hier wird der Riegel “Klarheit” durch “Tages” fast doppelt angegeben, was den Filz abstumpft, weil das innere Rätsel fast ganz verschwindet. Der Pfad ó*=2 gibt die Minderung der Glaubhaftigkeit wieder, die sich auf diese Wendung bezieht. Die Bastion (ó) wird über diesen Pfad errechnet: ó=((áæßœ)(ó*))=((áæßœ) (2)). Mit “…weit wie das Prisma und die Nacht…” hätten wir für unseren Filz Kraft gewonnen.

Methode

Da die Knötchen (í, ó, ú, ý) in der Form ((Collage)(Pfad)) erscheinen, genügt áæßœ=2, um zu einem bedeutungslosen Gitter zu gelangen. Es kann nämlich auf keinen Fall höher als 1/áæßœíóúý=1/((áæßœ)(í) (ó)(ú)(ý))=1/((2)(í)(ó)(ú)(ý))=1/((2)(2)(2)(2)(2))=1/32 liegen. Im Gegensatz wären wir mit áæßœ=1 und nur ó* von Wert 2 zum Gitter ½ gelangt.

Anwendung auf Baudelaire

Joseph de Maistre beobachtet die Versuchungen der Nacht [515]: «Wie Sie wissen, liebe Freunde, ist die Nacht für den Menschen gefährlich. Wir lieben sie alle unbewusst, weil sie uns unsere Befangenheit nimmt. Die Nacht ist die natürliche Verbündete unserer Laster, deren Befehle sie ausführt. Diese verlockende Gefälligkeit hat zur Folge, dass wir alle in der Nacht allgemein weniger Wert sind als am Tag. Das Licht verscheucht das Laster, während die Nacht ihm seine ganze Macht wieder gibt, so dass die Tugend erschrickt. Abermals ist die Nacht nichts wert für den Menschen. Sind wir deswegen nicht alle Götzendiener zu ihr und dies eher zum Schlimmsten? Wer kann sich rühmen, die Nacht nie zum Übel beschworen zu haben?»

§351
· Messung des Lotsen
Theorie

Betrachten wir die Wendung (infant/-chairs) (Infant-Haut) mit ihrem Rost “…au rappel de ces jeunes filles aux chairs d'infant si longtemps admirées, il sentit un transport…” (…in der Erinnerung an diese jungen Mädchen mit ihrer [kindlichen] Infantenhaut, die er so lange bewundert hatte, geriet er in einen Taumel…) Wir müssen einen Pfad ú*=2 anwenden, weil “infant” in einem seltsamen Zusammenhang vorkommt. Es genügt ein unbestimmter Sinn, oder ein ungewöhnliches Anzeichen, um dem Lotsen die Ergänzung ú*=2 liefern zu können. Die Berechnung geschieht wie folgt: ú=((áæßœ)(ú*))=((áæßœ)(2)).

Methode

In den Fällen, in denen die Unterscheidung zwischen Ungeschicklichkeit, Zerstreuung und unklaren Anzeichen unmöglich ist, stützen wir uns auf das Ganze als Grundlage für ú*=2, um seine Anwendung niemals zu vergessen. Selbst etwaige Druckfehler werden dem Publikum gelegentlich als Hindernisse zu einem glaubhaften Sinn vorkommen.

Anwendung auf Baudelaire

Da manche Kodierung dem Ausdeuter unzugänglich bleibt, muss sich die Kritik der einfachsten Deutung als Anhaltspunkt bedienen. Und es kommt trotzdem vor, dass hinter einer einfach wirkenden Deutung eine furchtbare Bedeutung liegt. Die Zärtlichkeit, die wir mit Baudelaire ernst nehmen, weil er sich andernweitig so grausam verhält, muss selbst in Frage gestellt werden [[998]] in Index II (Gedichte)">[[998]]: «…Mir war als atmete ich den Duft deines Blutes.
Wie schön ist der Sonnenschein an den warmen Abenden…Werden diese Liebesschwüre, diese Düfte, diese endlosen Küsse…wiedergeboren,
Wie verjüngte Sonnen, die sich in tiefen Meeren geläutert haben,
In den Himmel emporsteigen?»

§352
· Messung der Mole
Theorie

Betrachten wir den Filz (magnetisieren/-Frauenhäute) mit dem Rost “Es sind Frauenhäute, die einen in ihren Bann magnetisieren…” Die Wendung “Es sind” scheint am Platze zu sein, um den gewöhnlichen wissenschaftlichen Ton auszuschließen. So ist die Lüftung gesichert, aber was an Expertenton übrig bleibt, wirft darüber Zweifel auf, dass der Riegel des Filzes (magnetisieren/-Frauenhäute) einfach bedeutet, dass die Häute zur Liebe treiben. Die Anspielung auf den Magnetismus führt einen dazu, zu überlegen, ob der Autor nicht über Kenntnisse verfügt, die dem Leser fehlen. Diese leichte Unsicherheit, die mit der Zweideutigkeit der Wendung zusammenhängt, führt uns dazu, dem Pfad (ý*) den Wert 2 zu geben, was bezüglich dieses schwachen Filzes auf eine Mole ý=((áæßœ)(2)) hinausgeht.

Methode

Die Nebenrollen, die der Wissenschaftler seit der Antike sowohl in der Kunst, als auch in der Philosophie und Politik übernimmt, bieten häufige Gelegenheiten, den Pfad ý*=2 in Anspruch zu nehmen.

Anwendung auf Baudelaire

Umgekehrt wird der Schriftsteller mit Goethe zum gelegentlichen Naturhistoriker. Dieser beschreibt die natürlichen chemischen Stoffe wie Jugendliche, die einander manchmal grausam lieben [254]-[418]: «Man muß diese totscheinenden und doch zur Tätigkeit innerlich immer bereiten Wesen wirkend vor seinen Augen sehen, mit Teilnahme schauen, wie sie einander suchen, sich anziehen, ergreifen, zerstören, verschlingen, aufzehren und sodann aus der innigsten Verbindung wieder in erneuter, neuer, unerwarteter Gestalt hervortreten…»

§353
· Anhöhe des 1. Gitters
Theorie

Versuchen wir, die Glaubhaftigkeit eines Gitters von Grund auf zu errechnen. Der Rost “…aus der Korrespondenz der Denker erraten wir die Verhältnisse zwischen den Dingen…” verdient den Vorplatz (Korrespondenz-.-Denker-.-Verhältnisse-.-Dingen) für den Filz (Korrespondenz/-Denker). Die Anhöhe hat den Wert á=1, weil es sich nicht um ein Spiel auf den Klängen handelt, das der Bohrung im Wege stünde.

Methode

Die Wiederverwendung der ersten vier Knötchen, die die Collage bilden, zur Errechnung der letzten vier Knötchen, macht es wichtig, die ganze Errechnung des Gitters zu verfolgen.

Anwendung auf Baudelaire

Da die Kunst eine Beziehung zum Handwerk und das Handwerk eine Beziehung zur Wissenschaft hat, war seit längerer Zeit zwischen diesen drei Ebenen ein Gedankenaustausch zu Stande gekommen. Der deutsche Romantiker, der ein peinlicher Beobachter der Natur war, beschrieb die chemischen Entsprechungen im Wesentlichen wie folgt [254]-[416]: «Zum Beispiel was wir Kalkstein nennen ist eine mehr oder weniger reine Kalkerde, innig mit einer zarten Säure verbunden, die uns in Luftform bekannt geworden ist. Bringt man ein Stück solchen Steines in verdünnte Schwefelsäure, so ergreift diese den Kalk und erscheint mit ihm als Gips; jene zarte luftige Säure hingegen entflieht. Hier ist eine Trennung, eine neue Zusammensetzung entstanden und man glaubt sich nunmehr berechtigt, sogar das Wort Wahlverwandtschaft anzuwenden, weil es wirklich aussieht als wenn ein Verhältnis dem andern vorgezogen, eins vor dem andern erwählt würde.»

§354
· Regler des 1. Gitters
Theorie

Der Regler von (Korrespondenz/-Denker) nimmt die Ebene æ=1 an, weil der Schaffende uns das Publikum das besondere Spiel der Begriffe des Filzes nicht übersehen können. Das Gegenteil wäre bei einem solchen Rost überraschend: “…aus der Korrespondenz der Denker erraten wir die Verhältnisse zwischen den Dingen…”

Methode

Da das Prinzip der Lüftung des weit geteilten Bewusstseins einer beliebigen Wendung liegt, wird es zu einer Lüftung kommen, selbst wenn der Rost eine Wendung aufweist, die kein Filz ist.

Anwendung auf Baudelaire

Der Gedankenaustausch zwischen Leuten mit unterschiedlicher Bildung führt oft dazu, die Strenge zu vernachlässigen, was die Illusion von scheinbaren Entsprechungen begünstigt. Goethe warnte seine Leser vor einem einfachen Vergleich zwischen der Liebe unter Jugendlichen und der chemischen Tätigkeit der Stoffe [254]-[417]: «Diese Gleichnisreden sind artig und unterhaltend, und wer spielt nicht gern mit Ähnlichkeiten? Aber der Mensch ist doch um so manche Stufe über jene Elemente erhöht, und wenn er hier mit den schönen Worten Wahl und Wahlverwandtschaft etwas freigebig gewesen, so tut er wohl, wieder in sich selbst zurückzukehren und den Wert solcher Ausdrücke bei diesem Anlaß recht zu bedenken.»

§355
· Podium des 1. Gitters
Theorie

Der Filz (Korrespondenz/-Denker) weist zur Genüge die Mischung der Bedeutungen auf, die in der Vorstellung von “Korrespondenz” steckt, es ist leicht zu begreifen, dass der Briefwechsel einerseits und die metaphysischen Beziehungen in der sinnlichen Wirklichkeit andererseits zwei getrennte Bereiche darstellen. Das Podium (ß) von (Korrespondenz/-Denker) erreicht folgerichtig 2, und es kommt an Stelle des Filzes eine hervorragende Analogie zustande: (Korrespondenz-/Denker-/Verhältnisse-/Dingen).

Methode

Da wir nun wissen, dass (ß) den Wert 2 annimmt, wissen wir im Voraus, dass das Gitter 1/áæßœíóúý niedriger als die Schwelle der Nietung liegen muss. Da das Podium (ß) zur Collage (áæßœ) gehört, kann die gesamte Collage dessen Wert 2 nicht unterschreiten. So werden die Knötchen í, ó, ú, ý durch Collage viermal den Wert dieser numerischen Größe ß=2 annehmen.

Anwendung auf Baudelaire

Eine Entsprechung verbindet Leute oder Dinge, und der gelehrte Dichter auf der rechten Rheinseite beschrieb die Welt der natürlichen Stoffe wie eine Gesellschaft [254]-[415]: «Die meiste Ähnlichkeit jedoch mit diesen seelenlosen Wesen haben die Massen, die in der Welt sich einander gegenüber stellen, die Stände, die Berufsbestimmungen, der Adel und der dritte Stand, der Soldat und der Zivilist. Und doch, versetzte Eduard, wie diese durch Sitten und Gesetze vereinbar sind, so gibt es auch in unserer chemischen Welt Mittelglieder, dasjenige zu verbinden, was sich einander abweist.»

§356
· Verdünner des 1. Gitters
Theorie

Der Verdünner (œ) von (Korrespondenz/-Denker) lässt sich mit der Größe œ=1 beschreiben. Im Rost ist eine Art oberflächlicher Wiederholung zwischen “Korrespondenz” und “Verhältnisse” spürbar, die dem gewöhnlichen Gedankengang zu folgen scheint. Wir können uns davon überzeugen, indem wir den Rost noch einmal lesen: “…aus der Korrespondenz der Denker erraten wir die Verhältnisse zwischen den Dingen…” Das Gelände enthält eine einfache und zugleich fruchtbare Vorstellung, die ein einziges Feld symbolisiert. Der Riegel “Beziehung” hat eine Bedeutung, die keine Zweideutigkeit aufweist. Dieser Begriff “Beziehung” führt zu keiner Wiederholung des Geländes oder des Korridors. Schließlich begreifen wir, dass der Übergang von “Korrespondenz” zu “Beziehung” eine gründliche Sinnverengung bedeutet.

Methode

Da in den Phantasietexten überall Anzeichen von Zweideutigkeiten überall zu finden sind, ziemt es sich, die Anwendung dieser Kategorie auf die augenscheinlichsten Fälle zu beschränken. Das Urteil œ=2 darf nur in diesem Rahmen gefällt werden.

Anwendung auf Baudelaire

Die Vorstellungen von “Entsprechungen” und “Natur” werden oft aus mehreren Bereichen abgeleitet. Es handelt sich nämlich um Werke, die in der künstlerischen Absicht geschrieben wurden, um die Verbindungskraft inmitten der Dinge in der Chemie hervorzuheben. Um die Wahlverwandtschaften zu beschreiben, greift Goethe auf Ideen zurück, die denen von Entsprechungen sehr nahe liegen [254]-[418]-[915]: «Denken Sie sich ein A, das mit einem B innig verbunden ist, durch viele Mittel und durch manche Gewalt nicht von ihm zu trennen; denken Sie sich ein C, das sich eben so zu einem D verhält; bringen Sie nun die beiden Paare in Berührung: A wird sich zu D, C zu B werfen, ohne daß man sagen kann, wer das andere zuerst verlassen, wer sich mit dem andern zuerst wieder verbunden habe.»

§357
· Garbe des 1. Gitters
Theorie

Was den Filz (Korrespondenz/-Denker) betrifft, sehen wir, dass zwischen den beiden Begriffen kein Abstand liegt, denn der Rost bringt dieselben in engen Kontakt: “aus der Korrespondenz der Denker erraten wir die Verhältnisse zwischen den Dingen”. Die Sprungschanze b(Korrespondenz~Denker) hat die innere Räumlichkeit z=1 für diesen Rost nötig. Diese Anordnung führt zu einer Garbe í=((áæßœ)(1))=((2) (1))=2, weil die schlechte Collage trotz der guten Räumlichkeit erhalten bleibt.

Methode

Neben der Räumlichkeit sind die verwickelte Form und die Unklarheit des Inhalts die beiden anderen Hindernisse im Wege der engen Bedeutungsverhältnisse.

