Das Essay — Teil IV

Glaubhaftigkeit der Analogien

Legende der Blöcke

Theorie — die begriffliche Darstellung Methode — Bemerkungen zur Anwendung Baudelaire — die Anwendung auf das Sonett Entsprechungen
§241
· Analogien
Theorie

Da manche Ausdeuter den Titel «Entsprechungen» durch “Analogien” erklären, ist es leicht zu verstehen, dass unser Gedankengang zur Messung der Glaubhaftigkeit der Redefiguren führt, deren eigenes Hauptziel jedoch nicht zur Wissenschaft, sondern zur Phantasie gehört. Wir untersuchen sie jeweils über eine locker gebaute Schiene. Großgeschriebene lateinische Buchstaben werden die Mentalbilder und insbesondere die Spuren darstellen. Die Glossen werden ebenfalls die notwendige Wendigkeit erlauben, um viele Anblicke der Vorstellungen zu erkennen, die die Wörter darstellen. Unterhalb der Schwelle 1/16 werden unsere Messungen auf die Ebene der belanglosen Ergebnisse hindeuten, was eine neue Erweiterung der Idee der Nietung nützlich macht. Wir werden uns in den Texten vor allem mit Figuren wie “das hohe Alter ist zum Leben, was der Abend zum Tag ist” beschäftigen, weil sie Gestelle von Vorstellungen zeigen, die man etwa mit einer Gleichung mit zwei Fraktionen wie 10/30=1/3 vergleichen kann [38]-[387]-[970].

Methode

Es genügt nicht, eine mathematische Idee zu erwähnen, um das Reich der Phantasie zu verlassen. Jede Sinnesänderung geht zulasten der Strenge, wie das folgende Beispiel zeigt: “Quadratwurzeln spielten auf der Wiese mit mehreren Quotienten”.

Anwendung auf Baudelaire

Trotz ihres bestreitbaren Charakters spielte die Verbindung zwischen Mathematik und Dichtung in der Metaphysik eine nicht unwesentliche Rolle [38]-[971]. Diderot schrieb [278]: «In den eindeutigsten Fällen stellt die Analogie nichts anderes als eine Dreisatzrechnung in der menschlichen Sinnlichkeit dar.» Diese mit einem regen Wissensdurst gekoppelte Sichtweise ähnelt Baudelaires gelegentlicher Neugier für Mathematik. Champfleurys Humor schont ihn kaum [614]: «Eines Tages erschien Baudelaire mit einem Band von Swedenborg unter dem Arm. Seiner Meinung nach konnte niemand in der Literatur mit Swedenborg verglichen werden. […] Später stieß man auf den Dichter mit einem dicken Band Algebra unter dem Arm. Literatur war aus. Es galt von nun an, Algebra zu studieren, und der Pole Wronski stellte Swedenborg in den Schatten.» Aber auch Wronski war ein Theosoph, der dem erleuchteten schwedischen Autor ähnlich war, der oft auf Latein schrieb.

§242
· Tartan
Theorie

Vier Arten besonderer Analogien werden hier unter der Bezeichnung “Tartan” beschrieben. Wir benutzen ein Symbol für jedes Muster dieser vier Redefiguren. Wir brauchen (E-/F-/H-/R) für “das hohe Alter ist zum Leben, was der Abend zum Tag ist”; dann (E-/F-/H) für “das hohe Alter ist im Leben ein Abend”; dann (E-/H) für “das hohe Alter ist wie ein Abend”; und letztendlich (E./H) für “das hohe Alter ist ein Abend”. Wir werden auch (hohe Alter-/Leben-/Abend-/Tag), (hohe Alter-/Leben-/Abend), (hohe Alter-/Abend) und (hohe Alter./Abend) schreiben.

Methode

Solche Wendungen erfordern in der Regel keine Schönheit und keine Lehre, wobei keiner dieser Vorteile ausgeschlossen werden kann.

Anwendung auf Baudelaire

Im ersten Vers von „Entsprechungen“ leitet Baudelaire das vielschichtige Bild «Die Natur ist ein Tempel…» ein und zeigt uns, dass Analogie, Pracht und Überlegung einander nicht ausschließen. Umgekehrt zeigt das Vorhandensein der reinen Analogie in manchen Schriftstücken ohne die anderen Eigenschaften, dass es auch möglich ist.

§243
· Die Bezeichnungen der Tartans
Theorie

Wir deuten mit dem allgemeinen Symbol (-./) das Vorhandensein irgendeiner beliebigen Tartansorte an. Gehen wir nun in die Einzelheiten der vier Analogien ein. Wir bezeichnen die Überschneidung mit dem Symbol (E-/F-/H-/R); dann die Verpflanzung mit dem Symbol (E-/F-/H); dann die Komparation mit dem Symbol (E-/H); und letztendlich die Metapher mit dem Symbol (E./H).

Methode

Den letzten Namen haben wir der Überlieferung zu verdanken. Zur Fortsetzung unserer Untersuchung haben wir die anderen Namen jedoch ersinnen müssen [411]-[467]-[525].

Anwendung auf Baudelaire

Gehen wir am Anfang von (Natur-/Wälder-/Tempel-/ Säulen) aus, so folgern wir mühelos die drei weiteren Möglichkeiten (Natur-/Wälder-/Tempel), (Natur-/ Tempel) und (Natur./Tempel). Die berühmte Metapher «Die Natur ist ein Tempel…» geht möglicherweise auf das 18. Jahrhundert zurück. Etwa Jahre vor Baudelaire entstand eine Strömung, deren Anhänger gegen den allgemeinen Wissenschaftsdrang ein strenges Urteil fällten. Wir wissen nichts von den Einzelheiten der Werke, mit denen der Autor vertraut war, aber er konnte nicht umhin, von den früheren Streitigkeiten gehört zu haben. Er mag über seine hervorragenden Meister von Kants bekanntem Ausdruck «Ich mußte also das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen…» gehört haben [473]-[600]. Hume hatte für die Philosophie eine ganz andere Anwendung im Sinn [465]: «Nehmen wir uns zum Beispiel irgendeines Werks der Theologie oder der Schulmetaphysik an, so fragen wir "Enthält es irgendeine Beweisführung über Menge oder Zahl?" Nein. "Enthält es irgendeine experimentelle Beweisführung zu den Tatsachen?" Nein. Werfen sie es in die Flammen, denn es kann nur Scheinbeweis und Illusion sein.» Sainte-Beuve bemerkt [889]: «Herr de Maistre besitzt einen besonders ausgeprägten, hervorragenden Sinn, um die verschlagenen Feinde des Christentums in ihren Kreisen und in ihrer List auszumachen und zu entlarven.»

§244
· Abrupt und verziert
Theorie

Die Redefiguren spalten sich in “abrupt” (;/) und “verziert” (:/). Die abrupte Gattung bezieht sich auf die Redefiguren, in denen eine vernünftige Beweisführung vorkommt. Dagegen fallen die Redefiguren, die in den auf Phantasie beruhenden Schriftstücken vorkommen, in die verzierte Gattung. Die Überschneidung (E-/F-/H-/R) wird (;E-/F-/H-/R) geschrieben, wenn sie abrupt ist; und (:E-/F-/H-/R) wenn sie verziert ist. In ähnlichen Fällen nehmen wir für die Verpflanzung (E-/F-/H) die beiden Wiedergaben (;E-/F-/H) und (:E-/F-/H) an. Für die Komparation (E-/H) schreiben wir (;E-/H) und (:E-/H). Für die Metapher (E./H) nehmen wir die Zeichenschrift (;E./H) im abrupten Fall und (:E./H) im verzierten Fall.

Methode

Was die Beweisführung betrifft, dient die Implikation mit dem Symbol (x=>y) als Muster. Mit den Sprüchen (x) und (y), schreiben wir (x=>y), was als “niemals x ohne y” gelesen wird. Wir lesen auch “x impliziert y”. Es ziemt sich anzunehmen, dass (;2-/3-/4-/6) als abrupte Darstellung eines Teils von ((1/3)=(2/6))=>((2/3)= (4/6)) gebraucht wird. Es ist leicht zu begreifen, dass der Gedankengang, der zu “das hohe Alter ist der Abend des Lebens” führt, weit weniger streng ist als derjenige, der zu ((2/3)=(4/6)) führt [38]-[387]-[970].

Anwendung auf Baudelaire

Trotz seiner Schwere gehört das Urteil “das Verhältnis der Säulen zu den Wäldern gleicht dem des Tempels zur Natur” zur verzierten Gattung. “Verziert” bedeutet nur “nicht abrupt”, und da das erwähnte Urteil keineswegs streng ist, bleibt nur diese Möglichkeit der Einstufung übrig. Die Bearbeitung der Traumbilder in Analogien bringt das Muster der verzierten Redefiguren, denn auf diesem Gebiet ist es nie gelungen, eine strenge Behandlung durchzusetzen. Cicero beschreibt, wie dem Mangel an Strenge durch Aberglauben abgeholfen werden kann [202]: «…die Ausleger, die sich auf eine Art Beziehung zu den Dingen der Natur stützen, die sie "Sympathie" nennen, begreifen, was in den Träumen mit diesem oder jenem Ereignis verbunden wird…»

§245
· Brüchig und verformbar
Theorie

In den Tartans wird außerdem auch zwischen “verformbar” (’/) und “brüchig” (,/) unterschieden. Eine Analogie mit sehr geordnetem Inhalt wird als brüchig bezeichnet. Das Muster “2/3=4/6” ist den verformbaren Analogien unzugänglich. Im Beispiel “der Abend ist zum Tag, was das hohe Alter zum Leben ist” stellt eine brüchige Analogie dar, denn ((Abend/Tag)=(hohe Alter/Leben)) ähnelt ((2/3)=(4/6)). Betonen wir, dass eine doppelte Steigerung notwendig ist, damit eine brüchige Analogie ausgemacht werden kann. Der Vergleich zwischen der Reihe "Morgen, Mittag, Abend" und der Reihe “Kindheit, Reife, hohes Alter” veranschaulicht die doppelte Steigerung, von der die Rede ist. Obwohl die Steigerung (Abend-Tag-hohe Alter-Leben) in “der Abend ist zum Tag, was das hohe Alter zum Leben ist” von der Strenge der Steigerung (2-3-4-6) in 2/3=4/6 weit entfernt ist, rechtfertigt sie die Zeichenschrift (,E-/F-/H-/R) eher als die gegensätzliche Zeichenschrift (’E-/F-/H-/R). Da jede Analogie im Allgemeinen eine Art Teilung impliziert, haben Metapher, Komparation und Verpflanzung jeweils eine brüchige und eine verformbare Gattung: (,E./H), (’E./H); dann (,E-/H), (’E.-/H); und letztendlich (,E-/F-/H), (,E-/F-/H).

Methode

Auf logischer Ebene bietet mit (,2-/3-/4-/6) die Überschneidung der Haupttartan, aber auf ästhetischer Ebene dient die Metapher den Künstlern mit ihrer Leichtheit als Muster [862].

Anwendung auf Baudelaire

Betrachten wir «Die Natur ist ein Tempel, worin lebendige Säulen
Zuweilen wirre Worte entweichen lassen;
Dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen…» Das Verhältnis (Natur-/Wälder-/Tempel-/Säulen) vermittelt den Eindruck eines wohl geordneten Landes [8]. Frau von Stael bemerkt [558]-[938]: «Novalis hat die Natur manchmal ausgiebig beschrieben. Er stellt sich zu Recht als der Lehrling zu Sais, denn der Tempel der Isis wurde in dieser Stadt gegründet. Er legte Wert darauf, weil die Traditionen, die von dem heiligen Geheimnissen aus Ägypten überliefert sind, uns dazu treiben, zu glauben, dass die ägyptischen Priester eine gründliche Kenntnis der Gesetze des Alls besaßen.»

§246
· Absteckpfähle und Bogen
Theorie

Das Umgekehrte des Produkts äëïöüÿ der Absteckpfähle ä, ë, ï, ö, ü, ÿ stellt den Bogen dar, der die Glaubhaftigkeit jedes einzelnen Tartans misst. Die einzelnen Absteckpfähle werden “Schießscharte” (ä), “Wall” (ë), “Türmchen” (ï), “Kurtine” (ö), “Graben” (ü) und “Öffnung” (ÿ) genannt. Für jeden beliebigen Tartan misst der Bogen 1/äëïöüÿ die Glaubhaftigkeit des Spruchs “der Schaffende wollte (-./)”.

Methode

Erreichen die sechs Größen den Wert 1, so ergibt die Berechnung des Bogens ebenfalls den Wert 1=1/(1)(1)(1)(1)(1) (1), was die höchste Glaubhaftigkeit für einen Tartan darstellt, sei er Überschneidung (E-/F-/H-/R), Verpflanzung (E-/F-/H), Komparation (E-/H), oder Metapher (E./H). Fehlt eine der Voraussetzungen für eine gute Glaubhaftigkeit, so nimmt einer der Absteckpfähle einen höheren Wert als 1 an, was zu einer Schwächung des Bogens führt.

Anwendung auf Baudelaire

Wir erarbeiten mit Zahlen eine Glaubhaftigkeitsmessung im Zusammenhang mit Texten, die zu manchen Gebieten außer der Mathematik passen. Dante spricht das Publikum seines Gedichts an [230]: «Sie, die Sie einen gesunden Menschenverstand besitzen,
Sollen die hier verborgene Lehre ergründen,
Die Sie unter einem aus geheimnisvollen Versen, gewobenen Schleier finden werden.» Baudelaire erschwert seine Eingebung durch eine schmerzliche Hinzufügung, von der d’Aubigné ein Beispiel gibt [43]: «Meine Augen haben nach dem Grauen verlangt, das zu meinen verdorbenen Wünschen passt,
Während meine Hände Blut und mein Herz Rache suchten…» In den "Blumen des Bösen" ist der allgemeine Ton jedoch keineswegs kriegerisch, denn es kommen mit Humor darin das Lob [[1069]] in Index II (Gedichte)">[[1069]]«…der schmachtenden oder fröhlichen Küsse,
Die die Frische der Wassermelonen und die Hitze der Sonne…» haben.

§247
· Sprungschanzen
Theorie

Die möglichen bejahenden Glossen, die E, F, H, R, aber auch E, F, H, oder E, H verbinden, bilden Sprungschanzen vorausgesetzt, dass ihre Spuren Begriffe sind. Wenn ein Tartan einen Glaubhaftigkeitswert 1 besitzt, ist immer eine Sprungschanze vorhanden. Im selben Fall muss ihre innere Räumlichkeit beim Wert 1 bleiben. Der Text “das hohe Alter ist der Abend des Lebens”, wie Empedokles es bereits bemerkt hatte, ist eine Analogie [38]. Der Ausdruck (hohe Alter-/Abend-/Lebens) beschreibt sie am besten, aber die Glosse b(Abend~Lebens) ist eine Sprungschanze für beide Schemata (hohe Alter-/Abend-/Lebens) und (Abend./Lebens).

Anwendung auf Baudelaire

Der neunte Vers «Es sind Düfte frisch wie die Haut von Kindern…» liefert eine Komparation (Düfte²-/Haut), deren Sprungschanze b(Düfte²~Haut) wegen der grammatischen Verbindung zwangsweise die innere Räumlichkeit 1 besitzt.

Methode

Wir geben nicht den Typ (r), (v) oder (o) der Sprungschanzen an, da er in den Räumlichkeitsmessungen keine Rolle spielt.

§248
· Eine hohe Glaubhaftigkeit
Theorie

Damit ein Tartan eine hohe Glaubhaftigkeit erreicht, muss er mehrere Vorteile aufweisen: eine Räumlichkeit 1 für jede Sprungschanze; die Gewissheit, dass der Schaffende sich der Analogie bewusst war; die Gestaltung der Analogie nur durch Begriffe; der Gebrauch von jedem Begriff des Textes, der nützlich in der Analogie ist; die gleiche Reihenfolge der Begriffe im Text und in der Analogie; die Mischung von Begriffen, die einander logischerweise fremd sind; der Aspekt einer Beweisführung oder nicht je nachdem, ob die Analogie abrupt oder verziert ist; eine mehr oder weniger strenge Reihenfolge je nachdem, ob die Analogie brüchig oder verformbar ist.

Methode

Die Absteckpfähle ä, ë, ï, ö, ü, ÿ werden benutzt, um zu ermitteln, ob jede einzelne aufgelistete Eigenschaft in der untersuchten Analogie vorhanden ist oder nicht.

Anwendung auf Baudelaire

Wir hoffen, dass wir künftig eine ähnliche Untersuchung für die poetischen Klänge aufstellen können, ohne in die Illusion zu verfallen. Die Wiederaufnahme “d-D” in «confondent,
Dans» (vereinen,/In) in den Versen 5 und 6 scheint sämtlichen Bemühungen zu trotzen. Wir müssen auch bemerken, dass die Wiederholung «paroles;
L'homme» (Worte;/Der Mensch) im ersten Vierzeiler vorhanden war. Gemessen am gesamten Gedicht bringen die Reime manche Entsprechungen oder Klangwiederholungen: “iers…oles… oles…iers…ondent…té…té…ondent…ants…ies…ants…ies…cens…sens”. Im letzten Vers kommt auch die Wiederaufnahme «chantent…sens» (singen…Sinne), als Begleitung des erwähnten Bildes. Ein sehr ähnlicher Fall lenkt die Aufmerksamkeit auf sich: «Comme de longs échos qui de loin se confondent…» (Wie lange Echos, die sich in der Ferne vereinen…) Die Reihe “o…on…o…oin…on…on” scheint eine Darstellung des Echos zu sein.

§249
· Überschneidungen
Theorie

Die Überschneidung wird in der Abstraktion (E-/F-/H-/R) geschrieben, denn die Reihenfolge der Begriffe im Text wird hier nicht in Betracht gezogen. Um enger am Text zu bleiben, ersetzen wir als Kunststück die üblichen Zeichen E, F, H, R durch bewegliche Zeichen: I, II, III, IV. Auf diese Weise können wir schließen, dass die Überschneidung Möglichkeiten bietet [975]: (I-/II-/III-/IV); (I-/II-/IV-/III); (I-/III-/II-/IV); (I-/III-/IV-/II); (I-/IV-/II-/III); (I-/IV-/III-/II); (II-/I-/III-/IV); (II-/I-/IV-/III); (II-/III-/I-/IV); (II-/III-/IV-/I); (II-/IV-/I-/III); (II-/IV-/III-/I); (III-/I-/II-/IV); (III-/I-/IV-/II); (III-/II-/I-/IV); (III-/II-/IV-/I); (III-/IV-/I-/II); (III-/IV-/II-/I); (IV-/I-/II-/III); (IV-/I-/III-/II); (IV-/II-/I-/III); (IV-/II-/III-/I); (IV-/III-/I-/II); (IV-/III-/II-/I).

Methode

Wir sehen keinerlei Schwierigkeiten darin, für jede einzelne unter den Möglichkeiten der Überschneidung (E-/F-/H-/R) ein entsprechendes Beispiel mit der Kodierung “hohes Alter”-I, "Leben"-II, "Abend"-III, "Tag"-IV zu finden [38]: "das Verhältnis des hohen Alters zum Leben ist dasselbe wie das des Abends zum Tag"; “das hohe Alter kommt im Leben im Laufe des Tages, dessen Abend es darstellt”; “das hohe Alter und der Abend krönen jeweils das Leben und den Tag”; “das hohe Alter, das der Abend darstellt, hatte den ganzen Tag als Leben”; “das hohe Alter hat seinen Tag, der ein Leben mit einem Abend ist”; “das hohe Alter hat seinen Tag, und der Abend sein Leben hinter sich”; “das Leben hat im hohen Alter den Abend seines Tages”; “das Verhältnis des Lebens zum hohen Alter ist das des Tages zum Abend”; “das Leben hat einen Abend: das hohe Alter seines Tages”; “das Leben hat einen Abend, und der Tag ein hohes Alter”; “das Leben ist ein Tag, das hohe Alter ein Abend”; “das Leben ist ein Tag, dessen Abend das hohe Alter ist”; “der Abend, den das hohe Alter darstellt, hatte das Leben als Tag”; “der Abend, der das hohe Alter ist, ergänzt den Tag des Lebens”; “der Abend des Lebens ist das hohe Alter am Ende eines Tages”; “der Abend des Lebens schließt diesen Tag als hohes Alter”; “das Verhältnis des Abends zum Tag ist das des hohen Alters zum Leben”; “der Abend im Tag ist im Leben das hohe Alter”; “der Tag endet im hohen Alter, und das ist in seinem Leben der Abend”; “der Tag erreicht sein hohes Alter: den Abend eines Lebens”; “der Tag im Leben hat das hohe Alter zum Abend”; “der Tag des Lebens kommt zu einem Abend: dem hohen Alter”; “der Tag hat zum Abend das hohe Alter seines Lebens”; “das Verhältnis des Tages zum Abend ist das des Lebens zum hohen Alter”.

Anwendung auf Baudelaire

Die Überschneidungen wirken so plump, dass Baudelaire sie zu spalten scheint, um sie in die poetische Gestalt leichter zu schieben [[1023]] in Index II (Gedichte)">[[1023]]: «Dein Blick wirkt wie vernebelt.
-Ist dein rätselhaftes Auge blau, grau oder grün?-
Abwechselnd zart, sanft und grausam,
Spiegelt es die Stille und die Blässe des Himmels wider.

Du erinnerst an jene bleichen, lauen, verschleierten Tage,
Die die verhexten Herzen wie im Eisaufbruch zu Tränen bringen.
Dann trotzen die hellwachen Nerven dem schlafenden Geist,
Während eine geheime Herzensqual sie bewegt und beunruhigt.

Du siehst zuweilen diesen schönen Horizonten ähnlich,
Die trotz der diesigen Jahreszeit erleuchtet werden.
-Wie du erstrahlst, du feuchte Landschaft,
Die die bedeckten Lichter vom Himmel erhellen.

O gefährliche Frau! O verführerisches Land!
Soll ich diesen Schnee und diese Kälte lieben?
Werde ich aus deinem schrecklichen Winter diese Freuden ziehen,
Die schärfer sind als Eis und Eisen?»

§250
· Verpflanzungen
Theorie

Die Verpflanzung stützt sich nur auf Bilder, aber die Kombination ist im Grunde die gleiche wie in der Überschneidung, die sich ihrerseits auf Bilder I, II, III, IV stützt. Dies hängt damit zusammen, dass die drei Bilder der Verpflanzung jeweils unter den vier Bildern der Überschneidung gewählt werden. Daraus ergeben sich Gestalten [976]: (I-/II-/III); (I-/II-/IV); (I-/III-/II); (I-/III-/IV); (I-/IV-/II); (I-/IV-/III); (II-/I-/III); (II-/I-/IV); (II-/III-/I); (II-/III-/IV); (II-/IV-/I); (II-/IV-/III); (III-/I-/II); (III-/I-/IV); (III-/II-/I); (III-/II-/IV); (III-/IV-/I); (III-/IV-/II); (IV-/I-/II); (IV-/I-/III); (IV-/II-/I); (IV-/II-/III); (IV-/III-/I); (IV-/III-/II).

Methode

So sieht eine Verpflanzung (E-/F-/H) wie eine unterbrochene Überschneidung (E-/F-/H-/R) aus, und der Laie wird sich über die Beibehaltung der Möglichkeiten wundern [975]-[976]. Wir machen das klar durch dieselbe Kodierung wie im letzten Absatz: “hohes Alter”-I, "Leben"-II, "Abend"-III, "Tag"-IV. Geben wir hier die Beispiele an [38]: “das hohe Alter ist im Leben ein Abend”; “das hohe Alter hat mit dem Leben seinen Tag gehabt”; “das hohe Alter ist der Abend des Lebens”; “das hohe Alter ist der Abend eines Tages”; “das hohe Alter hat seinen Tag im Leben gehabt”; “das hohe Alter des Tages ist der Abend”; “das Leben hat das hohe Alter als Abend”; “das Leben war für das hohe Alter ein Tag”; “das Leben hat als Abend das hohe Alter”; “das Leben erreicht den Abend seines Tages”; “das Leben schließt seinen Tag mit dem hohen Alter”; “das Leben schließt seinen Tag mit einem Abend”; “der Abend, der das hohe Alter ist, schließt das Leben”; “der Abend ist das hohe Alter des Tages”; “der Abend des Lebens ist das hohe Alter”; “der Abend des Lebens schließt seinen Tag”; “der Abend für den Tag ist ein hohes Alter”; “der Abend schließt den Tag des Lebens”; “der Tag endet mit seinem hohen Alter sein Leben”; “der Tag hat sein hohes Alter im Abend”; “der Tag ist ein Leben, das sein hohes Alter hat”; “der Tag des Lebens hat seinen Abend”; “der Tag hat zum Abend das hohe Alter”; “der Tag erreicht den Abend seines Lebens”.

Anwendung auf Baudelaire

Die Reihenfolge der poetischen Analogien weicht öfter von der hier angegebenen ab, weil der Dichter die Wirkung verschleiert. Zur Diskrepanz zwischen dem üblichen Charakter einer Frau und der vertraulichen Mitteilung, die ihr eine gewisse Lage entlockt schreibt Baudelaire [[1025]] in Index II (Gedichte)">[[1025]]: «Inmitten der Gemütlichkeit,
Die uns gleichmütig stimmte,
Ist eine klagende Note
Aus Ihrem schwachen Licht entstanden.

In der funkelnden Früh klang torkelnd dieser seltsame Ton,
Der aus Ihrem reichen und schallenden Instrument entwischt war,
Das gewöhnlich nur die Heiterkeit
Eines fröhlichen Tusches ertönt…» Wir erkennen hier den Satzbau (Ihrem-/Note-/torkelnd), aber er ist nicht so deutlich wie (hohe Alter-/Abend-/Lebens) für “das hohe Alter ist der Abend des Lebens” [38].

§251
· Metaphern und Komparationen
Theorie

Es scheint notwendig zu sein, dass die möglichen Kombinationen Komparationen an den Tag bringen. Aus dieser Anfangsperspektive begnügen wir uns, die Anzahl der Verpflanzungen von 24 auf 12 zu halbieren, da unter Bildern 2 gewählt werden [976]. So entsteht der Eindruck, dass es sich um folgende Reihe handelt: (I-/II); (I-/III); (I-/IV); (II-/I); (II-/III); (II-/IV); (III-/I); (III-/II); (III-/IV); (IV-/I); (IV-/II); (IV-/III). Auf ähnliche Weise hätten wir Metaphern: (I./II); (I./III); (I./IV); (II./I); (II./III); (II./IV); (III./I); (III./II); (III./IV); (IV./I); (IV./II); (IV./III). Gehen wir jedoch von der Überschneidung "das Verhältnis des hohen Alters zum Leben ist dasselbe wie das des Abends zum Tag" (I-/II-/III-/IV) als Leiter aus, so müssen wir unsere Meinung über die Reihe der Komparationen ändern und auf Gestalten verzichten: “das hohe Alter ist wie das Leben” (I-/II); “das Leben ist wie das hohe Alter” (II-/I); “der Abend ist wie ein Tag” (III-/IV); “der Tag ist wie ein Abend” (IV-/III). Bezüglich der Metapher schließen wir ebenfalls Gestalten aus: “das hohe Alter des Lebens” (I./II); “das Leben hat sein hohes Alter” (II./I); “der Abend des Tages” (III./IV); “der Tag hat seinen Abend” (IV./III).

Methode

Wir behalten also Komparationen bei: “das hohe Alter ist wie ein Abend” (I-/III); “das hohe Alter hat seine Art Tag gehabt” (I-/IV); “das Leben hat seine Art Abend” (II-/III); “das Leben ist wie ein Tag" (II-/IV); “der Abend ist wie ein hohes Alter” (III-/I); "der Abend schließt eine Art Leben" (III-/II); “der Tag hat seine Art hohes Alter” (IV-/I); “der Tag ist wie ein Leben” (IV-/II). Auf ähnliche Weise behalten wir Metaphern bei: “das hohe Alter ist ein Abend” (I./III); “das hohe Alter des Tages” (I./IV); “das Leben hat seinen Abend” (II./III); “das Leben ist ein Tag” (II./IV); “der Abend ist ein hohes Alter” (III./I); “der Abend des Lebens” (III./II); “der Tag hat sein hohes Alter” (IV./I); “der Tag ist ein Leben” (IV./II).

Anwendung auf Baudelaire

Der Text erleichtert jeweils den Zugang zu den verschiedenen Komparationen. Im ersten Dreizeiler von „Entsprechungen“ ist (Düfte²-/Oboen) leicht zu verstehen, weil wir in Gedanken die Kombination (Düfte-/Sänfte-/Oboen-/ Gegacker) erarbeiten. Wir können das auch weiterentwickeln: “es lässt sich zwischen einerseits dem Verhältnis bestimmter Düfte zur Geruchsänfte und andererseits dem Klang der Oboe und dem Gegacker des Federviehs eine Parallele ziehen”. Bemerken wir nebenbei, dass dieser Vergleich zwischen Oboe und Gegacker uns nahelegt, wie der Klang der Oboe uns an das Landleben erinnert.

§252
· Kate, Spalier und Gau
Theorie

Eine Kate besteht aus einem Gegenstand, in dem der Schaffende manche Aspekte unterscheidet. Dass es sich dabei um einen Merkposten oder einen Gipfel handelt, ist hier unwesentlich. Die Vorstellung einer Kate ist ein Spalier, und die Vorstellung eines Aspekts in einer Kate wird “Gau” genannt. Grün ist ein Aspekt von Farben und die Vorstellung «grün» bildet in „Entsprechungen“ einen Gau des Spaliers «Farben».

Methode

Greifen wir auf das Muster “das hohe Alter ist der Abend des Lebens” (hohe Alter-/Abend-/ Lebens) zurück. Das Spalier “Lebens” umfasst den Gau “hohe Alter”. Bildet sich der Deuter nebenbei ein Spalier “Tag” ein, so steht diesbezüglich im Text jedoch nichts. Der Begriff “Abend” kommt im Text vor und öffnet also für das Spalier “Tag” die Möglichkeit eines Gaus, weil der Schaffende in “das hohe Alter ist der Abend des Lebens” nichts gegen diese Deutung eingeschoben hat. Mit 2/3=4/6 oder (2-/3-/4-/6) haben wir das Gefühl, dass 2 einen Teil von 3, und 4 einen Teil von 6 darstellt. Dann sind die Vorstellungen von 2 und 4 jeweils Gaue der Spaliere 3 und 6.

Anwendung auf Baudelaire

Die Umformung eines Urteils über eine Analogie macht eine Untersuchung des Verhältnisses “Gau-Spalier” notwendig. Dies wird im Folgenden deutlich: (Kindheit-/ Morgen-/hohes Alter-/Abend) wird zu (Rosa-/Morgen-/purpurn-/Abend). Die Umformungen des Gesichtspunkts sind oft schwer zu bewerkstelligen. Baudelaire war wegen seines Milieus zwar voll von Vorurteilen, aber er hatte aus dem Angelernten die Mittel geschöpft, im Falle einer empfindlichen Erschütterung infolge einer bisher unbekannten Tatsache seine Meinung umgehend zu ändern. Baudelaire gefiel sich darin, bis in sich selbst zwei entgegengesetzte Standpunkte gegenüberzustellen: einerseits den Standpunkt des klassisch ausgebildeten Gelehrten mit tiefgründigen jedoch erstarrten Vorstellungen, und andererseits den Standpunkt eines anpassungsfähigen Geistes. Als er die Weltausstellung im Jahre 1855 besichtigte, erklärt der Dichter [711]: «…was wäre die Reaktion eines heutigen Winckelmanns…angesichts eines Meisterwerks aus China? Es wirkt seltsam, verschroben, farbintensiv, manchmal so zart, dass es eher natürlich als künstlerisch scheint. Es stellt jedoch ein Beispiel der allgemeinen Schönheit dar. Aber es setzt zum Gefallen beim Experten oder beim Besucher ein inneres Umdenken voraus…Diese Gebäude mit ihren seltenen Umrissen verdrossen seine traditionelle Meinung…diese Gewächse verstörten sein mit Erinnerungen aus der Zeit seiner Kindheit geladenes Gedächtnis…diese Gerüche sind nicht mehr diejenigen des mütterlichen Privatzimmers. Diese rätselhaften Blumen überraschen das Auge durch ihre Leuchtkraft und locken den Blick durch ihre Formen. Diese Früchte verwirren Geschmack und Geruch und offenbaren dem Gaumen Vorstellungen, die eigentlich zum Geruch gehören. Diese Welt der neuen Empfindungen wird unseren Besucher langsam durchdringen und ihm ihre Übereinstimmung fühlen lassen. Der anhaltende Eindruck wird ihm wie ein aromatisches Dampfbad vorkommen. Diese unbekannte Lebendigkeit wird seine angeborene Lebenskraft ergänzen…Aber der verrückte Doktrinär des Schönen wird es wohl vorziehen, sich zu irren, anstatt sich überreden zu lassen. Gefangen in der blendenden Festung seines ästhetischen Systems wird er in die Blasphemie des Lebens und der Natur verfallen. Sein übertriebener, griechischer, italienischer oder Pariser Eifer wird ihn dazu verleiten, dem frechen, orientalischen Volk zu verbieten, auf seine eigene Art zu genießen, zu träumen oder zu denken. Er wird versuchen, es seinen eigenen Voraussetzungen zu unterwerfen. Grausame ästhetische Wissenschaft,…die der Blau des Himmels, den Bogen der Gewächse, die Bewegungen und den Geruch des Tierischen vergessen hat. Die verkrampften, durch die Feder erlahmten Finger sind nicht mehr im Stande, sich über die breite Tastatur der "Entsprechungen" flink zu bewegen!»

§253
· Sprosse, Nadel und Scheibe
Theorie

Manchmal schreibt der Schaffende einer Kate drei Aspekte oder mehr zu. Diese können in erster Linie logischer Art sein. Zweitens können sie sich auf die wachsende Größe oder Intensität beziehen, die entweder qualitativ oder quantitativ geschätzt wird. Drittens können die drei Aspekte in Zeit und Raum aufeinander folgen. Aus der logischen Perspektive ist es ein Minimum, 1°) Element, 2°) Einzelteil und 3°) Gesamtes zu unterscheiden. In jedem Fall stellen die Aspekte die “Scheiben” der Kate dar. Die Vorstellung einer Scheibe bildet eine “Sprosse” des Spaliers. Die logische Beleuchtung bezieht sich auf gewöhnliche Bedeutungen wie zum Beispiel 1°) Einwohner, 2°) junge Leute und 3°) Bevölkerung. Für die quantitativen Variationen sind zumindest 1°) kleine Menge, 2°) Zwischenzustand und 3°) große Menge zu unterscheiden. Auf diese Weise haben wir 1°) Sandkorn, 2°) Stein, 3°) Fels. Im qualitativen Bereich unterscheiden wir 1°) hässlich, 2°) gewöhnlich und 3°) schön. In der Zeitfolge sind Abschnitte möglich wie 1°) Kindheit, 2°) Reife und 3°) hohes Alter. Was das Meer betrifft, wird auf ähnliche Weise zwischen 1°) Oberfläche, 2°) mittlere Tiefe und 3°) Tiefsee unterschieden. Eine Aussage wie “der Tiefseegraben des hohen Alters” bleibt sinnvoll. Die Zahl, die den Platz der Scheibe in der Kate und somit der Sprosse im Spalier bezeichnet, wird “Inserat” genannt. Diese Zahl fügt sich in eine numerische Folge ein. Zum Beispiel wird (2), die zur Folge (1°, 2°, 3°) gehört, "mittlerer Tiefe" zugeschrieben. Trotz der breiten Vielfalt der denkbaren Lagen ist von einer “Nadel” die Rede, wenn ein einziges Inserat zwei Folgen zugesprochen wird.

Methode

Mit 2/3=4/6 oder (2-/3-/4-/6) ist die Nadel vertretbar, da (2), (2,5), (3) einerseits und (4), (5), (6) andererseits als erster Grad die Werte (2) und (4) ergeben.

Anwendung auf Baudelaire

Für „Entsprechungen“ passen die Vorstellungen “Verderbnis” und “Frische” zum Spalier “Düfte²”. Dabei handelt es sich jedoch nicht um zwei Sprossen. Kein Verhältnis Ganzes¹-Teil¹- Ganzes²-Teil² erlaubt es, eine Nadel auszumachen, weil wir nur noch über die Wiederholung eines Gegensatzes (1°, 2°) verfügen. Konkrete Bindungen "Kirche-Dorf-Dom-Stadt" erlauben es auch nicht, zu einer Nadel zu kommen. Hierzu bräuchten wir ein im Schriftstück notwendiges, drittes Element wie in "Vororte-Zwischenraum-Stadtmitte". Wenn das Schriftstück für jede Zone eine Kirche beschreibt, kommen wir wieder zu einer Nadel.

§254
· Die Kioske der Überschneidung
Theorie

Wiederholung ist ausgeschlossen für sehr glaubhafte Analogien. In solchen Lagen werden die Geistesabschnitte, in die nur Begriffe gespeichert werden, Kioske genannt. Eine Überschneidung umfasst Kioske, die die 4 einzelnen Begriffe E, F, H, R in (E-/F-/H-/R) aufnehmen.

Methode

Die Anzahl der Sprungschanzen erreicht 6, wenn jeder der einzelnen Kioske einen Begriff aufnimmt: b(E~F), b(E~H), b(E~ R), b(F~H), b(F~R), b(H~R). Wir kämen zu 12=(4(4-1)), wenn jede Spur sich hintereinander mit jeder anderen kombinierte. Dies ist jedoch nicht der Fall, denn in den Glossen ist A-B gleich B-A, so dass die Zahl der Sprungschanzen auf 6=((4/2)(4-1)) zurückkommt [977].

Anwendung auf Baudelaire

“Farben Töne” ist ausgeschlossen, weil wir auf einmal statt einen Begriff zwei Begriffe schreiben. Es besteht also keine Sprungschanze b(Natur~ Farben…Töne), denn sie wäre keine Glosse. Folgerichtig ist (Worte-/Tempel-/Farben…Töne-/Natur) keine Überschneidung mit Bogen 1 möglich, weil es ihr an einer Sprungschanze mangelt.

§255
· Die Verpflanzung, die Metapher und ihre Kioske
Theorie

Die Verpflanzung wird (E-/F-/H) geschrieben, wobei die Elemente E, F, H sich alle voneinander unterscheiden. Dieser Tartan bietet Kioske, in denen E, F, H gespeichert werden. Das Muster “das hohe Alter ist der Abend des Lebens” wird (hohe Alter-/Abend-/Lebens) geschrieben. Die Sprungschanzen b(E~ F), b(E~H), b(F~H) zeigen, wie E sich mit F und H bindet, dann wie F sich mit H bindet. Ihrerseits besitzt die Metapher (E./H) Kioske für E und H und sie erlaubt nur eine einzige Sprungschanze b(E~H). Diese begnügt sich mit der Gestalt b(Abend~Lebens) für “der Abend des Lebens”.

Methode

Der Unterschied zwischen der Anzahl der Kioske in den unterschiedlichen Analogien erleichtert keineswegs die Vorstellung der Überschneidung. Die Metapher und die Komparation besitzen jeweils nur Kioske, während für die Überschneidung Kioske auf einmal notwendig sind. So wird begreiflich, dass die Verpflanzung mit ihren Kiosken einen Grund zu Untersuchung über die Analogien liefert.

Anwendung auf Baudelaire

Der Ausdruck (Säulen-/Tempel -/Natur) gibt die passenden Indizien, die zu (Säulen-/Tempel-/Wälder-/Natur) führen, während (Tempel./Natur) weniger Bequemlichkeit bietet. Redefiguren, die Metaphern ähnlich sehen, aber keine sind, erschweren noch die Untersuchung. Wenn Baudelaire «…die Ausdehnung der unendlichen Dinge…» erwähnt, kommen wir zu der Überlegung, dass der echte Sinn “…die unendliche Ausdehnung der Dinge…” ist.

§256
· Kioske und Plektron
Theorie

Die Komparation (E-/H) besitzt nur zwei Kioske, die sich immer voneinander unterscheiden, und in die E und H hineinpassen. Sie duldet eine einzige Sprungschanze b(E~H). Das Plektron einer Redefigur ist ein Begriff, der ausdrücklich darauf hinweist, dass die Redefigur vorhanden ist. Somit wird die Bindung zwischen E und H durch das Plektron etwas gemildert. Die geläufigsten Plektren sind "wie", "gleich" und "ähnlich". Im Tartan (E-/H) dient das Plektron dazu, das Publikum vor dem Schock zwischen den Bildern zu warnen: “das hohe Alter ist wie ein Abend”.

Anwendung auf Baudelaire

Dieser Redefigur wird ihre Schwere oft vorgeworfen. Es wäre poetischer “…Es sind Früchte mit den Gesichtsfarben von Kindern…” zu schreiben als “…es sind Früchte mit Farben wie die Gesichtsfarben von Kindern…” Dagegen hat die Schwere des Stils den Vorteil, dass sie die Fiktion deutlich zeigt. Wenn der Dichter es meiden will, einen reizenden Aberglauben für ein begründetes Wissen gelten zu lassen, ist die Schwere zulässig.

Methode

Das Plektron kommt manchmal in Analogien vor, in denen es völlig überflüssig zu sein scheint: “das hohe Alter ist wie ein Abend”. Aber die Ziele eines Schaffenden sind vielseitig, und er gebraucht eine Form, die seine verschwommene Absicht ausdrückt. Diese beiden Punkte werden uns davon halten, auf den ungeschickten Stil eines Autors zu schließen, bei dem der Inhalt durch die Form verdorben wird. Hiermit meinen wir nicht, dass die Unterscheidung zwischen Form und Inhalt wertlos ist. Es besteht zwischen der Gleichung “2+2=4” und dem Satz Don Juans «zwei und zwei sind vier» ein gemeinsamer Grund [537]. Denken wir noch an die beiden Ausdrücke [541]: «Gnädige Dame beim Anblick Ihrer schönen Augen sterbe ich vor Liebe.» und «Vor Liebe sterbe ich gnädige Dame beim Anblick Ihrer schönen Augen.» Es liegt auf der Hand, dass der Inhalt zum Teil gemeinsam ist.

§257
· Mühlbach
Theorie

Die Tartans werden nach dem (Nicht)Vorhandensein des Plektrons und nach der Anzahl von Kiosken in vier Klassen verteilt. Metapher, Komparation, Verpflanzung und Überschneidung werden nach jenen Kriterien jeweils die Mühlbäche 1, 2, 3 und 4 zugeschrieben. Zur Unterscheidung zwischen den Mühlbächen 1 und 2 stützen wir uns auf die Tatsache, dass in der Metapher kein Plektron vorhanden ist, während in der Komparation ein Plektron vorliegt. Es ist also logisch, der Metapher den Mühlbach 1 und der Komparation den Mühlbach 2 zuzusprechen. Für die Mühlbäche 2, 3 und 4 hängt die Zuteilung von der Anzahl an Kiosken der betreffenden Tartans ab. Die Komparation, die Kioske aufweist, besitzt den Mühlbach 2. Die Verpflanzung bietet Kioske und den Mühlbach 3. Die Überschneidung hat wegen ihrer Kioske den Mühlbach 4.

Methode

Mit denselben Worten "das Verhältnis des hohen Alters zum Leben ist dasselbe wie das des Abends zum Tag" können wir uns eine Variation mit ungleichen Mühlbächen vorstellen: (hohen Alters-/ Leben-/Abends-/Tag) zu Mühlbach 4; (hohen Alters-/Leben-/Abends) zu Mühlbach 3; (hohen Alters-/ Abends) zu Mühlbach 2; und letztendlich (hohen Alters./Abends) zu Mühlbach 1. Da die längere Fassung (hohen Alters-/Leben-/Abends-/Tag) im vorliegenden Fall dem Text am treuesten zu sein scheint, erwarten wir, dass sie den höchsten Bogen erreicht.

Anwendung auf Baudelaire

Auf ähnliche Weise ist die Überschneidung (Echos-/ vereinen-/Farben-/antworten) im zweiten Vierzeiler leicht zu erkennen, und hat somit eine höhere Glaubhaftigkeit als die anderen Analogien (Echos-/Farben-/antworten), (Echos-/Farben) und (Echos./ Farben). Beide letztere borgen weniger Begriffe aus dem Werke und sind demselben folglich weniger treu, da diese Begriffe alle in der Analogie gebraucht werden können. Da unsere moralischen Fehler uns verunsichern, sind wir bemüht, dieselben zu vergessen, und wir suchen im kräftigen Echo, das von den anderen widerhallt, die fehlende Sicherheit [[1072]] in Index II (Gedichte)">[[1072]]: «…Meine zitternden Finger will ich in die Tiefe
Deiner schweren Mähne lange tauchen…

Um meinen bereits gestillten Schluchzern ein Ende zu setzen,
Kommt dem Abgrund deines Betts nichts gleich.
Die mächtige Vergessenheit liegt auf deinem Mund
Und die Lethe entspringt aus deinen Küssen.» 112

§258
· Die Schießscharte für die Überschneidung und die Verpflanzung
Theorie

Damit eine Redefigur die höchste mögliche Glaubhaftigkeit erreicht, bedarf sie einer festen Verankerung im Text sowie eines engen Verhältnisses zwischen den betreffenden Ideen. Die Schießscharte (ä) besteht in der Überprüfung dieser beiden Punkte. Was “der Abend des Lebens umfasst seine Pflichten” betrifft, kann die Redefigur (hohes Alter-/Lebens-/Abend-/Tag) die Glaubhaftigkeit 1 nicht erreichen. Es fehlen an dieser Stelle nämlich die Begriffe “hohes Alter” und “Tag”. Die Lage hindert b(hohes Alter~Tag) daran, eine Glosse zu bilden, und somit kann b(hohes Alter~Tag) keine Sprungschanze sein. Die Schießscharte ä=1 setzt das Vorhandensein der hier fehlenden Sprungschanze, sowie ihren inneren Abstand z=1 voraus. Was diese innere Räumlichkeit (z) im Allgemeinen betrifft, wenn sie in allen Beziehungen bestimmt wird, sich aber von 1 unterscheidet, verdient der Absteckpfahl (ä) nicht den Wert ä=1. Diese Schießscharte (ä) gleicht der größten inneren Räumlichkeit (z), die in allen Sprungschanzen vorhanden ist, und wir bekommen (ä) in der Form ä=z=2+(1(n/10)). Unter diesen Umständen entspricht die Menge (n) der Anzahl an Fronten, die zwischen den Begriffen vorliegen. Dies liegt daran, dass der Abstand zwischen den Begriffen die Erinnerung an den einen lindert, wenn man den nächsten erreicht. Für die Überschneidung (E-/F-/H-/R) erweist sich eine sorgfältige Überprüfung als notwendig, da sechs Glossen b(E~F), b(E~H), b(E~R), b(F~H), b(F~R), b(H~R) als Sprungschanzen dienen. Was die Verpflanzung (E-/F-/H) betrifft, verhält es sich mit nur drei Sprungschanzen b(E~F) b(E~H) b(F~H) ähnlich. So dient die größte innere Räumlichkeit entweder mit 1 oder mit 2+(1(n/10)) als Schießscharte (ä).

Methode

Ersinnen wir einen Text: “An diesem langen Abend in unserer abgelegenen Gegend, in der die Zeit verfließt, während ein alter Bauer eine überlieferte, fröhliche oder traurige Mär hersagt, die bald da, bald dort mit fremden Erfahrungen verflochten ist, haben wir das verzogene, zugleich persönliche und gemeinsame Spiegelbild der erzählten überraschenden Anekdote in ihrem auch ganz entstellten geschichtlichen Zusammenhang, was jedoch irgendwie das wirkliche arbeitsame Leben des Dorfes insgesamt widerspiegelt.” Die Verpflanzung (Abend-/Mär-/Leben) läuft so sehr Gefahr, ersonnen zu werden, dass wir deren Kraft durch das Verfahren 2+(1(n/10)) ermessen müssen, bei dem der Abstand zwischen den Begriffen “Abend” und “Leben” die numerische Glaubhaftigkeit verringert.