Anwendung auf Baudelaire

Der Leser braucht Zeit, um (Wald/-Gestirne) bezüglich “Der Wald beseelt Gestirne, Menschen, Entsprechungen, Tiere und Bäume” begreifen zu können. Ist der Riegel “Wirklichkeit”, hat er etwas Seltsames und führt zur Projektion “Der Wald der Wirklichkeit beseelt Gestirne, Menschen, Entsprechungen, Tiere und Bäume.” Der Abstand der Wendung erreicht den Wert 1, aber der Sinn der Projektion bleibt schwer verständlich. Die Einheit in der Verschachtelung hinge wie in der von Goethe ersonnenen Welt mit einer verborgenen Leitung zusammen [419]: «Wir hören von einer besondern Einrichtung bei der englischen Marine. Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, daß ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, daß sie der Krone gehören.»

§358
· Bastion des 1. Gitters
Theorie

Zur Bestimmung des Pfades ó* von (Korrespondenz/-Denker), müssen wir überprüfen, ob das kleine Rätsel, das der Filz enthält, durch ein Vorzeichen abgestumpft wurde. Im Rost “…aus der Korrespondenz der Denker erraten wir die Verhältnisse zwischen den Dingen…” bringt der Begriff “Verhältnisse” ein solches Vorzeichen. “Verhältnisse” und “Beziehung” haben eine Verbindung, so dass ihre beiden Bedeutungen zusammen ó*=2 bewirken und, da die Collage ihrerseits die Ebene áæßœ=2 besetzt, erreicht die Bastion den Wert ó=((áæßœ)(ó*))=((2)(2))=4.

Methode

Der überflüssige Charakter des neuen Sinnansatzes schränkt den Wert der übrigen Berechnung auf ein einfaches Mittel ein, dem Leser die Einzelheiten der Gesamtrechnung der Glaubhaftigkeit darzulegen. Es war seit einiger Zeit bekannt, dass ß=2, und da dieser Wert in der Collage (áæßœ) wieder vorkommt, wirkt er einerseits durch seine eigene Kraft (ß) in (áæßœ) und andererseits durch í, ó, ú ý. Er führt uns zu einem Minimum ((ß)(í)(ó)(ú)(ý))=((2)(2)(2)(2)(2))=32 an numerischem Produkt zwischen den Knötchen. Wenn ó=4 einmal bekannt ist, ändert sich mit ((ß)(í)(ó)(ú) (ý))=((2)(2)(4)(2)(2))=64 die Perspektive auf das Gitter.

Anwendung auf Baudelaire

Die Entsprechungen, Gegensätze oder Verwandtschaften wurden in der hergebrachten Denkweise als äußerst mächtige Wesen betrachtet. Aber über unserem Bewusstsein dieser Wesen laufen wir Gefahr zu vergessen, dass dieselben aus derselben Quelle stammen. Homer hatte diese Einigheit erfasst [442]: «Hört gut zu, ihr Götter. Prüft die Sache, und ihr werdet alles begreifen. Hängt alle, Götter und Göttinnen ein goldenes Tau am Himmel und klammert euch daran. Trotz eurer Anstrengungen werdet ihr Zeus, den höchsten Herrn, nicht vom Himmel auf die Erde herunterholen. Aber ich könnte nach Belieben Erde, Meer und Götter zugleich heraufholen.»

§359
· Lotse des 1. Gitters
Theorie

Für “…aus der Korrespondenz der Denker erraten wir die Verhältnisse zwischen den Dingen…” bleibt der Pfad ú* von (Korrespondenz/-Denker) beim Wert 1, denn der Stil weist keine Besonderheiten auf, wie es sich einfach feststellen lässt. Mit einer Collage áæßœ=2, die selbst durch ß=2 verursacht wird, nimmt der Lotse den Wert ú=((áæßœ)(ú*))=((2)(1))=2 an.

Methode

Die scheinbare Schwierigkeit unserer Berechnungen ist irreführend, und bei genauerem Hinsehen merken wir, dass wir uns, was die Beschreibung der Menschen betrifft, nur der gängigsten Vorgehensweise anschließen: der Gebrauch der Wahrscheinlichkeitsrechnung oder die Anpassung derselben an einen widerspenstigen Versuchungsgegenstand.

Anwendung auf Baudelaire

Einerseits muss der Gedanke als Untersuchungsobjekt behandelt werden können, weil er selbst eine Kraft darstellt. Andererseits hat der Versuch einer Verschmelzung der Subjektivität des Autors und des Ausdeuters zu nichts geführt. So ist es einfacher, die Denkweise des Autors von außen zu rekonstruieren -und wir versuchen die Glaubhaftigkeit dieses Denkens zu schätzen. Da es möglich ist, von Schemen, die ihr fremd sind, an eine Vorstellung anzuknüpfen, ist es umgekehrt ebenfalls möglich zu begreifen, was wir nicht durchweg billigen können. In gewissen Fällen war die Infragestellung leicht anzunehmen, aber es ist nicht mehr der Fall, was nicht ausschließt, dass wir sie beschreiben können. Es ist insbesondere einfach sich des gängigen Bedarfs an Wörtern, Bildern, Steinbildern zu bedienen, um den Abstand zwischen dem Alltag und dem Anspruch auf eine einheitliche metaphysische Vorstellung zu überbrücken. Apuleius wusste die volkliche Stimmung dieser Riten zu beschreiben [17]: «Als wir die Schwelle des Tempels erreicht hatten, ziehen der hohe Priester und die Eingeweihten in das Gemach der Göttin. Den Umgang führten heilige Bilder und die Offizianten an, die in die heilige Stätte bereits eingelassen worden waren, und so wurden die lebendigen Bildnisse in die passende Ordnung gestellt.»

§360
· Mole des 1. Gitters
Theorie

Was die Mole (ý) von (Korrespondenz/-Denker) betrifft, kann der Pfad nicht den Wert 2 erreichen, da im Rost kein Anzeichen eines Expertentons zum Vorschein, kommt, das das Urteil über das Vorhandensein des Filzes in Frage stellen könnte. In dieser Hinsicht hält sich das Wortgut fast auf der Ebene des gesunden Menschenverstands. Da die Collage den Wert 2 annimmt, schreiben wir ý=((áæßœ)(ý*))=((2)(1))=2, und das bedeutungslose Gitter hat den scheinbaren Wert 1/áæßœíóúý=1/(1)(1)(2)(1)(2)(4)(2)(2)=1/64.

Methode

Der Pfad macht es möglich, den groben Rahmen der ersten Knötchen zu verfeinern. Zwischen geläufigen Denkweise und wissenschaftlicher Rede finden sich Mittelwege, wie die Schriften, die die Kenntnis allgemein verständlich machen. Bei dieser Gelegenheit wird der Pfad manchmal genützt, um einen geringen Irrtum zu meiden, was die Glaubhaftigkeitsbewertung betrifft.

Anwendung auf Baudelaire

Ein Dichter wird nur dann zum Spezialisten einer Doktrin, wenn er einem engeren Kreis angehört, der sich von der Allgemeinheit absondert. In solchem Fall muss das Publikum ganz anders betrachtet werden, als im Falle der anderen Künstler. Im Staat kommt es zu weniger engen Streitereien, so dass das Gefühl eines Triumphs für mehr Leute zutrifft als bei wissenschaftlichen Auseinandersetzungen. So lassen sich im Briefwechsel zwischen Denkern manchmal kräftige Töne feststellen, die jedoch allgemein verstanden werden. Inmitten der Glaubenskriege seiner Zeit schreibt du Bellay [285]: «Ich weiß, ihr Böse, ich weiß (denn ich kenne in mir,
Was ich in euch verspüren muss),
Ich weiß dass es nach eurer alten List nie
An schönen Reden und Ausreden mangeln wird,
Um diejenigen zu täuschen, die das Volk zu Recht
Zur Rache an euch anspornen wollen…» Der Wirbel der Schenken behält in der friedlichen Kultur den Keim eines Kampfes bei, den Diderot wie folgt schilderte [276]: «Ist es zu kalt oder zu regnerisch, suche ich im Café de la Régence Zuflucht, wo ich mich an den Schachspielern ergötzte…Bei Rey begegnen sich der tiefgehende Légal, der Fuchs Philidor und der standhafte Mayot. Dort kann man den überraschendsten Zügen beiwohnen und die übelsten Reden hören…»

§361
· Unbedeutendes Gitter
Theorie

Das Gitter von (temple/-Nature) (Tempel-Natur) liegt niedriger als 1/16: die Schwelle der Nietung, wie im vorigen Beispiel. Da das Spiel der Vorstellungen den Filz ergibt, führt die Anhöhe á=1 zu keinem Zweifel. Also stellt das N von «Nature» (auf Französisch überflüssig) trotz seiner materiellen Seite für die Bohrung kein Hindernis dar. Dieser Fall leitet uns dazu, auf die Beziehungen zwischen Stiften, Bruchsteinen und Nichtvorhandensein einer Bohrung einzugehen. Der Regler æ=1 scheint gesichert, da sich jeder davon überzeugen kann, dass eine besondere Wendung vorliegt und dass das Rätsel begreiflich ist. Dagegen greifen wir auf ß=2 zurück, weil ein Tartan angebrachter wäre als ein Filz, um die Mischung von versetzten Bildern «Tempel» und «Natur» zu behandeln. Das Podium (ß) wird bestenfalls mit seinem Wert 2 durch í, ó, ú, ý wieder aufgenommen. Demzufolge kann das Gitter 1/áæßœíóúý nicht über dem Wert 1/(1)(1)(2)(1)(2) (2)(2)(2)=1/32 liegen, was niedriger als die Schwelle 1/16 ist.

Methode

Es wird überflüssig, noch einmal in die Einzelheiten der Kriterien einzugehen, die wir noch nicht errechnet haben (der Verdünner œ und die Pfade ó*, ú*, ý*), denn das Ergebnis muss bedeutungslos bleiben.

Anwendung auf Baudelaire

Da die in Frage kommende Stelle «Die Natur ist ein Tempel…» eines der Muster des Tartans darstellt, begreifen wir leicht, dass eine andere Wendung zur Behandlung dieser Stelle nicht passen kann. Die Analogie scheint in dieser Parallele des Tempels und der natürlichen Welt augenscheinlich zu sein. Herodot bemerkte eine ähnliche Idee und die damit verbundenen Riten [433]«Die Perser haben, ich weiß es, folgende Gepflogenheiten: sie setzen den Göttern keine Steinbilder, keine Tempel und keine Altäre und betrachten diejenigen, die die Götter auf diese Weise ehren, als unsinnig. Dies liegt, glaube ich, daran, dass sie ungleich der Griechen ihren Göttern nie eine menschliche Gestalt verliehen haben. Sie pflegen, auf den Gipfeln der höchsten Berge Zeus Opfer zu bringen -und bezeichnen als Zeus das ganze Himmelsgewölbe.»

§362
· Starker Bogen
Theorie

Vergleichen wir dieses Gitter von (Tempel/-Natur) mit dem Bogen der verzierten und verformbaren Verpflanzung (:’Natur-/Tempel-/Säulen). In dieser kann die Schießscharte (ä) nicht von 1 abweichen, da die grammatische Kraft die Begriffe in «Die Natur ist ein Tempel, worin lebendige Säulen…» vereint. Der Wall von (:’Natur-/Tempel-/Säulen) erreicht die Ebene ë=1 aus folgenden Gründen. Die Reihenfolge der Begriffe folgt der Anordnung im Text. Die Vorstellungen in der Verpflanzung sind alle Begriffe. Das Element «Wälder», das anscheinend nützlich wäre, ist in der Tat von den anderen Bildern zu weit entfernt und außerdem durch seine Nebenbedeutung “viel” nicht eindeutig genug. Somit wäre “Wälder” für den Tartan (:’Natur-/Tempel-/Wälder-/Säulen) ein schwacher Punkt. Daher sollen wir uns an der Wendung (:’Natur-/Tempel-/Säulen) halten. Die angewandten Fronten sind nicht gleich bedeutend und wiederholen sich nicht. Das Türmchen (ï) nimmt den Wert 1 an, weil die bunt zusammengewürfelte Mischung von Bildern außer Zweifel liegt, und weil die Metapher (:’Natur./Tempel) sich von der Verpflanzung (:’Natur-/Tempel-/ Säulen) leicht ableiten lässt. Die Kurtine ö=1 scheint ebenfalls sicher, da der Dichter seine Rede nie rechtfertigt. Der Graben (ü) benötigt ebenfalls 1, weil die Säulen zum Tempel gehören, und weil wir uns in einer Landschaft leicht Hügel vorstellen, was das Verhältnis “Natur/Hügel: Tempel/Säulen” ergibt. Die Öffnung ÿ=2 für (:,Natur-/Tempel-/Säulen) scheint zulässig zu sein, denn wir bräuchten ansonsten drei Wirklichkeitsebenen. In diesem Sinne müssten wir zwischen “Himmel-Hügel-Natur” und “Gott-Säulen- Tempel” eine Parallele ziehen. “Wälder” müssten wir als Mittelding zwischen “Himmel” und “Natur” gebrauchen, was uns auf die Zweideutigkeit und den Abstand dieses Begriffes zu den anderen zurückbringt. Schließlich schreiben wir ÿ=1 bezüglich (:’Natur-/Tempel-/Säulen). Die Bilanz der Absteckpfähle bietet so ä=1, ë=1, ï=1, ö=1, ü=1, ÿ=1, was den Bogen 1/äëïöüÿ=1 ausmacht.

Methode

Die Öffnung eines ähnlichen Tartans haben wir im Absatz 294 bereits erörtert, und wir hatten für diese Analogie, deren Grund absolut sicher ist, über die beste Lösung, um ihre günstigste Darstellung zu geben, lange nachgedacht.

Anwendung auf Baudelaire

Einerseits wird sie durch ihr Vorhandensein im ersten Vers von „Entsprechungen“ gleich hervorgehoben, und andererseits macht die Erinnerung an die theologische Auseinandersetzung diese Analogie besonders interessant. Herodot war der Meinung, Griechenland habe in sehr alten Zeiten Auffassungen erlebt, die der in Frage kommenden Vorstellung nahe liegen [434]: «Die Pelasger brachten ursprünglich den Göttern Opfer und beteten sie an, wie ich es in Dodona erfuhr, ohne sie je beim Namen oder Beinamen zu nennen. In der Tat hatten sie die Götter nie beim Namen nennen hören. Diese allgemeine Bezeichnung "Götter" -"theoi"- hatte ihren Ursprung in der Vorstellung, dass diese Wesen dem All seinen Inhalt, seine Ordnung und deren Fortsetzung auferlegt -thentes"- hatten.»

§363
· Anhöhe des 2. Gitters
Theorie

Bestimmen wir das Gitter von (Offenbarung/-liefern), das folgenden Rost besitzt: “…der Mensch, der die Natur liebt, wird die Offenbarung in seinen eigenen Worten liefern…” Die Krypta wäre: “…der Mensch, der die Natur liebt, wird die Wahrheit in seinen eigenen Worten liefern…” Den Vorplatz können wir uns leicht vorstellen: (Mensch-.-Wahrheit-.-Prophet-.-Offenbarung). Die Anhöhe (á) verdient den Wert 1, weil die Wendung die Bohrung hat, da im Rost kein Spiel mit den Klängen der Sprache vorliegt.

Methode

Die Bewegung der Geschichte zwingt uns dazu, die genaue Bedeutung der Vokabeln in ihrer Zeit zu überprüfen. Sollten wir das Bezugsgedicht wechseln, so müssten wir diese Suche jedes Mal wieder aufnehmen. Daher halten wir uns an „Entsprechungen“, selbst wenn die untersuchten Wendungen nur selten in diesem Gedicht vorkommen. Außerdem wird unsere Suche in geschichtlicher Hinsicht dadurch erleichtert, dass das Gedicht schön ist und dass es als Grundlage für viele Auffassungen dienen mag.

Anwendung auf Baudelaire

In 19. Jahrhundert erlangt das Thema “Wahrheit” im Verhältnis zu dem der “Offenbarung” mehr und mehr Selbstständigkeit. Baudelaire ahnte, dass das theologische Gedicht bald schwer verständlich werden würde, was erklärt, dass er bemüht ist, dessen Grundlagen zu erneuern. Die Zeit erlebt diese Umwandlung, so dass Emerson über die Lage in England schreibt, die derjenigen in Frankreich weitgehend ähnelt [380]: «Es kräftigt keine Hoffnung, kein erhabener Wahrsager den belesenen Besucher…Die Sinne werden von einem ehernen Horizont mit dem Durchmesser eines Regenschirms umringt. Dort herrschen eine Weichlichkeit, die sich mit Gepflogenheiten begnügt, eine Verspottung der berühmten Namen der Philosophie und der Religion, eine engstirnige Politik des Profits, eine abgöttische Verehrung der Gebräuche, alles Symptome eines Verfalls des Lebens und der Seele…Die Künstler behaupten, dass "die Natur sie aus der Fassung bringt". Die Wissenschaftler sind nüchtern geworden und begegnen dem Ernst des Besuchers mit Spott oder Leichtigkeit. Sie beenden die Unterhaltung mit einem Scherz oder wechseln das Thema. "In der Tat" sagen sie, und süffeln ihren Wein, "sind alle diese Reden über Freiheit und so weiter…fehl am Platze, sie kommen nicht mehr an."»

§364
· Regler des 2. Gitters
Theorie

Die Wendung (Offenbarung/-liefern) verdient den Regler æ=1, denn der gesunde Menschenverstand kann den Rost problemlos begreifen: “…der Mensch, der die Natur liebt, wird die Offenbarung in seinen eigenen Worten liefern…” Und doch wirkt “Offenbarung” im Vergleich zu “Natur” überraschend. Außerdem verstärkt das Verb “liefern” den feierlichen Ton der Schiene.

Methode

Wenn das Publikum sich vor einer ungewöhnlichen Bedeutung sträubt, die ihm leicht zugänglich ist, gebrauchen wir trotzdem den Regler æ=1, weil wir in den Kenntnissen unparteiisch bleiben müssen. Wenn eine Bedeutung dagegen nicht zur Streitfrage wird, sondern von dem Autor verheimlicht wird, wenden wir mit derselben Objektivität den Regler æ=2 an.

Anwendung auf Baudelaire

Hätte der Autor im Rost “Offenbarung” durch “Eitelkeit” ersetzt, ergäbe es “…der Mensch, der die Natur liebt, wird die Eitelkeit in seinen eigenen Worten liefern…” Ersinnen wir den möglichen verschleierten Sinn: “…der Mensch, der die Natur liebt, wird die Schönheit in seinen eigenen Worten liefern…” Sobald sind uns Zweifel gekommen, ob ein geheimer Inhalt benutzt wird, selbst wenn wir keine sichere Kenntnis des Schlüssels haben, müssen wir æ=2 anwenden. Im Gegenteil ist der Anfang von „Entsprechungen“ zumindest grob verständlich, was für die Wendung (Tempel/-Natur) zum Regler æ=1 führt. Das Empfangsmilieu des Gedichts trägt wesentlich dazu bei. Kurz zuvor erklärte Balzac [92]: «Gott hat sein "Wort" durch reine Entsprechungen geschrieben…» Für Victor Hugo [460]«Jeder Gegenstand, der aus Holz besteht, entspricht
Einem ähnlichen Gegenstand im Wald der Seele.» Nach de Maistre [155]- [487]-[518] «Was wir in der Rationalphilosophie begreifen können, lässt sich ganz in einem Brief des Apostels Paulus zusammenfassen, der folgenderweise lautet: "diese Welt ist ein System unsichtbarer Dinge, die sichtlich offenbart werden"».

§365
· Podium des 2. Gitters
Theorie

Das Podium ß=1 von (Offenbarung/-liefern) lässt keinen Verdacht aufkommen. Einerseits stellt der Filz seine beiden Begriffe gar nicht in Kontrast, denn eine Offenbarung kann wie ein Orakel geliefert werden. Andererseits muss ausgeschlossen werden, dass Gelände und Korridor sich wiederholen. Letztendlich enthält der Rost keinen glaubhaften Tartan, wie wir es feststellen können: “…der Mensch, der die Natur liebt, wird die Offenbarung in seinen eigenen Worten liefern…”

Methode

Zur korrekten Formulierung müssten wir erklären, dass der Rost keine Analogie “darstellt”, anstatt zu schreiben, dass er keine “enthält”. Eigentlich gehört der Rost zum Text, welcher aus Vokabeln oder Symbolen besteht, und nicht aus Bedeutungen. Erwähnen wir an dieser Stelle eine Bemerkung von Rousseau in einem anderen Bereich [878]: «Aber diese Begriffe werden oft miteinander verwechselt. Es genügt, sie an den Stellen unterscheiden zu können, an denen sie in all ihrer Genauigkeit gebraucht werden.» Wir verfallen in die gleiche Schwäche, wenn wir schreiben “das Wirkliche” für die standhaftesten Erscheinungen.

Anwendung auf Baudelaire

Im Übrigen wissen wir fast nichts von dem, was Baudelaire als Lehre der natürlichen Anzeichen für den Menschen im Sinn hat. Uns fällt nur auf, dass der Dichter am Anfang von „Entsprechungen“ «Worte» geschrieben hat. Dies führt uns dazu zu überlegen, ob Gott dem Menschen einen Ruf gesendet hat, das nicht gedeutet worden wäre [114]: «Die Lampe Gottes war noch nicht verloschen. Und Samuel hatte sich gelegt im Heiligtum des Herrn, wo die Lade Gottes war. Und der Herr rief Samuel. Er aber antwortete: Siehe, hier bin ich!, und lief zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen; geh wieder hin und lege dich schlafen."»

§366
· Verdünner des 2. Gitters
Theorie

Wir brauchen œ=2 als Verdünner für den Filz, den wir in folgender Zeile lesen können: “…der Mensch, der die Natur liebt, wird die Offenbarung in seinen eigenen Worten liefern…” Trotz des geschraubten, feierlichen Stils haben wir nicht das Gefühl, dass der Text eine Überarbeitung eines Urtextes sei. Irreführend ist im Gegenteil der Grund des Textes. Daher wenden wir in diesem Fall des Filzes (Offenbarung/-liefern) den Verdünner œ=2 an, was zur Collage áæßœ=2 führt. Des Weiteren nimmt jedes einzelne Knötchen (í, ó, ú, ý) diese Collage in sich wieder auf, was wiederum zu einem Gitter leitet, das zwangsweise unter 1/16 bleibt.

Methode

Eine sorgfältige Untersuchung der Glaubhaftigkeit der Filze muss uns die Möglichkeit geben, den Bereich dieser Wendungen genauer zu umreißen, denn wir dürfen nicht gleich solche ersinnen, sobald der Autor sich von den Gemeinplätzen abwendet. Ein etwas geschraubter Ausdruck kann sich durch die Schwierigkeit erklären, den Gegenstand zu beschreiben. In solchem Falle ist keine Wendung in Frage, sondern das Bemühen des Autors, dem Leser etwas Schwierigeres verständlich zu machen. Dagegen können wir oft den Sinn “er erblickt ein Schiff” zugleich richtig und bemühungslos in dem Ausdruck “er erblickt ein Segel” verstehen.

Anwendung auf Baudelaire

Auf andere Weise scheint der Ausdruck (Offenbarung/- liefern) zur herkömmlichen Auffassung der Liebe zu den natürlichen Dingen, die uns mit Gott vereinen, gebildet worden zu sein. In diesem Falle würden wir von “Offenbarung” nur den bescheidensten Sinn erwarten, den dieses Wort haben kann. Im Gegensatz hätten wir mit “…der Mensch, der mit der Natur experimentiert, wird in seinen eigenen Worten wissenschaftlich erweisen, dass die Offenbarung…” œ=1 geschrieben. Als Skeptiker sucht Sextus eine vernunftgemäße Erklärung der theologischen Geheimnisse, weil er mitten in der Debatte über die Götter steckt [917]: «Seinerseits behauptete Prodikos, dass alles, was für das Leben nützlich ist, Gott genannt wird -wie Sonne, Mond, Flüsse, Seen, Wiesen, Früchte…Und Kritias, einer der Tyrannen von Athen, scheint sich in die Reihe der Atheisten einzuordnen, wenn er sagt, dass die ehemaligen Gesetzgeber Gott als eine Art Aufseher über die Taten und Missetaten der Menschen erfanden…»

§367
· Anhöhe des 3. Gitters
Theorie

Betrachten wir nun das Gitter des Filzes (Zuweilen::entweichen lassen/-wirre Worte), das den Riegel “aussprechen” benutzt. Hierzu genügt folgender Rost: «…lebendige Säulen
Zuweilen wirre Worte entweichen lassen…» Die Wendung zieht aus der Bohrung Nutzen, weil sie nicht auf dem Spiel der Klänge beruht, was zur Anhöhe á=1 führt.

Methode

Der Stabreim bildet als solcher nur dann eine rhetorische Wendung, wenn sie einen ausgesprochen willkürlichen Charakter besitzt, während wir im Gespräch unbeabsichtigt oft auf dieselben Klänge zurückfallen. Eine Art Routine leitet uns sogar dazu, Klänge zu wiederholen, die uns anfangs unüberlegt eingefallen sind.

Anwendung auf Baudelaire

In den Worten «Laissent parfois sortir» (Zuweilen…entweichen lassen) klingt die Wiederholung von «s» wie eine Lautmalerei, die das Rauschen des Laubs oder ein Flüstern wiedergeben soll. Dies darf jedoch nicht als eine mangelhafte Bohrung gedeutet werden, weil nicht genug Kraft dahinter steckt, damit wir sicher behaupten können, dass dies einer Absicht des Dichters entspricht. Es fällt leicht, den Wendungen als Ausdruck der Stärke oder der Schwäche eine sicher unterschiedliche Bedeutung zu geben. Wenn Zeus durch die Bäume spricht, ist «entweichen lassen» stark. Wenn der Weihrauchbaum nur durch seinen Duft zum Ausdruck käme, hieße dies für den Baum weniger als sprechen. Über diese seltsame Auffassung der Säulen hätte sich Auguste Comte kaum gewundert [208]: «Da allen im Alltag wahrnehmbaren Wesen eine Persönlichkeit mit gewöhnlich sehr ausgeprägten Leidenschaften -deren Kraft der jedes Wesens folgt- unmittelbar zugeteilt wird, herrscht in der Welt zwischen den Menschen und den Dingen eine ausgezeichnete Stimmung. Daraus ergibt sich für den Zuschauer der Natur ein besonderes Gefühl der vollen Befriedigung, das in späteren Zeiten nie denselben Grad hat erreichen können. Heute vermögen wir wohl nicht, dieses Gefühl genau nachzuvollziehen, weil wir die Dinge nicht mehr auf dieselbe Weise auffassen, selbst wenn wir durch die strengste und am besten gezielte Überlegung bemüht sind, diese Wiege der Menschheit zu begreifen. Es ist nicht schwer zu verstehen, wie diese genaue, enge Entsprechung zwischen dem Menschen und der Welt, den Fetischismus für uns zur Grundeinstellung macht, was umgekehrt bedeutet, das dieser sich heute in aller Notwendigkeit gewissermaßen fortsetzt.»

§368
· Regler des 3. Gitters
Theorie

Der Regler (æ) von (zuweilen entweichen lassen/-wirre Worte) nimmt den Wert 1 an, da wir den Riegel “aussprechen” und die Krypta “…lebendige Säulen zuweilen wirre Worte aussprechen…” ganz bemühungslos verstehen können. Der Ton der Aussage setzt kaum Fachkenntnisse voraus. Im Zusammenhang steht der Mitteilung der Bedeutung an das Publikum nichts im Wege. Letztendlich ist das Verständnis des Ausdrucks keinem besonderen Kreis vorenthalten.

Methode

Wenn mehrere Künstler oder Reformpolitiker eine Idee ins Auge fassen, die ihnen am Herzen liegt, neigen sie dazu, dieselbe in engerem Sinne zu betrachten. In Wirklichkeit sind deren entfernte Grundlagen meistens weit verbreiteter. Dies erklärt den plötzlichen Anklang einer bisher verkannten Lehre anlässlich eines auslösenden Ereignisses. Der Gründer des Positivismus schreibt [207]: «Selbst die irrendsten Utopisten, die davon überzeugt sind, sich von allen Bindungen zur Wirklichkeit befreit zu haben, unterliegen unbewusst der unüberwindbaren Notwendigkeit, die sie dazu führt, in ihren Träumereien die heutige soziale Lage zu widerspiegeln.»