Anwendung auf Baudelaire

Wenn eine Überschneidung weit entfernte Begriffe verbindet, ist deren Glaubhaftigkeit sehr gering, weil der Schaffende den Sinnaufbau in diesem Fall höchst seltsam selbst gestaltet hat. In den vorherigen Untersuchungen haben wir zu den Messungen von Entfernung und Räumlichkeit die Fronten soweit mit Gewinn in Anspruch genommen, dass wir auf diese Art Messungen bezüglich der Schießscharte nur aus Erfahrung zurückgreifen. Betrachten wir (Natur-/Tempel-/ Düfte²-/unendlichen), was das Urteil “das Verhältnis "Natur-Tempel" ist vergleichbar mit demjenigen zwischen den Düften und den unendlichen Dingen” zusammenfasst. Diese Analogie ist zwar nicht völlig widersinnig, aber sie bleibt sehr zweifelhaft. Im Gedicht haben die Begriffe «Nature» und «infinies» ("Natur" und "unendlichen") einen Abstand von Fronten, und die innere Räumlichkeit 2+(1(61/10))=8,1 der Sprungschanze b(Nature~ infinies) zeigt die Schwäche der Verbindung zwischen den Begriffen. Da (1/8,1) niedriger ist als ⅛, das selbst das Doppelte von 1/16 darstellt, sind wir in Bezug auf diese gewagte Analogie ganz nah an der Schwelle des Bedeutungslosen.

§259
· Die Schießscharte für die Komparation und die Metapher
Theorie

Zur Komparation (E-/H) und Metapher (E./H) liefert die Sprungschanze b(E~H) die Schießscharte (ä). Jede einzelne der beiden Analogien wirkt unter anderem mit ä=1 nur ausgezeichnet, wenn die Sprungschanze eine innere Räumlichkeit z=1 besitzt. Mit (n) als Darstellung der Anzahl an Fronten zwischen den Begriffen von (E-/H) oder (E./H) nimmt die Schießscharte (ä) in den anderen Fällen den Wert z=2+(1(n/10)) an.

Methode

Wenn der Deuter (E-/H) oder (E./H) ersinnt, ohne dass der Autor sich diesen Tartan gewünscht hätte, drückt die Schießscharte den Gewissensgrad nach unten, weil zwischen den wichtigen Vorstellungen in der Analogie keine Gedächtnisstütze vorhanden ist.

Anwendung auf Baudelaire

Im Gegensatz finden wir für «Es sind Düfte frisch wie die Haut von Kindern…» die Schießscharte ä=1 bezüglich (Düfte²-/Haut), weil die Sprungschanze b(Düfte²~Haut) den Wert z=1 verdient. Oft wird es dank eines außerordentlichen Schutzes des Schicksals erwünscht, trotz der allgemeinen Verderbnis die Frische zu genießen. Ovid spottete -jedoch zärtlicher als Baudelaire- über einen solchen Wahn [563]: «…Pygmalion lebte ohne Frau einsam, denn die Laster, von denen die Natur das weibliche Herz gefüllt hat, ekelten ihn an. Nie hatte er eine Ehefrau im Bett gehabt. Jedoch gelang es ihm, dank seiner wunderbaren Handfertigkeit aus schneeweißem Elfenbein einen weiblichen Körper zu schnitzen…Es war der Tag gekommen, an dem ganz Zypern die Venus prunkvoll feierte…Es brannte überall Weihrauch ab…Wieder zu Hause geht der Bildhauer zur weiblichen Elfenbeinfigur, beugt sich, gibt ihr einen Kuss, und der Körper kommt ihm warm vor. Wieder nähert er seine Lippen dem Gesicht, während seine Hände die Brust befühlen. Bei diesem Kontakt wird das Elfenbein weich und verliert an Härte. Es weicht und gibt unter den Fingern nach…»

§260
· Der Wall für die Überschneidung und die Verpflanzung
Theorie

Der Wall einer Redefigur kann unter folgenden Bedingungen ë=1 erreichen. Der Schaffende muss für sämtliche Vorstellungen, die zur Analogie gehören, die mögliche Sinnparallele geahnt haben. Dabei unterscheiden sich die beiden Vorstellungsreihen ohne Identität oder Gleichung deutlich voneinander. Dann muss die Figur jeder einzelnen brauchbaren Vorstellung des Werks im Tartan ihre Rolle zuteilwerden lassen. Außerdem wird jeweils ein Begriff in jeden Kiosk eingeschoben. Letztendlich müssen diese Spuren im Tartan und im Text derselben Anordnung folgen. Sobald eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllt ist, schreiben wir ë=2. Die Anwendung dieser scheinbar unterschiedlichen Regeln zeigt, dass sie auf dasselbe Ziel hinausgehen. In der Überschneidung (hohe Alter-/Abend-/Lebens-/Tag) bezüglich “das hohe Alter ist der Abend des Lebens” sehen wir, dass der Wall 2 angewendet werden muss, da das Wort “Tag” in der zu erörternden Wendung fehlt. Es genügt, dieselben Leitgedanken mit der Verpflanzung zu wiederholen. Kurzum genügt das Vorhandensein der Parallele und der Ordnung, sowie eine gescheite Wahl bezüglich des Mühlbachs und der Kioske, sowohl für (E-/F-/H-/R) als auch für (E-/F-/H) um ë=1 zu erreichen. Was “das hohe Alter ist der Abend des Lebens” betrifft, nehmen wir also ë=1 für den Tartan (hohe Alter-/Abend-/Lebens) an. Des Weiteren erreichen wir ë=2 bezüglich (hohen Alter-/Abend-/Leben-/Tages) für die Beschreibung von “das Leben hat im hohen Alter den Abend seines Tages”, weil die beiden Folgen der Begriffe im Text und im Schema sich voneinander unterscheiden. Dagegen hätten wir für (hohen Alter-/ Abend-/Leben-/Tages) und “im hohen Alter oder am Abend sehen wir für unser Leben das Ende des Tages” ë=1 geschrieben. Das Schema (Morgen-/Tag-/Kindheit) zu “die Kindheit im Leben ist für diesen Tag der Morgen” liefert zwei Gründe, die uns daran hindern ë=1 zu schreiben. Einerseits wäre der Mühlbach 4 ein besserer Benutzer der an dieser Stelle verfügbaren Vorstellungen. Andererseits wird die Urfolge nicht beachtet, weil der letzte Begriff in der Stelle auch der erste Begriff des Schemas ist.

Methode

Eine Überschneidung kann durch ein leeres Gerede verschleiert werden. Das sehen wir am Schema (Kindheit-/ Leben-/Morgen-/Tag) in der Beschreibung von “meine Kindheit kommt mir im Verhältnis zu meinem ganzen Leben vor, vertraute mir dieser liebe Mann an, wie etwas, das meiner Erinnerung an den frühen Morgen ähnlich ist, wenn der Tag sich in die Länge gezogen hat”.

Anwendung auf Baudelaire

Im Gegensatz entspricht (Natur-/lebendige-/ Tempel-/Säulen) dem Tempo des Gedichts. Aber dieses Schema kann ë=1 nicht erreichen, weil der erste Vers im Text (Natur-/Tempel-/lebendige-/Säulen) eher begünstigt. Auf ähnliche Weise verdient die Verpflanzung (Mensch-/Wälder-/Symbolen) den Wert ë=2, weil (Wälder./Symbolen) mit seinem Mühlbach 1 die Analogie des dritten Verses sorgfältiger wiedergegeben hätte. Frau von Stael schrieb [932]: «Die Natur entfaltet oft großzugig ihre Pracht mit einem Luxus, den die Utilitaristen als verschwenderisch bezeichnen würden. Sie scheint sich darin zu gefallen, den Blumen und den Bäumen der Wälder mehr Glanz zu gewähren als dem Gemüse, das den Menschen als Nahrung dient.»

§261
· Der Wall für die Komparation und die Metapher
Theorie

Im Falle (E-/H) oder (E./H) bekommt der Wall unter mehreren Voraussetzungen den Wert ë=1. Der Schaffende muss die Sinnparallele gebildet haben, die auf einmal sämtliche Bilder der Wendung umfasst. Identität und Gleichung dürfen nicht zur Grundlage der Analogie werden. Diese Vorstellungen E und H sind Begriffe, die im Tartan und im Text in derselben Reihenfolge vorkommen. Der Mühlbach muss sorgfältig ausgesucht werden, um alles aufnehmen zu können, was das Original für die Analogie bietet. Unter anderen Bedingungen schreiben wir ë=2. Dies geschieht für (Natur-/Tempel), denn der erste Vers von „Entsprechungen“ weist kein Plektron auf, was (Natur./Tempel) begünstigt. Des Weiteren lässt (Tempel./ Natur) den Wert ë=2 zu, weil die Spuren umgekehrt sind.

Methode

Denkt man, dass die Analogie dem Autor nicht aufgefallen ist, so kommt man auch zu einem Wall ë=2. Dies ist in manchen politischen Texten mit dem Ausdruck “das Oberhaupt des Staates” der Fall, weil die Metapher (Oberhaupt./Staates) im Alltag seit längerer Zeit als solche nicht mehr empfunden wird. Dagegen gibt “sind die Augen so weit vom übrigen Körper entfernt, dass das Oberhaupt des Staates die gelochten Schuhe im Land nicht mehr wahrnimmt” die Metapher wieder, so dass ë=1 wieder berechtigt ist. Was “das Leben hat seine Art Abend” betrifft, empfinden wir fast die Analogie (Abend./Leben). Aber die Begriffe “Leben” und “Abend” stehen in umgekehrter Folge im Schema und im Text, was ë=2 notwendig macht. Außerdem begünstigt das Plektron “seine Art” den Mühlbach 2 von (Leben-/Abend). Das Plektron erfordert Aufmerksamkeit, und “wie” mag insbesondere die Bedeutung einer Gleichung aufweisen, was auf keine Analogie hinausgeht.

Anwendung auf Baudelaire

Auf ähnliche Weise wäre (Einheit-/Nacht) illusorisch, denn der eigentliche Sinn besteht aus “weit wie die Nacht und ebenso wie das Licht”. Saint-Évremond gab zu, dass seine Meinung über “weit” -möglicherweise wegen seiner Abneigung gegen die übertriebene Vorliebe eines damaligen französischen Staatsmanns für den Triumph- nicht dieselbe geblieben war [885]: «Ich hatte erklärt, dass man abwechselnd positiv oder negativ von einem "weiten Geist" reden könne. Aus meiner Sicht hing das von den Dingen ab, auf die sich das Weite bezog. Ein wunderbarer, weiter, aufdringlicher Geist kennzeichnet eine bewunderte menschliche Fähigkeit. Ein weiter, maßloser Geist, verirrt sich in Wahngebilden, in schönen aber eitlen Gedanken, in allzu anspruchsvollen Vorhaben, die in keinem Verhältnis zu den Erfolg versprechenden Mitteln stehen. Meine Meinung kam mir als ziemlich ausgeglichen vor. Plötzlich fühle ich mich versucht abzulehnen, dass "weit" je als Lob gewertet werden mag, und ich denke nun, dass nichts diesen Fehler ausgleichen kann. Das "Große" im Geist ist eine Vollkommenheit, aber das "Weite" ist immer ein Laster. Ein wohl geordneter und geregelter Raum macht das Große aus, während der maßlose Raum als Weite bezeichnet werden soll…Weite Gärten können weder das mit der Kunst verbundene Vergnügen, noch die Huld, die einem die Natur bietet, gewähren. Weite Wälder flößen uns Angst ein…»

§262
· Das Türmchen für die Überschneidung und die Verpflanzung
Theorie

Das Türmchen ï=1 der Überschneidung (E-/F-/H-/R) sowie der Verpflanzung (E-/F-/H) setzt zweierlei voraus: erstens ist es erforderlich, aus den beiden Redefiguren (E-/F-/H-/R) und (E-/F-/H) eine Metapher (E./ H) herleiten zu können. Zweitens ist es erforderlich, dass das Publikum, das der Schaffende im Sinn hatte, in dieser eingebildeten Metapher ohne rechtfertigenden Gedankengang eine bunt zusammengewürfelte Mischung von Bildern wahrnimmt. Falls eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllt wird, schreiben wir ï=2.

Methode

Da zur Linderung der bunt zusammengewürfelten Mischung kein Plektron vorhanden ist, wirkt die Metapher etwas prüfender als die Komparation.

Anwendung auf Baudelaire

Das Plektron ist nicht immer leicht erkennbar. «Es sind Düfte frisch…Und andere verdorben…Wie Amber, Moschus, Benzoe und Weihrauch…» enthält kein Plektron, obwohl «wie» vorhanden ist. Hier führt «wie» auf Beispiele hinaus: «…wie Amber, Moschus, Benzoe und Weihrauch…» Es handelt sich nicht um einen Gradwechsel, wie beim Vergleich eines Kriegers mit einem Wolf. Das poetische Bild wird durch den Kontakt “verdorben-Weihrauch” und nicht durch den Kontakt “Düfte-Weihrauch” dargestellt. Des Weiteren wird (verdorben./Weihrauch) gegen (verdorben-/Weihrauch) begünstigt, da kein Plektron vorhanden ist. Die Verderbnis und der Triumph verführen selbst die besten Menschen [[1019]] in Index II (Gedichte)">[[1019]]: «Es waren jene lebhaften, wunderbaren Zeiten,
In denen die Theologie am kräftigsten blühte.
Einer der berühmtesten Kirchengelehrten hatte gleichgültige Herzen bemüht,
Sie vor ihre Schwärze gestellt, und in der Richtung der himmlischen Höhe seltene,
Ihm ursprünglich unbekannte Wege erkundet.
Selbst war er dort angelangt, wohin vor ihm möglicherweise
Nur reine Geister gekommen waren…Es wird jedoch berichtet,
Dass er wie von einem satanischen Hochmut besessen aufschrie:
"Hätte ich dich Jesus…an deiner schwachen Stelle angreifen wollen,
Käme deine Schmach deinem Ruhm gleich…"

Plötzlich schwand seine Vernunft.
Ein Trauerflor trübte den Glanz dieses Lichts.
Unter den Decken dieses einst belebten Tempels, wo die mächtige Pracht
Dargeboten worden war, zogen die Stille und die Nacht ein.
Anstatt Prunk und Ordnung rollte nun ungebändigt das Chaos.
Diese Weisheit voller Aufwand wurde zu einer Art Gruft,
Deren Schlüssel abhanden gekommen ist.»

§263
· Das Türmchen der Komparation und der Metapher
Theorie

Das Türmchen (ï) der Metapher (E./H) hat den Wert 1, sobald E und H für das Publikum, wie es der Schaffende erwartete, fern von jeder vernünftigen Begründung eine bunt zusammengewürfelte Mischung bildeten. Um zum Türmchen der Komparation (E-/H) zu gelangen, müssen wir durch Entnahme des Plektrons von der Komparation zur Metapher (E./H) zurückfallen. Da wird überprüft, ob diese ungewöhnliche Mischung stattgefunden hat. Kurzum schreiben wir für beide Figuren, sobald diese Mischung nicht zustande kommt, den Wert des Türmchens ï=2.

Methode

Wir schieben die Gleichungen und die ähnlich aussehenden Vergleiche beiseite aus dem Bereich von (E-/H): das heißt “Paul ist größer als Peter” wird hier nicht in Betracht genommen. In den meisten Fällen werden in allen Tartans die Türmchen durch die Prüfung bezüglich der bunt zusammengewürfelten Mischung der Metapher bestimmt, die die Ausdeuter des poetischen Stils so oft gepriesen haben [862]. “Der Abend des Tages” oder (Abend./Tages) führt zu ï=2, weil kein anstoßender Zustand kommt.

Anwendung auf Baudelaire

Im Gegensatz führt «Die Natur ist ein Tempel, worin lebendige Säulen
Zuweilen wirre Worte entweichen lassen;
Dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen…» zu (Tempel./Wälder), einem Ausdruck, der das Türmchen 1 berechtigt. Diese Verse erinnern eher an eine Lichtung oder ein Buschwerk als an einen Tempel der Wissenschaft, der eine systematische Arbeit birgt. Germaine von Stael beruft sich mit folgenden Worten auf die Geheimnisse [935]: «"Das Unbegreifliche muss", so betont Fichte, "als solches begriffen werden". Diese seltsame Formulierung birgt eine tiefere Bedeutung: wir sollen empfinden und zugeben, was der wissenschaftlichen Analyse unzugänglich bleiben muss, denn nur die Dynamik des Denkens kann diese Idee vorausfühlen lassen. Novalis, der Baudelaire über „De l'Allemagne“ (Über Deutschland) zugänglich gemacht wurde, schrieb [558] -[938]: «Schon unter den kindlichen Völkern gabs solche ernste Gemüter, denen die Natur das Antlitz einer Gottheit war, indessen andre fröhliche Herzen sich nur auf sie zu Tische baten; die Luft war ihnen ein erquickender Trank, die Gestirne Lichter zum nächtlichen Tanz, und Pflanzen und Tiere nur köstliche Speisen, und so kam ihnen die Natur nicht wie ein stiller, wundervoller Tempel, sondern wie eine lustige Küche und Speisekammer vor.»

§264
· Kurtine
Theorie

Das Kriterium, das wir “Kurtine” nennen, wird für die abrupten (;/) und die verzierten (:/) Analogien auf entgegengesetzte Weise gehandhabt. Wenn der Schaffende in einer verzierten Analogie keinen vernünftigen Gedankengang bietet, schreiben wir ö=1. Andernfalls nehmen wir ö=2 an. Im Falle einer abrupten Redefigur wird die Lage umgekehrt, und ö=1 wird nur für einen Tartan notwendig, der zum Beweis einer Aussage benutzt wird. Wenn nichts desgleichen vorhanden ist, wird es notwendig ö=2 zu schreiben. Die Kurtine hat den Wert 1 für die Überschneidung (;2-/3-/4-/6), die den Text “2/3=4/6” beschreibt. Umgekehrt erlaubt (:2-/3-/4-/6), was auch 2/3=4/6 beschreibt, das Urteil ö=2.

Methode

Die große Einfachheit der Gleichung 2/3=4/6 ergibt zwar eine Art Analogie, die jedoch nicht in einen poetischen Zusammenhang passt [38]-[387]-[970]. Ein abrupter Tartan dieser Art kann keinen Bogen 1 rechtfertigen, weil wir uns hier nur mit dem Ergebnis der Einbildungskraft befassen. Eine abrupte Gleichung verdient wohl ö=1, aber wir haben andere Absteckpfähle erarbeitet, die sie später in dieser Abhandlung daran hindern werden, den Bogen 1 zu bekommen. Die literarische Beweisführung ist nicht so klar wie eine Gleichung, aber sie hat auch an derselben Bemühung zur Kenntnis teil. Die vollkommene Beweisführung impliziert eine ununterbrochene Reihe von Implikationen [581]. Das Muster der Implikation sieht aus wie folgt: "Spruch A=>Spruch B" oder "nie Spruch A stimmt ohne Spruch B stimmt". Unter den vollen Zahlen mangelt es nie an den Elementen (a), (b), (c), die die Schreibweise (a=2b)=>(a²=(2b)²)=>(a²=2²b²)=>(a²= 4b²)=>(a²= 2(2b²))=>(a²=2c) erlauben. Die besondere Situation (a=6), (b=3), (c=18) führt zu einem bequem Beispiel: (6=(2)(3))=>(6²=((2)(3))²)=>(6²=2²3²)=>(6²=4(3²))=>(6²=2(2(3²)))=>(6²=2(18)). Auf ergreifende Weise (6 ist eine gerade Zahl)=>(das Quadrat von 6 ist gerade). Wenn wir zu den Naturwissenschaften überwechseln, bleibt dasselbe Urteil anwendbar [807]: ‘’“"Die Annahme ist akzeptabel" =>"die Prüfungsreihe erfolgt"”=> “"die Prüfungsreihe scheitert"=>"die Annahme ist nicht akzeptabel"”‘’.

Anwendung auf Baudelaire

Es ist ausgeschlossen, dass die Überschneidung (:Natur-/Tempel-/lebendige-/Säulen) zur Wissenschaft gehöre, da sie eher an eine berauschende Träumerei denken lässt. Vergessen wir nicht, dass Baudelaire den Wein gelegentlich besungen und dabei auch aus volklichen Themen geschöpft hat [[991]] in Index II (Gedichte)">[[991]]: «Als Wein weiß ich, wie viel Mühe, Schweiß
Und brennendes Licht es auf dem sonnengebadeten Hügel bedarf,
Um mir Leben und Seele zu geben.
Aber ich werde weder undankbar noch bösartig sein,

Denn ich empfinde ein großes Wonnegefühl,
Wenn ich in die Gurgel eines abgearbeiteten Mannes hinunterfließe.
Seine warme Brust ist mir wie ein sanftes Grab,
In dem ich mich viel wohler als in meinen kalten Kellern fühle.» Die Analogie (Mannes-/Brust-/ Grab) passt kaum zu einer physiologischen Beweisführung. Im August 1848 schreibt Baudelaire an Proudhon, einen sanften Anarchisten [634]: «Der Autor dieser Zeilen und viele seiner Freunde haben zu Ihnen volles Vertrauen. Angesichts Ihres festen politischen Wissens würden wir Ihnen blindlings folgen.» Vier Jahre nach der 48er Revolution erklärt sich der Dichter «entpolitisiert», aber in seiner Grundeinstellung hat sich kaum etwas geändert [618]-[635]. Im Laufe des Jahres 1852 werden folgende Verse veröffentlicht [146]-[[1106]] in Index II (Gedichte)">[[1106]]: «Was mich betrifft, werde ich aus einer Welt, in der das Handeln
Sich nicht mit dem Traum gesellt, treten.
Möge ich das Schwert nehmen und durch das Schwert umkommen!» Im Jahre 1857 spricht er den Dämon mit folgenden Worten an [[1073]] in Index II (Gedichte)">[[1073]]: «Du, der du uns gelehrt hast, Salpeter und Schwefel zu mischen,
Um den zierlichen, leidenden Menschen zu trösten,
Hab o Satan Mitleid mit meinem währenden Elend!» Im Februar 1848 erklärt Baudelaire [615]«Ich habe zum Gewehr gegriffen!» Er fügt jedoch hinzu: «Aber nicht für die Republik!» So behält er seine Ansicht über die Notwendigkeit für die am besten Gebildeten, die politische Macht auszuüben. Die Grundlagen dieser Vorstellungen hat Plato in der Nachahmung einer Grabrede gesetzt [740]: «Es kommt darauf an zu beweisen, dass unsere Vorgänger unter einer anständigen Regierung erzogen wurden. Ihr hatten sie ihre Tugenden zu verdanken, wie die heutigen Menschen auch und insbesondere die Toten, derer wir nun gedenken. Denn wir haben alle dieselbe Regierung seit längerer Zeit: die Regierung der Elite. Diese Verwaltung hat sich seit langer Zeit fast immer gehalten und regiert uns heute noch. Dieser nennt sie Volksherrschaft, jener bezeichnet sie mit irgendeinem beliebigen Namen. In der Tat handelt es sich um die Regierung der Elite mit der Zustimmung der Menge. Könige haben wir immer noch. Manchmal haben sie ihren Titel dem Erbe und manchmal der Wahl zu verdanken…» Baudelaires Großvaters mütterlicherseits Charles Defayis soll mit den französischen Truppen gekämpft haben, die von England aus gegen die Französische Revolution eingesetzt wurden. Dies erklärt, dass die Mutter des Dichters in England -genauer gesagt in Saint Pancras- geboren wurde [591]. Nach dem Tode des Soldaten erhielt seine Witwe von England oder dessen Vertretern jeden Monat ein paar Pfund, und die Mutter des Dichters sollte bald mit der zeitweiligen Hilfe einer dortigen Magd aufwachsen [591]-[592].

§265
· Graben der Überschneidung (E-/F-/H-/R)
Theorie

Der Graben ü=1 der Überschneidung (E-/F-/H-/R) setzt dreierlei Bedingungen voraus. Erstens muss der Schaffende die Beziehungen E-F einerseits und H-R andererseits als “Gau-Spalier” oder “Spalier-Gau” erfassen. Zweitens muss die eine dieser Beziehungen E-F und H-R als Schlüssel zur Erfassung der anderen dienen. Drittens darf sich keine auf ein mathematisches Verhältnis beziehen. Mangels einer dieser Voraussetzungen schreiben wir ü=2.