Anwendung auf Baudelaire

Das Thema der Gegenstände, die uns auf unerklärliche Weise binden, beschäftigte seinerzeit Lamartine [491]: «Habt ihr dann eine Seele, leblose Dinge,
Die unsere Seele lockt und sie dazu zwingt, diese zu lieben?» Der fortschrittliche Soziologe, von dem sich Baudelaire scheinbar weit entfernt zeigte, war bemüht, die Geschichte solcher Gedankenbilder zu erforschen [209]: «Bis zu diesem Zeitpunkt und genau genommen in den Zeiten, die die Bildung oder eher die Entwicklung der menschlichen Sprache vermutlich beeinflusst haben mögen, haben die Gedankenbilder wohl eine unermessliche Rolle gespielt. Diese Überfülle an Bildern in der Gedankenwelt hing wahrscheinlich…mit der vorherrschenden philosophischen Denkweise zusammen, dem Fetischismus, der alle möglichen Erscheinungen mit menschlichen Taten gleichsetzte. Somit erklärt sich das Verhältnis zwischen gewissen Redewendungen und was die Leute damals von den Dingen empfanden. Heute kommen uns diese Wendungen wie einfache Metaphern vor, weil wir über die Gesinnung ganz hinweg sind, der sie ihre Grundbedeutung zu verdanken hatten.»

§369
· Podium des 3. Gitters
Theorie

Da die Begriffe des Filzes (zuweilen entweichen lassen/-wirre Worte) weder eine Wiederholung, noch ein gegenteiliges Spiel darstellen, schreiben wir zu Recht ß=1. Außerdem führt die drohende Einverleibung, die von der Verpflanzung (Säulen-/lassen-/wirre Worte) herrührt, zu nichts. Der Sinn “aussprechen”, der «zuweilen…entweichen lassen» erklärt, bleibt trotz dieser Verpflanzung im Vordergrund unserer Gedanken, was die Schwäche dieser Analogie bestätigt.

Methode

Da wir Filz und Tartan betont unterscheiden, wäre es demütigend gewesen, die Fälle, in denen sich beide vermengen, nicht behandeln zu können.

Anwendung auf Baudelaire

Wenn wir uns einbilden, dass die Bäume durch das Rauschen ihres Laubs ein Orakel geben, empfinden wir es als zufriedenstellend, «…zuweilen…entweichen lassen…» durch das Verb “sagen” zu verstehen. Victor Hugo, der Dürer über Jahrhunderte hinweg huldigte, ersann Worte, die die Natur ausspricht [221]-[459]: «Im Hain bin ich sowie du nie gewandelt,…ohne…von allen Zweigen wirre Worte hängen gesehen zu haben.» Plato hatte ein anderer Gedanke gefesselt [759]-[760]: «…wir sind keine irdische, sondern eine himmlische Pflanze. Der Gott hat unseren Kopf nämlich nach oben gehängt, der wie unsere Wurzel wirkt. Die Urgeburt der Seele ist vom Himmel gekommen, was dem ganzen Körper die aufrechte Haltung gegeben hat.»

§370
· Verdünner des 3. Gitters
Theorie

Der Verdünner von (zuweilen entweichen lassen/-wirre Worte) steht bei œ=1, weil alle nötigen Voraussetzungen erfüllt sind. Der Riegel “aussprechen” unterstützt unsere Phantasie, indem er den Schlüssel des kleinen Rätsels von «…zuweilen…entweichen lassen…» gibt. Außerdem sind Gelände und Riegel schnell vorgetragen und bleiben in der Zweideutigkeit auf der Ebene von dem, was in Phantasietexten gewöhnlich vorkommt. Des Weiteren ist der Sinn von “aussprechen” weder in dem von «…zuweilen… entweichen lassen…», noch in dem von «wirre Worte» enthalten.

Methode

Die Verbindung des Tartans mit dem Filz ändert an diesem nichts, und dies zeigt nur, dass die Wendungen, die unser Verstand zu trennen vermag, in den Texten manchmal zum Aggregat zusammengepresst werden. Um zu verdeutlichen, dass die eine intellektuelle Unterscheidung zwischen verschiedenen Körpern nicht bedeutet, dass es einfach sein wird, an jeden einzelnen Körper getrennt heranzukommen, schreibt Kant [478]: «Man gesteht: daß sich schwerlich…reines Wasser…finde…»

Anwendung auf Baudelaire

Die Verpflanzung (Säulen-/lassen-/wirre Worte) akzeptiert den Vorplatz (willensstarke-.-lassen-.-Säulen-.-wirre Worte) und den entwickelten Sinn “wie vernunftbegabte, willenstarke Wesen ein Ereignis zulassen mögen, beschließen die Säulen, wirre Worte zu liefern”. Anderweitig beschreiben wir den Filz (zuweilen entweichen lassen/-wirre Worte) mittels (zuweilen entweichen lassen-.-Töne-.-aussprechen-.-wirre Worte). Eine der beiden Wendungen erscheint als Anhang zur anderen, und in beiden Fällen steht die theologische Vorstellung von “Wort” inmitten der Sorgen des Dichters. Wir erinnern uns an den feierlichen Ton des Apostels Johannes [149]: «Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.»

§371
· Garbe des 3. Gitters
Theorie

Die Collage áæßœ=1 wird (Zuweilen entweichen lassen/-wirre Worte) zugeteilt, weil die ersten Knötchen die Werte á=1, æ=1, ß=1 und œ=1 haben. Somit hängt die Garbe von der Sprungschanze b(Zuweilen~Worte) ab, welche dank der starken grammatischen Bindungen zwischen den Begriffen inmitten des Rosts «…lebendige Säulen
Zuweilen wirre Worte entweichen lassen…» ebenfalls die Höhe 1 erreicht. Mit áæßœ=1 und z=1 sind zusätzliche Erörterungen für den Schluss í=((áæßœ)(z))=((1)(1))=1 überflüssig.

Methode

Der Abstand zwischen den Vorstellungen bestimmt zum Teil die Glaubhaftigkeitsbewertung, was den Titel unseres Beitrags „Sinn und Abstand“ zu Literaturuntersuchungen rechtfertigt.

Anwendung auf Baudelaire

Da das Thema von „Entsprechungen“ standhaft bleibt, wird unsere Aufmerksamkeit nicht abgelenkt und kann sich in erster Linie der Berechnung widmen. Die weltweite Übereinstimmung, die verschiedene Wesen miteinander verbindet, hat viele Denker beschäftigt. Ein Arzt, den Baudelaire zu Rate gezogen hatte, schrieb damals [611]: «Die Geschlechtskrankheit wird in ihrer Anfangsphase, die auch ihr einfachstes Stadium ist, durch homöopathische Behandlung unglaublich schnell und leicht geheilt.» Durch seine Gedankenverbindungen gibt uns Balzac den Schwindel [60]: «Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Wissenschaft durch das Eingreifen Mesmers ebenso tief gespalten wie die Kunst durch das Eingreifen Glucks. Nachdem er den Magnetismus wieder aufgedeckt hatte, kam Mesmer nach Frankreich…"Wenn die Homöopathie es bis Paris schafft, ist sie gerettet" sagte neulich Hahnemann. -"Gehen Sie nach Frankreich" sagte Herr von Metternich zu Gall "und wenn man über Ihre Höckerlehre spottet, werden Sie weltberühmt."»

§372
· Bastion des 3. Gitters
Theorie

Zur Bestimmung der Bastion (ó) des Filzes (Zuweilen entweichen lassen/-wirre Worte) müssen wir für unsere Berechnung von der Collage áæßœ=1 ausgehen. Bei genauerem Hinsehen merken wir in einem zweiten Schritt, dass «…lebendige Säulen
Zuweilen wirre Worte entweichen lassen…» kein Vorzeichen von “aussprechen” enthält. So schließen wir daraus, dass der Pfad ó* und somit auch die Bastion ó=((áæßœ) (ó*)) den Wert 1 haben.

Methode

Wir hätten (z) als Pfad í* bezeichnen können. Es fällt auf, dass alle vier Formeln í=((áæßœ)(z)), ó=((áæßœ)(ó*)), ú=((áæßœ)(ú*)) und ý=((áæßœ)(ý*)) scheinbar nach demselben Muster gebildet sind. Da (z) jedoch über den Wert 2 steigen kann, ist die Einheit nicht standhaft genug.

Anwendung auf Baudelaire

Da “lassen” dem Leser ein Gefühl von Freiheit vermittelt, neigt dieser dazu zu glauben, dass eine Art Vernunft darunter liegt, die die “Worte” erlauben würde. Somit wäre “lassen” im Rost ein Vorzeichen von dem Riegel “aussprechen”, und wir hätten uns in der Behauptung geirrt, dass der Pfad ó* den Wert 1 verdient. Dieses Urteil ist jedoch mit einer solchen Folge von zweifelhaften Bedingungen gebunden, dass es unüberzeugend bleibt. Für die Einbildungskraft besetzen die Worte jedoch die natürliche Welt. Horaz empfindet die Dinge selbst wie folgt [457]: «Du wirst dich auch unter die berühmten Brunnen einreihen, denn ich besinge die Steineiche, die auf deinen hohlen Felsen steht, aus denen dein plätscherndes Gewässer hervorquillt.» Umgekehrt erobert die Natur ein neues Gebiet [[983]] in Index II (Gedichte)">[[983]]: «Diese seltsamen Kleider widerspiegeln
Wie Sinnbilder deinen bunten Geist…» 158

§373
· Lotse des 3. Gitters
Theorie

Was (zuweilen entweichen lassen/-wirre Worte) betrifft, zieht der Lotse (ú) Nutzen aus der Collage áæßœ=1. Da der Zusammenhang in seiner allgemeinen Bedeutung jeden Begriff erreicht, kommt für jedes Element im Text ein Zweifel auf, sobald der ganze Text seltsam scheint. Abgesehen von dieser allgemeinen Erscheinung ist hier kein einzelnes Wort fehl am Platze, was uns dazu führt, einen Pfad ú*=2 auszuschließen. Demzufolge führen die Werte áæßœ=1 und ú*=1 zur Gleichung ú=((áæßœ)(ú*))= ((1) (1))=1.

Methode

Jedes Mal lenkt uns die Phantasie eines Schriftstücks vom Alltag ab, so kommt man zwangsweise zu dem Schluss, dass das Werk sonderbar klingt. Es ist also notwendig, technische Verfahrensweisen zu entwickeln, um über alle einzelnen Glieder der Rede richtig urteilen zu können. Kant forderte seinen Leser dazu auf, seine Aufmerksamkeit auf die Fertigkeit zu richten, indem er «Können vom Wissen» trennte [480].

Anwendung auf Baudelaire

Im Rost «…lebendige Säulen
Zuweilen wirre Worte entweichen lassen…» ist es für den Leser überraschend zu merken, dass Baudelaire ins Einzelne geht, um «zuweilen» zu schreiben. Dies reicht jedoch nicht aus, den Pfad ú*=2 anzunehmen, denn die Schreibweise wird geteilt und bewirkt, dass nur der metaphysische Ton in Frage kommt. Die Angabe durch «zuweilen» auf die verstreichende Zeit, inmitten religiöser oder feierlicher Verse, erinnert uns an diese Zeilen von Plato [758]: «Ewig war, wie wir es gesehen haben, der Kern des lebendigen Musters, und es war unmöglich, diese Ewigkeit in eine künstliche Welt einzugliedern. Daher war der Urheber bemüht, eine Nachbildung der Ewigkeit zu schaffen, die eine gewisse Wandelbarkeit aufweist. Indem er den Himmel gestaltete, schuf er dieses ewige Bild, das wir Zeit nennen und das die ewige Unbeweglichkeit nachahmt. Dieses Bild unterliegt den Gesetzen der Zahlen und verstreicht wie eine Zahlenfolge…Was jedoch unwandelbar und unverändert bleibt, wird in der Zeit weder älter noch jünger. Dieser Wechsel ist weder in der Vergangenheit, noch in der Gegenwart vorgekommen und er wird auch in der Zukunft nie vorkommen.»

§374
· Mole des 3. Gitters
Theorie

Da kein Anspruch auf ein Fachwissen im Rost von (Zuweilen entweichen lassen/-wirre Worte) spürbar wird, nimmt der Pfad ý* den Wert 1 an. Da die Höhe 1 für die Collage (áæßœ) bereits erreicht worden ist, können wir das Ergebnis ý=((áæßœ)(ý*))=((1)(1))=1 schreiben. Des Weiteren gestaltet sich die vollständigere Reihe á=1, æ=1, ß=1, œ=1, í=1, ó=1, ú=1, ý=1. Wenn wir das Umgekehrte 1/áæßœíóúý des numerischen Produkts dieser Knötchen beobachten, kommen wir zu 1/(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1), was die Glaubhaftigkeitsbewertung 1 des Filzes für «…lebendige Säulen
Zuweilen wirre Worte entweichen lassen…» darstellt.

Methode

Das Vorhandensein von áæßœ=1 mit í=2, ó=2, ú=2, ý=2 würde das Gitter nicht zur Bedeutungslosigkeit treiben, da es in diesem Falle den Wert 1/(1)(1)(1)(1)(2)(2)(2)(2)=1/16 hätte, was einen niedrigen, jedoch nicht unbedeutenden Wert ergibt.

Anwendung auf Baudelaire

Die ungewöhnliche Theologie, oder die unanständige Predigt veranlasst uns, Baudelaire unweit von Richter einzuordnen [929]: «Ich lag einmal an einem Sommerabende vor der Sonne auf einem Berge und entschlief. Da träumte mir, ich erwachte auf dem Gottesacker. Die abrollenden Räder der Turmuhr, die eilf Uhr schlug, hatten mich erweckt…Alle Gräber waren aufgetan…Jetzo sank eine hohe edle Gestalt mit einem unvergänglichen Schmerz aus der Höhe auf den Altar hernieder, und alle Toten riefen: "Christus! ist kein Gott?" Er antwortete: "Es ist keiner."»

§375
· Anhöhe des 4. Gitters
Theorie

Setzen wir das Gitter des Filzes (Gebrauch/-leitet) für den Rost “…der Künstler schreitet fort nach dem Gebrauch, der ihn leitet…” Der Riegel “Überlieferung” des Geländes “Gebrauch” liefert die Krypta “… der Künstler schreitet fort nach der Überlieferung, die ihn leitet…” Was das Zusammenspiel der Gedanken betrifft, hat der in Frage kommende Filz dem Spiel der Klänge nichts zu verdanken, so dass eine Anhöhe á=1 durchaus angebracht ist.

Methode

Die Filze sind Wendungen, die sich auf Verständigung stützen, während die Wortspiele auf Kunststücken im Zusammenhang mit dem Raum und der Zeit im Satz, dem Ton, der visuellen Gestaltung der Wörter beruhen. Diese Unterscheidung führt allgemein zu zwei Arten von Wendungen, die mit zwei Arten des Theaters vergleichbar sind. In einer dieser Arten ist die Rede entscheidend. In der anderen Art sind Bühnenspiele und -beleuchtungen, Wortklang und Geschrei am wichtigsten.