Methode

Der Ausschluss der mathematischen Verhältnisse aus dem Bereich der besten Analogien bietet die Gelegenheit, einer Beziehung wie 2/3=4/6 oder (2-/3-/4-/6) nicht die höchste Glaubhaftigkeitsmessung zuzuerkennen. Zwar dient diese Art Beziehung 2/3=4/6 als Muster zur Vorstellung der Tartans, aber sie stellt keine Analogie auf dem Gebiet der Einbildungskraft dar.

Anwendung auf Baudelaire

Der Tartan (lebendige-/Säulen-/vertrauten-/Blicken), so unvollkommen er in anderer Hinsicht sein mag, verdient den Graben 1, da die beiden Eigenschaften «lebendige» und «vertrauten» den genannten Wesen «Säulen» und «Blicken» zugeordnet sind. Claude Pichois urteilte, dass Baudelaire sich für diese Art Gemütlichkeit, die aus dem All kam, sehr interessierte. Dies scheint in der künstlerischen Umgebung, die Entsprechungen im Sinn hatte, weil die Gesellschaft manchen Künstlern als voller Missklänge vorkam, im Werden des Gedichts von Baudelaire eine Rolle gespielt zu haben [612]. Einige Jahrzehnte früher hielt Adam Smith diese vermeintliche Unordnung für illusorisch [919]: «So viel wie möglich wollen die Arbeiter gewinnen, und so wenig wie möglich die Werkmeister hergeben.»

§266
· Graben der Verpflanzung (E-/F-/H)
Theorie

Für den Graben ü=1 einer Verpflanzung (E-/F-/H) ist das Vorhandensein mit E-F eines “Gau-Spalier” oder “Spalier-Gau” Verhältnisses notwendig. Dabei darf der Schaffende anhand (E-/F-/H) keine strenge Zahlenbeziehung beschreiben. Außerdem müssen wir uns ein zweites Paar H-R mit derselben Eigenschaft als E-F einbilden können. Da R im Text nicht vorkommt, ist eine Anstrengung nötig, um H-R und sein “Gau- Spalier” oder “Spalier-Gau” Verhältnis zu bilden. Letztendlich müssen wir das eigentliche Verhältnis E-F durch das eingebildete Verhältnis H-R beleuchten können. Sobald eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllt ist, schreiben wir ü=2.

Anwendung auf Baudelaire

Ausgehend von (Mensch-/Tempel-/Natur) stellen wir uns (Mensch-/Tempel-/ Gott-/Natur) vor. Da Baudelaire erklärt, dass die natürliche Welt einen Tempel darstellt, ist im Verhältnis “Mensch-Tempel” von keinem Gebäude die Rede, das von den Menschen mit der Maurerkelle gebaut wurde. Es bedeutet, dass die Verpflanzung uns vom eigentlichen Sinn ablenkt, so dass wir für den Graben ü=2 schreiben.

Methode

Denken wir zurück an das Element R. Zur Konstruktion eines gleichseitigen Dreiecks konstruiert der Mathematiker zwei Kreise mit demselben Radius, deren Umfang jeweils über den Mittelpunkt des anderen Kreises führt. Beide Mittelpunkte werden miteinander verbunden. Dann wird jeder Mittelpunkt mit demselben Schnittpunkt beider Kreise verbunden. So entsteht das gewünschte Dreieck, während die beiden Kreise bei diesem Gedankengang nur als Werkzeug dienten [385]. Mit dem vierten Element R geht es ähnlich, da es nicht zur Verpflanzung (E-/F-/H) gehört, aber doch dazu dient, dieselbe zu bestimmen.

§267
· Graben der Komparation und der Metapher
Theorie

Hinsichtlich (E-/H) und (E./H) liegt der Graben (ü) in der Ebene 1, wenn eine F Bedeutung, die nicht zum Text gehört, vorstellbar ist und ein “Gau-Spalier” oder “Spalier-Gau” Verhältnis bildet. Des Weiteren muss diese Beziehung E-F oder F-E ungleich 2/3=4/6 aus dem mathematischen Bereich bleiben. Dasselbe trifft für ein Element R und ein Paar H-R oder R-H zu. Letztendlich müssen in diesem Aufbau F und R die Elemente E und H besser verdeutlichen. Mangels einer dieser Bedingungen schreiben wir ü=2. Da F und R nicht im Text vorkommen und zum Bereich der Einbildungskraft gehören, besteht die Gefahr, zu nahe an den Ausgangsvorstellungen zu bleiben und somit nichts klären zu können.

Methode

Wenn das Türmchen es erlaubt, Tartans ein Urteil über die Metapher abzugeben, geht der Graben über die Überschneidung, um ein Urteil zu fällen.

Anwendung auf Baudelaire

Bezüglich “…Häute, Düfte…” oder (E./H) oder (Häute./Düfte) nimmt der Graben den Wert 2 an, denn die Häute haben eigene Düfte, so dass sich F und R als neue Bilder zum Verständnis der Schiene erübrigen. Im Gegensatz bietet der Dichter den verwickelten Gedankengang (Düfte²-/Geruch-/Haut -/Sicht), der sich stillschweigend auf den vorherigen Vers: «…Antworten einander Düfte, Farben und Töne» stützt. Der zarte Duft erinnert an den Triumph wie in der Bibel, als die Weisen, die von einem Gestirn geleitet werden, nach Bethlehem kommen, um dem neugeborenen Kinde zu huldigen, und [143] «…taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.» Die beiden Düfte finden sich gewöhnlich nur in Gemächern oder in berühmten und prunkvollen Tempeln. Dem Weihrauch ähnlich fließt auch die Myrrhe in Tränen auf der Rinde eines Baums. Da Ovid damals in den Schulen zum Curriculum gehörte, konnte sich Baudelaire darauf verlassen, dass seine Leser beide Düfte miteinander verbinden würden [561]-[564]. Die Myrrha, die dazu bestimmt ist, eine Gewürzpflanze zu werden, drückt schon einen heftigen Taumel aus [564]: «Von allen Seiten sucht der Hochadel nach dir. Die ganze Jugend des Morgenlandes streitet sich um die Ehre, dein Bett zu teilen. Unter allen Männern sollst du dir Myrrha einen zum Gemahl erwählen, wenn du doch nur einen ausschließt. Myrrha ist sich ihrer Rolle bewusst und bekämpft ihre schändliche Liebe. Sie sagt sich: "Wohin reißt mich meine Leidenschaft hin? Wohin zielen meine Bestrebungen? O Götter, Kindesliebe, heiliges Recht der Eltern, ich bitte Sie. Verhindern Sie das Verbrechen, das ich im Sinn habe. Weisen Sie eine Blutschande von mir ab. -Ist jedoch die Blutschande eigentlich ein Verbrechen? Kindesliebe verurteilt, so heißt es, diese Liebe nicht. Alle anderen Tiere begatten sich wahllos. Es ist für eine Färse keine Schande, das Gewicht des eigenen Vaters auf ihren Lenden zu spüren. Das Pferd nimmt seine Tochter zur Gattin. Der Geißbock besamt die Ziege, die er selbst gezeugt hat. Der Vogel schwängert seine Tochter. Glücklich sind die Lebewesen, die diesen Vorteil genießen. Die moralischen Unruhen des Menschen haben zu üblen Gesetzen geführt, und Erlässe voller Eifersucht verbieten, was die Natur erlaubt. Doch gibt es, so wird versichert, Völker, bei denen sich die Mutter mit ihrem Sohn und die Tochter mit ihrem Vater fleischlich vereinigen. Bei diesen Völkern decken sich Kindesliebe und Liebeswunsch. Wie unglücklich bin ich, ruft Myrrha aus, nicht unter ihnen geboren worden zu sein. Ich bin ein Opfer des Zufalls, der mir dieses Land zur Heimat gegeben hat."»

§268
· Öffnung der Überschneidung (E-/F-/H-/R)
Theorie

Die Öffnung erlaubt es, verformbare und brüchige Tartans zu unterscheiden. Zur Sicherung einer Öffnung ÿ=1 mit einer brüchigen Überschneidung (,E-/F-/H-/R) ist eine Nadel, die die Paare E-F und H-R einigt, notwendig. Müssen wir ÿ=2 schreiben, so heißt das, dass die Nadel fehlt. Im Falle einer verformbaren Überschneidung (’E-/F-/H-/R) begnügen wir uns, den umgekehrten Weg einzuschlagen. Fehlt die Nadel, so schreiben wir ÿ=1; und andernfalls nehmen wir ÿ=2 an.

Methode

Die Folge (,hohes Alter-/Leben-/Abend-/Tag) setzt voraus, dass der Abend im Laufe des Tages und das hohe Alter im Laufe des Lebens denselben Platz finden, so dass die Überschneidung mit demselben Inserat für das hohe Alter und den Abend ÿ=1 zulässt.

Anwendung auf Baudelaire

Was die Schiene, ganz umgekehrt, “im Herbst trauert der betrübte Baum um den Sommer” betrifft, zeigt sich die Folge (Herbst-/Baum-/trauert-/betrübte) als verformbar. Baudelaire wendet pflanzliche Analogien an, aber durch den harschen Ton seiner Verse meidet er die Geziertheit [[1075]] in Index II (Gedichte)">[[1075]]: «Auf ihren weiten Wänden breiteten die alten Klöster
In flächigen Gemälden die heilige Wahrheit,
Und diese Bilder milderten die kalte Kargheit der frommen Männer
Denn sie wärmten ihre Eingeweide.

In diesen Zeiten, in denen die Saat der von Christus hinterlassenen Weisheiten gediehen,
Malte ein heute vergessener Mönch den Tod und verherrlichte ihn,
Indem er wie viele andere den Totenbereich
Ins Feld der Kunst einfach einbezog.»

§269
· Öffnung der Verpflanzung (E-/F-/H)
Theorie

Um die Öffnung (ÿ) einer Verpflanzung (E-/F-/H) zu bestimmen, unterscheiden wir den brüchigen und den verformbaren Fall: (,E-/F-/H) oder (’E-/F-/H). Sehen wir im brüchigen Fall (,E-/F-/H) die Nadel, so schreiben wir ÿ=1 für die Verhältnisse E-F und H-R, die die Einfügung eines eingebildeten Elements R zulassen. Dieses R Gebilde darf die Darstellung der Vorstellungen des Schaffenden in den Augen der Historiker nicht schänden. Andernfalls nehmen wir ÿ=2 an. Bezüglich (’E-/F-/H) schlagen wir den entgegengesetzten Weg ein, der ohne Nadel zu ÿ=1, oder mit Nadel zu ÿ=2 führt. Die Folge (,Symbolen-/ Blicken-/betrachten) aus «…Dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen,
Die ihn mit vertrauten Blicken betrachten» deutet auf die Seelen hin, die ein gewisser Volksglaube jeder einzelnen Erscheinung zuteilt. Wir dürfen auch an die Freunde, die sich das Kleinkind unter den vertrauten Gegenständen einbildet. Im Bereich der Hochkultur hören die Musiker gern einen Dialog, indem sie auf ihren Instrumenten spielen. Es gibt jedoch keine zumindest dreifache Steigerung in (Augen-/Symbolen-/Blicken-/betrachten). Nur liefert eine Nadel eine Anordnung, die die Dinge zumindest auf drei Ebenen verteilt, und es kommt hier nichts dergleichen vor. Folglich bleibt die verformbare Darstellung (’Symbolen-/Blicken-/betrachten) dem Text getreuer als die brüchige (,Symbolen-/Blicken-/betrachten).

Methode

In der Gegenüberstellung verformbar- brüchig spielt die Öffnung eine ähnliche Rolle wie die Kurtine in der Unterscheidung verziert-abrupt.

Anwendung auf Baudelaire

Baudelaire liefert die Verpflanzung (regnet-/Augen-/Trägheit), die (Boden-/regnet-/Augen-/Trägheit) zusammenfasst, was wir folgendermaßen umschreiben können: “wie es auf den Boden regnet, fällt auf die Augen die Trägheit”. Die Verse lauten [[985]] in Index II (Gedichte)">[[985]]: «Im duftenden Land, das die Sonne streichelt,
Habe ich unter einem Baldachin von grünen und goldgelben Bäumen
Und von Palmen, die auf die Augen Trägheit träufeln,
Eine Kreolin mit verkannten Reizen kennengelernt.» Die räumliche Ordnung von oben herab ist deutlicher als die Anordnung in (Symbolen-/betrachten-/Blicken), aber es sind nur zwei Ebenen vorhanden: die Palmen oben und die Augen unten. Somit wird die Öffnung 1 des verformbaren Tartans (’regnet-/Augen -/Trägheit) gerechtfertigt. Im letzten Vers des Gedichts werden die Afrikaner erwähnt: «Ihr Antlitz ist bleich und warm. Die braunhaarige Zauberin
Hat im Nacken ein edles Schwingen.
Groß und schlank schreitet sie wie eine Jägerin,
Mit sicherem Lächeln und ruhigem Blick.

Kämen Sie gnädige Dame, ins echte Land der Herrlichkeit,
An die Ufer der Seine oder der grünen Loire,
So wäre Ihre Schönheit würdig, die edlen Herrensitze zu zieren.

Im Schutz der schattigen Gemächer würden Sie
Tausend Verse im Herzen der Dichter entfachen,
Die Ihre anmutigen Augen unterwürfiger als Ihre Schwarzen stimmen würden.» Die Seereise auf dem Weg nach Indien wurde von dem künftigen Dichter bald abgebrochen, aber nach seiner Rückkehr nach Frankreich verliebte er sich in eine Farbige. Baudelaire hasste seinen Stiefvater, einen höheren Offizier, in einer Zeit, als sich die Kolonialpolitik um die algerische Frage drehte. Über einen Maler, der im Jahr zuvor, „die Erstürmung der Sippschaft von Abd el-Kader“ dargestellt hatte, schrieb der junge Mann [701]: «Herr Horace Vernet ist ein malender Uniformierter. Mir sind diese im Trommelwirbel improvisierte Kunst, diese in Eile geschmierten Gemälde, diese rittlings unter Pistolenschüssen entstandene Malerei verhasst. Ich ekle mich vor dem Militär, der Waffengewalt und allen, die in einer friedlichen Umgebung Kriegslärm verursachen.» Bei der Ernennung von Bugeaud zum Statthalter in Algerien erklärte ihm Victor Hugo, kurz vor der Einschiffung des Generals nach Afrika [461]: «…mir dünkt, wir haben eine glückliche, großartige Eroberung gemacht. Kultur zertrampelt Barbarei. Ein aufgeklärtes Volk schreitet auf ein in Finsternis getauchtes Volk zu. Wir sind die Griechen der Welt. Es obliegt uns, die Welt zu erhellen. Unser Auftrag wird durchgeführt. Ich kann nur Hosanna singen.» Tocqueville schlägt folgendes Vorgehen vor [955]-[956]-[957]: «Abd el-Kaders Macht kann nur zerstört werden, indem die Lage der Sippen, die ihm folgen, so unerträglich gemacht wird, dass sie sich von ihm abwenden.»

§270
· Öffnung der Komparation und der Metapher
Theorie

Die Öffnung ÿ=1 in einer Komparation (,E-/H) oder in einer Metapher (,E./H) zu gewährleisten, kommt der Gewissheit gleich, dass im Verhältnis E-F oder H-R die Nadel vorhanden ist. Eine solche Bestimmung bezüglich beider brüchiger Beziehungen (,E-/H) und (,E./H) benötigt die Einschiebung von F oder R, das im Tartan scheinbar nicht vorliegt. Aber sie müssen der Meinung des Schaffenden treu bleiben. Sobald Zweifel entsteht, nimmt die Öffnung (ÿ) den Wert 2 an. Was die verformbare Metapher und Komparation betrifft, verfahren wir umgekehrt. Der Wert ÿ=1 von (’E./H) oder (’E-/H) erfordert, dass keine Nadel vorliegt, und der Wert ÿ=2 wird anhand einer Nadel erreicht.

Methode

Die Analogie (2-/3-/4-/6) oder “2/3=4/6” zeigt sich brüchig und abrupt zugleich. “Der Morgen des Lebens besteht aus der Kindheit” ist sowohl verziert als auch brüchig.

Anwendung auf Baudelaire

Des Weiteren beschreiben wir «Die Natur ist ein Tempel…» als verziert und verformbar. Letztendlich stellt (4-/2-/2) oder “4=2+2” eine abrupte jedoch nicht brüchige Parallele dar. Bemerken wir nebenbei, dass der Wall von (4-/2-/2) den Wert 2 verdient, weil die Gleichung immer mit dem Wert 2 zusammenkommt. Auf ähnliche Weise nimmt der Graben im selben Ausdruck (4-/2-/2) den Wert 2 an, weil die Zahlen in diesem Fall genau gebraucht werden. Die brüchige Komparation (,lebendige-/Säulen) bringt keine gute Beschreibung des Inhalts von «Die Natur ist ein Tempel, worin lebendige Säulen…», denn es sind im Original kein Plektron und auch keine dreifache Steigerung vorhanden. Auf diese Weise erscheint (’lebendige./Säulen) glaubhafter. Schauen wir uns nun folgende Verse an [[1055]] in Index II (Gedichte)">[[1055]]: «…Die verwässerten Sonnen
Dieser verhangenen Himmel
Haben in meinem Geist
Die so rätselhaften Reize
Deiner falschen Augen,
Die durch die Tränen glänzen.» Der Dichter beschreibt einen verwässerten Blick, der schwer zu deuten ist, weil er weder bitter noch freudig scheint. Der Augapfel wird in seiner feuchten Umgebung wie die Sonne im Nebel aufgefasst, was eine Parallele mit zwei statt mit drei Ebenen ergibt. Der Ausdruck «falschen Augen» erinnert an “Weihrauch-verdorben”, aber keiner der beiden Texte erlaubt dem Ausdeuter, an eine mittlere Ebene zwischen beiden Extremen zu denken. Wir müssen also (’Augen./falschen) und (’Weihrauch./verdorben) schreiben, um auf beiden Seiten ÿ=1 zu rechtfertigen.

§271
· Neue Vermutung und erste Änderung der Schießscharte
Theorie

Eine Änderung der Absteckpfähle für alle Tartans wird uns die Möglichkeit geben, die Richtigkeit unserer Schätzungen zu prüfen. Damit die Messungen stimmen, ist es erforderlich, dass der höchste numerische Wert der besten Intuition zugeteilt wird. Betrachten wir die Überschneidung (confuses-/paroles -/forêts-/symboles) (wirre-Worte-Wälder-Symbolen), die den Anfang des Gedichts beschreibt: «La Nature est un temple où de vivants piliers
Laissent parfois sortir de confuses paroles;
L'homme y passe à travers des forêts de symboles
Qui l'observent…» (Die Natur ist ein Tempel, worin lebendige Säulen/Zuweilen wirre Worte entweichen lassen;/Dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen,/Die ihn…betrachten.) Die Schießscharte misst die Kraft der Unglaubhaftigkeit anhand der inneren Räumlichkeit der Sprungschanze b(confuses~symboles) (wirre-Symbolen). Im Zuge des Mangels an Sinnkontinuität zwischen «confuses» und «symboles» wird die Unglaubhaftigkeit über ä=2+(1(6/10))=2,6 geschätzt. In der Tat kommen im Gedicht zwischen den beiden Vorstellungen «confuses» und «symboles» Fronten zusammen. Intuitiv verdient das mit (confuses-/paroles-/forêts-/symboles) (wirre-Worte-Wälder-Symbolen) verbundene Risiko zumindest ein solches Ergebnis. Schreiben wir nun das Schienenstück “…de confuses paroles, forêts de symboles…” (…wirre Worte, Wälder von Symbolen…) In diesem Fall kommt der inneren Räumlichkeit der Sprungschanze b(confuses~symboles) der Wert 1 zu. Dies führt wegen einer verbesserten Glaubhaftigkeit der Überschneidung zu ä’=1.

Anwendung auf Baudelaire

Da die Schießscharte wegen loser Begriffe über 1 liegt, genügt eine etwas festere grammatische Bindung, um dieselbe Größe auf den Wert 1 zu bringen. Im Gedicht kommt die schwache grammatische Beziehung zwischen den Spuren «wirre» und «Symbolen» zum Vorschein.

Methode

Da unser Verfahren sich im Wesentlichen auf die Schätzung des Abstands zwischen den Begriffen des Textes stützt, erweist sich die Schießscharte als ordentliches Maß, um sich nicht durch erfundene Bindungen irreführen zu lassen.

§272
· Änderung der Schießscharte für eine Verpflanzung
Theorie

Die Verpflanzung (parfums²-/frais-/homme) (Düfte²-frisch-Mensch) kann folgendermaßen erweitert werden: (parfums²-/frais-/homme-/changeant) (Düfte²-frisch-Mensch-flatterhaft). Prinzipiell wird (E-/F-/H) problemlos zu (E-/F-/H-/R) erweitert. Im vorliegenden Beispiel beläuft sich die Schießscharte auf ä=2+(1(33/ 10))=5,3, weil die innere Räumlichkeit der Sprungschanze b(homme~frais) (Mensch-frisch) wegen der zwischen «homme» (Mensch) und «frais» liegenden Fronten diesen Wert annimmt. Wenn wir von der Schiene “…à travers des parfums frais, L'homme passe…” (…durch frische Düfte schreitet der Mensch…) ausgehen, wird die Messung ä=1 durch die enge Bindung der Begriffe gerechtfertigt. Intuitiv wird (parfums² -/frais-/homme) (Düfte²-frisch-Mensch) im Zuge dieser Änderung glaubhafter als im Gedicht.

Methode

Die Entstehung eines neuen Verhältnisses zwischen den Spuren führt nicht nur zu einer Änderung des Absteckpfahls (ä). Dabei müssen wir auf diesen Absteckpfahl (ä) besonders hinweisen, weil er höhere Werte erreichen mag.

Anwendung auf Baudelaire

Die weitreichenden Bilder um die Frische erinnern an die Bibel [125]: «Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern.» Vergil schreibt ähnlich [965]: «…die Herden werden sich nicht vor den großen Löwen fürchten…» Baudelaire, der zu diesen Träumen der allzu einfachen Versöhnung manchmal sarkastisch steht, fragt Christus, ob er sich nicht geirrt habe, indem er auf Gewalt verzichtet hat [146]-[151]-[[1105]] in Index II (Gedichte)">[[1105]]: «Drang nicht die Reue
Tiefer als die Lanze in deine Weiche ein?» Die Verpflanzung (Reue-/Lanze-/Weiche) wird durch (Geist-/Reue-/Lanze-/ Weiche) erklärt.

§273
· Änderung der Schießscharte für eine Komparation
Theorie

Im Gedicht erreicht die Komparation (unité-/nuit) (Einheit-Nacht) die Schießscharte ä=1 wegen der inneren Räumlichkeit 1 der Sprungschanze b(unité~nuit), deren Grund in «…Dans une ténébreuse et profonde unité,
Vaste comme la nuit…» (…In einer finsteren und tiefen Einheit/Weit wie die Nacht…) liegt. Erweitern wir die Schießscharte durch eine Schiene mit folgenden Worten “…une ténébreuse et profonde unité/////, où volent (des) parfums frais comme (des) chairs (d')enfants, doux comme (les) hautbois, verts comme (les) prairies, -et (un) autre parfum, corrompu, riche (et) triomphant, vaste comme (la)/////nuit…” (…in einer finsteren und tiefen Einheit, wo Düfte schweben, die so frisch wie die Haut von Kindern, so sanft wie die Oboen, so grün wie die Auen sind. -Aber ein anderer Duft, der verdorben, reich, sieghaft und so weit wie die Nacht ist…) Die innere Räumlichkeit von (unité~nuit) (Einheit~Nacht), die den Absteckpfahl (ä) liefert, verwandelt sich in 2+(1(21/10))=2+2,1=4,1. Das Sinnverhältnis (unité-/nuit) (Einheit-Nacht) scheint so schwach, dass die Größe ä=4,1 es daran glücklicherweise hindert, eine starke Glaubhaftigkeit zu erreichen.

Methode

Wir ahnen, dass die anderen Absteckpfähle dazu beitragen werden, die schwache Glaubhaftigkeit wiederzugeben, und es ist für die Richtigkeit der Berechnung wichtig, dass die einzelnen Absteckpfähle ihre Rolle spielen.