Anwendung auf Baudelaire

Auf moralischer Ebene gibt es auch übertriebenes Getue [[1066]] in Index II (Gedichte)">[[1066]]: «Meine Geliebte ist kein Sphinx.
Die Dirne ist nur in meinen Augen schön.
Ihr Bann gedeiht nur in meinem traurigen Herzen
Und wird von der Umwelt, die sich über sie lustig macht nicht vernommen-

Um Schuhe zu haben, hat sie ihre Seele verkauft,
Aber der liebe Gott würde lachen, wenn ich bei dieser Schlampe den Scheinheiligen spielte
Und mich als vornehmen Herrn hinstellte,
Wobei ich meine Gedanken verkaufe und von meiner Feder leben möchte.» 159

§376
· Regler des 4. Gitters
Theorie

In einer Zeit, in der das Publikum oft der Überlieferung unbedingt treu bleibt, fällt es ihm nicht schwer, den tieferen Sinn des Rosts “…der Künstler schreitet fort nach dem Gebrauch, der ihn leitet…” zu deuten. Demzufolge nimmt der Regler des Filzes (Gebrauch/-leitet) den Wert æ=1 an.

Methode

Wenn wir unseren Lesern durch ständige Berechnungen der verschiedenen Knötchen einerseits auf die Nerven gehen, beruhigen diese Überprüfungen andererseits die Leser und uns selbst, denn das Auslassen eines Schrittes könnte zu einer falschen Glaubhaftigkeitsbewertung führen. Das Aufspüren der unvorgesehenen Hindernisse, in was Leibniz als «…Kunst der Bewertung der Wahrscheinlichkeiten…», oder als «…Suche nach dem Glaubhaftigkeitsgrad…» bezeichnete, kann uns nur gelingen, wenn wir sehr aufmerksam sind [501]. Wir laufen eher Gefahr als andere Forscher uns zu irren, weil wir die Wahrheitskriterien nur durch peinliche Erfahrung bestimmt haben.

Anwendung auf Baudelaire

Zum Glück wird unser sorgfältiges Herumtasten durch die scharfe Beobachtungsgabe Baudelaires und sein Nachdenken über die Liebe ausgeglichen. In mancher Hinsicht könnten Stellen bei Plato, der auch das Schöne und Wahre pries, für "die Blumen des Bösen" als Vorbilder dienen [730]: «Dies ist der gerade Weg, um von der Liebe alleine, oder mit der Unterstützung eines dritten, etwas zu verstehen, von den Schönheiten dieser Welt auszugehen. Mit der Schönheit als Ziel steigen wir Stufe um Stufe. So gehen wir von einem einzigen, schönen Körper zu zwei, dann von zwei zu allen über. Wir müssen nachher von den schönen Körpern zu den schönen Beschäftigungen, und von diesen zu den schönen Kenntnissen übergehen. In diesem Augenblick gehen wir letztendlich von den vielfältigen Wissenschaften zu der einzigen Wissenschaft über, wie ich sie erwähnt habe, die kein anderes Ziel als die selbstständige Schönheit an sich hat.»

§377
· Podium des 4. Gitters
Theorie

Das Podium von (Gebrauch/-leitet) hätte aus dreierlei Gründen den Wert 2: erstens eine Wiederholung, zweitens gegensätzliche Begriffe und letztendlich einen Tartan, der passender wäre als die vorhandene Wendung. Aber die Ebene ß=1 ist hier als sicher zu betrachten, da keine der erwähnten Fälle im Rost “…der Künstler schreitet fort nach dem Gebrauch, der ihn leitet…” zutrifft. In jedem Beruf wird auf die Neulinge Druck ausgeübt, damit sie sich die Grundgewohnheiten ihres Fachs aneignen. Somit bleibt in (Gebrauch/-leitet) das Verhältnis zwischen “Gebrauch” und “leitet” ohne jegliche Mischung von versetzten Sinnen, die eine überzeugende Analogie begünstigt hätte.

Methode

Es scheint zwecklos, einen Vergleich der Bedeutungen bei einem berühmten Autor und bei gewöhnlichen Zeitgenossen abzulehnen. Zwar findet der Schaffende in seinen Überlegungen Gedanken, die dem Publikum seines künftigen Werks nicht zugänglich sind. Gewiss werden im Prozess des Schaffens solche und solche Ideen von einem großen Autor selbst nicht gemerkt, die Leute zurückwerfen werden. Aber es kommt nicht vor, dass der Verfasser, wenn er das Schriftstück fertig macht, absolut keine Ahnung vom Leser hat. So vergleicht der Schaffende zuletzt den Inhalt seines Werks mit der Meinung des künftigen Publikums.

Anwendung auf Baudelaire

Dem Gelände “Gebrauch” und dem Korridor “leitet” werden sehr unterschiedliche jedoch nicht entgegengesetzte Eigenschaften zugeschrieben. Dagegen bietet «…Weit wie die Nacht und wie das Licht…» Stoff für die Wendung (Nacht/-Licht), die das Podium ß=2 verdient, weil beide Vorstellungen «Nacht» und «Licht» in starkem Kontrast stehen. Die nächtliche Seite des Daseins wurde zum Thema mancher Dramen. So ersinnt Marlowe folgendes Gespräch zwischen Faust und Mephistopheles [522]: «"Wie kommt es, dass du außerhalb der Hölle bist?" "Wieso? Dies ist die Hölle, und ich bin nicht außerhalb derselben."» Baudelaire mag durch das Gedicht „Entsprechungen“ zeigen wollen, dass er sich trotz der damit verbundenen Besorgnis bereit ist, diesen inneren Bereich des Menschen zu erforschen [[1094]] in Index II (Gedichte)">[[1094]]: «…Goya, -Alptraum voll unbekannter Dinge
Voll Föten, die die Hexen mitten im Sabbat im Topf kochen,
Voll von alten Kupplerinnen, die splitternackten Kindern einen Spiegel hinhalten,
Damit sie ihre Strümpfe richtig anziehen, um die Laster aufzureizen…»

§378
· Verdünner des 4. Gitters
Theorie

Der Verdünner des Filzes (Gebrauch/-leitet) bekommt den Wert œ=1, weil der Rost “…der Künstler schreitet fort nach dem Gebrauch, der ihn leitet…” das Gelände “Gebrauch” und den Riegel “Überlieferung” besitzt, die in knappen Worten gefasst sind. Das Gelände “Gebrauch” scheint wegen des Zusammenhangs und nicht wegen eines schleierhaften Sinnes etwas vernebelt. Diese Verschwommenheit führt zur Annahme, dass gewisse Wörter, die am Ursprung standen, danach gegen andere ausgetauscht wurden. Das daraus abgeleitete Rätsel wird anhand von “…der Künstler schreitet fort nach der Überlieferung, die ihn leitet…” gelöst.

Methode

Zum Ersinnen eines Filzes müssen wir uns durch einen engen Durchbruch zwängen, um einerseits eine zu große Unbestimmtheit, die zu æ=2 führen würde, und andererseits eine zu große Bestimmtheit zu vermeiden, die zu œ=2 leiten würde.

Anwendung auf Baudelaire

Wir begreifen die Mächte nicht richtig, die uns in jeder unserer Handlungen treiben, und dies trifft in der Liebe besonders gut zu [[1136]] in Index II (Gedichte)">[[1136]]: «Deine glänzenden Augen wie Schaufenster…benutzen frech eine Macht, die ihnen nicht eigen ist,
Ohne sich des Gesetzes ihrer Schönheit je bewusst zu sein.» Das Hohelied besingt diese Eigenschaft [138]: «Wie schön ist deine Liebe, meine Schwester, liebe Braut! Deine Liebe ist lieblicher als Wein, und der Geruch deiner Salben übertrifft alle Gewürze.»

§379
· Garbe des 4. Gitters
Theorie

Die Garbe von (Gebrauch/-leitet) zieht aus der Collage áæßœ=1 Nutzen, und der geringe Abstand erlaubt es, diesen kleinen Vorteil beizubehalten. Der Rost “…der Künstler schreitet fort nach dem Gebrauch, der ihn leitet…” bringt “Gebrauch” und “leitet” eng zusammen. Die innere Räumlichkeit z=1 der Sprungschanze b(Gebrauch~leitet) zeugt davon, und es wird keine Überraschung sein, dass der Schluss í= ((áæßœ)(z))=((1)(1))=1 für eine solche Lage so lautet.

Methode

In einem Artikel über Literatur erwähnt Michel Foucault nebenbei [397]: «Zeichen in einem Abstand, der zwischen dem Vorherigen und dem Nachhinein gerissen wird». Von dieser Bemerkung in Klammern ausgehend dürfen wir uns fragen, ob dieser Autor die Möglichkeiten der Untersuchung der Abstände zwischen den Begriffen geahnt hatte.

Anwendung auf Baudelaire

Da die Seele Baudelaires vom Vorteil weiß, einen Kunstführer zu haben, scheint er in folgenden Versen einer noch unruhigeren Seele wiederum Ratschläge zu erteilen [[1079]] in Index II (Gedichte)">[[1079]]: «Nimm mich mit Wagen! Entführe mich Schoner!/: «Weit! -weit! -hier feuchten unsere Tränen den Schlamm an!
-Mag Agathas trauriges Herz aussagen:
Fern von den Gewissensbissen, den Verbrechen und den Schmerzen
Nimm mich mit Wagen, Entführe mich Schoner?» In der Stadt zerstört die Unzucht die Körper, und Smiths frühere Feststellung stimmt nach wie vor [920]: «Unter den Arbeitern könnten die meisten unbezahlt nicht eine Woche, kaum jemand einen Monat und fast keiner ein ganzes Jahr aushalten.»

§380
· Bastion des 4. Gitters
Theorie

Im Verhältnis zum Filz (Gebrauch/-leitet), erreicht der Pfad der Bastion für den Rost “…der Künstler schreitet fort nach dem Gebrauch, der ihn leitet…” die Ebene ó*=1. Im Rost ist nämlich kein Vorzeichen des Riegels “Überlieferung” vorhanden. Folglich begnügt sich die Bastion für die Collage áæßœ=1 mit dem Wert ó=((áæßœ)(ó*))=((1)(1))=1.

Methode

Es fiele leicht, mit einem Wortspiel auf den Klängen ó*=2 zu schreiben. Es ist sogar möglich, den Filz von solchen Klängen rein zu halten, angenommen, dass eine entsprechende Anspielung geschickt in den Zusammenhang gesetzt wird: “er schwamm im Wasser weg, weg, weg” wird auf ein Ertrinken hindeuten. Somit wird der Pfad der Bastion bezüglich (schwamm/-Wasser) den Wert 2 haben.

Anwendung auf Baudelaire

Betrachten wir folgenden Ausdruck: “der Geselle wird durch die Zeit hindurch, in der die angepassten Vorstellungen durchgenommen werden, im Gebrauch, der ihn leitet, zum Meister…” Die Wendung (Gebrauch/-leitet) wird wegen der angewandten Anspielung auf den Riegel “Überlieferung” den Wert ó*=2 verdienen. Im Wald der Symbole belastet sich die Menschheit mit Sitten [[1101]] in Index II (Gedichte)">[[1101]]: «Ich bin die Pfeife eines Dichters.
Wer mein Aussehen einer Abessinierin
Oder Kafferin beobachtet, schließt daraus,
Dass mein Herr ein großer Raucher ist.

Wenn die Schmerzen ihn mürbe machen,
Rauche ich wie der Schornstein der Strohhütte
Unter dem das Essen für die Mahlzeit
Des Landmanns bereitet wird.

Im beweglichen, blauen Netz,
Das von meinem feurigen Mund emporsteigt,
Winde ich seine Seele um und wiege sie.

Ich brodele eine kräftige Salbe,
Die das Herz meines Mannes beschwört,
Und ihn von den Mühen seines Geistes heilt.»

§381
· Lotse des 4. Gitters
Theorie

Was (Gebrauch/-leitet) betrifft, zieht der Lotse (ú) aus der Collage áæßœ=1 Nutzen. Des Weiteren weist der Rost “…der Künstler schreitet fort nach dem Gebrauch, der ihn leitet…” keinen ungewöhnlichen Wortgebrauch auf. Somit wird ein Pfad ú*=1 gerechtfertigt, was uns anschließend erlaubt, ú=((áæßœ)(ú*))= ((1)(1))=1 zu schreiben.

Methode

Der hier angewandte Filz gehört in die Sparte der knappen Umschreibung, die ein Wort durch ein anderes, oft undeutlicheres ersetzt und dabei Gefahr läuft, etwas geschraubt zu wirken.

Anwendung auf Baudelaire

Im Gegensatz zu den technischen Mitteln sind die gewaltigen Naturerscheinungen eher beängstigend für den Menschen. Anders als Baudelaire sind viele Autoren bemüht, in den Geheimnissen der Wirklichkeit nach einem Spiegelbild ihrer Unruhen zu suchen, was jeweils zu Entsprechungen führt [667]. Somit sind viele nahe Verwandte der Philosophen, die die Natur als zielstrebig auffassen, was Spinoza so beschrieb [925]: «Indem sie aber beweisen wollen, dass die Natur nie ziellos vorgeht (das heißt, nichts bringt, was den Menschen nicht von Nutzen wäre), haben sie anscheinend nur eines bewiesen, nämlich, dass die Natur und die Götter wie die Menschen spinnen.» 161

§382
· Gitter von Wert 1
Theorie

Im Rost “…der Künstler schreitet fort nach dem Gebrauch, der ihn leitet…” zeigt nichts vom Eingriff eines Experten. Somit bleibt der Pfad der Mole auf dem Wert ý*=1. Liegt die Collage selbst auf der Ebene áæßœ=1, so erreicht das Knötchen (ý) die Höhe ((áæßœ)(ý*))=((1)(1))=1. Dies geht auf ein Gitter hinaus, das das Umgekehrte des Produkts der Knötchen á=1, æ=1, ß=1, œ=1, í=1, ó=1, ú=1, ý=1 darstellt: 1/(á)(æ) (ß)(œ)(í)(ó)(ú)(ý)=1/(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)(1)=1.

Methode

Auf diese Weise erlangt unser lautloser Filz eine starke Glaubhaftigkeit, was den Unterschied mit einem Sinnanprall hervorhebt.