Anwendung auf Baudelaire

Wegen ihrer Schwärze empfindet der Leser die Nacht und die Erde zusammen, aber auf Französisch kommt die weitere Bindung "humus-homme" (Humus-Mensch) hinzu [381]. Der Mangel an Sonne bietet uns die Gelegenheit, über die Bescheidenheit der menschlichen Stellung nachzudenken [[1122]] in Index II (Gedichte)">[[1122]]: «Manchmal lastet der tief hängende Himmel wie ein Deckel
Auf dem klagenden Geist, der der Langeweile ausgeliefert ist.
Ein schwarzer Tag, der trauriger als die Nacht scheint,
Erfasst den ganzen Kreis des Horizonts.

Die Erde wird zu einem feuchten Kerker,
In dem die Hoffnung einer Fledermaus gleicht,
Die die Mauern mit ihren zögernden Flügeln streift
Und mit dem Kopf an morsche Decken stößt.

Der Regen breitet seine endlosen Strähnen aus,
Die den Gitterstäben eines ausgedehnten Gefängnisses ähneln.
Ein stummes Volk schrecklicher Spinnen
Kommt und spannt sein Netz tief in unserem Gehirn.

Plötzlich springen die Glocken wütend
Und lassen gen Himmel ein furchtbares Geschrei los,
Das wie wirre, heimatlose Gespenster klingt,
Die hartnäckig stöhnen.

-Da ziehen ausgediente Leichenwagen
Still und leise in meiner Seele langsam vorbei.
Die Hoffnung weint wie ein Opfer, während die herrische Angst
Auf meinen hängenden Kopf ihre schwarze Fahne pflanzt.» Dieses Gedicht scheint dem Gefühl nahe, das die ¨Fantastische Sinfonie¨ beherrscht.

§274
· Änderung der Schießscharte für eine Metapher
Theorie

Die Schießscharte der Metapher (symboles./observent) (Symbolen-betrachten) hat auf Grund des Gedichts den Wert ä=1, denn die Begriffe stehen in engem Kontakt: «…L'homme y passe à travers des forêts de symboles
Qui l'observent…» (…Dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen,/Die ihn… betrachten.) Schreiben wir die Schiene, die folgende Worte umfasst: “…l'homme y passe à travers des forêts de symboles/////, longs échos (de) loin confondus en (une) ténébreuse (et) profonde unité, vaste comme (la) nuit et (comme) (la) clarté, qui l'/////observent avec des regards familiers.” (…dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen: diese langen Echos vereinen sich in der Ferne in einer finsteren, weit wie Nacht und Helle, tiefen Einheit, und ihn mit vertrauten Blicken betrachten.) Somit nimmt der Tartan (symboles./observent) (Symbolen-betrachten) die Schießscharte ä=3,5 an. In der Tat fehlt zwischen “symboles” und “observent” (betrachten) die Sinnkontinuität, so dass ä=1 nicht begründet werden kann. Die Sprungschanze b(symboles~observent) besitzt die innere Räumlichkeit 2+(1(15/10))=2+1,5=3,5, und dieser Wert führt zur gleichwertigen Schießscharte, damit wir die Schwäche der Deutung schätzen können.

Methode

Die Erfassung der Glaubhaftigkeit ist von der Erfassung der Notwendigkeit nicht so weit entfernt [214]. Das Schauspiel eines Schiffes, das unter dem Druck des Wassers treibt, führt zur Beschreibung der notwendigen Bestimmung. Eine Vielzahl ungleichartiger Tatsachen, die zu einer Gesamtrichtung führt, leitet dazu, die Glaubhaftigkeit zu beschreiben [217]. Gehen wir tiefer und wir werden sehen, dass dieselbe Kraft jedes Mal durch einen Wirrwarr an Daten und andernfalls auf wohl identifizierbare Weise wirkt.

Anwendung auf Baudelaire

Aus den Tausenden von Bildern aus „Entsprechungen“, die die Ausdeuter anderthalb Jahrhunderte lang beschrieben haben, geht der Hauptsinn des Gedichts hervor, aber der Ursprung geht eindeutig auf Baudelaire zurück. Der Dichter hat seinen Spaß, indem er schreibt, dass die Symbole uns in unserem täglichen Leben beobachten. In einem anderen Gedicht beschreibt er dieselbe Empfindung für die Menschen, die ihre politischen Tätigkeiten ausüben. Die Figuren auf den Spielkarten haben einen historischen Hintergrund aus alten Legenden. Gewöhnlich wird Pallas Athene als Pik Dame gedeutet. Lahire, einer der Begleiter der heiligen Johanna, wird als Herzbube gedeutet [168]-[169]-[503]-[[1120]] in Index II (Gedichte)">[[1120]]: «Die große Glocke klagt und das verrauchte Scheit begleitet
Mit seiner Fistelstimme die verschnupfte Pendeluhr,
Während der edle Herzbube und die Pik Dame

Sich über ihre vergangenen Liebschaften unterhalten
In einem Kartenspiel voller unangenehmer Ausdünstungen,
Das als unglückliches Erbe einer alten Wassersüchtigen kommt.»

§275
· Änderung des Walls für eine Überschneidung
Theorie

Der Abstand zwischen «Symbolen» und «Ausdehnung» ist im Gedicht so groß, dass es gewagt wäre zu behaupten, dass der Schaffende die Parallele (Symbolen-/betrachten-/Düfte²-/Ausdehnung) intuitiv hätte auffassen können. Da eine der Voraussetzungen des Walls 1 fehlt, müssen wir ë=2 schreiben. Mit einer Schiene, die “…dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen, die ihn betrachten, wo Düfte eine unendliche Ausdehnung haben…” enthalten hätte, würde der Wall der Analogie (Symbolen-/betrachten-/ Düfte²-/Ausdehnung) den Wert ë=1 erreichen, weil Indizien eines unleugbaren Willens des Schaffenden spürbar gewesen wären.

Methode

Schießscharte und Wall wirken oft aber nicht immer zusammen, was zwei unterschiedliche Kriterien rechtfertigt.

Anwendung auf Baudelaire

Beobachten die Aspekte der Welt den Menschen, so sieht der Mensch die Welt wiederum unter tausend Aspekten. Der heilige Augustinus schreibt [49]: «Tatsache ist, dass Sehen den Augen eigen ist. Aber wir gebrauchen dieses Wort auch in Bezug auf die anderen Sinne, wenn wir sie hinsichtlich der Kenntnis der Dinge anwenden. Wir sagen weder "hör, wie es funkelt", noch "fühle, wie dies glänzt", noch "schmecke, wie dies strahlt", noch "befühle, wie dies knistert". Zu diesen vier Beispielen passt das Wort ‘’sehen‘’. Außerdem sagen wir nicht nur "sieh wie hell das Licht ist!" -was den Augen vorbehalten ist-, sondern auch "sieh, wie laut, wie duftend, wie schmackhaft, wie hart dies ist!" Deshalb wird, wie bereits betont, jede Erfahrung der Sinne als Begierde der Augen bezeichnet. Diese Sichtfunktion der Augen wird ähnlich von den anderen Sinnen ausgeübt, wenn sie einen Gegenstand untersuchen.»

§276
· Änderung des Walls für eine Verpflanzung
Theorie

Die Verpflanzung (Ausdehnung-/Symbolen-/betrachten) verdient den Wall 2, weil die innere Ordnung der Begriffe ins Gedichts durch das Schema zerrüttet ist. Um ë=1 zu rechtfertigen, genügt jede beliebige Schiene mit den Worten: “…der Mensch schreitet durch die Ausdehnung von Symbolen, die ihn… betrachten.”

Methode

Im gewöhnlichen Gespräch ist es einfach, die gesprochenen Wörter für sich umzuordnen, aber die besten Tartans bleiben zweifellos diejenigen, die die Textordnung beschreiben.

Anwendung auf Baudelaire

Die Vorstellungen aus „Entsprechungen“ scheinen wie die Bilder eines Märchens geordnet zu sein. Es ist zunächst die Anhäufung von Beispielen für frische Düfte. Dann geht Baudelaire zur subjektiven, blendenden Welt der Sünde über. Umgekehrt wendet sich der heilige Augustinus von seiner wirren Jugend ab und zu Gott [46]: «Spät habe ich dich geliebt, o Schönheit, so alt und so neu -spät habe ich dich geliebt! Was? Du warst in mir und ich war außer mir! Und ich habe dich o Schönheit außer mir gesucht. In meiner Hässlichkeit drängte ich mich zu deinen anmutigen Geschöpfen. Du warst mit mir aber ich war nicht mit dir. Ich wurde fern von dir von Wesen zurückgehalten, die dir alles zu verdanken haben. Du hast mich gerufen, und dein Ruf hat meine Taubheit überwunden. Du hast geglänzt, und dein Glanz hat meine Blindheit aufgehoben. Du hast deinen Duft ausgehaucht, den ich eingeatmet habe, so dass ich nach dir schmachte. Ich habe dich gekostet; mich hungert und durstet nach dir. Du hast mich berührt, und ich verzehre mich vor Glut für den Frieden, den du besorgst.» Aber es erweist sich so schwer, den alten Sünden nicht zurück zu verfallen, dass der alte Autor zu dieser beklemmenden Frage kommt [47]: «Ist das Menschenleben auf Erden je nur eine ununterbrochene "Versuchung"?»

§277
· Änderung des Walls für eine Komparation
Theorie

Der Wall von (Düfte²-/Haut) beträgt aus langer Treue zum Text den Wert 1. Schreiben wir mit folgenden Worten eine Schiene “Es sind Düfte frisch wie Kinder…” So erreichen wir ë=2, denn “Haut” gilt nicht mehr als Spur, sondern als Zusatzelement, den der Ausdeuter ersinnen muss, was die Gefahr von Irrtümern steigert.

Methode

Es scheint notwendig für die Ausdeutung, sich an den in der Dichtung vorhandenen Vorstellungen zu halten. Am Anfang fasst ein Volk die Welt durch Tausende von Wörtern auf [907]. Es ist also äußerst schwierig herauszufinden, wie der Autor durch diese Masse von Sprachzeichen bezüglich seiner Dichtung Selbstgespräche führt. Über diese Ersinnung laufen wir eher Gefahr, uns zu irren, als wenn wir uns begnügen, die bereits angewandten Wörter zu kombinieren.

Anwendung auf Baudelaire

Das Kind stellt sich einen Grund vor. Er wird gelehrt, dass von einem Wald die Rede ist, wenn das Grundstück mit Bäumen bepflanzt ist. Er wird gelehrt, dass von einer Wiese die Rede ist, wenn das Grundstück mit Gras bewachsen ist, und dass von einem Acker die Rede ist, wenn das Grundstück umgegraben wird. Der Lernvorgang wird beim Kind in alle Einzelheiten fortgesetzt. In einer unermesslichen Kodierung ist es äußerst schwierig, den persönlichen Beitrag eines Schriftstellers auszumachen. Was das Werk „Entsprechungen“ betrifft, ist es lohnender, nach den Lektüren des Autors als nach seinem zumutbaren Gedankengut zu forschen. Denn sowohl das Publikum als auch der Text entspringen aus diesen Quellen. Der heilige Augustinus gibt zu, dass die Versuchung für ihn ein großes Hindernis darstellt [48]: «Sie haben jede außereheliche Beziehung gebannt, und die Ehe haben Sie zwar erlaubt, aber sie haben gleichzeitig auf eine höhere Lebensart hingewiesen. Durch Ihre Gnade habe ich diesen Stand gewählt, ehe ich Spender des Sakraments wurde. Aber die Bilder meiner Freuden -die ich bereits erörtet habe- bleiben durch meine früheren Gewohnheiten in meinem Gedächtnis verankert. Im Wachzustand plagen mich diese Gedanken kaum, aber im Schlaf verursachen sie die Lust, den Willen zur Lust und die Illusion des Aktes selbst. Diese unwirklichen Bilder erwirken trotz ihrer Lügenhaftigkeit auf meine Seele und meinen schlafenden Körper das Ergebnis, das die echten Wirklichkeiten bei mir im Wachzustand nicht auslösen. Herrgott, werde ich im Schlaf anders als im Wachzustand?»

§278
· Änderung des Walls für eine Metapher
Theorie

Die Metapher des Gedichts (tiefen./Einheit) bietet uns wegen des Verschleißes an diesem Ausdruck einen Wall 2. Der Leser versteht die Sinnparallele nicht mehr, denn das Bild eines tiefen Brunnens wird nicht mehr wahrgenommen. Um die Phantasie wieder zu beleben -und ë=1 zu erreichen- schreiben wir eine Schiene mit: “Wie fern her vereinen sich Lange Echos in diesem Brunnen der finsteren und tiefen Einheit…”

Methode

Dieser Fall gilt als Beispiel für eine Vielzahl von Sprachfiguren des gewöhnlichen Wortguts, weil viele Redewendungen einerseits verblassen und andererseits durch die geringsten Anspielung wieder aufgefrischt werden können.

Anwendung auf Baudelaire

Die “tiefe Einheit” mag sowohl Gott als auch Satan darstellen [[1028]] in Index II (Gedichte)">[[1028]]: «Der Teufel wirbelt restlos um mich.
Er zieht an meiner Seite wie unfassbare Luft.
Ich schlucke sie und spüre, wie sie meine Lunge brennt,
Die sich mit einer ewigen, sündhaften Begierde füllt.

Da Satan von meiner großen Liebe zur Kunst weiß,
Nimmt er die Gestalt des verführerischsten Frau an.
Unter falschen, heuchlerischen Einwänden
Macht er meinen Mund mit schändlichen Zaubertränken vertraut.

So werde ich fern von Gott weggeleitet.
Erschöpft, keuchend und mürbe ziehe ich
Durch die tiefen, öden und flachen Weite der Langeweile.

In meinen verwirrten Augen werden
Besudelte Kleidungsstücke, klaffende Wunden
Und die blutbefleckte Apparatur der Zerstörung geworfen.»

§279
· Änderung des Türmchens für eine Überschneidung
Theorie

Im Gedicht besitzt der Tartan (Natur-/Tempel-/Worte-/Symbolen) ein Türmchen 1, da die Begriffe «Natur» und «Tempel» in (Natur./Tempel) eine bunt zusammengewürfelte Mischung von Bildern aufweisen. In dem Augenblick, da die Bedeutungen «Natur» und «Tempel» Baudelaire die Gelegenheit bieten, das Publikum zu beunruhigen, kann er nicht darüber hinweg sehen. Um das Türmchen zu ändern, schreiben wir eine Schiene mit “Durch ihre Wälder stellt die Natur dar, was die Menschen in ihren Tempeln als Muster nachgeahmt haben. In diesen Hainen lassen die Bäume als lebendige Säulen manchmal wirre Geräusche entweichen, die als Worte geahnt werden. Dort schreitet der Mensch durch manche Wesen, die als Verkörperungen von Symbolen der geheimnisvollen Mächte gedeutet werden…” Sobald wir für (Natur-/ Tempel-/Worte-/Symbolen) das Türmchen 2 annehmen, macht die historische Erklärung die gewagte Metapher überflüssig. Wir brauchen (Natur./Tempel), (Natur./Worte), (Natur./Symbolen) nicht mehr zu schreiben, weil wir im neuen Text eine vernünftige Erklärung eingeführt haben.

Methode

Wenn der Schaffende gespürt hat, dass er einer Mischung von versetzten Bilder bezichtigt werden mag, und dass er vorbeugend eine Rechtfertigung einfügt, haben wir keinen Grund mehr, von einer Entgleisung zu reden.

Anwendung auf Baudelaire

Ihrerseits ergeben die Kombinationen (Tempel./Worte), (Tempel./Symbolen), (Worte./Symbolen) keine unvernünftige Vorstellung. Der heilige Augustinus beschrieb die Erinnerung mit folgenden Worten [45]: «Wie groß o Gott ist diese Macht des Gedächtnisses. O sie ist ja beeindruckend! Es ist eine endlose heilige Stätte. Wer hat diese Weiten je durchdrungen? Das Gedächtnis ist jedoch nur eine Fähigkeit meines eigenen Geistes, die mit meinem tiefen Wesen verbunden ist. Aber ich vermag nicht, mir vorzustellen, was ich eigentlich bin.»

§280
· Änderung des Türmchens für eine Verpflanzung
Theorie

Die Verpflanzung (Düfte²-/Ausdehnung-/unendlichen) schrumpft zur Metapher (Düfte./unendlichen) zusammen. Angesichts des Zusammenhangs bezüglich der Ausdehnung der Duftteilchen besteht kein Grund zur Annahme, dass der Schaffende das Bündnis “Düfte-unendlichen” als einen Wirrwarr von ungleichartigen Bildern auffasst. Um vom Türmchen ï=2 zum Wert ï=1 zu wechseln, schreiben wir eine Schiene mit “Es sind frische Düfte…und andere, die von Satan verdorben, reich und sieghaft sind. Sie haben die Ausdehnung der unendlichen, verderblichen Seelen…”

Anwendung auf Baudelaire

Die teuflische Ausdehnung der Fähigkeiten würde dem Dichter die Gelegenheit bieten, viele unterschiedliche Themen zugleich zu behandeln [[1116]] in Index II (Gedichte)">[[1116]]: «Ich habe mehr Erinnerungen in mir, als wenn ich Tausend Jahre alt wäre.

Mein trauriges Hirn birgt mehr Geheimnisse
Als ein Kastenmöbel mit vielen Schubfächern.
Darin finden sich zahlreiche Abrechnungen, Verse, Liebesbriefe,
Schriftstücke des Gerichtsvollziehers, Liederworte, schwere, in Wechsel gewickelte Zöpfe…Ich bin ein altes Damenzimmer voller verwelkter Rosen,
In dem viele, aus der Mode geratene Kleidungstücke herumliegen.
Dort sind klagende Pastellzeichnungen und fahle Gemälde von Boucher,
Die voll vom verdufteten Geruch eines geöffneten Fläschchens sind.»

Methode

Da ein Türmchen 1 verschiedene, gemischte Aussichten erfordert, bleibt die Verpflanzung (6-/2-/3) beim Wert ï=2, indem sie beschreibt “Was steht zu 6, wie 2 steht zu 3? Das ist die Frage”. Wir werden für diese Verpflanzung nie über die Glaubhaftigkeit ⅛ hinauskommen, weil der Wall und der Graben ebenfalls den Wert 2 haben.

§281
· Änderung des Türmchens für eine Komparation
Theorie

Im Gedicht weist die Komparation (Düfte-/Oboen) durch die Mischung von versetzten Bildern ein Türmchen ï=1 auf. Schreiben wir eine Schiene mit “Es sind frische Düfte…sanft wie Oboen, wenn wir uns ein Durcheinander der Bilder erlauben dürfen”, so nimmt das Türmchen den Wert ï=2 an, weil der Kommentar den gesunden Menschenverstand wiederherstellt.

Methode

Wenn wir sicher sind, dass der Schaffende die Dinge auf vernünftige Weise darlegen wollte, schließen wir jede Versetzung von Bildern aus, selbst wenn wir eine kurze Stelle mit verworrener Rede lesen.

Anwendung auf Baudelaire

Aber die Dichtung wird durch die Umordnung der Verhältnisse verhärmt. So folgen Kunst und Vernunft verschiedenen Wegen [[1086]] in Index II (Gedichte)">[[1086]]: «Die Musik ergreift mich manchmal wie das Meer das Schiff fortreißt…Unter einer Nebeldecke oder ins tiefe Blau des leeren Äthers
Setze ich alle Segel…Der günstige Wind, der Sturm und seine Erschütterungen

… Wiegen mich ein. Manchmal verfalle ich aber in die Stille -Spiegelung
Meiner großen Verzweiflung!»

§282
· Änderung des Türmchens für eine Metapher
Theorie

Die Metapher (lebendige./Säulen) im ersten Vers verdient das Türmchen ï=1. Da die Steinsäulen nun als lebensvoll erklärt werden, haben wir eine Mischung von versetzten Bildern. Der Wechsel von ï=2 zu ï=2 setzt Vorsichtsmaßnahmen voraus: “Die Natur ist ein Tempel, in dem Dinge von fern her mit lebendigen Säulen verglichen werden können…”

Methode

Eine solche Berichtigung warnt den Leser davor, dass es keine eigentliche Metapher gibt. So hört der Verstand auf, die Beziehung der beiden Bilder in den Nebel der Mythologie oder der Dichtung zuzuordnen.

Anwendung auf Baudelaire

Wir stellen uns problemlos Bäume als lebendige Pfeiler vor, die wie die Säulen eines Tempels einen Raum abgrenzen. Die Kirche wurde oft als eine plötzlich geöffnete Lichtung wahrgenommen. Maler setzen gern eine wichtige Szene inmitten von Wäldern oder Felsen [[1090]] in Index II (Gedichte)">[[1090]]: «…Leonardo da Vinci, -tiefer, dunkler Spiegel,
In dem entzückende, leise lächelnde Engel
Voller Geheimnis im Schatten der Gletscher und Wälder erscheinen,
Die ihr Land abschließen…»

§283
· Änderung der Kurtine für eine Überschneidung
Theorie

Da der Text „Entsprechungen“ außer jeder Begründung seine Bilder liefert, können wir sicher sein, dass die Kurtine der Überschneidung (:frisch-/Haut-/sanft-/Oboen) den Wert ö=1 besitzt. Stellen wir uns im Gegensatz eine Schiene mit folgenden Worten vor: “Die Forschungen verleiten uns dazu, die Frage der Analogie der Empfindungen zu behandeln. Zwei ähnliche physiologische Nervenkräfte könnten sich in zwei vergleichbaren Bereichen anwenden. Eine Kraft würde in der visuellen Empfindung vorhanden sein, und sich auf die Wahrnehmung von Farben "frisch" wie die Haut von Kindern ausüben. Die andere Nervenkraft würde sich auf das Hörbare auswirken und es erlauben, Oboen zu hören, die besonders "sanft" klingen…” Mit solchen Begriffen würde das Ziel der Beschreibung als wissenschaftlich erscheinen, was ö=2 rechtfertigen könnte.

Methode

Außer der Mathematik erreichen Analogien manchmal die Ebene der Beweisführung. Der Biologe kennt insbesondere [872]«…analog gestaltete Organismen.» Zum Beispiel begünstigt das Meeresleben bestimmte hydrodynamische Gestalten. So können trotz der Unterschiede zwischen den Gattungen sichtbare Konvergenzen festgestellt werden. Die Entwicklung des Lebens [871] «…hat die Gestalten etwa des Hais, eines echten Fisches, des Delphins, eines der Säuger und genaugenommen Wale, des Ichthyosaurus, eines seltsamen, versteinerten Kriechtiers des Mesozoikums einander näher gebracht.»

Anwendung auf Baudelaire

Da „Entsprechungen“ vor Darwins Buch „Über die Entstehung der Arten“ erschienen ist, konnte Baudelaire von den Ideen, die Balzac verbreitete, nur eine verschwommene Vorstellung haben. Der Schriftsteller schrieb [58]: «Das Tier ist ein Lebensprinzip, das seine äußere Gestalt, oder genauer gesagt die feinen Bestimmungen derselben aus seiner Umwelt schöpft, in der er sich zeitlich entwickelt. Die zoologischen Gattungen ergeben sich aus diesen feinen Unterschieden in der Umwelt. Die Verkündung und die Verteidigung dieses Systems werden wir Geoffroy Saint-Hilaire ewig verdanken. Diese Gesamtvorstellung stimmt mit unserem Bild der göttlichen Leitung des Lebens überein. In seinem letzten Beitrag hat der große Goethe den Sieg des vorgenannten Autors in diesem hohen wissenschaftlichen Streit über die Vorstellung von Cuvier gelobt. Ich war vor diesem berühmten Wortgefecht davon überzeugt, dass die Gesellschaft der Natur ähnelt. Gibt es nicht ebenso viele Arten von Menschen, wie es Arten von Tieren gibt? Diese Arten von Menschen hängen von der gesellschaftlichen Umwelt, in der sie ihre Tätigkeiten entfalten. Zwischen Soldaten, Arbeitern, Verwaltern, Anwälten, Müßiggängern, Wissenschaftlern, Staatsmännern, Kauf- und Seeleuten, Dichtern, Armen, Geistlichen bestehen abgrundtiefe Unterschiede. Aber der Naturhistoriker unterscheidet leichter zwischen dem Wolf, dem Löwen, dem Esel, dem Raben, dem Haifisch, dem Meerkalb, dem Mutterschaf und so weiter. Es bestanden also und es werden in allen Zeiten gesellschaftliche Gattungen bestehen, wie es zoologische Gattungen gibt.»

§284
· Änderung der Kurtine für eine Verpflanzung
Theorie

Die Kurtine von (:Düfte²-/Ausdehnung-/unendlichen) hat den Wert ö=1, da das Gedicht keinen Versuch einer Beweisführung aufweist. Der Übergang von ö=1 zu ö=2 kann über einer Schiene mit folgenden Begriffen erfolgen “…anfangs erschien die Ausdehnung der Teilchen der Düfte mit einer fast unendlichen Kleinheit versehen, weil die optischen Mittel zu primitiv waren.

Methode

Ein Ansatz an logischem Denken reicht nicht aus, um den übrigen poetischen Inhalt eines Werks auszugleichen. Auch Wörter, die scheinbar wichtig sind, bedürfen eines passenden Zusammenhangs, um die Entscheidung des Ausdeuters zu gewinnen.

Anwendung auf Baudelaire

Im unserem neuen Text über die feinen Duftteilchen wird eine echte Implikation versucht. Dagegen wird im Gedicht nur auf kulturelle Erlebnisse verwiesen, die der Schaffende und das Publikum empfunden haben mögen [[1040]] in Index II (Gedichte)">[[1040]]: «Hier ist die berauschende in der betrübten Luft tanzende Erinnerung.
-Es schließen sich die Augen. Es erfasst mich der Schwindel
Und treibt meine besiegte Seele mit beiden Händen hinaus…»

§285
· Änderung der Kurtine für eine Komparation
Theorie

Die Komparation (:Düfte²-/Auen) verdient die Kurtine ö=1, weil der Ton der Träumerei außer Zweifel steht. Um zu ö=2 zu gelangen, schreiben wir eine Schiene mit dem Anschein einer rationellen Untersuchung: “…im Bereich der Nervenphysiologie darf man sich fragen, ob die Düfte für den Geruch wie die Auen für das Auge sind…”

Methode

Ohne solche didaktische Parallelen oder Forschungsanalogien hätten wir keinen Gesamtüberblick über die zu erörternden Fälle. Es geht hier nicht nur um Wendungen, die in der Literatur oder der Mythologie vorkommen, weil der Fall (2-/3-/4-/6), der historisch in mancher Hinsicht als Muster betrachtet werden kann, nicht aus den Augen verloren werden darf [38]. Es ist also besser anzunehmen, dass die Tartans einen engen Rand an Richtigkeit bieten, wenn dieser auch nicht zu ihrem Hauptbereich gehört.

Anwendung auf Baudelaire

Wie Baudelaire später sieht Plinius die Analogien im Rahmen einer sehr weiten Perspektive [779]: «…die Griechen bezeichnen die Übereinstimmungen und die Wiedersprüche als Sympathien und Antipathien…»

§286
· Änderung der Kurtine für eine Metapher
Theorie

Bezüglich der Metapher (:Natur./Tempel) nimmt die Kurtine den Wert ö=1 an, weil der erste Vers im Gedicht die in Frage kommenden Begriffe für keine Beweisführung gebraucht. Um für den Tartan (:E./H) zum Wert ö=2 zu gelangen, schreiben wir eine Schiene mit: “…auf unscharfe Weise wird der Tempel in manchen Kulturen als Nachahmung der Natur dargestellt, weil der Tempel aus Wäldern hervorgegangen ist. Über die Kontinuität menschlicher Sorgen besteht kein Zweifel…” Für einen solchen Satz würde die Form (;Natur./Tempel) besser passen als die Form (:Natur./Tempel).

Methode

In den meisten Fällen ist eine Beweisführung außer Reichweite der literarischen Werke. Um den Tartan als abrupt zu erklären, verlangen wir deswegen nur den Entwurf einer Implikation. Selbst ein versteckter Spott genügt, um die erwünschte Wirksamkeit aufzuheben.

Anwendung auf Baudelaire

Auf jeden Fall hat das Bild des natürlichen Tempels mit der strengen Vernunft nichts zu tun. Achilles zeigt uns in dieser Anrufung die Fortsetzung dieses Themas des irdischen Tempels [448]: «Herr Zeus, Gott der Dodona und der Pelasger, ferner Gott, der du über die ungnädige Dodona herrschst, im Land der Seller, deiner Ausleger, die sich nie die Füße waschen und die am Boden schlafen! Du hast mein Gebet gehört, du hast mir gehuldigt…»

§287
· Änderung des Grabens für eine Überschneidung
Theorie

Der Graben (ü), den (Wälder-/vertrauten-/Natur-/Tempel) verdient, hat den Wert 1, weil das “Spalier- Gau” Verhältnis von “Wälder-vertrauten” nicht völlig ausgeschlossen scheint. Um von ü=1 zu ü=2 zu gelangen, wird es genügen, den veränderten dritten Vers auf diese Weise in eine Schiene einzuschieben: “…Dort schreitet der Mensch durch hochmütige Wälder, die paradox aus Symbolen bestehen…”

Methode

Wenn er seine Meinung lange genug subjektiv im Text zu lesen glaubt, wird der Ausdeuter sich beim Ausmessen des Grabens irren. Es geht hier wie in der historischen Forschung, wo das schlimmste Ergebnis auf die reinste Aufrichtigkeit zurückzuführen ist.

Anwendung auf Baudelaire

So wird der Leser zum Beispiel von «vertrauten» ausgehen, um sich davon zu überzeugen, dass Baudelaire auf Tiere hinweist, wenn er über Symbolenwälder schreibt, die den Menschen «…mit vertrauten Blicken betrachten.» Der untersuchungslustige Leser wird wohl hier und da aus den "Blumen des Bösen" einige Verse zur Unterstützung seiner Phantasie finden [[1017]] in Index II (Gedichte)">[[1017]]: «Es ist der Schutzgeist des Ortes.
Er urteilt, er sitzt vor,
Und aus ihm gehen
In seinem Reich alle Dinge hervor.

Er mag eine Fee oder ein Gott sein.
Wenn meine Augen zu dieser Katze,
Die ich liebe, wie durch einen Magnet
Ausgezogen werden, wenden sie sich

In Selbstbeobachtung willig zu mir.
Ich sehe erstaunt die Glut ihrer blassen Augäpfel.

Es sind helle Windlichter, lebendige Opale,
Die mich starr beobachten.»

§288
· Änderung des Grabens für eine Verpflanzung
Theorie

Der zu (Entsprechungen-/Natur-/Tempel) passende Graben (ü) gleicht 1 wegen (Entsprechungen-/ Natur-/Geheimnis-/Tempel) nach Zusatz von “Geheimnis”. Zwei “Spalier-Gau” Verhältnisse sind beachtenswert: “Natur-Entsprechungen” und “Tempel-Geheimnis”. Damit wir ü=2 schreiben können, brauchen wir eine Schiene mit “Die Natur führt selbst zu keinerlei Entsprechungen, denn sie werden alle von uns ersonnen…”

Anwendung auf Baudelaire

Auch in diesem Fall hätte sich das Publikum damit abgefunden, dass die Erfindung von Entsprechungen mit einer unbekannten metaphysischen Wirklichkeit verbunden ist. Die menschliche Überraschung geht mit der Erfindung von Dingen jenseits unserer Fähigkeiten einher, und diese Ideen mögen auf [[1080]] in Index II (Gedichte)">[[1080]]: «Einen Abend voller Rosa und mystisch Blau…» hinausgehen.

Methode

Ein Graben 1 erfordert im selben Tartan zwei Sinnparallelen, die die Suche nach dem passenden Wall nicht immer mit sich bringt. Das Schema (hohes Alter-/Abend-/Leben), das eines der Muster in der Analogie bietet, zeigt, dass die Beziehung “Abend-Leben” auf vorgegebenen Begriffen beruht, während das zu ersinnende Verhältnis “Tag-Abend” eine einleuchtende Unterlage voraussetzt, um der Sache auf den Grund zu gehen.

§289
· Änderung des Grabens für eine Komparation
Theorie

Mit (Oboen-/Düfte²) nimmt der Graben (ü) den Wert 1 an, weil die beiden Verhältnisse “sanft-Düfte²” und “Bariton-Oboen” die zur besseren Verständigung ersonnen werden müssen, problemlos zu erfinden sind. In jedem Paar ist der Gau mit dem passenden Spalier verbunden. Die Überschneidung (Bariton-/Oboen-/sanft-/Düfte²) verwandelt die Komparation und verleiht ihr eine Breite, die ihr nicht eigen ist. Um zu ü=2 zu gelangen, genügt eine Schiene mit “Es gibt im Gegensatz zu den Düften Wesen, die ebenso sanft wie die Oboen sind…”

Methode

Der Graben und die Öffnung werden im Verhältnis zur Überschneidung bestimmt, weil sie zu einer detaillierten Deutung der rhetorischen Wendung zwingen, was leider keineswegs bedeutet, dass dieses Vorgehen zu einem Beweis führt. Die ersonnene Bedeutung der Überschneidung dient dem Ausdeuter nur als Hilfsmittel und übt auf den Geist keine zwingende wissenschaftliche Kraft aus. Unter den Analogien bleibt die Metapher wegen des mangelnden Plektrons am undurchsichtigsten.

Anwendung auf Baudelaire

Im Ton und Rhythmus des ersten Dreizeilers sind nicht nur die Oboen, sondern auch die Glockenspiele zu hören. Wir müssen jedoch zugeben, dass Baudelaire im dritten Vers derselben Strophe das Thema des verdorbenen Geistes anschneidet. Es ist kennzeichnend für den Dichter, zwei gegensätzliche Ansichten aneinander zu reihen [[1024]] in Index II (Gedichte)">[[1024]]: «Selig ist die Glocke mit kräftiger Kehle.
Trotz ihres hohen Alters wirft sie
Munter und wohlauf ihren treuen, gläubigen Schrei…

-Leider hat meine Seele einen Sprung…»

§290
· Änderung des Grabens für eine Metapher
Theorie

Der für (Natur./Nacht) zulässige Graben nimmt den Wert ü=1 an, denn es fällt dem Schaffenden leicht, eine dem Tartan (Natur-/wirre-/Nacht-/vereinen) gleiche Sinnparallele zu erdenken. Um ü=2 zu erreichen, genügt eine Schiene mit “…lange Echos, die sich in der Ferne vereinen in einer tiefen, natürlichen Einheit, die sich gegen die weite Nacht auflehnt…”

Anwendung auf Baudelaire

Die Finsternis mag auf die durch Arbeit oder Angst gezeichneten langen Stunden hindeuten, aber sie mag auch die nächtlichen Feiern begünstigen und durch die technische Beleuchtung durchdrungen sein. Des Weiteren bleibt die Nacht im Wesentlichen das Himmelsgewölbe, das die folgende Zeile von Homer zu ehren scheint [444]: «Warum irrt ihr alleine von einem Segelschiff zum nächsten durch das Lager in der heiligen Nacht?» 1835-36 blieb Baudelaire in engem Kontakt mit der homerischen Dichtung. Es ging so weit, dass dem Studienrat am 27. August von einem Vertreter der Behörde vorgeworfen wurde, «seinen Schülern das ganze Jahr im Fach Griechisch ausschließlich Auszüge aus Homer geboten zu haben» [595].

Methode

Das Türmchen 1 erfordert eine bunt zusammengewürfelte Mischung von Bildern, während der Graben fordert, dass der Schaffende dieselben Bilder sorgfältig geordnet hätte. Der Ausdeuter macht Tausend Kombinationen, um die Erfordernisse der Analogien bezüglich ihrer Bilder herauszufinden. Dies erinnert an die wahrscheinlichen Anfänge dieser Grundphysik, die die Mathematik darstellt. Der Kreis scheint die Erfahrungen darzustellen, die der Geist von den Visionen der Sonne, des Mondes, eines Baumschnitts, der durch den Einschlag eines Steines verursachten Kräuselung sammelt. 126

§291
· Änderung der Öffnung für eine Überschneidung
Theorie

Bezüglich der Überschneidung (,Natur-/Wälder-/Tempel-/Säulen) dürfen wir über den Wert der Öffnung ÿ=2 oder ÿ=1 zögern. Es fallen uns zwei Bereiche der Erscheinungen ein. In jedem dieser Bereiche unterscheiden wir drei Ebenen. Einerseits haben wir die Erde, die Wälder und den Himmel. Andererseits gibt es die Pflasterung, die Säulen und das Dach. Zwei Zwischenglieder verbinden beide Extreme in jedem Bereich. Es sind die Wälder und die Säulen. Da die Darstellung unzuverlässig scheint, neigen wir dazu, den Inhalt des Gedichts zu Gunsten von ÿ=2 zu ändern. So werden wir im ersten Vers “Die wesentliche Natur des Tempels…” schreiben. Durch diese Änderung trägt nun das Wort “Natur” die Bedeutung “Wesenheit”: “Essenz”, “Gegenstand der Definition”. Auf diese Weise verschwindet im Hintergrund des Verstands der Sinn “natürliche Welt” von «Natur», und die Verteilung “Erde-Wälder-Himmel”, die ÿ=1 begünstigte, scheint ein Trugbild zu sein.

Methode

Die Überschneidung (,Dachboden-/Haus-/Berggipfel-/Gebirge) bietet eine Sinnparallele, die der vorherigen Analogie ähnelt, denn es sind hinter jedem Paar drei Ebenen sichtbar.

Anwendung auf Baudelaire

Das Gedankenbild des Echos, das aus der Erfahrung des Berges oder des Waldes stammt, lässt sich nicht so gut in drei Teilen analysieren wie das Haus mit seinen drei Ebenen: Erdgeschoss, erster Stock, Dach. Trotzdem hat das Echo die Architektur geprägt, wie es Plinius bemerkt [777]: «Immer noch in Cyzikum, nahe am genannten "thrakischen Tor" werfen sieben Türme die Worte zurück. Dieses Wunder des vermehrten Tons wurde von den Griechen Echo genannt. Meistens ist diese Erscheinung mit der Beschaffenheit der Örtlichkeit verbunden. In dieser Hinsicht zeichnen sich die tief eingeschnittenen Täler besonders aus. Oft ist jedoch das Echo reiner Zufall, aber in Olympia hat die menschliche Erfindungsgabe den Widerhall geschaffen. Die Säulenhalle, die zu diesem Zweck entstand, wurde Heptaphon genannt, weil sie denselben Ton sieben Mal wiederholt.»

§292
· Änderung der Öffnung für eine Verpflanzung
Theorie

Die Öffnung von (,Entsprechungen-/Natur-/Tempel) kann von ÿ=2 nicht Abstand nehmen, da die Verpflanzung eine Verkürzung der vollständigen Analogie (,Entsprechungen-/Natur-/Geheimnis-/Tempel) darstellt. Dies hängt mit der Unmöglichkeit zusammen, sich zwei Bereiche mit jeweils drei Ebenen bezüglich der ersonnenen Beziehungen “Natur-Entsprechungen” und “Tempel-Geheimnis” vorzustellen. Wir werden ÿ=1 über eine Schiene mit “Die Entsprechungen als Vermittler des Himmels in der Natur sind die Tausend Säulen des Tempels.» erreichen. Da Himmel und Erde einen Vermittler haben, kommen drei Ebenen hervor.

Methode

In den unwissenschaftlichen Texten beruht der Inhalt hauptsächlich auf den Gipfeln und nicht auf den Merkposten. Daher ist eine Überprüfung über die Gegenstände der Erfahrung überflüssig, so dass eine einfache Darstellung in Gedanken ausreicht, die gewünschte Hierarchie zu gewähren, die es möglich macht, ÿ=1 zu schreiben.

Anwendung auf Baudelaire

Entsprechungen sind nicht immer heilig [[1088]] in Index II (Gedichte)">[[1088]]: «Es führt mich dein Dunst zu reizenden Gefilden.
Ich sehe einen Hafen voller Segel und Mastbäume.
Noch sind sie von den Wogen mürbe,

Und die Seemannslieder vermengen sich
In meiner Seele mit dem Duft der grünen Tamarinden,
Der in der Luft schwebt und meinem Geruch schmeichelt.»

§293
· Änderung der Öffnung für eine Komparation
Theorie

Die Komparation (,Düfte²-/Oboen) erfordert eine Öffnung ÿ=2, denn die in Frage kommenden Beziehungen “Düfte²-Geruch” und “Oboen-Gehör” erlauben keine Gestaltung der Gedanken in drei Ebenen. Um ÿ=1 zu erreichen, müssen wir uns folgenden Zusatz vorstellen: “…in der Gradation der Düfte rangieren solche, die sanft wie Oboen sind, in der Mitte…” Die neue Schiene leitet dazu, für die Düfte drei Ebenen verdorben, neutral und heilig zu bestimmen.

Methode

Hier führt eine qualitative Gradation den Gedankengang fast bis zur Öffnung 1 für den Tartan.

Anwendung auf Baudelaire

Da die Wiedergabe von Baudelaires Gedanken für diejenigen, die von der heutigen Denkweise ausgehen, schnell zur Bürde wird, neigen wir gelegentlich dazu, die Gedanken des Schaffenden zu vereinfachen. So werden wir zum Beispiel die Mehrdeutigkeit des Sonetts nützen, um den Dichter mit einer Gestalt zu identifizieren, die Balzac folgenderweise beschreibt [86]: «Dieser Mann schlief jeden Abend auf einem "mag sein" ein, aber er hatte den höchsten Grad der Verspottung erreicht: Er trieb die anderen dazu, an die Gesetze und die Regeln zu glauben, die er innerlich ins Lächerliche zog!"»

§294
· Änderung der Öffnung für eine Metapher
Theorie

Erlaubt der Tartan (,Natur./Tempel) eine Öffnung ÿ=1? Diese Metapher scheint eine Entwicklung (,Natur-/Wälder-/Tempel-/Säulen) zu ermöglichen, was zu Beziehungen “Wälder-Natur”, “Säulen-Tempel” führen würde. Somit wären auf beiden Seiten Ebenen vorhanden: “Himmel-Wälder-Erde” und “Gott- Säulen-Tempel”. Jedoch zwingt uns der Abstand zwischen «Natur» und «Wälder» dazu, ÿ=2 vorzuziehen. Zur Stärkung dieser Wahl könnten wir folgenden Zusatz annehmen: “…dort schreitet der Mensch durch Wälder von Symbolen, oder an zahlreichen Zeichen vorbei…” Diese Ergänzung würde dem Sinn “Bäume” schaden, was “Wälder” zu einem weit schwieriger zu erreichenden Vermittler zwischen Himmel und Erde machen würde. Somit wäre die Vorstellung einer Ordnung mit Ebenen gefährdet.

Methode

Bemerken wir, dass die zu realisierenden Voraussetzungen zur Erhaltung einer Öffnung 1 einen großen Aufwand an Aufmerksamkeit erfordern. Dies bedeutet, dass eine Änderung der Öffnung nicht nur Phantasie, sondern auch technische Einbildungskraft benötigt.

Anwendung auf Baudelaire

Im Text weist Baudelaire nie ausdrücklich auf einzelne Bäume hin, so dass eine Verneinung ihres Vorhandenseins gerechtfertigt werden mag. Nur die traditionelle Bildung des Schaffenden verbindet den Wald im eigentlichen Sinne spontan mit allem, was menschlich ist, insbesondere mit den Urteilen über die Symbole. So beschreibt Hesiod einen Streit zwischen zwei Kämpen [436]: «Sie stürzten mit großem Geschrei aufeinander. Sie glichen Steinen, die zu Hunderten vom Gipfel eines hohen Berges übereinander herabrollen. Sie stoßen im Rollen die hohen Eichen mit dichtem Schopf um. Zu Hunderten zerstören die Findlinge die Fichten und Pappeln mit breiten Wurzeln und gelangen schließlich in die Ebene…»

§295
· Schießscharte der Überschneidung
Theorie

Berechnen wir nun ganze Bögen für Tartans jeder Art. Fangen wir mit der Überschneidung (:’Echos-/ vereinen-/Farben-/antworten) an. Die Begriffe scheinen weit auseinander entfernt, aber ihre starke grammatische Verbindung gleicht diese scheinbare Schwäche bequem aus: «Wie lange Echos, die sich in der Ferne vereinen…Antworten einander…Farben…» Auf diese Weise bleibt die innere Räumlichkeit aller Sprungschanzen 1, und die Schießscharte nimmt folgerichtig den Wert ä=1 an.

Methode

Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, dass der materielle Abstand zur vollen Begründung unserer Berechnung nicht ausreicht, da die logische Bindung zwischen den Fronten einer Glosse jeden scheinbaren Abstand überbrückt.

Anwendung auf Baudelaire

Plinius nahm keinen Anstoß daran, materiellen Dingen menschliche Eigenschaften zu verleihen [776]: «Es sind karge und strahlende Farben.»

§296
· Wall der Überschneidung
Theorie

Die Überschneidung (:’Echos-/vereinen-/Farben-/antworten) benötigt zu ihrer vollständigen Entwicklung die ganze zweite Strophe. Es ist also erforderlich, das Ende des Vierzeilers geduldig abzuwarten, um den Leitgedanken zu erfassen: «Wie lange Echos, die sich in der Ferne vereinen… Antworten einander Düfte, Farben und Töne.» Es müssen vier Punkte angeschnitten werden. Die Analyse bringt die allgemeine Parallele zum Vorschein. Die Kioske nehmen ausschließlich Begriffe auf. Diese Vorstellungen haben im Sonett dieselbe Anordnung wie in der Überschneidung. Über einem anderen Mühlbach würde die Analogie zumindest einen der Begriffe auslassen. Anhand all dieser Voraussetzungen müssen wir schließlich zum Wall ë=1 kommen.

Methode

Da ein Begriff den Inhalt der dem Leser am Ende der ersten Lektüre zugänglich gemachten Einzelheiten widerspiegelt, ist diese Bedeutung an ihrer Stelle im Text maßgebend. Alle falschen Vorstellungen, die im Laufe des Prozesses aufkommen und sich nicht bis zum Schluss halten, zählen überhaupt nicht.

Anwendung auf Baudelaire

Die Parallelen “Echos-Farben” und “vereinen-antworten” setzen sich nach Überwindung der Verse 6 und 7 «…In einer finsteren und tiefen Einheit
Weit wie die Nacht und wie das Licht…» schließlich durch. Bezüglich dieses eingebildeten Dialogs zwischen Düften, Farben und Geräuschen bringt uns Baudelaire die Vorstellung eines so weiten Rahmens, dass wir daraus nicht schließen können, dass er willkürlich schreibt. Philostratus beschrieb mit folgenden Worten ein Gemälde [576]: «Hier steht in Weiß gekleidet die Wahrheit. Da stehen auch die Tore zu den Träumen. Um eine Antwort des Orakels zu erhalten, muss man eine Weile schlafen. Der Traum wird mit einem Antlitz dargestellt, das von Nachlässigkeit gezeichnet ist, und er trägt ein weißes Kleid über einem schwarzen: ein Zeichen, dass Tag und Nacht ihm gehören.»

§297
· Türmchen der Überschneidung
Theorie

Das Türmchen von (:’Echos-/vereinen-/Farben-/antworten) hat den Wert ï=1, weil (Farben./ antworten) eine Mischung von Gedankenbildern verursacht.

Methode

Da es kein Gesamtregister aller Dinge auf der Welt gibt, finden sich bezüglich der Vergangenheit Fälle, in denen es schwierig scheint, eine Menge von Vorstellungen als ein Durcheinander zu bezeichnen. Wir müssen uns daher immer wieder, nach den damals üblichen Kriterien richten.