Anwendung auf Baudelaire

Gott, den Baudelaire anscheinend als den obersten Kunstführer betrachtet, wurde mit Leidenschaften erdacht, die unseren ähneln. Dieser Fehler ist schließlich ziemlich harmlos wie der Irrtum eines Kindes. Der Amsterdamer Philosoph schrieb in diesem Zusammenhang [928]: «Die Macht, die den eigentümlichen Dingen die Möglichkeit gibt, ihr Dasein beizubehalten, ist die eigentliche Macht Gottes, das heißt der Natur…» Mit dem bekannten Gedankenbild «Die Natur ist ein Tempel…» stünde Baudelaire auf der Seite der Vernunft.

§383
· Anhöhe des 5. Gitters
Theorie

Der Rost “Wie lange Echos, oh, die sich in der Ferne vereinen…” enthält (oh/-Echos). Diese neue Wendung bekommt keine Bohrung, weil die Klänge "chos-oh" ein Echo wiedergibt, und somit das Gegenteil der Bohrung erwirkt. Diese Nachahmung der Wirklichkeit rechtfertigt die Anhöhe á=2, und der Wert 2 wird anschließend entlang der Kette í, ó, ú, ý immer wieder verwendet, was das Gitter daran hindert, ein höheres Ergebnis als 1/(á)(í)(ó)(ú)(ý)=1/(2)(2)(2)(2)(2)=1/32 zu erreichen, so dass es unbedeutend bleibt. Dieser traurige Überblick führt uns dazu, eine Untersuchung der Größen æ, ß, œ, í*, ó*, ú*, ý* aufzugeben. Hätten sie nämlich jeweils den Wert 1, würde ihr Ganzes das Scheitern des Filzes nie ausgleichen.

Methode

Es wäre in mancher Hinsicht nachteilig, Wendungen, die auf dem Spiel der Klänge beruhen, und diejenigen, die sich auf Bedeutungsverhältnisse stützen, in einen Topf zu werfen. Plato behauptete, dass der rechte Weg zur Kenntnis darin besteht [734]«Im Stande…zu sein, die Wirklichkeit nach den verschiedenen Arten zu ordnen und dabei den natürlichen Gliederungen in Gedanken zu folgen…»

Anwendung auf Baudelaire

Somit erhärtete Plato die Parallele des Hippokrates [438]: «Die Architekten errichten mit unterschiedlichen Baustoffen ein gefügiges Ganzes. Sie wässern die trockenen Baustoffe und trocknen die wasserhaltigen Baustoffe. Sie zerschneiden gleichartige Massen und bringen ungleichartige Stücke zusammen. Sonst entspräche das Gebäude nicht dem Ziel des Architekten. Dabei ahmen sie die Diät der Menschen nach, die die wasserhaltigen Speisen trocknen und die trockenen Speisen wässern. Die Menschen zerteilen ebenfalls Ganze und bringen in Diäten Teilstücke zusammen. Trotz der Unterschiede herrscht Eintracht.»

§384
· Anhöhe des 6. Gitters
Theorie

Suchen wir mit dem Teil einer Schiene “Wie schwindende Echos, die in der Ferne verschmelzen…” nach einer glaubhafteren Wendung. Zunächst hat das Gelände von (schwindende/-Echos) einem etwaigen Klangspiel nichts zu verdanken. Somit wird die Bohrung nicht bedroht, was á=1 rechtfertigt.

Methode

Wenn wir im Gegensatz den Filz (toten/-Trommeln) betrachten, der auf “die Trauerfeier wird von toten Trommeln begleitet” beruht, kommen wir nicht zum selben Ergebnis, weil die Wiederholung “to-ten-Tromm” bald eine Lautmalerei vermuten lässt.

Anwendung auf Baudelaire

Das doppelte “A” in “Nachahmung” bliebe an sich für die Anhöhe á=1 von (Nachahmung/-Symbole) ohne Folgen, wenn im Satz “…dort schreitet der Mensch durch die Nachahmung der Symbole…” keine zusätzlichen Klangspiele vorkämen. In der Regel wählt ein Autor das zu einem bestimmten Satz passende Wort, ohne die damit verbundenen Klänge, die von der Geschichte der Sprache kommen, zu verantworten. Dagegen können wir á=2 schreiben, wenn eine vorsätzliche Gaukelei mit den Klängen, der Graphik, Zeit und Raum als vorhanden empfunden wird. Es ist bei einem Dichter, der in erster Linie nicht mit den Klängen spielt, jedoch nicht auszuschließen, dass seine tiefe Eingebung oft mit klanglichen Erinnerungen innerhalb gebräuchlicher Wörter verbunden sei. Im Umgang mit Zeugen aus ferner Vergangenheit vertieft Baudelaire seine Vorstellungen und Gefühle, wenn er für seine Gedanken ein Echo sucht. Laut Tabarant genügen dem jungen Rentner die oberflächlichen Freundschaften nicht [947]- [948]-[949]: «Aber diese Zerstreuungen und Trödeleien bringen ihm keine Erfüllung. Meistens zieht er alleine los. Wohin? In die Lesesäle und die Museen: Louvre, Luxembourg, Versailles. Im Louvre fesselt ihn alles, aber er verweilt länger in der frisch eröffneten englischen Abteilung. Da sind Sammlungen von Gemälden, Zeichnungen und Radierungen, die Lord Standish kurz zuvor Louis-Philippe vermacht hat. Diese Werke sind vorübergehend in vier kleinere Säle über dem Marinemuseum abgelegt worden. Fast Werke! Unter ihnen stammen 150 von der spanischen Schule. Obwohl die Echtheit nicht immer gesichert ist, wurden etliche Murillo, Velasquez und Zurbaran zugeschrieben. Unabhängig von ihrem eigentlichen Wert sind sie in ihrer Gesamtheit verlockend -und so neu in Paris!» 162

§385
· Regler des 6. Gitters
Theorie

Der Regler von (schwindende/-Echos) verdient wegen der Lüftung des Filzes die Höhe æ=1. In “Wie schwindende Echos, die in der Ferne verschmelzen…” fällt es leicht, eine besondere Form zu spüren. Im Zusammenhang wird die vermutliche Wendung (schwindende/-Echos) durch keine technische Notwendigkeit gerechtfertigt, die sie als solche zerstören würde. Die Besonderheit der Wendung besteht darin, “schwindende” für sehr schwache Töne zu gebrauchen, und es bedarf keines esoterischen Wissens, um dieses kleine Rätsel zu raten.

Methode

Die Erarbeitung von Urteilen über die Glaubhaftigkeit der bereits bekannten Wendungen erfolgt nicht, ohne dem Leser Mittel zu geben, von ähnlichen Grundlagen ausgehend neue Wendungen zu ersinnen. Auf einem anderen Gebiet entwarf Poincaré ein Muster zur Erörterung der Verbindung zwischen Herstellung und Erklärung [802]: «Setze ich "um Wasserstoff zu erzeugen, lassen Sie eine Säure auf Zink einwirken", so erkläre ich eine bewährte Regel. Ich hätte ebenso gut sagen können "lassen Sie destilliertes Wasser auf Gold einwirken". Auch dies wäre eine Regel gewesen, aber sie hätte nichts gebracht.»

Anwendung auf Baudelaire

Der Gebrauch des Adjektivs “schwindende” und des Verbs “verschmelzen” ist im Verhältnis zum Zusammenhang eher willkürlich. Die Anwendung von “Wie schwindende Widerspiegelungen, die in der Ferne verschmelzen…” würde zu einem ebenso brauchbaren Beispiel führen. Was Ovids Untersuchungen betrifft, berühren wir die Grundlagen der Erscheinung [560]: «Damals hatte Echo einen Körper. Es war nicht nur eine Stimme, aber ihr geschwätziger Mund diente ihr wie heute nur dazu, die letzten Worte von dem Erzählten wiederzugeben. So hatte es Juno gefügt. Wenn es der Göttin gelang, die Nymphen in den Bergen zu überraschen, die sich oft von Jupiter betasten ließen, war Echo bemüht, Juno durch längere Gespräche aufzuhalten, und den Nymphen somit Zeit zur Flucht zu geben. Es fiel Saturns Tochter auf: "Diese Zunge", sagte sie, "die mich betrogen hat, wird dir nicht länger dienen, und du wirst davon nur noch kurzen Gebrauch machen."»

§386
· Podium des 6. Gitters
Theorie

Der Filz (schwindende/-Echos) erlangt aus etlichen Gründen das Podium ß=1. Der Riegel “schwache” ersetzt das Gelände “schwindende” und macht somit “Wie schwindende Echos, die in der Ferne verschmelzen…” verständlich. Im Zuge dieser Lösung des Rätsels scheitert die Einverleibung von (schwindende/-Echos) durch den jeweiligen Tartan (Echos-/verschmelzen-/Düfte-/antworten), (Echos-/ verschmelzen-/Farben-/antworten), (Echos-/verschmelzen-/Töne-/antworten) in der Schiene, in welcher der Rost enthalten ist. Des Weiteren wiederholen sich Gelände und Korridor nicht, und es handelt sich zwischen den beiden eher um einen Unterschied als um einen Gegensatz.

Methode

Im Zusammenhang mit jeder beliebigen Erscheinung oder jedem beliebigen Wesen können wir von einem schwindenden Grad sprechen, so dass die Stärke des Unterschieds zwischen den Vorstellungen nicht ausreicht, um ein Podium 2 zu rechtfertigen.

Anwendung auf Baudelaire

Hier mag der Schaffende ein Echo des Guten im Auge haben, das das Böse wäre, und es gäbe zwischen den beiden Eigenschaften eine Reihe von Verschlechterungen, die von einer zur anderen führen würde. Eine Beschreibung dieser Verwandlung wäre der Dichtung durchaus würdig [[994]] in Index II (Gedichte)">[[994]]: «Es ist die Langeweile! -Ihr mit einer unwillkürlichen Träne beladenes Auge
Bildet sich Schafotte im Rauch der Hukas.
Du kennst sie lieber Leser, als zartes Ungeheuer,
-Heuchlerischer Leser, -mein Ebenbild und Bruder!» Wir hoffen, dass wir diese Leere der Angst, mit Heldentaten füllen können. Und doch stufte sie ein Seeräuber, der vor Alexander dem Großem vor Gericht erschienen war kaum höher ein als die schmutzigen Geschäfte [199]-[50]«Der König hatte ihn gefragt: "Woran denkst du, der du die Meere unsicher machst?" Frech und wagemutig entgegnete er: "An dasselbe wie du, wenn du das All verunsicherst! Da ich jedoch mit einem kleinen Schiff vorgehe, werde ich Seeräuber genannt, während du, der du mit einer großen Flotte vorgehst, Kaiser genannt wirst!"» Über Algerien schrieb Tocqueville [957]: «Mich dünkt, dass das Kriegsrecht uns erlaubt, das Land zu verwüsten, und dass wir es vollbringen sollen, entweder indem wir das Getreide zur Zeit der Ernte zerstören, oder indem wir zu jeder Jahreszeit solche rasche Beutezüge, sogenannte Razzien durchführen, die darauf abzielen, Menschen oder Vieh zu erbeuten.»

§387
· Verdünner des 6. Gitters
Theorie

Das Gelände “schwindende” des Filzes (schwindende/-Echos) besteht aus einer Vorstellung, die sich in einem Wort vorträgt. Der Riegel “schwache” besitzt dieselben Eigenschaften und liefert zugleich den Schlüssel des Rätsels. Der Rost “Wie schwindende Echos, die in der Ferne verschmelzen…” macht durch das Adjektiv “schwindende” auf eine Vorstellung aufmerksam, als wolle man auf eine abwegige Idee hinweisen. Alle diese Vorteile leiten uns dazu, den Verdünner œ=1 anzunehmen.

Methode

Bacon war bestrebt, sich für jede Naturerscheinung auf einen Typ zu konzentrieren. Es ging darum, verschiedene Seiten dieses Typs zu unterscheiden und dann jede Seite variieren zu lassen, um die allgemeine Arbeitsweise des physischen Systems zu erklären [54]. Auf dieselbe Weise dienen die Knötchen unserer Untersuchung dazu, die Grundlinien jeder Wendung zu umreißen.

Anwendung auf Baudelaire

Der Gebirgsbewohner fährt zusammen, wenn er ein Echo hört, selbst wenn der Ausgangslärm ihm vertraut ist. Demzufolge wäre der Filz (überraschende/- Echos) im Satz “Wie überraschende Echos, die sich in der Ferne vereinen…” wenig überzeugend. Der Verdünner œ=2 würde dem Filz auf dem Weg zu einem hoch bewerteten Gitter ein Hindernis bieten, da kein ungewöhnlicher Gebrauch der Sprache vorhanden ist. Mit dem Rost “Wie die überraschende Erinnerung an die Ungerechtigkeiten durch die Jahrhunderte hindurch, die sich in der Ferne vereinen…” stießen wir auf ähnliche Probleme. Wenn Baudelaire seine eigene Gedankenwelt als Wald betrachtete, konnte er auch an die Echos zwischen den berühmten Werken denken. In ähnlicher Hinsicht kommt es überraschenderweise sogar vor, dass das Echo in der Reihenfolge der Stellen, die als Symbole der Kultur betrachtet werden, manchmal berühmter wird als das Vorbild [130]-[150]: «Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.»

§388
· Garbe des 6. Gitters
Theorie

Einerseits stehen für (schwindende/-Echos) á=1, æ=1, ß=1 und œ=1 fest, was eine Collage áæßœ=1 ergibt. Andererseits beruht die Räumlichkeit z=1 auf dem engen Verhältnis im Rost zwischen Korridor und Gelände, was zu í=((áæßœ)(z))=((1)(1))=1 führt.

Methode

Der Schaffende und das Publikum neigen beide dazu, im Laufe des Prozesses den erfundenen oder empfangenen Sinn zu vergessen. Der wachsende Abstand zwischen den Begriffen steigert das Risiko der Vergessenheit der bereits angewandten Begriffe, was eine einzige Untersuchung für zwei Gegenstände -Verfasser und Leser- rechtfertigt.