Anwendung auf Baudelaire

Es ist also leicht zu begreifen, dass die Verbindung “Farben- Antworten” 1857 als ein Durcheinander erscheinen mochte. In diesem Zusammenhang darf man nicht glauben, dass das gesamte Publikum von „Entsprechungen“ nur aus Leuten bestand, die Anhänger der Beziehungen zwischen Malern und Dichtern waren. Heine behauptete, dass die ästhetischen Eigenschaften zu einer Art Brüderlichkeit gehören. Die Umwelt würde unsere innere Empfindlichkeit manchmal wecken, so dass diese brüderlichen Verhältnisse spürbar würden [430]: «Töne und Worte, Farben und Formen, das Erscheinende überhaupt, sind jedoch nur Symbole der Idee, Symbole, die in dem Gemüthe des Künstlers aufsteigen, wenn es der heilige Weltgeist bewegt…Es dünkt mir aber des höchsten Preises werth, wenn die Symbole, womit der Künstler seine Idee ausspricht, abgesehen von ihrer innern Bedeutsamkeit,… abgesehen von ihrer geheimen Bedeutung, auch an und für sich blühend und lieblich sind…Ist der Künstler so ganz willensfrei bei der Wahl und Verbindung seiner geheimnisvollen Blumen?» Die französischen Wörter «échos», «confondent», «couleurs», «répondent» (Echos, vereinen, Farben, antworten) haben einen runden Klang, aber wir wissen nicht, welchen besonderen Sinn Baudelaire in ihre Folge legte, weil diese Art Bestimmung schwierig bleibt. Das Bild des Kreises entwickelt sich davor, was weiblich ist, aber es erinnert auch an die Sonne. Dieses große Auge erleuchtet, liebt, regiert und überwacht die Sterblichen wie ein Gott. Am Mittag hat sie eine goldene Farbe, aber sie nimmt morgens und abends in der Dämmerung die Farbe des Blutes oder des Kupfers an, -und wir bemerken hier eine Parallele mit den irdischen Gütern. Auch der Mond, der dem Wanderer in der Nacht vertraut ist, hat die Farbe des verderblichen Silbers. Jeder Leuchte ergänzt ihre Nachbarin und skandiert den Wechsel im Leben. Sie ist zugleich die Basis der Vorrichtungen zur Zeitmessung oder der Warnsignale. Denken wir an den Gong oder das Uhrpendel.

§298
· Kurtine der Überschneidung
Theorie

Wenn der Ausdeuter vor einer verzierten Analogie (:) steht, schreibt er für die Kurtine ö=1 nur, wenn keine Implikation in Frage kommt. Auf diese Weise benötigt die Überschneidung (:’Echos-/vereinen-/ Farben-/antworten) den Wert ö=1, denn das Gedicht liefert als Grund für diesen Tartan keine Beweisführung sondern nur eine poetische Beschreibung.

Methode

Das wissenschaftliche Wortgut gewährt keineswegs in jedem Fall einen strengen Gedankengang, denn die Form spielt im Bereich der Kenntnis immer eine wichtige Rolle. Es ist augenscheinlich, dass der Ausdruck “…die Jugend ist dem Leben wie die Oberhaut zum Derma…” nur einen wissenschaftlichen Anschein hat.

Anwendung auf Baudelaire

Wenn ein Dichter in sein Schriftstück gelegentlich eine Beweisführung einfügt, ist seine Absicht immer noch problematisch. Er verbleibt dabei und überlegt, was das Publikum davon wahrnehmen wird. Seinerseits meidet Baudelaire trotz seiner Neugier für die Wissenschaft dieses Gebiet, das ihm nicht vertraut ist. Er war sich seiner Mängel bezüglich der Kontrolle des Verstands, des Experiments oder der Erfahrung bewusst. Obwohl er hoch begabt war, unterwarf er sich nur zu seiner literarischen Ausbildung den langweiligen Aufgaben der Vernunft. Auch in diesem Punkt führten die pädagogischen Gepflogenheiten seiner Zeit bei ihm zu einer gewissen Müdigkeit [[1124]] in Index II (Gedichte)">[[1124]]: «Damals saßen wir alle bartlos auf alten Eichenholzbänken,
Die glänzender und polierter waren als die Glieder einer Kette,
Wenn das Handgelenk und der Knöchel sie verschlissen haben.
-Wir schleppten hockend und gebeugt unsere Langeweile
Unter dem viereckigen Himmel der Einsamkeit,
Wo das Kind zehn Jahre lang die herbe Milch seiner Bildung saugt.»

§299
· Graben der Überschneidung
Theorie

Ein Graben ü=1 bezüglich (:’Echos-/vereinen-/Farben-/Antworten) zeigt sich unausweichlich, da der Dichter jedes Mal für “Echos-vereinen” und für “Farben-Aantworten” ein “Spalier-Gau” Verhältnis beschreibt.

Methode

Es ist unwahrscheinlich, dass zwei “Spalier-Gau” Beziehungen ohne Absicht in solche Nähe gesetzt wurden, weil der Bereich der Kunst, des Sinnlichen und der Gedankenbilder keiner eisernen logischen Form bedarf, der Baudelaire hier unwillkürlich folgen sollte.

Anwendung auf Baudelaire

Wie die von Baudelaire beschriebenen Echos kreuzen und überschneiden sich die Stimmen kurz oder lange in einem Gespräch. Der Autor gibt über das Bild der sich vereinenden Echos zu verstehen, dass die zahlreichen Wahrnehmungen der Düfte, Farben und Töne nicht genau abgegrenzt sind. Im zweiten Vierzeiler scheint der Anfang das Ende zu erläutern. Nach dem letzten Wort des fünften Verses bekräftigt das Komma in der Originalausgabe 1857 diese Ordnung der Gedanken. Dieses Komma unterbricht jedoch den Fluss der D-Klänge in «confondent
Dans» (vereinen/In) am Übergang vom 5. zum 6. Vers. Baudelaire hatte jeden Grund, über den Wirrwarr von Klängen und Vorstellungen nachzudenken. Plotin bemerkt [787]: «…jeder möchte klüger sein und rühmt sich dessen. Der Beweis liegt in den Empfindungen, die den Trieb haben, als Wissen anerkannt zu werden…» Leider verlieren wir auf der einen Seite, was wir auf der anderen Seite gewinnen. Aus dem Schweizer Exil schreibt Frau von Stael [932]: «…das Schöne erinnert uns an ein unsterbliches, göttliches Dasein, dessen Erinnerung und Sehnsucht in unserem Herzen zugleich leben.» Wenn das geringste Gefühl zum Schönheitsbringer wird, suchen wir nach einer Ursache. Die Verwirrung steigert sich, wenn man sich dem Muster nähert, das sich ganz oben in der Sinnlichkeitskette befindet. Das Bild der Frau beherrscht die Eingebung in Verbindung mit Entsprechungen, Gestalten, Farben, Düften und Tönen [[997]] in Index II (Gedichte)">[[997]]: «Wie der düstere Sand und das Himmelsblau der Wüste,
Die beide gegenüber den menschlichen Leiden unempfindlich sind,
Wie die langen Wogen der Dünung des Meeres
Wandelt sie gleichgültig…Sein seltsames, symbolisches Wesen,
In dem der unberührte Engel sich mit dem antiken Sphinx vermischt,

In dem alles aus Gold, Stahl, Licht und Edelstein besteht,
Für ewig glänzt wie ein nutzloses Gestirn
Mit der kalten Erhabenheit der unfruchtbaren Frau.»

§300
· Öffnung der Überschneidung
Theorie

Die zu (:’Echos-/vereinen-/Farben-/antworten) passende Öffnung kann nur den Wert ÿ=1 haben, da keine mehrteilige Steigerung die zusammengesetzten Vorstellungen regiert. Das passt zu einem verformbaren, oder (’) Tartan gut.

Methode

Ein skrupelloser Ausdeuter kann mühelos irgendwelche Wirklichkeit halbieren, aber eine weitere Teilung würde sich als hinderlich erweisen.

Anwendung auf Baudelaire

Echos und Farben dulden keine Abstufung. Der Ausdeuter, der den Wunsch aufgeben muss, den Text nach Belieben zu manipulieren, muss sich dessen gewahr werden, dass die erhoffte Teilung nicht vorhanden ist. Anstatt eine solche illusorische Verteilung vorzugeben, sollte man das Werk lieber aus einer historischen Perspektive betrachten. Auf diese Weise findet man in Baudelaires Gedichten eine Vorliebe für Wiederholungen, die in den Kirchenliedern bereits vorkommt, was nach alter Tradition an das Echo erinnert [414]-[587].

§301
· Bilanz zu einem Überschneidungsbogen
Theorie

Um die Glaubhaftigkeit der verzierten, verformbaren Überschneidung (:’Echos-/vereinen-/Farben-/ antworten) ermessen zu können, genügt es, das Umgekehrte des Produkts der Absteckpfählen zu errechnen. Das Ergebnis kann man in sechs Größen zusammenfassen: ä=1, ë=1, ï=1, ö=1, ü=1, ÿ=1. Und es führt zum Bogen 1/(1)(1)(1)(1)(1)(1)=1. Da es sich um die am meisten offene Analogie des Gedichts handelt, ist die erfolgte Berechnung begründet. Geht man von (;’Echos-/vereinen-/Farben-/antworten) abrupt und verformbar aber mit demselben Inhalt aus, erreicht die neue Größe nur 1/(1)(1)(1)(2)(1)(1)=½. Die Kombination geht von ä=1, ë=1, ï=1, ö=2, ü=1, ÿ=1 aus. Die verzierte und brüchige Analogie (:,Echos-/ vereinen-/Farben-/antworten) gleicht ½, wobei sich der Bogen auf die Werte ä=1, ë=1, ï=1, ö=1, ü=1, ÿ=2 stützt. Schließlich würde der abrupte und brüchige Ausdruck (;,Echos-/vereinen-/Farben-/ antworten), der sich auf die Werte ä=1, ë=1, ï=1, ö=2, ü=1, ÿ=2 stützt, im Endeffekt nur 1/(1)(1)(1)(2)(1)(2)=¼ erreichen.

Methode

Der Ausdeuter, der wegen des angewandten Verfahrens dazu getrieben wird, sich an dem Text zu halten, wenn er zwischen den Kombinationen verziert-verformbar, abrupt-verformbar, verziert-brüchig, abrupt-brüchig eine Wahl treffen muss, kommt von selbst zu den verschiedenen Ergebnissen.

Anwendung auf Baudelaire

Das Echo passt als Symbol gut zu den Analogien, da beides sich auf Wiederholungen stützt, und der Dichter macht die Echovorstellung durch die von Verderbnis in den letzten Versen über Entsprechungen komplizierter, was an Edgar Poes Unruhe erinnert [681]: «…die Wahnvorstellung, die zunächst zum Zweifel führt, wird bald einem Buch ähnlich zum widersprüchlichen Denkersatz…der Mensch wird durcheinandergebracht und drückt schließlich seinen Schmerz durch ein Lachen aus.» Wohlstand bringt auch keine Lösung [[1089]] in Index II (Gedichte)">[[1089]]: «Rubens, Fluss der Vergessenheit, Garten der Faulheit,
Ruhekissen aus blutjungem Fleisch, das man nicht lieben kann,
Wo das Leben rastlos bebt und überläuft
Wie Wolken am Himmel und die Strömungen, die sich im Meer mischen…»

§302
· Schießscharte der Verpflanzung
Theorie

Die Schießscharte der Verpflanzung (:,autres-/expansion-/choses) (andere-Ausdehnung-Dinge) erreicht ä=2+(1(5/10))=2+(5/10)=2+0,5=2,5, da die Sprungschanze b(autres~choses) (andere-Dinge) 2,5 als innere Räumlichkeit zulässt. Die logische Verbindung überbrückt ja die aus «…corrompus, riches et triomphants…» (…verdorben, reich und sieghaft…) hergeleitete Unterbrechung und führt auf diese Weise die Gedankenassoziierung «…d'autres …Ayant l'expansion des choses infinies…» (…andere…Welche die Ausdehnung der unendlichen Dinge haben…) herbei. Aber die Beziehung “autres~choses” (andere-Dinge) ist noch schlimmer als die von “forêts-observent” (Wälder-betrachten), die im Absatz 34, als negatives Muster für die Möglichkeit von z=1 verwendet wird. Auf diese Weise scheint das vorhandene Verhältnis für ä=1 unzureichend. Man muss also die Fronten zwischen «autres» (andere) und «choses» (Dinge) zählen. Da Fronten vorhanden sind, führt das unweigerlich zum Wert 2,5. Andererseits hat der Absatz 36 das Beispiel “corrompus-infinies” (verdorben-unendlichen) empfohlen, um eine Vorstellung der Zählung zu erleichtern, und dieses Beispiel führt zum selben Abstand von 2,5.

Methode

Es ist üblich, viele Beispiele anzuführen, um eine Tradition der Messung zu begründen, und dies gilt insbesondere, wenn ein Teil von Vereinbarung ins Prozess einbezogen wird.

Anwendung auf Baudelaire

Düfte sind Zusammensetzungen aus winzigen, flüchtigen Teilchen, die zugleich Anlass zu haltlosen Beschäftigungen sind und den Sinn für das Schöne steigern. Diese erweichenden Öle führen nach dem Sieg zu lüsternen Spielen, die bald einen Gewaltausbruch auslösen. Tacitus verurteilt diese Ungezwungenheit [950]: «Immer wieder war es der Zorn der Götter, die Wut der Menschen, das Verlangen nach Verbrechen, die sie zur Zwietracht trieben.»

§303
· Wall der Verpflanzung
Theorie

Der Wall von (:,andere-/Ausdehnung-/Dinge) leidet unter einer anfechtbaren Parallele. Da der Dichter die Ausdehnung den gefährlichen Düften und den Dingen gemeinsam zuerkennt, wird das Ergebnis ë=2 zur Notwendigkeit.

Methode

Anhand des Walls wird der Gebrauch der Begriffe geschätzt, deren Folge, sowie die Art und Weise, wie sie das Schriftstück beschreiben, und schließlich die Parallele zwischen verschiedenen Eigenschaften, die diese Begriffe zusammen bilden.

Anwendung auf Baudelaire

Die Beziehung “Ausdehnung- unendlichen” gibt dem Schluss des Sonetts Schwung. Es ist, als ob Baudelaire an die großartigen Vorstellungen erinnern wollte, von denen die Vierzeiler zeugten. In dem Augenblick, wo die heilige Weltperspektive durch die Einführung der Vorstellung von Verderbnis bedroht wird, erwähnt der Autor die Feierlichkeit der Dinge. Damit die tüchtigsten Geister durch die Mischung von Gut und Böse weltweit nicht entmutigt werden, rät Plotin zu mehr Nachdenken [787]: «Indem wir Wesen und Leben verachten, zeugen wir gegen uns selbst und gegen unsere eigenen Gefühle. Werden wir uns des mit dem Tod gemischten Lebens überdrüssig, dann ist diese Mischung abscheulich und nicht das eigentliche Leben.»

§304
· Türmchen der Verpflanzung
Theorie

Da in (:,andere-/Ausdehnung-/Dinge) die bunt zusammengewürfelte Mischung von Bildern illusorisch scheint, nimmt das Türmchen den Wert ï=2 an. Es bedeutet, dass die in der Verpflanzung behandelten Dinge auf derselben Ebene liegen: derjenigen der flüchtigen, feinen Ausdünstungen.

Methode

Auf dem ungenauen Gebiet der Phantasietexte soll jedes kategorische Urteil hundertmal überprüft werden, denn die wahrscheinlichste Bedeutung einer Stelle wird durch höchst zweifelhafte Deutungen durchdrungen.

Anwendung auf Baudelaire

Das himmlische Unendliche könnte sich aus undurchsichtigen Gründen in die verdorbenen Gerüche einmischen. Jakobus Voraginus pries mit folgenden Worten den heiligen Geruch des Leichnams des heiligen Markus [969]: «…venezianische Kaufleute, die nach Alexandria gekommen waren, überredeten die beiden Priester, die den Leichnam des Heiligen bewachten, durch Bitten und Versprechungen, den Leichnam mitzunehmen und nach Venedig überzuführen. Aber als der Leichnam aus dem Grab gehoben wurde, verbreitete sich ein solcher Duft über die ganze Stadt Alexandria, dass alle Leute sich wunderten, woher eine solche Sänfte herkam.» Bereits zu Baudelaires Zeiten experimentierten neugierige Geister mit Gerüchen. So Louis Ménard, bei dem der Dichter Haschisch probierte, der Theologie und Wissenschaft auf einen Nenner brachte [257]-[588]-[589]-[860]. Frau von Stael beschrieb ein paar Jahrzehnte früher die Wirbel eines unruhigen Denkens wie folgt [935]: «Der Idealismus des Verstands fasst den Willen als Mitte des Alls und der Seele auf. Des Weiteren ist das Leben das Prinzip des Idealismus des Körpers. Über die Chemie wie über den Gedankengang gelangt der Mensch zum höchsten Grad der Analyse. Aber das Leben entgeht ihm über die Chemie, und das Gefühl entgeht ihm, wenn er nur durch den Gedankengang verfährt.» Der Streit über Leben, Seele und Materie wird im Zuge der frühen Untersuchungen im Labor, die zu neuen Düften führten, von neuem entfacht. Aber die Bilder der Düfte, die das Leben im Alltag beherrschen, bleiben von diesen wissenschaftlichen Höhen weit entfernt, wie folgende Worte aus Murgers „Szenen aus dem Pariser Künstlerleben“, die jungen Leuten in den Mund gelegt werden, es zeigen [257]- [261]-[412]-[413]-[545]: «…Frauen sind Blumen, die begossen werden müssen. Gießen wir! Ober! Ober!»

§305
· Kurtine der Verpflanzung
Theorie

Die Kurtine aus (:,andere-/Ausdehnung-/Dinge) erreicht den Wert ö=1, weil diese Redewendung kein Urteil voraussetzt, das eine auch indirekte Implikation benötigt.

Methode

Damit ein abrupter Tartan (;) in Verruf gebracht wird, genügt es, dass seine Bedeutung durch einen enormen, damit fest verbundenen Irrtum erschüttert wird. Auf diese Weise wird der Ausdruck (;2-/1-/4-/2) durch den Irrtum “(2/1=4/2)=>(2=4)” in eine Kurtine ö=2 mitgerissen.

Anwendung auf Baudelaire

Dem Autor droht diese Infragestellung nicht, weil er in „Entsprechungen“ von vornherein der Dichtung frönt. Jedoch scheint die Harmonie der Gegenstand eingehenderer Forschungen werden zu können. Plato war bemüht, den inneren Aufbau des Wohlklangs zu ergründen. Er stützte sich auf die Aussagen von einem seiner Vorgänger über den Zusammenklang [726]: «Die Einheit, meinte Heraklit, …"kommt durch innere Gegensätze zustande…"» Baudelaire Phantasierte über den Hintergrund der tönenden Schönheit [[1050]] in Index II (Gedichte)">[[1050]]: «Die Geige erzittert wie ein betrübtes Herz…Deine Erinnerung leuchtet in mir wie eine Monstranz!» 131

§306
· Graben der Verpflanzung
Theorie

Der zu (:,andere-/Ausdehnung-/Dinge) passende Graben wird über die Überschneidung (:,andere-/ Ausdehnung-/Dinge-/Durchdringung) bestimmt. Diese besitzt als letztes Bild eine Bedeutung, die im Text nicht vorhanden ist. Wir müssen sie also ersinnen, um die erste Analogie zu begreifen. Einerseits betrifft die «Ausdehnung» die “anderen” Düfte. Andererseits ist die Durchdringung eine fast zweifellose Eigenschaft der im 12. Vers erwähnten «Dinge». Die beiden Paare “andere-Ausdehnung” und “Dinge-Durchdringung” bilden also “Spalier-Gau” Verhältnisse, die aus der Sicht des Schaffenden verteidigt werden können. Daher können wir ü=1 schreiben.

Methode

Da wir uns lediglich für die Verpflanzung interessieren, um über ihre Glaubhaftigkeit ein Urteil fällen zu können, dient die Überschneidung nur dazu, die Messung zu erleichtern. Es geht keineswegs darum, einem aufdringlichen Ausdeuter zu helfen, eine scheinbare Analogie zu vertreten, die in der Tat nicht vorhanden ist.

Anwendung auf Baudelaire

Die Ausdehnung der Düfte, die ihre Hauche verbreiten, ist vergleichbar mit dem Wohlklang, der das Herz beklemmt, und mit dem Geschmeide, das die Augen aufreißt. Hier kommt der von Baudelaire verehrte Verstand, der Schönheit bewirken kann, zum Vorschein. Aber hier wird der großtuerische Triumph sichtbar, der zur Aufruhr treibt. Plinius, der auf das Wohl des Staates aufmerksam war, empfiehlt den Verzicht auf Luxus [774]: «Das gefährlichste Verbrechen für die Menschheit wurde von demjenigen begangen, der seine Finger als erster mit Gold schmückte…»

§307
· Öffnung der Verpflanzung
Theorie

Die verzierte, brüchige Verpflanzung (:,andere-/Ausdehnung-/Dinge) kann von einer Öffnung ÿ=1 nicht abweichen, da die Ausdehnung der Dinge, wie sie im Sonett dargestellt wird, auf der dritten Ebene einer Wirklichkeit liegt. Hinter der unendlichen Ebene der «Dinge» ahnen wir eine sehr schwache und dann eine mittlere Ebene. Andererseits haben wir eine Abstufung gefährlicher Düfte mit anfangs groben, dann feineren und schließlich winzig kleinen Teilchen. So stellt die Dynamik der erwähnten Düfte den letzten Grad einer dreiteiligen Steigerung dar. Mit dem Inserat 3 in beiden Bereichen haben wir eine Nadel, was die Öffnung ÿ=1 rechtfertigt.

Methode

Der Ausdeuter verlangt vom Zusammenhang, dass er die Vorstellung der Gradation im Denken des Autors zulässt. Die Behauptung “der Hang zum Zwist gehört zur Wesensart des Menschen” setzt keine Einteilung auf drei Ebenen voraus, während “der Zwist gehört zu den grundlegenden Eigenschaften des Menschen; die Gefühlswärme zur Mitte; die Höflichkeit zur Oberfläche” eine Hierarchie voraussetzt.

Anwendung auf Baudelaire

Im Sonett ist der Dichter bemüht zu zeigen, dass das Gute das Böse verhüllt, und lenkt zu diesem Zweck die Aufmerksamkeit des Lesers von den sanften bis zu den “anderen” Düften. Baudelaire betrachtet Edgar Poe als einen anderen Autor, der nach derselben Wahrheit strebt [683]: «Er sagt, es steckt in der Seele eine geheimnisvolle Kraft, die die moderne Philosophie nicht in Betracht ziehen will. Wird diese namenlose Kraft, dieser entscheidende Hang, jedoch nicht vorausgesetzt, so bleibt eine Menge menschlicher Tätigkeiten unerklärt und unerklärbar. Diese Tätigkeiten verdanken "der Tatsache" ihren Reiz, dass sie übel und gefährlich sind. Sie haben die Anziehungskraft des Abgrunds. Diese unwiderstehliche Urkraft ist die natürliche Verderbnis. Dieser Hang bedeutet, dass der Mensch immer zugleich Mörder und Selbstmörder, Angreifer und Henker ist…» Bei dieser Gelegenheit wirft der scharfsinnige Leser einen Blick nach Amerika [684]: «…nicht ohne eine gewisse Genugtuung sehe ich, wie Bestandteile der antiken Weisheit, die von einem Lande, aus dem wir sie nicht erwarteten, als Strandgut zu uns zurückgespült werden.»

§308
· Bilanz zu einem Verpflanzungsbogen
Theorie

Der Bogen zu (:,andere-/Ausdehnung-/Dinge) nimmt den Wert (1/äëïöüÿ) an, der das Umgekehrte von (äëïöüÿ) ist. Was die Absteckpfähle betrifft, sieht die Bilanz wie folgt aus: ä=2,5; ë=2; ï=2; ö=1; ü=1; ÿ=1. Diese Größen liefern das Ergebnis (1/(2,5)(2)(2)(1)(1)(1))=1/10=0,1. Auf intuitiver Ebene haben wir eher eine vage Beschwörung als eine Analogie. Dies liegt am gewissen Abstand zwischen den Wörtern und an der schwachen Mischung der Vorstellungen. Die «unendlichen Dinge» sehen selbst wie die Dinge mit dynamischer Ausdünstung aus und gleichen somit den Düften. Andererseits ist die grammatische Beziehung zwischen «andere» und «Dinge» nur indirekt.

Methode

Allein eine wesentliche Sinnverschiebung erlaubt einen unweigerlichen Tartan. Somit gestalten sich der numerische Wert des Bogens 0,1 und die Grundintuition harmonisch.

Anwendung auf Baudelaire

Dieser niedrige Glaubhaftigkeitswert 0,1 ist wenig überraschend, denn die Bedeutung eines Gedichts erlaubt eine Unzahl von winzigen Parallelen, die der Autor des Textes nicht anführen will. Baudelaire könnte die «unendlichen Dinge» mit teuflischen Taten vergleichen. Wir dürfen jedoch den Auslegern nicht folgen, die sich den Schaffenden als einen vorstellen, der in dauernder Unruhe auf eine Erklärung der göttlichen und teuflischen Geheimnisse wartet. Ausgenommen wenn er daraus eine künstlerische Wirkung zog, verstand es Baudelaire, in dieser Hinsicht eine große Zurückhaltung zu wahren. Manche Bewunderer von Edgar Poe verdienten folgenden Spott aus seiner Feder [178]-[683]: «Die Swedenborgianer gratulieren ihm zu seiner "Mesmerischen Offenbarung”. So sind sie jenen naiven Schwärmern ähnlich, die ein Jahrhundert früher den Autor des "Verliebten Teufels" bewachten, aus Angst, dass er ihre Geheimnisse an den Tag legte. Die Swedenborgianer sind Edgar Poe für die großen Wahrheiten, die er gerade kundgegeben hat, zu danken, denn sie haben -als Prüfer des nicht Nachprüfbaren- entdeckt, dass alle seine Aussagen stimmen. Zwar geben diese biederen Leute zu, dass sie anfangs geglaubt hätten, dass die Erzählung ein Werk der Dichtkunst gewesen sei.»

§309
· Schießscharte der Komparation
Theorie

Die Schießscharte der Komparation (:’Düfte²-/Auen) kann nicht von ä=1 abweichen, da der feste grammatische Rahmen «Es sind Düfte…grün wie die Auen…» jeden Abstand zwischen beiden Begriffen zunichtemacht.

Anwendung auf Baudelaire

Das Grün setzt das Rote, das im Gemetzel funkelt, von dem Homer so viel erzählt hat, als Gegenstück voraus [450]: «Das Schwert wird ganz warm durch das Blut, und in die Augen des Kämpen drängen meisterhaft der rote Tod und das gebieterische Schicksal.»

Methode

In Prosa leidet die Metapher an einem Mangel an Klarheit. In der Dichtung erweist sich die Überschneidung durch das Detail als schwerfällig. Den Komparationen wird oft das Plektron vorgehalten. Die Verpflanzung besitzt keine besondere Gabe, aber sie behält eine Art Gleichgewicht, was erklärt, dass “das hohe Alter ist der Abend des Lebens” gewöhnlich als Beispiel für sämtliche Analogien angeführt wird [38].

§310
· Wall der Komparation
Theorie

Der Wall ë=1 von (:’Düfte²-/Auen) wird anhand von vier Vorteilen herbeigeführt. Zunächst kommt eine leicht zu begreifende Parallele, die außerdem keine Gleichung und keine Identität enthält. Zweitens erhalten die Kioske Begriffe. Drittens ist die Reihenfolge der Begriffe in der Verpflanzung und im Text dieselbe. Schließlich kommen wir zum Plektron «wie»: «Es sind Düfte frisch wie die Haut von Kindern,
Sanft wie Oboen, grün wie die Auen…» Es erlaubt uns, an dieser Stelle eher eine Komparation “Düfte²-Auen” als eine Metapher zu sehen.

Methode

In der Annahme, dass jede einzelne Bedingung, die die globale Voraussetzung des Walls 1 bildet, einen speziellen Absteckpfahl besitzt, müsste die Berechnungsweise das Gleichgewicht zwischen den numerischen Kriterien wiederherstellen. Insbesondere wären ebenso viele Absteckpfähle nötig, wie es Sprungschanzen gibt. Mit der Überschneidung (E-/F-/H-/R) hätten wir anstatt einer einzigen Schießscharte sechs Größen, das heißt eine für jeden Abstand: E-F; E-H; E-R; F-H; F-R; H- R.

Anwendung auf Baudelaire

Der Ton im ersten Dreizeiler wird nur diejenigen überraschen, die sich Baudelaire als Autor vorstellen, der das Land hasst. Es zeugen jedoch viele Verse vom vielseitigen Geschmack des Dichters. Erwähnen wir diejenigen, die Amsterdam oder Venedig gewidmet sind [[1059]] in Index II (Gedichte)">[[1059]]: «Die untergehenden Sonnen
Bekleiden die Felder,
Die Kanäle, die ganze Stadt
Mit Hyazinth und Gold.
Die Welt schläft
In einem warmen Licht ein,

Dort ist alles nur Ordnung und Schönheit,
Luxus, Ruhe und Wonne.»

§311
· Türmchen der Komparation
Theorie

Uns begegnet eine schwierige Frage bezüglich des Türmchens von (:’Düfte²-/Auen). Wie ein Duft von den Auen emporsteigt, besteht ein Grund, die vermeintliche, bunt zusammengewürfelte Mischung von Bildern in Frage zu stellen. Außerdem gehört zum Gras oft eine grüne Farbe. Aber Baudelaire hegt einen anderen Gedanken: “"grün" ist der Geruch des Duftes, und diese Herbheit wird mit dem leuchtenden Grün der Auen auf der gleichen Linie liegen. Die Säure mit dem Geschmack eines grünen Apfels liefert dem Geruchssinn einen Eindruck, der nun mit der Augenempfindung, die uns die Wiesen vermitteln, verglichen wird. Dies stimmt insbesondere im Frühjahr, wenn das Grün seine höchste Kraft erreicht. Über diese Deutung meiden wir die Plattheit: “ebenso wie die Auen sind die Düfte grün”. Somit steuern wir nun einem interessanten Bild zu: “die säuerlichen Düfte sind wie die grünen Auen”. Auf diese Weise besteht über den Wert ï=1 des Türmchens kein Zweifel mehr, da eine Mischung von versetzten Bedeutungen vorhanden ist.

Methode

Als leichtfertiger Ausdeuter stellt sich jeder von uns die berühmten Autoren auf Grund der von ihnen kommenden allgemeinen Bildung als leicht zugänglich vor.

Anwendung auf Baudelaire

Am Anfang werden wir durch die Tatsache, dass wir einerseits einen gewagten Ausdruck «…Düfte…Sanft wie Oboen…» und andererseits eine Plattheit «…Düfte…grün wie die Auen…» haben, aus dem Konzept gebracht. Erst später empfinden wir am Ende der Lektüre des Textes, wenn die Begriffe deutlicher umrissen sind, dass “dem Ansporn des Geruchs ein Glanz in den Augen entspricht”.

§312
· Kurtine der Komparation
Theorie

Da der Tartan (:’Düfte²-/Auen) verziert ist, bedarf diese Analogie nur eines Zusammenhangs ohne Versuch zu einer Beweisführung, um ihr eine Kurtine ö=1 zu sichern. Da in „Entsprechungen“ keine Implikation vorkommt, erreichen wir diesen Wert ö=1.

Methode

Es ist unmöglich zu behaupten, dass hinter jeder Komparation ein Versuch zu einer Beweisführung steckt. Betrachten wir nun die Angelegenheit aus der Perspektive der Überschneidung, da diese Wendung den logischen Boden der anderen Analogien darstellt. Wir sehen mit (hohes Alter-/Leben-/Abend-/Tag), dass es trotz des rechtmäßigen Aufbaus seines Schemas kein Licht über sein Dasein wirft.

Anwendung auf Baudelaire

Verallgemeinernd wäre es vergeblich, in den Mythen und den literarischen Werken eine systematische Denkweise zu suchen, denn sie beschwören ihren Gegenstand, anstatt ihn zu untersuchen. Baudelaire, der vermeintlich einzige Freund der Stadt, beschreibt die Sehnsucht seiner Seele nach dem Gegenteil [[1026]] in Index II (Gedichte)">[[1026]]: «…Es ist eine kargere Landschaft als die Polargebiete.
-Weder Tiere, noch Bäche, Grün und Wald!»

§313
· Graben der Komparation
Theorie

Bezüglich (E-/H) mit dem Graben ü=1 müssen wir F und R ersinnen können, um die “Spalier-Gau” Beziehungen E-F und H-R zu erstellen. Mit (:’Düfte²-/Auen) erreichen wir “Düfte²-Säure” und “Auen-Glanz”, so dass wir ü=1 annehmen dürfen.

Methode

Wir sollen zugeben, dass die Erfindung von Vorstellungen, die nicht im Text vorkommen, die Schätzung über den Graben verunsichert. Es ist daher notwendig, diesen Mangel durch Überprüfung auszugleichen. Es geht darum, die beiden Zusätze F und R zu der vollkommenen Analogie (E-/F-/H-/R) zu festigen. Wir werden also die Übereinstimmung von allen Hauptinhalten betrachten, die wir in F und R finden können, im Verhältnis zu E und H, die tatsächlich im Text vorhanden sind.

Anwendung auf Baudelaire

Am Anfang wird (Düfte²-/Säure-/Auen-/Glanz) die Grundlage zur Festigung liefern. Wir werden andere Beispiele suchen, die mit der Denkweise des Dichters vereinbar sind, um die Rolle der Vorstellungen “Säure” und “Glanz” zu prüfen. Da der Duft mit verschiedenen Verfahren der Einbalsamierung verbunden ist, wird er mit dem Nachdenken über das ewige Leben verbunden. Dies ergibt Geltung im Zusammenhang mit unserem irdischen Leben. Ovid bezeugt dies mit folgenden Worten [566]: «…es gibt einen einzigen Vogel, der sich selbst erneuert und von neuem schafft. Die Assyrer nennen ihn Phönix. Er lebt weder von Körnern noch von Kräutern, sondern von den Weihrauchstränen und vom Saft des Amonums. Kaum sind die fünf Jahrhunderte um, die seinem Dasein zugeteilt sind, setzt er sich auf die Äste oder die wackelnde Krone einer Palme. Mit seinen Krallen und seinem reinen Schnabel baut er sein Nest, in dem er Zimt, Ähren von duftender Narde, Stücke von Cassia, Myrrhe mit rötlichen Schimmern, sammelt. Er setzt sich darauf und beendet sein Leben inmitten der Düfte. Dann ersteht, so sagt man, aus dem väterlichen Körper ein…Phönix wieder auf…»

§314
· Öffnung der Komparation
Theorie

Die verzierte und verformbare Komparation (:’Düfte²-/Auen) verdient die Öffnung ÿ=1, weil keine Sinnabstufung auf drei Ebenen oder mehr vorhanden ist. Des Weiteren brauchen wir keine Wirklichkeitsabstufung, um die Überschneidung (:’Düfte²-/Säure-/Auen-/Glanz) zu begreifen. Der Glanz gehört als Ganzes zu den Auen, und die Herbheit entspricht keiner besonderen Ebene inmitten der erwähnten Düfte.

Anwendung auf Baudelaire

Hera und Zeus werden von Homer so beschrieben, dass Liebe und Grün oft verknüpft sind [446]: «…unter Ihnen bringt die göttliche Erde einen zarten Rasen hervor. Dieser dichte, sanfte Teppich aus frischen Lotos, Safran und Hyazinthe trennt die beiden Gottheiten vom Boden.»

Methode

Da Überschneidung, Verpflanzung, Komparation und Metapher ebenfalls Analogien oder Tartans sind, könnten wir uns vorstellen, dass es bequemer wäre, keine Unterscheidung zu machen, und dass die Berechnungen dadurch erleichtert würden. Ein Verbleib in dieser Unbestimmtheit würde jedoch entscheidende Merkmale außer Acht lassen. Denken wir insbesondere an das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein des Plektrons und an die drei Möglichkeiten bezüglich der Anzahl an Kiosken.

§315
· Bilanz zu einem Komparationsbogen
Theorie

Für die Komparation (:’Düfte²-/Auen) besteht die Bilanz aus ä=1, ë=1, ï=1, ö=1, ü=1, ÿ=1. Es liegt auf der Hand, dass das Ergebnis (1/(1)(1)(1)(1)(1)(1))=1 ist. Dieses Ergebnis stellt einen Bogen dar, der der Intuition klar entspricht, vorausgesetzt, dass wir unverzüglich den Gemeinplatz zu den “grünen Auen” im Text vermeiden.

Methode

Da diese Berechnung in der Perspektive gemacht wird, in der der Schaffende die Begriffe voraussieht, die dem Publikum am Ende der Lektüre geboten werden, brauchen wir den zögernden Vorstellungen derjenigen, die das Gedicht nicht zu Ende gelesen haben, keinen Platz einzuräumen.

Anwendung auf Baudelaire

Die unausweichliche Unsicherheit betrifft jedoch Baudelaire, der oft so beschrieben wird als einer, der die Auen nicht mag, obwohl er die naturnahe Seite oft besingt [[1011]] in Index II (Gedichte)">[[1011]]: «Die Sippe und ihre Weissager mit den glühenden Augensternen
Haben sich gestern auf den Weg gemacht.
Die Frauen tragen die Kleinen auf dem Rücken oder bieten
Ihrer stolzen Esslust den immer bereiten Schatz der hängenden Brüste.

Die Männer gehen zu Fuß mit glänzenden Waffen
Und begleiten die Karren, in denen ihre Leute kuscheln.
Ihre schweren Augen wandern in die Höhe
Voll der trübseligen Reue der fehlenden Trugbilder.

Aus ihrem Sandloch zirpt die Grille mit ihrem Lied lauter,
Wenn sie die ganze Schar beobachtet.
Kybele, die diese mag, verbreitet das Grün,

Treibt Wasser aus dem Felsen und lässt die Wüste blühen…»

§316
· Schießscharte der Metapher
Theorie

Die Schießscharte von (:’Wälder./Symbolen) (forêts-symboles) hat augenscheinlich den Wert ä=1, da der Ausdruck «Wälder von Symbolen» (forêts de symboles) die beiden Begriffe in enge Berührung bringt.

Anwendung auf Baudelaire

Ein Wäldchen zu ehren, indem man darin ein göttliches Handeln vermutet, ist ein starker Grund der volklichen Frommheit, die Cicero befürwortete [201]: «Der Brauch der "heiligen Haine" inmitten der Gefilde, in allen sichtbaren Fluren auf Gütern und Höfen, beruht auf demselben Prinzip. Diese Verehrung der Laren ist sowohl auf den Meister als auf den Diener gemünzt, und wir müssen uns hüten, diese von unseren Vorvätern überlieferte Religion zu verwerfen.»

Methode

Eine Metapher kann anhand der soeben erwähnten Nähe der Begriffe eine Schießscharte 1 erreichen, aber weit auseinander stehende Begriffe mit starkem logischen Rahmen können ebenfalls zum Ergebnis ä=1 führen. Zum Beispiel haben wir ä=1 für (Liebe./fiel), das folgenden Ausdruck beschreibt: “Die große Liebe und ihre Folge langer zärtlicher Weilen, scharfer Freuden, winziger Zwiste, endloser Wettstreite, die die Aufgaben oder die Spiele mit sich bringen, und noch ungleichmäßiger Leiden -die in erster Linie die Leute befallen, die unfähig sind, die geringe Wichtigkeit, die die kürzeste Abwesenheit, oder die kleinste Verzögerung allgemein aufweist- Dinge, die in jedem Augenblick das tägliche Leben der beiden Menschen trägt, fiel auf ihn.” Eine unbestreitbare Sinnkontinuität “Liebe-fiel” macht den Abstand zwischen beiden Begriffen zunichte, was eine Berechnung durch die 2+(1(n/10)) Gestalt für die innere Räumlichkeit von b(Liebe~fiel) als überflüssig erscheinen lässt.

§317
· Wall und Türmchen der Metapher
Theorie

Die Analogie (:’Wälder./Symbolen) (forêts-symboles) wird keinen anderen Wall als 1 erreichen, weil der Schaffende den Ausdruck «forêts de symboles» (Wälder von Symbolen) nicht gebraucht haben kann, ohne darüber wohl nachgedacht zu haben. Auf Französisch war dieser Ausdruck vor 1857 im Sinne von “Ganzes verwickelter, unentwirrbarer Teile» nicht geläufig. In dieser Zeit bedeutete diese Wendung eher [841]: «…große Menge langer, nebeneinander gestellter Gegenstände…» Folgerichtig führt die intuitive Parallele zwischen fremden Gedankenbildern zu keinerlei Einwänden. Des Weiteren besitzen die Kioske Begriffe, die die Urordnung behalten, und keiner der in der Analogie nützlichen Begriffe wird vernachlässigt. Fügen wir über denselben Gedankengang diesem Absteckpfahl ë=1 das Türmchen ï=1 hinzu, weil die Mischung von versetzten Vorstellungen für «Wälder von Symbolen» vom Autor deutlich empfunden worden sein mag [394].

Anwendung auf Baudelaire

Die Pfeiler oder Symbole zu beleben, erinnert an eine von Plinius bekannte Tradition, nach der das Gestein sich vermehrt [778]: «Und unter anderen Wundern, die Italien eigen sind, lehrt uns Papirius Fabianus, ein bewanderter Naturhistoriker, dass die Marmorbrüche sehen, wie das Gestein wächst. Selbst Steinbrecher behaupten, dass die von den Menschen herbeigeführten Aushöhlungen sich von selbst nachfüllen.»

Methode

Da das Türmchen 1 eine bunt zusammengewürfelte Mischung von Bildern voraussetzt, müssen wir uns die Frage des besseren zu fällenden Urteils stellen, über die Beschreibungen bezüglich der Überbrückung der Trennung zwischen zwei Bereichen der Kenntnis. Dies ist bereits geschehen, als Sternkunde und Physik mit Newton zu einer einzigen Wissenschaft verschmolzen wurden [251]. Dieses Problem ist nicht unlösbar, denn in solchen Fällen wird den Gegnern der vermeintlichen Mischung von Vorstellungen ein Beweis entgegengehalten, der sich auf dauerhafte Erscheinungen stützt. Da wir den Grund der Verbindung zwischen den beiden Sinngebieten erreichen, fällt jede Gefahr einer ungeordneten Mischung aus. So ist zu Metaphern kein Stoff mehr vorhanden.

§318
· Kurtine und Graben der Metapher
Theorie

Der Text lässt von einer Argumentation hinter dem Tartan (:’Wälder./Symbolen) nichts zum Vorschein kommen. Da es sich um eine verzierte und verformbare Metapher handelt, wendet sich der Mangel an einer Beweisführung zugunsten einer Kurtine ö=1. Der Graben, der (:’Wälder./Symbolen) verdient, findet seinen Wert nach der ersonnenen Überschneidung (:’Wälder-/Durcheinander-/Symbolen-/Vielzahl). Obwohl die Vorstellungen “Durcheinander” und “Vielzahl” frei erfunden sind, begreifen wir, dass die “Spalier-Gau” Beziehungen “Wälder-Durcheinander” und “Symbolen-Vielzahl” aus dem Text abgeleitet wurden und in seinem Bereich bleiben, was zu ü=1 führt.

Anwendung auf Baudelaire

Bei seiner Rückkehr aus dem Exil betrachtet Chateaubriand die Symbolik der Wälder bis ins Einzelne. Im Folgenden beschreibt er, was ein Missionsfriedhof in Amerika und einen Wald vereint [187]-[188]-[593]: «Die roten, mit Grün marmorierten Stämme dieser Bäume, stiegen ohne Äste bis zu ihren Wipfeln empor. So glichen sie hohen Pfeilern und bildeten die Säulenhalle dieses Tempels des Todes. Es herrschte ein religiöser Lärm, der dem dumpfen Brüllen der Orgel unter dem Gewölbe einer Kirche ähnelte. Drang man tief in die Stätte, so hörte man nur noch die Lieder der Vögel, die den Toten zu Ehren in einer immer währenden Feier sangen.»

Methode

Was den Übergang von «…die Lieder der Vögel…» zu “der Gesang der Vögel klingen wie Lieder” betrifft, werden manche Leute denken, dass wir uns unnötig Mühe machen, indem wir Komparation und Metapher zu unterscheiden versuchen. Zu “das hohe Alter ist ein Abend”, werden sich Leute finden, die davor nicht zurückschrecken werden, zu behaupten, dass “ist” ein Plektron darstellt. Aber dieser gesamte Gedankengang scheitert, weil “ist” den Kontakt und somit den Wagemut stärkt, während es im Ausdruck “das hohe Alter ist wie ein Abend” auffällt, dass “wie” das Wagnis lindert.

§319
· Öffnung der Metapher
Theorie

Da die Öffnung 2 für eine verformbare Metapher eine Hierarchie der Vorstellungen mit drei Ebenen oder mehr erfordert, muss (:’Wälder./Symbolen) den Wert ÿ=1 annehmen. Die verschiedenen Aspekte von (:’Wälder-/Durcheinander-/Symbolen-/Vielzahl) mögen sich nicht leicht in drei Ebenen verteilen. Es lässt sich nur schwer ein Vergleich zwischen der Beziehung “Symbolen-Vielzahl” und dem Aufbau “Morgen- Mittag-Abend” ziehen, der im Hintergrund von (hohes Alter-/Leben-/Abend-/Tag) liegt. Auf ähnliche Weise könnte das Verhältnis zwischen «Wälder» und “Durcheinander” keiner ebenso geordneten Gestalt gehören wie “Kindheit-Reife-hohes Alter”, die sich unter derselben Überschneidung (hohes Alter-/Leben-/Abend-/ Tag) ausprägt.

Anwendung auf Baudelaire

Baudelaire hat sich für die Leidenschaften interessiert, die die tierische Welt bewegen [641]: «…oft habe ich gedacht, dass die bösartigen und abscheulichen Tiere möglicherweise nur die Belebung, Verkörperung, Entstehung ins Fleisch der "üblen Gedanken" des Menschen sind. -So nimmt die gesamte "Natur" an der Erbsünde Anteil.»

Methode

Jeder Absteckpfahl hat seine Aufgabe. Während die Öffnung die Abstufung der Bilder überwacht, folgt das Türmchen deren bunt zusammengewürfelter Mischung. Was den Ausdruck “der Trieb der Tiere” betrifft, ist keine Mischung von versetzten Vorstellungen spürbar. Mit “der Verstand des Ochsen” kommen keine drei Ebenen zum Vorschein. Dagegen werden für “die Kindheit des Ochsen” die Steigerung und die Mischung der Bilder zugleich sichtbar.

§320
· Bilanz zum Bogen einer Metapher
Theorie

Die Absteckpfähle der verformbaren, verzierten Metapher (:’Wälder./Symbolen) führen zur Bilanz ä=1, ë=1, ï=1, ö=1, ü=1, ÿ=1. Der Bogen nimmt daher die Höhe 1/äëïöüÿ=(1/(1)(1)(1)(1)(1)(1))=1, was mit der Intuition anscheinend übereinstimmt.

Anwendung auf Baudelaire

In den Gebäuden, die von Menschenhand errichtet wurden, zögern wir, Säulenbäume zu erkennen [504]. Chateaubriand zaudert seinerseits nicht, Pfeilerbäume zu sehen. Er nutzt die Gelegenheit der Abenteuer eines Reisenden durch Südspanien, das ihm viel bedeutet [190]: «Er kam auf den Gedanken, den dem Gott von Blanca geweihten Tempel zu betreten und dort den Meister der Natur zu Rate zu ziehen. Er geht hinaus und kommt zur Eingangstür einer früheren von den Gläubigen zur Kirche verwandelten Moschee. Mit traurigem Religionsgefühl betritt er den Tempel, der einst der geweihte Ort seines Gottes und seines Vaterlands war. Das Gebet war zu Ende, und die Kirche war leer. Eine heilige Dunkelheit herrschte inmitten der Säulen, die dank der Vielzahl von Stämmen einem regelmäßig angelegten Forst glichen.»

Methode

Zu bemerken ist schließlich, dass das Plektron «glichen» unleugbar ist, was uns erlaubt, die Komparation (Säulen-/Forst) zu schreiben, die wahrscheinlicher wirkt als die Metapher (Säulen./Forst). Fünfter Teil: KURZE REDEWENDUNGEN Ins Deutsche übersetzt von Jean-Claude Guerry