Anwendung auf Baudelaire

Im Rost “Wie schwindende Echos, die in der Ferne verschmelzen…” ist das grammatische Verhältnis zwischen “Echos” und “schwindende” so eng, dass es die Verschwommenheit jeder Vorstellung nicht daran hindert, die Verbindung zwischen den beiden sehr stark zu sein. Die Einbildungskraft spielt mit den Gedanken und orientiert sich erstens an der Nähe des Sinnes, zweitens an der Nähe der Wörter im Rahmen des Werks. Sobald unsere eigenen Erfahrungen Schritt um Schritt unseren Vermutungen bezüglich des Sinnes nicht im Wege stehen, verstehen wir inmitten tausender ungleichartiger Einzelheiten die Grundbedeutung eines berühmten Textes. Zur Erarbeitung einer vollständigen Methode, die dem Verfasser dienen und sich auf Bedeutungsentsprechungen stützen würde, mangelt es uns noch an genügend stichhaltigen Hinweisen. In dieser Hinsicht sind wir den Zeitgenossen des Hippokrates ähnlich, die für ihre Gesundheit eine passende Diät suchten [437]: «Die Menschen verstehen es nicht, vom Sichtbaren ausgehend das Unsichtbare zu beobachten. Sie sind sich nicht einmal dessen bewusst, dass ihre Arbeitsverfahren den Verfahren ähnlich sind, denen die Natur in ihren Körpern folgt. Der Geist der Götter hat sie gelehrt, ihre eigenen Verfahren nachzuahmen, aber sie tun es, ohne den Ursprung zu kennen. Denn alle Dinge sind in mancher Hinsicht gleich, obwohl sie von einem anderen Gesichtspunkt aus unterschiedlich sind. Alle Dinge stimmen zusammen, obwohl sie sich voneinander unterscheiden. Sie haben in mancher Hinsicht ein Gespräch, ohne einen vollständigen Umgang zu haben. Sie haben den Verstand und besitzen ihn nicht vollständig. Jedes Ding hat seinen eigenen Gebrauch, obwohl alle diese Bräuche ihre Gegensätze überwinden und sich ineinander gliedern. Wir tun alles durch Natur und Sitte, und beide unterscheiden sich, obwohl sie in Einklang stehen.» Die Texte und die natürlichen Wesen hehlen innere treibende Kräfte, die so heimlich sind, dass wir damit zögern, und Frau von Stael gibt über Körper und Seele ein strenges Urteil ab [935]: «Ein französischer Schriftsteller hatte behauptet, dass das Denken nur "das Materialprodukt des Hirns" sei. Ein anderer Wissenschaftler äußerte, dass wir wissen werden, "wie Leben erzeugt wird", wenn wir in der Chemie weiter fortgeschritten sind. Der eine Autor hat die Seele geschmäht, wie der andere die Natur.»

§389
· Bastion des 6. Gitters
Theorie

Im ersonnenen Texte wird der Riegel “schwache” der Wendung (schwindende/-Echos) für den Rost “Wie schwindende Echos, die in der Ferne verschmelzen…” im Wesentlichen durch “verschmelzen” dargestellt. Das Echo verschmilzt mit den anderen Geräuschen, so dass wir es kaum noch unterscheiden können, und die Verschmelzung wird mit einer Schwächung gleichgesetzt. Ein kleines Anzeichen des Riegels kommt in der Nähe von “schwindende” zum Vorschein, was uns auf den Pfad der Bastion ó*=2 führt. Die Collage áæßœ=1 bildet in dieser Hinsicht kein Hindernis, da wir ó=((áæßœ)(ó*))=((1)(2))=2 schreiben können.

Methode

Da die Phantasiewerke oft mehrdeutig sind, leitet dies zu Schwierigkeiten, wenn es darum geht, ein Urteil über die Filze abzugeben. So werden endlose Streitereien begünstigt, die uns zu einer illusorischen Bedeutung führen.

Anwendung auf Baudelaire

Vom Thema des Echos ausgehend, wird der phantasievolle Ausdeuter für den Rost «Wie lange Echos, die sich in der Ferne vereinen…» das Echo als Widerspiegelung deuten. In einem zweiten Schritt wird er behaupten, dass Baudelaire sich mit dem Spiegelthema befasst. In einem dritten Schritt wird er Echo und Liebe gleichsetzen, was zur Vermutung leitet, dass der Filz (vereinen/-Echos) den Riegel “lieben” annimmt. Umgekehrt wird er erklären, dass “Körper” für (Echos/- vereinen) als Schlüssel gilt. Ohne diese Art Gewissheit zu erreichen, müssen wir zugeben, dass man über solche Deutungen nicht lachen darf, denn Geliebte betrachten sich oft gegenseitig als Echos. Nach Platos ironischer Fabel sind die Menschen von heute die Nachkommen älterer Wesen. Zeus hat sie wegen ihres Ehrgeizes bestraft und entzweigeschlagen, so dass beide Hälften nun versuchen, zueinander zurückzufinden [728]: «Sicher ist die Liebe seit dieser Zeit in den Menschen eingeboren…» Somit würde eine Folter zu Lust führen [727]: «Unter diesen Bedingungen war ihr natürliches Wesen in zwei Teile zerschnitten.»

§390
· Lotse des 6. Gitters
Theorie

Das Verb “verschmelzen” führt zum Pfad des Lotsen ú*=2, denn die Anwendung desselben im Rost wirkt ungeschickt oder seltsam. So ist ú=((áæßœ)(ú*))=((1)(2))=2 für (schwindende/-Echos) berechtigt.

Methode

Zwischen diesem Wert und demjenigen der Bastion ó=((áæßœ)(ó*))=((1)(2))=2, besteht kein allgemeines Verhältnis, denn eine schwer zu deutende Stelle mag keine Wiederholung der Bedeutung des Riegels enthalten, und umgekehrt mag eine Wiederholung der verborgenen Bedeutung über Vorschläge geschehen, die zur Klärung dieser verborgenen Bedeutung einleuchtend genug sind.

Anwendung auf Baudelaire

Wir dürfen “schwindende” nicht für das schlechte Ergebnis ú*=2 verantwortlich machen, denn die eigentliche Ursache des Scheiterns liegt nicht in dem, was das Rätsel des Filzes bildet. Der Riegel “schwache” verträgt zusätzliche Erklärungen. In diesem Zusammenhang müssen wir bemerken, dass ein sehr lauter Ton manchmal eine Illusion vortäuscht, indem wir diesen Ton als eine Art Echo von völlig anderen hörbaren Erscheinungen vernehmen. Auf ähnliche Weise mag es vorkommen, dass wir bestimmte Farben subjektiv sehen, während wir uns für objektiv halten, weil manche Farben wegen der Beschaffenheit unserer Augen an der Grenze zwischen ihren Flächen ineinander verschwimmen. In der Pariser Gemäldeausstellung 1842 war laut Tabarant eine Einzelheit besonders interessant [507]-[947]«Wichtiger Hinweis in der Diele, wo er nicht genügend auffällt: "Dreimal in der Woche hält der Chemiker Chevreul, der seit 1824 Dozent und Farbendirektor ist, in der Aula der Wandbildteppichmanufaktur Gobelins eine Vorlesung über Farbenkontraste, die alle Künstler mit Gewinn hören können."»

§391
· Gitter ¼
Theorie

Wegen der Collage áæßœ=1 wird die Mole (ý) von (schwindende/-Echos) durch den Pfad ý* bestimmt. Da der angewandte Rost keine Vokabel aus einem Fachwortgut aufweist, bringt die Lage den Wert ý*=1, und wir schreiben folglich ý=((áæßœ)(ý*))=((1)(1))=1. Unter diesen Bedingungen nimmt das Gitter die Höhe 1/(á)(æ)(ß)(œ)(í)(ó)(ú)(ý)=1/(1)(1)(1)(1)(1)(2)(2)(1)=¼ an.

Methode

Zwischen Stempeln und Knötchen besteht eine gewisse Ähnlichkeit, weil manche bereits errechnete Größen sich in neue Größen fügen. Hier findet sich (áæßœ) in í, ó, ú, ý wieder.

Anwendung auf Baudelaire

Der Rost “Wie schwindende Echos, die in der Ferne verschmelzen…” lässt bezüglich der Möglichkeit eines Filzes keinen Zweifel aufkommen, so dass es beruhigend ist, festzustellen, dass der Glaubhaftigkeitswert die unmittelbare Empfindung widerspiegelt. Diese Größe geht nicht über den Wert ¼ hinaus, weil “verschmelzen” sich in der Klarheit der Redewendung hinderlich auswirkt. Das Echo, das Baudelaire im fünften Vers erwähnt, mag auch die Art und Weise beschreiben, auf die das Publikum das Werk in seinen Gedanken auffasst. Die Unverschämtheit mancher Gedichte hat den Dichter ziemlich früh ein Gerichtsverfahren fürchten lassen. Daher war er bereits in der Inschrift bemüht, sich zu rechtfertigen, damit das Bändchen "die Blumen des Bösen" trotz der Strenge der Richter eine ansehnliche Leserschaft erreichte. In der Inschrift werden Verse von Agrippa d'Aubigné zitiert, die in der Zeit der Religionskriege entstanden waren [3]-[42]-[661]: «Es heißt, Abscheuliches sollte in den Schacht der Vergessenheit geraten
Und im Grabmal eingeschlossen werden,
Sonst werden die Schriften das Übel wieder aufleben lassen,
Was die Sitten der Nachwelt verderben wird.
Aber die Wissenschaft ist nicht die Mutter des Lasters,
Und die Tugend ist nicht die Tochter der Unwissenheit.»

§392
· Anhöhe des 7. Gitters
Theorie

Der Riegel “Missbrauch” scheint angebracht, um die Triebfeder des Rätsels (Taumel/-Sinne) bezüglich des Rosts «…die den Taumel des Geistes und der Sinne singen» richtig zu beschreiben. Zu Beginn der Glaubhaftigkeitsbewertung schreiben wir die Anhöhe á=1, da die Wendung nicht auf den Sprachklängen beruht.

Methode

Vor einem Filz muss der Ausdeuter seine Gedanken, auch bevor er die Knötchen behandelt, mit einer tiefer gehenden Überlegung ergänzen, weil er sich anhand einer zu knappen Stelle im Schriftstück irren könnte. Solch ein schlechter Ansatz würde ihn dazu verleiten, indem er die einzelnen Kriterien des Gitters erwöge, seine überstürzte Meinung Schritt für Schritt zu ändern.

Anwendung auf Baudelaire

Das Vorhandensein des Wortes “Geist” im Gedicht führt den Ausleger zunächst dazu, an einen Riegel “Rausch” zu denken. Wenn er dann der Verbindung zwischen «verdorben» und «Sinne» gewahr wird, geht er dazu über, den Riegel “Missbrauch” als angepasster zu betrachten. Von diesem Gesichtspunkt aus könnte die Tragweite der Wendung bis zur Vorstellung von Trance, Verzückung und wüstes Gelage ausweiten. Baudelaire tadelt kaum die Prostitution [[990]] in Index II (Gedichte)">[[990]]: «Sie schreitet wie eine Göttin dahin und ruht sich wie eine Sultanin aus…Sie glaubt, sie weiß bestimmt als unfruchtbare Jungfrau,
Auf die sich jedoch der gute Weltlauf stützt,
Dass körperliche Schönheit die höchste Gabe darstellt,
Die für jede Schande Vergebung erlangt.»

§393
· Regler des 7. Gitters
Theorie

Da der nach dem letzten Vers von „Entsprechungen“ ersonnene Filz (Taumel/-Sinne) dem Publikum zugänglich zu sein scheint, bringt die Lüftung keinen Zweifel, und wir schreiben den Regler æ=1.

Methode

Vergleichen wir zwei Kriterien: erstens das des Vorhandenseins irgendeiner Redewendung, die in (æ) enthalten ist, und zweitens (œ): das des Vorhandenseins eines Rätsels, das vom Autor nachträglich in einen bereits entworfenen Text eingefügt wird. Beide Kriterien sind voneinander unabhängig, weil eine Redewendung nicht immer ein Rätsel voraussetzt. So enthält “der klare Klang der Trompete wurde gehört: "to to te to te"” kein Rätsel.

Anwendung auf Baudelaire

Aber der Titel der Gedichtsammlung «die Blumen des Bösen» ist an sich rätselhaft. Es wird allgemein angenommen, dass der Schlüssel zur Lösung des Problems im sapphischen Thema liegt, das die Männer in seinen Bann schlägt und eine sexuelle Auflehnung darstellt [[1036]] in Index II (Gedichte)">[[1036]]: «Im fahlen Licht der ausgehenden Leuchten
Träumte Hippolyta von heftigen Zärtlichkeiten.
Auf molligen, duftenden Kissen sah sie arglos zu,
Wie der Schleier der Unschuld hochging…Delphine lag ihr ruhig und freudenvoll zu Füßen
Und blickte sie hitzig einem kräftigen Tier ähnlich,
Das sein mit den Zähnen angebissenes Opfer
Im Auge behält, und begehrlich an.»

§394
· Podium des 7. Gitters
Theorie

Das Podium von (Taumel/-Sinne) erreicht den Wert ß=2, denn dieser Filz passt nicht richtig in den Zusammenhang des Rosts «Es sind Düfte frisch wie die Haut von Kindern…Und andere…Die den Taumel des Geistes und der Sinne singen.» Der Filz wird durch (Taumel./Sinne) einverleibt, was eine Metapher mit dem Vorplatz (Wege der Leidenschaft-.-Menschen-.-andere Düfte-.-Sinne) darstellt. Es fällt einem leicht, sich davon zu überzeugen, dass «Taumel», das im Filz den Riegel “Missbrauch” annimmt, als Einzelheit der Analogie (Taumel./Sinne) integriert wird. Die entsprechende Größe ß=2 wird in die Collage aufgenommen, was das Gitter 1/áæßœíóúý=1/(ß)(í)(ó)(ú)(ý) ergibt, das den Wert 1/(ß)(í)(ó)(ú)(ý)=1/(2)(2)(2)(2)(2)=1/32 nicht übersteigen kann.

Methode

Es hätte einer sehr wichtigen Filz-internen Bedeutung bedürft, die im Tartan nicht vorausgesetzt worden wäre, um die Einverleibung meiden zu können.

Anwendung auf Baudelaire

Obwohl die Vorstellung “Missbrauch” breit genug ist, scheint sie in diesem Zusammenhang nicht unbedingt notwendig zu sein. Die sittliche Auseinandersetzung zwischen den Bereichen von Frische und Verderbtheit, die in „Entsprechungen“ nicht völlig hervorgehoben wird, gewinnt in anderen Texten der Sammlung "die Blumen des Bösen" an Deutlichkeit. In den Unterlagen, die Baudelaire für sein Gerichtsverfahren zusammenkritzelt, ist Folgendes zu lesen [651]: «Was soll diese prüde, zimperliche, schelmische Sittenlehre, der es nur gelingt, unter den harmlosen Träumern Verschwörer zu wähnen? Diese Sittenlehre ginge soweit zu behaupten: "Von nun an werden nur noch tröstliche Bücher geschrieben, mit dem Ziel zu beweisen, dass die Güte im Menschen angeboren ist und dass alle Menschen glücklich sind", -unverschämte Heuchelei!»

§395
· Anhöhe, Regler und Podium des 8. Gitters
Theorie

Betrachten wir nun den Filz (Extreme/-Bewegungssinne) mit Rost “…die die Extreme der Bewegungssinne besingen.” Wir sehen, wie die Wendung (Extreme/-Bewegungssinne) den Riegel “Missbrauch” annimmt. Für die beiden ersten numerischen Größen verfahren wir wie für (Taumel/-Sinne), weil derselbe Gedankengang wieder benutzt werden kann. Die Klänge der Sprache spielen auch hier keine Rolle, und die Anhöhe á=1 ist berechtigt. Das Verb “besingen” schließt aus, dass es sich hier trotz “Bewegungssinne” um Wissenschaft handle. Somit ist die intuitive Verständigung der Wendung jedem Uneingeweihten zugänglich, der von Nervenheilkunde keine Ahnung hat, was zum Regler æ=1 führt. Da das Wort «Taumel» nicht mehr im Rost steht, wird die Metapher (Taumel./Sinne) unmöglich, so dass jede Gefahr der Einverleibung beseitigt ist, und wir können das Podium ß=1 schreiben.

Methode

Indem wir die verschiedenen Knötchen durchnehmen, schreiten wir allmählich in der Verständigung der neuen Begriffe mit den damit verbundenen Folgen vor.

Anwendung auf Baudelaire

Seinerseits war der Dichter in erster Linie bemüht, eine tiefgehende Bedeutung mit dem Wohlklang der Wörter zu vereinen. Statt des langweiligen Zählens berief er sich auf seine ausgedehnte Bildung und sein intuitives Gedächtnis. 1837 hatte ihm einer seiner Lehrer die Bemerkung gemacht [597]-[632]: «Geben Sie sich doch mit lateinischen Versen ab, sonst geben Sie einen Trumpf für Ihre Zukunft auf.» Aber Prosa wurde in den Gymnasien auch sorgfältig gepflegt. In Stendhals Roman „Rot und Schwarz“ redet der Bischof den jungen Helden wie folgt an [942]: «Obwohl das Geschenk nicht kanonisch regelmäßig ist, möchte ich Ihnen die Werke des Tacitus schenken.» Unter ähnlichen aber auch wirklichen Bedingungen, die dem Zeitgeist entsprachen, konnte Baudelaire von diesem Autor etliche Beschreibungen der Ausschreitungen der Soldaten lesen. Im eroberten Gebiet brachte manchmal ein vergänglicher Sieg die Gesellschaft durcheinander [951]: «Fand sich ein anmutiges junges Mädchen oder ein schöner junger Mann, so wurde sein Körper von den Händen, die sich gewaltsam um ihn stritten, zerrissen, und die begierigen Entführer selbst endeten in einem Todeskampf. Während ein Teil von ihnen aus den Tempeln das Geld oder die schweren goldenen Opfer plündert, treten stärkere Soldaten auf und schlachten die ersteren hin.» Oder, an anderer Stelle [952]: «Sie kümmerten sich nicht um den Wachdienst und verstärkten nicht die schwachen Punkte der Mauern. Tag und Nacht gaben sie sich der Lust hin und erfüllten die Luft der schönsten Stellen an der Küste mit dem Krach ihrer Gelage, und redeten nur von Waffen inmitten der Schmäuse, während ihre Soldaten durch die Gegend auf Beute aus waren.»

§396
· Verdünner des 8. Gitters
Theorie

Der Verdünner (œ) von (Extreme/-Bewegungssinne) hat wegen der günstigen Umstände im Rost “… die die Extreme der Bewegungssinne besingen.” den Wert 1. Mit dem Gelände “Extreme” begreifen wir, dass die Bedeutung nicht voll zum Ausdruck kommt. Daraus geht hervor, dass der Autor einen kräftigeren Inhalt im Sinn hatte. Gelände “Extreme” und Riegel “Missbrauch” bieten drei Vorteile: sie sind unzweideutig, lassen sich knapp formulieren und bilden ein Rätsel, das vom ersten ausgehend zum zweiten führt.

Methode

Nach Kant [479]«…ist die Lust am Schönen…der bloßen Reflexion.» Auf jeden Fall wirkt unser Filz in seinem engen Bereich wie manche logische Spiele auf diese Weise.

Anwendung auf Baudelaire

Perrault war eher am Inhalt der Empfindung interessiert [571]: «Er roch nach links und rechts und meinte, er rieche Menschenfleisch. "Sie riechen wohl" sagte seine Frau "diesen Kalbsbraten, den ich gerade mit Speck umwickelt habe." -"Ich rieche Menschenfleisch, sage ich dir noch einmal, und es ist auch etwas da, was ich nicht begreife" erwiderte der Oger und sah seine Frau schief an. Mit diesen Worten verließ er den Tisch und ging gleich zu Bett. Er fügte hinzu: "Ah! So willst du mich veralbern, verdammtes Weib…" Er zog sie einen nach dem anderen von unter dem Bett hervor, und diese armen Kinder knieten nieder…»

§397
· Garbe des 8. Gitters
Theorie

Die ersten vier Knötchen á, æ, ß, œ, mit dem Wert 1 ergeben eine Collage áæßœ=1, was die passende Weise der Wendung (Extreme/-Bewegungssinne) widerspiegelt. Außerdem stehen die Begriffe in engem Kontakt im Rost “…die die Extreme der Bewegungssinne besingen.” So liefert die Sprungschanze b(Extreme~Bewegungssinne) die innere Räumlichkeit z=1, was zur Garbe í=((áæßœ)(z))=1 führt.

Methode

In unserer Berechnung musste (í) die Collage (áæßœ) wieder übernehmen, damit ein Filz, der durch z=1 begünstigt wäre, aber beachtliche Nachteile aufweisen würde -die á=2, æ=2, ß=2 oder œ=2 verursachen- kein brauchbares Gitter 1/áæßœíóúý=1/áæßœzóúý=1/((áæßœ)(1)(ó)(ú)(ý))=1/(2)(1)(2)(2)(2)=1/16 bringen könnte.

Anwendung auf Baudelaire

Die Düfte «…Wie Amber, Moschus, Benzoe und Weihrauch…» passen nicht nur den siegreichen Haudegen. Das Wonneleben der Hauptstädte, die fern den Kämpfen scheinen, nimmt auch die Düfte in Anspruch [[1093]] in Index II (Gedichte)">[[1093]]: «…Watteau, -dieser Karneval, in dem manche erlauchte Herzen
Wie Schmetterlinge funkelnd umher irren.
Frische, leichte Ausstattung, die im Licht der Kronleuchter glänzt,
Erfüllt die Köpfe der kreisenden Tänzer mit Größenwahnsinn…» Die Bezeichnung des Dufts «Amber», eine Absonderung des Pottwals, deckt sich in manchen Sprachen mit dem Namen des Bernsteins: eine gelbe Substanz aus fossilem Harz. Baudelaire erwähnt diesen Schmuckstein in einem anderen Gedicht [[1010]] in Index II (Gedichte)">[[1010]]: «Als die niedergeschlagene Lampe ausbrannte,
Erleuchtete nur noch die Feuerstelle das Zimmer,
Und wenn eine Flamme mit einem Seufzer hochflackerte,
Wurde die bernsteinfarbene Haut durch das Licht hervorgehoben!»

§398
· Bastion des 8. Gitters
Theorie

Für (Extreme/-Bewegungssinne) nimmt den Pfad den Wert ó*=2 an, weil die singenden Düfte, die im Rost erwähnt werden, im selben Satz als “verdorben” bezeichnet werden. Auf diese Weise wird der Riegel “Missbrauch” durch den Zusammenhang bereits angedeutet. So führt der Kniff ó=((áæßœ)(ó*)) zur Folge ó=((1)(2))=2.

Methode

Eine klare Entscheidung fällt in diesem Beispiel nicht leicht, weil wir in einem anderen Beispiel anscheinend anders entscheiden. Sagt Chimène «Geh, ich hasse dich nicht», so schreiben wir trotz «dich» ó*=1. Wir könnten einwenden, dass der Gebrauch von «dich» statt «Sie» an Liebe erinnert, was zu ó*=2 führen würde. Aber «dich» mag auch gerechtfertigt sein, weil die beiden Jungen sich schon lange am Hof kennen und nun in einem Spiel als Gegner auftreten, da der König in ihrem Zwist entscheiden muss [211].

Anwendung auf Baudelaire

So sehen wir den Unterschied zwischen den beiden Beispielen: mit “verdorben” und mit «dich». Gehen wir von “verdorben” aus, so kommen wir zwangsweise auf die Bedeutung “Missbrauch” zurück. Auf ähnliche Weise, was (Zuweilen entweichen lassen/-wirre Worte) betrifft, können wir nicht sagen, dass «Worte» oder «lebendige» den Riegel “aussprechen” bereits enthält. Eine gähnende Tür lässt einen Lärm durchgehen, ohne ihn ausgesprochen zu haben. Auf ähnliche Weise können Wesen leben, ohne die Sprache zu genießen. Die Sprache ist unumstritten ein Zeichen für ein erhabenes Dasein. Kunst, körperliche Anmut und Sprache sind oft trotz der damit verbundenen Gefahr als Wege zum Göttlichen betrachtet worden. Verbleiben wir eine Weile bei Plinius [775]: «…in Lanuvium…wurden Atalanta und Helen von einem und demselben Künstler nackt dargestellt. Beide sind gleich anmutig, aber Atalanta wird wegen gewisser Zeichen als Jungfrau dargestellt. Obwohl der ganze Tempel um sie verfallen ist, haben sie selbst keinen Schaden erlitten. Der Kaiser Caligula war von den beiden Bildern begeistert und wollte sie mitnehmen, aber der Träger erlaubte es nicht. In Caere werden noch ältere Gemälde aufbewahrt. Wer sie einer eingehenden Prüfung unterzieht, wird zugeben, dass keine Kunst schneller zur Vollkommenheit gelangt ist, denn es liegt auf der Hand, dass es zur Zeit der Iliade noch keine Gemälde gab.»

§399
· Lotse des 8. Gitters
Theorie

Im Falle (Extreme/-Bewegungssinne) führt der Wert des Pfades des Lotsen wegen “Bewegungssinne” zum Ergebnis ú*=2. “Bewegungssinne” wird im Rost “…die die Extreme der Bewegungssinne besingen.” nämlich auf seltsame Weise angewendet. Die Lüftung der Wendung wird durch “besingen” erhalten, das von der Absicht ablenkt, “Bewegungssinne” als Bezug auf Fachkenntnisse zu deuten. Daraus ergibt sich ein für einen Phantasietext skurriler Ton, was uns dazu führt, ú=((áæßœ) (ú*))=((1)(2))=2 zu schreiben.

Methode

Eine saubere Trennung zwischen einer wissenschaftlich strengen und einer possenhaften Rede mit demselben Wortgut ist nicht immer möglich.

Anwendung auf Baudelaire

Rausch, Lachen und wüstes Gelage bringen einen Taumel, der das Verhalten wesentlich beeinflussen mag, was die Nervenärzte dazu verleitet, eine Wirkung auf die Bewegungsorgane zu erkennen. Es gibt jedoch auch im Wesentlichen innere Regungen, wie bei Balzac zu lesen ist [85]: «Während ich diese Blumen bewunderte, die für uns wie geschaffen scheinen, fragte ich mich, für wen wir geschaffen wurden: welches sind die Wesen, die uns betrachten…Wenn die Blumen bei schönem Wetter duften und ich unter Geißblatt und Jasmin auf meiner Bank sitze, steigen wellenartige Empfindungen in mir empor, die sich an meiner Stille brechen…Wenn die Orgel in der Kirche spielt und der Klerus antwortet, wenn zwei unterschiedliche Weisen, Menschenstimme und Musik sich ablösen, dann bin ich zufrieden, und dieser Wohlklang hallt in meiner Brust wider: da bete ich mit tiefer Freude, die mir ins Blut dringt…»

§400
· Gitter ⅛
Theorie

Die Mole von (Extreme/-Bewegungssinne) hat einen Pfad ý*=2 wegen “Bewegungssinne”, das an einen Begriff der Nervenheilkunde erinnert, obwohl der Zusammenhang kaum zu dieser Auslegung passt. Dann rührt der Verdacht von einer Anspielung des Schaffenden auf irgendein uns unbekanntes Fach her. Da fragen wir uns, ob der verborgene Sinn tatsächlich “Missbrauch” ist. Dieser Zweifel schwächt die Glaubhaftigkeit des Filzes, was ý*=2 rechtfertigt. Da die Collage (áæßœ) bekanntlich den Wert 1 hat, nimmt die Mole den Wert ý=((áæßœ)(ý*))=((1)(2))=2, und das Gitter den Wert 1/(á)(æ)(ß)(œ)(í)(ó)(ú)(ý)= 1/(1)(1) (1)(1)(1)(2)(2)(2)=⅛ an.

Methode

Es fällt einem Schriftsteller oft um eine allzu leichte Deutung zu verhindern, ein Verfahren zu entwickeln, anhand dessen jede neue Behauptung, die er zu billigen scheint mit ausgesuchten Ausdrücken wieder zunichte gemacht wird.

Anwendung auf Baudelaire

Wir gehen vom Überlieferten aus -zum Beispiel [211]-[343]«Geh, ich hasse dich nicht.» und werfen dann, den Zweifel auf, was zu «Geh, ich hasse dich gefühlsmäßig nicht.» führt. Im Sonett spielen die letzten Verse, die mit dem Thema der Verdorbenheit die anfängliche Ausgeglichenheit stören, dieselbe Rolle. Es ist dem Autor an anderer Stelle gelungen, dieses Thema der Gewalt zu behandeln [[1123]] in Index II (Gedichte)">[[1123]]: «Hass ist das Fass der blassen Danaiden.
Mit ihren roten, kräftigen Armen,
Stürzt die unendliche Rache in ihrer leeren Finsternis
Kübel voll Blut und Tränen der Toten.

Aber der Teufel bohrt in diesen unermesslichen Eimern geheime Löcher,
Die Tausend Jahre Fleiß und Schweiß ausließen.
Da bliebe die Rache machtlos, selbst wenn sie versucht,
Die Körper ihrer Opfer hinzulegen und dieselben härten, um sie enlos wieder bluten zu lassen.» Sechster Teil: VORSÄTZLICHE EINFÜGUNGEN Ins Deutsche übersetzt von Jean-Claude Guerry